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Die deutsche Dampfer-Expedition zum Nyassa-See. cover

Die deutsche Dampfer-Expedition zum Nyassa-See.

Chapter 13: 9. Von Blantyre nach Mpimbi.
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About This Book

A first‑hand account of an inland steamship expedition that details the logistics of transporting disassembled vessel components overland, erecting camps and a shipyard, assembling and outfitting the steamer, and conducting its launch and maiden voyages on Lake Nyassa. The narrative follows marches between encampments, methods of transport including rail transfer, episodes of local unrest and combat, and practical problem‑solving during construction. Interwoven are descriptive observations of the lake, coasts, inland settlements, and regional plant and animal life, with attention to the labour, engineering and navigational challenges encountered throughout the campaign.

9. Von Blantyre nach Mpimbi.

Meinen Weg thalwärts fortsetzend, fand ich, entgegen der Vermuthung, das Terrain ziemlich schwierig zu begehen, denn die kurzen Abhänge, auf deren Sohle meistens ein Wildbach seine hochgeschwollenen Gewässer hinrauschen ließ, sowie der unbequeme Aufstieg wiederum, waren recht ermüdend. Hätte das Felsenbett der Bäche nicht vom Gegentheil den Beweis geliefert, so würde man versucht gewesen sein zu glauben, daß die Formation der Hügel nicht festes Gestein, sondern reiche hochgelagerte Humuserde sei, denn nirgendwo ließen sich sonst Steine oder Felsen entdecken.

Auf dem platten Rücken des nächsten Hügels, hart am Wege, lag eine große vom Zahn der Zeit zerklüftete Felsenmasse, die allen Schmuckes bar, wohl 30 bis 40 Fuß hoch, ihre kahlen Glieder in die Höhe reckte, und unwillkürlich drängte sich die Frage auf: wie kam diese hierher an einem Orte, wo doch die ganze weite Umgebung im Schmucke des frischen Grün und einer blühenden Vegetation am allerwenigsten solche absorbirte Granitmasse vermuthen ließ. Zu fern lagen die bewaldeten hohen Bergkegel, durch Thal und Hügel getrennt, als daß dieser gewaltige Felsblock von einer Höhe abgestürzt, hier schließlich seinen wilden Lauf beendet hätte, viel eher würde er in seinem verderblichen Sturze gehemmt, am Fuße eines der Bergriesen liegen geblieben sein. Es mußte also eine Gigantenkraft in grauer Vorzeit ihr Spiel damit getrieben haben, und ist seit undenklichen Zeiten diese einst viel höhere kompactere Masse als ein Ueberrest zurückgeblieben, während ringsum die allgewaltige Zeit die Spuren einstigen Kampfes übermächtiger Elemente verwischt hat. Aber welche Mächte auch um dieses einsame Felsenstück einst getobt, es hat dem Ansturm getrotzt, bis es, der einwirkenden Luft und dem Sonnenschein fortdauernd ausgesetzt, wie von Keilen gespalten seine abstürzenden Trümmer umhergestreut hat, zwischen denen, an fester Wand gelehnt, heute der Bewohner dieses Landes seine leichte Hütte erbaut.

Beim letzten Schimmer des scheidenden Tages erreichte ich endlich, auf dem höchsten der Hügel gelegen, unser Lager, wo ich nach einem so anstrengenden Marsche die benöthigte Ruhe zu finden hoffte. Wider Erwarten fand ich nur eine elende Steinhütte, worin nur für den hier die Aufsicht führenden Kesselschmied Wedler, der nach seiner schweren Verletzung wieder ziemlich genesen war, Platz genug vorhanden. Selbst nicht soviel Vorrath an Zeug fand ich vor, um die Träger abbezahlen zu können, die absolut nicht weiter mitgehen wollten, trotzdem ich ihnen erhöhte Zahlung versprach, da ich auf einen vom Major hinterlassenen Befehl unverzüglich weitermarschiren sollte, und mit meinem Diener Mzee allein diesen ausführen mußte, wenn, wie es meine Erkundigung ergab, wirklich nicht ein einziger Träger zu erhalten sein sollte.

Dem einen Mangel war schnell abgeholfen, indem der deutschen Expedition Kredit genug gewährt wurde, die Trägerfrage aber hoffte ich dadurch zu lösen, daß ich den Mr. Johns aufsuchte, welchen ich einst, als er im Lager von Ntoloa in großer Verlegenheit zu mir kam, ihm und seinen Begleiter bei Kapitän Robertson eine freie Mitfahrt bis Port Herald verschafft hatte, und durch seinen Einfluß vielleicht erreichte, die benöthigten Träger zu erhalten. Vorerst jedoch, aller Eile ungeachtet, mußte dem knurrenden Magen sein Recht werden, um so eher, als die verlockende Aussicht, frische Kartoffeln, Salat und Gurken hier erhalten zu können, eine zu verführerische war. Verdiente dieses gesegnete Hochland nicht schon in anderer Weise seinen guten Ruf, die Erzeugung dieser Genußmittel würde solchen ihm bei Allen eingetragen haben, die an Entbehrungen gewöhnt, hier zu Gast sich einfinden.

Neben dem erwähnten kleinen Häuschen stand zwar noch das aufgeschlagene Zelt unseres Expeditionsarztes Dr. Röver, und hätte ich hierin für die Nacht wohl nothgedrungen eine Unterkunft finden können, allein in diesem mit Medizinkisten und ärztlichen Utensilien vollgepackten Zelte erst Raum zu schaffen und vielleicht Unordnung anzurichten, zog ich es doch vor, bei der Firma Scharre & Co., dessen Chef mir wohlbekannt, den Mr. Johns aufzusuchen, wo ich jedenfalls eine Freistätte hätte finden können. Ohne noch einen in dieser Hinsicht gehegten Wunsch aussprechen zu brauchen, wurde mir nicht allein ein Zimmer angeboten, sondern auch, was mir viel werthvoller, ohne weiteres die Unterstützung zugesagt, Träger für mich besorgen zu wollen, sofern ich mich einen Tag nur gedulden könne. Es schien mir unter diesen Verhältnissen natürlich geboten, das gemachte Anerbieten dankend anzunehmen, und dies um so eher, als mit völliger Bestimmtheit die Ankunft von einigen zwanzig Trägern, worunter acht Maschilla-Leute, gegen Abend des nächsten Tages erwartet wurde.

Diesen Tag der Ruhe nun benutzte ich, um in diesem vielgepriesenen Blantyre flüchtige Umschau zu halten, und das Nächstliegende war, der Aufforderung meines freundlichen Wirthes, des Mr. Scharre, eines Deutschen, Folge zu leisten, um sein großartiges Etablissement in Augenschein zu nehmen. Vor allen war es, neben den mit europäischen Erzeugnissen wohlgefüllten Häusern, dessen stattliche Viehherde, die ganz besondere Aufmerksamkeit verdiente, insofern als schon die Herbeischaffung lebenden Viehs mit sehr großer Schwierigkeit verbunden war, weil im ganzen weiten Umkreis der bewaldeten Höhen die Zetsefliege hauste, deren Stich für Rindvieh, Pferde und Esel fast immer tödtlich ist. Daher verdient die aufgewendete Mühe und angewandte Sorgfalt, die Zucht in diesem von dem gefährlichen Insekt freien Distrikt zu fördern, auch besondere Anerkennung, und neben der schottischen Mission, deren Gründung hier Blantyre sein anfängliches Aufblühen verdankt, ist es ein löbliches Bemühen die Kultur dieses vielversprechenden Hochlandes nach Möglichkeit zu heben.

Besonders interessant war für mich noch die Anlage verschiedener Sägewerke, nach dem System eingerichtet, wie man noch in Europa durch Menschenhände Balken zu Bretter etc. verarbeitet, nur mit dem Unterschiede, daß hier nicht auf hohen Böcken das Zerschneiden vorgenommen wurde, sondern die Balken über tiefe Gräben gelegt, von schwarzen Zimmerleuten zertrennt wurden.

Wie mir indes versichert worden, ist das Herbeischaffen der eigentlich kurzen aber recht schweren Balken die Hauptarbeit mit, da man sich wegen des zerklüfteten Terrains keiner Handwagen bedienen kann und diese nur durch Menschenkraft herbeigeschleift werden müssen. Das rothbraune feste Holz, von großem Nutzwerth, dient zur Herstellung aller möglichen Utensilien, und neben Hausgeräth wird solches auch zu Bootsplanken etc. verwendet.

Gleicherweise hatte der Besitzer neben seinem stattlichen Wohnhause auf einem kleinen Bergabhang eine Versuchsstation für Kaffee angelegt, die vorzüglich gedeiht, was die beträchtliche Anzahl Bohnen an den erst drei- bis vierjährigen Pflanzen zur Genüge bewies; übrigens ist das Klima und der vortreffliche Boden dieses Gebirgslandes vornehmlich geeignet, das Wachsthum der Kaffee- und Tabakspflanzen zu fördern, und sehr ausgedehnte Anlagen mit Millionen dieser so werthvollen Pflanzen bestanden, sind heute schon unter Kultur. Ein Kaffeefeld mit gleichjährigen Bäumchen, deren tiefdunkle grüne Blätter einen eigenartigen Anblick gewähren, bleibt immer eine imposante Erscheinung; man wird stets ein solches mit besonderem Vergnügen betrachten können, zumal, wenn die angewandte Mühe und besondere Pflege, welche die jungen Pflanzen beanspruchen, in Betracht gezogen wird.

Die hohen Bergkegel, die Blantyre wie ein Kranz umschließen, fordern auch ganz besonders die Aufmerksamkeit heraus, und würde man sich auf die Spitze eines dieser trotzigen Bergriesen versetzt denken, den Blick ungehindert in die Weite schweifen lassend, müßte es von solcher luftigen Höhe ein herrlicher Ausblick in die weiten Lande sein — von dort auswärts schauend, lägen Thal und Hügel wie ein grüner Teppich weithin ausgebreitet. Die höchsten der Berge, in ungleicher Entfernung von einander, dem Beobachter aber erscheinend, als verliefe das Fundament, auf welchem sie aufgethürmt, in einer Kreislinie, sind folgende: Pingwe, Bangwe, Malavi, Fotje, der hohe Bergrücken Durandi und Mathiro.

Von dem Wunsche begleitet, nun auch noch die Dörfer in der nächsten Umgebung in Augenschein zu nehmen, fand ich, was aus der Ferne gesehen wie ein Idyll erschienen, doch nichts Besonderes vor; wie überall, lagen auch hier die Hütten bunt durcheinander und verirrte man sich zwischen denselben, hatte man Mühe, aus dem Wirrwar der Wege sich wieder zurechtzufinden. Ganz besondere Aufmerksamkeit schenkten nur die unansehnlichen Hunde einem Fremden, sodaß man zufrieden war, das Gekläffe der Meute hinter sich zu haben. — Die Sitte, ihre Todten in den Hütten zu begraben und diese dann über das Grab einzureißen, üben die Eingeborenen auch hier aus, einem Häuptling hingegen bereitet man die Grabstätte an dem Orte, wo dieser seinen Reichthum, Ziegen, Schafe etc. zu stehen gehabt, also an einer Stelle, welche gerade nicht als sehr ehrenvoll bezeichnet werden könnte — indes kann ich dieses nicht verbürgen, obgleich es nicht unwahrscheinlich ist, da ich verschiedene Begräbnißmethoden gesehen habe, die auf krassen Aberglauben zurückzuführen und je nach der religiösen Anschauung der einzelnen Volksstämme auch verschieden sind.

Beim Durchstreifen eines Dorfes, dem Schlage der Ngoma folgend, fand ich mich plötzlich einer zahlreichen Gesellschaft gegenüber, die um einen mit bunten Bändern (Zeugstreifen) geschmückten Grabhügel eine Art Todtenfest feierten, und die grotesken Aufführungen des Medizinmannes mit Gesang, Händeklatschen und der unerlässigen Ngoma begleiteten. Sämmtliche Theilnehmer waren schon in das Stadium völliger Trunkenheit eingetreten, trotzdem aber tanzten und sprangen die taumelnden Gestalten noch um das Grab und leierten mit widerlichen Stimmen die eintönigen Gesänge her, einige schwankten auch, als ich vorüberging, auf mich zu und vertraten mir den Weg, dabei wie Blödsinnige mich anstierend, und soviel ich aus den lallenden Stimmen entnehmen konnte, waren die mir unverständlichen Worte wohl keine Schmeichelei gewesen.

Solche Sitten und Gewohnheiten sind an der Stätte, wo das Christentum Verbreitung gefunden immer noch eine Erscheinung, gegen die Aufklärung und christlicher Glaubensmuth geduldig ankämpfen müssen, und hat die Kirche auch hier eine reiche Saat ausgestreut, widersteht im Einzelnen das Phlegma des Negers doch ihrer edlen Bestrebung, diesen leicht für die neue Glaubenslehre gewinnen zu können. Es liegt wahrlich nicht an dem Bestreben opfermütiger Männer und Frauen, die ihrem Beruf mit ganzer Liebe zugethan sind, daß unter der erwachsenen Bevölkerung nur verhältnismäßig geringe Erfolge zu verzeichnen sind, sondern der ungebundene Sinn des Negers fügt sich zu schwer, vor allem, da er jedem Zwange abhold, einen solchen in dem Bekenntnisse sehen wird, sich in der Gemeinschaft der Christenheit aufnehmen zu lassen. Dahingegen ist das kindliche Gemüth empfänglicher für das Evangelium, wenn von früh auf Geist und Sinn darauf hingewiesen werden kann, und die großen Erfolge der Mission bauen sich auf die erzogene Jugend auf, die mit Geduld und von treuer Sorgfalt behütet, zu nützlichen Menschen herangebildet wird.

Mag es nun aber sein, daß die Beständigkeit des Negers von äußern Eindrücken untergraben wird und er leicht der Anfechtung, wenn er selbstständig und auf eigenen Füßen gestellt, unterliegt. Thatsache ist, daß an einer ganzen Anzahl jahrelange Mühe, viel Geduld und Liebe verschwendet worden ist und diese zuletzt als räudige Schafe aus der Heerde ausgestoßen werden müssen, weil sie, man möchte sagen zum Aergerniß geworden sind, und ihr Lebenswandel der Erziehung nicht entspricht. Solche, zum Glück nicht viele, entfalten dann die ganze Verschlagenheit der Negernatur, und auf dem Standpunkt stehend, durch ihr bischen mangelhaftes Wissen und Können, dem Europäer nun nahezu gleichgestellt zu sein, werden diese Kreaturen, wenn ihnen für ihren Eigendünkel empfindliche Strafe trifft, arge Hetzer. Gegner des Missionswesens, die eine Aufklärung der Bevölkerung, als ein unzeitiges Uebel betrachten, führen diese Erscheinungen darauf zurück, daß dem Neger, dessen Erziehung als vollendet gilt, gelehrt wird, er stehe, nachdem derselbe in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen ist, dem weißen Manne völlig gleich; sie wollen darin eine Entwürdigung sehen, da bei weitem der Neger noch nicht reif genug, und eine absolute Gleichstellung bei so unselbstständigen Charakteren ein Irrthum ist.

Solche Gleichstellung würde aber doch nur in religiösem Sinne aufzufassen sein. Ein Fehler der Erziehung wäre es, würde man die Zöglinge darauf hinweisen wollen, sie ständen im späteren Leben gleichberechtigt da, das möchte der Kulturaufgabe, welche sich die Missionare vornehmlich unterziehen, doch nicht entsprechen, und ist auch nicht der Fall! Freilich übereifrige Glaubensapostel giebt es wohl genug, die ganz in ihrem schweren Berufe aufgehend, der eigenen Würde als Belehrender nicht genug Beachtung schenken und als verirrten Bruder jedes Menschenkind ansehen, das halb willig, halb neugierig der nie vernommenen Botschaft sein Ohr leiht, ohne dabei genugsam zu bedenken wie eine Hinweisung auf Gleichberechtigung gar leicht eine falsche Auffassung in solchen unklaren Köpfen hervorbringt. Mir sind im Gebiet des oberen Schire und Nyassa-See verschiedene Male später solche Existenzen entgegengetreten, die zunächst auf ihre geringe Schreibkunst pochend, (als sie nicht die gebührende Beachtung fanden, ungezogen wurden) die Dreistigkeit besaßen mir zu erklären »sie sind ganz dasselbe wie der weiße Mann«! Nun das sind wie überall auf dem Missionsgebiete Schattenseiten, die das hochherzige Streben der Gesammtheit nicht beeinträchtigen können, nur das darf nicht unerwähnt bleiben, daß das Festhalten an Anschauungen in der auszuübenden Lehre, hier zwischen der herwachsenden christlichen Bevölkerung, nicht zu Spaltungen führen muß, die, wenn das Heidenthum den Kampf aufnehmen wird, die kleine Schaar getrennt findet und den endlichen Sieg der Christenheit dadurch sehr erschwert! Auf die Erziehungsmethoden der am Nyassa-See ansessigen Missionsstationen werde ich später zurückkommen und deren Thätigkeit eingehender veranschaulichen.

Neben der Entwickelung, welche das Gemeinwesen in Blantyre genommen und dank der vorzüglichen Lage, der aufblühenden Kultur, sich in ungeahnter Weise entfaltet, wurde es zur Nothwendigkeit, die benöthigten europäischen und ausländischen Handelsartikel auf eine bequemere Art auf und über das Gebirge zu schaffen, zumal schwere Lasten einen großen Aufwand an Menschenkraft erforderten und die auch nur zu Zeiten ausreichend zur Verfügung steht. Darum unternahm das englische Gouvernement die Herstellung des bereits früher erwähnten Weges, mit der Absicht, darauf große Lastwagen mit Ochsengespann zu befördern, wie es in Transvaal und Südafrika geschieht, wo sich diese Art der Beförderung namentlich im gebirgigen Terrain, als die einzig mögliche erwiesen hat.

Mit großen Kosten und nach jahrelanger schwerer Arbeit ist eine Straße nun hergestellt, die in der trockenen Jahreszeit nicht viel zu wünschen übrig läßt, allein, da die Existenz der Zugochsen in gewissen Distrikten durch die Zetsefliege sehr gefährdet ist, und die Ochsen durch diese getödtet wurden, mußte davon Abstand genommen werden. Nach wie vor wandern nun tausende Wangoni-Träger thalwärts und schleppen auf ihren Köpfen die Lasten zur Höhe, wodurch sie sich einen beträchtlichen Verdienst erwerben, da meistens Zeug oder Perlen bevorzugt, in ihrer fernen Heimath beträchtlich noch im Werthe steigen. Obwohl mir bekannt war, daß die erwarteten Träger meine Sachen nur bis Lomba bringen würden, gab ich mich doch der Hoffnung hin dieselben allenfalls durch eine Lohnzugabe bewegen zu können, den besseren und auch kürzeren Weg über Matope, direkt nach Mpimbi zu nehmen; fand mich aber, als nach deren Ankunft darüber verhandelt wurde, getäuscht. Es machte sogar noch Mühe, die Leute zu einem frühen Abmarsch zu bereden, da sie wenig Lust zeigten, den sonst üblichen Ruhetag aufzugeben. Wie mir Mr. Scharre versicherte, sollten die Leute mich zu seiner bei Zomba angelegten großen Kaffeeplantage bringen, wo der Pflanzer Mr. White für neue Träger Sorge tragen würde, und von wo ich auch Mpimbi in etwa 7 Stunden würde erreichen können.

Froh nur, daß mein Wunsch, noch am Weihnachts-Heiligabend das deutsche Lager zu erreichen, sich erfüllen sollte, beeilte ich mich auch am nächsten Morgen meine Sachen zu denen, da Träger genug vorhanden, einige vom Major zurückgelassene Munitionskisten hinzugefügt wurden, nach meinem Absteigequartier hinüberzuschaffen.

In der Voraussicht, daß die Leute trotz ihrer Zusage sich nicht eingestellt haben würden, um am 23. Dezember früh wieder abzumarschieren, hatte man die Auszahlung ihres verdienten Lohnes bis auf diese Morgenstunde verschoben, auch jedem schon seine Last wieder zugetheilt.

Alles ging gut, bei der Auszahlung empfing ein jeder stillschweigend sein abgemessenes Stück Zeug, als es aber hieß die Lasten aufnehmen, weigerten sich die meisten und behaupteten sie hätten mehr zu erhalten, ihnen wäre der übliche Lohn verkürzt worden. Nun sollte den Hauptschreiern das Zeug wieder abgenommen werden, damit es ihnen nochmals vorgemessen und ihre Ungebührlichkeit, die an Unverschämtheit grenzte, bewiesen werde, gleicherzeit wurde dem anwesenden Hauspersonal, etwa zehn Dienern, auch die Anweisung gegeben einen Fluchtversuch der Träger zu verhindern; indes kaum merkten diese, daß die Sache für sie schief ablaufen würde, jagte fast die ganze Gesellschaft davon, mit einer Geschwindigkeit, die einem Schnellläufer Ehre gemacht hätte, hinter sich her wie weiße und bunte Fahnen ihr einige Meter langes Zeug mitschleppend. Vergeblich war der Wettlauf der Diener, es gelang keinen der Ausreißer wieder zurückzubringen, nur diejenigen, welche wir Europäer den Weg vertreten und zurückgehalten hatten, mußten bleiben.

Die Vertheilung der Lasten unter den noch vorhandenen vierzehn Mann, wovon vier als Maschillaträger solche nicht annehmen wollten, sondern sich erboten mich zeitweise zu tragen, ergab, daß nun die Munitionskisten und andere Sachen zurückbleiben mußten, auch war es rathsam, lieber unverzüglich aufzubrechen und den Marsch anzutreten; denn ist der Träger einmal mit seiner Last in Bewegung, fühlt er sich gehalten, dieselbe auch am Bestimmungsorte abzuliefern, trotz vieler Scherereien, die man mit den Leuten sonst hat, wenigstens eine gute Eigenschaft.

Durch diese unliebsame Verzögerung, es war bereits zehn Uhr geworden, schwand die Aussicht bis Abend noch Zomba erreichen zu können, betrug doch die Entfernung einen tüchtigen Tagesmarsch, annähernd etwa vierzig Kilometer; dazu war die Gewißheit, nun doch unter freien Himmel kampiren zu müssen, keine besonders angenehme Zugabe, als fast täglich auf den hohen Bergkuppen Regenschauer niedergingen, deren nachtheiligen Wirkung ich schon zur Genüge erfahren hatte. Der Weg führte anfänglich bergauf und ab, über Bäche und blosliegendem Gestein, oft steilansteigend, um bald darauf wieder abwärts sich zwischen Wald und Busch hinzuschlengen, die Scenerie in ihrer wilden Schönheit war großartig; die Luft kühl und angenehm, trotz der Sonnengluth, die alles mit ihrem blendenden Schein übergoß, belebte die Glieder zum straffen Marsch und man fühlte sich großen Anstrengung gewachsen.

In einem Thalkessel, auf einer europäischen Ansiedelung, wo an den Berghängen die jungen Kaffeebäumchen in langen Reihen angepflanzt waren und noch viel urbar gemachtes Land von regem Fleiße Zeugniß gab, wurde noch kurze Rast gehalten, um den vor uns liegenden mächtigen Bergkegel mit frischen Kräften ersteigen zu können; war doch das Emporklimmen zur Höhe recht ermüdend und ein Jeder froh, wenn der schmale Fußpfad ebener verlief. In dieser Bergregion trat das Felsengestein mehr zu Tage, und mächtige Blöcke von den Höhen herabgestürzt, lagen vielfach am Wege zerstreut. War die Humusschicht auch nicht bedeutend, so hatte doch eine überreiche Vegetation feste Wurzeln in diese geschlagen und dem Auge bot sich nichts als Wald dar, von den Thälern aufwärts bis zu den Höhen, seltener an steilen Abhängen dichtes Gebüsch, oder wo das Erdreich vielleicht zu arm, hohes wogendes Gras. Jede Kultur hatte hier aufgehört und ringsum zeigte sich die Natur in ihrer wilden großartigen Pracht.

In den Bergen hatte es in früher Morgenstunde geregnet, und wo der Weg durch hohes Gras und Gebüsch führte, durchnäßten die schwer an den Halmen und Blättern hängenden Tropfen die Kleider vollständig, sodaß es keine besondere Annehmlichkeit war, naß und fröstelnd fortzuschreiten, zumal ein Kleiderwechsel doch zwecklos, weil die Sonnenstrahlen durch das Blätterdach der Bäume nicht durchdringen und die Feuchtigkeit aufsaugen konnten. Hart an steilen Abgründen vorbei, wo in der Tiefe weiße Nebelschleier wie Dunstgewebe wallten und nichts erkennen ließen, oder unter einer überhängenden Felswand, kreuz und quer dem Fußpfad folgend, schritten wir auf einer Durchschnittshöhe von 5000 Fuß rüstig vorwärts. Obwohl die Leute schon sichtlich ermüdet unter ihrer Last, den engen Anschluß verloren hatten und auf dem Wege vertheilt, zu folgen trachteten, mochte ich doch nicht eher Halt machen, als bis die letzte Höhe erstiegen war, und sollte von dieser der Weg noch zu weit sein, wollte ich dort eben für die Nacht Quartier machen.

Einige Male, wenn der Weg eben verlief, hatte ich mich in der Maschilla tragen lassen, theils weil ich ermüdet war, theils um den leicht nebenher laufenden Trägern, die noch mehr Bezahlung als die Lastträger erhielten, auch was zu thun zu geben; allein immer nach kurzer Zeit schon konnten sie nicht mehr recht vorwärts kommen und auch einsehend, daß für nur vier Mann meine Körperlast zu schwer werden mußte, lief ich lieber zu Fuß, als mich der Gefahr auszusetzen, durch Stürzen irgend eines Mannes, auf dem steinigen Boden niedergeworfen zu werden. Aber auch diese Erfahrung sollte mir nicht erspart bleiben! Unaufgefordert wollten die Leute ein Uebriges thun und mich auf einer felsigen Strecke, wo es sich mit müden Füßen schlecht marschiren ließ, tragen; um den selten guten Willen nicht zurückzuweisen, ließ ich mich herbei die Maschilla zu besteigen mit der Mahnung, vorsichtig zu gehen, nicht wie üblich in einen kurzen Trab zu fallen, der auf diesem unebenen Wege leicht Unangenehmes zur Folge haben könnte.

Eine zeitlang ging es auch, aber ob den Leuten das langsamere Gehen zu anstrengend war, sie verfielen bald wieder in das gewohnheitsmäßige Traben und die Bambusstange im Laufen bald von der einen auf die andere Schulter werfend, liefen sie schnell vorwärts. Im Begriff halten zu lassen, weil ich keine Lust hatte mit dem harten Steinboden Bekanntschaft zu machen, sah ich, daß die Stelle gerade zum Aussteigen schlecht geeignet war, und bis ein kurzer Abhang mit schlüpfrigem Gestein überstiegen sei, wollte ich noch warten. Da, plötzlich gleitet der Hintermann aus, die Stange fliegt ihm von der Schulter und ich komme mit dem Kopf zuerst auf das harte Gestein zu liegen, während der Vordermann dieselbe krampfhaft hochhält, sodaß die Beine hoch, der Körper wie ein Klotz aus der Maschilla, ausgeschüttet wird. Ich kann nicht behaupten, daß diese etwas unsanftige Bettung zwischen harten Steinen irgend was Anziehendes gehabt hätte, im Gegentheil, mit schmerzenden Gliedern und geschundenem Kopf mich aufrichtend, war der erste Impuls dem Manne für sein Ungeschick einen derben Verweis zu geben, aber die ängstliche verlegene Miene desselben, sowie die Verletzungen an den blutenden Knieen dämpften den Groll, waren doch dessen Wunden schlimmer als meine paar Beulen, obgleich ich noch von Glück sagen kann, so glimpflich dabei weggekommen zu sein.

Ueber Steine und Felsstücke ging es mühsam weiter und als bald darauf der Weg thalwärts zu einem zwischen den Bergwänden wild in eine Felsschlucht abwärtsstürzenden Bache führte, rastete ich an diesen, um die Träger alle herankommen zu lassen, ehe der Weitermarsch, die gegenüberliegende wohl achthundert Fuß hohe Felswand hinauf, angetreten wurde. Hätte ich übrigens geahnt, wie anstrengend der von Anfang an eingeschlagene Gebirgspfad sein würde, der zwar um ein Beträchtliches kürzer und auch die ganze Großartigkeit und Schönheit der Gebirgswelt dem Auge des Wanderers vorführte, so hätte ich doch lieber den direkten breiten Weg von Blantyre bis Zomba genommen, aus dem Grunde schon, weil ich mir hätte sagen müssen, daß ein mehrtägiger scharfer Marsch in solchem zerklüfteten Hochland auf die Dauer ermüdend wirken muß. Freilich in Betracht ziehend, daß es mir nur einmal vergönnt sein möchte diese von Europäern so wenig besuchte Gegend zu sehen, hatte ich einige Strapazen und ein in Aussicht stehendes schlechtes Nachtquartier wenig geachtet und vorgezogen das Schöne dort zu suchen, wo es zu finden ist — Alltägliches liegt genug am breiten Wege, ohne Mühe kein Verdienst, sollte dieses auch nur als Erinnerung das Herz erfreuen — aber selbst für das Erhabenste schwindet allmählich das Interesse, wenn der Körper müde und matt dem festen Willen nicht mehr zu folgen im Stande ist.

Am Rande des Baches, dessen Fluthen zu Zeiten eine beträchtliche Höhe erreichen mußten, wovon die Anzeichen durch die Wassermassen selbst in das harte Gestein gegraben worden, erwartete ich hier die nach und nach eintreffenden Träger, die nach kurzer Rast, als das »Vorwärts marsch« wieder gegeben, wenig Lust bezeigten die steile Felswand mit den Lasten emporzuklimmen und lieber am rauschenden Wildbach Lager gemacht hätten. Mit großer Anstrengung, am Wege öfter haltend, um an einem Felsblock gelehnt neue Kräfte zu sammeln, war auch schließlich dieser letzte beschwerlichste Aufstieg überwunden! Hier oben nun auf diesem platten langgestreckten Gebirgsrücken würde sich eine wundervolle Fernsicht geöffnet haben, hätte nicht der dichte Wald, der dieses Hochplateau krönte, eine solche unmöglich gemacht, und nur über uns erglänzten die Ränder einer vorüberziehenden Wolke, die kurz vorher zum Ueberfluß noch eine Regenfluth herabgesandt, im puren Golde, daran mahnend, daß die Sonne schon tief am Horizonte stehen müsse und auch auf diese tiefe Einsamkeit sich bald die Schatten der aus den Thälern aufsteigenden Nacht lagern würde.

Nunmehr darauf bedacht einen geeigneten Platz zu finden, wo vielleicht etwas Schutz gegen die hier oben herrschende kalte Luft gewesen wäre, setzte ich die Wanderung noch bis 6 Uhr fort, um doch schließlich unter den Bäumen im nassen Grase Halt zu machen. Anstatt nun aber daran zu denken, nach so anstrengendem Marsche es sich in ihrer Weise bequem zu machen und höchstens noch Feuerholz zu sammeln, legten die Träger, welche bei mir geblieben, schleunigst die Lasten nieder und verschwanden, als ob ihnen von Müdigkeit nichts bewußt sei, schnellen Laufes in den Wald. Dieses Gebahren machte mich auch neugierig, umsomehr als herankommende Leute gleichfalls die Lasten am Wege niederlegten und hinterherliefen, doch bald schwand die in mir aufgestiegene Befürchtung, die Leute könnten etwas Unrechtes im Schilde führen, nachdem einer derselben zurückgekehrt war und mir eine Baumfrucht überbrachte, die ähnlich unserer Eierpflaume aussah. Diese Frucht, von angenehmen aber wiederum herben, beißenden Geschmack, sobald man die äußere Schale mit in den Mund führte und nicht das Fleisch allein nur herausschälte, wurde mir als Masuka-Nuß bezeichnet, welche an etwa acht Meter hohen Bäumen wachsend, zu bestimmten Zeiten in großer Anzahl hier zu finden ist.

Die schnell hereinbrechende Dunkelheit mochte es den Leuten schwer machen, die Nüsse im hohen Grase noch aufzufinden, denn nach nicht allzu langer Zeit kehrten die meisten mit trockenen Zweigen oder Baumstämmen zurück, und ehe noch die letzten Träger angelangt waren, außer meinem Diener Mzee, auf Suaheli »alter Mann«, der ziemlich schlecht auf den Beinen war, loderten helle Feuer auf, um welche auf Grashaufen sitzend, die als Nachtlager zusammengetragen, die nackten Gestalten sich wärmten oder auch ihre Maiskörner rösteten, die sie mit wahrer Gier, so heiß sie waren, in den Mund hineinwarfen und damit sich sättigten. Schlechter dagegen war es mit meinem Abendessen bestellt. Würde ich, wie ich es am frühen Morgen noch gedacht, bis Abend Zanba erreichen, war das Mitnehmen von ausreichendem Proviant eine unnöthige Last, und später in all dem Trubel, als ich nur bestrebt war fortzukommen, hatte ich nicht mehr daran gedacht; so mußte denn als Hauptmahlzeit ein kleines Stückchen Brot, einige Sardinen und ein wenig Cacao dem hungrigen Magen genügen, und wollte ich für den nächsten Morgen von Letzterem noch etwas behalten, mußte, da wir kein Wasser hatten mitführen können, mit diesem haushälterisch verfahren werden. So unangenehm zuweilen auch ein unbefriedigter Magen sein mag — und ich kann sagen der Hunger ist ein schlimmer Gast, wo er sich ungebeten einstellt — kann man es nicht immer auf solchen Expeditionen damit sehr genau nehmen, es muß dann eben den Verhältnissen Rechnung getragen werden, und findet man immer noch so viel, die Kräfte sich zu erhalten, ist es noch nicht schlimm bestellt.

Am nächsten Morgen aus erquickendem Schlummer zeitig erwacht, aber von der empfindlichen Kühle durchschauert, eilte ich, die zitternd um die Feuer hockenden nackten Menschen auf die Beine zu bringen; rasche Bewegung allein konnte das Blut auf dieser luftigen Höhe wieder schneller kreisen machen. So naß vom nächtlichen Thau auch Gras und Halm war, dessen wurde nicht geachtet — im Sturmschritt ging es vorwärts, um nur das Schauergefühl, das jede Fiber zittern machte, durch körperliche Anstrengung los zu werden. Geradeaus ohne Steigung verlief der Weg und, als erst die Lichtfluth der über die Berge scheinenden Sonne auf das weite Waldgebiet ausgegossen war, der Thau wie Millionen Diamanten an Blatt und Gräser blitzte, fühlte sich auch der Geist in dieser morgenfrischen herrlichen Natur wie neu belebt! Die Gewißheit, heute noch am Weihnachts-Heiligabend unter dem Christbaum, vereint mit den Gefährten, stehen zu sollen, — wo das »Stille Nacht, o heilige Nacht« von deutscher Zunge in einem fremden fernen Lande erklingt und die kleine Schaar deutscher Pioniere unter dem Sinnbild der Christenheit den Treuschwur erneut — festzuhalten an das heilige Wort — festzustehen im Tode und Gefahr, wie es deutscher Männer Art, bis das große Werk vollendet, wozu unser kühner Führer uns alle berufen — diese Gewißheit beflügelte meine Schritte und fast wie Sehnsucht zog es mich zum Ziele!

Der bisher lichte Wald ging, als das Steingebilde in schroffen Bergspaltungen wieder mehr zu Tage trat, in einen dichten Busch über; wildromantisch wucherte Strauch und Baum auf diesem Felsengeröll — zwischen den Senkungen der Abhänge aber sprudelte das klare Bergwasser über das Gestein, und in kleinen Mulden angesammelt, bot es dem Wanderer einen kühlen erfrischenden Trunk dar. In dieser Felspartie fand ich zuerst wieder die Spuren der fortschreitenden Kultur, denn in Umzäunungen, auf langgestreckten Beeten, diese gegen die Sonnenstrahlen mit Gestrüpp bedeckt, waren tausende junger Kaffeepflänzchen gezogen, die, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, auf freies Feld verpflanzt werden. Allmählich senkte sich der Weg; der Baumbestand, hier gänzlich von Menschenhand vernichtet, ließ den Ausblick über eine gewaltige Thalmulde frei, die fast ganz unter Kultur genommen, mit abertausenden jungen Kaffeebäumchen bestanden war, und im Gegensatz zu den bewaldeten Berghöhen, die wie ein mächtiger Kranz diese umschlossen, wie ein ungeheures Ackerland sich ausmachen.

Blickte man über das nach allen Seiten sanft ansteigende Land, fielen sofort die darauf gezogenen geraden Linien auf, die meistens rechtwinklich wieder von anderen durchschnitten wurden; man möchte sagen die weite Fläche war wie mit einem Zirkel in Parallelogramme oder Quadrate abgetheilt, so auffallend genau war die Eintheilung vorgenommen worden. Zu welchem Zwecke dieses geschehen, wurde dem Beobachter sogleich klar — ließen doch die breiten Wassergräben zu denen all diese Furchen hinführten keinen Zweifel, daß hier eine Berieselung der bebauten Flächen im großen Maßstabe ausgeführt war. Guter Boden, Wasser und milde Luft sind die Bedingungen, welche der Kaffeebaum zu seiner Existenz gebraucht, und um dem Boden die genügende Feuchtigkeit, der Pflanze den Nährstoff zu geben, mußte dieses künstlich herbeigeführt werden, da in der trockenen Jahreszeit, unter der auch hier oben noch heißbrennenden Sonne, der Boden ausdörrt und die jungen Bäume im lockernen Erdreich verwelken müßten. Der starke nächtliche Thau zwar erfrischt die Natur beständig, ist aber, für die empfindlichere Kaffeepflanze nicht genügend, und doch würden wiederum ohne diesen, trotz der herbeigeleiteten Wassermengen, tausende Pflanzen zu Grunde gehen; mit überaus hoher Weisheit hat die Natur dafür gesorgt, daß die meisten Tropengewächse, wenn sie den glühenden Sonnenstrahlen ausgesetzt sein müssen, die nächtlicher Weile reichlich gespendeten Thautropfen in Blatt und Blüthe aufnehmen können und dadurch befähigt werden, der auf sie niederbrennenden Gluth zu wiederstehen. Man hat, wie erfahrene Pflanzer zugeben, hier bei der Kultivirung einen großen Fehler begangen, indem durch gänzliche Rasirung einer zu bauenden Fläche, dieser dadurch alle Beschattung entzogen wurde, daß darauf kein Strauch noch Baum stehen geblieben ist, die von den jungen Kaffeepflanzen die direkte Sonnengluth hätten abhalten können; nicht, wie irrthümlich angenommen, entzieht der Baum dem Boden große Mengen Feuchtigkeit, sondern viel mehr, soweit die obere Bodenschicht in Betracht kommt, wird diese durch denselben darin erhalten! Geiz ist auch hier die Wurzel des Uebels, indem, wo tausend Bäume hätten stehen bleiben sollen, an ihrer Stelle nun tausend Kaffebäumchen mehr gepflanzt worden sind, die nun mühsam im Erdreich Wurzel fassen und eine unendliche Mühe und Pflege bedürfen. Haben hingegen die Bäume einmal kräftige Wurzeln getrieben dann bedürfen sie solchen Schutzes nicht mehr, und wie schon früher gesagt, ist der Anblick einer gedeihenden Kaffeepflanzung großartig, auch der Ertrag wird ein überaus lohnender; namentlich die Qualität des auf dem Schirehochland gewonnenen Kaffees soll eine besonders gute sein. Wir zahlten z. B. am Orte das Pfund mit eine Mark, während der Marktpreis in London dafür zwei und darüber beträgt.

Ganz zur Linken von uns, während der Hauptweg, den wir verfolgten mitten durch die Felder führte und man so eine Uebersicht gewinnen konnte in wie ausgedehntem Maße die Kaffeekultur hier betrieben wurde, lag das Haus des Pflanzers, das von weitem gesehen mit der Umzäunung und Nebengebäuden wie ein einfaches Bauernhaus aussah, über welches weithin Schatten spendend gewaltige Bäume ihre Aeste ausbreiteten. Hätte nicht die ganze weite Umgebung den Anblick einer Tropenlandschaft getragen, man hätte meinen können ein einfaches Gehöft des nordischen Landmannes vor sich zu sehen.

Es mochte etwa zehn Uhr Morgens sein, als ich mit den ersten Trägern die Einfriedigung erreichte und an dieser schon von dem Herrn des Hauses begrüßt wurde, der Empfang war um so freundlicher, als ich ihm sehnsüchtig erwartete Briefe aus seiner englischen Heimath übergeben konnte und die als eine Weihnachtsspende angesehen hätte sein können.

Obgleich bereit, mir nach besten Kräften zu helfen, auch meine Leute auf Kredit auszuzahlen, war der Pflanzer doch höchst überrascht, als ich ihn ersuchte, durch seine Vermittelung mir neue Leute anzuschaffen, da ich so schnell als möglich weiter müsse, um noch bis Abend Mpimbi zu erreichen. Er hatte es nämlich als selbstverständlich angesehen, daß ich wenigstens für eine Nacht seine Gastfreundschaft in Anspruch nehmen würde und sich schon darauf gefreut das »holly Christmas«, Weihnachtsfest nicht so ganz allein verbringen zu müssen; alle Einwendungen, mich wankend zu machen, blieben fruchtlos, so gerne ich auch seinen Bitten bei ihm zu bleiben, unter anderen Verhältnissen nachgegeben hätte, aber die Aussicht, das heilige Fest mit den Gefährten verleben zu können, war mir denn doch lieber. So gab er denn schließlich nach und sandte mehrere Diener zu verschiedenen Häuptlingen der umliegenden Dörfer, dieselben ersuchend, umgehend einige Träger zu stellen. Allein, nach zwei Stunden kamen die Diener mit der Meldung zurück, sie hätten keine Träger auftreiben können und auch die Häuptlinge ließen sagen, die Bewohner trinken Pombe, keiner würde daher bereit sein, vor dem nächsten Morgen irgend welche Arbeit zu verrichten.

Ein solcher Bescheid ist übrigens nichts Seltenes, auch der Pflanzer beklagte sich bitter über die Unverfrorenheit, mit welcher die Dorfbewohner ihn öfters im Stiche ließen, namentlich in der Zeit, wenn die Auspflanzung der jungen Kaffeebäumchen beginnen muß und er allein auf den guten Willen dieser Leute angewiesen sei; später, wenn die Wangoni und Atonga kommen, hat es keine Noth, solange aber zu warten, sei eine Unmöglichkeit. Etwas Fataleres als diese Absage konnte mir kaum in den Weg treten, nach entfernteren Dörfern noch zu senden war Zeitverschwendung auch wohl ebenso erfolglos und nun doch noch bleiben zu müssen, wozu zwar Mr. White entschieden rieth, das wollte mir absolut nicht in den Sinn! Mit meinem halblahmen Diener allein zu gehen, und alles zurückzulassen ging nicht, weil keiner von uns den Weg kannte; da erzählte nach einer nochmaligen Ausfrage einer der Abgesandten, daß in dem Dorfe, wohin er geschickt worden sei, sich zwei Männer erboten hätten mit ihm zu gehen, aber da er mehr habe bringen sollen und nicht bekommen hätte, so habe er auch diese beiden nicht weiter zum Mitkommen aufgefordert. Das war, da ich nun doch einmal entschlossen war unter allen Umständen abzumarschieren, wenigstens eine kleine Aussicht fortzukommen und unverzüglich mußte der Mann zurück, um die beiden Träger herbeizuschaffen.

Ein »warum so spät« schwebte mir auf der Zunge, als die Leute endlich eintrafen, allein bedenkend, daß der Neger es doch nicht begreift wie ein Europäer es eilig haben kann, verschluckte ich die Worte und hastig die Instrumente, ein kleines Bündel Wäsche, Gewehr und Jagdtasche den Leuten gebend, war ich bereit den Marsch anzutreten. Ein kräftiger Händedruck noch, ein flüchtiger Dank, ein herzliches »good-by« an der Pforte und das gastliche Haus, unter dessen Schutz ich alles andere zurückgelassen hatte lag hinter mir! — Es war schon gegen drei Uhr Nachmittags, als ich etwa zwei Kilometer von der Pflanzung erst entfernt, den stark aufsteigenden Felspfad betrat, der zur Höhe hinauf führte, wo um die Bergkuppen tiefhängende drohende Gewitterwolken sich gesammelt hatten, die, wenn sie ihre Schleusen erst geöffnet, eine wahre Regenfluth ausgießen würden und mich leicht auf meinen eiligen Marsch aufhalten konnten.

Wie es vorauszusehen empfingen uns, auf der Höhe angelangt, dichte Wolkenschichten, deren feuchtkalter Hauch die darin aufgespeicherten Wassertheilchen an unsern Körpern ablagerte und ohne daß es schon geregnet hätte trieften wir vor Nässe, ein Zeichen in wie großen Massen die Wasseratome um diese Bergkegel schweben mußten! Dieser Umstand nun trieb uns schon zur möglichsten Eile an, theils, um den Körper durch Anstrengung zu erwärmen, theils, um aus dieser hohen Region, wo die wogenden Gebilde jede Fernsicht benommen hatten, herauszukommen. An einem Abstieg angelangt, der so steil in die Tiefe führte, daß es großer Vorsicht bedurfte, auf dem glatten Gestein nicht auszugleiten oder gar durch die Neigung des Körpers nach hinten ins Laufen zu kommen und dann zu stürzen, mußte dieser wohl 800 Fuß tiefe Abhang recht langsam betreten werden.

Wir mochten aber noch nicht die Hälfte des beschwerlichen Weges zurückgelegt haben, als das Gewitter mit einer Vehemenz losbrach, die jeder Beschreibung spottet. Mit dem ersten zuckenden Blitzstrahl, der über uns das Wolkenmeer zertheilte, dem rollenden Donner, wie solcher nur in der Gebirgswelt das brausende Echo zu wecken vermag, war das Signal gegeben die Schleusen des Himmels zu öffnen — eine Wasserfluth stürzte hernieder, die in tausend Bächlein Erde und Steingeröll mit sich führten. In solchem Wetter noch weiter zu gehen war fast unmöglich, doch nirgends bot sich dem suchenden Blicken der geringste Schutz, unter Baum oder Busch zu stehen war völlig zwecklos; bis, nahezu am Fuße des Bergkegels angelangt, der Neubau eines Pflanzenhauses wenigstens einigermaßen sichere Unterkunft versprach.

Wie festgebannt tobten die Elemente über uns mit ihrer ganzer Kraft, auch der Regen immerwährend niederstürzend, ließ die Wassermassen als unversiegbar in der Höhe erscheinen, gerade als sollte der durstigen Erde das Naß nun im Uebermaß gespendet werden!

Aus Erfahrung wußte ich ja, was es heißt, auf solchen Wegen und in solchem Wetter im Gebirge marschiren zu müssen, und besorgt sah ich daher der kommenden Nacht entgegen, die uns auf den einsamen Pfaden überraschen mußte! Zwar hätte ich warten und schließlich zurückgehen können, um doch noch durch die Gewalt der Elemente gezwungen, die mir angebotene Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen — aber wo blieb dann der erhoffte Christbaum, dessen Lichterglanz zu schauen mein einziges Bestreben war! — Ein Blick auf die auf der nassen Erde hockenden schwarzen Gestalten, die völlig unbekleidet vor Kälte zitterten, ließ mich den schon halbgefaßten Entschluß zurückzugehen, verwerfen, und trotz des Regens folgten die Leute willig der Aufforderung, weiterzugehen.

Immer bergab, bald auf steilen, bald auf ebener verlaufenden Pfaden, wollte es mir scheinen, als müßte die Strecke bis zur Ebene schnell zurückgelegt werden können, allein ein englischer Plantagenaufseher der von diesem Unwetter auch überrascht seiner Behausung zustrebte, belehrte mich eines anderen. Es fällt, wie er durch wenige Worte erläuterte, der Gebirgsstock in drei Terrassen ab, auf der ersten sind wir jetzt und das Schlimmste liege hinter uns, aber es würde auf den jetzt äußerst schlechten Pfaden ein schweres Fortkommen sein, namentlich wenn nach einer Stunde schon die Dunkelheit hereinbricht und ich dann einzig und allein auf die scharfen Augen meiner Führer angewiesen sei; vor Mitternacht könne ich sicher nicht Mpimbi erreichen, außer die beiden Schwarzen mußten ausnahmsweise sehr tüchtige Kerle sein.

Ein schlechter Trost, eine unangenehme Aussicht — aber was half es! Ein kurzer Dank und Händedruck, und zwei Menschen schieden für immer, die das Schicksal auf eine flüchtige Minute auf einsamen Pfade zusammengeführt hatte. Es war kaum noch ein Gehen zu nennen, so eilig und sicher auf dem steinigen und glatten Wege schritten die Leute dahin, ihnen kümmerte nicht der Regen, der das um die Füße rauschende Wasser, während mir die triefenden Kleider am Leibe klebten, die Stiefel voll Wasser das Schritthalten ungemein erschwerten. Keine Hütte am Wege, kein Dorf in der Nähe, nur Felsen, Busch und Wald, und schon immer dichter senkten sich die Schatten der Nacht auf diese wilde Gegend herab, kaum daß ich, als wir den zweiten Abstieg erreicht, in der schmalen Felsenschlucht noch den Vordermann erkennen konnte, Stufenweise kletterten wir tiefer und tiefer, mit äußerster Vorsicht die kurzen aber steilen Abhänge hinab, wo jedesmal zwischen Bergspalten ein Sturzbach wilddonnernd die schäumenden Wasser über Felsblöcke hinjagte und nur ein Baumstamm als Brücke hinüberführte. Solchem unsicheren Steg vertrauten sich selbst die Träger nicht an und durchschritten, einander helfend, die brausenden Wasser, ich hingegen versuchte über die ersten zwei hinüberzureiten, was auf den glatten, schlüpfrigen Stämmen nicht leicht, aber doch auszuführen war.

Und weiter vorwärts ging es in die Dunkelheit hinein, — durch hohes Gras, über Steingeröll, durch Bäche und Wasserlachen —, imstande, den Weg vor mir noch zu erkennen und mußte mich nur auf den voranschreitenden Führer verlassen.

Die nun inzwischen eingetretene völlige Dunkelheit, durch welche kein Stern vom Himmelszelt zu dringen vermochte, weil das Wolkenheer wie ein schwarzer Mantel über die Erde ausgebreitet lag, machte manchmal an Stellen, wo an den steilen Uferwänden eines Sturzbaches hinabgeklettert werden mußte und das dichte Gesträuch eine Art Hohlweg nur frei ließ, die Finsterniß so intensiv, daß nicht die Hand vor Augen zu sehen war, und ich muß sagen, der Orientirungssinn des voranschreitenden Führers war bewunderungswerth, in dieser rabenschwarzer Nacht noch den rechten Weg zu finden. Ein factisches Hinabfühlen, ein Festklammern an Gestrüpp und Stein oder ein Rutschen auf den Knieen war es, ehe der Fuß an solcher schon erwähnten provisorischen Brücke wieder Halt gefunden und der nicht ungefährliche Uebergang über die unterhalb wildtosenden Gewässer darauf unternommen war.

Keiner, der nicht in ähnlicher Lage gewesen, wird ganz verstehen können, was es an Selbstüberwindung kostet, immer wieder die müden schmerzenden Füße vorwärts zu bewegen, gezwungen durch die eiserne Nothwendigkeit und das »du mußt an das Ziel«.

Wir mußten trotz allem doch schnell marschirt sein, denn etwa nach acht Uhr erklärten die Leute, wir hätten die Tiefebene nun erreicht und wenn wir so weiter gingen sei es möglich, nach zwei Stunden in Mpimbi anzukommen; sechs englische Meilen noch durch Gras und Busch! Doch vorwärts ging es so gut wie es gehen wollte. Die Nacht, die kurz nach sechs Uhr Abends in den Tropen hereinbricht, heute aber durch die schwarzen Wolkenmassen viel dunkler geworden war als sonst, wurde, nachdem wir eine Strecke zwischen der wassertriefenden Grasfläche zurückgelegt, wieder klarer, Stern um Stern schimmerte durch das zerrissene Gewölk, bis der weite Himmelsdom wieder in reiner Klarheit sich über die Erde wölbte; und die abertausend Sternenkerzen schienen heller aufzuleuchten, als wären im Weltall die Lichter angezündet, die in dieser Christnacht freundlicher vom Himmelszelt herniederwinkten.

Der durch die Grasebene führende stark gewundene Fußpfad war nichts weniger als angenehm zu begehen und durch den Regen in eine solche Verfassung versetzt worden, daß, wollte man nicht mit dem Erdboden Bekanntschaft machen, wozu der glatte aufgeweichte Thonboden genügend Veranlassung gab, mußte die ganze Aufmerksamkeit auf diesem gerichtet bleiben, um so mehr, als ganze Strecken völlig unter Wasser gesetzt waren, das einfach durchschritten werden mußte, da es seitwärts kein Ausweichen gab. Von einem großen Wasser, welches wir noch passiren sollten, hatten mir die Leute etwas erzählt, doch hatte ich nicht besonders darauf geachtet was damit gemeint sei, daher war ich einigermaßen überrascht, plötzlich einen hochgeschwollenen, etwa 25 Meter breiten Fluß vor mir zu sehen. Dumpfbrausend und gurgelnd zogen die Wasser dahin, ihre schmutziggelbe Farbe glaubte ich selbst im Dunkel der Nacht erkennen zu können, jedoch von einer sicheren Furth, wie eine solche zu Zeiten hier wohl vorhanden sein mußte, waren keine Anzeichen aufzufinden. Hindurch mußten wir, da, wie ich recht vermuthet dieser ein Nebenfluß der Schire; nur das wie, war die Frage, die umso schwieriger, als schon einer der Leute ohne Besinnen in die Fluthen gestiegen und durchzuwaten versucht hatte, aber schleunigst umkehrte, als das Wasser ihm bis über die Schulter gestiegen war.

Nach kurzer Berathung gingen wir dann eine Strecke flußaufwärts, wo von Neuem ein Versuch gemacht wurde, der auch gelang, und als die Sachen an das andere Ufer hinübergeschafft waren, nahmen die beiden Träger mich auf ihre Schultern und durchwateten den hochgeschwollenen Fluß. Nach einem halbstündigen Marsch weiter durch mannshohes Gras und zum Theil an den kultivirten Feldern vorüber, mußte an einer langgestreckten Einengung Halt gemacht werden, — die Führer wußten nicht weiter, und nachdem ich vergeblich an dem Hause eines Europäers gepocht hatte, das ganz nahe dem Ufer des Schireflusses erbaut war, mußten in daneben liegenden Hütten die Bewohner herausgetrommelt werden, von denen wir auch genügenden Bescheid erhielten.

Der Weg führte uns durch das in tiefster Ruhe liegende Dorf Mpimbi; kein Mensch war darin zu sehen, nur die Hunde heulten auf, dann noch eine lange Strecke durch tiefen Morast, bis aus der Grasfläche hinaustretend, ein tiefdunkler Wald dem Weiterdringen ein Ziel zu setzen schien, — da, ein dumpfes Murmeln vieler Menschenstimmen, ein Aufflammen der Feuer und fest bannte den Fuß das »Halt, wer da« des Postens, — ich hatte das deutsche Lager erreicht! Fast geblendet von dem hellen Schein ringsum, folgte ich mechanisch der voranschreitenden Wache, an Zelten, Hütten und Häuser vorbei; plötzlich eine Art Vorhang zurückgeschlagen, sah ich an langer Tafel eine Reihe bekannter Gestalten sitzen, — im Hintergrund aber herrlich geschmückt, im Glanze vieler Kerzen leuchtend, den ersehnten Christbaum, »das Symbol der Christenheit«!