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Die dreizehn Bücher der deutschen Seele

Chapter 357: Der Aufruhr
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About This Book

A sequence of lyrical essays and mythic narratives probes the inward depths of personal and collective being, contrasting the shallow surface of memory with an abyssal wellspring where past and destiny mingle. Drawing on creation myths and heroic lore, the text reimagines divine origins and struggles among gods, giants, and fate-spinners, and traces how wisdom, guilt, and power shape cosmic and human order. Meditative passages reflect on memory, consciousness, and the persistence of primal forces beneath everyday life, while retellings of divine conflict and sacrifice examine responsibility, prophecy, and the burden of knowledge.

Feinde ringsum

Der Oheim Wilhelm des Zweiten war König von England geworden; er haßte den Neffen in Potsdam und hing seinem Prunkmantel hämisch ein Schellenband an.

Er war schon ins Alter gekommen, als seine Mutter Victoria starb; aber die Welt kannte den Prinzen von Wales, der in Paris und in London gleichviel als Lebemann galt, weil er das Reich der Mode regierte.

Neun Jahre nur blieben ihm noch für den Thron, aber neun Jahre reichten dem König Eduard aus, in den Machthändeln der Welt nicht weniger gut als in der Mode zu führen.

Vielerlei Feinde zählte der britische Stolz auf der Erde; der stärkste war Rußland, aber der nächste war ihm der deutsche Vetter geworden: den stärksten Feind auf den nächsten zu hetzen, sollte das Meisterstück Eduards sein.

Er trug keine schimmernde Wehr wie sein Neffe, er war ein König im Straßenkleid, der besser die Kunst, sanft und höhnisch zu lächeln, als die der schwellenden Rede verstand; er wußte als Weltmann auf Reisen höflich zu sein, nur in Berlin war er es nicht.

Als seine Lebenszeit um war, hatte sich nichts im Abendland sichtbar verändert: der deutsche Welthandel wuchs aus Wohlstand zu Reichtum, Wilhelm der Zweite sprach von der gepanzerten Faust und hieß der Zukunft auf dem Wasser die Schlachtflotte bauen.

Frankreich war trächtig an seinem Traum der Revanche, Rußland sah nach Byzanz, Italien unterschrieb dem Dreibund die Wechsel auf kurze Sicht, Österreich wühlte sich ein in den Balkan.

Alles war wie zuvor, die Waffen starrten im Gleichgewicht und der Frieden hing an der Waage: nur die heimlichen Tiefen der Mächte hatten sich trübe gefüllt.

Ein Vierteljahrhundert war seit den stolzen Tagen vergangen, da Bismarck als ehrlicher Makler am Tisch saß, obenan bei den Mächten; ein Vierteljahrhundert hatte den Haß gegen Deutschland gerüstet, und der ihm der treueste Freund schien, war in der Rechnung der Mächte sein gefährlichster Feind.

Habsburg

Das Habsburger Kaisertum war die Erbschaft vergangener Fürstengewalt über widerstreitende Völker: Ungarn und Tschechen, Polen, Slowaken, Ruthenen, Kroaten und Serben, Rumänen und Italiener waren der deutschen Vorherrschaft feind.

Und keiner Regierung gelang es, den Ausgleich zu finden; was den einen zuliebe geschah, geschah den andern zuleide: ein babylonischer Turm blieb der Reichsrat in Wien mit seiner Völker- und Sprachenverwirrung.

Bunt wie das Völkergemisch war auch das Wechselspiel seiner Minister, der klugen und dummen, der gerechten und schlechten: die Völker im Reichsrat ließen sie kommen und hießen sie gehen; und keiner war mehr als ein flüchtiger Schatten.

Nur der Kaiser Franz Joseph in Wien gab seinen schläfrigen Stundenschlag durch die Verwirrung; seit Metternich ging, war er da, längst mehr als ein halbes Jahrhundert; die Kaiserin wurde erstochen, der Kronprinz, sein einziger Sohn, lag auf der blutigen Bahre: den Kaiser Franz Joseph hatte das Schicksal vergessen.

Ein kahler Baum im Schlinggewächs streitender Völker war die Habsburger Macht; ein geiler Trieb wollte ihm neues Holz geben: der Thronfolger-Erzherzog wollte noch einmal ein Habsburger Ferdinand sein.

Denn die Kirche allein war die Einheit der streitenden Völker in Österreich, nur ihr gehorsamer Diener konnte noch einmal die Vielheit beherrschen: und Franz Ferdinand war ein gehorsamer Diener der Kirche.

Groß-Österreich wollte er bauen und tief in den Balkan hinein sollte das Fundament seines babylonischen Turms reichen; indessen der Staat Metternichs starb, weil seine Vielheit feindlicher Völker kein Volk war, hörte die Habsburger Habsucht nicht auf, von Ländergewinn und Eroberungskriegen zu träumen.

Als sie das Recht ihrer Krone über Bosnien streckte, war der Krieg angesagt, der Krieg mit den slawischen Völkern im Balkan und ihrem mächtigen Schutzherrn im Osten.

Denn Serbien lag als ein Stein vor der Tür in den Balkan; sollte Groß-Österreich werden, war Belgrad der Schlüssel, und sollte der Schlüssel Habsburg gehören, mußte das serbische Volk samt seinem russischen Schutzherrn gedemütigt sein.

Frechheit und Leichtsinn reichten einander die Hände, da Habsburg solch ein vermessenes Glücksspiel begann; und Habsburg wußte genau, daß es allein nichts vermochte: aber der mächtige Bruder im Norden sollte sein ehrliches Schwert über der blinden Vermessenheit halten.

Serajewo

Franz Ferdinand wollte den bosniakischen Völkern den kommenden Landesherrn zeigen; in Serajewo traf ihn die Kugel eines Studenten; die zweite Kugel sollte den Statthalter treffen und fand die Thronfolger-Fürstin.

Die Tat geschah am hellichten Tag, und der Mörder wurde ergriffen samt seinen Genossen; aber der Mord schrie nach größerer Rache.

In Belgrad war der Mord von Serajewo geplant und beschworen; ihn zu sühnen, wurde das serbische Volk vor eine kurze Frist und eine harte Entscheidung gestellt.

Sie wußten genau in der Hofburg, Serbien treffen, hieß Rußland entfachen; das sollte die Sorge des stärkeren Bruders im Dreibund sein.

Der stärkere Bruder im Dreibund hatte für einen Glücksspieler gebürgt; als er die Karten aufgedeckt sah, war es zu spät, die Bürgschaft zu lösen.

Er hatte in schimmernder Wehr mit seiner Treue geprahlt; nun brannte der Saal und der Nibelungenkampf begann auf Leben und Sterben.

Der Weltkrieg

Deutschland erklärte Rußland den Krieg, und die Welt verfluchte den Friedensstörer; Deutschland marschierte in Belgien ein, und die Welt schrie nach Rache; Deutschland stand auf, wie ein Volk um sein Dasein aufsteht, und die Welt war bereit, sein Dasein zu löschen.

So war es schon einmal, als Friedrich in Sachsen einbrach, als Österreich, Rußland und Frankreich, samt seinen Trabanten im Rheinbund, mit ihrer Unschuld dastanden und engelrein kamen, den Bösewicht zu bestrafen.

Frankreich hatte nicht Jahr für Jahr um seine Revanche gefiebert; Rußland hatte nicht Bahnen gebaut und zum Krieg gerüstet mit dem Geld der Franzosen; England hatte nur friedliche Freundschaft gesät in Frankreich und Rußland.

Nie sah die Welt so ehrlich entrüstete Mienen, als da der Tag kam, den sie alle gewollt hatten; nie ging ein Volk so blind in die Falle, als da die Deutschen Habsburg zuliebe in das geschliffene Schwert rannten; nie hatte ein Volk seinen Führern so töricht getraut und sie leichtfertig gehen lassen; nie war eine Schuld so schief und ein Schicksal so aus der Schulter gerissen.

Der Krieg stand vor der Tür, und Wilhelm der Zweite ging auf die Reise; sein Kanzler sah weisheitsvoll zu, wie das Reich eingespannt wurde vor den Habsburger Wagen; die Bundesfürsten und all ihre klugen Minister ließen die Dinge geschehen, als ob der kommende Tag ein Manöver und das heiligste Ding in der Welt eine mißbrauchte Bundespflicht wäre.

Aber tief in den Gründen des Volkes gerannen die Säfte der Zeit; die alte und neue Zwietracht fühlten die Stunde gekommen für ihre Ernte, die dritte stand todesbereit.

Aller Wohlstand der Städte und all die neue Reichsherrlichkeit war nur der Tanz um das goldene Kalb, all die prahlende Pracht nur die Jagd nach dem Glück und all die fiebernde Hast nur die tiefe Enttäuschung gewesen.

Die goldene Spinne hatte in allen Herzen gesessen, sie hatte den Armen geplagt und den Reichen gehetzt und hatte den Menschen die Seele gefressen: Glück war Genuß, Genuß war Gier, Freiheit war Willkür, Schönheit war Schein und Würde war falsche Währung geworden.

So stieg der Groll aus den Tiefen und sah ein anderes Glück auf die Spitze des Degens gestellt, als das in all den Geschäften, Büros und Fabriken, Straßen und Bierhallen der prahlenden Städte zuhaus war.

Aber der Groll war nur Schaum in den Wogen; die Wogen gingen um Macht, wie sie in England, Frankreich und Rußland um Macht gingen; und Macht hieß vom Reichtum der Erde mehr als die andern besitzen.

Die Schuld

Willst du den Frieden, so rüste für den Krieg! stand über den Türen der Staaten, aber das doppelzüngige Wort hatte das Abendland in die Hölle geführt; denn wer den Krieg rüstet, der züchtet ihn groß, und wer ihn züchtet, den will er fressen.

Eisen und Blut hatte Bismarck verkündigt, aber Eisen und Blut heißt die Gewalt; Gewalt heißt mißbrauchte Macht; Widergewalt oder Knechtschaft, anderes kann sie nicht züchten: Widergewalt gaben einander die Staaten im Abendland, Knechtschaft war über den wehrlosen Völkern der Erde.

Sie hießen sich christliche Völker und lebten im Haß; sie sangen Frieden auf Erden und starrten auf Krieg; sie rühmten sich ihrer Kultur und maßen sich mit Kanonen.

Raubtieren gleich saßen sie hinter den Gittern, Raubtieren gleich streiften sie über die fernsten Felder der Erde, ihren Raub unter den wehrlosen Völkern zu finden.

Und all ihr Begehren, ihr Streit und die tödliche Feindschaft ging um den Fraß: Kolonien hießen sie ihren Futterplatz, Kriegsflotten ihre Krallen, und abendländische Kultur die Verderbnis und Sklaverei, die sie in alle Erdteile brachten.

Willst du Gewalt, so rüste den Krieg! willst du den Mißbrauch der Macht, so mache dich mächtig, Gewalt zu gebrauchen! und willst du Frieden, so bist du ein Schaf unter Wölfen!

Rußland mußte das Meer haben, aber das Meer stand ihm offen für alle seine Schiffe, solange nicht Krieg war; England mußte den Seeweg nach Indien schützen, aber im Frieden konnte ein Hochzeitspaar mit der Schaluppe nach Indien fahren; Deutschland mußte die englische Seeherrschaft brechen, aber die Häfen der Welt waren der schwarzweißroten Flagge geöffnet, bis sie der Krieg zumachte.

Das Abendland wollte den Krieg, weil sein Dasein Gewalt war; als es ihn vierzig Jahre lang gezüchtet hatte, konnten die Gitterstäbe des Friedens das Raubgetier nicht mehr halten.

Die Marneschlacht

Als die Deutschen wieder nach Frankreich marschierten, sollte noch einmal die Zange den raschen Feldzug gewinnen; indessen von Metz bis Mühlhausen nur eine Scheinmacht anrannte, sollte der weitaus gewaltigere Flügel von Norden einschwenkend das feindliche Heer in seinen eigenen Festungswall pressen.

Wohl konnte das übergewaltige Kriegsvolk der Deutschen das belgische Heer überrennen, aber von Lüttich bis Charleroi floß viel Blut in die Spur; und jedes Dorf, das an der Maas brannte, war der Welt eine lodernde Fackel, das deutsche Unrecht grell zu beleuchten.

Auch hielten die harten Kämpfe den Einmarsch tagelang hin; als die Deutschen nach Charleroi kamen, fanden sie schon die Franzosen.

Von Verdun bis Lille stand ihre Front kampfbereit und mußte in schweren Stürmen berannt sein, indessen aus Flandern das englische Heer die deutsche Flanke bedrohte.

Aber dem Ungetüm schien der gewaltige Schlag doch zu gelingen: in breiter Flucht wankte die Mauer der stolzen Franzosen, über die katalaunischen Felder rollten die Trümmer hin.

Schon schwärmten die deutschen Ulanen gegen die Seine, der Donner naher Kanonen schreckte Paris, der Präsident samt den Ministern floh nach Bordeaux, als sich die Absicht der Zange enthüllte.

Einem gewaltigen Torflügel gleich drehte die deutsche Front sich nach Osten, die Riegel streiften Paris und gingen bei Meaux über die Marne hinüber, die katalaunischen Felder von Westen umfassend.

Zu riesenhaft waren die Massen der Männer, Rosse, Kanonen und Wagen, die tagelang vorgestürmt waren; als sich die Heerhaufen zu kreuzen begannen, als der Befehl sich verwirrte, mußten die Deutschen zurück: die Schwenkung war über die eigenen Füße gestolpert; die Führung hatte den Griff der Zange verloren.

Wohl konnten die Heere sich sammeln und über dem weißen Staub der Champagne eine festere Mauer aufstellen, als vordem die der Franzosen: aber die Marneschlacht war verspielt, der große Schlag war mißglückt, ein anderer Feldzug mußte beginnen.

Nur noch am äußersten Flügel im Westen fraß sich der Feuerbrand hin; die Heere wollten einander umfassen und rissen die Schlacht nach Norden, bis sie nach blutigen Wochen in Flandern erstickte, bis die Mauer der Deutschen von Basel bis Ypern kampfbereit stand.

Die rasende Fahrt der Kanonen über die Straßen und Felder, das rasche Reitergefecht, der nächtliche Marsch zur Umfassung, der Sturmangriff der Bajonette: was sonst den fröhlichen Feldzug machte, kam nun zur Ruhe, der Schützengraben wühlte den Krieg in die Erde.

Hindenburg

Indessen der Krieg mit seinen Schrecken und Leiden über Belgien hinfuhr, indessen die Schlacht an der Marne den deutschen Siegeszug hemmte, daß der fressende Feuerbrand aus Frankreich nach Flandern hinüber flammte; kam er von Osten gegen Deutschland gezogen.

Österreich wollte der Russenmacht wehren, aber sein Holzschwert zerbrach ihm; unwiderstehlich drängten die russischen Heere nach Westen: das Abendland hatte gerufen und Asien kam, den Ruf zu erfüllen.

Wie ein Land unter Wasser gerät – ein Damm ist gebrochen, und überall quellen die Ströme – so kam die Russengefahr über Preußen: Tilsit, Gumbinnen und Insterburg waren von ihren Scharen erfüllt, Königsberg wurde bedroht von den raschen Kosaken, der Schrecken schäumte die Flüchtlinge gegen Berlin.

Aber die Tage von Tannenberg setzten der Furcht und der Flucht ein fröhliches Ende: Hindenburg kam, den sie danach den Russenschreck nannten, und wurde der Retter des preußischen Landes.

Er war schon ein Greis und niemand hatte den Mann gekannt, der über allen Männern des Krieges fortab gerühmt war: ein Vater Blücher zum andernmal und wie der Held an der Katzbach geliebt von seinen Soldaten.

Er lockte das russische Heer in die masurischen Sümpfe und stellte die Falle so listig, daß nach der verlorenen Schlacht nur noch der Nachhut der Russen die eilige Flucht glückte.

Seit Sedan sah kein Schlachtfeld solch einen Sieg, wie der bei Tannenberg wurde; die Welt horchte auf, daß wieder ein Feldherr am Werk war; den Deutschen wurde der Name Hindenburg teuer, als ob der Name allein ein Siegespfand wäre.

Die Blockade

So hatte der Krieg mit gewaltigen Schlägen begonnen, froh wehten die Fahnen in Deutschland: sie wehten Sieg, aber sie wehten kein Ende; denn der Feind war nicht Frankreich und Rußland, der Feind war England, und England saß hinter dem Wasser.

Wohl lagen die großen Schlachtschiffe gerüstet zum Kampf im Troß ihrer Kreuzer; sie konnten die Küsten beschützen, den Kampf in Feindesland tragen konnten sie nicht: sie mußten lauern und warten, was England, dem Seeherrn, beliebte.

England, der Seeherr, brauchte sich nicht zu beeilen; ihm saß der Feind in der Falle, ihm konnte er siegen gegen die Russen und festhalten in Frankreich, und war doch verloren.

Denn England sperrte die Nordsee; und Deutschland mit all seinen Soldaten und ihrer Todesbereitschaft, mit seinen Fabriken und volkreichen Städten im kargen Land, Deutschland mit all seinen flatternden Fahnen und allen Wimpeln der Flotte war nur eine belagerte Festung; und eine belagerte Festung besiegte der Hunger.

Englische List und Gewalt mußten der Festung den letzten Weg in die Welt verriegeln; daß aber List und Gewalt gerecht und geehrt unter den Völkern daständen, mußte der Deutsche das Recht und die Achtung des ehrlichen Mannes verlieren.

So wurden auf allen Straßen der Welt die deutschen Greuel verkündigt; so wurde ein ehrliches Volk unehrlich gesprochen; so wurden Groll und Geschäftsneid der Völker zum Haß aufgestachelt.

Alle die Völker der Erde, die weißen, schwarzen und gelben: alle wurden gerufen, als Kläger, Richter und Büttel der englischen Feindschaft Gericht über Deutschland zu halten.

Alle hatten angeblich den Nächsten geliebt und seine Rechte geachtet, keiner hatte je einem Gewalt angetan, wie der Burenbezwinger, der Schutzherr Ägyptens und gütige Pfleger der indischen Völker mit ehrlicher Miene bezeugte: nur Deutschland allein hatte zuerst das Geschäft und danach den Frieden gestört.

List und Gewalt der Blockade sperrten der Festung die letzte Hintertür zu; mochten die deutschen Soldaten in Frankreich und Flandern, in Polen und Rußland ihr hartes Männerwerk tun, an ihren Frauen und Kindern mußten sie dennoch verlieren; England stand vor der Welt im Glorienschein seiner Gerechtigkeit da.

Der Schützengraben

Die Feldheere hatten in Frankreich vergeblich gerungen; als die Russengefahr Hindenburg rief, lag im Westen der Krieg an der Kette, die Ring um Ring ineinander geschmiedet von Flandern zum Elsaß die feindlichen Heere verband.

Ein stummes Gewühl war gewesen durch Tage und Nächte, Spaten und Hacken hatten die Löcher gegraben, darin die Männer nun saßen, vor Kugeln gesichert, darin sie Rast und Unterstand hatten nach wilden Märschen und blutigen Schlachten.

Aber der Unterstand wurde die Wohnung für Wochen, und Wochen liefen in Monaten hin; da waren die Gräben und Löcher nichts nütze, da wurde die Front vom Elsaß nach Flandern als Festung gebaut.

Schützengräben, künstlich gewinkelt, waren die Brustwehr, wenn irgend ein Angriff die Männer aus ihren Höhlen heraus rief; sonst saßen sie sicher geschützt in den Kammern, dahin die Treppen tief in die Erde hinunter gingen.

Nur die Horchposten standen im Stahlhelm; wie einmal die Torwächter spähten sie aus nach dem Feind, der drüben gleichso verbaut saß.

Hüben und drüben der Graben mit seiner Brustwehr, kaum sichtbar erhöht, manchmal am Himmel das dralle Gewölk der Schrapnelle oder der bräunliche Rauch großer Kanonen, selten ein Schuß in der Nähe, nur unaufhörlich das ferne Gegroll: so war der Krieg in die Stille gesunken.

Aber die Stille war Tücke: tief in der Erde wurden die heimlichen Gänge gebohrt, eine Mine sprang gegen den Unterstand auf, alles mit Feuer und Eisen und Hölle vernichtend; oder ein Schuß schnitt seinen Blitz zu spät in die Nacht, Siegergeheul und Todesröcheln erfüllten die Gräben.

Aber die Raubtiere, einander belauernd vom Elsaß bis Flandern, konnten auch friedlicher sein: ein sonniger Wintertag rief sie heraus aus den Löchern; da saßen sie da in den Gräben, rauchten und lachten und riefen einander mit fremdem Mund spöttische Worte hinüber.

Auch konnte die Neugier sie packen, einander mit Augen zu messen; dann trauten sie ihren Zeichen, kamen herauf auf die Brustwehr und sahen die fremde Lehmgestalt an mit seltsamen Augen, daß solches geschähe: Mensch gegen Mensch entfesselt durch Wochen und Monde, gestern noch blutrünstige Tiere und heute harmlose und fröhliche Knaben.

Alle hatten daheim eine Mutter, eine Braut oder gar eine Frau mit ihren Kindern, den Stall und das Feld, den Schraubstock oder den Schreibtisch treu zu besorgen, indessen sie hier in der Fremde dem Tod und der Trübsal verkauft waren.

Es konnte schon morgen geschehen, daß die grollende Ferne über sie fiel mit Granaten, daß die Kanonen hüben und drüben den Feuerkampf um den Graben begannen.

Dann kam das Unheil heulend geflogen, Zentner von Eisen bohrten sich ein in den Grund und zersprangen im Feuer; brüllender Donner, Blitz und Schlag unaufhörlich; ein feuriger Krater, tief aus der Erde gerissen, verschüttete Männer, Graben und Unterstand.

Trommelfeuer hießen sie das, wenn sie in ihren Höhlen dasaßen, stumm und geduckt, und die Hölle raste über sie hin, Stunden um Stunden, manchesmal Tage erbarmungslos füllend.

Da wurde die letzte Fröhlichkeit still, da bebte die tapferste Seele, da war der Mensch nur noch Kreatur, aus Raum und Zeit zurück in den Abgrund der Schöpfung gerissen.

Und wenn die Hölle ausgerast hatte, wenn das Donnergebrüll schwieg und die gepeinigte Erde zu zittern aufhörte, fing die Vernichtung ihr letztes Mörderwerk an: Hyänen kamen gesprungen, die Opfermahlzeit zu halten; Handgranaten und Messer mußten dem letzten Verzweiflungskampf dienen.

Und einmal war alles vorüber, die Verwundeten waren verbunden, die Verschütteten ausgescharrt, die Toten begraben, Brustwehr und Graben von Blut und Gedärm, vom Unrat des Todes gereinigt: Stille stand über dem Graben, nur das dumpfe Gegroll in der Ferne, am Himmel das dralle Gewölk der Schrapnelle.

Bis wieder nach Stunden, nach Tagen, nach Wochen die Hölle anfing, wie es der Heerbefehl wollte, dem alle diese Männer hüben und drüben in ihren Höhlen, als ihrem Schicksal blind untertan waren.

Die belagerte Festung

Eine belagerte Festung war Deutschland im Weltkrieg, und alle Tapferkeit konnte dem Hunger kein Tor öffnen.

Hindenburg hatte im Osten den russischen Sturm abgeschlagen und Polen zum Bollwerk der Festung gemacht; im Westen hielt eine Mauer aus Stahl und Treue der Heimat den Feind fern: aber das Außenwerk hier wie dort konnte den Frauen und Kindern kein Brot bringen.

Als Mackensen dann mit Conrad von Hötzendorf in Galizien siegte und die russische Front weit in die Sümpfe zurückwarf, waren unendliche Weiten und Wüsten erobert, die russische Kornkammer war es nicht.

So mußte die Tapferkeit weiteren Weg suchen; über den Balkan brauste sie hin zu den Türken; Serbiens kurzes Siegerglück sank vor der deutschen Übermacht nieder: aber der Weg nach Bagdad führte nur in die Wüste.

Auch der heilige Krieg des Propheten half der Festung nicht aus dem Hunger; der Halbmond war in den türkischen Angeln verrostet, der kranke Mann in Byzanz konnte kein Wunder im Morgenland wirken.

Die deutsche Tapferkeit hatte – das mußte sie bitter erfahren – nichts als ihr Schwert; nie hatte sein Schlag so harte Taten getan, als da es vor seinem Untergang stand.

Wie einmal die Goten ihr kurzes Schwertherrenglück hatten, wie Alarich über Rom siegte und doch nur ein Straßenkönig war, wie der Ruhm des tapferen Todes um Totilas blühte: so wurde das deutsche Schicksal noch einmal erfüllt.

Völkerwanderung war wieder wie damals; die Straßen des Abendlandes hallten von ihren Schritten; von Ypern über die Dardanellen, vom Idsteiner Klotz bis Riga donnerten ihre Kanonen, und wie zu Kreuzritterzeiten flatterten deutsche Fahnen im heiligen Land.

Seit dem Kriegsherrn aus Korsika sah der Dämon des Krieges nicht solche Taten; und wo seine große Armee im russischen Winter verdarb, standen die Deutschen getrost und rasteten nicht, bis sie die Zarenherrschaft zerschlugen.

So grausamen Hohn hatte das Schicksal dem deutschen Schwert aufgespart, daß es der englischen Weltherrschaft diente, indem sein tödlicher Schlag das Russenreich traf.

Unter den Feinden Englands war Deutschland der nächste, Rußland der stärkste; als der nächste den stärksten bezwang, hatte das deutsche Schwert den Krieg für den englischen Seeherrn gewonnen.

Denn nun stand Deutschland als Todfeind Englands allein; die belagerte Festung hatte sich selber das letzte Bollwerk zerstört: England konnte getrost auf den Tag warten, da der Hunger der deutschen Tapferkeit das Schwert aus der Hand nahm.

Das Unterseeboot

Wohl streckten die norddeutschen Länder sich an der kalten Meerküste hin, aber die Ostsee war nur ein Schlauch, und die Nordsee hießen die Seeleute spöttisch den nassen Sack.

Die englischen Schlachtschiffe brauchten sich nicht aus den sicheren Häfen zu rühren; die schnellen Kreuzer allein hielten Wacht, sie zu rufen, wenn ein Feind in den nassen Sack kam.

So lag die Flotte des Kaisers wie ein Hund an der Kette; die noch draußen im Weltmeer schwammen, als der Krieg kam, die großen und kleinen Kreuzer konnten die Heimfahrt nicht finden und mußten tollkühn den eigenen Straßenkrieg wagen.

Goeben und Breslau, die Kreuzer im Mittelmeer, schlugen sich durch zu den Türken; das kleine Geschwader des Grafen Spee mehrte vor Chile den deutschen Sieg und fand am Kap Horn seinen grausamen Untergang.

Die Königsberg kreuzte bei Sansibar und die Emden bei Singapure; sie führten den Kaperkrieg, und wie ein Wolf unter den Schafen störte die Emden die englische Schiffahrt, bis eine ganze Flotte auslief, den frechen Kreuzer zu fangen.

Tapfer und tollkühn waren die Taten, und die Welt hörte erstaunt, was der tollkühne Seemann vermochte; und als die versprengte Mannschaft der Emden auf einem Kutter die Argonautenfahrt machte und aus der Südsee über Arabien glücklich heimfand, sang der Ruhm um die Männer.

Aber der tollkühne Mut und der Ruhm, das Seefahrerglück und der tapfere Untergang halfen der deutschen Schlachtflotte nicht aus dem nassen Sack und der darbenden Heimat nicht aus der Blockade.

Das Unterseeboot allein konnte ihr trotzen, konnte den hungernden Frauen und Kindern ein Rächer, den Brüdern in Frankreich ein Nothelfer sein.

Einem Seehund gleich schwamm es hinaus, kaum sichtbar über den Wellen; wenn Gefahr kam, konnte es tauchen, und wenn es den Feind suchte, ragte sein Sehrohr allein aus dem Wasser.

Ehe die feindlichen Augen sein tückisches Dasein erspäht hatten, riß sein Torpedo den Schaumstreifen auf; zu spät erblickten sie ihn, schon kam der krachende Stoß und warf das Schiff auseinander.

Im eisernen Bauch des Seehunds saßen die Männer, eng aneinander gedrängt neben dem stampfenden Raum der Maschinen, die tagelang so durch die Meerwüste schwammen, immer des Todes gewärtig und immer bereit, ihn zu senden.

Noch waren der tückischen Boote zu wenig, dem Seeherrn Sorge zu machen; als aber ein einziges Boot im Kanal in einer Stunde drei große Kreuzer trotz ihren Kanonen und ihrem gepanzerten Bauch auf den Meeresgrund schickte, ging das Gespenst der Furcht um die Küsten von England und wurde nicht nur von den Kindern gesehen.

Auf den Werften der kalten Meeresküste lagen die eisernen Bäuche der Unterseeboote dicht bei einander, Tag und Nacht wurde daran mit hundert Händen gehämmert, und wo ein grauer Bauch in das schäumende Wasser abrollte, lag ein neues Gerüst schon bereit.

So war der nasse Sack nicht mehr zu; die schnellen Kreuzer konnten nicht mehr die großen Schlachtschiffe rufen, sie konnten nur warnen vor dem gefährlichen Feind und mußten in jeder Minute bereit sein, am eigenen Leib den Stachel zu fühlen.

Die englische Insel kam in Gefahr, selber belagerte Festung zu werden, selber an Frauen und Kindern die Grausamkeit ihrer Blockade zu spüren; und Deutschland fieberte auf, doch noch den Sieg heim zu bringen.

Immer größere Boote wurden gebaut und immer grausamer rasten die Dieselmotore, die eisernen Bäuche durchs Wasser zu peitschen, immer mehr stolze Schiffsleiber sanken durch ihre Torpedos, immer mehr Augen in England sahen das graue Gespenst an den Küsten.

Aber das Weltmeer war groß, zu stark waren die englischen Häfen, der Schiffe zuviel und mehr noch der Werften, neue zu bauen; auch war der Kanal durch Netze und Minen gesperrt und der Weg um die schottische Felsküste ging weit und gefährlich.

Als die Ziffer der Riesenverluste langsam zu sinken begann, hatte der Seeherr den Krieg doch wieder gewonnen; ihm den sicheren Sieg zu entreißen, mußte die Mauer aus Stahl und Treue im Westen noch einmal die Marneschlacht wagen.

Ludendorff

Als die deutschen Soldaten nach Frankreich marschierten, trug der Mann sein Gewehr, wie einmal der Landsknecht die Lanze; marschieren und stürmen, die Kugel senden und empfangen, sollte sein Kriegshandwerk sein.

So aber wurde der Krieg in den Jahren, da ihn der Schützengraben verschluckte, da die feldgrauen Männer Monde und Jahre in ihren Erdlöchern hausten, da die Mauer aus Stahl und Treue dem Trommelfeuer standhalten mußte: Das Gewehr hing am Nagel, aber die Handgranate am Gürtel; denn das Handgemenge im Graben war nun das Gefecht, Mann gegen Mann, Messer gegen Messer.

Und auch das Grabengefecht war nur noch das Blutgerinnsel des Krieges; denn der Krieg war die Menschenvernichtung der elementarischen Mächte.

Feuer, Wasser und Luft: alles hatte der Menschengeist auf seiner Erde gebändigt; wie ein Zauberer die Geister in seinen Zirkel zwingt, mußten die Mächte ihm dienen zur Arbeit; als er sie aufrief zum Streit, war der Zirkel gesprengt, und über ihn selber kamen die Mächte mit ihrer Vernichtung.

Denn ein Krieg der Fabriken, nicht mehr der tapferen Männer war dies, daß eiserne Särge voll Feuer und Gift und Vernichtung meilenweit durch die Luft kamen, daß ihr Niederschlag die Krater der Erde aufriß.

Daß giftige Gasschwaden über die Erde hinkrochen, in alle Spalten, Gräben und Erdlöcher dringend und alles Dasein bis in die Gründe vernichtend.

Daß die Soldaten, hüben und drüben gleiches erduldend, mit ihren Gasmasken unter dem Stahlhelm gleich unheimlichen Tieren am Rande des Todes hausten.

Daß Fliegergeschwader – über den Vögeln zu fliegen wie unter den Fischen zu schwimmen hatte der Mensch die Maschine gelehrt – die eiserne Fracht ihrer Bomben abwarfen, hoch aus den Lüften, weit hinter der Schlacht die Städte zerstörend.

Aber der Krieg der Fabriken wurde genährt durch die Schätze der Erde; wollte sich die belagerte Festung solcher Übermacht wehren, mußte sie gegen die Länder der Feinde die stärkste Fabrik sein.

Der Dämon des Krieges raste zur letzten Vernichtung, und Ludendorff wollte sein harter Zuchtmeister werden; der lange im Schatten Hindenburgs stand und der eiserne Wille der deutschen Feldsiege war, trat grell in den Tag, den Sieg und den Frieden unbeugsam zu zwingen.

Den Krieg gewann die stärkste Fabrik, und Ludendorff hieß der Fabrikherr: alles, was nicht an der Front war, Männer, Frauen und Kinder, alles was noch einen Arm hatte, mußte dem Vaterland dienen; denn das Vaterland war der Krieg, und der Krieg war die Fabrik.

So war der Krieg ehrlicher Heere zum Haßkampf der Völker geworden, aber der Haßkampf der Völker wurde zur Menschenvernichtung der elementarischen Mächte.

Der sich hochmütig den Herrn der Natur hieß, der Menschengeist hatte vergessen, daß er selber nur ihr Geschöpf, zwischen den höll- und himmlischen Mächten der Knecht ihrer und seiner Leidenschaft war.

Die vierzehn Punkte

Götterdämmerung war über die Menschheit gefallen, im Aufruhr der Mächte brannte das Abendland hin; da kam eine Stimme von Westen und mahnte den Menschen an seine Vernunft.

Millionen Männer waren gefallen, Millionen verkrüppelt, Städte und Dörfer verbrannt, und blühende Landschaften lagen verödet: die Völker waren der Greuel von Herzen müde, aber der Krieg raste weiter, weil der Aufruhr der Mächte über dem Menschengeist war.

Wilson war die Stimme geheißen und die Stelle, wo sie erklang – das Weiße Haus der Vereinigten Staaten – war die stärkste Stelle der Welt: so mußte die Menschheit die Botschaft anhören.

Frieden und Völkerbund waren die Worte der Botschaft: ein Frieden, gerecht und gegen die Raubgier der Staaten gerichtet; ein Völkerbund, stark und streng, dem Frieden auf Erden das Schild der Gerechtigkeit vorzuhalten.

Vierzehn Punkte, in klaren Sätzen eindeutig gesprochen, sollten den Frieden erzwingen: wer sie verwarf, verwarf die Vernunft und war vor der Menschheit verworfen; wer sie annahm, erklärte sich an die Vernunft des Völkerbundes gebunden.

So sprach die Stimme von Westen und ihre Stelle war stärker als eine auf Erden; die neue Welt wollte der alten Schiedsrichter sein, aber sie konnte die Zeit nicht erwarten: sie wurde Kläger, Richter und Büttel.

Amerika kam in den Krieg, als Kläger, Richter und Büttel für England den Sieg zu erzwingen; England war die Gerechtigkeit, und Deutschland war der Verbrecher.

Aber die vierzehn Punkte waren geblieben; die selben Sätze sollten den Frieden bereiten und wurden das böseste Mittel des Krieges:

Granaten schütteten Feuer über die Front und Flieger Brand auf die Städte, aber sie konnten die Mauer aus Stahl und Treue und die Stärke der Heimat nicht brechen; die vierzehn Sätze trafen die Herzen und höhlten sie aus.

Denn so war der raunende Klang ihrer Stimme: der Frieden steht längst vor der Tür, nur die den Krieg führten, halten die Tür zu; Macht ringt mit Macht und will die Vernunft nicht hören; Macht mordet die Männer umsonst, und die Vernunft könnte ihr Leben erhalten!

Eine schleichende Krankheit fiel auf den Krieg, das Blut in den Adern zu schwächen; und mählich begann das deutsche Gewissen, sein gläubiges Recht mit der Sorge des Unrechts zu mischen.

Der letzte Ausfall

Das Ende kam, wie es mußte; aber als wollte es aller Tapferkeit höhnen, ließ es den deutschen Stern steigen, bis es den Glanz und das Glück der Macht in einem begrub.

Unbesiegt standen die Deutschen in Frankreich; das mächtige Zarenreich hatte der deutsche Hammer zerschlagen und den rumänischen Dünkel dazu; Italien mußte zuletzt seinen Schlag spüren.

Der Bundesbruder im Dreibund hatte den Wechsel gefälscht, weil ihm der Lohn winkte; Trient und Triest heimzuholen, ließ er die Fahnen flattern, als Habsburg in Not war.

Aber die Männer der Steiermark, von Tirol und Kärnten trugen kein Holzschwert; sie kannten die Welschen und wußten die Heimat vor ihrem Todfeind zu schützen.

Elfmal liefen die Welschen Sturm am Isonzo und konnten den Weg nach Triest doch nicht erzwingen; die Grenzwacht der alten Grafschaft Tirol stand in den Bergen, als ob Andreas Hofer noch einmal bei ihrer Jungmannschaft wäre.

Zwei Jahre lang hielten sie tapfer die Südmark, dann hatte der Bruder im Norden das Schwert frei, den welschen Bedränger zu strafen: was er in Monden und Jahren mühsam ernagt hatte, mußte er lassen in Tagen; statt am Isonzo stand nun die Front am Piave.

So war der Feind vor den Toren der Festung im Süden und Osten geschlagen, aber im Westen drohte seine gewaltigste Macht; sollte das Ende der langen Belagerung kommen, mußte das Tor gegen Westen befreit sein.

Der vierte Frühling des Krieges fing an, in den Knospen zu drängen, die Leiden des vierten Winters hatten die Frauen und Kinder ertragen, als die belagerte Festung den letzten Ausfall zu wagen bereit war.

Hindenburg hieß noch immer der Feldherr, aber nun wußten das Heer und die Heimat, wie es der Feind wußte, daß Ludendorff hinter ihm stand, wie die Hand des Lenkers hinter dem Pflug geht.

Er hatte den Krieg in seinen schwersten Stunden getan und hatte ihm seine letzten Waffen gerüstet; nun sollte, was an der Marne im ersten Ansturm mißlang, im letzten Ansturm gelingen.

Wieder wie einmal fuhren die Züge nach Westen, das flandrische Land füllte sich mit den Siegern von Osten, der Mauer aus Stahl und Treue die letzte Entsatzung zu bringen.

Sie sangen die alten Lieder nicht mehr und waren nicht mehr mit Blumen geschmückt; sie hatten den Krieg unsäglich erfahren und wollten das Ende der Mühsal Tod und Teufel zum Trotz einmal erzwingen.

Der letzte Ausfall geschah, wo der Wall am weitesten vorsprang; so stark war der Stoß, daß er das feindliche Lager erreichte: Soissons, der starke Eckpunkt der Feinde wurde genommen; zum andernmal sahen die deutschen Soldaten das graue Gewässer der Marne.

Wie ein gewaltiger Keil schob sich der Ausfall nach Westen und wollte das englische Heer nach Norden abdrängen; aber so dünn sich das Band der Einschließung spannte, es hielt den Stoß aus: der Keil wurde stumpf an der Spitze, und als er stand, war der Feldzug im Westen, der Krieg mit seinen Siegen und unsäglichen Leiden verloren.

Der Zusammenbruch

Sieg oder Untergang! stand auf den Fahnen der Festung: als dem Sieg im Westen die Spitze abbrach, als der Keil stumpf wurde, fing der Untergang an; denn nun ging der Glaube verloren, daß Waffengewalt jemals den Ring der Feinde zu sprengen vermöchte.

Vier Jahre lang hatte die Festung der Welt standgehalten; aus Lumpen und Leiden hatten die Männer im Westen den letzten Ausfall gewagt: nun war die Not groß und die Kraft leer.

Was je und überall war, wenn eine Festung dem Hunger nicht mehr zu wehren vermochte, das mußte Deutschland erfahren: die Klage, so lange gewaltsam versteckt, fing an auf den Gassen zu gehen.

Draußen am Wall standen die Männer und Knaben, müde der Leiden, aber noch trotzig und treu ihrer Pflicht; die drinnen der Pflicht die Parole ausgaben, glaubten nicht mehr; die Sorge fraß den Befehl aus der leeren Hand.

Die Saat der vierzehn Punkte ging auf und war ein Unkraut, in allen verzagten Herzen zu wuchern: Der Frieden steht längst vor der Tür, nur die den Krieg führen und die er ernährt, wollen ihn nicht.

Der Aufruhr

Der dritte Napoleon wurde bei Sedan mit seinen Soldaten gefangen; Wilhelm der Zweite floh vor dem eigenen Volk in sein Heer und aus dem eigenen Heer nach Holland.

Die ihm rieten, sein Heer und Volk zu verlassen, wollten dem Vaterland die Greuel des Bürgerkrieges ersparen; denn nun stand die Mauer aus Stahl und Treue verraten im Feld und in der Heimat wehten die roten Fahnen des Aufruhrs.

Die rote Zwietracht nutzte die Stunde, da der alten Gewalt das Gewehr aus der Hand fiel; die Vorstadt kam in die Prunkstraßen der Bürger, die dumpf und bänglich den Umsturz erlebten; wie schlechte Hausmeister wurden die Bundesfürsten aus ihren Schlössern vertrieben.

Die Liebe der Untertanen hatte um ihre Throne gesungen, Fahnen und Blumen waren um all ihre Wege gewesen; Liebe, Fahnen und Blumen hingen die Köpfe, als der böse Novemberwind ging.

Frieden, Arbeit und Brot verhieß die neue Gewalt; denn so hatte die Stimme Wilsons gesprochen: wir kämpfen nicht gegen das deutsche Volk, nur gegen den Kaiser!

War also der Kaiser fort mit seinen Fürsten, so kamen die goldenen Tage der Völkerversöhnung.

Es war ein schuftiges Spiel und eine klägliche Täuschung: irgendwie wollte die ewige Hand der Gerechtigkeit walten; was aber sichtbar im bösen November geschah, war Aufruhr der Gasse.

Denn dies war aus dem Volk der Deutschen geworden, das im Aufbruch ein Heer, ein Mut und ein Glaube war: die Zwietracht der Klassen hatte die Eintracht gefressen, der rote Haß war zwischen Führer und Mannschaft gestellt.

Die einen befahlen, die andern gehorchten; und die da befahlen, standen nicht auf den Wällen: zwischen den Wällen und zwischen der Festung war der Sumpf der Etappe, da ging die Pflicht vielfach auf schmutzigen Wegen.

Feigheit und Faulheit, Genuß- und Gewinnsucht suhlten sich in den Sümpfen; indessen die Tapferen drinnen und draußen den kargen Weg ihrer Pflicht gingen, rafften die Schurken sich Reichtum.

Der Wohlstand der Städte sank hin, und der Staat stieg in schwindelnde Schulden; die Teuerung legte die knochigen Hände des Hungers über das tägliche Leben: aber die goldene Spinne hatte sich nie so übersatt vollgefressen.

Durchhalten! riefen die Herolde aus auf den Gassen; wozu? sagten die mutlos Verzagten; für wen? die aus dem roten Klassenhaß tranken.

Als der Krieg in sein fünftes Jahr ging, wehten die Fahnen nicht mehr und kein Helm trug den Blumenstrauß; ausgehöhlt war der Glaube, der Mut, die Treue, die Pflicht; dumpf hinstarrend stand der Mann auf den Wällen, in den Gassen ballten Unmut und Haß die Empörung.

Dann half der roten Zwietracht der schwarze Verrat: Habsburg hatte die Nibelungen zur Hochzeit gelockt, nun brannte der Saal um die Treue; indessen die Mauer im Westen noch stand hielt, waren im Süden die Tore zerbrochen.

So kam der Tag, wo die eiserne Hand die Pflugschar losließ: der besiegte Sieger des Krieges streckte die Waffen.

Versailles

Wehe den Besiegten! sagte der gallische Fürst und warf sein Schwert auf die Waage, als sich die Römer beschwerten über sein falsches Gewicht; denn tausend Pfund mußten sie Brennus als Lösegeld zahlen.

Wehe den Besiegten! stand über dem Tor von Versailles, als die Sieger den Frieden diktierten; der mächtige Feind war wehrlos gemacht, so konnte ihr Übermut schalten.

Frieden und Völkerbund! hatte die Stimme über das Weltmeer gerufen, und die Herzen der Hoffenden hatten sie gläubig gehört; nun saß die Stimme im Rat zu Versailles, da war der Prophet der Völkerversöhnung nur ein Professor.

Sie drehten den vierzehn Punkten sanft das Genick ab und wickelten jeden Satz ein in den Stacheldraht ihrer Paragraphen; sie höhnten den weisen Professor und sagten: dies sei nur die abendländische Art der Verpackung.

Sie hielten im Namen der Völkerversöhnung ihr Strafgericht ab als Kläger, Richter und Büttel; sie teilten den Raub im Namen des Rechtes und rächten sich an dem wehrlosen Feind, der ihnen so lange ein Alpdruck war.

Sie sprachen den Willen der Völker frei und legten den ewigen Bann zwischen die Deutschen im Reich und ihren Brüdern in Österreich.

Sie trennten das deutsche Elsaß vom Reich und ließen den gallischen Hahn sein altes Rheinbundlied krähen.

Sie gaben den Welschen vom deutschen Tirol, soviel sie für ihren falschen Wechsel verlangten; aber sie wogen mit zweierlei Waagen, daß sie den slawischen Völkern nichts nähmen.

Sie raubten den Deutschen die Kolonien und ihre Schiffe dazu, sie legten die Schuld und die Schulden des Krieges auf sie und kränkten ihre Ehre.

Sie machten alles genau, wie der englische Seeherr es wollte: der nächste Feind Englands, Deutschland, hatte den stärksten, Rußland, erschlagen, nun legte er ihn an die Kette; aber die Kette gab er klug in die Hand der Franzosen, weil sie nun unter den Feinden Englands die nächsten waren.

Allen den Völkern und Völkchen im Abendland wurde ihr Dasein entfaltet; nur der Deutsche war vogelfrei, weil er ein Hunne, ein Boche, ein Barbar, ein Feind der Menschheit und unter den Tugendvölkern der Erde des Teufels Nothelfer war.

So wurden dem falschen Propheten der Völkerversöhnung die vierzehn Punkte des Friedens erfüllt; und daß der Professor sein Steckenpferd habe, wurde der Völkerbund auch in den Stacheldraht ihrer Paragraphen gewickelt.

Die vierzehn Punkte hatten das ihre getan, nun konnte die Stimme der Vernunft wieder schweigen; aus dem Schiedsrichter der Welt war in Paris ein Stockmeister Frankreichs geworden; als er die Spottgeburt seines Völkerbundes heimbrachte, lachte sein eigenes Volk ihn aus.

Moskau

Die rote Zwietracht hatte gesiegt, wie ein Strandräuber siegt, wenn der Sturm das Schiff auf den Sand wirft; Frieden, Arbeit und Brot hatte sie prahlend verheißen, aber das Schiff war leer und in den Fugen gebrochen.

Ein halbes Jahrhundert lang hatte sie auf die Stunde der Herrschaft gefiebert; als sie nun kam über Nacht, als die rote Fahne sich blähte auf allen Dächern, konnte sie auch nur im Wind wehen; aber der Wind wehte von Osten.

Wo einmal der Zar als Herr aller Reußen despotisch regierte, hatte die rote Zwietracht am ersten gesiegt; und was in Deutschland nur ein Novemberwind war, hatte im russischen Frühjahr den Winter gebrochen.

Die Räteregierung des russischen Volkes in Moskau kannte den Bürger nicht mehr und war der Bauernschaft Herr durch die rote Armee der Fabrikler: sie hatte der goldenen Spinne den Kopf abgeschlagen und saß im Blut wartend, daß nun das Wunder geschähe.

Wehe den Besiegten! stand über dem Tor von Versailles; aber die Sieger im Westen wollten dem Schicksal die Türen zuhalten, durch die nun der Osten hereinbrach, die Fragen der Menschheit zu stellen:

War eine Menschheit, die solchen Massenmord um das Wohlsein der Völker rüsten und ausführen konnte, war eine Menschheit wie diese noch wert, so zu heißen?

War es ein Unglück, das über sie kam, oder war es ein Schicksal, verdient und notwendig, weil Raub- und Gewinngier des Abendlandes einmal sich selber auffressen mußten?

Die in den Erdhöhlen des Krieges wie in den Fabriken des Friedens um kärglichen Lohn den gemeinen Mann spielten: sollten sie länger ertragen, daß in Versailles die goldene Spinne dasaß, das alte Beutespiel neu zu beginnen?

Hatte die goldene Spinne nicht ihren Leib noch im Krieg vollgefressen, wie sie mit blutigen Zangen auf Massengräbern dasaß, der Armut das Blut auszusaugen? und war es nicht Zeit, ihr den Kopf abzuschlagen?

Sollte die Masse all der Enterbten nicht aufstehen gegen den Bürger, wenn seine Gewinn- und Genußsucht keine andere Ordnung zu schaffen vermochte? sollte der Sozialismus nicht endlich die Weltordnung werden?

So kamen die Fragen von Osten, wo die rote Zwietracht am Ziel war; denn die rote Armee der Fabrikler saß in den Prunkstraßen der Bürger, das russische Riesenland zu regieren.

Sie wollten das Schwert nicht eher hinlegen, als bis die Vorstadt in allen Ländern der Erde am gleichen Ziel war, bis die Diktatur des Proletariats die Menschheit von der goldenen Spinne des Kapitalismus erlöste.

Der Krieg der Staaten mit allem Haß ihrer Völker hatte den Krieg der Klassen entzündet: dem Krieg der Staaten und Völker konnten die Sieger noch einmal den Frieden diktieren, dem Krieg der Klassen mußte ihr letztes Diktat die Blutbahn aufreißen.

Versailles oder Moskau: so stand nun der Feind! im Völkerbund zu Versailles wollte der Kapitalismus die Erde für immer beschatten; im Bolschewismus zu Moskau war seinem Hochmut die Axt an die Wurzeln gelegt.

Menschendämmerung

Vier Winter wurden der Welt nicht zum Frühling; in die Blüte fiel Schnee, und Hagel über den Mißwachs; auf den zerstörten Feldern der Erde war Krieg; Krankheit, Hunger und Furcht fraßen die Welt leer.

Da kam die Wolfsbrut der dritten Zwietracht ans Ziel; denn nun waren die Herzen bereit für das wilde Ereignis, das dem Bürger die Tafeln der Tugend zerbrach.

Durch Eisen und Blut war die Wohlfahrt gekommen, in Blut und Eisen sank sie dahin; und als die Wohlfahrt dahin war, war von der Tugend des Bürgers nur noch der Hohn seiner zerbrochenen Tafeln geblieben.

Mit vergoldeten Buchstaben hatte die Neuzeit geprahlt, daß sie die glückreiche Erbin aller Vergangenheit wäre, daß die Zukunft des Menschengeistes nicht mehr den Irrlichtern der Seele, sondern dem Tageslicht seiner Werkstätten überantwortet sei.

Nun fiel die Schrift von den Wänden, und der Menschengeist mußte erkennen, daß ihm allein der Hochmut gehörte, daran das falsche Gold aufgeklebt war.

Der Hochmut zerbrach mit den Tafeln der Wände: alle Dämonen der Tiefe sandte der Abgrund über ihn her; und die schlimmsten Unholde krochen – das mußte er schauernd erkennen – aus seiner eigenen Brust.

Der Staat und sein starkes Gesetz war dem Bürger der Stockmeister all seiner Ordnung gewesen; nun ihm der Stock aus der Hand fiel, war der Tugend die Strafe der eigenen Torheit gesetzt, aber dem Laster der blinkende Lohn seiner List.

Alles, was schlecht und schlau, gemein, zwiezüngig und selbstsüchtig war, sah sich gesegnet; alles was treu und einfältig, großmütig, gerecht und uneigennützig war, sah sich verlassen.

Menschendämmerung war; aber kein Surtur aus Süden kam mit dem weißglühenden Schwert, keine Flamme zückte aus Muspilheim, das Gezücht zu verbrennen.

Nur in den Brunnen der Seele wurde die Tiefe lebendig, und die Frage schwoll an: warum der gekreuzigte Gott noch immer auf Golgatha hinge?

Der sich den Menschensohn nannte, hatte Gott in den Herzen der Menschen erweckt, daß er stark würde in jedem, des irdischen Daseins zu lächeln; aber mit Strafe und Lohn seiner Weltgerichtslehre hatte der Priester die Freiheit der unsterblichen Seele wieder in Furcht und Hoffnung der Knechtschaft gebunden.

Nun brach aus den Brunnen der Tiefe die Sintflut, alles Dasein ersäufend, das in der Furcht und Hoffnung solcher Knechtschaft verharrte, statt seiner unsterblichen Seele gläubig zu sein.

Weil ihm der Himmel verschlossen war, hatte der Menschengeist trotzig getrachtet, sich die Erde zu retten; er hatte der Menschenvernunft Werkstätten gebaut, die seine Tempel sein sollten: nun kam die Sintflut über den Wahn und den Hochmut.

Aber die Männer der dritten Zwietracht bauten die Arche, der Flut zu entrinnen; sie lachten des Gottes, der Himmel und Hölle bedurfte, auf Erden mächtig zu sein; sie wollten das dritte Reich finden, da weder Engel noch Teufel Gottes Allgegenwart störten.

Sie wollten des ewigen Grundes in allen Untiefen gewiß sein: wo eine Seele erwachte, war Gott ins Dasein getreten, in ihrer Unsterblichkeit war seine Stärke, in ihrer Liebe war seine Gnade, in ihrer Vollendung war seine Entfaltung.

So bauten die Männer der dritten Zwietracht die Arche, so fuhren sie gläubig hinein in die Nacht und Brandung der Zeit, den Berg der Eintracht zu finden, indessen die Sintflut dem Hochmut und Wahn den schäumenden Untergang brachte.

Wiederkunft

Das Land der Mitte zu heißen, ist Deutschlands Geschick: zwischen Versailles und Moskau liegen die Gräber seiner gefallenen Söhne, zwischen Versailles und Moskau liegt seine kommende Not.

Die rote Zwietracht reißt seine Hoffnung nach Osten, die goldene Spinne im Westen saugt ihm sein Blut; was es der einen läßt, muß es der andern nehmen: so ist es noch einmal das Schlachtfeld der Welt.

Denn nun kann nicht Frieden auf Erden gesungen sein, als bis das dritte Reich kam; aber das dritte Reich wird keinem der Völker gehören, die Menschheit wird sein Herrscher und Untertan heißen.

Die Menschheit will werden, aber sie kommt nicht mit Lorbeer und Psalmen: Gewalt muß Gewalt bezwingen, ein Meer von Blut muß den Abgrund ersäufen, daraus sie geboren sein will.

Versöhnung und Friedensschalmeien müssen verstummen, wenn der Abgrund zu kreißen beginnt; denn alles was dumm und gemein, was selbstsüchtig und eitel, was schlecht und schlau und zwiezüngig ist, will die Geburt stören.

Die rote Zwietracht im Osten wird einmal die goldene Spinne im Westen erschlagen; aber das rote Elend wird nach dem goldenen schreien, bis die erste Eintracht beginnt.

Daß aber das Reich der Eintracht uns widerfahre auf Erden, wird es der Herzen bedürfen, die das Kreuz der Zwietracht tapfer und treu nach Golgatha tragen; der deutschen Seele wird seine bitterste Botschaft gehören.

Zu töricht, im Rat von Versailles zu sitzen, zu töricht, im Haß von Moskau zu sein, niemandens Freund und aller Welt Feind, wird sie in langer Einsamkeit bleiben.

Die Einsamkeit wird ihre schwarzen Unholde gebären und ihre Lichtalben; wenn der Morgen der Menschendämmerung anbricht, wird sie nicht mehr auf Allerweltsstraßen gehen.

Alle Kämpfe der Menschheit werden der deutschen Seele auferlegt sein, bis sie, Besiegter und Sieger in Einem, der kommenden Eintracht Christophorus wird; bis einmal Wiederkunft ist, bis endlich den Kindern Gottes auf Erden die grüne Wiese, das blanke Meer und der blaue Himmel gehören.