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Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte 1880–1900

Chapter 21: Die Marlitt und ihre Schule.[3]
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About This Book

Der Autor bietet eine komprimierte Darstellung der deutschen Literatur der Jahre 1880–1900 und erörtert zugleich die methodischen Schwierigkeiten, zeitgenössische Werke sachgerecht zu beurteilen. Er kritisiert bisherige Literaturgeschichten wegen der Vernachlässigung moderner Strömungen, plädiert für die Fokussierung auf geistige Tendenzen statt auf bloße Persönlichkeiten und warnt vor persönlicher Voreingenommenheit, Parteigeist sowie dem Einfluss von Mode und Reklame auf literarischen Ruhm. Der Text skizziert Kriterien zur Unterscheidung von bleibendem Verdienst und zeitgebundener Popularität, betont die Einbettung in Kulturgeschichte und macht deutlich, dass gegenwärtige Urteile späteren Korrekturen unterliegen können.

Die Marlitt und ihre Schule.[3]

[3] Paul Lindau siehe unter »Feuilletonisten«.

E. Marlitt (Pseudon. für Eugenie John, geb. am 5. Dez. 1825 in Arnstadt in Thüringen, gest. 1887, wurde viel verlästert von den Modernen, aber viel geliebt von dem Publikum der Gartenlaube, das ihre Romane »Goldelse«, »Das Geheimnis der alten Mamsell«, »Das Heideprinzeßchen« u. a. nicht las, sondern verschlang.

W. Heimburg (Pseudon. für Bertha Behrens), geb. am 7. Sept. 1850 in Thale am Harz, ist ein Gartenlaube-Talent, das sich in wenig oder nichts von der Marlitt unterscheidet. Ihre Produktion wird schon durch die Titel ihrer Werke charakterisiert: »Aus dem Leben einer alten Freundin«, »Lumpenmüllers Lieschen«, »Ein armes Mädchen«, »Herzenskrisen«, »Trotzige Herzen« u. s. w.

E. Werner (Pseudon. für Elisabeth Bürstenbinder), geb. am 25. Nov. 1838 in Berlin, gehört zu denjenigen Schriftstellerinnen, die ein Motiv so lange variieren, bis es sich zu »Gesammelten Werken« ausgewachsen hat. (»Ein Held der Feder«, »Am Altar«, »Gesprengte Fesseln«, »St. Michael« u. a.)

Marie Bernhard, geb. am 7. Nov. 1852 in Königsberg i. Pr., widmete sich der Schriftstellerei im Genre der Gartenlaube (»Forstmeister Reichardt«, »Im Strom der Zeit«, »In Treue fest«, »Schule des Lebens«, »Unweiblich« u. a.)

Nataly von Eschstruth (Mädchenname der jetzigen Frau v. Knobelsdorff-Brenkenhoff), geb. am 17. Mai 1860 in Hofgeismar, wurde vom Deutschen Schriftsteller-Verband als die »beliebteste« Erzählerin proklamiert und ist bemüht, durch die Quantität zu ersetzen, was ihr an Qualität fehlt. Ihre »Werke« stehen noch unter denen der Marlitt, Heimburg etc.