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Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte 1880–1900

Chapter 28: Romanciers des High-life.
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About This Book

Der Autor bietet eine komprimierte Darstellung der deutschen Literatur der Jahre 1880–1900 und erörtert zugleich die methodischen Schwierigkeiten, zeitgenössische Werke sachgerecht zu beurteilen. Er kritisiert bisherige Literaturgeschichten wegen der Vernachlässigung moderner Strömungen, plädiert für die Fokussierung auf geistige Tendenzen statt auf bloße Persönlichkeiten und warnt vor persönlicher Voreingenommenheit, Parteigeist sowie dem Einfluss von Mode und Reklame auf literarischen Ruhm. Der Text skizziert Kriterien zur Unterscheidung von bleibendem Verdienst und zeitgebundener Popularität, betont die Einbettung in Kulturgeschichte und macht deutlich, dass gegenwärtige Urteile späteren Korrekturen unterliegen können.

Romanciers des High-life.

Rudolf Lindau, geb. am 10. Okt. 1830 in Gardelegen, hatte durch seinen diplomatischen Beruf Gelegenheit, die halbe Welt kennen zu lernen. Er ist Weltmann großen Stils und in Paris und London ebenso zu Hause wie in Peking und San Francisco. L. verfaßte mehrere größere Romane, die in den Kreisen der internationalen Gesellschaft spielen (»Robert Ashton«, »Gute Gesellschaft« u. a.) und gab Beschreibungen seiner umfassenden Reisen heraus (»China und Japan« u. a.).

Ossip Schubin, mit ihrem eigentlichen Namen Lolo Kirschner, geb. am 17. Juni 1854 in Prag, läßt ihre Romane zumeist in den Kreisen des internationalen high life, besonders der österreichischen Adels- und Offizierskreise, spielen. Ihrem ersten Roman »Ehre« folgten »Schuldig«, »Unter uns«, »Gräfin Erikas Lehr- und Wanderjahre«, »Gebrochene Flügel«, »Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht« u. a. S. schreibt fesselnd und interessant, doch haben ihre Romane etwas skizzenhaftes und der Stil ist oft salopp oder gesucht.

Baron Carl Torresani, geb. am 19. April 1846 in Mailand, war österreichischer Kavallerieoffizier, bewirtschaftete einige Zeit sein Gut als Ökonom und widmete sich dann der Bildhauerei. Seine Romane, in denen er sich ganz als Österreicher giebt, spielen teils in den Kreisen der österreichischen Armee, teils in denen der internationalen Gesellschaft, für deren charakteristische Merkmale er einen scharfen Blick besitzt. »Aus der schönen wilden Lieutenantszeit«, »Schwarzgelbe Reitergeschichten«, »Mit tausend Masten«, »Auf gerettetem Kahn«, »Die Juckerkomtesse«, »Der beschleunigte Fall«, »Aus drei Weltstädten« u. a. Seiner Selbstbiographie gab er den Titel: »Von der Wasser- bis zur Feuertaufe. Werde- und Lehrjahre e. österreichischen Offiziers«.

Johannes Richard zur Megede, geb. am 8. Sept. 1864 in Sagan, trat erst als reifer Mann mit einer Reihe von Romanen vor die Öffentlichkeit. »Kismet«, »Unter Zigeunern«, »Quitt«, »Von zarter Hand«, die in den exklusiven Adelskreisen spielen und den Verfasser als einen scharfen Beobachter, der einen sicheren Blick für das Charakteristische besitzt, erkennen lassen.

Bertha von Suttner, geb. am 9. Juni 1843 in Prag, errang ihren größten Erfolg mit dem Tendenzroman: »Die Waffen nieder«, der für die Weltfriedensidee Propaganda macht. Von ihren übrigen Werken, die sehr ungleich im Werte sind, verdienen noch »Inventarium einer Seele« und »Das Maschinenzeitalter« genannt zu werden.