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Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte 1880–1900

Chapter 20: Die Dichter der Dekadenz.
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About This Book

Der Autor bietet eine komprimierte Darstellung der deutschen Literatur der Jahre 1880–1900 und erörtert zugleich die methodischen Schwierigkeiten, zeitgenössische Werke sachgerecht zu beurteilen. Er kritisiert bisherige Literaturgeschichten wegen der Vernachlässigung moderner Strömungen, plädiert für die Fokussierung auf geistige Tendenzen statt auf bloße Persönlichkeiten und warnt vor persönlicher Voreingenommenheit, Parteigeist sowie dem Einfluss von Mode und Reklame auf literarischen Ruhm. Der Text skizziert Kriterien zur Unterscheidung von bleibendem Verdienst und zeitgebundener Popularität, betont die Einbettung in Kulturgeschichte und macht deutlich, dass gegenwärtige Urteile späteren Korrekturen unterliegen können.

Die Dichter der Dekadenz.

Dranmor, mit seinem eigentlichen Namen Ferdinand von Schmid, geb. am 22. Juni 1823 in Muri bei Bern, gest. 1888, wanderte nach Brasilien aus und wurde weiteren Kreisen durch seine »Gesammelten Dichtungen« bekannt, die neben lyrischen Gedichten Balladen und Epen aus dem südamerikanischen Leben in düsterer, pessimistischer Färbung enthalten.

Eduard Grisebach, geb. am 9. Okt. 1845, gab den »Neuen Tannhäuser« und »Tannhäuser in Rom« heraus, leichtgeschürzte Poesien, die viel Anerkennung fanden. G. hat sich ferner als Bibliophile und Herausgeber der Werke Schopenhauers u. a. verdient gemacht.

Emil Prinz von Schönaich-Carolath, geb. am 8. April 1852 zu Breslau, lieferte in seinen Dichtungen den Beweis, daß jemand Prinz und doch ein großer Dichter, Zigeuner und Weltmann zugleich sein kann. Wenn auch die Schöpfungen dieses modernen Byron (»Lieder an eine Verlorene«, »Tauwasser«, »Dichtungen«, »Geschichten aus Moll« u. a. m.) von Koketterie und Salon-Zigeunertum nicht frei sind, so kommen ihm doch an Größe und Leidenschaft nur wenige der Modernen gleich.

Hieronymus Lorm (Pseudon. für Heinrich Landesmann), geb. am 9. Aug. 1821 in Nikolsburg, seit seinem Jünglingsalter taub und erblindet, schrieb Romane und Novellen und that sich besonders als pessimistischer Lyriker hervor (»Am Kamin«, »Gedichte«, »Nachsommer« u. a.). In seinen philosophischen Schriften unternahm er, wenn auch mit wenig Glück, wiederholt den Versuch, eine allgemein-verständliche Erörterung des Lebensproblems zu geben.

Alberta von Puttkamer, geb. am 5. Mai 1849 in Glogau, debütierte mit dem Schauspiel »Kaiser Otto III.«, dem sie »Dichtungen«, »Accorde und Gesänge«, »Offenbarungen« und »Aus Vergangenheiten« folgen ließ, in denen sich ein glühendes Verlangen nach erträumtem Glück, Trauer und Sehnsucht nach verlorenem ausspricht.

Ada Christen (Pseudon. für Christiane Breden, geb. am 6. März 1844 in Wien, ist eine Dichterin stark realistischen Gepräges, in deren Gedichten (»Lieder einer Verlorenen«, »Aus der Tiefe«) sich das seelische Unbefriedigtsein des Weibes ausspricht.