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Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte 1880–1900

Chapter 16: Vaganten und Spielmänner.
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About This Book

Der Autor bietet eine komprimierte Darstellung der deutschen Literatur der Jahre 1880–1900 und erörtert zugleich die methodischen Schwierigkeiten, zeitgenössische Werke sachgerecht zu beurteilen. Er kritisiert bisherige Literaturgeschichten wegen der Vernachlässigung moderner Strömungen, plädiert für die Fokussierung auf geistige Tendenzen statt auf bloße Persönlichkeiten und warnt vor persönlicher Voreingenommenheit, Parteigeist sowie dem Einfluss von Mode und Reklame auf literarischen Ruhm. Der Text skizziert Kriterien zur Unterscheidung von bleibendem Verdienst und zeitgebundener Popularität, betont die Einbettung in Kulturgeschichte und macht deutlich, dass gegenwärtige Urteile späteren Korrekturen unterliegen können.

Vaganten und Spielmänner.

Josef Victor von Scheffel, geb. am 26. Febr. 1826 in Karlsruhe, gest. am 9. April 1886, ist besonders der Lieblingsdichter der akademischen Jugend, der er eine große Zahl sangbarer Lieder schenkte, aus denen ein unverwüstlicher, feuchtfröhlicher Humor spricht. Sein lyrisch-episches Werk: »Der Trompeter von Säckingen«, das 1854 erschien, fand begeisterte Aufnahme. Weit bedeutender als dieses ist jedoch sein »Ekkehard«, ein trotz alles gelehrten Beiwerks und der fleißigen Quellenstudien von echter Poesie durchdrungenes Werk, das man als den besten kulturhistorischen Roman der letzten Jahrzehnte bezeichnen kann. Von Sch.'s weiteren Werken verdienen noch genannt zu werden: »Frau Aventiure«, »Gaudeamus« und »Bergpsalmen«.

Rudolf Baumbach, geb. am 28. Sept. 1840 in Kranichfeld in Thüringen, ist einer der »liebenswürdigen« Dichter, der Naturbursche unter den Poeten. Seine lyrischen Gedichte, die sich durch Natürlichkeit und Frische auszeichnen und vielfach zu Volksliedern geworden sind, erschienen in verschiedenen Sammlungen: »Lieder eines fahrenden Gesellen«, »Mein Frühjahr«, »Von der Landstraße«, »Krug und Tintenfaß« u. a. Außerdem besitzen wir von ihm Märchen und Epen, die ebenfalls in weitere Kreise gedrungen sind.

Julius Wolff, geb. am 16. Sept. 1834 in Quedlinburg, gehört zu den »Erfolgreichen« der 70er und 80er Jahre. Seine erste Veröffentlichung waren Gedichte »Aus dem Felde«. Einen durchschlagenden Erfolg errang er mit seinen Epen »Der Rattenfänger von Hameln«, »Der wilde Jäger«, »Der Tannhäuser«, »Lurlei« u. a., deren künstlerischer Gehalt zwar nicht hervorragend ist, die aber das große Publikum immer durch ihre Sentimentalität und Rührseligkeit entzücken werden. Der Beifall, den seine Epen fanden, übertrug sich auch auf seine Romane »Recht der Hagestolze«, »Der Sülfmeister«, »Das schwarze Weib«.