12. Der Aufstand.
Das deutsche Lager, das etwa vier Minuten vom Flusse entfernt war, hatte eine so versteckte Lage, daß es, von zwei Seiten, links und geradezu, von dichtem Wald umgeben, in der Front und rechts, lichter Busch, erst bemerkt werden konnte, wenn man vor der aufgethürmten Dornhecke stand. Als ein trockener und vorzüglicher Lagerplatz hätte in ruhigen Zeiten dieser geschützte Ort nicht besser gewählt werden können. Aber wie es sich in Folge der Ereignisse auswies, die nicht erwartet und nicht vorhergesehen werden konnten, war die Wahl dieses Ortes in Bezug auf Vertheidigung keine glückliche gewesen, obgleich de la Fremoire und Illich, die den Auftrag zur Auswahl gehabt, den besten und einzigen Ort gewählt hatten, der nahe Mpimbi überhaupt gefunden werden konnte.
Betreffs des Platzes, welcher zur Anlage der Werft in Aussicht genommen war, hatte bereits Herr von Eltz von Katunga aus sich mit dem Kommissar Mr. Johnston in Zomba in Verbindung gesetzt, um dessen Genehmigung zum Aufbau einer solchen zu erhalten; ich erfuhr aber von einem Deutsch-Engländer, Mr. Berenger, der, als Manager die Plantage unterhalb des Dorfes Mpimbi, für die Firma Scharrer & Co. verwaltete, daß die ganze Uferstrecke einschließlich dieses Dorfes dem in Blantyre ansässigen Herrn Scharrer gehöre und diesem allein das Verfügungsrecht über dieses Terrain zustehe, und würde blos die Genehmigung des Häuptlings Tschikusi darüber einzuholen sein, ob wir auch sein Dorf ungehindert passiren könnten.
Hatte ich mir damals auch noch keine rechte Vorstellung machen können wie die Verhältnisse in Mpimbi lagen, so war mir jetzt die Erklärung dieses Vertreters — es würde kein Anstand genommen werden, uns den Platz für die Zeit des Schiffsbaus unentgeltlich zu überlassen — eine hochwillkommene, auch Schwierigkeiten, die der Häuptling allenfalls machen könnte, würden von dieser Seite beigelegt werden; ich hätte nur die Eitelkeit des Fumo durch einige Geschenke zu schmeicheln und der sofortigen Inangriffnahme des Werftbaues stände nichts mehr im Wege.
Unterrichtet nun, in welcher Weise ich mit dem Häuptling Tschikusi zu verfahren hatte, schickte ich zu diesem einige Abgesandte mit dem Ersuchen, bald möglichst zu mir ins Lager zu kommen und, da dessen Willfährigkeit von dem Werthe des überbrachten Geschenkes abhängig war, so hatte ich ein ganzes Stück weißes Zeug als vorläufige Gabe überreichen lassen. Etwas erstaunt und verlegen war ich aber doch, als mir die Boten die Meldung brachten, daß der Fumo sie mit dem Geschenke zurückgewiesen, mit dem Bemerken, weißes Zeug sei für einen großen Häuptling keine würdige Gabe, verlegen insofern, als mein Vorrath überhaupt nur sehr gering war, denn bunte Tücher und Taschentücher wollte ich eigentlich erst nach dem Schauri herausrücken. Ein Nichtwillfahren hieß jede Verhandlung abbrechen und die Konsequenzen tragen, die in endlosen Weitläufigkeiten und Hinderung meiner Absichten bestehen würden, darum meinen ganzen Reichthum überschlagend, wählte ich ein halbes Stück blaues Zeug, einige bunte große Tücher, eine Decke und eine Anzahl recht grell gefärbte zusammenhängende Taschentücher und sandte die Boten sofort zurück mit der Anweisung, dem Häuptling verstehen zu geben, er würde noch ein ähnliches Geschenk erhalten, wenn er zugestehen würde, was ich von ihm wünsche. Diese ganze Gabe, deren Werth in Europa nur gering, muß hier, wo dieselbe einige hundert Prozent mehr gilt, doch als eine recht werthvolle angesehen werden, zumal in den Augen des Schwarzen das Bunte immer den Vorzug erhält; die Güte der Waare kommt dabei weniger in Betracht, obwohl er auch hier schon durch die herrschende Konkurrenz gewitzigt, einen kleinen Unterschied zu machen weiß.
Nun dieses Mal hatte ich mit den Geschenken Erfolg, und die überbrachte Botschaft, der Fumo würde am nächsten Morgen zur Verhandlung in das Lager kommen, ließ mich wenigstens einen günstigen Ausgang erhoffen; weniger angenehm war die Mittheilung für mich, daß Tschikusi wieder vollständig betrunken sei und seine Umgebung eigentlich die Zustimmung gegeben habe! Daher sah ich denn auch dessen Ankunft mit begreiflicher Spannung entgegen, namentlich in welcher Verfassung der Fumo sich präsentiren würde! —
Am 14. Januar im Laufe des Vormittags meldete der Wachposten die Ankunft einer Anzahl Kanoes, und bald darauf, die Insassen seien Tschikusi und sein Gefolge, vom hochgelegenen Lager den Weg zum Flusse überschauend. Nicht wenig erstaunt war ich, eine ganze Kalwakade bedächtigen Schrittes sich nähern zu sehen, mehr noch, als fast ebensoviel Weiber folgten, von denen jedes bis auf eine, vor der her ein Ziegenbock getrieben wurde, eine große Schale voll Mehl, Bataten, Bananen oder Tomaten auf dem Kopfe trug. Solch einen Aufzug, dessen Bedeutung mir zwar nicht fremd, als damit eine besondere Ehre erzeigt werden sollte, hatte ich doch nicht erwartet und bekannt mit dem üblichen Gebrauch, daß keine Person leer ausgehen durfte, überschlug ich in Gedanken was mir diese zum größten Theil unnöthige Gesellschaft kosten würde. Nachdem die allseitige Begrüßung vorüber war, während welcher die Frauen im Halbkreise sich auf den Erdboden niederhockten, die vornehmste in Front, die Ziege zur Seite, geleitete ich den Häuptling, für den ein Sprecher alles nöthige sagte, in meine Behausung, wo derselbe sich ohne weiteres in eine Ecke niederhockte und stumm wie ein Fisch seinem Gefolge alles weitere überließ. Die Verhandlung von meiner Seite sodann durch einen Dollmetscher eröffnend, wurde mir erst, ehe irgend eine Erwiderung erfolgte, bekannt gegeben, daß unter den nun vor dem Eingang meines Hauses wieder im Halbkreis sitzenden Frauen die Gattin des Häuptlings sich befinde, die als besonderes Geschenk für mich die mitgebrachte Ziege überreichen wolle. Natürlich erforderte es nun die Höflichkeit, diese schwarze Dame auch zu begrüßen und die Gabe von derselben in Empfang zu nehmen, auch die nun angebotenen Naturalien des Gefolges durften ebensowenig zurückgewiesen werden. Daraufhin bestimmte ich die auszutheilenden Gegengeschenke und ließ durch Knuth einer jeden ein ganz gleiches Stück Zeug verabfolgen, einerlei, ob das Ueberbrachte gering oder werthvoller war, nur mit der Häuptlingsfrau machte ich eine Ausnahme, indem ich den Werth der Ziege mit sechs Faden weißes Zeug und einem größeren bunten Tuch bezahlte.
Diese gleiche Vertheilung der Gegengeschenke schien alle zu befriedigen, und soweit ich die Ausdrücke der zuschauenden Männer beurtheilen konnte, auch diese mit Genugthuung zu erfüllen; sah doch ein Jeder, daß keiner unter ihnen zu kurz kommen würde, wenn die Frauen das erhaltene ihnen wieder abgeben würden. Als die Frauen und Fräulein, halb in Evakostüm, abgefertigt waren, wandte ich mich dem stupide dreinblickenden Häuptling wieder zu und legte der still zuhörenden Versammlung meine Wünsche vor. Es schien, daß über das Für und Wieder meines Anliegens der Sprecher nichts zu erwähnen habe und der Häuptling stillschweigend zu allem seine Zustimmung gebe, nur als ich noch um Stellung einer Anzahl Arbeitskräfte antrug, wurde mir dieses mit dem Bemerken abgeschlagen, die Männer und Frauen sind jetzt in den Matama- und Maisfeldern beschäftigt.
Das absolute Stillschweigen Tschikusis zu allem Gesagten, der übrigens keinen besonders imponirenden Eindruck machte und dessen Kopf vom letzten Rausche noch bedenklich schwer erschien, indem er sein würdevolles Haupt zeitweilig tief sinken ließ, wollte mir nicht gefallen und ob auch der Sprecher die Zusicherung gab, der Fumo ist mit allem einverstanden, so wollte ich doch auch aus diesem schwarzbärtigen Munde selbst die Bestätigung hören, vorausgesetzt, daß er überhaupt sprechen wollte, was wie ich gehört, zeitweise ganz vernehmlich und nachdrücklich geschehen könne. Daher kehrte ich mich nicht weiter an das plappernde Faktotum sondern rückte Tschikusi direkt zu Leibe, und siehe da, die stummen Lippen öffneten sich und ich hörte die Zusage von diesem gefürchteten Häuptling selber — das genügte mir. —
Eigentlich wider Erwarten rasch war diese Angelegenheit von den Betheiligten erledigt worden, nur meinerseits hatte ich den bekundeten guten Willen noch dadurch zu belohnen, daß ich jedem der Männer nun gleichfalls ein Geschenk überreichen ließ; des Häuptlings und seines Ministers selbstverständlich ganz besonders gedenkend. Immerhin waren diese gering anzuschlagen gegenüber der Thatsache, daß hierdurch vielen Scherereien aus dem Wege gegangen war.
Am andern Morgen, als ich zum zehn Minuten vom Lager entfernten Bauplatze mit Handwerkzeug und einigen Suaheli auszog, kamen wir den unter den hohen Bäumen dort Matama stampfenden Weibern etwas ungelegen, denn widerwillig schienen sie nur weichen zu wollen und uns den Platz, worauf sie so lange unbeschränkt ihren häuslichen Verrichtungen hatten nachgehen können, zu überlassen. Unangenehmer noch war es ihnen, von der so bequem gelegenen Wasserstelle ablassen zu sollen, die unter dem Schatten zweier mächtiger Bäume an der hier seichten Uferstelle sich befand; sonst fiel das Ufer überall steil ab und bot sich in der Nähe kein Zugang weiter zum Flusse.
Als Schöpfapparat bedienen sich die Frauen des weitverbreiteten Flaschenkürbis, dessen Form und feste Schale sich ganz besonders dazu eignet; wagen sie es nicht der Krokodile wegen hiermit Wasser zu schöpfen, so wird in dem ebenfalls hohlen Stengel eine Stange eingeschoben und sie können nun damit nach Belieben und mit Sicherheit klares Wasser erlangen; ihre Wasserbehälter sind aus Thon gebrannte Töpfe und werden stets mit Geschick auf den Köpfen getragen.
Ehe ich nun die Reinigung des Platzes vornehmen ließ, der übrigens zum größten Theil mit hohem Grase bestanden war, hatte ich die Grenzen desselben abzustecken, wobei ich, um Raum zu gewinnen die Linie so dicht an einzelnen vorstehenden Hütten entlangführte, daß der projektirte Zaun diese berühren mußte. Zur Linken, dem Flusse zugekehrt, hätte ich wohl Terrain gewinnen können, da hier die Hütten weit genug zurück lagen, aber meine Absicht, soviel zu nehmen als nur möglich, wurde durch den Widerspruch der Dorfbewohner vereitelt, indem sie eine eingerissene Hütte worunter ein Todter begraben lag, nicht in der geplanten Umzäunung eingeschlossen wissen wollten. Auch die Entfernung einiger Hütten, die mir landeinwärts äußerst hinderlich, konnte ich aus diesem Grunde nicht durchsetzen; sie wollten absolut nichts davon wissen, obgleich ich strenge Schonung der Grabstätten zusagte, wenn diese in unserem Bereich verblieben.
Die Länge des Platzes, etwa 150 Fuß hätte mir genügt, nur die Breite von 85´ nicht, denn die tiefe Rinne welche ich graben lassen mußte würde 110´ landeinwärts betragen. Vorläufig jedoch ließ ich mir daran genügen, um Verwickelungen aus dem Wege zu gehen, die sehr leicht durch ein schroffes Auftreten entstehen konnten, zumal es mir nicht unbekannt geblieben, daß auch hier die Gesinnung der Bevölkerung gegen die Engländer keine günstige war, gewährt und hervorgerufen durch die zwangsweise Eintreibung der ausgeschriebenen Kopfsteuer.
Um die Arbeiten nun nach Möglichkeit zu fördern, namentlich die Umzäunung vorzunehmen, suchte ich die Dorfbewohner dazu heranzuziehen in der Weise, daß, wenn sie sich nicht in Tagelohn (d. h. per Woche bekam hier der Arbeiter zwei Faden = 12 Fuß Zeug) annehmen lassen wollten, sie mir alltäglich auf ihrem Rückwege von den Feldern Rohrbündel mitbringen sollten, die ich ihnen à zwanzig Stück, mit einem Faden Zeug bezahlen wollte; aber aus der beträchtlichen Zahl Männer und Frauen fanden sich nur wenige, die auf dieses Anerbieten eingingen, und das Herbeischaffen von Rohr ganz unterließen, als ihnen der ausbedungene Preis nicht schon bei acht oder zehn Bündel voll ausgezahlt wurde. In sumpfiger Niederung oder am Flußufer wächst dieses Rohr in so großer Anzahl, daß es wirklich den Leuten keine Mühe machte es zu schneiden und mitzubringen, allein, jede unnöthige Arbeit hassen sie und machten sich daher nichts aus dem Verdienst; ihre Ansprüche so äußerst gering, — fühlen sie nicht das Bedürfniß nach mehr.
Eifrig bestrebt nach Möglichkeit die angefangenen Arbeiten zu fördern, zog ich mit wenigen Leuten öfter in den das Lager umgebenden Wald, um in diesem passende Hölzer zum Bau der Häuser auszusuchen und zu fällen, hauptsächlich weil das Herbeischaffen der benöthigten Baumstämme von den Bergen für meine paar Leute sehr zeitraubend und schwierig war, konnte ich doch nur des Morgens eine Abtheilung hinaussenden, die um Mittag zurückgekehrt, dann Ruhe haben mußten, damit die Leute Nachts den Postendienst versehen konnten. Der das Lager umgebende Wald, bestand meistens aus hohen Bäumen, jedoch das Untergebüsch war so wild und dicht, daß man nur mit der Axt einen Weg hindurch bahnen konnte und fast kein Sonnenstrahl durch die hohen dichten Kronen der Bäume und diesem Blättermeer zu dringen vermochte, — die vorherrschende Dämmerung, die tiefe Einsamkeit in diesem erweckten das Gefühl, als wäre man entrückt und fern aller menschlichen Wohnstätten, oder befände sich auf einem Kirchhof, auf welchem die gestürzten modernen Waldriesen der Natur den Tribut zahlten. Hier war auch die Behausung der Panther und Hyänen, die nächtlicher Weile das Lager umschlichen; solche die zwar vor den Menschen flohen und nur selten sich blicken ließen, dagegen in der Dunkelheit ohne Scheu die hindernden Dornhecken des Lagers übersprangen um nach Beute Umschau zu halten. Viel Schaden haben uns die Räuber dadurch zugefügt, daß sie trotz der wachsamen Posten uns manche Ziege raubten, oder die Wildkatze in den Hühnerstall eindrang und Verheerungen anrichtete.
Einen Fall von der Kühnheit eines Panthers will ich hier anführen: Im Lager, das von Dr. Röver später bedeutend ausgebaut wurde, verblieben die Soldatenwohnungen an der Waldliesère, wie ich sie hatte aufführen lassen bestehen. Diese langgestreckten Hütten nach der Innernseite zu fast ganz offen, im Hintergrund so niedrig aber, daß das Dach fast den Erdboden berührte, waren für jede Abtheilung in besondere Räume getheilt und mit den provisorischen Schlafstätten der Soldaten, selbsterrichtete Kitandas so angefüllt, daß in der That nur schmale Gänge übrigblieben. So gezwungen immer auf den Kitandas zu sitzen oder zu liegen, wurden im Vordergrund meistens kleinere Feuer unterhalten, die während der meisten Nachtstunden, so lange die Leute noch munter oder sich unterhaltend umherlagen, das dunklere Innere etwas erhellen sollten. Eines Abends also, alles hatte sich zur Ruhe gelegt, wurden die mitten im Lager angebundenen Ziegen unruhig und ein Posten, der es bemerkt, verscheuchte durch seine Annäherung das Raubthier; der auf dasselbe abgegebene Schuß aber alarmirte sofort das ganze Lager. Es war ein Panther, der nun, da er nicht im Stande war, den Ausweg zu ereichen, sich in eine der Soldatenhütten einschlich und unter eine Kitanda verkroch. Der betreffende Schläfer durch den Alarm ermuntert, bemerkte, daß unter seiner Schlafstelle etwas nicht in der Ordnung sein mußte und sich niederbückend, sah er beim Scheine des in der Nähe glimmenden Feuers vor sich die glühenden Augen des gefährlichen Raubthiers. Er folgte dem ersten Impulse das Thier zu verscheuchen, erfaßte einen glimmenden Holzscheit und schlug nach den funkelnden Katzenaugen.
Der Panther, von dem plötzlich entstandenen Lärm nun wohl schon ängstlich gemacht, wich dem Schlage aber aus, und die dünne Graswand durchbrechend, gewann er das Freie. Ein junger Teckel, der einzige den wir noch besaßen, hatte sich zu nahe gewagt und wurde von dem Panther erfaßt, während dieser den Gang zwischen Häuser und Hütten durchlief, hier über die Dornhecke setzte und im Walde verschwand, aus welchem das ängstliche Geheul des Hundes noch vernehmbar, allen anzeigte, welchen Weg der Räuber mit seiner auf der Flucht erfaßten Beute eingeschlagen hatte.
Sehr oft haben auf diese Weise die kühnen Panther uns die Nachtruhe gestört und meistens immer ein Zicklein oder größere Ziege erbeutet; weite Streifzüge sind unternommen worden oder den Räubern Hinterhalte gelegt, nie aber gelang es eines der gewandten Thiere bei der herrschenden Dunkelheit zu erlegen, höchstens wurde ihnen, die durch einen Schlag mit der mächtigen Tatze getödtete Ziege wieder abgejagt.
Den Wald, den ich wie gesagt nach passenden Baumstämmen absuchte, lernte ich auf diesen Streifzügen genügend kennen ohne jedoch reichliches Material an jungen schlankgewachsenen Stämmen vorzufinden, im Gegentheil die Ausbeute war nur gering zu nennen, auch fand ich nur brauchbares Material an den hohen Ufern des jetzt trockenen Wildbaches vor, der diesen Wald durchschnitt und in der Regenzeit die Bergwasser dem Schireflusse zuführte.
Im tiefsten Walddunkel, wo das Unterholz weniger dicht und nur Farne unter den hohen Bäumen wucherten, fand ich auch unvermuthet eine Grabstätte, etwa fünfzig Gräber dicht an dicht gereiht. Kein Fuß eines Eingeborenen verirrte sich je hierher — selbst meine Leute vermieden diese Stätte zu betreten, wenn ich den einen oder anderen der kürzeren Entfernung wegen von dem Wildbache aus zum Lager sandte, und machten lieber einen Umweg. Einladendes hatte diese Grabesstille gerade nicht, so versteckt lag der Ort und so düster war die ganze Umgebung; jedes Grab war mit Topfscherben übersät, die den einzigen Schmuck der Hügel bildeten, soweit solche noch zwischen Gras und Kräuter erkennbar waren, sonst zeigte nichts an wer wohl unter einem der Hügel die Ruhe gefunden hatte. Genöthigt beständig zwei Leute, die der Sprache der Eingeborenen mächtig waren, zum Einkauf von Proviant auszusenden, — den Einkauf besorgte der Suaheli Hamissi, — sandte ich diese vorerst immer nach Perisi in welchem Dorfe mir die Zusage gegeben worden war meinen Boten Proviant verkaufen zu wollen. Durch diese Leute nun, die meistens auf solcher Tour zwei Tage ausblieben und Gelegenheit hatten Verschiedenes zu hören und zu sehen war ich einigermaßen von der Gesinnung der Bevölkerung unterrichtet und konnte aus den gemachten Mittheilungen entnehmen, daß die überall verbreitete Unzufriedenheit einen schlimmen Ausgang nehmen würde.
Am 21. Januar wieder nach Perisi zurückgekehrt, berichtete Hamissi, er sei durch zugezogene Leute im Dorfe während der Nacht überfallen worden und hätte nur dadurch die Angreifer von sich abgehalten, weil er gedroht habe zu schießen, am Morgen hätte er dann eiligst den Rückmarsch antreten müssen und von den eingekauften Vorräthen wenig mitnehmen können. Dieser Vorfall war um so bedenklicher, als die beste Quelle, woher ich Lebensmittel erhalten konnte, fortan für uns verschlossen war; es blieb mir daher nichts anderes übrig, als die Leute nun in die flußabwärts liegenden Dörfer zu senden, die weit zerstreut und wenig bevölkert, nur in geringem Maaße Naturalien abzugeben vermochten. Im Dorfe Mpimbi selbst war nichts zu erhalten waren auch Ziegen, Schafe und Hühner reichlich vorhanden, so weigerten sich die Bewohner doch, uns das Geringste abzulassen.
Die im Umlauf befindlichen Gerüchte ließen auf eine immer mehr wachsende Erregung schließen, nur wußte man nicht, woher solche kamen, auch fehlte dafür ein bestimmter Anhaltspunkt; so hatte ich auch persönlich das Gefühl, wenn ich auf dem Wege zur Werft oder im Dorf einem Trupp Männer begegnete, daß die schwarzen Gestalten sicher nichts Gutes im Schilde führten und diesen gegenüber Vorsicht geboten wäre.
Etwas freie Hand bekam ich erst durch die Ankunft eines Transportes von Katunga, der mir unter Führung des Maschinenmeisters Spenker und des Zimmermanns Ottlich Schiffsmaterial brachte, allein auch die Sorge für die Verpflegung erhöhte, denn ich hatte eine Verstärkung der Besatzung nicht gewünscht, schon aus dem Grunde nicht, weil es so schwierig war, genügende Lebensmittel zu erhalten; das nur war mir lieb, einen Vertreter jetzt im Lager zu haben, denn nun konnte ich daran denken, am anderen Schireufer eine Exkursion zu unternehmen, um im dichten Urbusch einige Bäume auszusuchen, die gefällt, zu Balken behauen werden mußten.
Auf dem linken Ufer fand ich solche hohen und geraden Bäume die dem Zweck entsprochen hätten nicht, waren doch zur Kielunterlage 200 Fuß Balken nöthig, welche das Gewicht des eisernen Körpers zu tragen hatten, auch mußte jeder Balken möglichst lang sein, um ein Einsinken in dem theils vom Flußwasser, theils vom Regen aufgeweichten Grund zu verhindern. Lange Wochen würde diese Arbeit in Anspruch nehmen und hatte ich mir deren Beendigung mit der Fertigstellung der Ausgrabung auf der Werft zusammenfallend gedacht, sofern das drohende Unwetter sich verziehen würde und ich in Ruhe meinen Plan zur Ausführung bringen könnte, der darin bestand, mit allen verfügbaren Kräften vorzugehen, sobald die nothwendigsten Arbeiten im Lager beendet sein würden. Es sollte freilich ganz anders kommen. —
Ich hatte den Abmarsch zum anderen Ufer nun einmal geplant, deshalb führte ich diesen am Morgen des 24. mit einer kleinen wohlausgerüsteten Truppe auch aus. Hätte mir ein Boot oder Kanoe zur Verfügung gestanden, würde der Marsch sehr verkürzt worden sein, indem ich dann direkt über den Fluß gesetzt wäre und versucht haben würde, durch das hohe Ufergebüsch einen Weg in das hinterliegende Terrain zu bahnen, so aber waren wir gezwungen, weit unterhalb Mpimbi die einzige Kanoefähre zu benutzen, welche von dem der Station Scharrer gegenüberliegenden Dorfe unterhalten wurde. Gegen eine Bezahlung in Zeug setzte uns auch der schwarze Fährmann mit seiner Nußschale hier über den stark strömenden Fluß, dann durch die Irrwege dieses ausgedehnten Dorfes, angekläfft von den höchst unansehnlichen Hunden, folgten wir einer bestimmten Richtung, bis wir schließlich, weithin sich erstreckende Maisfelder hinter uns lassend, an das hohe Ufer eines Nebenflusses des Schire gelangten und hier auf einem schmalen Fußpfad, durch Büsche und hohes Gras, vordrangen.
Rasch marschirend, hatten wir bald ein welliges Terrain erreicht und konnten von freier gelegenen Punkten bessere Umschau halten, jedoch vergeblich suchten wir auf der weiten Fläche nach passenden Bäumen. Nur zur Linken, wo das tieferliegende Gelände weithin mit undurchdringlichem Gebüsch und Rohr längs dem ganzen Flußufer bedeckt war, ragten die Kronen hundertjähriger Baumriesen empor, deren Stämme schlank in die Lüfte strebten.
Vereinzelt freilich standen diese Bäume inmitten einer Wildniß, wie solche nicht großartiger gedacht werden kann; ein fester Wall, eine lebende Mauer schien hier aufgethürmt zu sein, die sich kein Menschenkind unterfangen konnte zu durchbrechen. Meilenweit schon hatten wir den einzigen Pfad verfolgt, der zu einer bewohnten Stätte führen mußte, aber auch vergeblich versucht, links durch das Dickicht zu dringen, immer wieder mußten wir zurückweichen. Endlich, in einer Senkung sahen wir eine Lücke, wo das Dickicht zurücktretend, einer ausgedehnten saftigen Wiese Raum gelassen hatte und hier gelang es erst einem der mächtigen Bäume nahezukommen. In 50 Fuß Höhe begannen die fast wagerechten Aeste sich erst auszubreiten, die Krone des Baumes war gewaltig, der Stamm wohl zwölf Fuß im Umfang und fast wollte es mir als zu schwer erscheinen, aus solchem Riesen einen passenden Balken zu behauen, aber waren alle anderen im dichten Gebüsch nur annähernd so, dann blieb nichts anderes übrig, als rüstig an die Arbeit zu gehen.
Beim weiteren Suchen fanden wir auch einen Flußpferdpfad, und da dieser sicherlich zum Wasser führt, bot sich die einzige Möglichkeit in das Dickicht vorzudringen; schnell entschlossen folgte ich diesem, hoffend, jenen Bäumen näher zu kommen, die für uns sonst unreichbar waren. Auf ausgetretenem schlammigen Grund, den die Füße der mächtigen Thiere zerstampft hatten, schritten wir fort, über uns Strauch, Busch und Rohr, gleich einer festverbundenen Decke und im Gange selbst tiefe Dämmerung, nur zuweilen brach ein schwacher Lichtstrahl durch die grüne Wölbung. Ueber Wurzeln und wie Hanftaue starke Schlingpflanzen zu stolpern, war kein angenehmes Wandern, Zweige, die einem Kiboko nicht hinderten, sperrten uns den Weg und mancher empfindliche Schlag traf dazu das Gesicht. Indes nach längerem Vordringen kamen auch freiere Stellen, wo man sich besser bewegen konnte und weniger dichtes Gebüsch eine Umschau gestattete. Es gelang auch mit Buschmessern eine Bahn zu hauen und zu mehreren Bäumen heranzukommen, jedoch wider Erwarten waren deren Stämme zu krumm, oder ihr Umfang zu gewaltig und nur zwei hätte ich als brauchbar bezeichnen können.
Da nun der Zweck erreicht war, so folgten wir den Spuren der Flußpferde, nur um unsern Durst am frischen Wasser zu löschen und standen endlich nach vielen Mühen am Ufer des Flusses, den wir am frühen Morgen nahe seiner Einmündung in den Schire bereits gesehen hatten. Das Flußbett schien an dieser Stelle eine Strecke auf- und abwärts tief zu sein, was in mir den Wunsch erweckte, dasselbe genauer zu untersuchen, denn vielleicht wäre es möglich, die Balken später flußabwärts zu flößen, das einfachste und bequemste Mittel, uns die schwere Arbeit zu erleichtern. Gesagt, gethan — an der Uferböschung entlang ging es vorwärts, nicht achtend der spitzen Stacheln, des messerscharfen Schilfgrases und der Stiche blutdürstiger Insekten und möglichst mit dem Flusse Fühlung haltend, bemerkten wir bald flacheres Wasser und indem wir nun den strapaziösen Weg im Gebüsch aufgaben, schritten wir auf dem Flußgrunde und über freiliegende Sandbänke fort.
Der Ausdehnung nach zu urtheilen, welche das größtentheils jetzt trockene Flußbett hatte, mußten hier zeitweise gewaltige Wassermassen dem Schire zugeführt werden und wo wir jetzt trockenen Fußes gingen, sich wilde Wogen wälzen, was aus dem starken Gefälle zu schließen war. Ich hatte mich auch bald überzeugt, daß es eine Unmöglichkeit war, zur Zeit diesen Fluß zu benutzen, selbst sein seichtes Bette bot nicht mal einen bequemeren Weg; darum, sobald das dichte Ufergebüsch hinter uns lag, kletterten wir die steilen Uferwände wieder hinauf und setzten unsern Weg quer landeinwärts fort.
Zwar hatten wir am anderen Ufer eine Strecke ins Land hinein, wo ein unabsehbarer Urwald sich ausdehnte, hunderte der schönsten Bäume erkennen können, doch nahm ich vorläufig davon Abstand, dieses näher zu untersuchen, einestheils weil der Fluß zu überschreiten war, anderntheils auch der Weg dorthin noch schwieriger erschien. Keinen Augenblick im Zweifel, wie groß die Schwierigkeiten sein würden, welche das Schlagen breiter Wege in solchem Terrain verursachen mußten, war mir das Eine klar, daß dieses Werk nur mit Energie begonnen und mit festem Willen zu Ende geführt werden könne. Major von Wißmann selber, in dessen Lexikon das Wort »Unmöglich« nicht verzeichnet steht, würde solcher Aufgabe seine Anerkennung nicht versagt haben, hätte er persönlich sich von den Mühen und Fährlichkeiten überzeugen können; so schwierig wenigstens hätte sich der große Kenner Afrikas diese Arbeit auch nicht vorgestellt. Und doch war es nur erst der Anfang!
In später Nachmittagstunde den Weg wieder kreuzend, den wir am Morgen verfolgt, nahm ich mir einen Mann mit und schritt rüstig dem Schire zu, um mit dem Häuptling jenes Dorfes nähere Vereinbarung zu treffen, uns die Fähre und Wege durch sein Dorf benutzen zu lassen, während Ottlich mit den Leuten weiter vordringen sollte, theils das Terrain zu erkundigen, theils Bäume noch auszuwählen, damit der vorläufige Bedarf an Balken gedeckt würde.
Um das einmal begonnene Werk nun auch fortzusetzen, da es das schwierigste war, welches vorläufig unternommen werden mußte, so suchte ich mir die besten Leute aus, die eine eigene Kolonne bilden und beständig für die Arbeiten im Urbusch verwendet werden sollten, wenigstens so lange, bis die erbetenen schwarzen Zimmerleute, ausgebildete Missionszöglinge, von Blantyre durch Dr. Röver übersandt werden konnten. Zunächst jedoch führte ich noch selber diese Abtheilung, bis im Dickicht gangbare Wege zu jenen Baumriesen geschlagen waren, dann überließ ich das weitere Ottlich, der nach Bedarf die Leute vertheilen und anstellen konnte. Wäre nicht die schwierige Frage der Proviantirung gewesen, hätte ich den Leuten in der Wildniß Hütten bauen lassen, um diesen den beschwerlichen Marsch von zehn englischen Meilen täglich zu ersparen und durch so verlorene Zeit die Arbeit zu fördern gesucht.
Die deutsche Expedition, in friedlicher Arbeit auf englischem Gebiet, hätte keine Ursache haben sollen, die Verwicklungen weiter zu beachten, welche den Engländern mit den Eingeborenen dadurch entstanden, daß sie deren Häuptlinge zur Botmäßigkeit zwingen wollten, die Ausdehnung der englischen Macht sollte mit dem Wunsche nach Landbesitz gleichen Schritt halten.
So war es möglich, daß zwischen Zomba und Fort Johnston der Aufstand ungehindert ausbrechen konnte, selbst wir Deutsche uns selber schützen mußten, ja mehr, die völlig unzureichende Macht mit allen Kräften zu unterstützen hatten, um von ihr und uns großes Unheil abzuwenden. Die Ursachen zu der allmählich sich entwickelnden großen Unzufriedenheit in der Bevölkerung liegen unzweifelhaft tiefer; zieht man aber die Methode der Engländer in Betracht, wie sie ihren Kolonialbesitz zu mehren suchen, geht man nicht fehl, zu behaupten, daß oft absichtlich der böse Same ausgestreut wird, der aufschließend die Empörung bringt, dann aber den Engländern nach der Niederwerfung eines Aufstandes auch das gewünschte Recht giebt, um den Empörern alles zu nehmen. Was nicht kaufmännische List und diplomatische Kunst fertig gebracht, vollbringt die Gewalt!
Ich greife zurück auf die unter der Asche glimmende Gährung in der Bevölkerung, die nur eines Anstoßes bedurfte, um blutig aufzuflammen; vielleicht war dieser zu früh gegeben, vielleicht auch nicht. Einzugreifen sah sich der englische Kommissar Mister Johnston genöthigt, als Sklavenjäger vom portugiesischen Territorium einfallend, selbst bei Zomba, dem Sitze der Regierung, einen Mann wegraubten, und später, oberhalb des Flusses bei Lionde mit der Bevölkerung gemeinsame Sache gemacht hatten. Unter dem Vorwande nun, daß ein Halbaraber in einem Dorfe am rechten Ufer einen Knaben als Sklaven erstanden habe, dieser wenigstens mit Wissen des Dorfhäuptlings verkauft sei, sandte der Kommissar eine kleine Abtheilung unter Befehl des Sergeanten Hoarse aus, den Sklavenhändler festzunehmen. Hoarse, der während unserer Anwesenheit in Mpimbi bisher die neben unserem Lager befindliche Station vorgestanden und eigentlich nur als Expedient für die mit offenen Booten nach Fort Johnston zu schaffenden Briefschaften und Regierungswaaren fungirt hatte, gleichwohl aber auch in Mpimbi Steuererheber etc. war, brach am 23. Januar auf.
Auf dem Marsche nach seinem Bestimmungsort traf es sich, daß der Kommandant von Fort Johnston, Capitän Johnston, flußabwärts kommend, im Begriff, eine Erholungsreise nach Blantyre zu machen, diese kleine Expedition am Schireflusse begegnete, daher die Weiterreise aufgab, um die Führung zu übernehmen. Es gelang dem Kapitän auch, des Arabers habhaft zu werden, aber, ob mit Recht oder Unrecht, er ließ zur Strafe das von den Einwohnern verlassene Dorf niederbrennen und die wohl hierdurch zur Wuth gereizten Eingeborenen eröffneten den Kampf.
Auf dem Rückmarsch im hohen Grase, wo auf schmalem Fußpfad nur Mann für Mann marschiren konnte, ging der wohlgedeckte, an Ueberzahl viel stärkere Feind zum Angriff über; im ersten Angriff zersprengte er die langgezogene Linie, schnitt die Fliehenden von dem Führer ab und die Nachhut unter Hoarse, ein aufgelöstes Häuflein, rettete sich durch Schwimmen an das andere Ufer. Nur eine kleine Zahl Makualeute blieb dem Führer treu, der, seiner Waffen und Patronen durch die Flucht seines Dieners beraubt, stundenlang die Feinde abwehrte und langsam mit den Verwundeten vordrang, während die Gefallenen liegen blieben. Die That und Opfermuth eines Mannes hebt Capitän Johnston besonders hervor. Umringt von Feinden sieht ein Makua im hohen Grase einen im Anschlag liegenden Feind, die Gefahr erkennend, in welcher sein Führer schwebt, springt dieser Mann vor und jagt dem Feinde einen Handspeer in die Brust, sinkt aber auch, von dessen Kugel getroffen, schwerverwundet nieder. Seinen braven Retter hatte Capt. Johnston nun auch noch mitzuschleppen. Dennoch müssen die Verluste der Angreifer durch das gutgezielte Feuer beträchtlich gewesen sein, denn der Feind zog sich schließlich langsam zurück und verschaffte dadurch den Bedrängten wieder Luft. Unzweifelhaft war es eine tüchtige Schlappe, welche den Engländern beigebracht worden war, es waren weniger die Verluste, die zu beklagen — die meisten der anfänglich Vermißten fanden sich wieder ein — als daß der zweifelhafte Erfolg nun den Aufstand mit einem Schlage ausbrechen ließ.
Entblößt von allen Soldaten — Fort Johnston durfte um keinen Preis geschwächt werden — lag es nun nicht mehr in der Macht des Kommissars, den einmal entfachten Brand zu dämpfen. Ueberraschend schnell waren die Ereignisse gekommen, unerwünscht für jetzt und unerwartet; die hundert längst schon erwarteten Soldaten eines indischen Regiments der Sikhs wollten noch immer nicht eintreffen, daher war es nicht zu verwundern, daß die schutzlosen Bewohner Blantyres den Maßnahmen des Gouvernements keine besonderen Sympathien entgegenbrachten.
Von allen Vorgängen unterrichtet, da solche unter meinen Augen sich abspielten, war es meine Pflicht, auf den Schutz des großen Lagers, das noch reiche Vorräthe der Vorexpedition enthielt, bedacht zu sein, daher ließ ich alle Außenarbeiten auf der Werft und im Urbusch aufgeben, im Lager aber an geeigneten Punkten Erdwälle und Bastionen aufwerfen, ebenso auch Schußlinien in den dichten Wald hauen, während hinter der englischen Station das Terrain rasirt wurde, um uns und dieser frei Feld zu schaffen.
Dem Gebote der Nothwendigkeit folgend, mußte ich auch den Holz und Bambusrohr aus den Bergen holenden Leuten Waffen mitgeben, hatten sie doch stundenweit bis zu diesen zu gehen, in deren Walddickicht und Schluchten sich Aufständige verborgen hielten, um gelegentlich Leute wegzurauben. Das Schicksal derselben war nächst Mißhandlung die Sklaverei, und manchem der frei Aufgewachsenen wurde hierdurch ein trauriges Loos bereitet.
Höchst überrascht wurde ich eines Morgens durch die Ankunft des Arabers Beccari ben Umari, der von Lionde kommend bei mir vorsprach, ehe er weiter nach Zomba und Blantyre marschirte. Mir wollte es scheinen, als wenn der schlaue Fuchs sich hier nur orientiren, in Zomba nur seine Ergebenheit bezeigen und den Verdacht ein Sklavenhändler zu sein von sich abwälzen wollte. Wie dem nun auch sei, er ist mit seinem Gefolge unbelästigt wieder nach Lionde zurückgekommen, betrat aber das deutsche Lager nicht wieder, weil ich ihm Vorhaltungen über seine Wortbrüchigkeit gemacht hatte, erwiederte er doch dreist darauf, ich hätte ihm Boote oder Kanoes sowie den Kaufpreis schicken sollen, dann hätte er das Versprochene übersandt, — ebenso hatte die nicht besonders höfliche Aufnahme seiner werthen Person es ihm gerathen erscheinen lassen schleunigst wieder abzuziehen. Am 26. Januar traf die Nachricht ein, die Aufständigen hätten ein Boot der African Lakes-Komp. genommen, die Besatzung, die vom Nyassa-See zurückgekehrt sei aufgegriffen und getödtet worden. Zwei Tage später kamen zwei arg zugerichtete Leute zu mir ins Lager und baten um Hilfe, sie gehörten ihrer Aussage nach zu dieser Bootsbesatzung und berichteten, daß nur einer getödtet sei, ihnen beiden aber es erst gelungen wäre zu fliehen, nachdem man sie so zugerichtet und halbtodt hätte liegen lassen. Der eine war sehr schwer am Fuß verletzt, sein Rücken durch die Mißhandlungen eine offene Wunde, der andere hatte zwei Speerstiche in der rechten Seite, die Kopfhaut und das rechte Ohr waren stark verletzt, im übrigen hatte er wie sein Kamerad einen ebenso zerschlagenen Rücken. Vollständig nackt durch Blutverlust und Schmerzen aufs Aeußerste erschöpft hatten sich die Kerle zwei Tage lang in glühender Sonne und gequält von den gierigen Insekten bis hierher geschleppt. Es scheint fast übermenschlich, was diese Leute haben aushalten müssen, — ein Europäer wäre sicherlich mit solchen Wunden nicht weit gekommen, er hätte erliegen müssen; die Negernatur dagegen ist anders geartet, das Nervensystem zum mindesten nicht so ausgebildet und feinfühlend, wie das des weißen Mannes.
Da die englische Station in dieser Zeit tagelang nicht besetzt war, denn nach dem Kampfe war alles mit den Verwundeten nach Blantyre marschirt, hatte ich die Sorge für die verstümmelten Leute zu übernehmen. Aber auf alle Fälle vorbereitet, hatte ich die Mittel zur Hand, ihre schlimmen Wunden zu reinigen und zu verbinden; in der That von den schwarzen Körpern blieb nicht mehr viel zu sehen übrig, nachdem die Prozedur beendet war!
Durch solche Vorgänge wurde natürlich die Besorgniß immer mehr gesteigert; schlimme Gerüchte über die Grausamkeit der Feinde waren im Umlauf und in Folge dessen wurden auch alle Stationen bis Matope verlassen, sodaß wir vier Deutsche mit unserer kleinen Anzahl Leute allein in all dem Aufruhr standen. Ich sandte auch bewaffnete Abtheilungen bis zu den nächsten Dörfern, theils um Proviant zu kaufen, theils um Nachrichten zu sammeln, und diese benachrichtigten denn auch, daß die Sachlage nicht so schlimm sei wie die Gerüchte sie machten; erst wenn die Bevölkerung hinter uns in den Aufstand mit eingriff konnte es gefährlich werden, denn dann gänzlich abgeschnitten von allen Verbindungen, wäre die Proviantirung eine heikle Frage geworden, — gab es doch jetzt schon Tage, an welchen ich den Leuten kaum mehr die halbe Ration austheilen konnte! —
Die Macht im deutschen Lager mußte aber doch auf die nächste Bevölkerung eine gewisse Wirkung ausüben, denn ungehindert konnte ich wieder die Suaheli unter Ottlich in den Urbusch senden, wobei täglich die Eingeborenen sich davon überzeugen konnten, daß wir Waffen genug haben, uns zu wehren, und obgleich diese nur mehr zur Schau getragen wurden, da die Nothwendigkeit es einmal bedingte, so sollte doch unter keinen Umständen davon Gebrauch gemacht werden. Nur ein Mal ist der Fall eingetreten, daß eine kleine Abtheilung in den Bergschluchten angegriffen wurde, aber einige aufs Geradewohl abgegebenen Schüsse schon genügten die Angreifer zu verscheuchen.
Am 4. Februar kamen in den Nachmittagsstunden gegen 30 Leute in das Lager und berichteten mir, zwischen Lionde und Perisi sei ein Europäer ermordet worden, sie, seine Träger und Diener hätten vor den Feinden fliehen müssen und alle Sachen, Gewehre etc. seien diesen zur Beute gefallen. Mir fielen die unsicheren Angaben des Kapitaos auf, und eingehender die Leute examinirend, da es für mich von Wichtigkeit war, über die Stellung der Aufständigen genaue Auskunft zu erhalten, wurde es mir klar, daß schon bei den ersten Schüssen die feige Gesellschaft geflohen und ihren Herrn im Stiche gelassen hatte. Ich übergab darauf die Kerle, welche steif und fest behaupteten ihr Herr sei todt, dem Sergeanten der englischen Station, der sie nach Blantyre expedirte, wo später, nachdem der Todtgeglaubte wiederkam, den Händen der Feinde glücklich entronnen, der Kapitao und einige andere bestraft worden sind. Jedenfalls aber setzte diese Nachricht und die Nähe der Aufständigen alles in Alarm, und als mir gemeldet wurde, die Straße nach Blantyre sei nicht mehr sicher, ebenso der Weg nach Zomba, auf ersterer seien schon Träger überfallen worden, durfte ich nicht länger zögern, sondern fertigte Eilboten nach Katunga ab, die dort um schleunigste Unterstützung nachsuchen sollten.
Der Sachverhalt dieses Vorganges war folgender: Vor Monaten waren zwei Sportsleute, englische Offiziere, ein Mister Wetterly und Koe in dieses Land gekommen, um der Jagd nach unsern größten Vierfüßlern den Elephanten obzuliegen. Ich kann nicht behaupten, ob sie Erfolg gehabt, nur soviel ist gewiß, daß sie der mit solcher Jagd verbundenen Strapazen überdrüssig, sich auf dem Rückmarsch befanden, sich aber getrennt hatten und Mister Koe, ohne vielleicht eine Ahnung von dem kürzlich ausgebrochenen Aufstand zu haben, hatte sich sorglos dem Schirefluß genähert. In dieser heißen Gegend empfindet man es als eine Wohlthat, wenn nach beschwerlichem Marsche oder der Tagesgluth ein Bad den erschöpften Körper erfrischen kann, und dieser Gewohnheit gemäß hatte sich Mister Koe verleiten lassen, am Nachmittag des 2. Februar im Schirefluß zu baden, ahnungslos, daß verborgene Feinde nur eine Gelegenheit abwarteten, den Ueberfall in dem Augenblick zu wagen, wenn der weiße Mann wehrlos sein würde.
Er hatte sich weiter vom Ufer entfernt als es nöthig, und der Krokodile wegen wohl rathsam gewesen wäre, da plötzlich umsausten ihn die Kugeln und das Ufer von Feinden besetzt, blieb ihm nichts anderes übrig als durch Tauchen den feindlichen Geschossen zu entgehen. Lieber wollte er dem gefräßigen Krokodil zur Beute fallen, als wehrlos und verwundet den martervollen Tod von den Händen unbarmherziger Menschen sterben. So nackend wie er war mußte er nun am rechten Ufer seinen Verfolgern zu entgehen suchen; durch Gras und Busch, zerschnitten von dem scharfen Schilf und geschunden von Dornen und Hecken in wegloser Oede wandte er sich landeinwärts.
Was die Kälte der Nacht für einen Europäer in solchem Zustand auf sich hat, ist wohl kaum zu beschreiben, noch weniger die glühende Hitze am Tage, die blutgierigen Mosquito und andere Insekten hatten ihn dazu furchtbar geplagt. Wollte er nicht elend verkommen, mußte er am anderen Morgen in der Sonnengluth vorwärts und auf unbetretenen Wegen mühsam sich auf gut Glück weiterschleppen, bis er schließlich vollständig erschöpft an einem Fußpfad niedersank und seine eventuelle Rettung aus dieser qualvollen Lage dem Schicksal anheimstellte. Halb schon bewußtlos schreckte ihn das Geschrei einiger wasserholenden Weiber der Angoni, an deren Landesgrenze er angelangt, aus seiner Apathie auf, wohl flohen diese, als sie den weißen Mann im elenden Zustande liegen sahen, brachten aber doch ihrem Häuptling Nachricht, und dieser, so gut er es vermochte, hat ihn gekleidet und gepflegt bis ein Bote von Mpimbi schleunige Hilfe herbeigebracht hatte. Was für Strapazen, welche Empfindungen dieser Mann durchgemacht, kann wohl keiner nachfühlen, er weiß es nur allein, was es heißt nackend in kalter Nacht, in glühender Sonne, geschunden, bis zum Tode matt vor einem grausamen Feinde fliehen zu müssen; bleich und still verblieb er tagelang auf der Station, ehe er transportfähig war, und ich habe von den verschlossenen Lippen nur wenig vernommen. —
Dieser Vorfall nun, der keineswegs die Gefährlichkeit des Aufstandes mehr unterschätzen ließ, brachte Leben und Bewegung in die englische Verwaltung, vor allem, da es sich noch um das unbekannte Schicksal des Mister Weterly handelte, der ebenso abgeschnitten und vielleicht getödtet werden konnte. Alles was an Makua, Suaheli und Atongaleuten aufzutreiben war, etwa 200 Mann, wurde bewaffnet nach Mpimbi geführt und hier vor dem deutschen Lager unter Kommando von Kapitän Jonston und von anderen, als Mister Sharp, Steavenson und Hoarse gedrillt. Es war eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft, von der etwa 30 Makua das beste Material, mit der ein Kriegszug eröffnet und der Aufstand niedergeworfen werden sollte.
Die Feinde, deren Zahl nach den Nachrichten zu urtheilen beständig anwuchs, hätten leicht, wenn eine einheitliche Führung vorhanden gewesen wäre, alles überlaufen können, und ich bezweifle, ob ich mit meiner kleinen Schaar gegen solche Uebermacht, abgeschnitten von aller Hilfe, hätte Stand halten können, sobald die Bewohner Mpimbis mit ihren Freunden gemeinsame Sache gemacht hätten. Mir wäre nichts anderes übrig geblieben, als bis zum Letzten zu kämpfen und mich unter den Trümmern des Lagers begraben zu lassen. Aber wie ich schon früher erwähnt, liegt die Schwäche dieser zahlreichen feindlichen Krieger in der Uneinigkeit ihrer Häuptlinge, ihre Macht und Stärke kennen sie eben nicht und lassen durch unnütze tagelange Schauri die günstigste Zeit verstreichen. Schon ein kleiner Erfolg versetzt alle in Extase, und ob sie auch nicht feige, werden sie doch, durch Uneinigkeit getrennt, von dem sehr viel schwächeren Gegner geworfen.
Obgleich die Lage in diesen Tagen bedenklich genug war, kann ich doch ohne Rühmen behaupten, daß die deutsche Vorhut, deren Macht der Feind zum Glück sehr überschätzte, das einzige Bollwerk gewesen ist an welchem der Aufstand sich brach, insofern als die Bevölkerung diesen Vorposten zu sehr gefürchtet hat; sonst, da der Aufstand lawinengleich anwuchs, hätten, die Völker zu den Waffen gerufen, ob uneinig oder nicht, solche Schaaren die wenigen Engländer erdrücken müssen!
In dieser Zeit war ich gezwungen alle meine Leute im Lager zu behalten und alle Arbeiten außerhalb aufzugeben, es wurden nur noch Proviantpatrouillen ausgesandt sonst aber tüchtig exerzirt. In dunkler Nacht, worauf es hauptsächlich ankam, ließ ich durch Schüsse öfter das ganze Lager alarmiren, und fand ich jeden Mann auf seinem Posten, dann rief die Trompete auch wohl zum Rückzug oder schnellem Avanciren — so übte und drillte ich mir die Leute, um allen Eventualitäten nach Möglichkeit gewachsen zu sein. Ottlich zwar, der nun einige Zimmerleute zur Verfügung hatte, Eingeborene dieses Distrikts, ließ ich immer noch in den Urbusch hinausziehen und das Behauen der gefällten Bäume fortsetzen. Diese Leute, die bei freier Station gut bezahlt wurden, 15 bis 20 Rupien den Monat pro Mann, dazu für längere Zeit engagirt waren, konnte ich nicht unthätig im Lager behalten, auch lag mir viel daran der Dorfbevölkerung zu zeigen, daß wir unbeachtet aller Vorgänge weiter oberhalb des Flusses, uns nicht abhalten lassen friedlicher Arbeit nachzugehen.
Mehrmals berichteten mir die Zimmerleute und namentlich Ottlich, der es vorzog öfters im Urbusch Streifzüge zu unternehmen, unter anderen verfolgte er jenen von uns früher begangenen Fußpfad und fand an dessem Ende ein Wangonidorf, auch überschritt er den Nebenfluß des Schire und untersuchte jenen schönen Waldbestand, den wir früher gesehen und der herrliche Bäume aufzuweisen hatte aber eine Begräbnißstätte war, daß sie nebst anderen wilden Thieren Löwen gesehen hätten, auch einst den Thieren unvermuthet nahe gekommen wären und nur durch schnelle Flucht sich ihnen entzogen hätten. Mir war es nichts Neues das zu hören, machte ich doch später selber in jener Gegend die unliebsame Bekanntschaft mit dem König der Thiere, aber die Besorgniß wollte mir etwas übertrieben erscheinen, ich beschwichtigte diese jedoch indem ich einige Leute mehr und alle gut bewaffnet, mit hinausziehen ließ.
Fataler war ein Vorfall der am 6. Februar passirte: Ottlich war wie gewöhnlich am frühen Morgen mit seinen Leuten ausgezogen, und bereits an das andere Ufer des Schire mit der Kanoefähre gesetzt worden, als ihm beim Durchmarsch durch das Dorf von den Bewohnern der Weg verlegt wurde, die drohend die Waffen schwangen und denen er schließlich weichen mußte ohne sich erklären zu können aus welcher Ursache diese feindliche Haltung hervorgegangen war. Er verstand leider kein Wort der Landessprache ebensowenig Suaheli und brachte daher diese Haltung der Dorfbewohner in Zusammenhang mit dem Aufstand, die Zimmerleute indes, die den Sachverhalt erkannten, suchten auf gütlichem Wege den Streit beizulegen und brachten es dahin, daß zwei Abgesandte mit zum Lager gesandt wurden, die mir ihre Beschwerden vorbringen sollten. Als diese ins Lager gekommen waren beklagten sie sich darüber, daß der weiße Mann ihren geheiligten Todtenhain betreten hätte mit der Absicht Bäume zu fällen, worunter ihre Todten begraben liegen, dieses aber würden sie nicht dulden, und voraussetzend meine Leute wollten nochmals dorthingehen, haben sie es verhindert. Obwohl ich wußte, daß Ottlich ohne Auftrag gehabt zu haben jenen Hain betreten hatte, stellte ich mich doch so, als wenn mir dieses neu wäre, konnte aber den Abgesandten die Versicherung geben, daß kein Baum angerührt noch irgend ein Grab beschädigt worden sei, in Zukunft auch Niemand mehr jenen Waldtheil betreten werde. Ein kleines Geschenk stellte sie denn ganz zufrieden. Die Abtheilung aber ließ ich sofort wieder mit ihnen gehen, indem ich die Abgesandten aufforderte sich von jenen Orten zu überzeugen, wo wirklich Bäume gefällt sind und gearbeitet wurde.
Dieser Vorfall bewog mich indes, da ich in dieser Zeit der Aufregung dem geschlossenen Frieden nicht mehr recht traute, an diesem Tage die Leute zum letzten Male hinauszusenden, denn ich konnte mir nicht verhehlen, daß die Abtheilung im Urbusch gelegentlich mal leicht gefährdet sein könne. Auch durch die jetzt schnell heranstürmenden Ereignisse wurden wir verhindert vorerst daran denken zu können diese Arbeit wieder aufzunehmen. —
Eigenthümliche fast kuriose Anschauungen fördert der Ahnenkultus zu Tage, der von allen diesen Völkern geübt wird. Der krasse tief eingewurzelte Aberglaube ist es, der fast immer die Handlungen der Einzelnen sowie der Gesammtheit leitet, auch zu bestimmten Gebräuchen hat dieser die Veranlassung gegeben, namentlich bei den Todtenfesten. Der Medizinmann (Zauberer), die geachteste Persönlichkeit in jedem Dorfe, ist sozusagen die Verkörperung des Unbegreifbaren für Jedem, und achtungsvoll lauscht Jung und Alt seinen Worten, wenn er gelegentlich seine prophetische Gabe zum besten giebt oder Beschwörungen vornimmt. So bannt z. B. dreitägiger toller Lärm den Geist eines Verstorbenen in der Hütte, die über dessen Grab eingerissen wurde; Grabstätten vornehmerer Todten aber, die an einsamen Orten unter den schönsten Bäumen errichtet wurden, dürfen nie zerstört werden damit die dort weilenden Geister nicht vertrieben und umherwandernd Unheil anrichten, namentlich an dem Lebenden sich rächen können, die diesen einst Uebels gethan. Solcher Aberglaube hat mir später noch genug Scherereien und manche schlaflose Nacht bereitet — doch ich will nicht vorgreifen, sondern die Ereignisse wie sie auf einander folgten, aufzählen.