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Die letzten zwanzig Jahre deutscher Litteraturgeschichte 1880–1900

Chapter 37: Nationale Jungösterreicher.
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About This Book

Der Autor bietet eine komprimierte Darstellung der deutschen Literatur der Jahre 1880–1900 und erörtert zugleich die methodischen Schwierigkeiten, zeitgenössische Werke sachgerecht zu beurteilen. Er kritisiert bisherige Literaturgeschichten wegen der Vernachlässigung moderner Strömungen, plädiert für die Fokussierung auf geistige Tendenzen statt auf bloße Persönlichkeiten und warnt vor persönlicher Voreingenommenheit, Parteigeist sowie dem Einfluss von Mode und Reklame auf literarischen Ruhm. Der Text skizziert Kriterien zur Unterscheidung von bleibendem Verdienst und zeitgebundener Popularität, betont die Einbettung in Kulturgeschichte und macht deutlich, dass gegenwärtige Urteile späteren Korrekturen unterliegen können.

Nationale Jungösterreicher.

Arthur von Wallpach, geb. am 6. März 1866 in Vintl (Tirol), Schriftleiter des »Scherer«, veröffentlichte »Im Sommersturm« und »Sonnenlieder«, ernste formvollendete Dichtungen, die von nationalem Bewußtsein beseelt sind.

Franz Herold, geb. am 15. Febr. 1854 in Böhmisch-Leipa, gab heraus »Wachsen und Werden«, »Spuren«, »Fremde und Vaterland«, meistens Gedankendichtungen, denen er eine ansprechende Form zu geben versteht.

Hermann Hango, geb. am 16. Mai 1861 in Wien, verfaßte: »Zum Licht«, »Neue Gedichte«, »Faust und Prometheus«, »Nausikaa« (Trauerspiel), die sich durch schöne Form und Gedanken auszeichnen.

Josef Kitir, geb. am 11. Febr. 1867 in Aspang in Niederösterreich, Herausgeber der »Poetischen Flugblätter«, hat die Gabe, Ereignisse des alltäglichen Lebens mit großer dichterischer Stimmung zu schildern. K. veröffentlichte »Leben und Stimmung«, »Lyrische Radierungen«.

Oskar Weilhart (Pseudon. für Oskar Gerzer), geb. am 26. September 1868 in Mattighafen, schrieb mit seinem Bruder Josef Hafner eine Reihe von Dramen: (»Keine Sühne«, »Der Frauenkongreß«, »Brotlose Kunst«), die trotz mancher dramatischer Unbeholfenheiten das Ringen ehrlichen Könnens mit großen Stoffen beweisen.

Franz Adamus, geb. am 15. Okt. 1867 in Auschwitz, wurde durch sein in den schlesischen Bergwerksdistrikten spielendes Drama: »Familie Wawroch« bekannt, in welchem er mit gutem Gelingen den gesunden Realismus aus den Anfängen der modernen Litteraturentwickelung wieder auf die Bühne bringt.

Emil Ertl, geb. am 11. März 1860 in Wien, hat sich durch seine Novellen »Opfer der Zeit«, »Miß Grant«, »Die Perlenschnur« u. a. als feinsinniger Erzähler einen guten Namen errungen.

Heinrich von Schullern, geb. am 17. April 1865 in Innsbruck, wurde durch seine Skizzen (»Helldunkel«) bekannt, in denen man Stil, Grazie und Esprit, oft auch nicht immer gut verteilte satirische Spitzen findet. In seinem stellenweise stark polemisierenden Roman »Im Vormärz der Liebe« schildert er die Geschichte einer zur Lebenserkenntnis gelangenden Jugend.

Hanns Weber-Lutkow (Pseudon. für Dr. Hanns Pokorny), geb. am 27. September 1861 in Lemberg, veröffentlichte zahlreiche Skizzen und kritische Arbeiten und entrollte in seinen »Schlummernden Seelen« ergreifende Bilder aus dem Fühlen und Leben des niederen Volkes in Kleinrußland.

Hugo Greinz, geb. am 3. Juni 1873 in Innsbruck, Herausgeber des »Kyffhäuser«, gilt als kritischer Vorkämpfer für die Idee einer von der Großstadt unabhängigen österreichischen Provinzlitteratur. Seine Novellen »Küsse« stehen unter Jacobsen'schem Einflusse. Mit Heinrich von Schullern gab er 1898 den modernen Musenalmanach »Jung-Tirol« heraus.