Die Vorstellung das „Weib“ im Kurtheater ging vor ausverkauftem Hause in Szene. Nach dem Rennerfolg des Nachmittags war der Züricher Korrespondent des „Berliner Blattes“ im Auto herbeigeeilt, um dem Schauspiel beizuwohnen und telegraphisch darüber nach Berlin zu berichten.
„Sensationelle Sache“, sagte er zu Pein. Es war ein dicker jüdischer Herr mit einer Hornbrille, hinter der zwei grüne Eulenaugen hervorsahen.
„Die Lindquist ist schwer krank. Vielleicht stirbt sie auf der Bühne. Und dieser olympische Stern am Himmel des Turfs: Sylvester Glonner: als erstklassiger Dichter, erstklassiger Jockei, erstklassiger Schauspieler, wie?“
„Na“, sagte Pein und verabschiedete sich, verärgert, daß der Korrespondent sich nicht mit ihm befaßte.
„Altes Eisen,“ sagte der jüdische Herr zu Dr. Buri, als Pein gegangen war, „ich darf ihn beim besten Willen nicht mehr ernst nehmen. Als Schriftsteller meine ich. Als Schauspieler kenne ich ihn ja noch nicht. Aber diese mystischen Fatzkereien. Ekelhaft.“
„Schmierig“, meinte Dr. Buri. „Sie sind schmierig wie schlecht geputzte Stiefel. Sie sollen glänzen wie Lack, aber es ist beim Altwarenhändler billig erstandenes, rissiges Kalbsleder.“
„Übrigens wichst er sie zuviel, seine lyrischen Stiefel“, sagte der Korrespondent, den es beunruhigte, daß ein anderer in Bildern redete. „Dagegen der Glonner, mein Lieber: ein Talent. Ein großes Talent. Wir werden seinen nächsten Roman bringen, denn wir legen Wert auf ein literarisches Feuilleton.“