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Die Schelme von Steinach: Erzählung für die Jugend cover

Die Schelme von Steinach: Erzählung für die Jugend

Chapter 3: Zweites Kapitel Auf der Apfelstraße
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About This Book

Eine Reihe heiterer, episodischer Erzählungen für junge Leser schildert, wie das Andenken an ehemalige Raubritter im Dorf lebendig bleibt: Burgruinen, scherzhafte Überfälle, verfehlte Schatzsuchen und die Gespräche der Dorfbewohner werden in volkstümlichen Anekdoten dargestellt. Reisebeobachtungen und Begegnungen führen zu humorvollen, oft milde moralisierenden Szenen, die Gemeinschaft, Einfallsreichtum und menschliche Schwächen zeigen. Der Ton ist warmherzig und verschmitzt, die Sprache lebendig, sodass Tradition, Fröhlichkeit und einfache Lebensfreude im Vordergrund stehen.


Zweites Kapitel
Auf der Apfelstraße

Warum Besenmüller auf der Pflaumenstraße sitzt und Schwetzers Fritze seinen Himbeerapfel fortwirft – Der neue Lehrer findet die Begrüßung sehr seltsam, und Frau Besenmüller erscheint zur rechten Zeit

In Steinach am Wald blühten die Bäume an den Straßen nicht mehr, denn es war Herbst geworden. Auf jeder Straße hatte ein anderer Baum die Herrschaft, und die Steinacher redeten darum von einer Apfelstraße, einer Birnen- und einer Pflaumenstraße.

Die Bäume hingen voller Früchte, und keine Steinacher Hausfrau brauchte weder um Weihnachtsäpfel noch um Pflaumen zum Kuchen oder um Birnenschnitze für die Winterszeit in Sorge zu sein. Von allem gab es reichlich. Die Äste brachen fast unter der Last der reifen Früchte.

»Destowegen braucht das Kindervolk aber nicht immer auf die Bäume zu klettern oder drumherum zu kriechen,« sagte Besenmüller, der in dieser Zeit in Steinach das Amt eines Obstwärters ausübte. Das war nicht leicht. Spazierte nämlich Martin Besenmüller auf der Apfelstraße entlang, dann spielten die Kinder auf der Pflaumenstraße, und schrie da ein Bube »Besenmüller!«, flugs liefen alle zur Birnenstraße.

An einem Herbsttag, der heiß und sonnenleuchtend war, – man hätte ihn für einen Sommertag halten können – saß um die erste frühe Nachmittagsstunde Besenmüller auf der Pflaumenstraße und strickte. Das war eine Arbeit, die ihm manchen Spott eintrug. Die Steinacher Kinder waren unnütz genug, ihn oft neckend zu bitten: »Besenmüller, ich hab’ ’n Loch im Strumpf, geh, schenk mer ’n neuen!«

Dann tat Besenmüller zwar gewaltig böse, er schimpfte und schalt, und seine liebe Frau schalt noch mehr, aber der Mann blieb doch sitzen und strickte weiter. Und seine Frau sagte: »Strick’ nur, Besenmüller, was for ’s Gemüt muß der Mensch haben. Was für Stadtleute das Gelese und Klaviergespiele is, das is for dich das Gestricke. Laß dir deine Freude nicht verärgern!«

Besenmüllers Ärger ging aber nicht tief, und wenn er zankte, lag wohl ein heimliches Lachen in seinen Augen. –

Ein Vergnügen war es nun wirklich, so im Sonnenschein unter einem Baum zu sitzen und zu stricken. Besenmüller hatte einen rosenroten Strumpf vor, und seine Laune war auch rosenrot; er rief herzvergnügt »Guten Tag!«, als ein Bauer vorbeikam.

»Na, Besenmüller, hütest du die Zwetschen mal wieder?« fragte der Mann. »Freilich, freilich, se sin arg schene alleweil. Das Kindervolk möchte zu gern ran.«

Besenmüller lächelte schadenfroh. Auf der Birnenstraße gab es nicht mehr viel zu holen, und die Winteräpfel, die noch auf den Bäumen saßen, lockten nicht so sehr. »Se sin jetzt sehre wilde, de Kinner,« brummelte er.

»Jo, jo, wenn nur der neie Lehrer erst käme!« gab der Bauer zur Antwort. »Vater Hiller ist zu gut.«

»Aus ’ner großen Stadt kommt der.« Besenmüller machte ein unzufriedenes Gesicht, und der Bauer fragte: »Is dir wohl niche recht?«

»Nä, bewahre, ’n Städter ist ’n Städter, der wird nich nach Steinach passen. Iche bin unzufrieden.«

Da ging der Bauer kopfschüttelnd weiter. Ja, wenn Besenmüller unzufrieden war, so war das eine schlimme Sache. Besenmüller war nicht allein Obstwächter, er war auch der Schul- und Kirchendiener. Je ja, und der war nun mit dem neuen Lehrer unzufrieden!

Besenmüllers Laune war nun nicht mehr so rosenrot wie sein Strumpf, der Gedanke an den neuen Lehrer hatte sie ihm ein bißchen verdorben. Fünfunddreißig Jahre hatte der alte Lehrer Hiller in Steinach sein Amt verwaltet, und auf einmal wollte er fort. Er brauche Ruhe, hatte der Arzt gesagt. Nun wollte Vater Hiller, so wurde er gern genannt, zu seinen Kindern ziehen, und ein neuer sollte an seine Stelle treten.

Wie dieser neue Lehrer sein würde, daran dachte nicht allein Besenmüller an diesem Nachmittag, auch die Kinder redeten davon. Die saßen alle miteinander, Buben und Mädel, große und kleine, auf der Apfelstraße und fanden, daß Winteräpfel auch schon im Herbst ganz gut eßbar sind. Sie kannten auch genau die Bäume, auf denen die frühreifen Früchte hingen. Die Buben saßen auf den Bäumen, die Mädel darunter, und alle schmausten sie mit vollen Backen.

Dort, wo sich die Apfelstraße schon dem kleinen Bahnhof näherte, – er lag etwa eine Viertelstunde vom Dorf entfernt – saß auf einem Himbeerapfelbaum Arnulf Weber. Schlank und rank war er; wenn er mit seinen Kameraden ging, ragte er immer ein Stückchen über sie hinaus. Und lärmten die Buben auf der Straße gar zu arg, dann sagten die Steinacher: »Mer hört’s, Arne is dabei.«

Arne saß oben auf dem Baum, und im untersten Geäst hing Fritze Schwetzer. Der war kurz und stämmig, und seinen Namen verdiente er gar nicht. Maulfauler als Fritze Schwetzer konnte nicht leicht einer sein. Wenn den seine Mutter mit einer Bestellung zu einer Nachbarin schickte, dann sagte er dort meist nur das letzte Wort, etwa »Kuchenblech«, die Nachbarin mußte es sich dann dazu denken, daß Frau Schwetzer ein Kuchenblech geliehen haben möchte. An diesem Herbstnachmittag sagte Fritze überhaupt nichts. Er aß nur einen Himbeerapfel nach dem andern, obgleich seine Mutter bei Tisch gesagt hatte: »Fritze, du wirst noch platzen, wenn du so arg stopfst.«

Desto mehr redete Arne. Seine Stimme tönte hell die Apfelstraße entlang, und von einem Pfundapfelbaum und anderen Bäumen, auch aus dem Graben heraus, in dem die Mädel saßen, kam Antwort. Lustige Neckworte flogen hin und her. Manchmal sauste ein Apfel von Baum zu Baum, im Graben kicherte es, und in all den heiteren Lärm hinein schrie auf einmal Zimplichs Max: »Nu kommt er balde!«

»Wer denn?« Die den Ruf gehört hatten, fragten es, und die anderen riefen: »Was hat er gesagt?«

»Der Neue.« Zimplichs Max brüllte es laut, und Ach- und Ohrufe tönten die Apfelstraße entlang. Auf einmal dachten sie alle an den neuen Lehrer, auf den sie ungeheuer neugierig waren. Ob er wohl sehr streng war? Strenger als Herr Hiller sicher! Und nun würden die schönen vielen Feiertage ein Ende haben, denn Vater Hiller hatte zuletzt nicht mehr soviel unterrichten können, er war lange leidend gewesen.

»Ich fürcht’ mich niche!« Ein kleiner, dicker Stöpsel, der mit Müh und Not auf einen niedrigen Baum gekommen war, schrie es kühn und laut. Das Wort fand Beifall von da und dort, von oben und unten versicherten es Buben und Mädel: »Wir ferchten uns niche.«

»Jackenknöpfle hat recht!« Webers Arne warf dem kleinen, dicken Burschen einen roten Himbeerapfel hinüber, der fing ihn auf, biß hinein und ärgerte sich dabei. Sein Spitzname kränkte ihn. Jakobus Knöpfle hieß er, daraus hatte ein Spaßvogel Jackenknöpfle gemacht, und dieser Name hing ihm nun an. Seine Mutter tröstete zwar: »Sei froh, daß sie nicht Hosenknöpfle sagen!« Aber das war doch nur ein schlechter Trost. –

Während so die Kinder auf der Apfelstraße von dem neuen Lehrer redeten und Besenmüller auf der Pflaumenstraße verdrießlich an ihn dachte, fuhr Herr Heinrich Fries im Zuge nach Steinach. Er war der neue Lehrer, und als er so das Land im Herbstschmuck sah und an seine Frühlingsreise dachte, kam es ihm ganz wunderbar vor, daß nun Steinach sein Ziel war. Wie es so kommt. Im Sommer hatten die Ersparnisse noch nicht zu einer Reise gereicht, und Mutter und Sohn hatten zueinander gesagt: »Nächstes Jahr vielleicht.« Und dann war Heinrich Fries eines Tages in die Schule gekommen, in der er als Hilfslehrer unterrichtete, da hatte sein Rektor zu ihm gesagt: »Wollen Sie auf das Land? Es ist schnell eine gute Stelle zu besetzen. Der dortige Lehrer ist krank, er will in den Ruhestand treten.«

Auf das Land? Dorflehrer sollte er werden? Nur zögernd hatte er gefragt: »Wie heißt denn der Ort?«

»Steinach am Wald.« Der junge Lehrer im Zug mußte wieder lächeln, als er an sein Erstaunen damals dachte und an das seiner Mutter über den seltsamen Zufall. Steinach am Wald, dorthin sollte er. Nur drei Tage blieben ihm Bedenkzeit, und in diesen Tagen hatten Mutter und Sohn viel von dem fernen Dorf gesprochen. Sehr froh waren sie beide nicht, sie wären gern in der Stadt geblieben.

Frau Fries gehörte zu jenen Müttern, in deren Herzstübchen die Wände voller Bilder hängen, fast alles Bilder ihrer Kinder. In diesem Stübchen stehen dann lauter Dinge, an denen die Kinder ihre Freude haben oder sie einst hatten. Auch ein großes Sorgenwinkelchen gibt es drin, dort liegt das Leid der Kinder. Manchmal ist dieser Sorgenwinkel recht groß, und die Mutter hat viel, viel damit zu tun. Auch Frau Fries’ Herzstübchen war immer ausgefüllt von der Sorge und Freude um ihren Sohn. An sich selbst dachte sie nie, nur an den Sohn, und der sollte mehr werden als nur ein Dorflehrer, ein Gelehrter sollte er werden wie sein Vater. In der Stadt konnte er weiterarbeiten, auf dem Dorfe wohl nicht.

Die gute Mutter! dachte Heinrich Fries, als er Steinach immer näher kam. Nun würde er bald dort sein, aber allein zuerst, so hatte es die Mutter verlangt. »Wenn es dir nicht gefällt, kommst du zurück,« waren ihre Worte gewesen. Und der Sohn wußte, sie würde in ihrer Einsamkeit von morgens bis abends arbeiten, nur für ihn. Sie würde für ihn sorgen unermüdlich, vielleicht kam er bald zurück und brauchte ihre Hilfe.

Da hielt der Zug, Steinach am Wald war erreicht. Er stieg aus und sah, daß er der einzige Reisende war, der das tat. Der Zug fuhr weiter, und er schlug den Weg nach dem Dorfe ein. »Nur immer die Apfelstraße hinunter,« sagte der Bahnbeamte freundlich. »Ihren Koffer lassen Sie nur hier, Herr Lehrer, – das sind Sie doch?«

Der Mann grüßte und nickte, und Heinrich Fries ging die Apfelstraße entlang. In der großen Stadt, aus der er kam, konnte er durch viele Straßen gehen, niemand kannte ihn, und hier wußten sie gleich, wer er war. Es ist freilich ein Dorf, sagte er zu sich und seufzte im Herzen, nur ein Dorf!

Um diese Zeit dachte Besenmüller gerade auf der Pflaumenstraße: »Heute sin se aber brav, die Kinner!« und die braven Kinder jauchzten, lärmten und schmausten vergnügt auf der Apfelstraße. Da tönte der schrille Pfiff einer Lokomotive in das fröhliche Gelärm hinein, und Arne schrie: »Vielleicht kommt jemand.«

Geschwind verkrochen sich die Buben im dichteren Blattgewirr, und die Mädel duckten sich in den Graben. Es war doch möglich, daß jemand vom Bahnhof kam, und wenn sie auch alle meinten, im Recht zu sein mit dieser Schmauserei, erwischen lassen wollte sich keins. Ein paar meinten: »Arne, paß auf!«

»Es kommt wer – ’n Fremder!« schrie der zurück, und der Ruf eilte die Apfelstraße entlang von Baum zu Baum.

Von den Bäumen herab, aus dem Straßengraben hinauf lugten schwarze und blaue Augen dem Ankommenden lustig entgegen. Wer mochte das sein? Ein Fremder in Steinach, welch ein Wunder!

Fritz Schwetzer allein kümmerte sich nicht um den, der kam. Er hatte eben einen Himbeerapfel angebissen, der außen schön rot und glänzend, aber innen verfault und bitter war, das ärgerte ihn. Er drehte den Apfel rundum, biß noch einmal da an und dort, vielleicht gab es noch eine süße Stelle, aber da der Apfel bitter blieb, warf Fritze ihn in weitem Bogen auf die Landstraße, da mochte er liegen.

»Holla, was ist denn das?« Heinrich Fries sah sich erstaunt um, ihm war etwas an den Kopf geflogen und hatte ihm den Hut heruntergerissen, und doch war es ganz windstill, kein Lufthauch war zu spüren. Aber freilich, in den Bäumen raschelte und zitterte das Laub, und der junge Lehrer sah da und dort Bubenbeine hängen, er sah auch neben seinem Hut einen angebissenen Apfel liegen. Rasch trat er auf den Himbeerapfelbaum zu, packte Fritzes Beine und rief: »He, du da oben, ist das Sitte hier, Fremden den Hut vom Kopf zu werfen?«

Fritze erschrak. Er sagte aber nichts, sondern versuchte nur seine Beine zu befreien. Arne beugte sich rasch hinab, um sich den Fremden näher anzusehen. Doch dabei entglitt ihm sein Apfel und traf Herrn Fries an die Nase.

»Potzwetter,« rief der nun ärgerlich, »da sitzt ja noch so ’n heilloser Bube! Ihr scheint mir ja nette Rangen zu sein! Kommt mal gleich herunter.«

»Nä,« rief Arne trotzig. Der hatte gar keine Lust, mit dem Fremden unten auf der Landstraße zu stehen. Auch Fritze Schwetzer verspürte dazu keine Neigung, aber ihn konnte der junge Mann leicht herunterholen. Das war bedenklich, und er überlegte, es wäre eigentlich ganz ratsam, dem fremden Mann einfach über den Kopf weg zu springen. Auf diese Weise entging er aller Fragerei. Gedacht, getan. Ehe Herr Heinrich Fries noch wußte, wie und was, sauste Fritze vom Baum herunter; aber hatte vorher sein Apfel des jungen Lehrers Hut mitgenommen, so nahm der Bube gleich diesen selbst. Pardauz lagen beide auf der Straße, Fritze überschlug sich zweimal, sprang auf und raste hinweg.

Aus dem Graben schauten drei lachende kleine Mädel heraus, und oben auf dem Baume kreischte Arne laut vor Vergnügen. Sein Jubel fand ein Echo. Plötzlich lachte, schrie und kicherte es die ganze Apfelstraße entlang. Den Buben und Mädeln schien die Purzelei des Fremden ein lustiger Spaß zu sein, dieser selbst freilich fand es gar nicht lustig, der war sehr verdrießlich. Er suchte mißmutig seine Sachen zusammen, die zerstreut am Boden lagen, und dachte dabei: »Das ist ja ein netter Anfang! Wenn das so weiter geht, wird es mir schwerlich gut in Steinach gefallen.«

Die Schelme von Steinach. Seite 22.

Unschlüssig stand er eine Weile da und sah die lange Straße hinab. Kerzengerade lief sie bis zum Dorfe hin; an ihrem Ende ragte fein und schlank der Kirchturm in die Luft. Der junge Lehrer sah aber nicht allein das Dorf im Hintergrunde, er sah auch da und dort Bubenbeine von den Bäumen herabhängen, und kleine kecke Mädelnasen streckten sich aus dem Graben heraus. Recht seltsame Früchte waren das. Wie er noch so stand und sich seine zukünftigen Schulkinder betrachtete, tönte von unten herauf der Ruf: »Besenmüller, Besenmüller kommt!«

Ritsch, ratsch verschwanden die Beine, wie reife Äpfel plumpsten die Buben von den Bäumen, aus dem Graben kamen die Mädel heraus, und heidi ging es nach rechts und nach links über die Stoppelfelder hinweg. Im Umsehen lag die Apfelstraße verlassen da, nur eine auffallend große Frau schritt dem jungen Lehrer entgegen.

In der Mitte der Straße trafen sich beide. Die Frau musterte rasch den Fremden, dann sagte sie: »Ich bin die Besenmüllern, Herr Lehrer!«

»Ja, kennen Sie mich denn?«

»Nu freilich, sonst kommt doch ’n Fremder nich her um die Zeit. Und Pflaumenkuchen hab’ ich schon gebacken, und unser alter Herr Lehrer erwartet Sie. Und mein Mann sitzt unten auf der Pflaumenstraße, und ich dachte gleich, de Kinner sin hier. Besenmüller is zu gut, viel zu gut, Herr Lehrer, so gut is keiner wie der. Er müßte strenger sein gegen die Kinner. Gelle, das meinen Sie auch?«

»Hm,« sagte der junge Lehrer nur. Er kannte weder Besenmüller noch seine Frau, er wußte nichts von deren Güte oder Strenge. »Ich will nun gehen,« murmelte er.

»Ich geh’ mit, und Ihr Zimmer ist schon fertig, Herr Lehrer.«

So schwatzte Frau Besenmüller, des Kirchen- und Schuldieners Frau, unablässig weiter und führte den jungen Lehrer nach Steinach hinein. Der brauchte nichts zu fragen und zu sagen, Frau Besenmüller erzählte ihm alles, wie ein Mühlwerk ging ihre Rede, und dabei konnte ihr Begleiter nie sehen, weinte sie oder lachte sie, weil nämlich ihr Gesicht ganz merkwürdig schief war. Seltsame Leute und seltsame Sitten scheint es hier in Steinach zu geben, dachte der junge Lehrer, als sie das Dorf erreichten. Ob ich hier wohl lange bleiben werde? Sicherlich nicht!

»Nä, so was,« rief da Frau Besenmüller, »Webersch Wagen is umgepurzelt, nä aber!«

Quer über die Straße lag ein umgestürzter Düngerwagen und versperrte den Zugang. Der Duft, der von ihm ausging, war nicht lieblich, und Heinrich Fries schickte sich seufzend an, in einem weiten Bogen herumzugehen, und so langte er endlich verdrießlich vor dem Schulhause an.