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Die Inselbauern; oder, Die Leute auf Hemsö cover

Die Inselbauern; oder, Die Leute auf Hemsö

Chapter 16: Drittes Kapitel
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About This Book

The narrative presents life in an eastern archipelago community, portraying the landscape, seasons and daily labors that shape island existence. It follows interactions among households as marriages, inheritance disputes and social ambitions alter fortunes and relationships. Episodes move between domestic routines and local celebrations, sharp personal conflicts, economic shifts toward mining alongside declining farming, and moments of illness and death. Detailed natural description and attention to regional customs create a textured portrait of communal rhythms, practical ingenuity and the tensions between traditional ways and changing livelihoods.

Als er aber sah, das Ende war nahe, fürchtete er, gegen das Amen zu prallen; deshalb verlangsamte er die Schnelligkeit. Aber es war zu spät: beim letzten Umblättern hatte er zu dick auf den Daumen gespuckt und drei Blätter auf ein Mal genommen; nun traf er aufs Amen ganz oben auf der nächsten Seite, als stieße er mit dem Kopf gegen eine Wand.

Die Alte wachte von dem Stoß auf und guckte schlaftrunken nach der Uhr.

Carlsson wiederholte daher das Amen noch ein Mal, indem er es etwas ausschmückte:

– »Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und um unseres Erlösers willen.«

Um den Schluß abzurunden und zu sühnen, was er verbrochen, betete er ein Vaterunser, so langsam und ergreifend, daß die Alte, die mitten in die Sonne gekommen war, noch ein Mal einnickte.

Sie hatte Zeit sich zu ermuntern, während Carlsson, um alle unangenehmen Erklärungen abzuschneiden, den Kopf in der linken Hand verbarg, um ein leises Gebet zu sprechen, das nicht unterbrochen werden durfte.

Die Alte fühlte sich auch schuldig und wollte nun ihre Aufmerksamkeit dadurch beweisen, daß sie in selbstgewählten Worten zeigte, was sie eingeheimst. Carlsson schnitt ihr aber das Wort ab, indem er bestimmt erklärte, nach dem Grundtext und den eigenen Worten des Erlösers handle es sich um nichts Geringeres: eine Herde und ein Hirte! Einer ausschließlich, einer für alle, einer, einer, einer!

In diesem Augenblick rief Clara laut zum Mittagessen. Aus der Tiefe des Waldes antworteten zwei fröhliche Hallohs, denen Flintenknalle folgten; und aus dem Schornstein der Schmiede stieg wie aus einem hungrigen Magen Rundqvists originelleres Puh!, das niemand verkennen konnte.

Und bald sah man die verirrten Schafe mit leichten Schritten zum Kochtopf eilen. Die Alte empfing sie, indem sie ihnen ihr Ausbleiben vorwarf. Die Antwort aber blieb keines der Unschuldigen ihr schuldig; sie beteuerten, sie hätten niemand rufen hören, sonst wären sie sofort gekommen.

Carlsson verhielt sich würdig, wie es sich beim Mittagstisch am Sonntag ziemte. Rundqvist aber sprach in dunklen Worten von den höchst »merkwürdigen« Fortschritten der Landwirtschaft. Carlsson ersah daraus, daß er von der Opposition bereits eingeweiht und gewonnen war.

Nach dem Essen, das aus einem in Milch mit Pfeffer gekochten Eiderpaar bestand, zogen sich alle Mannsleute zurück, um zu schlafen; Carlsson aber nahm sein Gesangbuch aus dem Kasten und setzte sich draußen auf die Höhe, wo er einen trockenen Stein fand. Den Fenstern der Hütte drehte er den Rücken, um etwas einnicken zu können.

Die Alte fand das vielversprechend, da der Sonntagnachmittag sonst gewöhnlich verloren ging.

Als Carlsson glaubte, es sei genug Zeit verflossen, um die Andacht wahrscheinlich zu machen, stand er auf, ging, ohne anzuklopfen, in die Stube und rückte mit dem Wunsch heraus, die Kammer zu sehen.

Die Alte wollte die Sache verschieben und schützte Reinmachen vor; Carlsson aber bestand darauf. So wurde er denn auf den Boden geführt.

Da war wirklich unter dem Dachstuhl ein viereckiger Kasten eingebaut; auf dem Giebel öffnete er sich mit einem Fenster, das jetzt von einer blaugestreiften Rollgardine verhängt war. Die Kammer enthielt ein Bett und einen kleinen Tisch, der vorm Fenster stand und eine Wasserkaraffe trug. An den Wänden hing etwas, das durch die weißen, verhüllenden Laken wie Kleider aussah und sich, wenn man näher ging, auch als Kleider erwies: hier guckte ein Rockkragen mit seinem Anhänger hervor, dort schlenkerte ein Hosenbein heraus. Darunter stand ein ganzes Heer von Schuhen, Männer- und Frauenstiefeln durch einander. Hinter der Tür befand sich ein gewaltiger mit Eisen beschlagener Kasten, der ein Schlüsselschild aus getriebenem Kupfer trug.

Carlsson zog die Rollgardine auf und öffnete das Fenster, um die mit Feuchtigkeit, Kampfer, Pfeffer, Wermut vermengte Luft herauszulassen. Dann legte er die Mütze auf den Tisch und erklärte, hier werde er gut schlafen. Als die Alte ihre Befürchtungen aussprach, die Kälte werde ihm unangenehm sein, bekannte er, er sei es gewohnt, kalt zu liegen; das sei ein Vorteil, den er in der warmen Küche unmöglich haben könne.

Der Alten ging es etwas zu schnell; sie wollte erst die Kleider fortnehmen, damit sie nicht im Tabaksrauch hingen. Carlsson versprach sofort, er werde nicht rauchen; bat und beschwor sie, die Kleider hängen zu lassen. Er wolle sie nicht einmal ansehen; Tante solle sich nicht die Mühe machen, seinetwegen umzukramen. Er werde abends ins Bett kriechen und morgens selbst sein Waschwasser ausgießen und sein Bett machen. Niemand brauche hineinzugucken. Er verstehe wohl, Tante sei um ihre Habseligkeiten besorgt, und hier gebe es ja mehr als genug davon.

Als er die Alte mit seinem Mundwerk herumgekriegt hatte, ging Carlsson hinunter, holte Kasten und Branntweinkrug herauf, hing seine Jacke an einen Nagel am Fenster, stellte seine Wasserstiefel neben die anderen Schuhe.

Darauf bat er um eine Unterredung, bei der Gustav zugegen sein müsse, denn jetzt solle die Arbeit verteilt werden, damit morgen jeder auf seinem Posten sei.

Nach vieler Mühe wurde Gustav gefunden und veranlaßt, eine Weile in die Stube zu kommen; an den Verhandlungen aber nahm er nicht teil, auf Fragen antwortete er nur mit Einwendungen, warf Schwierigkeiten auf; kurz, stellte sich auf die Hinterbeine.

Carlsson versuchte ihn durch Schmeichelei zu gewinnen, ihn durch Sachkenntnis zu erdrücken, ihm Achtung vor der Überlegenheit des Älteren beizubringen; das war aber nur Wasser aufs Feuer.

Schließlich wurden alle Teile müde und Gustav war verschwunden, ehe man sich’s versah.


Inzwischen war es Abend geworden und die Sonne versank in Nebel, die bald stiegen und den Himmel mit kleinen Federwolken bedeckten; die Luft aber blieb warm.

Carlsson spazierte aufs Ungefähr die Wiese hinunter und kam in den Ochsenhag; wanderte weiter unter den blühenden, noch halb durchsichtigen Haselbüschen, die gewissermaßen einen Tunnel über den »Drog« bildeten; dieser »Drog« führte zum Seeufer hinunter, wo das Brennholz von der Jacht des Aufkäufers geholt zu werden pflegte.

Plötzlich blieb er stehen: durch die Wachholdersträucher bekam er Gustav und Norman zu Gesicht; sie waren auf dem Felsenhügel einer Lichtung aufgestellt, die sich hier öffnete; hatten die Flinten angelegt, die Hähne gespannt und guckten sich nach allen Seiten um.

– Still, jetzt kommt er! flüsterte Gustav, doch so laut, daß es Carlsson hörte.

Im Glauben, er sei gemeint, verbarg sich Carlsson in den Büschen.

Aber über die jungen Fichten kam ein Vogel geflogen, langsam und träg wie eine Eule, mit schlaffen Flügeln, und gleich darauf kam noch einer.

– Quarr-Quarr-Murr-Murr-Pfip! klang es in der Luft, und dann paff! paff! aus beiden Flinten, aus denen Hagel und Rauch wie ein Besen herausfuhren.

Es knisterte in den Zweigen einer Birke, und eine Schnepfe fiel einen Steinwurf von Carlsson nieder.

Die Schützen liefen hin und holten die Beute; die veranlaßte sie zu einem kleinen Meinungsaustausch.

– Der hat seinen Teil, sagte Norman und kräuselte die Brustfedern des noch warmen Vogels.

– Ich weiß noch einen, der seinen Teil haben müßte! meinte Gustav, der trotz dem Jagdfieber noch von Nebengedanken geritten wurde. So ein Kerl, will jetzt auch auf der Kammer liegen!

– Nein, wirklich? witterte Norman.

– Ja, und dann will er Ordnung in den Hof bringen! Als wüßten wir nicht besser als er, was Ordnung ist. Aber so ist’s: neue Besen kehren gut, so lange sie neu sind; doch laßt mir nur Zeit, ich werde es ihm schon zeigen!

– Und dann, sagte er nicht, die Kleesaat hole ihre Nahrung aus der Luft, was?

– Ja, aus der Luft; aus meinem Dreck holt sie die Nahrung!

Und die beiden Sachverständigen lachten, während Carlsson hinter dem Busche mit den Zähnen knirschte.

– Ja, er soll mir nur kommen, beteuerte Gustav, so einem Freischärler weiche ich nicht! Er soll mir nur kommen, hart wird er liegen! – Still, da streicht die andere zurück.

Die Schützen hatten neu geladen und liefen wieder auf ihren Anstand. Carlsson aber schlich sich behutsam nach Hause, entschlossen, zum Angriff überzugehen, sobald er genügend gerüstet war.

Als er am Abend auf die Kammer kam, die Rollgardine herabließ und das Licht ansteckte, fühlte er sich zuerst etwas beklommen, weil er allein war. Eine gewisse Furcht vor denen, von welchen er sich abgesondert hatte, überfiel ihn. Bisher war er immer gewohnt gewesen, sich zu allen Tageszeiten in Gesellschaft zu fühlen; immer bereit, angesprochen zu werden; nie um einen Zuhörer verlegen, wenn er plaudern wollte. Jetzt war es still um ihn, so still, daß er aus Gewohnheit erwartete, angesprochen zu werden; Stimmen zu hören glaubte, wo keine waren. Und sein Kopf, der sich bisher aller Gedanken im gesprochenen Wort entledigte, füllte sich mit einem Überschuß von unverbrauchtem Gedankensamen, der keimte und sprengte, um in irgend einer Form herauszukommen; der solche Unlust im Körper verursachte, daß die Ruhe des Schlafes sich nicht einfinden konnte.

Er wanderte also auf bloßen Strümpfen auf und ab, in der engen Kammer zwischen Fenster und Tür; richtete seine ganze Aufmerksamkeit auf die bevorstehende Arbeit des morgenden Tages. Er ordnete die Beschäftigungen im Kopf und verteilte sie; begegnete im voraus Einwendungen, überwand Hindernisse.

Nachdem er eine Stunde so gearbeitet, hatte er Ruhe im Kopf; der war jetzt geordnet und liniiert wie ein Kontobuch; alle Posten waren an ihrer Stelle eingetragen und zusammengezählt: in einem Augenblick konnte man die Stellung übersehen.

Darauf ging er zu Bett. Als er sich allein zwischen den reinen, frischen Laken befand, ohne fürchten zu müssen, daß jemand ihn im Laufe der Nacht stören werde, fühlte er sich erst Herr seiner eigenen Person; einem Ableger gleich, der nun eigene Wurzeln angesetzt und vom Mutterstrauch abgeschnitten werden konnte, um sein Leben für sich zu leben, in eigenem Kampf, mit größerer Arbeit, aber auch mit größerer Lust.

So schlief er ein, um dem Montagsmorgen und der Arbeitswoche des Lebens zu begegnen.

 

 

 

Drittes Kapitel

 

Der Knecht legt den Trumpf auf den Tisch, wird
Herr auf dem Hof, duckt die jungen Hähne und tritt
seine Hühner selbst

 

Der Blei laichte, der Wachholder knospete, der Faulbeerbaum blühte und Carlsson säete Frühlingssaat in die erfrorene Herbstsaat, schlachtete sechs Kühe, kaufte trockenes Stallheu für die andern, damit die wieder auf die Beine kommen und in den Wald gelassen werden konnten. Er rüstete und er ordnete, er arbeitete selbst für zwei: er hatte eine Fähigkeit, die Leute in Bewegung zu setzen, die allem Widerstand trotzte.

Auf einer Fabrik in Wärmland geboren, von ziemlich unbestimmten Eltern stammend, zeigte er schon früh eine entschiedene Unlust zu körperlicher Arbeit, entwickelte dagegen ein unglaubliches Erfindungsvermögen, sich dieser unangenehmen Folge des »Sündenfalls« zu entziehen. Darin hatte er ja Recht, zumal die Gedankenarbeit sowohl nützlicher, ehrenvoller, bequemer ist, wie sich mehr lohnt.

Zugleich von einem Verlangen getrieben, alle Seiten menschlicher Tätigkeit kennen zu lernen, blieb er nicht unnötig lange auf einer Stelle sitzen. Sobald er gelernt, was er wollte, suchte er einen neuen Wirkungskreis. Auf diese Weise war er vom Schmiedehandwerk zur Landwirtschaft übergegangen, hatte sich im Stalldienst versucht, beim Kaufmann gehandelt, war Gärtnerbursche, Bahnarbeiter, Ziegelstreicher und schließlich Reiseprediger gewesen!

Durch diese Wandlungen war sein Wesen geschmeidig geworden, hatte er die Fähigkeit erworben, sich in alle Verhältnisse und alle möglichen Menschen zu schicken; ihre Absichten zu verstehen, ihre Gedanken zu lesen, ihre geheimen Wünsche zu erraten. Er war mit einem Wort eine Kraft, die ihre Umgebung überragte. Seine mannigfachen Kenntnisse machten ihn fähiger, ein Ganzes zu leiten und zu ordnen; er wollte sich nicht als ein Rad dem Wagen einfügen, sondern sich von dem Wagen tragen lassen.

Durch einen Zufall in seine neue Stellung geworfen, sah er sofort ein: hier konnte er von Nutzen sein, hier vermochte er mit seinen Fähigkeiten das jetzt Wertlose zum Ertrag zu bringen, hier werde er deshalb bald geschätzt werden und schließlich unentbehrlich sein. Er hatte jetzt ein festes Ziel für sein Streben vor sich; und daß die Belohnung in einer verbesserten Lebensstellung auf ihn warte, hatte er hinter sich als sichere Hoffnung und treibende Kraft. Er arbeitete für die Anderen, sichtlich und unleugbar; aber zugleich schmiedete er sein eigenes Glück. Und wußte er’s so anzustellen, daß es aussah, als widmete er Zeit und Kraft fremdem Vorteil, so zeigte er damit, daß er klüger als mancher war, der es gern ebenso gemacht hätte, es aber nicht konnte.

Das größte Hindernis, das sich ihm in den Weg stellte, war der Sohn. Bei dem bestimmten Geschmack des Fischers und Jägers für das Ungewisse, für Überraschungen, hatte der einen entschiedenen Widerwillen für alles Geordnete, alles Sichere. Ackert man, meinte der, so kriegt man allerhöchstens so viel, wie man berechnet hat; niemals mehr, oft aber viel weniger. Setzt man dagegen Netze, so kriegt man das eine Mal nichts, aber das nächste Mal das Siebenfache von dem, was man erwartet. Fuhr man aus, um Aale zu fangen, geschah es zuweilen, daß man einen Seehund schoß; lag man einen halben Tag in den Schären, um auf Jägergänse zu lauern, konnte es vorkommen, daß einem Eider vor den Flintenlauf kamen. Immer war es etwas, und oft etwas anderes, als man erwartet hatte.

Übrigens galt die Jagd noch, nachdem sie als Vorrecht von den oberen Klassen zu den unteren gekommen war, für vornehmer und protziger, als hinter Pflug oder Dungwagen herzugehen. Das war den Leuten so in Fleisch und Blut übergegangen, daß man keinen Knecht dazu bringen konnte, mit einem Paar Ochsen zu fahren; wohl auch weil der Ochse beschnitten, »verändert«, war; vor allem aber, weil das Pferd von Alters her in abergläubischem Ansehen stand.

Ein zweiter Stein auf dem Wege war Rundqvist. Eigentlich war es ein alter Schelm, der auf seine Art das irdische Paradies wieder zu gewinnen suchte, ein Paradies ohne schwere Arbeit und mit langen Mittagsschläfchen und vielen Schnäpsen, indem er Kenntnis von verborgenen Dingen vorspiegelte; indem er allen Ernst, besonders die grobe Arbeit, fortscherzte; indem er, im Notfall, durch Vortäuschung geistiger Schwäche und körperlicher Übel Mitleid zu erwecken wußte, besonders wenn dieses sich in einer Tasse Kaffee mit Branntwein oder einem halben Pfund Schnupftabak äußerte. Er verstand Schafe und Ferkel zu verschneiden; glaubte mit der Wünschelrute Quellen zu finden; behauptete, den Barsch ins Netz locken zu können; heilte allerlei leichte Übel bei Andern, behielt aber seine eigenen; sagte bei Neumond schönes Wetter voraus, wenn es einen halben Monat geregnet hatte; opferte fremdes Geld unter einem großen Stein am Strande, wenn der Strömling kommen sollte.

Er konnte aber auch eine Menge Schlechtigkeiten, wie er behauptete: Täschelkraut aufs Feld des Nachbars bringen, die Kühe gelt machen, Hexenschüsse austeilen und dergleichen. All das umgab seine Person mit einer gewissen Furcht, so daß man ihn gern zum Freund haben wollte.

Seine Verdienste, denn die besaß er auch und ihretwegen war er unentbehrlich, bestanden darin, daß er schmieden und tischlern konnte. Aber seine unglaubliche Fähigkeit, alles zu machen, was auffiel, erhob ihn zu einem gefährlichen Nebenbuhler; denn was Carlsson unter dem Stalldach oder draußen auf dem Felde tat, fiel nicht so sehr auf.

Blieb Norman, ein tüchtiger Arbeiter; der mußte Gustavs mächtigem Einfluß entrissen und der regelmäßigen Feldarbeit wieder gewonnen werden.

Carlsson hatte also ein gehöriges Stück Arbeit zu leisten und außerdem nicht geringe diplomatische Schlauheit zu entwickeln, um durchzudringen; da er aber der klügste war, siegte er.

Mit Gustav nahm er den Kampf gar nicht erst auf; den ließ er laufen, nachdem er dessen Bundesgenossen Norman durch allerlei Vorteile von ihm fortgelockt hatte. Das war nicht so schwer, denn Gustav war, offen gesagt, etwas geizig und behandelte Norman auf den Jagden meist als Ruderer, der nie den ersten Schuß tun durfte; kriegte er wirklich einen Schnaps, nahm Gustav heimlich deren drei. So brachten die Vorteile, die Carlsson dem Norman auswirkte, höherer Lohn, neue Strümpfe, ein Hemd und andere Kleinigkeiten, diesen bald zum Abfall; zumal Carlssons steigende Macht mehr versprach als Gustavs sinkende.

Durch Normans Abfall wurde auch die Jagdlust des Sohnes herabgesetzt, denn allein umher zu fahren, war kein Vergnügen. Infolge dieses Mangels an Gesellschaft schloß sich Gustav den Andern bei der Arbeit an.

Rundqvist zu schuppen, war etwas schwerer; dieser Fisch war sowohl häßlich wie alt; aber Carlsson kriegte ihn auch bald in den Fischkasten.

Statt Geldstücke zu opfern, ließ Carlsson die Netze ausbessern und neue Leinen in alle Schleppzüge ziehen; und siehe da, der Strömling blieb besser hängen als früher. Statt mit der auf einem andern Baum gewachsenen Mistel nach neuen Quellen zu suchen, ließ Carlsson den alten Brunnen füttern und reinigen, baute eine Wanne darum und steckte einen Pumpenstock hinein; damit war die Mistel auf den Kehrichthaufen geworfen. Statt die Kühe zu besprechen und Feuer über sie zu schlagen, ließ er sie putzen und gab ihnen trockene Streu. Konnte Rundqvist Hufnägel schmieden, zog Carlsson Haken; konnte Rundqvist einen Rechen schnitzen, tischlerte Carlsson sowohl Pflug wie Walze.

Als Rundqvist sich aus allen seinen Maulwurfslöchern verjagt sah, griff er zu Mitteln, die mehr in die Augen fielen. Er begann rings ums Haus aufzuräumen; schaffte weg, was man den Winter über aus Nachlässigkeit oder infolge der Dunkelheit auf den Hof hatte »fallen« lassen; machte Hühnern und Katze den Hof; setzte eine neue Klinke an die Tür.

– Nein, wie nett Rundqvist geworden ist! Hat uns eine neue Klinke an die alte Tür gemacht! Ja, er kann nett sein, wenn er nur will.

So hörte Carlsson die Mägde in der Küche sprechen.

Aber Carlsson war wie ein Pfeil hinter ihm her. Eines Morgens war der Herd weiß gestrichen; eines andern Morgens waren die Wassereimer grün angemalt, mit schwarzen Rändern und weißen Herzen; wieder eines andern Morgens lag das Holz unter einem Dach, das er hinter der Vorratskammer aufgeschlagen. Carlsson hatte vom Feinde gelernt, die Großmacht der Küche zu gewinnen; mit dem neuen Pumpenstock war er unwiderstehlich geworden.

Rundqvist war jedoch zäh und hinterlistig; in einer Sonnabendnacht strich er den Abtritt grell rot.

Carlsson aber war ihm gewachsen; er gewann Norman mit einem Viertel Branntwein, und in der Dreifaltigkeitsnacht hörte die Alte, wie es um die Wände des Hauses tuschelte und raschelte; da sie aber zu verschlafen war, um aufzustehen, sah sie erst am Morgen, daß die ganze »Stuga« rot gestrichen war und weiße Fensterpfosten und weiße Dachrinnen hatte!

Damit war es mit Rundqvists Kraft, einen für sein Alter gar zu anstrengenden Kampf fortzusetzen, zu Ende. Man lachte jetzt über seinen köstlichen Geschmack, die Verschönerungen mit dem Abtritt zu beginnen. Norman, als echter Abtrünniger, machte einen Witz über ihn, der lange im Schwange blieb:

– Man muß am rechten Ende anfangen, sagte Rundqvist und strich zuerst den Abtritt an.

Rundqvist ergab sich, legte sich aber auf die Lauer, um noch einmal neue Schliche zu versuchen oder einen vorteilhaften Frieden zu schließen.

Gustav ließ sie gewähren; er sah zu und fand gut, was geschah.

– Pflügt ihr nur, dachte er; ich werde schon kommen und einheimsen.


Bisher hatte Carlssons Tätigkeit noch nicht Zeit genug gehabt, um es zu greifbaren Ergebnissen zu bringen. Das Geld, das für den Verkauf der Kühe eingenommen war, hatte allerdings einige Tage im Sekretär gelegen, nachdem es bei der Aufzählung einen ausgezeichneten Eindruck gemacht; es war aber bald wieder ausgegeben worden und hatte die Leere des Vermissens zurückgelassen.

Es ging gegen Mittsommer. Carlsson hatte viel zu bestellen gehabt und wenig Zeit zu Spaziergängen gefunden. Eines Sonntagsnachmittags ging er aber die Höhe hinauf und guckte sich um. Da fiel ihm die große Stuga in die Augen, die mit herabgelassenen Rollgardinen verödet dastand. Neugierig, wie er war, ging er hin und fand die Tür offen. Er trat in den Flur und entdeckte eine Küche; ging weiter und kam in ein großes Zimmer, das wirklich herrenmäßig aussah: weiße Gardinen, Himmelbett mit Messingbeschlägen, ein Spiegel mit geschnitztem und vergoldetem Rahmen und geschliffenem Glas – das war fein, das wußte er! – Sofa, Sekretär, Kachelofen; alles genau wie auf einem Herrenhof. Auf der andern Seite des Flurs war ein ebenso großes Zimmer mit Kamin, Eßtisch, Sofas, Wanduhr ...

Er war erstaunt und empfand Respekt. Bald aber begann er die Besitzer, die so wenig Unternehmungsgeist besaßen, zu bemitleiden und zu verachten; besonders als er sah, daß das Haus noch zwei Kammern mit mehreren gemachten Betten hatte.

– Oh, oh, oh, dachte er laut; so viel Betten und keine Badegäste.

Von dem Gedanken an die künftige Einnahme berauscht, ging er sofort zur Alten hinunter und hielt ihr vor, es sei Verschwendung, die Stuga nicht an Sommergäste zu vermieten.

– Ach was, wir finden niemand, der hier wohnen will! wehrte sich die Alte.

– Wie wißt Ihr das? Habt Ihr versucht? Habt Ihr die Stuga in der Zeitung angezeigt?

– Das heißt nur Geld in die See werfen! meinte Frau Flod.

– Man wirft auch Netze in die See, antwortete Carlsson. Und das muß man tun, wenn man was erhalten will.

– Versuchen kann man’s ja; aber Badegäste kriegen wir nicht, schloß die Alte, die nicht mehr an die Erfüllung von Wünschen glaubte.

Acht Tage später kam ein feiner Herr über die Wiese und sah sich um. Er kam näher. Als er auf den Hof trat, wurde er allein von dem Hunde empfangen, weil sich die Leute, nach ihrer Gewohnheit, aus Schüchternheit oder Feingefühl, in Küche und Stube verborgen hielten, nachdem sie vorher in einem Knäuel draußen gestanden und nach dem Besuch gegafft hatten. Erst als der Herr in die Tür trat, kam Carlsson als der Mutigste ihm entgegen.

Der Kömmling hatte eine Anzeige gelesen.

– Jaja, das ist hier!

Carlsson führte ihn nach der Großstuga hinauf.

Der Herr war ziemlich zufrieden. Carlsson versprach alle Verbesserungen, wenn der Herr sich sofort entscheide; denn der Bewerber seien viele und die Jahreszeit sei vorgeschritten.

Der Fremde schien von der schönen Lage des Hauses gefesselt zu werden und beeilte sich, abzuschließen.

Nachdem beide Teile sich nach den gegenseitigen Verhältnissen, wirtschaftlichen sowohl wie familiären, erkundigt hatten, entfernte der Fremde sich wieder.

Carlsson begleitete ihn bis zur Feldtür. Dann stürzte er in die Hütte zurück und legte vor Hausfrau und Sohn sieben Scheine zu je zehn Kronen und einen zu fünf auf den Tisch.

– Aber es ist nicht richtig, den Leuten soviel Geld abzunehmen, murrte die Alte.

Gustav aber war zufrieden; zum ersten Male sprach er Carlsson seine Anerkennung aus, als dieser erzählte, wie er durch den Hinweis auf viele Bewerber den Herrn gedrängt habe.

Geld auf den Tisch, das war ein Trumpf für Carlsson. Nach diesem Stückchen, bei dem ihm seine Erfahrung in Geschäftssachen zu gute gekommen war, sprach er in einem höheren Tone.

Es sei nicht nur das bare Geld für die Miete, das ihnen in den Schoß gefallen; es werde auch indirekte Einkünfte regnen.

Und Carlsson malte die Aussichten den lauschenden Zuhörern in raschen Zügen aus.

Man werde Fische, Milch, Eier, Butter verkaufen; Feuerung brauche man nicht umsonst zu liefern; nicht zu sprechen von den Fahrten nach dem Badeort Dalarö, für die man jedes Mal eine Krone nehmen könne. Und dann könnte man ein Kalb, ein Schaf, ein Huhn, Kartoffel und Gemüse absetzen. Oh, da sei etwas zu machen! Und es sei ein feiner Mann!

Am Mittsommerabend langten die erwarteten Goldfische an. Es waren Mann und Frau, eine Tochter von sechzehn und ein Sohn von sechs Jahren, dazu zwei Dienstmädchen.

Der Herr war Geiger der Hofkapelle, lebte in guten Verhältnissen, war ein Mann des Friedens, stand am Eingang der Vierziger. Er war von deutscher Geburt und konnte die Inselbauern nicht gut verstehen; darum beschränkte er sich darauf, zu allem, was sie sagten, beifällig zu nicken und »schön« zu sagen; so kam er rasch in den Ruf, ein sehr netter Herr zu sein.

Die Dame war eine ordentliche Hausfrau, die ihr Haus und ihre Kinder pflegte und sich durch ihr würdiges Benehmen bei den Mägden in Respekt zu setzen wußte, ohne zu wettern oder zu bestechen.

Carlsson nahm sich sofort als der am wenigsten Schüchterne und am meisten Sprechende der Fremdlinge an. Dazu hatte er ja auch ein Vorrecht, da er sie hergebracht. Auch besaß niemand von den andern weder die unternehmende Lust noch die gesellige Gabe, ihm seinen Platz streitig zu machen.


Die Ankunft der Städter unterließ nicht, ihren Einfluß auf Sinne und Sitten der Inselbauern auszuüben. Täglich Menschen vor sich zu sehen, die festtäglich gekleidet waren, jeden Tag zum Sonntag machten, ohne Ziel spazieren gingen und ruderten, badeten und musizierten; sich die Zeit vertrieben, als gebe es keinen Kummer, keine Arbeit in der Welt – das erregte anfangs keinen Neid sondern nur Erstaunen; Erstaunen darüber, daß das Leben sich so gestalten könne; Erstaunen über Menschen, die ihr Dasein so angenehm und ruhig, so rein und fein vor allem einzurichten vermochten, ohne daß man sagen konnte, sie hätten Andern Unrecht getan oder Arme geplündert.

Ohne sich dessen bewußt zu werden, fingen die Inselbauern an, sich stillen Träumen hinzugeben; verstohlene Blicke nach der Großstuga zu werfen. Sahen sie ein helles Sommerkleid auf der Wiese aufleuchten, blieben sie stehen und weideten sich an dem Anblick wie an etwas sehr Schönem. Gewahrten sie einen weißen Schleier um einen italienischen Strohhut, ein rotes Seidenband um einen schlanken Leib, in einem Boot auf der Bucht, zwischen den Fichten des Waldes, wurden sie still und andächtig vor Sehnsucht nach einem unbekannten Etwas, das sie nicht zu hoffen wagten, zu dem sie sich aber hingezogen fühlten.

Gespräch und Lärm unten in der Küche und der alten Stuga nahmen eine stillere Art an. Carlsson erschien beständig in reinem, weißem Hemd, hatte auch wochentags eine blaue Tuchmütze auf und nahm allmählich das Aussehen eines Verwalters an; hatte einen Bleistift in der Brusttasche oder hinterm Ohr und rauchte oft eine leichte Zigarre.

Gustav zog sich dagegen zurück, hielt sich so abseits wie möglich, um nicht zu Vergleichen Anlaß zu geben; sprach bitter von Städtern im allgemeinen; mußte sich und andere öfters als früher an das Geld auf der Bank erinnern; machte weite Bogen, um an der Großstuga vorbeizukommen und den hellen Kleidern auszuweichen.

Rundqvist ging mit finsterm Gesicht umher, hielt sich meist in der Schmiede auf und erklärte, er frage den Teufel nach der ganzen Welt, und sei es die Königinwitwe selber.

Norman dagegen holte seine Soldatenmütze hervor, schnallte den Hungerriemen über das Wams und schlug Haken um den Brunnen, wohin die Mägde der Herrschaft morgens und abends zu kommen pflegten.

Am schlimmsten kamen Clara und Lotte weg; die sahen bald alle Mannsleute feige abfallen, um zu den Mägden der Herrschaft überzugehen, die sich auf Briefen Fräulein nennen ließen und im Hut nach Dalarö, dem Badeort, fuhren. Clara und Lotte mußten barfuß gehen; im Viehstall war es so schmutzig, daß sie ihre Stiefel bald verdorben hätten; und in der Küche war es zu heiß, um beschuht zu sein. Sie trugen dunkle Kleider und konnten sich nicht einmal eine weiße Passe erlauben, infolge von Schweiß, Ruß, Spreu. Clara machte einen Versuch mit Manschetten, kam aber übel an; sie wurde sofort entlarvt, und man lachte lange über sie, daß sie sich in Wettstreit eingelassen. Doch am Sonntag hielten Clara und Lotte sich schadlos; da legten sie einen Eifer für den Kirchgang an den Tag, wie man seit Jahr und Tag nicht gesehen; nur um ihre besten Kleider anziehen zu können.

Carlsson machte sich immer etwas beim Professor zu schaffen; blieb stets am Vorbau stehen, wenn jemand dort saß; fragte nach dem Befinden; sagte schönes Wetter voraus; schlug Ausflüge vor; gab Ratschläge über die Seefischerei. Dann und wann bekam er ein Glas Bier oder einen Kognak. Die Anderen beschuldigten ihn bald, halblaut, er schmarotze.

Am Sonnabend, wenn die Köchin der Herrschaft nach dem Badeort Dalarö fuhr, um einzukaufen, entstand ein Meinungsaustausch, wer sie rudern solle. Carlsson entschied die Sache ganz einfach zu seinen Gunsten, denn das kleine, schwarze, weißhäutige Mädchen hatte es ihm angetan. Als die Alte ihm Vorstellungen machte, der erste und wichtigste Mann auf dem Hofe dürfe sich nicht mit solchen kleinen Dingen befassen, antwortete Carlsson, der Professor habe ihn eigens gebeten, weil wichtige Briefe zur Post müßten. Gustav verriet wider Willen, daß auch ihm daran gelegen sei, den Boten zu machen, indem er vorschlug, die Briefe sollten ihm anvertraut werden.

Carlsson aber erklärte bestimmt, er könne unmöglich zugeben, daß der Hausherr Knechtesdienste verrichte; das gebe den Leuten nur Stoff zum Klatschen. Und dabei blieb es.

Den Dalaröboten zu machen, hatte seine Vorteile, die der findige Knecht im voraus aufgespürt. Zuerst war man allein mit einem Mädchen auf See und konnte ungestört mit ihr schwatzen und schäkern. Dann folgten Bewirtung und Trinkgelder. Und im Badeorte konnte er sich alle Kaufleute verpflichten, indem er ihnen einen Kunden verschaffte; das brachte immer einen Händedruck ein, einen Schnaps hier, eine Zigarre dort; auch fiel ein gewisser Schein von Ansehen auf den, der Aufträge vom Professor zu besorgen hatte, am Wochentag fein gekleidet war und sich in Gesellschaft eines Fräuleins aus Stockholm befand.

Die Fahrten nach Dalarö fanden jedoch nur ein Mal in der Woche statt und hatten keinen störenden Einfluß auf den regelmäßigen Gang der Arbeit. Carlsson war nämlich so pfiffig, die Tage, an denen er fort war, den Burschen die Arbeit in Akkord zu geben: sie mußten so und so viele Klafter entwässern, so und so viele Äcker pflügen, so und so viele Bäume fällen; dann waren sie frei. Die Leute gingen mit Vergnügen darauf ein, denn auf diese Weise konnten sie schon zur Vesperzeit fertig sein.

Bei solchen Gelegenheiten, wenn die Arbeit zugemessen und die geleistete geprüft werden mußte, kam der Bleistift und das jetzt eingeführte Notizbuch zu Ehren. Carlsson gewöhnte sich daran, als Verwalter aufzutreten und allmählich die Arbeit auf andere Schultern gleiten zu lassen.

Gleichzeitig richtete er sich auf der Kammer wie in seinem eigenen Junggesellenzimmer ein. Tabakrauchen war längst eingeführt; auf den Tisch am Fenster hatte er ein grünes Taschentintenfaß, Federhalter, Bleifeder, einige Bogen Postpapier aufgetischt und mit Leuchter und Streichholzgestell geordnet: es sah aus wie ein Schreibtisch. Das Fenster ging nach der Großstuga; daran saß er in seinen Erholungsstunden und beobachtete die Bewegung der Herrschaft; auch konnte er hier zeigen, daß er zu schreiben verstand.

Abends machte er das Fenster auf, legte die Ellbogen aufs Fensterbrett und schmauchte eine Pfeife oder einen Zigarrenstummel, den er aus der Westentasche hervorsuchte. Oder er las ein Wochenblatt. Von unten sah das so aus, als sei er der Hausherr selbst.

Wenn es aber dämmerig wurde und er Licht ansteckte, legte er sich aufs Bett und rauchte. Dann kamen die Träume, Pläne vielmehr; die bauten sich auf Umstände auf, die zwar noch nicht eingetreten waren, aber durch eine kleine Änderung sich vielleicht einstellen konnten.

Als er eines Abends so auf dem Rücken lag und »Schwarzen Anker« qualmte, um die Mücken zu betäuben, während seine Augen sich auf das weiße Laken hefteten, das die Kleider bedeckte, ließ dieses plötzlich los und fiel zu Boden. Wie den Schatten einer Reihe Soldaten sah er die ganze Garderobe des Verstorbenen an der Wand Flankenmarsch machen; gegen das Fenster und zurück zur Tür, je nachdem das Licht im Zuge flackerte. Carlsson glaubte den Toten in all den Gestalten zu sehen, welche die Kleider auf die karrierte Tapete zeichneten. Da kam er in Joppe aus blauer Boi und in grauen Tuchhosen, in denen Knie waren, da er mit denen im Trebel am Steuer gesessen, wenn er mit Fischen nach der Stadt segelte, um dann in der »Messingstange« mit dem Fischkäufer Toddy zu trinken. Hier kam er in schwarzem Gehrock und langen, flatternden Hosen: so ging er zur Kirche, wenn Beichte war; so war er auf Hochzeit, Begräbnis, Kindstaufe gekleidet. Dort hing die schwarze Jacke aus Schaffell; die hatte er an, wenn er im Herbst und Frühling am Strande stand und Zugnetze zog. Dort brüstete sich der große Seehundpelz, der noch Spuren vom Weihnachtsschmaus trug. Der Reisegurt, mit grünem, gelbem, rotem Wollgarn gestickt, ringelte sich wie die große Seeschlange bis auf den Boden und steckte den Kopf in einen Stiefelschaft.

Carlsson wurde warm unterm Hemd, wenn er sich in den schönen, seidenweichen Pelz hineindachte; sich vorstellte, wie er auf einem Schlitten übers Eis schoß, eine Kappe aus Seehundsfell auf dem Kopf; wie die Nachbarn den Weihnachtsgast am Strande mit Feuern und Büchsenschüssen empfingen; wie er in der warmen Stube den Pelz auszog, um dann im schwarzen Tuchrock dazustehen; wie der Pastor ihn mit du begrüßte und er ganz oben an der Schmalseite des Tisches sitzen durfte, während die Knechte an der Tür standen oder sich aufs Fensterbrett geschwungen hatten.

Die Vorstellungen von den erwünschten Seligkeiten wurden so lebhaft, daß sie Carlsson auf die Beine brachten; ehe er sich dessen bewußt wurde, war er in den Pelz geschlüpft und strich mit der Hand über die Pulswärmer; als kose er die Brüste eines Weibes, so weich und fein war das Fell; und es schauerte ihn, als der Kragen seine Backe kitzelte.

Dann zog er den schwarzen Gehrock an und knöpfte ihn zu; stellte seinen Rasierspiegel auf den Stuhl und sah nach, wie der Rock im Rücken saß; steckte die Hand unter den Aufschlag und ging im Zimmer auf und ab. Ein Gefühl von Reichtum verbreitete sich von dem seidenweichen Tuch; etwas Geräumiges, etwas Rundliches, als er zur Probe den Schoß spaltete und sich auf den Bettrand setzte; so tuend, als sei er auf Besuch.

Während er so ganz in berauschenden Träumen versunken war, hörte er von draußen Stimmen, die plauderten; als er aufhorchte, merkte er, wie sich Idas (das war die hübsche Köchin) und Normans Stimmen verflochten, zusammenfielen, Seite an Seite gingen, sich gleichsam schnäbelten. Das gab ihm einen Stich; mit einem Griff hatte er Gehrock und Pelz unter die Kleider hinter das Laken gehängt; bewaffnete sich mit einer neuen Zigarre und ging die Treppe hinunter.


Mit ernsten Zukunftsplänen beschäftigt, hatte Carlsson bisher alle Händel mit Mädchen vermieden. Erstens wußte er, wieviel Zeit dabei verloren geht; dann fühlte er, im selben Augenblick, in dem er das Feuer nach dieser Seite eröffnete, gab es keine Sicherheit mehr; er konnte sich eine Blöße geben, die schwer zu verteidigen war; und war er einmal auf diesem Felde geschlagen, war es aus mit Respekt und Ansehen.

Als sich jetzt aber die anerkannte Schönheit dem Wettstreit aussetzte, und der Sieger zu viel zu gewinnen hatte, fühlte er sich veranlaßt, die Sporen zu benutzen und den Kamm zu erheben; mit dem festen Entschluß, der Hahn zu werden, ging er auf den Holzplatz hinunter, wo das Spiel schon in vollem Gange war. Es ärgerte ihn nur, daß er sich mit Norman messen mußte; wäre es wenigstens Gustav gewesen! Aber dieser Tropf Norman! Nun, der sollte mal sehen!

– Guten Abend, Ida! begann er, ohne von dem Nebenbuhler Notiz zu nehmen, der unwillkürlich seinen Platz am Zaun verließ.

Carlsson nahm diesen Platz sofort ein und begann das Spiel. Während Ida Holz und Späne in die Holztrage las, machte er von seiner überlegenen Beredsamkeit einen solchen Gebrauch, daß Norman kein Wörtchen anbringen konnte.

Ida aber war launenhaft wie beim Mondwechsel; sie warf Norman Seitenworte zu, die Carlsson jedoch im Fluge aufgriff und zurücksandte, hübsch verziert und schön ausgemalt.

Aber die Schöne fand Gefallen an dem Kampf und bat Norman, ihr etwas Kienholz zu spleißen. Ehe der Glückliche bis zur Tür kam, war Carlsson schon über den spitzen Zaun gestiegen, hatte sein Klappmesser gezogen und begann einen trockenen Fichtenklotz zu spleißen. In wenigen Minuten legte er die Späne in die Holztrage, faßte alles mit dem kleinen Finger zusammen und trug es direkt in die Küche, in die ihm Ida folgte. Dort blieb er am Türpfosten stehen, indem er sich so breit machte, daß niemand weder hinaus noch herein konnte.

Norman, dem es nicht gelang, irgend ein Anliegen zu erfinden, umkreiste zuerst einige Male den Holzplatz, um milzkrank darüber nachzusinnen, wie leicht der Unverschämte im Leben vorwärts kommt; bis er schließlich für gut fand, abzuziehen. Er setzte sich auf den Brunnenrand und stöhnte seine Klage in einem Schottischen aus, den er aus der Handharmonika holte.

Die weichen Töne der Blechzungen drangen doch durch die dicke Abendluft, am Türpfosten vorbei, und erreichten den Thron der Barmherzigkeit am Küchenherd: Ida erinnerte sich jetzt, sie müsse zum Brunnen gehen, um für den Professor Trinkwasser zu holen.

Carlsson folgte ihr; dieses Mal aber fühlte er sich doch etwas unsicher in dem Kampf auf einem Felde, das ihm ganz fremd war. Um die Wirkung des zauberischen Lockrufs aufzuheben, nahm er Idas Kupferflasche und flüsterte zärtliche Worte; in einem so schmachtenden und wohlklingenden Tone, wie er nur irgend vermochte; als wolle er der verführerischen Musik Worte unterlegen und das Solo zu einer untergeordneten Begleitung herabsetzen.

Aber gerade als sie zum Brunnen kamen, rief die Hausmutter oben aus der Hütte. Sie rief Carlsson, und in ihrem Ton war zu hören, daß es sich um etwas Wichtiges handelte.

Zuerst wurde Carlsson böse und wollte nicht antworten; da aber fuhr der Teufel in Norman: mit schallender Stimme rief der:

– Hier, Tante! Er kommt sofort!

Indem er den falschen Spielmann zur Hölle wünschte, riß sich der Sieger aus den Armen der Liebe und ließ die halb errungene Beute dem Schwächern, der sein Liebesglück nur einem Schicksal zu verdanken hatte.

Die Alte rief noch ein Mal; mit zorniger Stimme antwortete Carlsson, er komme so schnell, wie er nur könne.

– Wollt Ihr näher treten, Carlsson, und eine Halbe trinken, empfing die Alte ihn im Vorbau, mit der Hand die Augen beschattend, um die leichte Sommerdämmerung zu durchdringen und zu sehen, ob er allein komme.

Carlsson hätte sonst gern eine Halbe getrunken, aber in diesem Augenblick wünschte er allen Kaffee und Branntwein zur Hölle; doch konnte er nicht nein sagen; während Normans norrköpinger Scharfschützenmarsch siegesstolz und hohnvoll von der Quellwiese heraufklang, mußte er in die Stuga hinein.

Die Alte war milder als gewöhnlich; Carlsson aber fand sie älter und häßlicher als gewöhnlich. Je freundlicher sie sich zeigte, desto mürrischer wurde er; das machte die Alte schließlich beinahe zärtlich.

– Die Sache ist die, Carlsson, sagte sie schließlich, während sie ihm Kaffee eingoß: wir müssen für nächste Woche zur Mahd aufbieten. Darum möchte ich natürlich erst mit Euch sprechen.

Die Harmonika verstummte mitten in den schmelzenden Akkorden des Trios; Carlsson erstarrte und wurde unaufmerksam, um schließlich einige Worte ohne Klang und ohne richtigen Zusammenhang hervorzubringen:

– Jaja, also die Mahd in nächster Woche!

– Und da möchte ich, fuhr die Alte fort, daß Ihr am Sonnabend mit Clara hinfahrt und aufbietet; dann kommt Ihr auch etwas unter die Leute und könnt Euch zeigen, denn das ist immer gut.

– Aber am Sonnabend kann ich nicht, antwortete Carlsson mürrisch; da muß ich für Professors nach Dalarö.

– Einmal könnte wohl Norman die Fahrt machen, wendete die Alte ein und drehte dem Knecht den Rücken, um seine Miene nicht sehen zu müssen.

In diesem Augenblick brachte die Harmonika einige weiche, von Pausen unterbrochene Sätze hervor, die sich zu entfernen schienen, um draußen in der Sommernacht, wo die Nachtschwalbe schon an ihrem surrenden Rocken spann, zu verhallen.

Carlsson schwitzte Todesschweiß, goß den Kaffeebranntwein hinunter, fühlte Steine auf der Brust, Nebel um den Kopf, eine allgemeine Schwäche in den Nerven.

– Das kann Norman nicht, stieß er hervor; Norman kann die Geschäfte des Professors nicht besorgen – und – er wird auch nicht damit betraut.

– Aber ich habe den Professor gefragt, schnitt die Alte den Faden ab; und er sagte, er habe für diesen Sonnabend nichts.

Es war wie verhext für Carlsson; die Alte hatte ihn wie eine Maus gepackt; es war kein Loch mehr vorhanden, in das er schlüpfen konnte.

Und seine Gedanken gingen nach so verschiedenen Richtungen, daß er sie kaum zu einer Gegenwehr sammeln konnte. Das sah die Alte auch, und sie wollte darum kneten, solange der Teig gärte.

– Hört mal, Carlsson, sagte sie; Ihr müßt es Euch nicht zu Herzen nehmen, wenn ich Euch was sage; denn ich meine es gut mit Euch.

– Ihr mögt meinetwegen sagen, was zum Teufel Ihr wollt: denn jetzt ist es mir doch ganz einerlei, brach Carlsson los, der die zärtlichen Töne der Harmonika im Hag verklingen hörte.

– Ich wollte nur sagen, Ihr müßt Euch für zu gut halten, um mit den Mädchen zu spielen; das nimmt nur ein schlimmes Ende. Ja, ich weiß; ich kenne das; und es ist gut gemeint von mir, Carlsson. Solche Stadtmädchen müssen immer einen Troß Männer hinter sich haben, damit es nach was aussieht; und dann wird hier scherwenzelt und dort gehänselt; und gehen sie in den Wald mit Einem, laufen sie in den Hag mit dem Andern. Und wenn es schief geht, so nehmen sie den, ders am besten tragen kann. So ist’s bestellt!

– Was kümmert’s mich, wer die Burschen bürstet; meiner sollen sie nicht habhaft werden. Übrigens ist ein Unterschied zwischen Mädchen und Mädchen; alle sind nicht Dirnen, die verkommen, erleichterte Carlsson sein volles Herz.

– Nicht übel aufnehmen, tröstete die Alte. Aber ein Mann wie Ihr, Carlsson, sollte ans Heiraten denken, nicht solchen Mädchen nachlaufen. Hier in den Schären gibt es viele reiche Mädchen, kann ich Euch sagen; und seid Ihr klug und macht Ihr Eure Sache gut, so könnt Ihr früher als Ihr glaubt Euer eigener Herr werden. Darum müßt Ihr nicht eigensinnig sein, Carlsson, sondern auf das hören, was ich Euch sage, wenn ich Euch bitte, zu den Nachbarn zu fahren und sie zur Mahd zu laden. Bedenket doch, nicht Jeden hätte ich aufgefordert, im Namen des Hofes zu fahren; und der Junge wird wohl auch über mich herfallen. Aber daran kehre ich mich nicht: halte ich mich an einen, so stütze ich ihn auch; darauf könnt Ihr Euch verlassen.

Es begann in Carlssons Innern ruhig zu werden; es leuchtete ihm ein, daß es seine Vorteile haben müsse, den Hof zu vertreten; aber er war noch zu sehr gereizt, um seine Flamme gegen etwas Ungewisses zu vertauschen; er hatte ein Bedürfnis, zuerst etwas Handgeld zu erhalten, ehe er sich auf das Geschäft einließ.

– So wie ich hier bin, kann ich nicht gehen, und saubere Kleider habe ich nicht, warf er seine Schnur aus.

– So schlimm ist es mit den Kleidern wohl nicht, meinte die Alte; wenn aber weiter nichts fehlt, so werden wir schon Rat schaffen.

Weiter mochte Carlsson in dieser Richtung nicht gehen; dafür wollte er lieber das angedeutete Versprechen gegen ein anderes, bestimmtes, auswechseln. Nach verschiedenen Einwendungen der Alten gelang es ihm auch, zu erreichen, daß Norman, als unentbehrlich beim Schleifen der Sensen und Ausbessern des Heuwagens, zu Hause bleiben sollte, während Lotte Ida nach Dalarö fuhr.


Es war drei Uhr morgens an einem Julitage im Anfang des Monats. Es raucht schon aus dem Schornstein, der Kaffeekessel ist aufgesetzt; das ganze Haus ist wach und in Bewegung; draußen auf dem Hof ist ein langer Kaffeetisch gedeckt.

Die Schnitter sind am Abend vorher gekommen und haben auf Heuboden und Scheune geschlafen. Zwölf stattliche Männer aus den Schären, in weißen Hemdärmeln und Strohhüten, stehen in Gruppen vor der Stuga, mit Sensen und Wetzsteinen bewaffnet.

Da ist der Alte aus Owassa und der Alte aus Svinnockar, deren Rücken vom Rudern rund geworden sind; da ist der von Aspö mit seinem langen Heldenbart, einen Kopf höher als die Andern, mit tiefen, traurigen Blicken von der Einsamkeit draußen am offenen Meere, von Kummer ohne Namen und ohne Klage; das ist der Fjällonger, eckig und halb gedreht, wie eine Meerkiefer draußen auf der letzten Schäre; der von Fiversätra, mager, durchweht, lebhaft, trocken wie eine Kaffeehaut; die Quarnöer, Bootbauer von Ruf; die von Longskär, die ersten Seehundschützen; der Bauer von Arnö mit seinen Jungen.

Und um ihnen, zwischen ihnen bewegten sich die Mädchen, in Hemdärmeln, mit Brusttüchern über den Busen, in hellen Kleidern aus Baumwolle, mit Tüchern auf dem Kopf. Die Harken, die in allen Farben des Regenbogens frisch bemalt waren, hatten sie selbst mitgebracht. Sie sahen aus, als gingen sie zu einem Fest, nicht zu einer Arbeit. Die Alten klopften sie mit den Fingerknöcheln auf die Taille und sagten ihnen vertrauliche Worte. Die Burschen aber verhielten sich so früh am Morgen beiseite; sie warteten den Abend mit Dämmerung, Tanz und Musik ab, um ihre Liebesspiele zu spielen.

Die Sonne war seit einer Viertelstunde aufgegangen, aber noch nicht so weit über die Wipfel der Kiefernhöhe gekommen, um den Tau aus dem Gras zu lecken. Die Bucht lag spiegelblank da, von dem jetzt blaßgrünen Schilf eingefaßt; das Piepen der eben ausgebrüteten jungen Enten war zwischen dem Schnattern der alten zu hören; die Möwen fischten dort unten Ukeleis, segelnd, groß, flügelbreit, schneeweiß wie die Gipsengel der Kirche; in der Kellereiche waren die Elstern erwacht und schwatzten und kicherten von den vielen Hemdärmeln, die sie unten auf dem Haushügel gesehen; der Kuckuck rief im Hag, brünstig, rasend, als sei die Zeit des Begehrens zu Ende, wenn er den ersten Heuschober erblickte; die Wiesenknarre arpte und schnarpte unten im Roggenfelde; aber auf dem Hügel sprang der Hund und begrüßte alte Bekannte.

Hemdärmel und Leinenpassen glänzten im Sonnenschein, streckten sich über den Kaffeetisch, auf dem Tassen und Schüsseln, Gläser und Kannen klirrten: die Bewirtung hatte begonnen.

Gustav, sonst schüchtern, machte den Wirt; sich unter den alten Freunden seines Vaters sicher fühlend, setzte er Carlsson in Schatten und handhabte selber die Branntweinflasche.

Carlsson aber, der auf seiner Einladungsfahrt Bekanntschaften geschlossen, benahm sich, als sei er zu Hause, wie ein älterer Angehöriger oder Gast, und ließ sich den Hof machen. Da er vor Gustav zehn Jahre voraus hatte und ein männlicheres Aussehen besaß, stach er diesen aus; zumal Gustav für die Männer, die sich mit seinem Vater geduzt, kaum etwas anderes als »der Junge« werden konnte.

Der Kaffee war getrunken, die Sonne stieg, die Veteranen setzten sich in Bewegung, um nach der großen Wiese hinunter zu ziehen, die Sensen auf den Schultern; die Jungen und die Mädchen folgten.

Das Gras reichte den Männern bis an die Schenkel und stand dicht wie ein Fell. Carlsson mußte über die neue Bewirtschaftung der Wiese Bescheid geben; wie er Laub und Gras vom vorigen Jahr abräumte, die Maulwurfshaufen ebnete, in die Frostflecken säete, mit Jauche begoß.

Dann verteilte er wie ein Hauptmann seine Truppe; gab den Alten und Vermögenden Ehrenplätze und ging selbst an letzter Stelle; verlor sich also nicht im Haufen.

Und so begann die Schlacht. Zwei Dutzend weiße Hemdärmel in einem Keil, ziehenden Schwänen gleich, die Sensen Ferse an Ferse; und hinterdrein, in zerstreuter Ordnung, wie ein Volk Fischschwalben, launenhaft hin und her springend, aber doch zusammen haltend, die Mädchen mit ihren Harken; jede ihrem Mäher folgend.

Es sauste um die Sensen, und das tauige Gras fiel in Büscheln. Seite an Seite lagen alle Blumen des Sommers, die sich aus Wald und Hag heraus gewagt: Gänseblume und Kuckucksblume, Pechnelke und Labkraut, Kälberkropf, Heidenelke, Erve, Wachtelweizen, Steinsame, Pestwurz, Kleeblatt; und alle Gräser und Halbgräser der Wiesen. Es duftete nach Honig und Gewürzen; Bienen und Hummeln flohen in Schwärmen vor der mörderischen Schar. Die Maulwürfe verkrochen sich in die Eingeweide der Erde, als sie es in ihrem gebrechlichen Dach krachen hörten. Die Ringelnatter schlüpfte erschrocken in den Graben und verschwand in ein Loch, das nicht größer als ein Tauende war. Aber über das Schlachtfeld in die Höhe schwang sich ein Lerchenpaar, dessen Nest ein Absatzeisen zertreten hatte. Als Nachhut trippelten die Stare, um allerhand Getier, das in den brennenden Sonnenschein geraten war, aufzulesen und aufzupicken.

Die erste Bahn war bis zum Feldrain abgemäht. Die Kämpfer hielten inne und betrachteten, auf ihre Sensenschäfte gestützt, das Werk der Zerstörung, das sie hinter sich gelassen. Sie wischten sich den Schweiß aus dem Mützenstreifen und nahmen eine neue Prise Schnupftabak aus den Messingdosen. Inzwischen hatten sich die Mädchen beeilt in die Frontlinie zu kommen.

Dann geht es wieder auf das grüne Blumenmeer los, das unter der wachsenden Morgenbrise wogt; bald bunte leuchtende Farben zeigt, wenn die steiferen Stengel und Köpfe der Blumen sich in den Wellen des weichen Honiggrases behaupten; bald sich in einem einzigen Grün wie ein See in Windstille ausbreitet.

Es ist Fest in der Luft und Wetteifer in der Arbeit; man würde lieber am Sonnenstich niederstürzen, als die Sense fortstellen.

Carlsson hat Ida zur Harkerin, und da er der Letzte in der Reihe ist, kann er, ohne die Waden zu gefährden, sich prahlerisch umdrehen, um ihr ein Wort zuzuwerfen. Aber Norman hat er unter strenger Bewachung schräg vor sich; sobald dieser einen verliebten Blick nach Südosten tun will, hat er Carlssons Sense an den Hacken und hört einen eher unfreundlichen als wohlwollenden Warnungsruf:

– Die Füße in Acht nehmen!

Als die Uhr acht ist, liegt die Quellwiese wie ein eben geeggter Acker da, glatt wie eine Hand, und das Heu in langen Schwaden. Jetzt wird das Werk beschaut und die Schläge geprüft. Über Rundqvist sitzt man zu Gericht; man kann sehen, wo er gegangen ist; es sieht aus, als hätten Elfen dort getanzt. Aber Rundqvist verteidigt sich: er habe nach dem Mädchen sehen müssen, das man ihm gegeben; denn es sei nicht gestern gewesen, daß ein Mädchen ihm nachgelaufen.

Jetzt halloht Clara oben von der Höhe zum Frühstück; die Branntweinflasche funkelt in der Sonne und der Anker Dünnbier ist angestochen; der Kartoffeltopf raucht auf der Felsplatte, der Strömling dampft in den Schüsseln, die Butter ist aufgelegt, das Brot ist geschnitten; die Schnäpse werden eingegossen, und das Frühstück ist im Gang.

Carlsson hat Lob erhalten und ist siegestrunken; Ida ist ihm auch gewogen, und er wartet ihr mit einer Aufmerksamkeit auf, die auffällt; aber sie ist auch die Schönste des Tages.

Die Alte, die mit Schüsseln und Tellern aus und ein läuft, streicht oft an den beiden vorbei; zu oft, um nicht von Ida bemerkt zu werden; doch nicht eher von Carlsson, als bis sie ihm mit dem Ellbogen sanft in den Rücken stößt und flüstert:

– Ihr müßt Wirt sein, Carlsson, und Gustav helfen; Ihr müßt tun, als seiet Ihr hier zu Hause!

Carlsson hat nur Augen und Ohren für Ida und antwortet der Alten mit einem Scherz. Jetzt aber kommt Lina, das Kindermädchen des Professors, und erinnert Ida daran, daß sie nach Haus muß, um aufzuräumen.

Aufregung und Trauer bricht unter den Männern aus, aber die Mädchen sind nicht sehr betrübt.

– Wer soll denn für mich aufnehmen, wenn ich kein Mädchen mehr habe? ruft Carlsson mit gespielter Verzweiflung aus, die den wirklichen Verdruß verbergen soll.

– Dann muß es Tante wohl tun? antwortet Rundqvist, der Augen im Rücken haben soll.

– Tante muß harken! rufen die Männer im Chor. Tante muß kommen und harken.

Die Alte schlägt abwehrend mit der Schürze:

– Was soll ich alte Frau unter den Mädchen? Nein, niemals, niemals! Ihr seid wohl närrisch!

Aber der Widerstand reizt.

– Nimm die Alte, flüstert Rundqvist, während Norman sich aufheitert und Gustav finster wie die Nacht wird.

Es blieb keine Wahl; unter Lärm und Lachen eilt Carlsson ins Haus, um die Harke der Alten zu holen, die irgendwo oben auf dem Boden liegen muß. Hinter ihm drein läuft die Alte, die schreit:

– Nein, um Gottes willen, Ihr dürft nicht in meinen Sachen kramen.

So verschwinden die Beiden, während die Zurückbleibenden laute und beißende Bemerkungen machen.

– Ich finde, unterbricht Rundqvist schließlich das Schweigen, das entstanden ist, sie bleiben etwas lange aus! Geh, Norman, und sieh nach, was geschehen ist!

Stürmischer Beifall ermuntert den Ehrgeizigen, fortzufahren.

– Was mögen sie oben nur machen? Das ist doch zu arg! Ich werde wirklich unruhig, wißt ihr.

Gustavs Lippen wurden dunkelblau, aber er zwang sich zu einem Lachen, um sich nicht von den Andern abzusondern.

– Gott verzeihe mir meine Sünden, fuhr Rundqvist im selben Tone fort; jetzt aber halte ichs nicht länger aus; ich muß nachsehen, was die Beiden vorhaben.

In diesem Augenblick kommt Carlsson mit der Alten aus dem Vorbau und bringt die gesuchte Harke. Die ist fein, mit zwei Herzen bemalt, »Anno 1852« gezeichnet; es war einst die Brautharke der Alten, die Flod selbst angefertigt. Sie hatte Erbsen im Schaftknauf, die klapperten, wenn man die Harke rührte.

Die Erinnerung an vergangene Freuden scheint den frischen Sinn der Alten in eine muntere Stimmung zu versetzen; ohne eine Spur von krankhafter Empfindsamkeit zeigt sie auf die Jahreszahl und sagt:

– Das war nicht gestern, als der Flod mir die Harke machte ...

– Und du ins Brautbett stiegst, Tante, fiel der von Svinnockar ein.

– Kannst es wohl noch ein Mal, meinte der aus Owassa.

– Sechs Wochen alten Ferkeln und zwei Jahre alten Witwen kann man nicht trauen, neckte der Fjällonger.

– Je trockener der Zunder, desto schneller fängt er Feuer, brannte der von Fiversätra los.

Und jeder warf seinen Scheit aufs Feuer. Die Alte aber schmunzelte und wehrte sie ab, machte gute Miene zum bösen Spiel und scherzte mit; böse zu werden, hatte keinen Zweck.

Dann gings auf die Bruchwiese hinunter. Da standen Segge und Schachtelhalm so hoch wie ein Kiefernwald und das Wasser ging den Männern bis an die Stiefelschäfte. Die Mädchen zogen Strümpfe und Schuhe aus und hingen sie auf den Feldzaun.

Die Alte harkte hinter Carlsson so fleißig, daß sie es den Andern zuvortat. Manches Scherzwort über das junge Paar, wie sie genannt wurden, fiel. Diesen Ausdruck benutzten sie als Feigenblatt, um darunter zu verbergen, was im Geheimen zu wachsen begann.

So ward es Mittag und so ward es Abend.

Der Spielmann war mit seiner Geige gekommen; die Tenne war geräumt und gekehrt, die schlimmsten Astlöcher mit Pech verkittet worden. Als die Sonne unterging, begann der Tanz.

Carlsson eröffnete ihn mit Ida; deren schwarzes Kleid war viereckig ausgeschnitten, hatte eine weiße Krause und einen Maria-Stuart-Kragen; wie eine beneidete Dame stand Ida unter den Bauernmädchen da; die Alten betrachteten sie mit Furcht und Kälte, die Jungen mit Verlangen.

Carlsson konnte allein den neuen Walzer; darum nahm Ida ihn gern, ein Mal nach dem andern, nachdem ein Versuch mit Norman mißlungen war. Als der so aus dem Felde geschlagen wurde, verfiel er auf den unglücklichen Gedanken, zu seiner Handharmonika zu greifen; um sein gequältes Herz auszuschütten und vielleicht mit einer letzten Leimrute den feinen und unbeständigen Vogel zu fangen; vor einigen Wochen glaubte er ihn in der Hand zu haben, bald aber saß er wieder auf dem Dach und schnäbelte mit einem andern.

Carlsson fand indessen die Begleitung überflüssig, da er eigens einen wirklichen Spielmann gedungen; und die engbrüstige Harmonika hielt mit der leichtfüßigen Geige nicht Schritt, sondern störte den Takt und brachte Unordnung in den Tanz. Die gute Gelegenheit, den Nebenbuhler abzutun, lockte Carlsson, zumal die Meinung, die Harmonika störe nur, allgemein zu sein schien. Er nahm also den Mund etwas voll und schrie dem unglücklichen Liebhaber, der sich in einer Ecke verkrochen hatte, über die Tenne hinüber zu:

– Halloh, schnür den Lederbeutel, du! Mach, daß du hinauskommst, und laß die Luft aus, wenn du aufgeblasen bist.

Die allgemeine Meinung verurteilte den Sünder mit einem zustimmenden Lachen. Norman aber waren einige Schnäpse zu Kopf gestiegen, und Idas Krause hatte ungeahnte Kräfte hervorgezaubert.

– Halloh! ahmte er Carlsson nach, der unversehens in seine Mundart verfallen war, die auf Hochschweden lächerlich wirkte. Komm nur hinaus auf den Hof, dann werde ich dir schon die Flöhe aus dem Schweinepelz lausen!

Carlsson fand seine Stellung noch nicht so bedroht, um zu den Fäusten übergehen zu müssen, sondern hielt sich auf dem unschuldigeren Gebiet des Zungenkampfes.

– Was ist das für ein merkwürdiges Schwein, das Flöhe im Pelz hat?

– Das stammt wohl aus Wärmland, glaube ich, antwortete Norman.

Das verletzte die Nationalehre; noch im letzten Augenblick nach einem vernichtenden Wort suchend, das sich aber nicht einstellte, ging Carlsson auf den Feind los, packte ihn bei der Weste und riß ihn auf den Hof hinaus.

Die Mädchen stellten sich in die Türöffnung, um dem Zusammenstoß zuzusehen; niemandem fiel es ein, dazwischen zu treten.

Norman war klein und untersetzt, aber Carlsson war gröber gebaut und höher gewachsen. Im Nu warf er den Rock ab, um den er bange war, und die Kämpfer rannten zusammen. Norman mit dem Kopf voran, wie ers von den Lootsenburschen gelernt hatte. Carlsson aber packte ihn, zielte einen häßlichen Fußtritt nach dem Unterleib, und wie ein zusammengerollter Igel fiel Norman auf den Dunghaufen.

– Rallbuse! schrie er, außer stande, sich weiter mit den Fäusten zu verteidigen.

Carlsson schäumte; vergebens nach Schimpfwörtern suchend, setzte er Norman das Knie auf die Brust und ohrfeigte den Geschlagenen. Der spuckte und biß um sich, bekam aber schließlich eine Handvoll Streu in den Mund.

– Jetzt werde ich dir das ungewaschene Maul putzen! schrie Carlsson und rieb den Geschlagenen mit einem Strohwisch, den er aus dem Dunghaufen gerissen, so, daß die Nase blutete.

Aber das öffnete dem wutschnaubenden Norman den Mund: seinen ganzen Vorrat von Schimpfworten schleuderte er dem Sieger ins Gesicht, der die Zunge des Besiegten doch nicht binden konnte.

Die Musik war verstummt, der Tanz hatte aufgehört. Die Zuschauer hatten ihre Bemerkungen über die Wendungen des Wortstreites und Faustkampfes gemacht und mit demselben gleichmütigen Interesse zugehört und zugesehen, wie sie einem Schlachten oder einem Tanz zusahen. Doch fanden die Alten, Carlssons Angriff sei nicht ganz regelrecht, nicht nach alter Sitte gewesen. Plötzlich aber war ein Schrei zu hören, der den Haufen sprengte und alle aus der Feststimmung riß:

– Er zieht ein Messer! schrie einer; man konnte nicht unterscheiden, wer.

– Ein Messer! wurde im Haufen geantwortet. Keine Messer! Fort mit den Messern!

Und die Kämpfer wurden umringt; Norman, dem es gelungen war, sein Klappmesser zu öffnen, wurde entwaffnet und auf die Füße gestellt, nachdem man Carlsson von ihm losgerissen.

– Raufen könnt ihr euch, Burschen, aber nicht messern, schloß der Alte von Svinnockar die Schlägerei.

Carlsson zog seinen Rock an und knöpfte ihn über seine zerrissene Weste; aber Norman hing der eine Hemdärmel wie ein Fetzen aufs Bein herab. Im Gesicht übel zugerichtet, schmutzig, blutig, hielt ers fürs Beste, sich um die Ecke zu entfernen, um seine Niederlage nicht den Mädchen zu zeigen.

Mit der frohen Zuversicht des Siegers und des Stärkern trat Carlsson wieder auf die Tanzbahn, um, nach einem tüchtigen Schluck, das Spiel mit Ida von neuem zu beginnen, die ihn mit Wärme, ja beinahe Bewunderung empfing.

Der Tanz ging los wie ein Dreschwerk. Die Dämmerung war hereingebrochen. Der Branntwein machte die Runde, und man widmete dem Tun und Lassen des Nächsten geringere Aufmerksamkeit. Darum konnte Carlsson mit Ida aus der Tenne heraus kommen und das Hagtor erreichen, ohne daß jemand naseweise Fragen stellte. Aber gerade als das Mädchen über den Zauntritt gestiegen war und Carlsson oben auf dem Zaune stand, hörte er durchs Halbdunkel die Stimme der Alten, ohne jemand sehen zu können.

– Carlsson! Ist Carlsson da! Kommt und tanzt eine Runde mit Eurer Harkerin.

Aber Carlsson antwortete nicht, sondern glitt hinunter und schlüpfte in den Hag, leise wie ein Fuchs.

Die Alte hatte ihn jedoch gesehen, und obendrein noch Idas weißes Taschentuch, das diese um den Leib geknüpft, um ihr Kleid vor den schweißigen Händen zu schützen. Als sie noch ein Mal gerufen, ohne Antwort zu erhalten, ging sie nach, über den Zauntritt, in den Hag.

Der Weg unter den Haselbüschen lag vollständig im Dunkel; sie sah nur etwas Weißes, das in dem Schwarzen ertrank und schließlich auf den Boden des langen Tunnels sank. Sie wollte nachlaufen; da aber waren neue Stimmen am Zauntritt zu hören, eine gröbere und eine klingendere; aber beide gedämpft und, als sie näher kamen, flüsternd. Gustav und Clara stiegen über den Zaun, der unter den etwas unsichern Schritten des Burschen knackte; und von zwei starken Armen gehoben, sprang Clara hinunter.

Die Alte versteckte sich in den Büschen, während das Paar Arm in Arm vorbeizog; halbsingend, küssend dahintanzte, wie sie selbst einst getanzt, gesungen und geküßt hatte.

Noch ein Mal knackte der Zauntritt, und wie ein junger Stier kam der quarnöer Bursche mit dem fjällonger Mädchen angesprungen. Als sie hoch oben auf dem Zaun stand, das Gesicht vom Tanz gerötet und mit ausgelassenem Lachen die weißen Zähne zeigend, legte sie die erhobenen Arme über Kreuz hinter den Nacken, als wolle sie sich fallen lassen; und mit schnaubendem Lachen und aufgeblähten Nasenflügeln warf sie sich dem Burschen in die Arme; der empfing sie mit einem langen Kuß und trug sie in die Dunkelheit hinein, wo sie verschwanden wie unter einer Decke.

Die Alte stand hinter den Haselbüschen und sah Paar nach Paar kommen, gehen, wiederkehren; ganz wie in ihrer Jugend; und altes Feuer glühte wieder auf, das unter der Asche von zwei Jahren versteckt gewesen; und sie fühlte die »Plage« noch im Fleische wüten, stechend wie Verlangen ohne Hoffnung, wie Vermissen des für immer Verlorenen.

Währenddessen war die Geige allmählich verstummt. Es war über Mitternacht, und die Morgenröte stand im Norden bereits schwach über dem Walde. Die Stimmen auf der Tenne wurden lauter und einzelne Hurrahrufe von der Wiese gaben an, daß sich die Tanzgesellschaft zerstreut hatte und die Heimfahrt für die Mäher bevorstand.

Die Alte mußte zurück, um beim Abschied zugegen zu sein.

Als sie in den Hohlweg kam, wo sich die Dunkelheit so zu lichten anfing, daß man das grüne Laub unterscheiden konnte, sah sie Carlsson und Ida ganz hinten auf der Höhe kommen, Hand in Hand, als wollten sie einen neuen Tanz beginnen, blaß wie Leinen, mit großen dunkeln Löchern, wo die Augen, die sie nicht sah, sitzen mußten. Fürchtend, hier im »grünen Gange« getroffen zu werden, kehrte sie um und eilte über den Zauntritt, um nach Hause zu kommen, ehe die Gäste gingen.

Aber auf der andern Seite des Zauntritts stand Rundqvist und schlug die Hände zusammen, als er die Alte erblickte, die ihr Gesicht in der Schürze barg, um nicht zu zeigen, wie sie sich schämte.

– Nein, ist die Tante auch im Hag gewesen und hat Eier gesucht? Ich sage ja, auf die Alten ist doch nicht mehr Verlaß als auf ...

Sie hörte nicht mehr, sondern eilte, so schnell sie konnte, der Stuga zu.

Dort hatte man sie schon gesucht und empfing sie jetzt mit Hurrahrufen, Händeschütteln und Dankesworten für gute Bewirtung, um sich dann zu verabschieden.

Als alles wieder still geworden und die Flüchtlinge aus Hag und Wiese herbeigerufen waren, ohne daß sich alle einstellten, ging die Alte zu Bett. Lange aber lag sie wach und lauschte, ob sie nicht Carlsson die Treppe zur Kammer hinaufgehen hörte.