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Die Kauzburg

Chapter 3: 2
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About This Book

A diarist newly installed in an old stone forester's house above a riverside town records impressions of arrival, household chores, and the building's layered past. Moonlit nights, the river's sound, and encounters with owls, mice and other domestic creatures create an atmosphere that mixes practical routine and lyrical observation. Descriptions emphasize the castlelike architecture, high walls, overgrown garden and hints of subterranean passages, producing a persistent sense of ancient presence and adjustment to unfamiliar surroundings. The entries move between everyday details of furnishing and duty and reflective passages that probe solitude, the persistence of history in place, and the consolations of nature.

 

Krähen sitzen auf sonnenhellen Feldern. Krähen sitzen dort und krächzen, fliegen mit schweren, schwarzen Flügeln auf die nächsten Pappeln, wenn mein Wagen ihnen zu dicht auf den schwarzen Krähenleib rückt, und fliegen — kaum bin ich vorbei — ebenso schwarz, ebenso schwer, ebenso krächzend, ins Saatfeld hinab. Ich bin auf der Fahrt in meinen Wald. Es war Spätnachmittag, als ich nach Hause fuhr. Einen kleinen Umweg machte ich, um an meiner Forellenfischerei, die ich gepachtet habe, entlang zu fahren.

Das ist ein schmales Gebirgswasser, das zwischen den Bergen zu Tale fließt. Gern fahr oder gehe ich diesen Weg. Ich selbst hatte noch nicht die Angel nach den rotpunktigen Fischlein im klaren Wasser ausgeworfen. Nur mein Forstlehrling war einige Male draußen gewesen und hatte ein paar Forellen gefangen. Heute wollte aber auch ich mein Glück als Fischer versuchen. Das Angelzeug lag im Wagen. Als das Flüßchen in Sicht kam, ließ ich halten und stieg aus.

»So, nun können Sie nach Hause fahren«, befahl ich dem Kutscher, nachdem ich das Angelzeug herausgenommen hatte. Immer schwächer und ferner ist das Rollen der Wagenräder zu hören. Nun ist’s verklungen, und nur der kleine, zwischen den Erlen und Weiden eingebettete Fluß rauscht zu mir herauf. Es will Abend werden. Mit rotgoldenen Streifen flammt die Sonne in den Buchenwald, der auf den Höhen steht, hinein.

Die Fische werden springen, denk’ ich.

Mit dem Strome des Wassers gehe ich und werfe die Angel aus. Nicht lange, so schnelle ich die erste Forelle heraus. Weiß Gott, es macht Spaß. Ich hätte es nie gedacht. Um das große Erlengebüsch biege ich, die Wiese schiebt sich bis an den kleinen Fluß heran, auf dem grünen Wiesengras ziehen die rotgoldenen Streifen der Abendsonne, Schmetterlinge gaukeln im warmen Frühlingsabend, Rehe treten aus dem waldigen Hang und äugen scheu nach dem Wässerlein hinab — was sehe ich! — dort vor mir am Ufer sitzt Marianne!

Ja, es ist Marianne. Das Kind der Straße ist es, das in mein Haus gekommen ist, zum Leid, zur Freude der Bewohner. Wie Feuer sprühte und gleißte ihr Haar in den goldenen Abendstrahlen einer versinkenden Sonne. Hatte sie mich bemerkt? Ein wenig wandte sie ihren Kopf nach mir hin, gleich aber wieder fort. Sie hielt die Angel in das Wasser. »Was tun Sie denn hier, Marianne?« rief ich sie an. Wozu meine törichte Frage? Ich wußte doch, was sie tat; ich sah es doch, ich hatte es ihr doch erlaubt, angeln zu gehn, wenn die Arbeit im Hause getan war. Warum klopfte mir denn das Herz so ungestüm? Bin ich ein Räuber, der unschuldige Mädchen überfällt? Kann ich rotes Haar nicht sehn? Frage ich so laut und töricht, weil mir das Blut in den Adern schlägt? Bin ich zu rasch gegangen? Hat mich das Angeln so aufgeregt? Ist es mir unangenehm, das Mädchen hier zu treffen? Ich bin der Herr, sie dient in meinem Hause, also kann ich Antwort fordern auf meine Frage: was tun Sie denn hier, Marianne? »Muß ich antworten?« sagte sie, stand auf und kam an mich heran. Eigentümlich berührten mich ihre Worte. Nein, ganz offen, ich schämte mich. Hätte sie in mich hineingesehen, mich durch und durch gesehn mit ihren wunderbaren Hexenaugen, so hätte sie mich mit diesen drei Worten nicht stärker treffen können. — Pfui, Pfui, wie hatte ich häßlich und roh gedacht: ich bin der Herr, sie dient in meinem Hause, also kann ich Antwort fordern auf meine Frage. Das ist das Rechte! Das ist mein Mitleid mit den Dienenden! Das mein Mitleid mit dem Kinde der Straße!

»Muß ich antworten?«

»Nein,« sagte ich, »nein, Marianne, Sie brauchen mir nicht zu antworten. Ich sehe ja, Sie angeln, ich sehe sogar, daß Sie ... ei, ei, eins, zwei, vier ... sechs Forellen gefangen haben und was für schöne.«

»Ich habe hier gesessen, die Angel geworfen und gesungen, so hab’ ich die Fische herbeigelockt, nun sind sie tot«, sagte sie und blickte auf die im Wiesengras liegenden, vor kurzem noch in ihrem Wässerlein so frohen Fische.

Ihre Augen blickten grausam.

Ach, es ist ja ein Unsinn! Wie können denn ihre Augen grausam blicken? Töricht bin ich, ganz töricht.

»Ach, ihr armen Fische! Eben noch so gewandt und flink im kühlen, sprudelnden Wasser, und nun so starr und unbeweglich«, meinte ich.

Marianne sah mich an.

»Was machen Sie denn für Augen, Marianne!« stieß ich heraus. Schon blickte sie fort. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.

Worüber war ich erschrocken? Ein Tiger kann grausame, blutdürstende Augen machen, aber doch nicht dieses Mädchen! Ja, hab’ ich denn Fieber? Ist es das glühende Abendlicht der Sonne am Berghang oben, wo sie versinken und uns den Abschied von ihrem rotsprühenden Feuer schwer machen will, — ist es dieses dämonisch schöne Leuchten, das mir aus Mariannens Augen entgegenglühte?

Ich warf noch ein paarmal meine Angel aus. Aber nichts fing ich. Stumm folgte mir Marianne. Ich plauderte mit ihr. Aber schließlich merkte ich, daß ja ich nur sprach. Hastig sprach. Und daß sie schwieg. Nur einige Male lachte sie halblaut auf, wenn ich ihr etwas Scherzhaftes erzählte. Ihr Lachen klingt so silbern und heimlich, wie das Lachen des Flüßchens, das über die Steine springt, silbern und heimlich klingt.

»Wo haben Sie nur Ihr prachtvolles rotes Haar her, Marianne?« scherzte ich, als ich die Angelschnur aufrollte, und sie mir dabei half.

Sie sagte kein Wort, warf nur mit einer unnachahmlich anmutigen Bewegung das ganze wogende Haar nach vorn, daß es mich streifte, umfaßte, und mein Gesicht in dieses glühende, kosende, duftende Seidengewebe einhüllte. Nur einige Sekunden lang, schon war ich frei. Vor meinen Augen nur wogte es noch rotgolden, leise knisternd, ein goldenes Funkenmeer. Ein paar Herzschläge lang stockte mein Atem. War ich berauscht? War’s wilde Lust, wildes sehnendes Jauchzen, das den Mann in des Weibes Arme treibt?

»Marianne«, stieß ich hervor. Hat meine Stimme gezittert? Dicht neben mir stand dieses Kind der Straße, das ich zu Leid und Freud’ in meine Kauzburg genommen habe, das ich bewahren will vor dem Verkommen im Straßenstaube.

Eine Sekunde lang sah sie starr in meine Augen. Dann packte sie gleichgültig das Angelzeug zusammen, bog ihre schlanke Gertengestalt, hob den Rucksack mit den Forellen aus dem Wiesengras, warf ihn über ihren Rücken und schnallte ihn fest.

»Der ist zu schwer für Sie, Marianne«, sagte ich und wollte ihn ihr abnehmen. Sie wehrte sich dagegen. Meine Hände berührten ihre Schultern, ihre atmende Brust, wie ein Feuerstrom schlug’s in mein Gesicht. Ich trat zurück. »Nun, wenn Sie ihn durchaus behalten wollen, so behalten Sie ihn. Wird’s Ihnen unterwegs zu schwer, so geben Sie ihn mir.« Wie ein Knabe sieht sie aus! Wie ein schlanker Knabe! Sie hat ihr Kleid gerafft, der Rucksack schnürt ein wenig ihre Schultern zusammen, den Angelstock benutzt sie als Stock. Einen grünen Hut hat sie auf ihr rotes Haar gestülpt, und es ist zu einem wildwirren Knoten aufgestellt, so schreitet sie tapfer und biegsam vor mir her. Ich ließ sie vorneweg gehen. Sie sollte den Schritt angeben. Ich wär’ am Ende zu rasch gegangen, hinter mir her wär’ sie gekeucht und hätte nichts gesagt. »Denn ich bin ja der Herr des Hauses und sie nur ein Kind der Straße!«

Es dunkelte. Ein weicher Frühlingsabend hing in den duftenden Blütenbüschen, hing in der Nachtluft über und um uns, wogte Feld auf Feld ab, küßte das tauige Wiesengras, sprang auf den Wellen des Flüßchens und kicherte unter den Erlen, schwebte hinauf, immer höher hinauf und holte den Mond über den Saum des Berges hinüber. Kein Staub der Straße drang bis hierher zu unserem Wiesenstege, rein war die Luft wie Gold, nichts Unreines kennt die Natur.

Unreines entsteht erst dort, wo man die Natur zwingen will, nicht mehr Natur zu sein.

Wir jetzigen Menschen kennen ja gar nicht die Natur. Von Kindheit auf entfernt man uns von ihr. An solchen Abenden wie heute überfällt mich die Sehnsucht, Natur zu sein in der Natur. Abzuwerfen, was Zwang und Sitte fordern, eine Hütte zu haben im Walde weit draußen und fern von Zwang und Sitte, zu leben dort wie das Getier des Waldes, wie der Hirsch, der durch die Wälder zieht, wie das Reh, das auf die Frühlingssaaten tritt, wie das Bienlein, das an jeder Blüte nascht, wie der lustig singende Vogel hoch im Gezweig der Bäume, wie der Waldkauz, der den Mond zum Gevatter bittet bei seiner stillen Mäusejagd. Halt da! Ich habe ja mein Kauzgehäuse, ich bin ja schon ein Kauz! Willst du die Käuzin sein, schlanker Bursch vor mir mit deinem grünen Jägerhut im sprühenden Rothaar, was?

Ganz übermütig ward mir zumute!

Übermütig sprudelt das Flüßchen neben unserem versteckten Erlenweg, übermütig scherzen die Rehe auf der Bergsaat links drüben unter dem Buchenhang, übermütig bescheint der helle Vollmond mich und das schlanke Bürschchen vor mir, übermütig quillt all das funkensprühende Rothaar aus seinem wirren Knoten und schaukelt und weht wie ein Stückchen goldnen Vließes, voll Übermut quiekt das Froschzeug im feuchten Wiesenloch, voll Glück und Übermut singt in dem einen einzigen Fliederstrauch, der an dem Mühltor blüht, die eine einzige Nachtigall hier draußen am Flüßchen und Walde, voll Glück und Übermut, und dabei klingt es sanft und flötend wie ein Lied der Trauer.

Ei, du mein Jägerbürschlein vor mir im hellen Mondschein, wie schreitest du schlank und leicht dahin! Dein schlanker Mädchenleib biegt sich wie eines Fischleins glattes Körperlein, bist etwa du selbst solch Fischlein und bist in Menschengestalt nur an Land gestiegen aus kühler, heimlicher Wasserflut? Bist etwa du selbst solch Forellchen, das zwischen den Steinen des Flüßchens neugierig auf Beute lauert? So schön, so schlank, so anmutig mit seinem rotpunktigen Fischleib, und hinter all der Schönheit, Schlankheit und Anmut verbirgt sich die schreckliche Raubgier?

Sag’ an, Marianne, du Weggenosse im blassen Mondglanz des Frühlings, was birgt sich hinter der weißen, von rotem Feuerhaar umsponnenen Stirn bei dir? Verwandle dich, Bürschlein, verwandle dich flugs zurück in den glänzenden Fischleib, aus dem du entsprangst, dann zieh mich hinein zu dir in die Flut, in das singende Wasser. Dann presse mich fest und ewig in deine weißen, wonnigen Arme, dann laß mich nie los mehr und sauge mein Leben, mein Atmen, mein Ich tief, tief in dich hinein!

Die Welt ist weit und groß. Aber für jeden Menschen liegt in dieser weiten und großen Welt eine enge Heimat. Die Enge der Heimat empfindet man nicht. Licht und groß und weit erscheint die Heimat. Hörst du es, meine Heimat? Du bist mir weit und groß und licht. Das Sehnen ins Weite hört auf, wenn mich dein Arm umschlingt. O, lege deine beiden Arme um mich, du Heimat meiner Kinderjahre, nimm mich hin, halte mich fest, und laß mich nimmer los.

Ich hör’ die Glocken läuten in meinem Heimatdorfe, die Oder hör’ ich rauschen, ich sehe den Eichwald, in dem ich als Knabe pürschte, am Saum des Waldes den Bach, der sich ins Feld verliert, und dort im Sonnenschein das Dörflein selbst. Grüß dich Gott, du liebes Dorf!

Und das alles hat ein Brief bewirkt! Meiner Mutter Brief. Ein paar Kornblumen hat sie auf heimatlichem Feld gepflückt und in den Brief an den fernen Sohn hineingelegt.

Ihr holden Blumen des Feldes, wie duftet ihr süß und frisch zu mir herauf. Wie habt ihr den Duft mir bis in die Fremde zugetragen! Habt Dank dafür.

Ein Friedensodem weht mich an und macht mich still und froh zugleich. Und kindlich fromm. Und ruhig. Bin ich denn anders geworden?

»Mein lieber, guter Sohn.«

Vier Worte einer Mutter. Ja, Mutter, in deinem Herzen bleib ich gut und lieb. Und will’s bleiben für dich. Du hast dich geängstigt, weil ich so lange nicht schrieb? Hab’ ich denn lange nicht geschrieben?

O, ängstige dich nicht, meine Mutter. Ich käme mir ruchlos vor, wolltest du dich um mich und meine Schuld ängstigen. Eine Schuld ist’s für den Sohn, Ursache der Angst seiner Mutter zu sein.

Ja, ja, ich habe lange nicht geschrieben. Wirklich lange, lange nicht. Seh’ ich’s doch draußen an der Natur. Der Frühling ist hin, längst ist er hin. Kaum war er da, als ich zum letzten Male nach Hause schrieb. — Nun wiegt sich das Korn in den Ähren. Ein grüngelbes wogendes Meer. Das breitet sich jenseits des Flusses unter meinem Fenster bis an die Waldhänge drüben aus.

Sommerwind geht und weht. In gleichmäßigen Wogen taucht auf, taucht nieder das Korn in den Feldern. Auf und nieder — auf und nieder. Es liegt Ruhe in diesem Auf und Nieder.

Als ich ein Knabe — der Dorfknabe — war, empfand ich nur helle Lust an dem hohen schwankenden Kornfeld. Vor allem die Kornblumen taten’s mir an. Die blauen Kornblumen waren mir lieber als der rote, wilde Mohn. Weil die großen, roten Mohnblüten zu leicht zerfielen. Kaum riß man sie ab, so löste sich ein rotes Blatt nach dem andern, und zuletzt hatte man nur noch den leeren Strunk. Aber die Kornblume, das war eine himmelsblaue Pracht!

So stell’ ich euch hier in das feingeschliffene Gläschen, ihr blauen Kinder des sommerlichen Feldes daheim. Ein wenig seid ihr zerdrückt, ein wenig welk auch. Die Reise war lang ... blüht auf! blüht wieder auf, ihr weitgereisten Heimatgrüße!

Mit euch zugleich blüht irgend etwas Schönes in mir auf. Vergangene Jahre sind’s.

Kinderjahre, Knabenjahre, Jünglingsjahre. —

Heisa, was seid ihr fortgesprungen wie wilde, russische Steppenpferde, ihr jungen, mutigen Jahre!

Mutig mit euch, durch euch bin ich gewesen. Wild bin ich mit euch gesprungen wie russische Pferdleins in weiter, wildfroher Steppe!

Die weite, wildfrohe Steppe, das war das Leben, die Zukunft. Was sag’ ich: Die Gegenwart ist’s gewesen, der Tag, die Stunde war’s, nichts andres! Was Zukunft!? .... Unsinn! Die Jugend lebt, nichts weiter! —

Ein Griesgram bin ich geworden, ein Waldkauz, ein Kauz. Der Jugend gedenke ich heute, und euch, ihr Kornblumen aus heimatlicher Erde, verdanke ich dieses Gedenken. Nein dir, du treueste aller Mütter!

So runzlich ist dein Gesicht, so grau dein Haar, und dennoch, dennoch: schaust du mich an, gleich bin ich der frohe Knabe von einst!

Weshalb nur, weshalb?

Still, still, ich weiß es: es sind dieselben Augen, die einst das Kind, den Knaben betrauten, — dieselben Augen betrauen noch heute den Mann. Sie möchten noch heute so gern in des Mannes Herz blicken, wie sie ehmals in des Knaben Herz hineinschaun konnten.

Für die Mutter bleibt man der Knabe.

Schon gut, Mutter, schon gut. Komm’ ich zurück in die Heimat und zum Besuch in dein trautes Heim: der Knabe will ich sein, solange ich bei dir bin. Bist du nun zufrieden? Du fragst mich gar viel in deinem Briefe. Und manches muß ich verschweigen.

Von allem und allem schreibe ich dir, Mutter, und hab’ dir soeben geschrieben, nur eins behalte ich zurück — wozu davon schreiben? Ich mag nicht davon schreiben .... weshalb sollte ich von Marianne schreiben? Ich wüßte nicht, warum.

»Es geht um in der Nacht«, behauptet meine Wirtin. »Was Tausend, es geht um? In meiner Kauzburg sollten Geister hausen? Im nächtlichen Reigentanz ihr Klappergebein und Totengerippe schwingen?«

Ganz ärgerlich wurde ich gegen sie. »Schlafen Sie lieber und horchen Sie nicht auf Geisterstimmen und Geistergeräusche, mein Fräulein. In meiner Kauzburg geht’s nicht um!«

Ich war aber doch betroffen.

Leise, schleichende Schritte wollte sie gehört haben, ein Klirren des Fensters, ein unheimliches Lachen, .... darüber war sie wieder eingeschlafen.

»Du Tor!« sagte ich zu mir. Weil Fräulein Bartel das gehört haben will, fällt dir auf einmal ein, daß auch du es in einer Mondnacht gehört haben willst? Schon lange war’s her. Da wachte ich in der Nacht auf, halb noch im Schlaf: Es kam geschlichen, leise, ganz leise, es klinkte die Tür auf, es klirrte schwach, ganz schwach, ein Lachen, hatte ich wirklich ein Lachen gehört? Am nächsten Morgen erschien mir alles als Traum. Vergessen hätte ich’s, nie wieder daran gedacht — bis heute. Ich verbot Fräulein Bartel aufs strengste, zu den andern im Hause von dem, was sie gehört haben wollte, zu sprechen. Wozu Marianne ängstigen? Wozu erst solch Gerede aufkommen lassen? Übrigens hörte ich ein paar Tage später ganz zufällig, daß die Kauzburg schon von jeher in dem Rufe stand, »es gehe in ihr um«. Nun gut, mag es umgehn in ihr! Ich fürchte mich nicht. Freuen würde ich mich, mit den Geistern der früheren Bewohner in Verkehr zu kommen. Geister von Rittern und Mönchen sind es — würde es nicht interessant sein, mit Rittern und Mönchen früherer Jahrhunderte sich zu unterhalten?