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Die Koralle: Schauspiel in fünf Akten cover

Die Koralle: Schauspiel in fünf Akten

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About This Book

A five-act stage drama stages an administrative office where an official hears a succession of petitioners — desperate women, unemployed men, bereaved family members — while a powerful industrial figure seeks answers about his missing heir. Through episodic encounters the play examines social inequality, the bureaucratic management of poverty, and the commodification of human dignity, contrasting mechanical compassion and ritualized charity with private grief and public power, using stark theatrical settings and sharply drawn types to expose moral tensions and the human costs of modern social arrangements.

GEISTLICHER

So sprechen Sie zu mir: was gibt Ihnen — ich muß es ja so ausdrücken — diese feierliche Ruhe?

MILLIARDÄR

Ich habe das Paradies, das hinter uns liegt, wieder erreicht. Ich bin durch seine Pforte mit einem Gewaltstreich — denn die Engel zu beiden Seiten tragen auch Flammenschwerter! — geschritten und stehe mitten auf holdestem Wiesengrün. Oben strömt Himmelsblau!

GEISTLICHER

Denken Sie jetzt an Ihre freundliche Kindheit?

MILLIARDÄR

Ist es nicht einfach zu finden? Deckt es sich nicht mit schon gesagten Worten: werdet wie die Kinder? Zur Weisheit braucht es ja nur ein Wortspiel.

GEISTLICHER

Warum können wir Menschen nicht Kinder bleiben?

MILLIARDÄR

Das Rätsel lösen Sie heute und morgen nicht!

GEISTLICHER

blickt vor sich hin.

MILLIARDÄR

— — — — Sehen Sie das?

GEISTLICHER

Die Koralle, nach der Sie zuletzt verlangten.

MILLIARDÄR

Wissen Sie, wie das vom Boden des Meeres wächst? Bis an die Fläche des Wassers — höher reckt sie sich nicht. Da steht sie, von Strömen umspült — geformt und immer verbunden in Dichtigkeit des Meeres. Fische sind kleine Ereignisse, die milde toben. Lockt das nicht?

GEISTLICHER

Was meinen Sie?

MILLIARDÄR

Ein wenig die Kapsel lüften, die das Rätsel verschließt. Was wird das beste? Nicht aufzutauchen und in den Sturm verschleppt zu werden, der an die Küsten fährt. Da brüllt Tumult und zerrt uns in die Raserei des Lebens. Angetriebene sind wir alle — Ausgetriebene von unserm Paradies der Stille. Losgebrochene Stücke vom dämmernden Korallenbaum — mit einer Wunde vom ersten Tag an. Die schließt sich nicht — die brennt uns — unser fürchterlicher Schmerz hetzt uns die Laufbahn! — — — — Was halten Sie in der Hand? Er hebt die Hand des Geistlichen mit dem schwarzen Kreuz hoch. Das betäubt nur den Schmerz. Er hält die rote Koralle in seinen beiden Händen vor seine Brust. Das befreit vom Leid!

Die hohe schmale Tür wird hinten geöffnet.

MILLIARDÄR

steht auf.

GEISTLICHER

Ich — kann Sie nicht begleiten!

MILLIARDÄR

geht sicheren Schrittes auf die Tür zu.

ENDE


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Weimar.Druck von R. Wagner Sohn.

Anmerkungen zur Transkription

Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen gebräuchlich waren, wie:
  • anderen -- andern
  • auf's -- aufs
  • meines -- meins
  • seines -- seins
  • unserem -- unserm
Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen:
  • S. 9 »Mench« in »Mensch« geändert.
  • S. 13 »heutemorgen« in »heute morgen« geändert.
  • S. 37 »weißlakierten« in »weißlackierten« geändert.
  • S. 40 »garnicht« in »gar nicht« geändert.
  • S. 61 »gechafft« in »geschafft« geändert.
  • S. 92 »bischen« in »bißchen« geändert.
  • S. 112 »Ableugen« in »Ableugnen« geändert.
  • S. 112 »erinnnerlich« in »erinnerlich« geändert.