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Die Krankheit: Eine Erzählung cover

Die Krankheit: Eine Erzählung

Chapter 22: XXI.
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About This Book

The narrative follows life in a mountain sanatorium where a cast of patients and physicians—among them a luminous young woman, an admiring young man, a cultured but ailing poet, and an austere chief physician—interact amid treatments, promenades, and café gossip. Scenes alternate between intimate sickroom moments and broader sketches of kur life, capturing rituals of diagnosis, flashes of memory, and theatrical self-display. Illness shapes relationships and identity, producing both compassion and performative eccentricity, while the author blends keen observation, irony, and melancholic atmosphere to examine how convalescence becomes a stage for longing, vanity, and small consolations.

XXI.

„Gehen wir in den Kino!“ sagte Sylvester.

„In welchen?“

„In irgendeinen dreckigen Kinematographen der Vorstadt, in dem der erste Platz dreißig Pfennig kostet, und in dem man sich unbedingt eine Angina holt. — Gehen wir in den Helioskino in der Sendlingerstraße.“ —

Am Eingang des Kinos hing ein riesiges zitronengelbes Plakat: ein bleicher, blonder Frauenkopf, der sich wie eine Narzissenblüte auf einem Stengel wiegte. „Narzissenblüte“ hieß der Film, und das sollte den Namen des Mädchens symbolisieren, denn unten auf dem Plakat waren ein Negerboxer und ein brauner Herr im Zylinder, scheinbar ein englischer Viscount oder ein deutscher Graf, abgebildet; und es war offensichtlich, daß der Film auf einem Konflikt zwischen dem Neger und dem Weißen aufgebaut war. Ein Kampf zwischen Schwarz und Weiß um Blond.

Eine italienische Maronenverkäuferin hockte im Hausflur neben dem Kino.

Sylvester kaufte sich eine Tüte Maronen.

Harry sah einer schmalen Kellnerin nach.

„Ißt du das Zeug gern?“

Sylvester schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich will mir nur die Hände an den heißen Kastanien wärmen.“ —

Die Leinwand flammte auf.

Aus einem hohen, palastartigen Hause, von Säulengängen und Lauben umgeben, trat eine schlanke, blonde Frau.

Sie trug ein weißes, mit schwarzen Borten eingefaßtes Sommerkleid und einen Biedermeierstrohhut mit Rosen garniert. Ein schwarzes Samtband schwang sich vom Hut hernieder um den zarten Hals.

Sie sah sich suchend um.

Stieß unruhig mit dem Sonnenschirm auf den Steinboden. Sie biß die Lippen aufeinander.

Nun glitt ihr Blick gradeaus.

Er blieb an Sylvester haften.

Sybil hatte Sylvester entdeckt.

Sylvester hielt den Atem an. Seine Schläfen sausten, seine Hände zitterten, die Muskeln ließen nach und die Kastanien rollten am Boden.

„Ruhe!“ rief eine Stimme.

Jetzt setzte das Klavier ein. Ein melancholischer Operettenwalzer.

Sylvester marterte sich das Hirn:

Wird sie tanzen?

Da eilte von links ein eleganter junger Herr im Zylinder, Cutaway, in grauen Hosen mit schwarzer Biese, einen Stock mit Goldknopf schwenkend, auf sie zu.

Sie reichte ihm die Hand.

Ihre Unruhe war verschwunden.

Sie lächelte.

Der Herr winkte ... und ein Auto fuhr vor.

Der Chauffeur, ein schöner schwarzer Neger, öffnete äffisch grinsend den Wagenschlag.

Sybil stieg ein.

Der Herr folgte.

Nun knatterte das Auto an ... man sah es durch eine Parkallee von Pappeln fliegen ... nun glitt es in den Wald und war den Blicken aller hinter Bäumen entschwunden.

Sylvester stand auf.

An seinen Schläfen hämmerte das Fieber. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn.

„Gehen wir“, sagte er. —

Der Neger wird sie besitzen, dachte er, als sie auf der Straße waren, und das Entsetzen übte schon wieder Macht über ihn. Man müßte ihn wie einen Hund über den Haufen schießen. Ach, ich bin nur ein Schatten des grauen, eleganten Herrn im Zylinder. Wenn man den Neger auf der Stelle niederknallt, wer soll dann den Wagen lenken? Wir würden in irgendeinen Chausseegraben sausen und uns den Schädel einschlagen. Unser Hirn würde auf die Bäume spritzen und auf Birkenzweigen im Winde wehen. Ein Kopf ohne Hirn ... ein Leben ohne Tod ... immerhin, es wäre zu erwägen ... und ... so süß zu hoffen ...