Zur selben Zeit, da Luther der Mönch ein Junkergewand trug auf der Wartburg, lag ein spanischer Junker mit Namen Loyola an beiden Füßen verwundet und las die Legenda.
Er war ein tapferer Kriegsmann gewesen, nun sah er den Mut der heiligen Männer auf andere Dinge gewandt als Lanzenstechen und Schwerthieb; er wurde der irdischen Händel von Herzen satt und wollte wie jene ein Ritter der Jungfrau Maria heißen.
Als seine Füße geheilt waren, trug er die Waffen in mühsamer Wallfahrt zum Gnadenbild der göttlichen Frau; er aber ging in die Wildnis und wohnte den Heiligen gleich in einer Höhle, den Leib und die Seele in brünstiger Marter zu üben.
Und als er kein Junker mehr war, nur noch ein bärtiger Mönch, zog er als Pilgrim ins heilige Land; aber die Mönche des heiligen Landes schickten ihn heim als einen unnützen Schwärmer.
Daß er gelehrt sei zu reden wie sie, ging er in eine Schule und schämte sich nicht, mit seiner Einfalt unter den Knaben zu sitzen.
Er war schon grau an den Schläfen, als er zum andernmal auszog mit seiner Verzückung, dem spanischen Volk sein Erlebnis zu sagen; aber die Priester nannten den närrischen Ritter bald einen Ketzer und sperrten ihn ein.
So ließ er mit Grimm die spanische Heimat und zog nach Paris, an den Brüsten scholastischer Weisheit zu trinken.
Da blieb er lange und wurde Magister; aber nun fand er Genossen seiner Verzückung: Streiter Gottes wollten sie sein, ohne Waffen, nur mit der Kraft und Einfalt des gläubigen Geistes gerüstet und streng im Gehorsam.
So wurde der Orden Jesu gegründet; aus gläubiger Einfalt und hitzigem Eifer blühte die Rose von Jericho wieder: nicht das Gewissen mit seinen Schlupfwinkeln der Seele, der Geist des Gehorsams gegen die Kirchengebote allein sollte die Jünger verpflichten.
Da war den Männern in Wittenberg der Gegner gewachsen; gegen die Freiheit des Christenmenschen baute die Kirchenzucht ihre Schranken.
Alles zur größeren Ehre Gottes, stand auf den Fahnen, aber Gott war die Kirche; sie stellte dem Zweifel die Frage, ob er im Trotz seine eigene Seligkeit wagen oder im Glauben des kirchlichen Gnadenschoßes sicher sein wollte.
Seid klug wie die Schlangen und sanft wie die Tauben! sagte die Schrift; die dem Kriegsmann der Kirche nachfolgten, trugen den Stahl des biegsamen Wortes als Panzerhemd unter dem spanischen Priestergewand.
Sie gaben die große Verderbnis der Kirchenweltlichkeit zu, aber sie haderten nicht mit der Kirche um der menschlichen Schwäche im Priesterkleid willen; sie waren Ritter des Geistes und bauten dem Glauben kunstreiche Brücken zu einer anderen Kirche, die hinter dem Schein Wirklichkeit war.
Auch gingen sie nicht mit dem Bettelsack auf die Gassen; sie fanden die Türen der reichen Gemächer, darin die Landesgewalt auch nur ein Mensch war; sie schwiegen dem Volk, aber sie wußten den Fürsten geschickt von den Pflichten und Rechten der christlichen Herrschaft zu sprechen.
Sie kamen als Gärtner der Jugend: wo das Holz sich verjüngte und wo die Stämme noch schwank waren im Saft, setzten sie klug ihre Stäbe.
Der spanische Kaiser ging kläglich ins Kloster, weil seine Weltherrschaft wankte, sie aber kamen ins Reich mit ihren spanischen Hüten; und wo er mit all seinem Kriegsvolk nichts gegen den Brand der Ketzer vermochte, nahmen sie klug und behutsam das fürstliche Holz aus dem Feuer.
Calvin
Als Zwingli bei Kappel den Glaubenstod fand, Eidgenosse und Kriegsmann trotz seinem Predigerrock, führte in Genf schon Calvin, der fromme Franzose, sein strenges Kirchenregiment.
Er wollte die Christengemeinde wie Zwingli; Zucht und Eifer der Gläubigen sollten dem Staat das wahre Bürgertum bringen: der paulinische Glauben der ersten Christengemeinde zog das Jahrtausend der Papstherrlichkeit aus.
Alles, was in den kirchlichen Räumen und Bräuchen Erbschaft des Morgenlandes war, sollte dem Sinn der gläubigen Brüderschaft weichen, statt einem prunkvollen Tempel sollte die Kirche ein schmuckloses Gemeindehaus sein.
Sie tünchten die Wände weiß und räumten den Hochaltar aus; sie nahmen dem Chor den lateinischen Priestergesang fort und ließen die ganze Gemeinde das Kirchenlied singen; sie saßen beim Abendmahl fromm miteinander, dem leidenden Herrn zum Gedächtnis.
Sie nannten sich Reformierte und achteten streng, daß ihrer Christengemeinschaft nichts beigemischt sei, was nicht in der heiligen Schrift als Gottes Gebot stände.
So war es in Genf, in Zürich und Bern, in Basel und Straßburg; aber die Männer in Wittenberg blieben mit Eifer lutherisch; hatte der Meister mit großen Worten gepoltert, so zankten seine Gesellen.
Melanchthon in seinem ermatteten Alter wollte die Geister versöhnen, aber sie schalten ihn lau; als er dahinging in bitterer Klage über die geistliche Zanksucht, schied das Bekenntnis die Streitlager der Protestanten für immer.
Calvinisch hießen die einen, lutherisch die andern, und hätten sich eher Ketzer geschmäht, als daß sie die Bruderhand fanden.
Die aber im Gnadenbereich der römisch-katholischen Kirchengewalt blieben, hielten das dritte Konzil in Trient, Kirchenverderbnis und Ketzerei miteins auszurotten; und wie der Hund die verlaufene Herde umbellt, so kamen die Jünger Jesu ins Reich, den Streit nach ihrer Weise zu schlichten.
Die spanische Hand
Maximilians einziger Sohn, Philipp der Schöne genannt, war spanischer König geworden: mit Karl, seinem bläßlichen Sohn, kam das Schlingseil der habsburgischen Hausmacht zurück und wollte das Abendland binden.
Als ob noch einmal die alte Kaisermacht wäre, trug der spanische Jüngling die Kronen Europas, eifrige Lobredner sangen den Ruhm seines Reiches, darin die Sonne nicht unterging.
Denn seiner Macht hatte der Westen das Wundertor aufgeschlossen: die alte Welt hatte die neue entdeckt, und Spanien münzte das Gold aus, das Columbus, der kühne Seefahrer, fand.
Das Märchen der indischen Goldländer trat in den spanischen Tag ein; unübersehbaren Reichtum brachten die Schiffe herüber, als Ferdinand Cortez mit seinen Soldaten ins Sonnenland Mexiko kam.
Wie Wölfe brachen die eisernen Männer des Abendlandes ein in das Weideland friedlicher Völker, das Goldfieber brannte die Herzen der Christenheit leer; Europa, das Raubtier, begann der Welt seine Krallen zu zeigen.
Aber die Kirche wußte die Krallen zu nützen, ihr wuchs aus dem Gold die spanische Hand, dem evangelischen Aufruhr der Völker den Nacken zu beugen.
Karl, der letzte Schirmherr der Kirche, entfachte noch einmal den Kampf um die Stärke, als sich der Papst dem König von Frankreich gegen den Kaiser verband; er ließ das Gelüst seiner Landsknechte gehen, und wie seit Geiserich nicht mehr, wurde die ewige Stadt gebrannt und geplündert.
Aber Philipp der Zweite, sein Sohn, war nur noch spanischer König, kein Schirmherr der Kirche, nur noch ihr grausam gehorsamer Diener; wo der spanische Hut kam, hatte das Gold der Neuen Welt auch die spanische Hand stark gemacht, im Dienste der Kirche zu reiten.
Die Geusen
Wo das geteilte Gewässer des Rheins durch Sand und Sümpfe mühsam ins Meer sucht, von Friesland hinüber bis Flandern, hatten sich Friesen und Flamen ein breites Dasein gebaut, mit Häfen und Städten im Niederland, und wurden die lachenden Erben der Hansa.
Karl der kühne Burgunder hatte die Länder mit eisernen Fäusten gehalten und Max der Habsburger war nach der reichen Mitgift geritten; Karl seinem spanischen Enkel waren sie schon das Land seiner Herkunft; Philipp der Zweite ließ sie durch seine Schwester als spanisches Erbland regieren.
Aber das Niederland hing der calvinischen Lehre mit Eifer und Zuversicht an; als die spanische Hand durch strenge Edikte die Ketzer ausrotten wollte, schwuren die Edlen des Landes zu Breda den Bund, mit ihrem Blut dem schändlichen Brauch der Ketzergerichte zu trotzen.
Die Geusen hießen sie bald, weil sie als spöttisches Zeichen den Bettelsack trugen; noch brauchten sie keine Gewalt, aber das flämische Volk, zu trunkenen Taten geneigt, ließ seinen Zorn an den Bildern der Kirche wüst und lästerlich aus.
Den Aufruhr zu dämpfen, sandte der König den finsteren Alba ins Niederland; da mußten die Grafen Egmond und Hoorn zuerst auf den Block.
Sie kamen, den Herzog von Alba zu grüßen, und glaubten als Ritter des goldenen Vlieses vor Unbill geschützt zu sein; aber der Finstere fing sie mit lächelnder List: sie waren die Sprecher des Volkes gewesen und mußten den leichtgläubigen Mut unter dem Henkerbeil büßen.
Und Tausende folgten den edlen Herrn, der Blutrat des Herzogs kam über das Land, und die Wehklage wollte nicht enden; zum andernmal konnten die Hunde des Herrn das große Ketzergericht halten, wie es vorzeiten den Stedinger Bauern in Friesland geschah.
Aber das Leid hob aus der Tiefe des Volkes die rächende Hand: aus der Verborgenheit kamen und in die Verborgenheit schwanden die Geusen, dazwischen war eine kühne Tat und eine blutige Rache.
Sie trugen ihr graues Gewand und kamen auf flinken Schiffen; wo die spanische Hand schwach war, stach ihr Dolch zu, und wo sie stark wurde, verschwand er; sie waren die mutige Seele des Volkes, das sich aus weichlichem Wohlstand, durch Schande und Schrecken tollkühn erhob.
Noch war es kein Krieg, bis Wilhelm von Nassau, der schweigsame Oranier, wieder ins Land kam; klüger als seine Freunde Egmond und Hoorn, war er dem Herzog nicht leichtfertig ins Garn gegangen; nun brachte er Kriegsvolk, den Geusen zu helfen.
Die Geusen erkannten ihn gern; und ob das launische Glück im blutigen Schicksal hin- und herüber sprang, der Schatten des Herzogs wich langsam zurück, bis er verdrossen die Länder verließ.
Aber die spanische Hand blieb im Land, und Wilhelm der schweigsame Held wurde grau in den Schlachten; er kannte nicht Übermut und Verzagtheit, er war die stete Geduld und der unbeugsame Wille: als er im sechzehnten Jahr des nimmersatten Krieges durch Mörderhand fiel, waren Holland, Seeland, Utrecht und Friesland befreit.
Moritz, der Sohn des Oraniers, nahm das Schwert auf und wurde nicht matt; wie sein schweigender Vater ein Meister der Staatskunst, war er ein Meister des Krieges: gegen die spanische Übermacht hob er den Ruhm seiner Schlachten.
Als Philipp hinsiechte und starb, war die spanische Weltmacht verronnen mit all ihrem Gold aus der Neuen Welt, nur um die Länder der Maas ging immer noch Krieg, und wie eine Seuche fraß das Mordwerk der Geusen den spanischen Widerstand leer.
Kaum einer noch lebte von denen, die ihn begannen; und wie eine Sage erzählten die Greise von glücklichen Zeiten, da Frieden im Niederland war.
Im zweiundvierzigsten Jahr, daß Alba der finstere Herzog ins Niederland kam, sanken die spanischen Waffen; sie hielten Flandern und das brabantische Land, aber die sieben Provinzen nördlich der Maas hatten die Freiheit errungen.
Durch die spanische Hand ging dem Reich uraltes Stammland verloren: an der Mündung wie an den Quellen des Rheins saßen nun freie Völker, indessen die Fürstengeschlechter im Reich einander das Futter abfraßen.
Donauwörth
Im Niederland hatten die Ketzer gesiegt, im Reich war die Kirche wie Schnee im Frühjahr geschwunden; aber die Jünger Jesu warfen den Samen nicht in den Wind: schon stand die heimliche Saat dicht vor der Ernte, als Max, der bayrische Herzog, zu Donauwörth den ersten Wagen in seine Scheuer einbrachte.
Eine Reichsstadt war Donauwörth, und die Bürgerschaft hatte längst ihren Tag in die deutsche Predigt gestellt; nur der Abt zum heiligen Kreuz hielt das Kloster der Benediktiner, dicht vor der Stadt.
Aber nach Dillingen war es nicht weit, wo die Jesuiten ihre deutsche Pflanzschule hatten; die Nachbarschaft stärkte dem Abt den katholischen Rücken, und was das Kloster seit Jahren nicht wagte, den prunkvollen Umzug der Kirche begann es nun wieder.
Sie trugen die Fahne zuerst nur gerollt und mieden die Straßen am Markt, aber der Eifer von Dillingen wetzte den Mut und die Hoffnung auf stärkeren Beistand: die Fahne des heiligen Kreuzes entrollt, mit vollem Gepränge und lautem Gesang, so kamen die Mönche in die Straßen der evangelischen Stadt.
Wie sie vor Zeiten mit frommer Fröhlichkeit taten, geschah es nun wieder; doch knieten die Männer und Frauen nicht mehr, wo sie kamen: mit grollenden Mienen sahen sie längst verspottetes Tun ihr Tagwerk durchkreuzen, vergessener Zorn eiferte los und fuhr mit Fäusten darein.
Es war kein Bauernkrieg mehr, es war nur ein böser Tumult in den Gassen, zornige Männer und hitzige Mönche balgten sich um die Fetzen der Fahne, indessen die Frauen und Kinder erschrocken den letzten Gesang überschrieen.
Kein Landesfürst galt in der Reichsstadt seit zweihundertfünfzig Jahren, ihr einziger Herr war der Kaiser; aber die Jesuiten in Dillingen wiesen dem Abt vom heiligen Kreuz die Wege nach Prag.
Da kannten sie längst die heimlichen Türen und wußten das Ohr des lichtscheuen Kaisers rascher zu finden als seine Bürger: so wurden die Frevler geächtet, und Max, der Herzog von Bayern, zog eilig heran, den Spruch zu vollstrecken.
Die Stadt gehörte zum schwäbischen Bund, aber der Herzog lachte dazu: sie sollten ihm erst die Batzen bezahlen für all sein bemühtes Kriegsvolk!
Er hatte den lang begehrten Vogel gefangen und tat den Käfig nicht wieder auf; Rudolf, der lichtscheue Kaiser in Prag, sah nach den Sternen.
Da wurden die Städte und Fürsten gewahr, daß ein anderer Wind wehte, was heute einem geschah, konnte morgen manchen geschehen: calvinisch oder lutherisch war gleich vor der römischen Kirche, die drohend den Arm hob, sie alle als Ketzer zu treffen.
Sie ließen der Kanzel den Predigerzank, aber die Schwerter schlossen den evangelischen Bund der Fürsten und Städte, einander die Freiheit des Glaubens zu halten.
So stand der bayrische Herzog allein vor den Herren von Hessen und Sachsen, Brandenburg und der mächtigen Pfalz, und der Kaiser in Prag sah nach den Sternen; da rief er die geistlichen Kurfürsten auf, das katholische Schwert gegen den Bund der Ketzer zu schärfen.
Union und Liga hießen die Bünde des kommenden Streites: sie ballten die Mächte gegeneinander, sie teilten das Reich und das Volk und lagen als drohende Wolken des Unheils über dem deutschen Land, bereit, das Gewitter zu bringen.
Der Schwur von Loreto
Im selben Jahr, da Philipp von Spanien starb, tat vor dem heiligen Haus in Loreto ein Habsburger Jüngling den Schwur: mit Gefahr seines Lebens jegliche Ketzer aus seinem Land zu vertreiben.
Er war ein Vetter des Kaisers und regierte in Graz den südlichen Teil der habsburgischen Länder; weil aber Rudolf, der Kaiser in Prag, samt seinem Bruder Matthias kinderlos war, reiften die Kronen der Vettern ihm zu.
So hob sein Schwur der katholischen Kirche das Schwert wieder auf, das Philipp sterbend hinlegen mußte; die Jünger Jesu hatten gesorgt, daß die Schneide gehärtet, daß der Habsburger Hochmut zum andernmal mit der Inbrunst der Kirche gestärkt war.
Wo der Schwur Ferdinands galt, deckte er Duldung und Frieden zu; als ihm sein Vetter Matthias die böhmische Krone abtrat, war sein Erbland gereinigt: Gut oder Glauben, hatte sein Schwert die Untertanen gefragt, und die den Glauben der Bibel wählten, waren aus ihrer Heimat vertrieben.
Aber die Böhmen hatten von Rudolf den Freibrief ertrotzt, zu glauben, zu predigen und Kirchen zu bauen, wie ihre Lehre gebot; Matthias mußte danach den Freibrief beschwören, auch Ferdinand sollte ihm Siegel und Unterschrift geben.
Er hatte die Jünger Jesu gefragt, ob er mit gutem Gewissen bestätigen könnte, was er gleichwohl nicht zu halten gedächte: sie sagten ihm Ja, und Ferdinand gab dem Freibrief Siegel und Unterschrift wie seine Vettern.
Als dann in Braunau und Klostergrab Kirchen gebaut wurden, hieß er sie schließen; darüber ergrimmten die böhmischen Herren in Prag und kamen hadernd ins Schloß, wo die Räte des Kaisers Matthias als Statthalter saßen.
Sie warfen die Räte samt ihrem Schreiber zum Fenster hinaus, sie riefen das böhmische Land auf und rafften ein Heer, gleich ihren hussitischen Vätern meineidige Kaisergewalt durch ein Volksgericht zu begleichen.
Sie standen vor Wien, als Kaiser Matthias starb und Ferdinand Hausherr der Habsburger wurde; schon hatten die Läufer den Aufruhr in seine Länder getragen: kaum daß er vermochte, nach Frankfurt zu fahren, die deutsche Krone zu holen.
Die Kurfürsten hatten die Wahl getätigt und standen im Dom, den Kaiser nach altem Brauch auf den Altar zu heben, als ein Reiter aus Prag die Absetzung brachte; die böhmischen Stände hätten statt seiner den Pfalzgrafen Friedrich als König gewählt.
Ein Stück aus dem Domgebälk brach nieder neben dem Altar, fast hätte sein Sturz den Kaiser erschlagen; die Furcht kommenden Unheils fiel in das drängende Volk.
Der Winterkönig
Noch war der mächtige Herzog von Bayern Schwertherr der Liga, nicht Kurfürst, und Ferdinand mußte von Frankfurt nach München; auch war es eher ein Bittgang, denn daß er als Kaiser befahl.
Aber was beiden zunutz war, mußte geschehen: indessen Friedrich der Pfalzgraf mit seinem Hoflager nach Prag fuhr, einen Winter lang König zu spielen, rüstete Max der Herzog im Namen der Liga ein mächtiges Heer, und als es Sommer war nach dem Winter, stand er in Böhmen.
Da hatte Friedrich, der pfalzgräfische König, mehr an die Pracht seiner Kleider denn an die Waffen gedacht; auch waren die pfälzischen Prediger eifrig gewesen, die Böhmen calvinisch zu machen.
Sie hatten die Kirchen geräumt und die Wände gesäubert, sie hatten aus Prag ein neues Streitlager gemacht, den Götzendienst der Lutherischen selbstgerecht zu verdammen.
Schon stand der Feind dicht vor der Stadt, als endlich das böhmische Heer in nasser Novembernacht auszog: am weißen Berge bei Prag wurde es grausam geschlagen, in einer Mittagsstunde zerrann dem Winterkönig sein Glück.
Er saß nach pfälzischer Sitte zu Tisch, indessen ihm Tilly, der Feldherr der Liga, das Schwert aus der Hand und die böhmische Krone vom Kopf schlug; nun raffte er eilig das Seine und ging auf die Flucht, sein unrühmliches Leben zu retten.
So hatte der Habsburger wieder das seine, die böhmischen Bürger und Bauern mußten den Herren in Prag die falsche Königswahl büßen.
Der Kaiser nahm den böhmischen Freibrief und zerschnitt ihn mit eigener Hand; wie ein Gärtner die Knechte ausschickt, Unkraut zu jäten, so sandte der Orden Jesu die spanischen Hüte ins böhmische Land und in alle österreichischen Länder.
Gut oder Glauben, so hieß noch immer die Frage des Schwertes: Tausend und Tausende wählten den Glauben, ließen die Heimat und ließen das Haus ihrer Väter, das Land der Verheißung zu finden; aber auf Erden war es die Fremde und bittere Armut.
Der Schild und das Schwert der katholischen Liga stand vor dem Kaiser, und hinter ihm hob sich der römische Schatten: Glück und Ende des Winterkönigs in Prag war nur der spöttische Anfang, nun kam der Ernst über Deutschland und wollte zum bitteren Ende.
Die Pfalz
Der mächtige Herzog von Bayern hatte dem Kaiser das Schwert nicht eher geliehen, als bis er den Lohn kannte: die Pfalz fiel ihm zu mit dem Kurhut, und spanisches Kriegsvolk mußte ihm helfen, daß er das Pfand in der Hand hielt. Spanisches Kriegsvolk und englische Söldner rissen einander die Dörfer und Städte der Pfalz aus den Händen; denn Friedrich der Pfalzgraf war Eidam des englischen Königs: England und Spanien brachten den eigenen Machthandel über die Pfalz.
Indessen der Winterkönig geächtet, der böhmischen Krone wie seines Kurhutes verlustig, sein törichtes Leben in Holland hinbrachte, rief englisches Gold dem bösen Krieg die Klopffechter auf.
Den tollen Mansfeld hießen sie ihn, der mit allerlei Volk den verlorenen Krieg durch die deutschen Landschaften schleppte; Freund oder Feind, sie mußten ihn nähren; wo er von dannen zog, hatte die eiserne Faust manches gerafft und vieles zerstört.
Als seine Haufen herzogen, von Tilly verfolgt, als sie den Tanz des Krieges begannen mit listigen Sprüngen, einander suchend einander auswichen und auf den Überfall lauernd Dörfer und Städte brandschatzten: bekam auch die Pfalz den böhmischen Winter zu schmecken.
Und blutiger Schwertschlag wurde der Tanz, als Christian, Prinz von Braunschweig, seine wilden Gesellen dem tollen Mansfeld beibrachte; seit Sickingen hatten die Landesgewalten nicht mehr einen solchen Verächter erfahren.
Er war noch ein Jüngling und hatte nach längst verschollener Sitte die Winterkönigin zur Herrin erkoren; er trug ihren Handschuh am Helm; alles für Gott und für sie, stand auf den Fahnen.
Zu Paderborn fand er im Dom zwölf Silberapostel, er prägte Taler daraus und hieß sie in alle Welt hingehen: Gottes Freund und der Pfaffen Feind, stand auf den Talern; und wer nicht für ihn war, war wider ihn.
Sie hätten dem Winterkönig sein Land bis zur Hölle gehalten, er selber aber entließ sie; so wurde die Pfalz frei von der Plage, so wurde die Fackel des Krieges nach Norden getragen, wo sie von neuem lichterloh brannte, weil danach der König von Dänemark antrat, sein Klopffechterglück zu versuchen.
Die Pfalz wurde frei von der Plage, aber nun kam der bayrische Herzog mit Eifer und Strenge, das calvinische Land wieder katholisch zu machen.
Wallenstein
Der Schwur von Loreto hatte dem Habsburger Erbland gegolten; über die Pfalz kam er ins Reich, und Ferdinand wollte noch einmal Schirmherr der Christenheit heißen.
Aber das Reich der Habsburger war nicht mehr die Kaiserstandarte über den Völkern; Frankreich und England hielten ihm seine Tore im Westen gesperrt, im Osten drohten die Türken.
Kein Maifeld am Rhein stellte die Heerschilde auf um den Kaiser, daß er den Bogen der Stärke über das Abendland spannte: Ferdinand war in der Hofburg zu Wien das Flackerlicht seiner Mönche.
Da saß die Spinne im Netz, die Ketzer zu fangen, aber die Fäden hatte die Liga gespannt: der mächtige Herzog in Bayern gebot, und Ferdinand mußt ihm seine Dienste teuer bezahlen.
Als darum Wallenstein kam, dem Kaiser ein eigenes Heer anzubieten, gab er dem düsteren Mann gern eine Vollmacht, sich von dem Herzog zu lösen.
Es war ein böhmischer Edelmann ärmlicher Herkunft, aber er hatte im Dienst des Kaisers reiche Güter in Böhmen erlistet, war Graf und Fürst seiner Herrschaft Friedland geworden und galt als guter Soldat, der seinen Söldnern reichen Raub gönnte.
Als seine Trommel im Reich scholl, reicheres Werbegeld und reichere Beute verheißend, lief das Kriegsvolk ihm zu; bald stand dem Kaiser ein Heer zu Feld, stärker als das aller Fürsten.
Da mußte der stolze König der Dänen auf seine Insel entweichen, da wurde der tolle Mansfeld gejagt wie ein Wild bis nach Ungarn, da konnte der Pfaffenfeind mit dem Handschuh der Königin keine Silbertaler mehr prägen.
Da wurde die Hofburg Herr über den Bund der evangelischen Fürsten, da kam die römische Hand und strich ein halbes Jahrhundert und mehr aus dem Dasein des Reiches.
Die Bischöfe kehrten zurück in den Besitz ihrer weltlichen Macht; alles, was einmal Kirchengut war, mußten die Fürsten und Städte der römischen Hand überlassen.
Der Schwur von Loreto hatte der Kirche die Fäden von neuem gespannt; die Jünger Jesu standen bereit, den letzten Fang zu beginnen.
Stralsund
Was nicht mehr gewesen war, wurde durch Wallenstein wahr: der Kaiser hielt wieder die Macht über die Fürsten; aber der Kaiser saß in der Hofburg zu Wien, und der das Schwert führte im Namen des Kaisers, war seine eigene Stärke.
Er hieß nun Herzog von Friedland und nannte Mecklenburg sein; ihn schierten die Händel der Geistlichen nicht und nicht die Sorgen der Kirche, er ging den Schritt der Gewalt und wollte ein anderes Reich als das der Pfaffen und Fürsten.
Stärker als alle Kurfürstenmacht war einmal die Hansa gewesen: nun wollte der Kaiser die Hansa bedeuten, ihm sollten auch wieder die Städte und Häfen der Ostsee gehören, und die im Norden selbstherrlich Könige hießen, sollten in seiner Pflicht sein.
Er legte in alle Häfen Besatzung, den Norden zu zwingen; aber Stralsund war der Schlüssel, und Stralsund trotzte dem Herzog des Kaisers; als er die Insel Dänholm vor ihren Toren besetzte, wagten die Bürger den Handstreich und brachten sie wieder in ihre Hand.
Und wenn sie mit Ketten am Himmel hinge, sie müßte herunter! prahlte der Herzog; aber die Bürger von Stralsund hatten die Taten der Geusen vernommen: so hitzig sein Kriegsvolk die Wälle berannte, sie hielten ihm stand.
Denn der sonst hinter den Wällen der böseste Feind war, der Hunger konnte die Stadt nicht bezwingen; höhnisch vor seinen kurzen Kanonen gingen und kamen die schwedischen Schiffe, Brot und Waffen, Pulver und Kriegsvolk zu bringen.
Soviel die Wälle zu verbergen vermochten, warfen die Dänen und Schweden Truppen hinein; Stralsund war in Wahrheit der Schlüssel des Nordens, die Könige hielten dem Kaiser das Schloß mit dem Schlüssel gesperrt.
So ging dem Herzog von Friedland sein harter Schwur fehl; er hatte die Länder gekehrt mit eisernem Besen von Ungarn bis Jütland, er war über Fürsten und Völker mit seinem Kriegsvolk gekommen: an der kalten Meerküste mußte sein Stolz die Schranken erkennen; und wie es Alba geschah vor den Geusen, so wich der Schatten Wallensteins zurück vor Stralsund.
Das aber war zu der Zeit, da die Kurfürsten der Liga den Tag in Regensburg hielten: sie wollten den Hochmut des Herzogs nicht länger ertragen und zwangen den Kaiser, sich selber den starken Arm abzuschneiden.
Der Friedländer wäre mächtig genug gewesen, den Fürsten zu trotzen, aber Seni, sein Sterndeuter, hatte ihm andere Dinge geweissagt; so ging er mit lächelnder Miene nach Böhmen in seine stolze Verbannung, wartend des Tages, da sie zum andernmal seiner bedürften.
Denn schon war an der rügischen Küste der schwedische König erschienen, Kaiser und Kirche zum Trotz sein Schwert an die Bibel zu wagen.
Magdeburg
Lutherische Prinzen regierten seit langem die reiche Bischofsstadt an der Elbe, sie hießen Verweser und hatten der geistlichen Würde entsagt, die weltliche Macht zu behalten; aber der letzte Verweser, Christian Wilhelm von Brandenburg, wurde vom Kaiser geächtet: ein Bruder des Kaisers sollte wieder katholischer Erzbischof in der Ketzerstadt sein.
Kaum standen die Schweden in Pommern, so schlich sich der Prinz heimlich zurück in die Stadt und stärkte die Hoffnung der Bürger, daß nun die Tage der evangelischen Freiheit nach langer Bedrängnis anbrächen.
Als aber Tilly, der Feldherr der Liga, Botschaft bekam, zog er mit großer Kriegsmacht heran; die reiche Ketzerstadt an der Elbe sollte das Schwert des Kaisers erfahren, bevor ihr der König zu helfen vermöchte.
Da hatte der Prinz in Eile die Wälle gerüstet, und ein erfahrener Kriegsmann, Dietrich von Falkenberg, kam aus dem Lager der Schweden; denn Tilly war ein gewaltiger Feldherr mit Listen und raschen Zügen.
Indessen der Kurfürst von Brandenburg, sein bänglicher Schwager, dem schwedischen König verwehrte, durch seine Länder zu ziehen, zog Tilly den eisernen Ring um die Stadt immer enger; der Hunger fing an, ihm zu helfen, auch ging das Pulver aus für die Geschütze: ein wütender Sturm sollte Magdeburg zwingen.
Von allen Seiten liefen sie an, Feuerkugeln fuhren in glühenden Bogen, die Dächer zu zünden; schon stürzte ein Turm auf dem Wall, aber er legte sich nicht in den Graben, dem stürmenden Feind die Brücke zu bauen: die feurigen Krallen und eisernen Zähne konnten die Wälle nicht packen.
Da sollte die Kriegslist den letzten Trumpf wagen, bevor sie abzogen; ein Trompeter kam in die Stadt, den blutigen Streit zu begleichen: schon sah die Wacht auf den Wällen die Schanzen geräumt und glaubte die nahende Hand des Königs zu spüren.
Durch endlose Wachen ermüdet und froh der nahen Befreiung, ließen die Bürger die Wälle, endlich einmal zu schlafen: da drangen die Söldner Pappenheims ein und weckten die arglosen Schläfer.
Es war nur ein kurzes Erwachen: sie waren Rebellen und Ketzer, nun fiel das Schwert über sie her; Männer, Frauen und Kinder mußten mit ihrem Blut den Schwur von Loreto bezahlen.
Und über das Schwert kam das Feuer; seit Trojas und Jerusalems Fall – frohlockte die Kunde nach Wien – hatte die Welt kein Schauspiel wie dieses gesehen; drei Tage lang fraßen sich Mord und Brand satt in der Ketzerstadt, bis ihre blühende Breite ein Brandhaufen und Schindanger war.
Wehklage schwoll aus dem angstvollen Herzen der protestantischen Welt; sie sah ihr Schicksal beschlossen, und die Enttäuschung fing an, den schwedischen König laut zu verwünschen.
Dietrich von Falkenberg lag unter den rauchenden Trümmern begraben, den Prinzen von Brandenburg fingen die Söldner lebendig; er wurde in Wien wieder katholisch und lebte noch lange sein wohlbehütetes Leben.
Gustav Adolf
Den Schneekönig hießen sie ihn in der Hofburg des Kaisers: er würde bald schmelzen, wenn er den Norden verließe; auch wurden die Schweden Goten genannt, der römische Spott war darin über die neuen Barbaren.
Aber der schwedische König kam in das Reich, wie ein Seefahrer seine Segel auf Sturm stellt: er prüfte den Anker und sah nach den Sternen; er wußte das Wagnis, aber er kannte sein Schiff und kannte die Kunst, es zu lenken.
Wie es vorzeiten geschah, als Dietrich, der starkweise, Ravenna und Rom zu gewinnen gedachte, waren die schwedischen Männer ein Volk und Schwert gegen die Söldner des Kaisers.
Tilly, der Feldherr und Sieger in hundert Schlachten, sah die Stärke des Königs; aber er sah auch, wie Argwohn und Zweifel der Fürsten dem Schweden die Schritte verstellten: er dachte ihn langsam zu schwächen, bevor er ihn finge.
Als aber Magdeburg sank und als die Brunnen der evangelischen Wehklage aufbrachen, entbrannte dem König der Zorn: herrisch und hart zwang er die Fürsten von Sachsen und Brandenburg in seinen Gehorsam.
Und als er Tilly im Breitenfeld stellte, teilte er klüglich die Seinen ab von den Sachsen, daß ihre Furcht nicht seine Schweden verwirre: die Sachsen liefen bis Eilenburg; als aber Tilly den Flüchtenden folgte, nahmen die Schweden ihn scharf in die Zange.
Der Feldherr und Sieger in hundert Schlachten mußte dem König das Feld überlassen, als er glaubte, es zu gewinnen; kaum, daß er den Rest seiner Söldner nach Halberstadt brachte.
Schon sahen die Priester und Pfründner der Hofburg das blaugelbe Banner vor Wien; aber der schwedische König strauchelte nicht in der Gunst seiner Stunde.
Er sandte das sächsische Heer nach Böhmen, das Tor des Kaisers in Prag zu bedrängen; er aber äugte hinüber zum Rhein, wo die Kurfürstenmacht noch immer dem Reich das Krönungsgewand hielt.
Denn mehr als ein günstiger Frieden blühte dem König der Schweden aus seinem Sieg: Wien war Byzanz, er aber wollte, wie vormals der starkweise Dietrich, das Reich der Goten anders aufrichten.
Die Herbstnebel näßten das Land, als er die neue Heerfahrt begann; aber Weihnachten fand ihn schon warm in Mainz, wo er das kurfürstliche Nest mit seinem Schwedenvolk füllte.
Er war den uralten Weg der Sachsen gezogen, er hatte in Würzburg das fränkische Maintor gesprengt und hatte die Furt der Franken gefunden: wie die salischen Herrn und die Staufer ließ er das Banner der blaugelben Macht über dem Maifeld der Reichsherrlichkeit wehen.
Und als ihn Tilly von neuem ins Feld rief nach Franken und Bayern, ließ er den Kanzler Oxenstjerna im goldenen Mainz, der schwedischen Herrschaft am Rhein den Krönungsmantel zu halten.
Noch lag der Schnee auf den fränkischen Bergen, als ihm die Glocken von Nürnberg zu läuten begannen; Tore und Herzen hatte die Reichsstadt dem Schutzherrn der evangelischen Freiheit weit aufgetan.
Hier hielt kein Bischof und Fürst seinen Zipfel der Kaisergewalt fest, hier war der siebente Heerschild des Reiches im Bürgerkleid und grüßte den starken Verwalter.
Fester und fröhlicher, als er den Feldzug begann, stieß er nach Süden, den mächtigen Herzog in Bayern zu fassen, der für die römische Macht im Reich das listige Schwert und gegen den Kaiser in Wien die stolze Selbstherrlichkeit war.
Er traf ihn am Lechfeld gelagert; so stark hatte Tilly, sein greiser Schildhalter, die Schanzen gestellt, daß die Getreuen dem König den Angriff abrieten: er aber hatte über die Ostsee Brücken geschlagen und wollte nicht weichen vor einem steinichten Alpengewässer.
Die Lose waren geschüttelt, und das Glück fiel dem Mutigen zu, indessen Tilly, den zweifelnden Greis, eine Stückkugel traf: als der Schildhalter fiel, waren die Schanzen noch stark wie zuvor, aber der Kurfürst floh mit den Seinen, weil ihn der Mut und der Glaube verließen.
Lützen
Seni, der Sterndeuter, hatte dem Herzog von Friedland kühne Dinge geweissagt, nun kam die Erfüllung: die Fürsten im Reich und ihr Kaiser mußten den Tag von Regensburg büßen.
Der Herzog hatte sein Haus in Prag wie einen goldenen Käfig um seine Wünsche gehalten, von bösen Schmerzen geplagt und abergläubisch den Sternen verschworen, schien er der Welthändel satt.
Er ließ den Gesandten des Kaisers mit Ungnade an; die pfäffischen Feinde der Hofburg mußten den bittersten Spott seiner gichtigen Rachlust erfahren, bevor er im Rollwagen aufstand.
Eine Katze spielt mit der Maus, so nahm der Herzog den Habsburger Hochmut in die Krallen: als er den Feldherrnstab aufhob, war der Name des Kaisers nur noch das Siegel, die Macht hielt der Herzog allein in den gichtigen Händen.
So hatte die Zeit das Spiel der Mächte gewandelt: der Habsburger mußte dem Herzog von Friedland den Prunkwagen ziehen, der Winterkönig war ein Schaustück des Schwedenlagers geworden.
Verwegen den eigenen Zielen verschworen, standen die neuen Spieler im Feld: sie hoben den Arm und kreuzten die Degen; aber sie stießen nicht zu, weil sie einander erkannten.
Der Herzog kehrte das böhmische Land rein von den Sachsen und ließ den hochmütigen Kurfürst von Bayern drängen und betteln, daß er ihm hülfe; erst als sich der stolze Kriegsherr der Liga demütig nach Eger bemühte, kam er nach Bayern.
Der König hatte um Nürnberg sein festes Lager geworfen, der Herzog legte sich auf die Berge von Zirndorf davor, ihn zu belauern: zehn Wochen lagen sie da voreinander, und eher wären die Wälder gewandert, als daß der Herzog dem König aus seinem Fuchsbau herauskam.
Der Hunger fiel ein hier und dort, und Seuchen fraßen die Heere: der Herzog rührte sich nicht; und als der König verbissen und wild den Sturm wagte, wies er ihn blutig zurück.
Sie hatten einander gespürt und gingen geschwächt auseinander; als aber der Herzog ins Sächsische fiel, Winterquartier zu erlangen, war der König noch stark, ihm zu folgen.
Zum andernmal lagen sie da mit dem Nürnberger Spiel bei Naumburg und Weißenfels hart aneinander; zum andernmal stieß der König zu, als der Herzog die Pappenheimischen Reiter elbabwärts sandte.
Bei Lützen bekam er den Friedländischen Stier bei den Hörnern zu packen; so hart griff er ihn an, daß ihm das gewaltige Tier in die Knie brach: aber das spitzige Horn durchbohrte ihm selber die Brust, bevor er Viktoria rief.
Zwei Kugeln trafen den König, als er im Nebel zu hitzig ins Treffen geriet; die eine zerriß ihm den Arm, und als ihn sein Page noch rückwärts zu lenken gedachte, durchbohrte die zweite den Rücken.
Die Schlacht war den Schweden gewonnen; als Pappenheim kam mit dem Hagelsturm seiner Reiter, konnte der Herzog das Lützener Feld nicht mehr erzwingen; aber der König lag unter Leichen begraben.
Der Starke von Norden war in die bängliche Stille gekommen, ein Hornruf und Schwertschlag wie keiner im Schlachtlärm der Zeit.
Den Schneekönig hießen sie ihn; im Blut seiner Goten war er geschmolzen, aber das blaugelbe Banner flatterte hoch: Bernhard von Weimar riß es im Flug seiner Taten über die deutschen Gefilde, bis ihm die Fetzen hingen.
Der Herzog von Friedland
Die Sonne sank unter im Feld, und der Mond stand allein über Lützen, blutrot im schwarzen Gewölk: sie hatten gekämpft um den Tag, nun kam die Nacht mit zerrissenen Schatten.
Ein König hatte den Kaisertraum gläubig im Tag seiner Taten empfangen, nun war es ein bleicher Glanz der Gestirne, von dem Sterndeuter brütend bewacht und von dem Herzog abergläubisch gehütet.
Er war als böhmischer Edelmann in den Schein der Allmacht gekommen, Böhmen und Prag verhießen dem Herzog die kommende Krone; als er das Feld bei Lützen verlor, wich er zurück, die böhmische Heimat zu halten.
Indessen Bernhard von Weimar den Sieg der blaugelben Fahne ins Frankenland trug, als Herr von Würzburg und Bamberg ein neuer Reichsfürst zu werden von schwedischen Gnaden; indessen der Kurfürst von Bayern sich schlimmer bedroht sah als je durch den König: hielt sich der Herzog in Böhmen, bis er, Mähren zu schützen, nach Schlesien kam.
Da hatten die Schweden und Sachsen die leichte Beute geteilt; er kam sie zu strafen und hätte sie hart zu treffen vermocht mit zwiefacher Übermacht: aber er wollte dem klüglich berechneten Spiel nicht selber die Trümpfe ausbrechen, er wollte im Gleichmaß der feindlichen Mächte der Unentbehrliche bleiben.
Und als er danach bei Steinau den Grafen von Thurn fing, den böhmischen Todfeind des Kaisers, und als in der Hofburg zu Wien schon die Folter bereit war, ließ er den Ketzer und Rebellen laufen und hatte nur Spott für die Pfaffen.
Die Boten kamen und gingen, als ob er den Krieg mit der Feder statt mit dem Schwert zu gewinnen gedächte; sie gingen nach Schweden und Frankreich mehr als nach Wien, und niemand sprach näher vom Frieden, als der für den Krieg bestellt war.
Aber er hatte die Karten zu listig gemischt; als er am Stich war, traute ihm keiner: so ging ihm der Einsatz samt dem geweissagten Kronengewinn kläglich verloren.
Die Allmacht des Herzogs zu dämpfen, rief der Kaiser ein spanisches Heer ihm zu Hilfe; da mußte der listige Spieler Farbe bekennen, aber nun war es zu spät, sie zu halten: als ihm zu Pilsen seine Getreuen den Schwur leisten sollten, hielt schon Verrat den Verrat bei den Händen.
Seines Amtes entsetzt und vogelfrei als Verräter, kam er nach Eger, noch immer ein Fürst der Gewalt, abgöttisch geehrt und gefürchtet; er wollte sich offen den Schweden zuwenden, aber der kleine Verrat kam dem großen zuvor.
Es war ein Gastmahl in Eger, da wurde dem künftigen König von Böhmen getrunken, und der Meuchelmord lauerte hinter der Tür; als die Lustigkeit satt war, brachen die Mörder hervor und stachen die trunkenen Schwertbrüder Wallensteins nieder.
Ihn selber fanden sie wehrlos im Schlaf; er hatte den Abend mit Seni verbracht, den drohenden Stand der Gestirne zu deuten, nun trat der schwarze Beschluß durch die krachende Tür in seine Wirklichkeit ein.
Er war durch den Lärm geweckt noch ans Fenster getreten, als er die Hellebarde vor seiner Brust sah; wortlos mit offenen Armen nahm er sie auf: im Tod noch ein finsterer Meister.
Dreitausend Seelenmessen hieß der Kaiser in Wien dem Wallenstein lesen, und hängte das Gold an die Mörder; auch floß eine Habsburger Träne dem Schicksal, das ihm so grausam und tückisch zu handeln befahl.
Bernhard von Weimar
Als Wallenstein starb, stand der große Krieg still, aber der kleine Krieg wollte Deutschland verderben; Faust und Feuer und Raub hatten ein wildes Geschlecht gezüchtet; schon krähte der Hahn nach dem Morgen, aber noch hielt die gramvolle Nacht dem bösen Gezücht den Morgenschlaf hin.
Über dem Haß der Parteien hatten noch Sterne gezittert, nun starben sie hin im Grauen der Helle: der aber den Schaft der blaugelben Fahne hielt – einen Stumpf nur mit Fetzen behangen – den Prinzen Bernhard von Weimar riß seine Fahrt noch ins Morgenrot hin.
Er hatte das sächsische Feld bei Lützen gehalten und war wie ein Feuer im Wind zur bayrischen Donau gefahren, er hatte das fränkische Land mit seinen Siegen erfüllt und war der Herzog des Landes um Bamberg und Würzburg geworden: aber die Schlacht bei Nördlingen nahm ihm den Ruhm und das Land; seit Breitenfeld wurde kein Heer so geschlagen.
Oxenstjerna, der schwedische Kanzler, hatte mit eiserner Stirn den Tod seines Freundes, des Königs, erfahren; nun stand er zum andernmal leer vor dem Glück: die Schwedenherrschaft im Reich war aus; hoch stieg der Kaiser.
Der Kurfürst von Sachsen streckte zuerst die unrühmlichen Waffen, ihm folgten geschwind die kleineren Fürsten: der Frieden zu Prag gab den Ländern der Elbe die Hoffnung zurück, daß wieder dem Bauer sein Pflug, dem Bürger sein redliches Handwerk gehöre.
Aber noch war die Zuchtrute der Zeit nicht gesättigt, nun blieb der Schwede als Feind, wo er als Freund kam; was ihm die Fürsten und Städte im Reich nicht mehr gaben, das bot ihm Frankreich mit listiger Hand, und Oxenstjerna zögerte nicht, es zu nehmen.
Elf Jahre ging noch der höllische Krieg: Schweden, Franzosen, Spanier rissen sich um den Raub mit dem Kaiser; aber der Raub war das Reich und der Kaiser die römische Kirchengewalt.
Da ließ auch Bernhard von Weimar den blaugelben Stumpf und machte den Pakt mit dem Todfeind der Habsburger Macht: französisches Geld half ihm, ein Heer auszurüsten, Elsaß und Hagenau – stand in dem Pakt – sollten sein Lohn sein.
So stieg noch einmal sein Ruhm, aber nun trug er die eigene Fahne; und als sie zum andernmal Sieg trug, als ihm das Elsaß gehörte, als Breisach ihm zufiel und der Oberrhein sein war: da wurde der deutsche Herzog dem Kanzler von Frankreich und Kardinal Richelieu zu großmächtig.
Er sollte für Frankreich, nicht für sich selber, dem Kaiser das Land abgewinnen; den Trotz zu betören, trug er dem Prinzen die Hand seiner Nichte als Siegespreis an.
Aber Bernhard von Weimar lachte der Ehre, wie Dietrich gegen Byzanz lachte; die hessische Landgräfin war ihm geneigt: von Basel bis Marburg sollte – so ging sein Traum – sein neues Herzogtum reichen, und sollte die Trutzburg des deutschen Evangeliums sein.
Er war die Faust und das Herz, die Trutzburg zu halten, aber der Tod fiel ihn an wie ein räudiger Hund: sein Arzt gab ihm Gift, so sagte er selber; Breisach ist unser! rief fröhlich der Kardinal.
Elsaß zu halten, doch nie das Reich zu verraten; so ging das Testament Bernhards von Weimar an seine Brüder: aber Geld und Gewalt der Franzosen hielten den Raub fest, als die Faust und das Herz nicht mehr schlugen.
Das Ende
Älter als die Jünglinge der Menschen war schon der Krieg, da Bernhard von Weimar die Faust und das Herz seiner Taten zum Sterben hinlegte, und über der Wiege saß manche Mutter, die selber den Frieden nicht kannte.
Bernhard von Weimar war noch ein Held der Hoffnung gewesen; die nach ihm kamen, waren Soldaten, sie kannten nichts als Soldatenglück und Soldatengewalt:
Banner, der Schwede, üppig und wild und verwegen und allen Lastern fröhlich vertraut; mitten im Winter kam er vor Regensburg, den Kaiser mitsamt dem Reichstag zu fangen, aber die Donau ging über Nacht in Tauwetter auf.
Torstenson dann, von der Podagra übel geplagt, aber sein Lehnstuhl fuhr schneller durchs Reich als die Reiter des Kaisers; bei Breitenfeld schlug er sie scharf, wie sein König dem Tilly tat, und seine Scharen streiften vor Wien.
Johann von Werth, der in Jülich Bauernknecht war und ein spanischer Reitersmann wurde; keine Stadt im Reich, die seine Tollheit nicht kannte.
Wie sie einander hinjagten, heute am Rhein und morgen am Lech, wie sie Heuschrecken gleich in die Länder einfielen, wie sie die klägliche Bürger- und Bauernschaft plagten: das war nicht mehr Krieg, das war nur noch Ritt um den Raub und um die Winterquartiere.
Und wie die Herren, so wurden die Knechte: wo ihrer zwölf waren, tat sich der dreizehnte auf als ihr Meister; denn plündern und rauben nährte den Mann nur noch abseits der Straße.
Längst säte der Bauer nur mehr die Felder versteckt in Wäldern und Sümpfen; und was in den Städten noch Bürgerschaft hieß, hielt das zerlöcherte Sieb, aus dem Schlamm der wilden Heervölker den traurigen Satz zu gewinnen.
Wohl hatten Sachsen und Brandenburg Frieden gemacht mit dem Kaiser, aber der Schwede hohnlachte dazu, ihn zu halten; denn längst mit dem König war seine Zucht und Frommheit gefallen.
Schlimmer als je galt das Faustrecht, wüster als je lag der Acker, bitterer als je war die Armut, wilder das Elend, heißer Hunger und Seuche; von Zucht und Sitte war nur ein schmutziger Rest, vom Wohlstand des Reiches nur noch die Sage geblieben.
Als dann Turenne, der Mordbrenner, kam, und Wrangel, der Schwede, ihm half, die Pfalz auszukehren, als Max, der stolze Kurfürst von Bayern, dem Kaiser abfiel im Stillstand von Ulm: da war der Schwur von Loreto am Ende.
Der Frieden zu Münster
Der Frieden kam, wie ein Feuer sich selber die Stätte leer frißt; der Hunger der Länder hing sich dem Wagen der Kriegsvölker an, und vor den Toren der Stadt saß wartend die Seuche.
Sieben Jahre lang siechte der Krieg hin, so hatten die räudigen Hunde der Macht sich verbissen; der Reichstag von Regensburg sollte sein Ende bedeuten, aber der Schwur von Loreto wollte noch immer Machthalter bleiben.
Dann wurde in Hamburg das Ränkespiel anders beschlossen: in Münster und Osnabrück sollten die beiden Heerlager der Räte und Vollmachten sein; aber drei Jahre vergingen, bis die Perücken der feindlichen Völker sich alle einfanden.
Und vier Jahre lang wurden die Akten gewendet, vier Jahre lang zankten die Räte sich um den Rang ihrer hohen Personen, vier Jahre lang schrieben die Federn sich stumpf an spitzen Prämissen: bis endlich der Troß der Gesandten in Münster einfuhr, mit schwarzer Tinte das Blut der Völker zu sühnen.
Der Kaiser hatte das Spiel verloren, aber das Reich mußte die Schulden bezahlen: Schweden nahm Pommern, Rügen und Bremen, Frankreich das Elsaß samt Metz, Toul und Verdun; die Schweiz und das Niederland gaben für immer dem Reich ihren Abschied.
So hatte der Schwur von Loreto ein Aas aus Deutschland gemacht, Fremden zum Fraß, und hatte dem heiligen römischen Reich deutscher Nation den Tag abgeschnitten.
Denn nun waren die Fürsten die Herren; sie durften Bündnisse schließen ohne den Kaiser, sie konnten in Frankreich, England und Schweden den Trotz stärken gegen den Kaiser: das Reich war keine Reichsherrlichkeit mehr.
Kirche und Kaiser waren das Herz und die Hand der christlichen Weltmacht gewesen und hatten den Bogen gespannt über die Völker: nun saß der Kaiser zwar noch in seiner Hofburg, aber das Reich gehörte den Fürsten.
Katholisch, lutherisch und reformiert konnte der Landesherr sein, wie er wollte; nur einen anderen Glauben als seinen brauchte er bei dem Untertan nicht zu dulden.
Frieden auf Erden hatte die Botschaft versprochen und hatte den wildesten Krieg über Deutschland gebracht; als gläubiger Christ hüben und drüben war der deutsche Mensch in die Zwietracht geraten, daß er dem Bruder die Glaubensgründe bestritt: in Konfessionen geschieden hatte das deutsche Volk die Einheit der Seele verloren.