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Die Krankheit: Eine Erzählung

Chapter 12: XI.
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About This Book

The narrative follows life in a mountain sanatorium where a cast of patients and physicians—among them a luminous young woman, an admiring young man, a cultured but ailing poet, and an austere chief physician—interact amid treatments, promenades, and café gossip. Scenes alternate between intimate sickroom moments and broader sketches of kur life, capturing rituals of diagnosis, flashes of memory, and theatrical self-display. Illness shapes relationships and identity, producing both compassion and performative eccentricity, while the author blends keen observation, irony, and melancholic atmosphere to examine how convalescence becomes a stage for longing, vanity, and small consolations.

XI.

Für den 19. Februar nachmittag waren auch die diesjährigen Skikjöring- und Pferderennen angesetzt.

Als Sybil die Ankündigung las, rief sie bei Sylvester telephonisch an:

„Sylvester ...?“

„Sybil?“

„Sie müssen reiten ...“

„Was muß ich?“

„Reiten müssen Sie. Sie sind doch gut zu Pferd.“

„Was soll das?“

„Sie müssen am neunzehnten das Rennen mitreiten.“

„Aber Sybil, welche Idee!“

„Meine Idee natürlich. Ich will, daß Sie den goldenen Davoser Pokal gewinnen.“

„Was soll ich mit dem goldenen Davoser Pokal? Ich würde nicht aus ihm trinken dürfen, denn ich bekäme sofort Nierenschmerzen.“

„Scherz beiseite, Sylvester. Ich will, daß Sie das Rennen gewinnen. Deshalb sollen Sie reiten. Ich werde auf Sie setzen beim Totalisator.“

„Wann ist das Rennen?“

„Am neunzehnten.“

„Aber da müssen wir ja den Abend spielen!“

„Oh, das macht doch nichts! Die Rennen sind um zwei. Um vier Uhr sind sie spätestens zu Ende. Da haben Sie genug Zeit, sich bis acht auszuruhen.“

„Sybil, ich bitte Sie, wozu diese Spielerei. Ich habe an dem Schauspiel schon genug ...“

„Lieber Sylvester ... ich will Sie einmal handeln sehn ... Tun Sie einmal etwas! Handeln Sie einmal nicht künstlerisch künstlich, dichterisch, schauspielerisch. Handeln Sie einmal menschlich ...“

„Ich bin krank, Sybil ...“

„Überwinden Sie die Krankheit, Sylvester.“ Ihre Stimme klang flehend.

„Ich werde reiten, Sybil.“ —

Sylvester ging zu einem Schweizer Offizier, den er kannte und von dem er wußte, daß er das Rennen nicht reiten würde, der aber zwei Pferde laufen lassen wollte, und bat ihn, die „Miggi“ reiten zu dürfen. In Graubünden heißen alle Pferde, alle Kühe, alle Katzen und alle Mädchen Miggi.

Als der bulgarische Offizier und Leutnant Rätten von Sylvesters wahnwitzigem Vorhaben hörten, schüttelten sie den Kopf; bestellten sich aber sofort telegraphisch Pferde aus Zürich. Auch der kleine Japaner wollte reiten.

Selbst der Thorax machte einen schwachen Versuch, sich als Jockei vorzustellen.

„Was meinst du, Grete,“ fragte er die Pneumo, „ob ich in vierzehn Tagen reiten lernte und ob ich es aushielte?“

„Kind,“ sagte sie zärtlich, „was du für böse Träume hast. Du leidest immer häufiger an Alpdrücken. Du mußt abends vor dem Zubettgehen einen frischen Apfel essen. Komm. Ich mache dir gleich einen zurecht ...“