Elisabeth, 1568–1617
Elisabeth stammte aus dem pfälzischen Grafengeschlecht von Leiningen-Westerburg, hatte ihrem um 31 Jahre älteren Gemahl reiche Mittel eingebracht, und ihre Stiefsöhne waren nun bestrebt, sich dankbar zu beweisen. Sie ließen das Schloß Leutenberg neu herrichten, setzten bei den Grafen in Schwarzburg durch, daß ihrer Pflegemutter das Reichslehen Leutenberg zugewiesen wurde, wozu Kaiser Rudolf Konsens erteilte, und 1608 zieht die neue Herrin in ihr Wittum ein.
In Schloß, Stadt und Amt stehen ihr Hoheitsrechte zu, ausgenommen sind die Nutzungen an Bergwerken, die ritterschaftlichen und die freien Mannslehen. Vornehme Ausstattung und reiche Schätze barg das Schloß, wie die Inventarien von 1608 und 1618 ausweisen.
Die Gräfin »beschwert ihr Gewissen damit«, unter den Geistlichen der Umgegend »eine genugsam geklärte Person« zu finden als Schulmeister für Schloß und Stadt. Günther Brömel aus Ilm, zuletzt in Königsee, hält Probepredigt, erwirbt die Anerkennung der Gräfin und beweist sich als treuer Seelsorger bis an ihr Sterbelager.
Wir erhalten Einblick in die Wirtschaftsführung des großen Haushaltes, wenn 55 Gulden für Fische aus Erfurt zu verrechnen sind, für »Halbfisch, Bricken, Hering, Lachs, Bickling, Sbierollen und Stockfisch«. Wir müssen staunen über ihre Gewänder, ihre Pelze, ihre mit Æ W gezeichneten Wäschevorräte, ihren Reichtum an Schmuck, und wir erfahren, daß ein Positiv und zwei Clavicordia zum Mobiliar der Burg gehören. Eine Apotheke im Schloß verwaltet die Gräfin selbst, und besorgt schickt sie Arzeneien nach Rudolstadt, als dort die Pest ausbricht. Bloche aus der Mühle, Wein aus Rudolstadt, die Erträgnisse des Schafhofes Roda erscheinen in ihren Schriftstücken für die Hofhaltung.
Die alten Teile des Schloßbaues bereiten Kummer. Die Küche unter dem Gemache der Gräfin ist feuergefährlich: »Weil auch dise stunde wider ein balcken in der Küchen entzwey geglummet und herunter gefallen, welcher auch gleich den andern mit blech beschlagen gewesen, undt wir befürchten, es mechte eins mals gros Unheill doraus entstehen, als bitten wir, Euer Liebden wollen doch die Anordnung thun, darmit gantz Eisern stebe an stadt solcher balcken mechten eingemauert werdenn.« Der Sturm hat das Gebäude »bey dem alten Dorme« verschoben, den Kachelofen im Frauenzimmer umgestoßen, eine getäfelte Stube ist Mäusegeniste, die Wände werden mit schwarzgrünen Teppichen beschlagen. Hans Pfau aus Krölpa besorgt den »neuen Bau« und richtet die Kapelle, die düster und öde liegt, wieder zu. Auch die Kirche in der Stadt ist baufällig, der Pfarrer kann auf der Kanzel nicht lesen bei dunklem Wetter, »der Rat und das arme Völklein hat kein Vermögen«, die Gräfin hilft und stiftet auch eine neue Orgel.
Treuherzig und pfälzisch-witzig nehmen sich ihre Briefe aus in der Schreibung ihrer Heimatsprache, so wenn sie sich an den nur wenige Jahre jüngeren Stiefsohn wendet eines Reitpferdes wegen für die Reise: »ich bitte Euer Liebden helffe ia das bestde dozu, das ich ia das pferdt mochtde bekommen, atder es mosch auch ein ansehen habben, E. L. wissen wol, wi es sein soll, E. L. scuchen mir ein schon pert auß, ich wil E. L. ein mall weider ein schon freulin weider helffen außscuchen, E. L. haben es mir nicht vor ebel, das ich E. L. selber nicht weider habben geschriben, den der bott gar ser weider gros eile hatt. So hei mitt wil ich E. L. in schutz und schirm des almichtigen befellen«.
Von 1613 ab vernehmen wir Klagen über Unpäßlichkeit, obwohl die Gräfin erst fünfundvierzig Jahre alt ist. Sie vertröstet sich, ihr Leiden werde »mit dem abgewiesenen Märzen verschleichen«, vorläufig gibt sie sich zufrieden, sie kann noch »umbschleichen, spazieren gehen und fahren«. Nach und nach wird es einsam um sie, die Pflegekinder fliegen aus in die Welt, und als ihre letzte Stunde herannaht, äußert sie dringendes Verlangen nach dem altbewährten Seelsorger, der von Ilm herbeigerufen wird.
Am 26. Oktober 1617 befreit ein sanfter Tod die opferfreudige Schloßherrin von ihren Sorgen. Heikle Rechtsfragen erheben sich um ihren reichen Nachlaß. Die Beisetzung in einem kostbaren Zinnsarg findet statt, aber erst am 24. Dezember erfolgt mit stattlichem Zuge die Überführung der Leiche nach Rudolstadt.
Dort wurde sie in der zwiefachen Höhle unter dem Fürstenstand der Stadtkirche beigesetzt, wo bereits ihr Vater und ihre Schwester Hermanna ruhten. Auf dem goldenen Reliefbild am Fürstenstand ist Elisabeth dargestellt hinter Juliana, der ersten Gemahlin Albrechts.
Der älteste Stiefsohn Karl Günther zu Kranichfeld übernimmt die Herrschaft Leutenberg und läßt die Beamten vereidigen. Die Burg und der große landwirtschaftliche Betrieb stehen wieder unter Aufsicht von Schloßhauptleuten. Als einer derselben tritt Daniel von Watzdorff im Jahre 1628 auf. Er erhält am 27. Januar Befehl, daß die Lehensleute und ihre Hintersassen »eine halbe Kompagnie Reuter einlogieren und akkomodieren« sollen. In der Tat rückte jedoch eine ganze Kompagnie ein und lag elf Wochen in Burg und Stadt.
Leutenberg und die Amtsdörfer hatten 5175 Taler Kontribution aufzubringen. Was sonst noch an Lasten zu tragen und an Schäden zu erleiden war, darüber sind die unmittelbaren Nachrichten durch Feuersbrünste zugrunde gegangen. Aus dem Jahre 1640 verlautet, daß die Pfarrwohnung eingeäschert wurde.
Die Salvagardie, die der regierende Graf Ludwig Günther 1641 bei dem kaiserlichen Kriegsrat Generalfeldmarschall Hatzfeld für seine Schwarzburgischen Länder auswirkte, mag auch dem Leutenberger Gebiet zugute gekommen sein. In Vorahnung des Todes wies er die Herrschaft Leutenberg seiner Gemahlin Amilie als Wittum zu und das Schloß, wo er gute Jugendjahre bei seiner zweiten Mutter Elisabeth verlebt hatte, als Wohnsitz.