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Die Krankheit: Eine Erzählung cover

Die Krankheit: Eine Erzählung

Chapter 19: XVIII.
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About This Book

The narrative follows life in a mountain sanatorium where a cast of patients and physicians—among them a luminous young woman, an admiring young man, a cultured but ailing poet, and an austere chief physician—interact amid treatments, promenades, and café gossip. Scenes alternate between intimate sickroom moments and broader sketches of kur life, capturing rituals of diagnosis, flashes of memory, and theatrical self-display. Illness shapes relationships and identity, producing both compassion and performative eccentricity, while the author blends keen observation, irony, and melancholic atmosphere to examine how convalescence becomes a stage for longing, vanity, and small consolations.

XVIII.

Sylvester sprang sofort hinzu. Er trug sie auf das verschlissene violette Plüschsofa, das den Raum zierte.

„Ein Arzt!“ brüllte plötzlich der Thorax.

„Bleiben Sie bei ihr!“

Die Pneumo nickte wortlos.

Sylvester rannte durch den Saal.

Da schlief in einer Ecke, an die Brust des portugiesischen Dienstmädchens gelehnt, der kleine Japaner.

Sylvester schüttelte ihn wach.

„Man braucht Sie! Man ist erkrankt!“

Der Japaner folgte. Seine Rüstung klapperte wie unzählige Blechbüchsen. Er legte das gelbe, mausähnliche Ohr an Sybils Herz.

Er faßte ihr den Puls.

Er sah ihr auf den Mund.

Dann zuckte er die Achseln.

„Bringen Sie sie sofort nach Hause. Ich werde ihr eine Kampfereinspritzung machen. Übrigens kann es sich nur darum handeln, das Leben um ein paar Stunden zu verlängern.“

„Das Sterben, meinen Sie“, sagte der Thorax. —

Ein Schlitten war in der Eile nicht aufzutreiben. Eben klingelte draußen der erste Tram, der nach Davos-Platz fuhr.

Sie schafften Sybil in den Tram, der von der sterbenden Sonne, dem Apachen, der Geisha, dem Ritter, dem portugiesischen Dienstmädchen und dem Sioux besetzt wurde.

Zum Glück lag Sybils Pension an der Promenade.

Der Tram konnte vor ihrer Wohnung halten.

Als sie in ihrem Bett lag, schlug sie die Augen auf.

„Bitte“, lächelte sie die Masken an, „verlassen Sie mich! Dank für Ihre Teilnahme an meinem Leben!“

Sie wehrte den Japaner ab.

„Ich brauche keine Einspritzung. Ich will Sylvester noch einmal sprechen.“

Die Masken gingen.

Der Apache blieb.

„Sylvester,“ sie legte alle Kraft ihres Herzens in ihren letzten Blick, „du letzter Tag meines Lebens!“

Er hielt ihre Hände. Sein roter Schal streifte ihre gläserne Stirn.

„Drück mir die Augen zu!“

Er fiel von einem Hammerschlag getroffen zermalmt an ihrem Bett zusammen. Er hörte um sich leere Worte plappern, und es schien ihm, als fange der tote Papagei, der auf dem Nachttisch stand, wieder zu sprechen an.