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Die Krankheit: Eine Erzählung cover

Die Krankheit: Eine Erzählung

Chapter 13: XII.
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About This Book

The narrative follows life in a mountain sanatorium where a cast of patients and physicians—among them a luminous young woman, an admiring young man, a cultured but ailing poet, and an austere chief physician—interact amid treatments, promenades, and café gossip. Scenes alternate between intimate sickroom moments and broader sketches of kur life, capturing rituals of diagnosis, flashes of memory, and theatrical self-display. Illness shapes relationships and identity, producing both compassion and performative eccentricity, while the author blends keen observation, irony, and melancholic atmosphere to examine how convalescence becomes a stage for longing, vanity, and small consolations.

XII.

Sylvester gewann mit Miggi I den goldenen Pokal von Davos.

Der Ausgang des Rennens rief beim Publikum eine ungeheure Aufregung hervor.

Sybil wurde halb ohnmächtig vom Platz getragen und mußte mit drei Flaschen Eau de Cologne bespritzt werden, ehe sie wieder zu sich kam.

Sylvester hob man auf die Schulter und trug ihn im Triumph in seine Pension.

Der Thorax war heilig beglückt.

Die Pneumo weinte Freude.

„Die reine Fata Morgana!“ sagte Herr Klunkenbul und wußte wohl selbst nicht, was er meinte.

Sybil hatte ihr ganzes Geld beim Totalisator auf Sylvester gesetzt. Leider fiel die Quote sehr niedrig aus: 17:10, denn man hatte, nicht aus Sportlichkeit, aber aus Sensation oder Schwärmerei, auf den Dichter gesetzt.

Der Bulgare und der kleine Japaner gratulierten Sybil. Der Japaner überreichte ihr eine Orchidee.

Sie haben das Rennen gewonnen“, sagte der kluge, kleine Japaner.

Sybil zuckte die Achseln.


Sylvester lag angekleidet auf seinem Bett. Graues Schicksal: dem Wort zu dienen. Dem schwesterlichen Chaos. Den torkelnden Träumen. Als ob ich ein lebendiger Mensch würde, wenn ich auf einem lebendigen Pferd reite. Pferde tragen auch Schatten, oder, im Zirkus, hold uniformierte Affen auf ihrem Rücken. Was wiege ich eigentlich? Hundertacht Pfund. Das richtige Jockeigewicht. Was Sybil sich bei diesem Sieg denkt? Was habe ich gewonnen? Ein paar sensationelle Notizen in der Tagespresse. Mein Bild als Reiter in der „Woche“, der „Berliner Illustrierten Zeitung“ und im „Weltspiegel“. Seewald wird mich als Reiter ernstkomisch in Holz schneiden und das schwarze Bild farbig betupfen. Denn man muß mich erst künstlich bunt machen. Ich bin so ermüdet, als hätte man mich zu Graubündner Fleisch geritten. Ich wage diesen Wahnsinn des heutigen Rittes, den Wahnsinn des abendlichen Schauspiels vor den erglühten Rampen. Würde ich wagen, Sybils Hand zu küssen? Nie.