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Die Koralle: Schauspiel in fünf Akten

Chapter 5: DRITTER AKT
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About This Book

A five-act stage drama stages an administrative office where an official hears a succession of petitioners — desperate women, unemployed men, bereaved family members — while a powerful industrial figure seeks answers about his missing heir. Through episodic encounters the play examines social inequality, the bureaucratic management of poverty, and the commodification of human dignity, contrasting mechanical compassion and ritualized charity with private grief and public power, using stark theatrical settings and sharply drawn types to expose moral tensions and the human costs of modern social arrangements.

wirft sich in einen Sessel.

Mir ist das zu feierlich.

MILLIARDÄR

auf die Sessel einladend.

Bitte.

Alle setzen sich — Sohn folgt zögernd.

KAPITÄN

kommt und setzt sich.

SOHN

verwundert zu ihm.

Fahren wir denn nicht?

MILLIARDÄR

Ich habe gedacht, daß wir noch drei, vier Tage auf See bleiben.

SOHN

Wenn es Dein Wunsch war —

MILLIARDÄR

Deinetwegen.

SOHN

Warum?

MILLIARDÄR

Nach dieser Reise —

TOCHTER

Der »Albatros« — ich habe ihn in der Aufregung nicht gesehen. Ist er große Klasse? Wieviel Meilen?

Museumsdirektor und Arzt lachen.

SOHN

Was gibt es denn mit dem »Albatros«?

TOCHTER

Wir wollten ihn nämlich herausfordern. War er ein scharfer Gegner?

SOHN

Darüber lachen Sie. — Nein, Schwester, ein Gegner in diesem Sinne ist der »Albatros« nicht.

TOCHTER

erstaunt.

Warum reist Du denn nicht auf der »Meeresfreiheit«?

MILLIARDÄR

unruhig, ablenkend.

Von Deinen Eindrücken in den großen Städten der Erde —

SÄNGERIN

Haben Sie überall die Oper besucht?

SOHN

Wir können doch den Charakter des »Albatros« feststellen: er ist ein Kohlendampfer! — Kapitän, Sie müssen doch die Schiffe kennen, die verkehren?

KAPITÄN

Auf diesen »Albatros« hätte ich nicht geraten.

SOHN

Weshalb nicht?

KAPITÄN

lächelt.

SOHN

an die anderen.

Ist das so wunderbar? Fahren nicht andere Menschen auf solchen Schiffen?

KAPITÄN

Für Passagiere sind sie nicht eingerichtet.

SOHN

Für die nicht — aber die Matrosen, Heizer sind doch Menschen?

MUSEUMSDIREKTOR

nach einer Stille.

Sie verstehen sich die Genüsse mit einigem Raffinement zu verschaffen.

SOHN

Welche Genüsse?

MUSEUMSDIREKTOR

In diesem Gegensatz von Kohlendampfer und dieser Jacht bietet sich erst die rechte Möglichkeit ihren Luxus zu genießen.

SOHN

Oder zu — — Abbrechend und sich an den Milliardär wendend. Hat Dir mein Begleiter berichtet?

MILLIARDÄR

Ich habe nicht mit ihm gesprochen.

SOHN

Er muß doch seit zwei Tagen angekommen sein?

MILLIARDÄR

Zwei Tage liege ich hier draußen.

SOHN

Bist Du mit ihm unzufrieden? Die Schuld trage ich. Er hat sich gewiß jede Mühe gegeben.

MILLIARDÄR

ausweichend.

Willst Du Dich jetzt nicht umkleiden?

TOCHTER

Du trägst ja einen Straßenanzug.

SOHN

Er schützt besser gegen Kohlenstaub, der wirbelte. Außerdem war er weniger auffällig — und klugerweise paßt man sich an.

MILLIARDÄR

So passe Dich uns an — und stecke Dich von Füßen bis zum Hals in weiß.

SOHN

Du mußt mir schon mein Vergnügen lassen.

SÄNGERIN

mit dem Kodak.

Sehr interessante Bildwirkung.

SOHN

Weiter ist das für Sie nichts?

ARZT

Bei dieser überstiegenen Temperatur empfiehlt sich weiße Bekleidung aus gesundheitlichen Rücksichten.

MILLIARDÄR

Da hörst Du unsern besorgten Doktor.

SOHN

mit unterdrückter Schärfe.

Würden Sie Ihrem ärztlichen Rat auch im Maschinenraum Geltung verschaffen?

ARZT

Schwerlich.

SOHN

Weil Sie damit nicht durchdringen. Aus Gründen der Beschäftigung mit schwarzer Kohle.

ARZT

Gewiß.

SOHN

Also darf die Gesundheit dort unten leiden — und hier oben sich pflegen?

MUSEUMSDIREKTOR

Sie haben wohl mehr auf Ihrer Reise gesehen, als Sie —

SOHN

Wenn man zum erstenmal unterwegs ist, sperrt man die Augen weiter auf.

TOCHTER

Bist Du mit Fürsten zusammengetroffen?

SÄNGERIN

Erzählen Sie doch.

SOHN

Täglich.

TOCHTER

Hast Du Freundschaft geschlossen? Besucht Dich wer?

SOHN

Auf meinem Kohlendampfer könnte ich Dir fünf, zehn vorstellen. Komm' das nächste Mal mit.

MUSEUMSDIREKTOR

Wollen Sie nochmal —

SOHN

Genüsse mir raffinieren?

Ein Matrose kommt, meldet dem Kapitän. Der Kapitän geht zum Arzt und flüstert mit ihm. Die drei ab.

SOHN

Fahren wir doch?

MILLIARDÄR

Ich habe nichts angeordnet.

SOHN

Warum ging der Arzt mit dem Kapitän?

SÄNGERIN

Vielleicht ein Unfall unter der Mannschaft.

SOHN

Wollen Sie nicht eine Aufnahme machen?

TOCHTER

Wir könnten wirklich fahren, um Luft zu bekommen. Die Hitze drückt unerträglich.

SOHN

Und wir wohnen auf dem Verdeck!

SÄNGERIN

Ist es anderswo kühler?

SOHN

Nein — aber heißer.

SÄNGERIN

Gibt es das?

SOHN

Steigen Sie zu den Heizern hinunter!

MILLIARDÄR

Jetzt werde ich veranlassen, daß wir fahren!

MUSEUMSDIREKTOR

ironisch.

Schonen Sie doch die Heizer.

SOHN

Wissen Sie, was es heißt, vor den Feuern stehen?

MUSEUMSDIREKTOR

Ich habe die Gelegenheit nicht gesucht.

SOHN

Und für eine Schilderung bringen Sie keine Interesse auf?

MUSEUMSDIREKTOR

Durch einen Fachmann anschaulich gemacht —

SOHN

Ich bin Fachmann!

MILLIARDÄR

zur Tochter.

Sage doch dem Kapitän —

TOCHTER

Volle Fahrt!

SÄNGERIN

Die Damen übernehmen das Kommando!

TOCHTER

Wir stellen einen neuen Rekord auf. Heute abend wird er an die Zeitungen gefunkt und die Welt platzt morgen vor Neid! Mit der Sängerin ab.

SOHN

Verhinderst Du nicht den Unfug?

MILLIARDÄR

Die Jacht hat ihre volle Schnelligkeit noch nicht gezeigt.

SOHN

Dann bitte ich Dich mich vorher von Bord zu lassen.

MUSEUMSDIREKTOR

Sie sind an Schnelligkeit seit dem Kohlendampfer nicht mehr gewöhnt.

SOHN

An Leichtsinn!

MILLIARDÄR

Du hast immer Gefallen an solchen Spielen gefunden.

SOHN

Ich schäme mich, so spät zur Besinnung gekommen zu sein.

MILLIARDÄR

Was heißt das?

SOHN

Daß ich — — Nachdrücklich. Ich kann diese Rekordfahrt nur vor den Kesseln mitmachen!

MILLIARDÄR

zum Museumsdirektor.

Lassen Sie die Damen nicht auf der Brücke warten.

MUSEUMSDIREKTOR

Ab.

MILLIARDÄR

langsam.

Bist Du wirklich auf jenem Dampfer als Heizer gefahren?

SOHN

Ich war nicht ausdauernd genug — und mußte Passagier bleiben.

MILLIARDÄR

Hat es Dich gereizt —

SOHN

Der Dampfer ist ja das Unwichtigste.

MILLIARDÄR

Du hast Dich auf Deiner Reise über manches gewundert?

SOHN

Wie Schuppen ist es mir von den Augen gefallen. Das ganze Unrecht, das wir begehen, wurde mir offenbar. Wir Reichen — und die andern, die ersticken in Qualm und Qual — und Menschen sind, wie wir. Mit keinem Funken Recht dürfen wir das — weshalb tun wir es? Ich frage Dich, warum? Sage mir eine Antwort, die Dich und mich entschuldigt?

MILLIARDÄR

starrt ihn an.

Das fragst Du?

SOHN

Ich frage Dich — und höre nicht wieder auf zu fragen. Ich bin Dir heute wie noch nie in meinem Leben dankbar. Du hast mir diese Reise geschenkt — ohne die ich blind geblieben wäre.

MILLIARDÄR

Du wirst wieder vergessen.

SOHN

Was in mir ist — mich erfüllt durch und durch? Erst müßte ich mich selbst auslöschen.

MILLIARDÄR

Was — ist in Dir?

SOHN

Das Grauen vor diesem Leben mit seiner Peinigung und Unterdrückung.

MILLIARDÄR

Deine Reiseerlebnisse genügen nicht —

SOHN

Genügen nicht?

MILLIARDÄR

Du übertreibst flüchtige Erfahrungen.

SOHN

Im Blute brennen sie mir! Nach allem anderen das schlagendste Bild: Da am Kai liegt die »Meeresfreiheit«. Bewimpelt, Musik. Auf Deck spazieren die Passagiere in hellen Kleidern, schwatzen — sind lustig. Wenige Meter tiefer die Hölle. Da verbrennen Menschen zuckenden Leibes in heißen Schächten vor fauchenden Feuerlöchern. Damit wir eine schnelle und flotte Fahrt haben! — Ich hatte meinen Fuß schon auf die »Meeresfreiheit« gesetzt — aber ich mußte umkehren — und erst auf diesem »Albatros« schlug mein Gewissen ruhiger!

MILLIARDÄR

Und jetzt hast Du diese Erschütterungen überwunden?

SOHN

Hier erhalten sie die äußerste Steigerung! Hier — auf Deiner Luxusjacht! Scham preßt mir das Blut unter die Stirn! In Sesseln liegen wir träge — und jammern über die Hitze, die von der Sonne kommt. Eiswasser schlürfen wir und sind von keinem Staube im Halse gereizt! — Hier unter den weichen Sohlen Deiner weißen Schuhe brodelt das Fieber. Halbe Dunkelheit herrscht! — Reiße diese Wand von Holzplanken auf — die so dünn ist und so grauenhaft trennt! — und sieh hinab — seht alle hinab — und erlebt es auch: daß euch das Wort im Munde stockt, mit dem ihr euch vor einem da unten brüsten wollt!

Arzt schlendert herein.

SOHN

rasch zu ihm.

Was hat es gegeben, Doktor?

ARZT

Ein gelber Heizer ist zusammengebrochen.

SOHN

Tot?

ARZT

schüttelt den Kopf.

Hitzschlag.

SOHN

Wohin haben Sie ihn gebracht?

ARZT

Ich habe ihn vor den Luftschacht unten legen lassen.

SOHN

Nicht auf das Verdeck geschafft?

ARZT

Nein.

SOHN

kurz.

Warten Sie hier. Ab.

ARZT

läßt sich in einen Sessel fallen — zum Neger.

Eiswasser. Zum Milliardär. Ich finde, daß sich die Nerven außerordentlich bei diesem längeren Stilliegen auf See beruhigen. Ich möchte Ihnen das zweimonatlich je fünf Tage verordnen.

MILLIARDÄR

steht unbeweglich.

ARZT

Ich verspreche mir gute Erfolge für Sie von dieser Diät.

MILLIARDÄR

stumm.

ARZT

Allerdings wird der besondere Reiz, Ihren Sohn zu erwarten, später fehlen, aber Ihre Tochter wird sich erfinderisch in Überraschungen gemäßigterer Art zeigen. Ich werde mit ihr in diesem Sinne sprechen.

Stimmen und Schritte nähern sich.

ARZT

stellt das Glas hin.

Ein Bordspiel im Gange?

Matrosen bringen den halbnackten gelben Heizer.

SOHN

Hierhinein!

ARZT

aufstehend.

Was ist das?

SOHN

Sessel zusammenrücken. Doktor, fassen Sie an. Es geht um ein Leben. Zu den Matrosen. Niederlegen. Zum Neger. Eiswasser. Zum Arzt. Vorwärts, Doktor, Sie verstehen das besser als ich. Waschen Sie die Brust ab. Zum Milliardär. Du erlaubst doch, daß Dein Leibarzt hier Hand anlegt? Zum Arzt. Besteht Gefahr?

KAPITÄN

kommt — gedämpft zum Milliardär.

Ich habe nichts verhindern können.

MILLIARDÄR

schüttelt heftig den Kopf.

Tochter und Sängerin kommen.

SOHN

zur Tochter.

Willst Du uns nicht helfen, Schwester? Ein Mensch kann hier sterben!

TOCHTER

tritt heran.

SOHN

Tauche Deine Hände in das Eiswasser und lege sie ihm auf die heiße Brust. Es ist Deine Pflicht, zu der ich Dich aufrufe!

TOCHTER

tut es.

SOHN

außer sich zum Arzt.

Doktor, Sie müssen ihn retten — sonst bin ich ein Mörder!

MILLIARDÄR

starrt auf die Gruppe — bewegt den Mund — murmelt endlich.

Das Furchtbare!

SÄNGERIN

stellt den Kodak ein — zum Museumsdirektor.

Solche Aufnahme habe ich noch nicht gemacht. Sie knipst.


DRITTER AKT

Quadratischer Raum, dessen Hinterwand Glas ist: Arbeitszimmer des Milliardärs. Rechts und links auf den Wänden, vom Fußboden bis an die Decke hoch, mächtige brauntonige Photographien, Fabrikanlagen darstellend. Breiter Schreibtisch mit Rohrsessel; ein zweiter Sessel seitlich. Draußen Schornsteine dicht und steil wie erstarrte Lavasäulen, Rauchwolkengebirge stützend.

MILLIARDÄR

vorm Schreibtisch.

Wieviel Tote?

SEKRETÄR

neben dem Schreibtisch stehend.

Die genaue Zahl der Opfer ließ sich nicht feststellen, da die Geretteten, zu Tage gebracht, davonliefen und sich bis gestern nicht meldeten.

MILLIARDÄR

Warum entfernten Sie sich?

SEKRETÄR

Sie müssen in der dreitägigen Eingeschlossenheit unter der Erde Entsetzliches erlebt haben.

MILLIARDÄR

Vor dem sie weiter und weiter fliehen?

SEKRETÄR

Sie kamen wie aus Gräbern verstört herauf, mit Schreien und Schütteln.

MILLIARDÄR

Wer bis übermorgen sich an der Arbeitsstelle nicht einfindet, wird nicht wieder angenommen.

SEKRETÄR

Notizen machend.

Bis übermorgen.

MILLIARDÄR

Wie verlief die Versammlung? Wurde ich mit Widerspruch gesehen? Ließ man mich ungestört sprechen?

SEKRETÄR

Nein.

MILLIARDÄR

War ich in Lebensgefahr?

SEKRETÄR

Allerdings.

MILLIARDÄR

Wie schützte ich mich?

SEKRETÄR

Ich hatte Militär requiriert, das schußbereit sich vor mir aufstellte.

MILLIARDÄR

Kam es zu Zwischenfällen?

SEKRETÄR

Ein einzelner machte stärkere Zwischenrufe.

MILLIARDÄR

Was sagte er?

SEKRETÄR

Mörder.

MILLIARDÄR

War er nicht zu finden?

SEKRETÄR

Die Menge deckte ihn.

MILLIARDÄR

Er muß festgestellt werden. Drohen Sie mit Maßnahmen, falls er nicht ausgeliefert wird.

SEKRETÄR

notiert.

MILLIARDÄR

Herrscht jetzt Ruhe?

SEKRETÄR

Der Schacht ist heute wieder befahren.

MILLIARDÄR

Welches Mittel wendete ich an?

SEKRETÄR

Ich kündigte die Stillegung des ganzen Betriebes an.

MILLIARDÄR

Danke. Eine grüne Lampe brennt auf dem Schreibtisch auf. Milliardär nimmt den Hörer. Erstaunt. Wer? — Meine Tochter? — Hier? — Ja, ich erwarte sie. Zum Sekretär. Vertreten Sie mich in der vierundzwanzigsten Fabrik. Es hat eine Explosion stattgefunden, ich habe mich für den Nachmittag angemeldet.

SEKRETÄR

notiert.

MILLIARDÄR

Danke.

SEKRETÄR

links durch eine in der Photographie unsichtbare Tür ab.

MILLIARDÄR

steht auf, tut einige rasche Schritte gegen die Wand rechts, besinnt sich — kehrt auf seinen Sessel zurück und vertieft sich in Arbeit.

Einer der Diener öffnet rechts eine unsichtbare gepolsterte Tür. Tochter tritt ein. Diener ab.

MILLIARDÄR

sich umsehend.

Dein erster Besuch im väterlichen Geschäftshaus.

TOCHTER

sich umsehend.

Ja — zum erstenmale sehe ich das.

MILLIARDÄR

Eine fremde Welt! — Ist es so dringend, daß Du es Dir nicht bis zum Abend vor dem Kamin aufsparen willst?

TOCHTER

Ich kann es Dir nur hier erklären.

MILLIARDÄR

Soll ich mich auf die froheste Nachricht vorbereiten?

TOCHTER

Welche ist das?

MILLIARDÄR

Ich bat Dich damals um etwas, als wir Deinen Bruder erwarteten. Auf der Jacht.

TOCHTER

kopfschüttelnd.

An das habe ich nicht mehr gedacht.

MILLIARDÄR

seine Unruhe unterdrückend — heiter.

Wirklich nicht?

TOCHTER

Auf der Jacht gab es mir den Anstoß.

MILLIARDÄR

Zu Deinem hellsten Glück?

TOCHTER

Zu meiner unabweisbaren Pflicht!

MILLIARDÄR

hebt abwehrend eine Hand gegen sie hoch.

Nein — — nicht das!

TOCHTER

ruhig.

Als ich meine Hände von der kochenden Brust des gelben Heizers aufhob, waren sie gezeichnet. Das Mal ist in meinem Blut bis zum Herzen zurückgesunken. Ich habe nicht mehr eine Wahl. Ich fühle die Bestimmung. Ich unterwerfe mich auch willig. Den Platz sollst Du mir anweisen, wo ich es erfülle.

MILLIARDÄR

Was willst Du tun?

TOCHTER

Schicke mich zu den Elendesten, die krank liegen. Die in Deinen Fabriken verunglückten. Ich will sie pflegen.

MILLIARDÄR

Du weißt nicht, was Du sagst.

TOCHTER

Ja, Du kannst erst meiner Tat Glauben schenken. Ich will zum Schacht, in dem sich die Katastrophe ereignete.

MILLIARDÄR

Was ist das für eine Katastrophe?

TOCHTER

Du hast den Aufruhr selbst beschwichtigt.

MILLIARDÄR

Wer trägt Dir das zu?

TOCHTER

Berichte in Zeitungen sind unterdrückt. Du bist ja mächtig.

MILLIARDÄR

starrt sie an. — Nach einer Pause.

Laß es. Er steht auf, tritt dicht vor sie. Mit Worten will ich Dich nicht bitten. Du hast hundert Worte gegen meine. Es ist ein ungleicher Streit. Vater und Tochter — damit ist der Ausgang entschieden. Er nimmt ihre Hände, betrachtet sie. Nein — nein. So schmal — so schwach. Ihrer Widerrede kopfschüttelnd begegnend. Ja, ja — stark und hart, ich weiß allein, wozu: — einen Turm zu stürzen — Trümmer zu häufen — Opfer zu verschütten. Soll ich Dir sagen, wer das Opfer ist?

TOCHTER

Ich verstehe Dich jetzt nicht.

MILLIARDÄR

Willst Du mich opfern?

TOCHTER

sieht verwundert zu ihm auf.

MILLIARDÄR

So kehre um. Du findest Deine Aufgabe, die Dir näher liegt. Erscheint sie Dir gering — mich dünkt sie wichtig, weil sie Deinem Vater gilt.

TOCHTER

entzieht ihm ihre Hände.

Ich habe kein Recht, während andere —

MILLIARDÄR

Vater und Tochter — nicht den Streit! Nur Bitte um Bitte!

TOCHTER

Ich danke Dir heute für Jahre heller Jugend —

MILLIARDÄR

Mit heller Zukunft!

TOCHTER

stark.

Die in meiner neuen Pflicht leuchtet! Sie steht auf, reicht ihm die Hand. Mein Entschluß ist mir so leicht geworden. Willst Du es mir schwer machen, wenn ich ihn ändern soll?

MILLIARDÄR

nimmt ihre Hand nicht.

Wohin gehst Du jetzt?

TOCHTER

Zu meinen Schwestern und Brüdern.

MILLIARDÄR

tonlos.

Dahin gehst Du — —

TOCHTER

Wirst Du mich bei den Ärmsten der Armen kennen?

MILLIARDÄR

gegen den Schreibtisch gestützt.

Dahin — —

TOCHTER

zögert noch — wendet sich zur Tür.

Der Diener öffnet.

Tochter ab.

MILLIARDÄR

stockend — mit scheuer Geste.

Dahin — — dahin — — dahin — — — — Dann rafft er sich auf — klingelt.

SEKRETÄR

tritt ein.

MILLIARDÄR

Der Schacht soll geschlossen werden!

SEKRETÄR

notiert.

MILLIARDÄR

Nein! Sich an die Stirn greifend. Hier oder da — man kann es nicht wegblasen — die Macht hat keiner! Fest zum Sekretär. Meine Tochter wird sich Samariterdiensten widmen. Sie werden ihr auf dem Schacht begegnen und überall, wo es in meinen Fabriken Unfälle gab. Verleugnen Sie sie — ich kenne meine Tochter nicht!

SEKRETÄR

Ist Ihre Tochter von der Koralle unterrichtet?

MILLIARDÄR

Nein, außer den beiden Dienern niemand. Sachlich. Wir hatten vorhin unterbrochen.

SEKRETÄR

liest von seinem Notizblock.

Am Nachmittag vertrete ich Sie in der vierundzwanzigsten Fabrik.

MILLIARDÄR

Morgen Mittag nehme ich an der Versammlung der Missionsgesellschaft in der ersten Hälfte selbst teil, in der man mich zum Ehrenpräsidenten ernennt. Sie kommen um 2 Uhr im Automobil. Ich werde unter dem Vorwande, eine Mappe zu holen, die Sitzung verlassen. Sie kehren dann für mich zurück und verlesen die Stiftungen, die ich mache. Ich gebe Ihnen die Mappe. Er sucht sie in einer Schreibtischlade.

Die grüne Lampe flammt auf.

SEKRETÄR

Ein Anruf.

MILLIARDÄR

rasch hoch — starrt auf die Lampe.

SEKRETÄR

Soll ich die Mappe nachher —

MILLIARDÄR

heftig.

Bleiben Sie hier! — Gehen Sie. Ja — später.

SEKRETÄR

ab.

MILLIARDÄR

nimmt langsam den Hörer auf.

— — Wer? — — — — Er läßt ihn aus lockeren Fingern auf die Tischplatte fallen. Mit unsicherem Munde. Mein — Sohn.

Der Diener läßt rechts den Sohn ein. Diener ab.

MILLIARDÄR

richtet sich straff auf und geht ihm entgegen.

Ich habe Dich in den letzten Tagen nicht gesehen.

SOHN

Seit —

MILLIARDÄR

Ich frage nicht, wo Du Dich aufhältst. Die Zeit ist vorbei, wo ich Dich beaufsichtige. Rechtfertige Dich vor Dir selbst in jedem, was Du tust. Du bist erwachsen.

SOHN

Du machst es mir leicht —

MILLIARDÄR

Vielleicht war es wichtig, Dir das zu sagen. Kommst Du deshalb?

SOHN

Der Anlaß —

MILLIARDÄR

So will ich auch hier nicht in Dich dringen. Setze Dich. Es ist in diesem werktagstrengen Raum —

SOHN

Von dem Du mich eifersüchtig ferngehalten hast.

MILLIARDÄR

Reizt es Dich meinen Platz einzunehmen?

SOHN

Nicht Deinen —!

MILLIARDÄR

Ich biete ihn Dir nicht an. Ich bin noch nicht müde. Die Fäden liegen straff in meinen Fingern. Ich will — ich kann arbeiten. Der Nachfolger meldet sich zu früh. Du wirst mich heute und morgen nicht entthronen.

SOHN

Die Absicht bringe ich nicht mit.

MILLIARDÄR

Aber es wird Dir helfen, Dir Dein Leben einzurichten.

SOHN

Du engst mir das Gebiet ein.

MILLIARDÄR

Es bleibt Dir nur diese Möglichkeit. Die Arbeit ist mein Teil.

SOHN

Ich weiß, wie Du fortfahren willst.

MILLIARDÄR

Du siehst, die Tore sind fest verrammelt.

SOHN

Und weil ich gezwungen bin, beruhige ich mein Gewissen?

MILLIARDÄR

Auch Dir ist ein Zwang auferlegt!

SOHN

nach einer Pause. Willst Du mir auf Fragen, die mich brennen, antworten?

MILLIARDÄR

Nachdem wir eben unsere Grenzen scharf gezogen haben — ja.

SOHN

So tiefe Widersprüche klaffen in Deinem Handeln.

MILLIARDÄR

Mit mir hast Du Dich beschäftigt?

SOHN

Ich kann mich nur noch mit Dir beschäftigen.

MILLIARDÄR

Wodurch wurde ich Dir unversehens interessant?

SOHN

Dieser ungeheure Reichtum, den Du angesammelt hast —

MILLIARDÄR

Ich erwähnte schon meine Arbeitskraft.

SOHN

Das ist nicht Arbeitskraft, das ist —

MILLIARDÄR

Wo liegt da das Rätsel?

SOHN

Hier die rücksichtslose Ausbeutung — und dort die unbeschränkte Mildtätigkeit, die Du übst. Das »heiße Herz der Erde« — — und dieser Stein, den Du in Deinem Innern tragen mußt!

MILLIARDÄR

Das Rätsel möchte ich Dir nicht lösen.

SOHN

Weil Dich die Scham abhält, es Dir einzugestehen!

MILLIARDÄR

Es soll mein Geheimnis bleiben.

SOHN

Ich zerre an dem Schleier, hinter dem Du Dich versteckst. Du kennst den Frevel Deines Reichseins und betäubst Dich mit diesem »offenen Donnerstag«!

MILLIARDÄR

Die Erklärung würde nicht genügen.

SOHN

Nein, diese Gaben sind lächerlich, die Du austeilst. Du bezahlst damit nicht das Blut —

MILLIARDÄR

Vergieße ich das?

SOHN

Nein, das sind Unglücksfälle. Aber Du drohst mit Blutvergießen, wenn sie einmal aufschreien!

MILLIARDÄR

Sahst Du das?

SOHN

Jetzt muß ich Dir bekennen, wozu es mich gestern fast hingerissen hat!

MILLIARDÄR

Was war gestern?

SOHN

Ich war im Hof am Schacht, als Du sprachst. Du mußtest ja selbst auftreten, um den Aufruhr zu unterdrücken. Ich war unten in der fahlen Menge — und sah Dich oben hinter den drohenden Gewehren dastehen. So kalt und fern. Deine Worte klatschten wie Eisstücke auf die Versammlung nieder. Keiner wagte mehr einen Ausruf. Bis Du die Schließung des Betriebs androhtest, die Tausende — Frauen und Kinder — dem Hunger auslieferte. Da tat einer den Mund auf!

MILLIARDÄR

Du warst es, der —

SOHN

Der Mörder rief! — Das ist noch nicht das letzte.

MILLIARDÄR

Ich hörte nichts weiter.

SOHN

Hätte ich vergessen können, daß da oben mein Vater stand — Er greift in die Tasche und legt einen Revolver auf den Tisch. Ich will mich nicht zum zweitenmal versuchen lassen.

MILLIARDÄR

schiebt den Revolver beiseite.

Du hättest mich nicht getroffen.

SOHN

Ich wollte treffen.

MILLIARDÄR

kopfschüttelnd, lächelnd.

Mich nicht. So kann dies nicht als Schatten zwischen uns stehen. Er streckt ihm die Hand hin. Es braucht Dich nicht zu quälen.

SOHN

starrt ihn an.

Bläst Du das fort wie ein Staubkorn, das auf Deinen Rock wehte?

MILLIARDÄR

Nicht auf meinen Rock.

SOHN

Vergessen und vergeben?

MILLIARDÄR

So habe ich Dir auch nichts zu vergeben.

SOHN

Nein, Du nicht. Das kann ja auch ein anderer nicht. Das nicht. Die Buße wählt man sich selbst. Ich will sie mir so schwer machen, daß ich am letzten Tage vielleicht die Augen wieder aufschlagen kann.

MILLIARDÄR

Zu mir?

SOHN

Nein. Du nimmst mich heute schon auf. Du willst keine Zeit verlieren.

MILLIARDÄR

Wen setzt Du Dir zum Richter?

SOHN

Den letzten Deiner Arbeiter.

MILLIARDÄR

Was soll das heißen?

SOHN

Bis noch einer durch Not schuldig werden kann, stehe ich da unten!

MILLIARDÄR

Im Aufruhr?

SOHN

Im Frieden, der sich ausbreitet, wenn ich nicht mehr sein will, als andere!

MILLIARDÄR

schiebt ihm den Revolver hin.

Jetzt ist es Zeit! Er dreht das Gesicht von ihm weg.

SOHN

springt auf und läuft zu ihm.

Sage mir doch, warum alles so ist! — — Sage es mir doch!

MILLIARDÄR

Komm mit. Er führt ihn vor die Photographien. Siehst Du das? Graue Fabriken. Enge Höfe! Zum großen Fenster hinten tretend. Siehst Du das? Schlote — Schlote. Wo ist Erde — Grashalme — Gesträuch? — — Daher komme ich! — — Kennst Du mein Leben? — — Ich habe es Dir unterschlagen. In den Schulen wird es gelesen. — Ich habe Dir ein anderes Leben gegeben. Ich habe Dich in allem ein anderes Leben leben lassen. Nicht meins! — — Aus nichts bin ich geworden, so schreiben sie in den Büchern! — Aus jeder Not habe ich mich aufgeschwungen, so erzähle ich Dir jetzt. Ich habe es nicht vergessen. Ich habe mich keine Stunde einschläfern lassen. Mit diesen Bildern habe ich mich umstellt — diese Wand habe ich offen gehalten, damit es sich nicht verdunkeln kann —: es soll mich aufscheuchen aus Ermüdung und Rast. Das gellt mir Mahnung und Warnung ins Blut: nur nicht dahinab — — nicht dahinab!

SOHN

von ihm zurücktretend.

Du — —

MILLIARDÄR

Ich kann Dich warnen. Mir wirst Du glauben. Mir hat es Vater und Mutter verschlungen — nach mir wollte es greifen — — ich bin entlaufen!

SOHN

Du kennst — —

MILLIARDÄR

Dich hat ein Augenblick verstört — mich hat es ein Leben lang geschüttelt. So furchtbar ist das Leben! — — Willst Du dahinab?

SOHN

Das letzte reißt Du mir aus den Händen —

MILLIARDÄR

Was ist das?

SOHN

Was Dich entschuldigt: die Qual der anderen wäre Dir fremd!

MILLIARDÄR

Den Schrei trage ich in meiner Brust!

SOHN

Bist Du — ein Tiger?! Mehr —: der weiß nicht, was er tut. Du kennst die Qual Deiner Opfer — — und — — — — Er faßt den Revolver — legt ihn wieder hin.

MILLIARDÄR

Ich oder ein anderer —

SOHN

Jeder ist —

MILLIARDÄR

Sei mir dankbar.

SOHN

Für die Täuschung?

MILLIARDÄR

Daß Du nicht werden mußt, wer ich bin!

SOHN

ruhig.

Dein Blut ist meins —

MILLIARDÄR

Fühlst Du es auch?

SOHN

Es macht die Aufgabe lohnend.

MILLIARDÄR

Mich vor dem Furchtbaren zu retten!

SOHN

Die furchtbare Begierde zu unterdrücken — und neben dem niedrigsten Deiner Arbeiter auszuharren!

MILLIARDÄR

steht steif.

SOHN

Du kannst mich abweisen lassen. Ich nehme Arbeit, wo ich sie sonst finde.

MILLIARDÄR

bricht an ihm zusammen.

Erbarmen — — Erbarmen!!

SOHN

kalt.

Mit wem?

MILLIARDÄR

Erbarmen — —!!

SOHN

Vielleicht wird es mein Schrei zu Dir, wenn Du mir und meinen Kameraden einmal das Brot verweigerst! Er geht nach rechts. Ehe der Diener die Tür ganz öffnen kann, ab.

MILLIARDÄR

endlich sprunghaft auf. Er sucht den Revolver — stößt ihn in die Tasche.

Hier nicht! — — Im Walddickicht! — — Brechendes Auge sieht grünes Gezweig — — Stück blauen Himmels flutet herab — — kleiner Vogel klingt! Mit schrägen Blicken nach den Wänden. Gestellt? — — Abgeschnitten? — — Die Flucht mißlungen? — — Eingeholt? — — Die Arme schwenkend. Laßt mich los — — faßt nicht nach mir — — ich fürchte mich doch vor Euch wie ein Kind!! Keuchend an den Photographien entlang laufend und mit Händen anschlagend. Ein Ausweg — — ein Ausweg — — Schreiend. Ein Ausweg!!

SEKRETÄR

von links — fragend.

MILLIARDÄR

sieht ihn an.

SEKRETÄR

verlegen.

Die — Mappe?

MILLIARDÄR

stumm.

SEKRETÄR

Sie wollten mir noch eine Mappe aushändigen.

MILLIARDÄR

an den Schreibtisch wankend und in den Sessel zusammenbrechend.

Tochter und Sohn — — hinab — — hinab — — — — Mich haben meine Kinder verlassen!!

SEKRETÄR

schweigt.

MILLIARDÄR

zu ihm aufblickend.

Verstehen Sie das, was es heißt: ein Lebenlang für seine Kinder arbeiten — und sie treten vor ihren Vater hin und schlagen ihm den Gewinn von der Hand?

SEKRETÄR

Ihr Sohn —?

MILLIARDÄR

aufschreiend.

Wer deckt jetzt zu, woher ich keuchend komme?! — Wer hilft jetzt Berge in Abgründe stürzen — um das zu verdecken?!

SEKRETÄR

sieht ihn fragend an.

MILLIARDÄR

Holt mich keiner — aus dem Dunkel meiner Vergangenheit?!

SEKRETÄR

Weil Ihre Leistung so riesenhaft ist, braucht man Ihre Vergangenheit nicht zu beschönigen!

MILLIARDÄR

Nicht zu — —?!

SEKRETÄR

Ihr Werk steht nur größer da!

MILLIARDÄR

Ich gebe es hin — — ich zahle mit meinem Reichtum — — ich verschenke mein Leben für ein anderes Leben!! Inbrünstig. Wer leiht mir seins, das hell ist vom ersten Tage an?! — — Im Sohn finde ich es nicht mehr — hinab! — — — — Wo winkt nun der Tausch, um den ich buhlte — im Fieber der Arbeit — in der Wut des Erwerbs — auf dem Berg meines unzählbaren Goldes?! — — — — In wen gehe ich unter — und verliere diese Angst und tosenden Aufruhr?! — — — — Wer hat ein Leben — glatt und gut — für meins?!!

SEKRETÄR

mit wachsender Ergriffenheit auf ihn niederblickend.

Ihr Sohn geht andere Wege. Die Enttäuschung ist bitter wie keine. Aber da es sich so tausendfach wiederholt, mutet es fast wie ein Gesetz an. Vater und Sohn streben voneinander weg. Es ist immer ein Kampf auf Leben und Tod. — — — — Nach einer Pause. Ich habe mich auch gegen meinen Vater aufgelehnt. Und obwohl ich fühlte, wie ich ihm wehetat, mußte ich ihn verletzen. — — — — Wieder nach einem Warten. Ich erkenne jetzt noch nicht, was mich trieb. Ich wollte mein Leben selbst versuchen — das wird schließlich wohl der Anlaß. Der Drang nach Unabhängigkeit wirkt stärker als alles andere. Nun lebhafter fortfahrend. Ich hatte ein Elternhaus, wie es selten zu finden ist. An eine wundervolle Jugend kann ich zurückdenken. Ich war einziger Sohn. Mutter und Vater teilten mir aus ihrem unendlichen Schatz von Liebe schrankenlos mit. In ihrer Hut sah und hörte ich nichts von den Widerwärtigkeiten eines groben Alltags. Es lag immer ein Lichtschein von Sonne in den stillen Stuben. Auch der Tod trat nicht zu uns. Die Eltern — für mich leben sie heute noch. Dann zog ich auf die kleine Universität — und der Trieb zur Selbständigkeit fing an, über mich Gewalt zu gewinnen. Ich löste mich los und ging in die Welt. — — Manche dunkle Stunde habe ich erlebt — es warf mich hierhin und dorthin — aber im Grunde konnte mich nichts erschüttern. Ich besaß ja das größte Gut, von dem man ohne Maß zehren kann: die lebendige Erinnerung an eine glückliche Jugend. Was später kam, wurden nur Wellen, die über einen See streichen, der klar den blauen Himmel spiegelt. So glatt und ungetrübt liegt meine reine Vergangenheit in mir ausgebreitet!

MILLIARDÄR

hat das Gesicht gegen ihn gehoben. Mit stärkster Gespanntheit hört er ihm zu.

SEKRETÄR

blickt vor sich hin.

MILLIARDÄR

sucht auf dem Tisch.

Die — — Mappe. Er gibt sie ihm. Hervorstoßend. Gehen Sie!

SEKRETÄR

nimmt die Mappe — wendet sich zur Tür.

MILLIARDÄR

zieht den Revolver aus der Tasche und drückt ab.

SEKRETÄR

in den Rücken getroffen — fällt.

MILLIARDÄR

steht unbeweglich.

— — — — Mein Leben — — für ein anderes Leben — — das hell ist — — vom ersten Tage an — — — — Langsam geht er hin, bückt sich zum Liegenden — — und streift die Koralle von der Uhrkette. Er hält sie auf der offenen Hand vor sich. — — — — Dieses Leben — — nach dem ich dürste — —! — — jeder Tag dieses Lebens — — um das ich buhle — —! Tief den Kopf im Nacken. Sie sollen mich zu meinem Glücke zwingen — — — — sie werden mich ganz beschenken — — Er streift die Koralle auf seine Kette. — — — — wenn sie mich überführen müssen! — — — — Er reißt rechts die Tür auf und schießt nochmal in die Luft.

Die beiden Diener stürzen herein. Einer bleibt in der Tür — der andere beugt sich über den Sekretär.

DER ERSTE DIENER

in der Tür.

Die Koralle?

DER ZWEITE DIENER

richtet sich auf, schüttelt den Kopf.

Nehmen Sie den Sekretär fest!