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Die Brücke im Dschungel cover

Die Brücke im Dschungel

Chapter 4: 3
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About This Book

The narrative unfolds in a jungle setting where the author recounts an encounter with a character named Sleigh. The meeting occurs at a muddy watering hole, where the author is confronted by Sleigh, who is cautious and points a gun at him. After a brief exchange, Sleigh reveals he is on a journey and instructs the author to wait a distance away before he drops the gun and departs. This encounter highlights themes of survival, caution in unfamiliar territories, and the unspoken rules of trust and suspicion among individuals in the wilderness.

3

s war dicke schwarze Nacht. Der Himmel war klar, und die Sterne standen hell in der schweren Finsternis.

Als wir zum Flußufer kamen, mußten wir nach der Brücke tasten. Drüben von der anderen Seite sahen wir die Laterne vom Pumpmeister herüberwinken. Endlich hatten wir die Brücke.

„Ei verflucht noch mal!“ sagte ich. „Da muß man verteufelt vorsichtig sein. Jetzt wäre ich doch wahrhaftig gleich in den Fluß gestürzt. Ist der denn tief?“

„Acht bis fünfzehn Fuß, an den Ufern ziemlich flach. Im Durchschnitt wohl sechs Fuß, an den tiefsten Stellen sicher nicht mehr als fünfzehn“, sagte Sleigh.

„Das ist tief genug, um für immer zu verschwinden“, erwiderte ich.

Ich war geradezu auf die Laterne des Pumpmeisters losgegangen, bis ich plötzlich dicht zu meinen Füßen Sterne funkeln sah. Darüber war ich so erstaunt, daß ich mit einem Ruck stehenblieb, um das Wunder zu betrachten. Aber diese Sterne, die da so merkwürdig glitzerten, war die Spiegelung des Flußwassers, das leise dahinwellte. Sleigh ging weiter rechts neben mir. Ich konnte ihn nur undeutlich sehen, hörte aber seine Tritte auf den Holzplanken der Brücke.

Ganz verwundert war ich über mein Erlebnis, das mir beinahe ein unerwartetes Bad gebracht hätte. Zuerst konnte ich mir gar nicht erklären, wie ich so hatte drauflosdösen können. Aber als ich dann in Ruhe den Vorgang übersah, war es mir durchaus klar: die Brücke kreuzte rechtwinklig zum Flußufer das Wasser; aber in der schwer durchdringlichen Finsternis konnte ich den rechten Winkel nicht fühlen, weil ich weder die Richtung des Ufers noch die der Brücke erkennen konnte. Die Pumpe war nicht unmittelbar am Ausgang der Brücke, sondern etwa dreißig Schritte links vom Ende der Brücke. Vom diesseitigen Ufer aus konnte man nichts weiter erkennen als das Licht der Laterne, die auf dem Platz vor der Pumpe hing. Daß die Pumpe und also das Licht nicht gerade am Ende der Brücke war, hatte ich, ohne darüber nachzudenken, im Gefühl gehabt; was ich aber nicht richtig im Gefühl gehabt hatte, war die wahre seitliche Entfernung der Pumpe von der Brücke. Ich war viel zu scharf auf die Laterne losgegangen, und so war ich auf dem besten Wege, von der Brücke herunter glatt in den Fluß zu laufen. Ein Geländer grenzte sie ja nach den Seiten hin nicht ab. Die Täuschung war so vollkommen, daß, nachdem ich den Sachverhalt erkannt hatte, ich mich nach einigen Schritten schon wieder dicht am Rande befand, weil ich eben das Gefühl nicht los wurde, daß ich mehr auf die Laterne loszugehen habe, um nicht rechts über die Brückenkante zu fallen, wo ja tiefschwarze Nacht lag. Wäre drüben gar keine Laterne gewesen, würde man die Brücke viel sicherer gekreuzt haben. Als wir an das Ende der Brücke kamen, saßen da mehrere halbwüchsige Indianerburschen auf den Planken, ließen die Beine über den Seitenbalken herunterhängen und sangen. Sangen in jener, den Indianern so eigentümlichen Weise, immer innerhalb derselben sechs Töne bleibend, ab und zu aber unvermutet und ohne Übergang die Stimme hoch überschlagen lassend, so daß dieser Ton nicht in derselben Skala lag, wo die übrigen sechs oder sieben lagen, sondern zwei oder gar vier Oktaven höher. Dieser Ton, der den Gesängen die Farbe zu geben hatte, konnte nicht gesungen werden, sondern er wurde geschrillt. Irgendein anderer Gesang würde in den Nächten des Dschungels unnatürlich klingen. Hier tönte er in voller Harmonie nur so, wie er von den Indianern gesungen wird.

Links am Ausgang der Brücke lag die Pumpstation. Rechts der Brücke war ein sandiger, mit dünnem harten Grase bewachsener Platz. Eine Packkarawane war angekommen, die wegen der Nähe des Flusses und der ganz unerwartet schweren Finsternis der Nacht hier Lager zu machen beschlossen hatte. Sie war etwa vierzehn Packesel und drei Reitesel stark. Sie brachte Ware nach den Dschungeldörfern. Die beiden Männer, natürlich auch Indianer, wie alle Leute, die hier herum waren, packten die Tiere ab, während der Junge, der mit ihnen war, ein Feuer anmachte.

Bei der Pumpe sah es jetzt ein wenig bunter aus als eine Stunde vorher. Der Pumpmeister hatte noch eine zweite Laterne aufgehängt. Die Musik war immer noch nicht gekommen, und sie kam jetzt auch auf keinen Fall mehr. Dagegen waren inzwischen zahlreiche Männer, Frauen und Mädchen angekommen. Die Frauen und Mädchen in grünen, roten, blauen und gelben ganz dünnen Kleidchen aus den denkbar billigsten Stoffen. Alle hatten sie Strümpfe an und Schuhe. Keine hatte einen Hut, aber manche hatten ein schwarzes Baumwolltuch. Die Männer waren gekleidet wie immer, denn sie hatten meist ja nur ein Hemd und eine Hose, für Festtag und Arbeitstag dasselbe Zeug. Viele waren barfuß, manche hatten Stiefel, die Mehrzahl aber Sandalen, selbstgemachte. Wer Kinder besaß, hatte sie mitgebracht.

Sie waren nun alle da, und irgend etwas mußte geschehen. Garza war mit seiner Geige herübergekommen und fiedelte unermüdlich darauf herum. Aber niemand nahm sich den Mut, nach dieser Fiedelei zu tanzen. Alles wartete, daß irgendein großer Musiker irgendwoher erscheinen würde, um in diese Zusammenkunft Sinn hineinzubringen. Denn bis jetzt waren die Menschen ganz zwecklos hier. Und wenn schon die bunten Gazelümpchen angezogen werden, wenn schon das Haar stundenlang durchgekämmt, eingeölt und dann sorgfältig auffrisiert worden ist, wenn man schon die schönsten Blumen zusammengesucht und in die schwarzen Strähnen geflochten hat, wenn man schon die kleinen Bälger gebadet, und wenn man endlich auf Eseln oder gar zu Fuß meilenweit durch den Dschungel gewandert ist, dann soll doch auch nachher etwas zu erzählen sein. Aber nun so gar nichts, nur weil die Musik nicht gekommen ist.

Die Frauen und Mädchen sitzen herum und schwätzen; die jüngeren stecken die Köpfe zusammen und kichern oder stehen plötzlich zu zweien oder dreien auf, laufen ein wenig herum, kommen zurück und setzen sich wieder. Ein paar Bänke sind da, sehr roh gearbeitete, und drei arme Stühle aus des Pumpmeisters Hütte. Die Mehrzahl der Damen sitzt auf Baumstämmen, Holzklötzen und morschen Eisenbahnschwellen, dem Feuerungsmaterial für die Pumpe.

Die Kinder balgen sich herum, wälzen sich auf der Erde, jagen sich, kreischen, schreien, heulen und quieken. Die größeren Burschen hocken gruppenweise zusammen auf dem Erdboden, prahlen sich gegenseitig etwas vor, hecken irgendwelche Streiche aus oder zeigen sich gegenseitig wichtige Kunststückchen, Talente und Fingerfertigkeiten, biegen sich Daumen um, recken sich die Knöchel aus, verrenken sich Gliedmaßen, Genick und Augen.

Alles raucht Zigaretten. In Maisblätter gerollter Tabak. Alles raucht: Männer, Frauen, Mädchen, Burschen und die kleinsten Kinder. Während die Mütter die Säuglinge an der Brust haben, rauchen sie und blasen den kleinen Engerlingen den Rauch über das Gesicht. Auch schon der Moskitos wegen. Die Männer stehen auch in kleinen Gruppen zusammen und schwätzen und rauchen. Sie halten ihre Frauen unausgesetzt im Auge, um ihnen, wenn nötig, eine Mühe zu erleichtern.

Ich stehe mit Sleigh, dem Pumpmeister und einem Indianer, der bei den Ölbohrern arbeitet, halbenwegs zwischen der Brücke und der Pumpe. Ich habe das Gesicht auf den Fluß zu gerichtet; aber ich kann natürlich weder die Brücke noch den Fluß erkennen.

Bei den Eseltreibern glimmt das Feuer, und ich sehe, wie der Junge Kaffee in den Kessel schüttet, während sich die Männer die Tortillas wärmen, Käse schaben und Zwiebeln schneiden. Durch das Gebüsch am gegenüberliegenden Ufer sehe ich zwei dünne Lichtchen, die aus den Hütten herüberschimmern. Wenn sich das Gebüsch im leichten Winde bewegt, verschwinden die Fünkchen und tauchen wieder auf, gerade als ob jemand mit einer Laterne durch das Gebüsch hin und her huschte. Zuweilen täuscht es, und man sieht nicht die kleinen Lämpchen, sondern sieht die großen Glühkäfer, die, wenn sie entfernt genug sind, auch nicht größer erscheinen als die Lampen.