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Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte 1880–1900 cover

Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte 1880–1900

Chapter 11: Die Kulturnovellisten.
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About This Book

Der Autor bietet eine komprimierte Darstellung der deutschen Literatur der Jahre 1880–1900 und erörtert zugleich die methodischen Schwierigkeiten, zeitgenössische Werke sachgerecht zu beurteilen. Er kritisiert bisherige Literaturgeschichten wegen der Vernachlässigung moderner Strömungen, plädiert für die Fokussierung auf geistige Tendenzen statt auf bloße Persönlichkeiten und warnt vor persönlicher Voreingenommenheit, Parteigeist sowie dem Einfluss von Mode und Reklame auf literarischen Ruhm. Der Text skizziert Kriterien zur Unterscheidung von bleibendem Verdienst und zeitgebundener Popularität, betont die Einbettung in Kulturgeschichte und macht deutlich, dass gegenwärtige Urteile späteren Korrekturen unterliegen können.

Die Kulturnovellisten.

Wilhelm Heinrich Riehl, geb. am 6. Mai 1823 zu Biebrich a. Rh., gest. 1897, war Professor der Kulturgeschichte in München und einer der geistvollsten kulturhistorischen Schriftsteller, in dessen Werken der Belletrist ebenso zu Worte kommt wie der Wissenschaftler. Von seinen Schriften, die eine Fülle von Anregung und Belehrung bieten, verdienen die »Kulturhistorischen Novellen«, »Geschichten aus alter Zeit«, »Kulturstudien aus drei Jahrhunderten«, sowie der Roman »Ein ganzer Mann« besondere Erwähnung.

Karl Emil Franzos, geb. am 25. Okt. 1848 in Czortkow in Podolien, Herausgeber der »Deutschen Dichtung«, entdeckte »Halbasien« (den Südosten von Europa) für die Litteratur und verlegte dorthin den Schauplatz seiner ersten Kulturromane (»Aus Halbasien«, »Die Juden von Barnow«, »Junge Liebe«, »Stille Geschichten«, »Moschko von Parma«, »Ein Kampf ums Recht«, »Der Präsident«). Seine späteren Romane und Novellen begegneten nicht mehr dem gleichen Interesse.

Leopold Kompert, geb. am 15. Mai 1822 zu Münchengrätz, gest. 1886, gilt neben Karl Emil Franzos als der kenntnisreichste Schilderer des jüdischen Volkslebens. (»Aus dem Ghetto«, »Geschichten einer Gasse« u. a.)

Leopold von Sacher-Masoch, geb. am 27. Januar 1837 in Lemberg, gest. 1895, als Litterat ein Pendant zum Marquis de Sade, besaß von Natur aus eine bedeutende Begabung, die jedoch in der Sucht nach der Darstellung erotisch-perverser Probleme in die Brüche ging. So besitzen seine Romane nicht viel mehr als pathologisches Interesse (Masochismus).