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Die deutsche Dampfer-Expedition zum Nyassa-See. cover

Die deutsche Dampfer-Expedition zum Nyassa-See.

Chapter 19: 15. Der Aufbau des Dampfers »Hermann v. Wißmann«.
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About This Book

A first‑hand account of an inland steamship expedition that details the logistics of transporting disassembled vessel components overland, erecting camps and a shipyard, assembling and outfitting the steamer, and conducting its launch and maiden voyages on Lake Nyassa. The narrative follows marches between encampments, methods of transport including rail transfer, episodes of local unrest and combat, and practical problem‑solving during construction. Interwoven are descriptive observations of the lake, coasts, inland settlements, and regional plant and animal life, with attention to the labour, engineering and navigational challenges encountered throughout the campaign.

15. Der Aufbau des Dampfers »Hermann v. Wißmann«.

Wieder im Besitze unseres Stahlbootes gelangt, das die Engländer nicht mehr zum Provianttransport benöthigten, beschloß ich nun mit der ganzen verfügbaren Mannschaft aufzubrechen, und vorerst querüber der Werft einen Weg durch das Dickicht zu hauen, der, wenn es möglich wäre, in gerader Richtung bis zu einem Hügelplateau führen sollte, nach welchem ich zuerst die Balken aus dem Urdickicht heraus, hinzuschaffen gedachte.

Mit 60 Mann, 2 Europäern und vorläufig einem Wagen, setzte ich über den Fluß und suchte, da es unmöglich war, direkt durch das Gebüsch vorzudringen, längs dem Ufer im hohen Schilf und Rohr einen Weg zu bahnen. Aber ob auch mit langen Buschmessern alles niedergemäht wurde, war es in der immer heißer brennenden Sonne doch eine beschwerliche Arbeit; dazu kam das messerscharfe Schilfgras, das die nackten Leute an den Beinen und am Körper verletzte, auch traten sich viele die scharfen Dornen dazwischen wuchernder Sträucher in das Sohlleder ihrer Füße ein und erst nach Stunden angestrengter Mühe waren wir etwa 100 Meter vorwärts gekommen. Daß es so nicht weiter gehen konnte, wenn das Dickicht so überaus dicht bleiben würde, sah ich bald ein und gab es daher auf, einen breiten Weg zu schlagen, der uns als Straße dienen sollte. Einzeln, Mann hinter Mann ließ ich die Leute Bahn brechen und auf diesem schmalen Pfade dann den Wagen mit Gewalt hinterher ziehen, höchstens räumten wir noch Hindernisse weg, wo es absolut nicht anders gehen wollte.

Schließlich auf freies Feld gekommen, das mit unzähligen Erdhaufen und Löchern bedeckt war, sah ich erst recht ein, daß wir niemals im Stande sein würden, über diese brachliegende Fläche einen schwerbeladenen Wagen zu schaffen. Die Nothwendigkeit, die Felder uneben zu machen, bedingt darauf gepflanzter Mais und Mtama, weil diese mächtigen Stauden zur Zeit der Blüthe gehäuft werden müssen, nach Art, wie in Europa die Kartoffel etc. und da jede Staude 5-6 Pflanzen zusammenfaßt, die mehrere Fuß voneinander entfernt sind, nach Belieben hier und da gesät, wird zur angegebenen Zeit mit der denkbar primitivsten Hacke so hoch als möglich gehäuft, was äußerst praktisch ist, weil dann das Regenwasser nirgends abfließen kann, auch sehr leicht die Wurzeln der Pflanzen erreicht und diese trotz der glühenden Sonne frisch und fruchtbar macht.

In der Weise, wie wir unsere Spargel, werden auch die Bataten gepflanzt. Die oft 1-1/2-2 Fuß langen Wurzeln erhalten so nur genügend Feuchtigkeit zum Gedeihen. Verliert der Erdboden, der niemals gedüngt oder umgearbeitet wird, schließlich seine Kraft, dann sucht sich der Neger ein neues Feld, das Feuer und Hacke urbar macht und läßt das verlassene einige Jahre unbebaut liegen, bis Gras und Gebüsch, sowie verwesende Pflanzen den Boden neugestärkt haben. Ein solches war es, worauf wir jetzt hinschritten, stolperten und fielen, weil hohes Gras und Strauch alle Unebenheiten verdeckten. Bemüht, nicht zu weit aus der Richtung zu kommen, mußten wir bald rechts bald links kleinere Schambas ausweichen, doch sah ich mich schließlich genöthigt, die weit ausgedehnten vor uns liegenden Maisfelder zu durchqueren, wenn ich nicht einen gewaltigen Umweg machen und in glühender Sonne längs denselben vordringen wollte. Um nun nicht viele Pflanzen mit dem Wagen zu knicken und nieder zu brechen, ließ ich diesen auseinander nehmen und hindurch tragen; auch um den Eingebornen keinen Anlaß zur Klage zu geben, wenn, was nicht zu vermeiden war, doch einzelne Beschädigungen vorkommen sollten, fertigte ich einen Boten zum Häuptling ab, der diesem die Mittheilung machen sollte, daß ich mit vielen Leuten nur dies eine Mal durch die Schambas ziehe.

Erfrischend ist der Aufenthalt in solchem grünen Hain, kühlen Schatten spendet das Blättermeer, das über einem wie ein Baldachin ausgebreitet ist und seltsame Melodien hervorbringt, wenn leise der Wind hinüberweht, die schlanken biegsamen Rohre niederbeugt, sonst aber ist das Wandern des unebenen Bodens wegen ein äußerst mühevolles. Als endlich die weite Grassavanne wieder vor uns lag, suchte ich links ab, Rohr und Busch so viel als möglich meidend, den bekannten Fußpfad zu erreichen, auf welchem wir ungehinderter vorwärts kommen konnten; war es im Grunde genommen auch eigentlich eine Thorheit gewesen, einen neuen Weg mit so großer Mühe zu suchen und theilweise zu schlagen, da mir der bequeme Weg durch das Dorf offen gestanden hat und eigentlich die Leute nutzlos angestrengt worden waren, so hatte ich mich doch orientirt und wußte nun, welche Schwierigkeiten überwunden werden mußten und welche Richtung ich einzuschlagen hatte, um eine möglichst gerade Straße bis zum Schirefluß durchzubrechen, die oberhalb an den Maispflanzungen vorbei, an dem Ufer des Flusses ausmündete.

Sobald die Hütte erreicht war, die Ottlich sich am Rande des Urdickicht, worin die mächtigen Bäume gefällt und zu Balken behauen lagen, sich errichtet hatte, traf ich erst die nöthigen Vorkehrungen zum Lagerplatz, nach der Vertheilung der Posten aber sorgte ich dafür, daß genügend Proviant, Mais, Mehl und Bataten für die Leute in dem weiter landeinwärts liegenden Wangoni-Dorfe aufgekauft wurde, denn jeden Tag zur Werft zurückmarschiren und dann mit abgespannten Leuten an die schwierige Arbeit zu gehen, das wäre zwecklos gewesen. Ich wollte auch nicht eher wieder aufbrechen, als bis die Balken aus dem tiefen Gelände und aus dem Dickicht, das wie eine lebende Mauer jedes Eindringen wehrte, zur freieren Höhe, wo wir rasteten, geschafft worden wären.

Das nächste war, die bereits im Dickicht geschlagenen direkten Pfade nun zu breiten Wegen zu erweitern und zwar zunächst bis zum ersten Balken, unter dessen Last die Räder alles zermalmen sollten, was die Menschenhand verschont hatte. Wo nun ein Baumriese gefällt lag, hatte dieser im Sturze alles mit sich gerissen, Baum, Busch und Rohr mit seiner Wucht zerschmettert und so den Zimmerleuten viel Arbeit erspart, da sie nur aufräumen brauchten und nicht genöthigt wurden, sich erst Platz zu schaffen, um den Riesenleib zu zersägen und mit Aexten zu bearbeiten.

Glaubte ich genügende Kräfte zu haben, die über 30 Fuß langen Balken hantiren und heben zu können, sah ich mich denn doch getäuscht; das Holz war so fest und schwer, wie das unserer Eichen, dazu bei weitem noch nicht so behauen, wie es hätte sein müssen. Deshalb kostete es sehr großer Anstrengung, solchen Balken auf sehr beschränktem Raum erst handgerecht hinzubringen, ehe er auf den Wagen gehoben und an Achse und Deichsel befestigt werden konnte um ihn dann bergaufwärts zu ziehen, auf einem Grund, worin die Räder unter der schweren Last tief einsanken; das war in der sengenden Sonnengluth über 45° R. eine Arbeit, wie solche selten wohl ausgeführt worden ist. Nimmermehr hätten wir solches vollbringen können, wenn wir nicht unsere vorzüglichen Karren gehabt hätten, nicht hundert Leute wären im Stande gewesen, auf solchen Wegen diese Balken zu transportiren; freilich, dann hätte ich mich auch nie an solche Arbeit wagen dürfen! Wenn auch noch viel schwierigere Aufgaben vor uns lagen, so sah ich bei dieser schon ein, daß nur unbeugsame Energie das Werk vollenden konnte. Die Anforderungen, welche ich an meine Leute stellen mußte, waren große, den sinkenden Muth suchte ich aber stets durch das eigene Vorgehen aufzurichten.

Nur vier lange Balken waren es, die wir aus dem Dickicht herauszuschaffen hatten, aber je weiter wir in dieses hineindrangen und Bahn brachen, desto schwieriger gestaltete sich der Transport derselben. Nach Mühen und schwerer Tagesarbeit geschah es oft genug, daß wir kaum halb gesättigt und allem Comforts bar, in der luftigen offenen Grashütte uns zum Schlummern niederlegten, geplagt von den blutdürstigen Mosquitos, wachgehalten von dem Lachen der umherschleichenden Hyäne, dem lauten Knurren der Panther und dem Brüllen des Löwen, dessen Stimme grollend durch die Stille der Nacht herübertönte und Ruhe gebietend, in seinem Reiche die nächtlichen Räuber zum Schweigen brachte.

Zwei Tage genügten diese schwere Arbeit in der glühenden Sonne zu vollenden, dann aber galt es durch die Grassavanne, durch Dorngebüsch und Busch, durch Niederungen mit mächtigem Sumpfrohr bestanden, über ein welliges Terrain, aufs Neue in solchem Urgebüsch einen Weg zu finden und zu bahnen. Die ganze Kolonne von 60 Mann theilte ich deshalb so, daß, wo nicht Aexte und Buschmesser voraus, mußten die Soldaten mit breitgelegten Gewehren Rohr und Gras Schritt für Schritt niederdrücken, das hinter denselben möglichst niedergehauen und von den schwerbeladenen Karren, unter Aufsicht von zwei Europäern, Ottlich und Knuth, niedergefahren wurde. Kilometer weit sahen wir uns von solcher Wand umgeben, die nur einen Ausblick zum Himmel gestattete, der im bläulich weißen blendenden Glanze strahlte so, daß das den Aether durchfluthende Licht die Augen schmerzen machte.

Manchmal ging uns der Athem aus bei solcher Arbeit — nur auf gut Glück drang ich vor, gefolgt von den Soldaten und sah, als das erste mächtige Rohrfeld durchbrochen war, außer diesen keinen Weißen noch Schwarzen mehr, alle lagen am Wege im Schatten oder schleppten sich mühsam fort. Es war eine heiße übermenschliche Arbeit, aber vorwärts mußten wir; das Einzige was ich thun konnte, wollte ich bis zum Abend den Fluß erreichen, war, daß ich die Wagen im Dickicht verlassen stehen ließ und mit abwechselnder Mannschaft, wo die Hindernisse zu groß waren, vorging. Oft traten Verzögerungen dadurch ein, daß streckenweise die Dornengesträuche überreich wucherten, die dann für die nackten Beine und Füße der Leute eine Qual wurden; 5-10 Mann hockten sich oft mit einem Male hin und ließen sich die eingetretenen Dornen von ihren Kameraden aus den harten Fußsohlen herausziehen, ging dies nicht, wurde mit einem scharfen Stückchen Rohr, das mit den Zähnen schnell spitz gebissen war, so lange die harte Haut erweitert bis der schmerzende Gegenstand entfernt war.

Schmachtend nach Wasser, wir Europäer nicht minder, als unsere mit Blümchenkaffee gefüllte Feldflaschen längst leer geworden, konnte ich den bewunderungswürdigen Instinkt der Atonga daran erkennen, daß sie selbst in dieser Wildniß in solchem Urgebüsch die Wildpfade der Antilopen entdeckten und diesen nachgehend auch Wassertümpel fanden, woraus wir alle unsern brennenden Durst löschten, obwohl das labende Naß nichts weniger als rein war oder gar angenehm schmeckte. So bahnten wir uns die Straße zum Schirefluß, und wenn auch todtmüde und matt hatte ich doch auf fast geradem Wege, noch ehe um 6 Uhr die Sonne hinter den fernen Bergen zur Rüste ging, das Ufer erreicht. Querüber dem Lager, nur wenig oberhalb, waren wir herausgekommen gerade wie ich es gewünscht hatte und so konnte die Mannschaft mit herbeigerufenen Kanoes übergesetzt werden, während ich mit wenigen Leuten nochmals den Kampf mit dem Urgebüsch aufnahm und am rechten Ufer flußabwärts vordrang um mich zu überzeugen, ob es möglich sein werde eventuell die Wagen solchen Weg zu führen, damit die Balken bis gegenüber der Werft geschafft würden. Aber nie wieder habe ich solchen Weg in der Dämmerung unternommen, Wassergräben und Tümpel, Morast und Sumpf, Gestrüpp mit zolllangen Dornen, die Kleider und Haut zerrissen, mußten übersprungen und durchwatet werden, bis schließlich die Körperkraft versagte und mir nichts anderes übrig blieb, als landeinwärts zu dringen. Endlich das Boot und endlich die Werft erreicht, weckte mich in dieser Nacht kein Ngnomaschlag, noch Gesang — Körper und Geist nach solchen Strapazen aufs Aeßerste ermattet, fand ich auf hartem Lager im festen, tiefen Schlaf die stärkende Ruhe. —

Für den nächsten Morgen hatte ich die Bestimmung getroffen, daß alle Leute direkt vom Lager über den Fluß gesetzt würden und auf dem neuen Wege die verlassenen Wagen erreichen sollten, während ich mit der Werft-Mannschaft durch die Pflanzungen den Ort erreichen wollte. Bei meiner Ankunft fand ich aber niemanden vor, konnte mir solche Verzögerung auch nicht zu erklären, bis ein Bote die Nachricht brachte, daß während der Nacht sämmtliche Kanoes von den Eingeborenen weggenommen wären und nur mit einem kleinen, das nur wenige Mann zur Zeit zu fassen vermochte, die Uebersetzung ausgeführt würde. Es war mir nichts Neues zu hören, es haben die Bewohner jener Dörfer, die im Aufstand zerstört worden waren, die ihnen einst abgenommenen Fahrzeuge sich heimlich wiedergeholt; waren sie doch so dreist gewesen, selbst von der Werft ein solches sich anzueignen. Erklärlich ist es ja, daß die früheren Eigenthümer bestrebt waren durch List die für sie ungemein werthvollen Kanoes wieder zu erhalten, denn abgesehen von dem Nutzen hat solch ein ausgehöhlter Baumstamm einen sehr hohen Werth, erstens, als die Verfertigung nur vorgenommen werden kann an Orten, wo ein passender Waldbestand vorhanden ist, und zweitens, wenn man bedenkt, welche Mühe es macht, mit dem primitivsten selbstgefertigten Handwerkszeug Riesenbäume zu fällen und deren Stämme dann so gut auszuhöhlen, daß die Wandung 1-1/2-2 Zoll nur beträgt; freilich ist bei solcher Arbeit das Feuer der beste Helfer, allein es erfordert doch Geschick und unermüdliche Ausdauer.

Da der Morgen kalt war und wallende Nebel noch über die Wildniß gebreitet lagen — Gras und Strauch war vom Thau der Nacht getränkt und erfrischt, daß jede Berührung einem die Kleider durchnäßte — war das unthätige Warten höchst unangenehm und kalte Schauer durchrieselten den Körper, bis die Gluth der Sonne erwärmend durchdrang. Nach Ankunft der Mannschaften wurde mit frischer Kraft die am Nachmittage vorher unterbrochene Arbeit wieder ausgenommen; die Wagen wurden so geführt, daß sie alles niederfahren mußten, was uns an Rohr und Strauch entgegenstand. Auf diese Weise bahnten wir uns einen breiten Weg, der zwar alles zu wünschen übrig ließ, indes wenigstens passirbar war. Am Ufer des Schire angelangt, wurden die Balken abgeladen, dann kehrte ich den etwa 12 Kilometer langen Weg sofort zurück, um die beiden schwersten Hölzer noch so weit zu führen, bis ich den Pfad, den ich am Morgen gekommen war, wieder erreicht hatte und erst dann ließ ich die Handwerker von hier aus den Transport weiter führen, da ich nothgedrungen zur Werft zurück mußte.

Die Ausgrabungen waren nämlich so weit vorgeschritten daß die genaue Planierung des Bodens vorgenommen werden mußte, sollte nicht die Arbeit ins Stocken gerathen, auch wollte ich bestimmt am 9. März 1893 den Kiel des Schiffes legen lassen. Uebereiltes Hasten war nicht der Grund dafür, vielmehr der Umstand, die Arbeiten außerhalb so viel als möglich zu beschleunigen, da die Handwerker schon mißmuthig geworden waren, weil sie der glühenden Sonne und dem empfindlichen Regen, der fast jeden Nachmittag für kurze Zeit aus schweren Gewitterwolken niederströmte, schutzlos ausgesetzt gewesen und über Fieberanfälle klagten.

Mühselig und langsam, auf dem primitivsten aller Wege, ging die Fortschaffung der schweren Hölzer vor sich; zu jedem der weit zerstreut liegenden Baumstämme mußten neue Wege gebahnt werden. Und nicht immer war es die heiße Sonne, welche uns die Arbeit so erschwerte, auch die in dieser Jahreszeit häufiger auftretenden Gewitterstürme thaten das ihre. Urplötzlich wälzten sich schwarze Wolkenmassen am Horizont herauf, die, erst von der graugelben Dunstmasse, welche der Sturm vor sich herfegt, verdeckt, sich über das ganze Himmelsgewölbe mit unglaublicher Geschwindigkeit ausdehnen. Schlangen gleich zuckten die Blitze aus den tiefhängenden Massen hernieder. Als schaute man in eine Gluth von zuckendem Feuer, so erhellt erschienen momentan die Wolken und mit einer Gewalt rollte der Donner durch die Lüfte, wie wenn das Firmament zerspringen sollte. Nur die Tropenwelt erzeugt solchen Aufruhr in der Natur, den man im fernen Norden kaum zu beurtheilen vermag. Kurz darauf strömt dann eine Regenmasse hernieder, als würden in der That Eimer Wasser auf die Erde ausgegossen, die alle Wege in Bäche verwandeln, Ebenen in große Wasserteiche.

Empfindlich kalt ist die Nässe, im Gegensatz zu der kurz vorher glühenden Luft und vor ihr sucht alles Schutz und Deckung, wenn es irgend möglich ist. Von solchen Ungewittern wurden wir mehrmals in der freien Wildniß überrascht und waren aller Unbill schutzlos preisgegeben; ich versuchte zwar anfänglich, da es doch nutzlos war, unthätig die Kälte auf sich einwirken zu lassen, die Leute zu einer energischen Thätigkeit anzuspornen, jedoch mein »Vorwärts, Atonga« hatte bei den frierenden Leuten wenig Erfolg. Es ist mit dem Neger, wenn er naß und kalt geworden ist, namentlich im Regen absolut nichts anzufangen; kann er keinen Schutz finden, dann löst er sein Lendentuch, wenn er eins besitzt, hängt es über Kopf und Schultern und wartet vor Kälte zitternd, bis die warme Sonne wieder hervorbricht und ihn trocknet und erwärmt; ist er nackend, kreuzt er die Arme über der Brust, sodaß die Hände auf den Schultern ruhen, hockt sich nieder und den Kopf zwischen die Knie gesenkt, ergiebt er sich in das Unvermeidliche.

Schlimmer war es für uns Europäer, so durchnäßt und kalt unthätig zu warten, da jedes Mal ein Fieber hiernach zum Ausbruch kam; wenn solches auch durch Chinin beschränkt werden konnte, so war es doch höchst unangenehm, denn es bricht gar zu leicht die Willenskraft und Energie, wie ich es so oft bei den Handwerkern Gelegenheit gehabt habe zu beobachten. Zweimal ließ ich, als keine Aussicht vorhanden war, daß der Regen schnell vorübergehen würde, die Wagen auf dem Wege verlassen stehen, und kaum war der Befehl zum Aufbruch gegeben, als gleich gehetztem Wilde die Leute davon eilten, um unter irgend einem dichten Strauch oder Baum einigermaßen Schutz zu suchen, zum Theil aber auch mit wildem Halloh zum Flusse liefen.

Als die Balken alle zum Fluß geschafft worden waren, mußte ich an der Abladestelle das Ufer vom dichten Gebüsch erst säubern lassen, auch die hindernden Wasserpflanzen möglichst entfernen, ehe das Boot nahe genug herankommen konnte. In der Meinung, die Hölzer würden sicherlich im Wasser schwimmen, ließ ich eines der längsten vom steilen Ufer abrollen und ohne Befestigung in die Strömung fallen; aber der Balken rollte wie ein Stein in die Tiefe und hätte nicht Wurzelwerk diesen aufgehalten, der starke Strom würde ihn aus unserem Bereiche bald entführt haben; so aber gelang es doch noch nach vieler Mühe ihn wieder aus zehn Fuß Wassertiefe empor zu bringen.

Mit je zwei Balken, die an den Seiten befestigt wurden, trieb ich dann stromabwärts und hatte, bei der Werft angekommen, nur aufzupassen, daß der Strom das nun ungelenke Boot nicht vorbeiriß; mit aller Kraft strebten die Ruderer um die vorstehende Schilfwand herum zu kommen und das Ufer zu gewinnen, wo mit bereit gehaltenen Leinen die Werftleute aufzupassen hatten. Einmal nur schlug der Versuch fehl; Boot und Balken vom Strom breitseits gefaßt, trieben wirbelnd vorbei, kein Mann war fähig, so weit sie auch am Ufer mitliefen und Taue zu werfen versuchten, wegen des hohen Ufergebüsches das Boot zu erreichen, bis ich mich mit aller Anstrengung unter Land gearbeitet hatte und einen guten Schwimmer aufforderte, eine Leine zwischen die Zähne zu nehmen und solche an irgend einem Strauch zu befestigen. Gefährlich war das Unternehmen schon der Krokodile wegen, doch der muthige Atonga schwamm aus Leibeskräften und brachte das Boot zum Stehen. Stundenlang in heißer Mittagsgluth, fast betäubt von der furchtbaren Hitze, arbeiteten wir uns mühsam wieder aufwärts; es gelang aber erst vollständig, als ich die Ordre zur Werft geschickt hatte, es solle irgendwo ein Kanoe aufgetrieben und solches mit langen Leinen abgeschickt werden. Ich hätte um keinen Preis die werthvollen Balken mögen fahren lassen, die dann unfehlbar verloren gewesen wären; hatte es doch wochenlanger Mühen bedurft, vieler Arbeit und Entbehrung, um solche fertig zu stellen.

Am 8. März hatte ich endlich alles glücklich ohne besonderen Schaden zur Werft geschafft, höchstens ein oder zwei der schweren Klötze waren verloren gegangen, die nun eiligst von den Zimmerleuten aus noch im Urbusch liegenden Stämmen ersetzt werden mußten; schlimmer war, daß mir Ottlich als einziger Zimmermann abging, weil ihn und Knuth das Fieber gepackt hatte und ich nun gezwungen war, mit den Blantyre-Leuten die noch rückständigen Holzarbeiten allein anzufertigen. Der Schiffszimmermann Riemer war längst schon krankheitshalber nach Europa zurückgesandt worden und die beste Kraft zum Aufbau der Schlipp etc. war durch ihn verloren.

Die Erdarbeiten waren inzwischen soweit ausgeführt, daß in der ganzen Länge des Grabens, 110 Fuß, eine glatte Fläche von 15 Fuß Breite hergestellt war, ich ließ die steilen Erdwände nur noch an einer Seite, links, vom Fluß aus gesehen, abtragen, um dort einen stufenweisen Abstieg herzustellen, der es ermöglichte leichter hinabzukommen, ich begnügte mich also mit der hergestellten Basis, da solche nach Bedürfniß immer noch erweitert werden konnte. Nur ein Umstand gab zu Bedenken Anlaß: nämlich das Steigen und Fallen des Flusses, der in dieser Regenzeit, um einige Fuß gestiegen, seine Wasser über 20 Fuß in die Ausschachtung hineindrängte und nicht allein den Boden durchweichte, sondern mich zwang noch 10 Fuß weiter vorzugehen. Es mußte deshalb der Zaun wieder eingerissen und der Steven des Schiffes dicht an das Grab aufgestellt werden, das sich rechts hinter meiner Wohnung befand und welches die Bewohner Mpimbis sich standhaft geweigert hatten, an mich abzutreten, jetzt aber weiter keinen Einspruch erhoben, als ich nun den Zaun einfach vorrücken ließ.

Das Legen der beiden Balkenreihen war in sofern mühevoll und schwierig, als erstens der Grund nicht so genau geebnet, zweitens die Hölzer auch ungleich behauen waren, so daß bald ein Balken etwas versenkt, der andere erhöht werden mußte und dabei war Bedacht darauf zu nehmen, daß die Balken fest und sicher lagerten; genaue Ausrichtung mit Leinen und Pfählen, namentlich die von mir aus Vorsorge mitgeführten Wasserwagen, erleichterten aber die Arbeit wesentlich. Schwieriger noch war es die Aufklotzung und die Keillagen auszurichten, da die Klötze, worauf der Kiel gelegt werden sollte (der mithin 3-1/2 Fuß über den Erdboden zu liegen kam, um auch unter dem Schiffe später nieten zu können) von den schwarzen Zimmerleuten nicht so genau gearbeitet werden konnten, denn jeder derselben mußte eine ganz bestimmte Höhe haben; es war deshalb so schwierig, als der aus 4 Theilen bestehende eigentliche Kiel, zusammengestellt und aufgerichtet, durchaus nicht die geringste Biegung haben durfte, sondern schnurgerade in seiner ganzen Länge verlaufen mußte. Viel Geduld und Umsicht war dabei erforderlich, um bei Zeiten alles zu bedenken, denn später, wenn erst der eiserne Körper aufgestellt sein würde, hätte ein Versehen oder begangener Fehler sich schwer gerächt. Trotz allem aber wurde es doch erreicht, daß am Abend des 9. März 1893 der Kiel des »Hermann von Wißmann« gelegt werden konnte! —

Wie erwähnt, war der Fluß beträchtlich gestiegen, überfluthete sogar den unteren Theil der Balkenlage und das Wasser durchweichte den Boden derartig, daß es mir sehr bedenklich scheinen wollte, den Hintersteven eher aufzurichten, als bis fester sicherer Halt gefunden war. Leicht könnte die schwere Last später die Balken wegdrücken, und wäre es auch nur um ein sehr Geringes, so würden die oberen Platten bei der Zusammenstellung nicht genau passen können. Den Gedanken, das Wasser durch einen Erdwall abzudämmen, der mir das Praktischste schien, mußte ich wieder aufgeben, da das Untergrundwasser doch durchdringen würde, ein Feststampfen des Bodens hätte auch wenig genutzt; darum die doppelte Arbeit zu vermeiden, riß ich lieber die letzten Balken auf und rammte, um eine feste Unterlage zu gewinnen, starke Pfähle in den Grund auf welchen wieder Querhölzer gelegt wurden, bis schließlich nach tagelangen Mühen ein fester Halt gefunden war.

Nun ich die gesammte Mannschaft wieder auf der Werft zur Verfügung hatte, vertheilte ich diese so, daß ein Stamm Atonga bei der Aufstellung des Schiffskörpers beständig verblieb, die übrigen, etwa 15, tagtäglich aber in die Berge gesandt wurden, um passende Stämme herbeizuschaffen, von denen wir nach und nach eine große Anzahl und von jeder Größe benöthigten, um das Gerippe des Schiffes zu stützen. Die Suaheli hingegen mußten die Feldschmieden bedienen und den Handwerkern nach Möglichkeit beim Nieten der Spannten zur Hand gehen. Ich hatte es zwar mehrfach versucht das Nieten einfacherer Stücke von den Suaheli ausführen zu lassen, indes, nicht intelligent genug, war ihnen die Handhabung eines Niethammers nicht beizubringen. Uebrigens von Natur träge, häufig widerspenstigen Charakters und eigenwillig, habe ich diese Suaheli oft mit Strenge behandeln und im Gegensatz zu den Atonga, Masaua und Wangoni haben sie häufig bestraft werden müssen, wo hingegen bei den letzteren, wenn Ungehörigkeiten vorkamen, eine einfache Rüge schon genügte. Namentlich hielt ich streng darauf, daß die Suaheli, welche die anderen Arbeiter als Sklaven betrachteten und deshalb verachteten, nicht, wie sie es beliebten, den Herrn herauskehrten, ich nahm ihnen den thörigten Glauben, daß sie mehr seien wie diese freien unabhängigen Menschen. Kamen mir Klagen zu Ohren, oder sah ich eine unwürdige Behandlung eines Eingeborenen Inner-Afrikas von seiten der Suaheli, die jedem mit den verachteten Namen »Waschensi« bezeichneten, dann entging der Attentäter seiner Strafe nicht, und sie hüteten sich in Folge, als einige Male Strafen in Gegenwart der Beleidigten sofort verhängt wurden, ihrer Mißachtung und Herrschsucht die Zügel schießen zu lassen; an den Beschützten aber hatte ich treue und ergebene Arbeiter, die sich willig jeder Mühe unterzogen und zum nicht kleinen Theil habe ich die schnelle Ausführung der schwierigsten Arbeiten, dieser Bereitwilligkeit und der gerechten Behandlung zu verdanken. Rief um 6 Uhr Morgens die Trompete zur Arbeit, wurden durch das gegebene Signal die noch auf der Werft beschäftigten Dorfbewohner, sowie die in der Nähe angesiedelten Wangoni und Masaua zusammen gerufen; die Leute kamen dann meistens zitternd vor Kälte in kleineren oder größeren Trupps an und standen in Reih und Glied bis ich alle gezählt und ihnen die Tagesarbeit zugewiesen hatte. Auch mit den Atonga mußte ich gleicherweise verfahren, da einzelne sich gelegentlich zu drücken gesucht hatten, sie merkten aber bald was die Glocke geschlagen, wenn durch Namensausruf die Fehlenden leicht herausgefunden wurden und ein abgesandter Wachtposten sie herbeischaffte. Zweimal aber kamen sie mit tiefbetrübten Mienen und erklärten, nachdem der Fehlende herausgefunden war, daß eine Mal Gabbujab, ein andermal Tasikana, beim Wasserschöpfen von einem Krokodile weggeraubt sei. Es war hier seltener der Fall, daß solche Unglücksfälle vorkamen, da wegen der belebteren Ufer diese Untiere sich nicht recht sicher fühlten, mehr aber, da keine Sandbänke vorhanden waren, worauf sie in träger Ruhe sich sonnen konnten. Manch einen auf der Oberfläche des Wassers schwimmenden Räuber habe ich, wenn er arglos mit dem Strome sich treiben ließ, vom Ufer aus die tödtliche Kugel zugesandt, wollten wir aber mal auf Krokodiljagd gehen, dann fuhren wir Sonntags gelegentlich flußabwärts und verleideten den gefährlichen Thieren die süße Ruhe auf den von zwei Nebenflüssen des Schire gebildeten Bänken.

Das Erste war von seiten der Atonga, ehe sie zur Arbeit antraten, sofort nach Ankunft auf der Werft ein Feuer irgendwo anzufachen, um welches sie sich niederhockten und die nackten Glieder zu erwärmen suchten, und hatte ich allen die Arbeit zugewiesen, so war ich sicher, daß solche, welche über den Fluß oder in die Berge gesandt wurden, nicht allzuweit gingen, sondern sobald sie sich im hohen Grase oder Busch befanden, sich gemüthlich um warme Feuer niederließen, und nicht eher an ihre Arbeit gingen, als bis die Sonne ihre heißen Strahlen niedersandte und die Luft durchwärmt hatte. Mehrmals, wenn sie glaubten, daß ich ihnen nicht folgen würde, um die Arbeiten zu leiten, und sie sicher vor Ueberraschung ein Stündchen am Feuer verplaudern konnten, dabei die primitivste aller Pfeifen im Kreise umgehen ließen oder schnupften, versetzte sie mein unerwartetes Erscheinen in nicht geringe Verlegenheit und aufspringend jagten sie in wilder Hast davon. Es war ja natürlich, daß ich solche Schwänzereien nicht dulden durfte, zumal die Leute oft einen weiten Weg zurückzulegen hatten, aber ich begnügte mich auch nur damit sie aufzutreiben, denn trotz warmer Kleidung fror ich selbst, und durchnäßt vom kalten Thau, konnte ich es wohl begreifen wie empfindlich die Kälte auf den nackten Körper einwirken mußte.

Wir empfinden es in Europa als unangenehm, wenn die Temperatur bis auf + 5.7 und 8° R. herabsinkt und hüllen uns in warme Kleidung ein, wie viel mehr aber muß der Unterschied empfunden werden, wenn Morgens um 7 Uhr die Luft nur 8° Wärme hat und erst rapide steigt, sobald die Sonne die kalte Luftschicht durchwärmt und bis Mittag eine Gluth erzeugt hat die unerträglich wird, im Schatten 38° R., in der Sonne weit über 50° R. Solche große Abkühlung während der Nacht, im Gegensatz zur Hitze des Tages, bedingt es auch, daß die Wassertheilchen in der Atmosphäre sich zu Tropfen verdichten und gleich Regen niederfallen und die ganze Natur erfrischen. Erde und Wasser noch von den Sonnenstrahlen erwärmt, erzeugen, sobald die kalte Luftschicht auf sie herabsinkt, ein gewaltiges Nebelmeer so, daß über die weiten Ebenen, in einer Höhe von ungefähr 15 Fuß, — nach Mitternacht bis zum Morgen, selbst oft bis nach 7-1/2 Uhr früh, — alles wie ein weißes wallendes Meer erscheint und vom Fluß und Grassavanne, vom niedrigen Gesträuch und Busch absolut nichts zu erkennen ist; nur in der Ferne ragen die blauen Spitzen der Berge in die klare Luft, deren Fuß von weißen Dunstgebilden umhüllt ist, auch jedes Thal noch so hoch gelegen wird mit solcher Nebelschicht überdeckt. Nicht eher, als bis die Sonne etwa 25° über dem Horizont gestiegen und ihr Strahl die kalte Luft durchwärmt, wichen gleich Gespenster die Nebel und hoben sich zusehends, bis sie in beträchtlicher Höhe in ein Nichts verschwanden.

Erklärlich ist es, wie solch' ein Temperaturwechsel auf die weniger widerstandsfähigen Europäer einwirken muß; die Naturen, solchen Wechsel nicht gewöhnt, bieten dem Fieberbacillus, der in den aufsteigenden Miasmen enthalten ist und sich verbreitet, (wie es namentlich in den sumpfigen Niederungen um Matope und Mpimbi der Fall) keinen genügenden Widerstand, häufige Anfälle von minderer oder heftigerer Art sind die Folge; selbst die Eingebornen werden nicht verschont und vielfach habe ich solche Krankheitserscheinungen bei diesen beobachten können. Empfindlich ist die Kälte namentlich in den ersten Morgenstunden, und die oben angeführten Temperaturen habe ich durchschnittlich in den Monaten März und April verzeichnen können; wußte man bei Tage sich nicht vor der Hitze zu retten, fand man in den luftigen Häusern wiederum nicht genügend Schutz vor der nächtlichen Abkühlung. Sogar zwischen 6 und 7 Uhr Morgens waren mir öfters die Finger noch so steif, daß ich mit Mühe nur schreiben konnte. Natürlich war es deshalb, daß morgens in der ersten Arbeitsstunde nicht viel gefordert wurde, da sowohl Weiße wie Schwarze erst das unbehagliche Gefühl, verursacht durch die feuchte Kühle der Luft, von sich abschütteln mußten.

Die Wangoni-Träger, die jetzt immer zahlreicher mit allerhand Schiffsmaterial eintrafen, nahmen meine Zeit auch beträchtlich in Anspruch, zumal eine scharfe Kontrolle geübt werden mußte; ebenso das Sortiren der vielerlei Sachen, die meistens sofort unter Dach gebracht und geöffnet werden mußten, da sie vielfach während des langen Transportes dem Regen ausgesetzt gewesen und nachzusehen und zu reinigen waren. Spenker mit seinen Arbeitern hatte sich der Einrichtung der Schmieden und der Werkstätten unterzogen, während die schon anwesenden Handwerker, soweit sie nicht krank lagen, die Spanten zusammen nieteten und ich nach vorhandenen Zeichnungen die Kielplatten nach Nummern aussuchte, reinigen und mit Farbe an solchen Flächen streichen ließ, wo nach Anlegen derselben später nicht mehr anzukommen war. Erwähnenswerth ist es, daß auf der Werft in Hamburg alle Platten und überhaupt jedes Stück mit Nummern versehen wurde, die auf den Eisentheilen extra noch nachgekörnt und so unverwischbar gemacht waren, auch wenn die Farbe der Zahl längst verschwunden war, und trotzdem haben wir oft lange suchen müssen, ehe die Nummer eines unbekannten Theils gefunden wurde und bis wir wußten, wohin es gehörte. Nach der Aufrichtung des Hinter- und Vorderstevens, begannen wir mit dem Anlegen der Kielplatten, die am Kiel mit starken Schrauben fest angezogen und vermittelst Ueberschienen in sich verbunden wurden. Das Festnieten der Platten und Schienen sofort ausgeführt, würde uns die Arbeit wesentlich erleichtert haben, da an vielen Stellen anfangs bequem anzukommen war, allein das durfte nicht sein, wir hätten, obwohl jedes Stück passen sollte, beim Weiterbau sicherlich die oberen Platten nicht in die richtige Lage bringen können; die ganze Masse würde steif und ungelenkig dadurch geworden und wir schlecht damit gefahren sein. Vielmehr mußte der ganze Körper so aufgeführt werden, daß er beweglich blieb und wo Theile nicht passen wollten, wurden sie mit Gewalt in ihre Lage gebracht. Tausende Heftschrauben, die wir zu diesem Zwecke mit uns geführt, dienten dazu, alles erst in dieser Weise fest, aber doch nachgiebig aufzubauen, ehe, mit wenigen Ausnahmen, ein einziger Niet angezogen wurde.

Allmählich nieteten wir Spant um Spant zusammen, über welchen die Decksbalken als Verbindung gelegt wurden, wodurch diese den Anschein langer Rippen erhielten und dann auf den Kielplatten festgeschraubt, gestützt durch lange Pfähle, sah man schon nach 14 Tagen, welchen Umfang das Schiff haben würde.

Höchst unlieb war es mir, daß die schwarzen Zimmerleute, nach Ablauf ihres zweimonatlichen Kontraktes, die Arbeit niederlegten und einen neuen nur eingehen wollten, wenn ihnen ihr Lohn bedeutend erhöht würde. Darauf aber wollte ich mich nicht einlassen, weil die Forderung nach Negerart unverschämt war. So ließ ich sie lieber ihres Weges ziehen, da doch, wenn ich erst wieder hinaus in den Urwald mußte, um Bäume zu suchen, diese von den Atongas ebenso schnell gefällt werden würden, wie von den von der Civilisation beleckten und auf ihr bischen Können übermäßig eingebildeten Leuten. Freilich hätte ich nicht lange zögern dürfen, da es mir wohl bekannt war, daß ich die Balken, zur Schlipp und Schlitten nebst Zubehör noch 360 Fuß, nicht so leicht wie die ersten 200 Fuß würde herstellen lassen können, sondern sehr weit ins Land hineinziehen müßte, um passende Bäume dazu zu finden, auch, daß mit der Entfernung die Schwierigkeiten wachsen würden. Weite Touren landeinwärts, gelegentlich Sonntags unternommen, hatten mir eine Wildniß gezeigt, durch die ich kaum hoffen konnte durchzudringen, es aber doch schließlich versuchen mußte, sobald ich irgend wieder einige Tage von der Werft abkommen konnte. Die Leute allein auszuschicken war zwecklos und da auch Ottlich krank war, so hätte ich an seiner Stelle keinen anderen Handwerker hinaussenden können.

Mit dem nächsten Wagentransport, der um diese Zeit von Katunga her eintraf, verstärkte sich meine Mannschaft bedeutend, als neben einer Anzahl Suaheli auch vier Europäer Zander, Eikershoff, Wedler und Dohmann ankamen, sodaß außer dem Maschinenkonstrukteur Spenker nun acht Handwerker auf der Werft waren und nur der zweite Maschinist Engelke und die beiden Steuerleute Gerloff und Wissemann fehlten.

Leider waren jedesmal nach so anstrengendem Marsche über das Gebirge und durch die fußhoch mit Wasser überschwemmte Matope-Ebene, alle so marode, auch theils fieberkrank, daß sie acht Tage und länger erst im Lager sich erholen mußten, ehe sie die schwere Arbeit auf der Werft beginnen konnten.

Mit diesem zweiten Transport waren auch die schweren Kesselböden angekommen, ebenso die zu den beiden Dampfkesseln gehörenden Platten, 16 an der Zahl, die nun zu je acht mit zwei Böden zusammengestellt werden sollten, was für die vier Kesselschmiede keine leichte Arbeit war, abgesehen von der viel schwierigeren, das Einziehen der zölligen Niete, deren zu jedem Kessel annähernd tausend nöthig waren. Die Kesselböden, jeder fünf Centner schwer, hätten wir unmöglich auf den Gebirgswegen fortschaffen können, wenn ich nicht schon seinerzeit in Hamburg darüber ernstlich nachgedacht und auf eine Möglichkeit gesonnen hätte, wie es wohl am praktischsten wäre, diese, außer unseren Dampfcylindern, schwersten Eisentheile, bequem und leicht fortbewegen zu können. Die Idee, solche als komplette Wagen zusammen zu stellen, war das einzige, und wurde auch vermittelst angeschraubter Lager, eiserner Achse und Deichsel ausgeführt.

Eifrig bemüht, nach besten Kräften vorwärts zu streben, suchte ich auch die Europäer, wenn Mißmuth und Unlust sich ihrer bemächtigt, wenn sie an das Gelingen des großen Werkes zweifelten und ihren schwachen Kräften es nicht zutrauten, die ungeheure Arbeit glücklich zu vollenden, mit gutem Beispiel voranzugehen, indem ich immer wieder darauf hinwies, daß jeder seine Kraft und Können dem nationalen Werk weihen muß; die kleine Schaar, die wir hier versammelt sind, darf nicht wanken noch weichen, wir sollen es beweisen, wie deutsche Energie und deutscher Muth auch vor dem Schwersten nicht zurückschreckt. Viel Tausende zwar zweifeln in Deutschland an das Gelingen des Werkes — wir aber dürfen nicht zagen, nicht zurückschrecken und sei es noch so schwer. Ich konnte den Leuten Muth und Zuversicht zusprechen, als ich fest davon überzeugt war und nie gezweifelt hatte, daß ein fester, muthiger Wille alles überwindet — mehr aber noch suchte ich den Ehrgeiz zu wecken, jedem es als eine besondere Ehre und Auszeichnung darstellend, wenn es heißt, auch er gehört zu jener kleinen Zahl, die unentwegt Großes gewollt und kaum Glaubliches ausgeführt hat.

Alle Bauten, selbst der große nachträglich noch errichtete Zimmermannsschuppen, waren bis Ende März aufgeführt und vollendet, ebenso war die Aufrichtung des Schiffsgerippes nahezu beendet und mit dem Anlegen der Versteifungen, der vielfachen Verbindungen und dem Einsetzen der wasserdichten Schotten konnte begonnen werden. Je weiter der Aufbau aber vorschritt, und mehr und mehr die Arbeiten, welche bisher im Schatten der Schuppen hatten vorgenommen werden können, wegfielen, ausschließlich nun am Körper selbst gearbeitet werden mußte, ergab sich die Nothwendigkeit, um die Leute vor der Sonnengluth zu schützen, daß Vorkehrungen getroffen werden mußten, ein Schutzdach über die ganze Länge des Schiffskörpers zu errichten. Ich trug mich erst mit dem Gedanken, ein mächtiges Grasdach aufzubauen, was jedem anderen vorzuziehen war, da immer unter solchem eine angenehme Kühle vorherrschend ist, ich machte auch Anstalten dazu und ließ die Atonga lange Baumstämme herbeischaffen. Indes bald sah ich ein, daß solch kolossaler Bau nicht aufzuführen war, schon aus dem Grunde, als ich dem Dache keine Mittelstützen geben konnte; daher auch nicht genügende Festigkeit erzielen würde, welche unbedingt nothwendig war, damit das Dach den starken Gewitterstürmen, die wöchentlich mehrmals heranbrausten, widerstehen könnte. In anderer Weise nun vorgehend, errichtete ich einen starken hohen Baumstamm, einige Fuß vor dem Schiffe und zog von den starken Aesten der beiden hohen Bäume, die dicht am Ufer standen, eine lange Kette in der Kielrichtung des Schiffes dorthin, sodaß diese straffgezogen, imstande war, unterstützt durch einige auf den Decksbalken stehende Stützen, eine beträchtliche Last zu tragen. Rings um das Schiff wurden dann hohe Stämme errichtet, auf deren Gabeln dann wieder Verbindungsstangen lagen, die an der Kette befestigt wurden. Darüber nach beiden Seiten hin Segel oder unsere getheerten Wagentuche ausgespannt und befestigt, war ein provisorisches Dach hergestellt, das genügend Schatten gab und selbst den heftigen Winden widerstand. Wollten wir uns aber noch, was später beim Nieten nothwendig wurde, gegen die schrägen Sonnenstrahlen schützen, zogen wir bewegliche Segel zwischen den Baumstämmen auf.

Furchtbare Gewitterregen, wie solche in der gemäßigten Zone fast unbekannt sind, behinderten in den Monaten März und April nicht selten die Arbeit, und mancher Nachmittag war für uns verloren, wenn Schauer auf Schauer folgte und in kurzer Zeit die weite Ebene, Dorf und Werft, in einen See verwandelt waren. Die Wassermassen, von der Erde nicht so schnell aufgesogen, setzten sich naturgemäß in Bewegung nach tiefergelegenen Stellen; aus Rinnen wurden schließlich wilde Bäche, die alles mit sich rissen, was ihren Lauf hindern wollte. Unmerklich, aber doch etwas höher als die Werft lag das Dorf und das hinter diesem liegende Terrain, und so kam es, daß nach jener Rinne hin, die früher schon vorhanden gewesen, ehe ich mit der Ausschachtung begonnen hatte, sich die Wassermassen einen Abfluß zum Flusse suchten, mit Gewalt durch den schwachen Zaun brachen und sich in dieser ergossen. Der anfängliche Schaden war nicht groß, auch suchte ich das Wasser abzulenken und einzudämmen, aber als eines Nachmittags in den letzten Tagen des März ein furchtbares Gewitter sich entlud und ein wolkenbruchartiger Regen niederstürzte, waren gegen die abfließenden Regenmassen alle Vorkehrungen Kinderspiel. Immer wilder strömte das Wasser in die Ausschachtung hinein, riß die feste Erde weg, unterspülte die Balken, worauf das Schiff erbaut wurde und rief die drohende Gefahr dadurch hervor, daß der schwere Körper durch das Nachgeben der Balkenlagen sich neigen und gar umfallen könnte. Die Wasser abzulenken, daran war nicht mehr zu denken, nur so viel konnte ich mit den eiligst zusammengetrommelten Leuten, Soldaten und Dienern thun, um einen Ausstich zu machen, der das Wasser nicht mehr neben die Balken, sondern seitwärts davon ablenkte. Der entfesselte Sturm peitschte dazu das ausgespannte Segeltuch und bog die schlanken Stämme, woran dieses befestigt war, wie Weidenruthen.

In mancher finsterer Nacht auch heulte der Wind, strömte der Regen und die angesammelte Elektrizität entlud sich mit furchtbarer Gewalt — dann stand ich wohl stundenlang und schaute besorgten Blickes hinüber zum Schiff, prüfte, vor Kälte bebend, die Stützen, ob diese sich nicht gelöst oder nachgegeben hätten, denn die Erschütterungen des Körpers waren stark genug, solche in dem aufgeweichten Erdboden weichen zu lassen. Ein Glück ist es oft, das die entfesselten Naturgewalten, je heftiger sie auftreten, von nur kurzer Dauer sind, sonst würde die schwache Menschenhand wohl nicht im Stande sein, ein zerbrechliches Werk zu schützen; im Aufruhr der Elemente erst erkennt der Mensch, daß es doch noch Gewaltigeres giebt, als sein Wollen und sein Wille.

Einen nicht minder gefährlichen Feind, als die zeitweiligen Fluthen, fand ich in einem unsicht- und unscheinbaren Thierchen, das vieltausend an der Zahl sich in die noch kaum ausgedörrten Balken eingenistet und sein Zerstörungswerk begonnen hatte. Jeden Morgen war die Erde längs den Hölzern mit Häufchen Holzmull bestreut, die von den scharfen Zangen der kleinen Käfer herausgestoßen waren, kleine, oft noch wieder verkittete Löcher zeigten an, wo sie sich ein Luftloch geschaffen hatten. Wer die Wuth kennen gelernt hat, mit welcher die weißen Ameisen und auch die Käfer die verschiedensten Holzarten in unglaublich kurzer Zeit zerstören, wird sich erklären können, daß ich dem Treiben dieser kleinen Nager mit Besorgniß zusah, ohne ein Mittel zur Hand zu haben solcher Zerstörung Einhalt zu thun; diese konnte nach Monaten soweit vorgeschritten sein, daß ich mit Bestimmtheit die vollständige Werthlosigkeit der Balken voraussetzen mußte. Zwar schaute ich diesem Werke der allmählichen Zerstörung nicht unthätig zu, und den Beweis zur Hand habend, das solche Nager saures oder bitteres Holz, wie unser Teakholz, nicht angehen, machte ich freilich zu spät einen Anstrich mit schwedischem Theer, verdünnt mit Petroleum, erreichte aber damit nur das Eine, nicht mehr sehen zu müssen wie auch äußerlich das Holz zerfressen wurde.

Woher diese Thierchen kommen und wie zahllos sie sich vermehren können blieb mir ein Räthsel; so viel nur beobachtete ich, daß, wo durchaus keine Anzeichen von der Anwesenheit dieser Nager in der Erde vorhanden waren, sie sofort in Thätigkeit traten, sobald ein Stück Holz in ihrem Bereiche kam. Der Erdboden in meinem Hause, gewiß hart und trocken, barg diese gefährlichen Thierchen aber doch in solcher Menge, daß ich nie auch nur für eine Nacht eine Kiste auf der Erde stehen lassen durfte, wollte ich nicht am Morgen den Boden halb zerstört vorfinden. Vollständig feucht und klebrich war der Fleck, wo eine solche Kiste gestanden hatte und abertausend weißer Thierchen eilten beim Tageslicht besehen ängstlich hin und her, wenn sie plötzlich gestört und ihre in Bildung begriffenen Gänge freigelegt wurden.

Von unsern vier Transportleichtern hatten schon im September 1892 die Engländer zwei davon als eine Art Abschlagszahlung für die der deutschen Expedition geleisteten Dienste erhalten, über die uns verbliebenen zwei sollte laut Bestimmung des Majors von Wißmann, nach Beendigung des ganzen Transportes, so verfügt werden, daß einer auf dem unteren Schire verblieb, der andere aber zerlegt über das Gebirge geschafft und in Mpimbi wieder zusammengesetzt werde. Demgemäß trafen dann auch nach und nach die Leichtertheile auf der Werft ein und mir fiel auch die Aufgabe zu, die Zusammensetzung derselben in die Wege zu leiten. Die Hauptfrage aber war, wo einen Platz zum Aufbau finden; das zehn Fuß hohe steil zum Fluß abfallende Ufer nochmals an einer anderen Stelle abtragen zu lassen, war schier unmöglich; querüber dem Lager, wo das Ufer flach, eine provisorische Schlipp herzustellen, war deshalb ungünstig, weil eine solche so weit von der Werft entfernt und auch in der Grasebene ohne jeglichen Schutz gelegen sein würde. Schließlich fand ich etwa 100 Meter oberhalb der Werft einen vollständig mit Gebüsch und Bäumen ausgefüllten Graben, der vor langer Zeit den Dorfbewohnern als Vertheidigungslinie gedient hatte, geschützt durch einen vorgelagerten Erdwall. Lange bevor die Europäer sich in diese Gegenden festgesetzt hatten und naturgemäß die Volksstämme zu schützen suchten, mit denen sie in Verbindung getreten waren, ist hier oft hart und heiß gekämpft worden; die Wangoni, ein mächtiges Volk, suchten sich der Ufer des Schire zu bemächtigen, hatten auch schon durch ihre Ueberzahl manches Dorf genommen; ehe sie aber in jahrelangen Kämpfen Herr des weiten Gebietes werden konnten wurden sie mit europäischer Hilfe und Waffen zurückgetrieben, sodaß sie heute nicht mehr wagen, den ungleichen Kampf zu eröffnen. Man kann sich jetzt von dem wilden Leben keine Vorstellung mehr machen; plötzliche Ueberfälle, gegenseitiges Rauben, Zerstören der Felder und Dörfer, war viele Jahre lang der Ruin der Eingeborenen, und ihre Zahl schmolz sichtlich zusammen, mehr durch die Zahl derer, die geraubt und in die Sklaverei geführt, als durch die, die im Kampfe erschlagen wurden. Die heutige Generation wächst in Frieden heran, es kann von einem Kampfe nur noch die Rede sein, wenn die Häuptlinge sich nicht fügen und im Vertrauen auf ihre Macht gegen die immer zahlreicher eindringenden Europäer die Waffen erheben, wie es der kürzlich niedergeschlagene Aufstand gezeigt hat. — So recht für meine Zwecke passend, war dieser Graben angelegt worden, da ich ihn nur zum Theil vom Gebüsch reinigen, ebenen und etwas erweitern lassen brauchte. Hätte ich von dessen Vorhandensein im Anfang unserer Arbeit Kenntniß gehabt, würde ich entschieden hier die Werft angelegt haben und mit Benutzung mancher natürlichen Vortheile mir viel Arbeit erspart haben können.

Nach Einverständniß mit den Dorfältesten, Tschikusi selbst ließ sich nicht sehen, nahm ich unverzüglich die Arbeit in Angriff und in Ermangelung geeigneter Vorkehrungen, auf welchen der Aufbau des Leichters sich hätte bewerkstelligen lassen, hatte ich mich aufs Erfinden zu verlegen, insofern, als eine erhöhte Stellage hergestellt werden mußte, damit man unter dem Boden des Fahrzeuges auch arbeiten konnte, denn der ganze Leichter in seinen einzelnen Theilen nur mit Schrauben verbunden, mußte vor allem darauf Bedacht genommen werden, daß dieselben auch fest und wasserdicht eingesetzt würden. Der Mensch muß sich zu helfen wissen, heißt es, und in diesem Falle machte ich es so: eine ganze Anzahl parallel sich gegenüberstehende Hölzer, oben mit Gabeln versehen und in gleicher Höhe fest in die Erde gesetzt, sollten mit starken Winkeleisen, welche in Reserve für das Schiff mitgeführt waren, verbunden und so auf diesen eisernen Balken der Boden des Fahrzeuges zusammengesetzt werden. Zum späteren Ablaufen hatte ich die beiden langen Schiffsmasten inmitten der Stellage legen lassen; der Leichter nach seiner Vollendung darauf niedergeführt, konnte somit leicht auf Rollen ablaufen.

Diese Arbeit ging natürlich nicht leicht von Statten, da der Werft selbst kein Abbruch an Kräften gethan wurde, und ich nur solche Leute, namentlich Suaheli, hier anstellte, die sonst zu anderem wenig nützlich waren; gleicherweise konnte der Aufbau auch erst dann begonnen werden, sobald Brückner sich wieder so weit hergestellt fühlte, daß er, vertraut mit dem Bau der Leichter, die Aufsicht übernehmen konnte.

Zurückgreifend auf jene Zeit, als die deutsche Seen-Expedition ins Werk gesetzt wurde, haben auch die Engländer, eifersüchtig auf das deutsche Unternehmen und besorgt, ihre Weltherrschaft in Central-Afrika könne gefährdet werden, sogleich den Plan gefaßt, in derselben Weise vorzugehen und dem deutschen Machtobjekt ein Aequivalent zur Seite zu stellen, und zwar nicht blos mit einem, sondern gleich mit zwei Kanonenbooten und einem Flußdampfer. Ihr Streben ging dahin, wenn irgend angängig, ihre Schiffe mit den deutschen zu gleicher Zeit in Dienst zu stellen, und sie setzten demnach alles daran, mit uns Schritt zu halten. Allein war der Transport ihres Schiffsmaterials gegen dem unsrigen auch ein Kinderspiel zu nennen, als alles so fein und dünn, z. B. die Platten nur 1-1/4 mm stark, so konnten sie den Transport über das Gebirge doch nicht eher unternehmen, d. h. der schwereren Schiffs- und Maschinentheile, bis ihnen unsere Wagen zur Verfügung gestellt wurden. Ebenso große Verlegenheit bereitete ihnen die Wahl eines praktischen Bauplatzes, und nichts konnte dem Leiter dieser englischen Expedition, Kapt. Robertson, willkommener sein, als die Ueberlassung jenes Werftplatzes, den ich für den Bau unseres Leichters hatte herrichten lassen und der für den Aufbau der kleinen englischen Schiffe wie geschaffen war.