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Die Weiße Rose

Chapter 112: 1
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About This Book

The narrative explores the dynamics of the Condor Oil Company, a prominent yet not the most powerful American oil corporation operating in Mexico. It examines the company's insatiable appetite for growth and influence, likening its operations to those of a state in terms of organization and strategy. The text delves into the competitive landscape of the oil industry, highlighting the methods and motivations that drive such corporations to seek dominance in the international market. Through this lens, it reflects on the broader implications of capitalism and the relentless pursuit of power.

13

1

er Gouverneur reiste Ende der Woche nach Mexiko City. Er suchte Licenciado Perez auf, fand ihn aber nicht in seiner Office.

Am späten Nachmittag ging der Gouverneur in ein Restaurant, wohin er sich mit einigen Senatoren verabredet hatte, um dort mehrere Sachen politischer Natur mit ihnen zu beraten. Als er den großen Saal des Restaurants betrat, sah er in einer Nische den Licenciado mit seiner Frau sitzen und Tee trinken. Er ging sofort zu ihm und bat ihn um eine kurze Unterredung. Die beiden Herren setzten sich an einen der kleinen Tische.

„Don Hacinto hat die Rosa Blanca verkauft“, sagte der Gouverneur ohne jede Einleitung.

„Ja, das ist richtig“, antwortete Senjor Perez, „ich habe als gesetzlicher Vertreter die Akten zur Registrierung an die Regierung geschickt.“

„Ist Ihnen an den Dokumenten etwas aufgefallen?“ fragte der Gouverneur.

Licenciado Perez blickte scharf auf: „Warum, Senjor Gobernador? Ja. Mir ist daran aufgefallen, daß die Dokumente nicht in der Office unseres Konsuls unterzeichnet wurden. Aber das kann gute Gründe haben. Die Urkunden sind rechtsgültig bestätigt vor einem öffentlichen amerikanischen Notar. Alle Unterschriften und die Übersetzung sind jedoch von unserm Konsul bestätigt, der alle Unterzeichner persönlich kennt.“

„Kannte unser Konsul auch Don Hacinto persönlich, als er die Unterschriften bestätigte?“ fragte der Gouverneur.

„Das kann ich nicht wissen“, antwortete Senjor Perez.

„Haben Sie von uns schon die amtliche Bestätigung erhalten, daß die Dokumente registriert sind?“ fragte der Gouverneur.

„Die amtliche Bestätigung habe ich noch nicht in Händen, aber Senjor Jazmines vom Registeramt hat mir auf meine Anfrage mitgeteilt, daß die Registrierung erfolgt sei“, sagte Senjor Perez.

„Das ist richtig. Die Registrierung ist erfolgt“, bestätigte der Gouverneur. „Ehe Sie der Company mitteilen, daß die Registrierung erfolgt ist, möchte ich Sie noch sprechen. Wenn irgend möglich morgen schon, weil ich übermorgen früh zurückreisen muß.“

„Gut“, antwortete der Licenciado. „Morgen ist zwar Sonntag, aber ich werde um elf Uhr in meiner Office sein, und wir können dort allein und ungestört sprechen.“

„Bueno, also morgen um elf“, sagte der Gouverneur. „Entschuldigen Sie mich jetzt, Licenciado, dort sind die Herren, mit denen ich zu verhandeln habe.“

2

Als der Gouverneur und der Licenciado am nächsten Morgen beisammensaßen, schoß der Gouverneur sofort auf sein Ziel los: „Ist es Ihnen nicht aufgefallen, daß Don Hacinto so rasch verkaufte, sobald er dort in San Francisco war?“

„Nein, das ist mir nicht aufgefallen. Um so weniger, als man ihm nun in Dollars zahlte, was ich ihm nur in Pesos geboten hatte. Einer so hohen Summe konnte er wohl nicht widerstehen.“

„Don Hacinto hat den Kontrakt unterschrieben, im Original und in allen Kopien“, sagte der Gouverneur.

„Ja, das hat er“, bestätigte der Licenciado.

„Wissen Sie, Licenciado“, fragte nun der Gouverneur scheinbar sehr ruhig, „daß Don Hacinto nicht schreiben kann?“

„Was?“ schrie Senjor Perez. „Er kann nicht schreiben?“

„Nein, keinen einzigen Buchstaben.“

Nach einer Weile ruhigen Überlegens sagte Senjor Perez: „Man kann ihm die Hand geführt haben. Das ist gesetzlich zulässig.“

„Richtig. Aber dann muß das in einem so wichtigen Dokument ausdrücklich bestätigt werden von einem Notar, ebenso wenn an Stelle des Namens des Unterzeichners, der des Schreibens unkundig ist, eine Figur oder drei Kreuze gemalt werden.“

„Ja, Sie haben recht, Gouverneur“, sagte der Anwalt, „das hätte bestätigt werden müssen, um Rechtskraft zu bekommen.“

Der Gouverneur dachte eine Weile nach.

Endlich sagte er: „Nun einige andere Fragen, Licenciado. Einige Rechtsfragen.“

„Bitte, fragen Sie.“

„Halten Sie es für möglich, daß die Zeugen, die unterzeichnet haben, der Syndikus, der Notar, der Vizepräsident, Schurken sind?“ fragte der Gouverneur.

Senjor Perez lachte laut heraus: „Aber, Senjor Gobernador, das ist eine Frage! Wie kann ich wissen, ob alle diese Leute Schurken sind. Sie alle sind angesehene Herren, achtbare Männer vor dem Gesetz und vor der großen Öffentlichkeit. Was sie in ihrem wahren Charakter sein mögen, der einer Öffentlichkeit nicht bekannt ist, kann natürlich niemand wissen. Und was weder Gesetz noch Öffentlichkeit wissen, darf uns nicht kümmern, was immer wir auch von jemand denken mögen in unserer privaten Meinung.“

„So ungewöhnlich ist jedoch meine Frage nicht“, rechtfertigte sich der Gouverneur. „Ich will mich klarer aussprechen. Gesetzt den Fall, es liegt hier ein Verbrechen oder, sagen wir milder, eine Ungesetzlichkeit vor, glauben Sie, daß so viele achtbare Männer bei einer so folgenschweren Ungesetzlichkeit Hilfe leisten würden?“

„Nein, das glaube ich nicht“, sagte der Licenciado. „Jeder einzelne dieser Herren mag vielleicht eine schwere Ungesetzlichkeit begehen. Warum nicht? Aber keiner von denen wird je irgend etwas Ungesetzliches tun in Gemeinschaft anderer. Das ist gefährlich. Ein solcher Mann ist immer in Händen dessen, der Zeuge war. Dazu sind solche Männer zu intelligent und zu vorsichtig.“

„Das ist es, das ist es ganz genau, was ich dachte“, erwiderte der Gouverneur. „Wenn also hier eine Ungesetzlichkeit vorgekommen ist, so ist es durchaus möglich, daß keiner der Zeugen weiß, was vorgekommen ist?“

„Ich verstehe nicht ganz, was Sie meinen, Gobernador.“

„Gut. Also ich meine: Waren alle Zeugen gleichzeitig zugegen, als Don Hacinto den Kontrakt und die Kopien unterschrieb?“

„Das kann ich nicht wissen“, sagte der Licenciado der Wahrheit gemäß.

„Freilich nicht, Senjor Perez, freilich können Sie das nicht wissen; denn Sie waren ja selbst nicht zugegen. Wie geht denn das gewöhnlich zu bei einer solchen Vertragsabschließung?“

„Ah, Gobernador, jetzt endlich habe ich begriffen, worauf Sie hinzielen“, sagte Senjor Perez. „Ein Vertrag, besonders ein so wichtiger Vertrag wie dieser hier, wo es sich um ein großes Objekt handelt, soll eigentlich, um allen Bedingungen gerecht zu werden, im Beisein aller Unterzeichner abgeschlossen werden. Soll eigentlich, aber geschieht meist nicht, und die Gesetze sagen wenig Genaues hierüber. In vielen Fällen, ich kann aus meiner eigenen Praxis sagen, in den meisten Fällen, geht das so vor sich: Ein Verantwortlicher der Company, hier also war es der erste Vizepräsident, unterzeichnet den Vertrag, der ihm von dem Syndikus oder einer andern Person vorgelegt wird. Er unterzeichnet ihn in seiner Office gleichzeitig mit hundert andern Kontrakten und Briefen. Sieht meist gar nicht hin, was er unterzeichnet, weil er sich auf sein Personal verläßt. Dann wird der Vertrag dem andern Kontrahenten vorgelegt, hier also dem Senjor Hacinto Yanyez. Auch der unterzeichnet ihn an dem Orte, wo ihm der Vertrag vorgelegt wird, vielleicht in seinem Hotelzimmer. Dann geht der Vertrag zu dem einen Zeugen und dann zu dem andern, zu jedem allein. Alle diese Unterzeichner kennen sich meist persönlich und kennen ihre gegenseitigen Signaturen, die auch meist registriert sind. Der Vertrag geht dann, wenn es erforderlich ist, zu dem Notar, der die Unterschriften bestätigt, weil er ebenfalls alle Unterzeichner persönlich und deren Unterschriften kennt. Irgendwelche Bedenken hat er nicht, weil ihm der Vertrag eingereicht wird von einer angesehenen und bekannten Company, über deren Rechtschaffenheit kein Zweifel besteht. Das wird so gemacht und muß meist so gemacht werden, weil es sehr oft ganz unmöglich ist, alle Unterzeichner an demselben Ort und zu derselben Zeit zusammen zu haben. Der eine wohnt vielleicht in Chicago, der andere in Albany, wieder ein anderer in Phoenix. Kommt nun ein Vertrag mit den Unterschriften so achtbarer und bekannter Herren und mit der Beglaubigung eines Notars versehen zu unserm Konsul oder zu einem andern Konsul, so wird der gar keine Bedenken haben, die amtliche Bestätigung zu geben. Er hat meist gar keine Zeit, den Vertrag genau durchzusehen und lange darüber nachzudenken, daß an den Unterschriften etwas nicht stimmen könnte. Man muß heute sehr viel Vertrauen sich gegenseitig entgegenbringen. Würde man das nicht tun, gäbe es solche Zeitverluste, daß alles Wirtschaftsleben ins Stocken geriete.“

„Es ist also dann möglich“, sagte jetzt der Gouverneur, „daß eine andere Person und nicht Don Hacinto unterzeichnet haben kann.“

„Das ist natürlich möglich. Und bei der ganzen Vertragsabschließung braucht nur eine einzige Person wirklich die Wahrheit zu wissen, während alle übrigen Unterzeichner in der Tat unschuldig sind und man ihnen nach den obwaltenden Umständen nicht einmal vorwerfen kann, daß sie fahrlässig gehandelt hätten, weil der ganze Geschäftsverlauf in der üblichen und gewohnten Weise vor sich gegangen ist.“

„Ganz genau so, wie ich mir gedacht habe, daß es geschehen sein könnte“, sagte der Gouverneur. „Betrachten wir den Fall weiter. Wenn nun einer der wichtigsten Unterzeichner, sagen wir Don Hacinto, aus der Welt verschwindet, dann kann nie der Beweis beigebracht werden, daß er den Vertrag nicht unterzeichnet hat.“

„Doch, Senjor Gobernador“, erwiderte der Anwalt. „Man kann seine Unterschrift, die auf dem Kontrakt und in den Kopien, von Sachverständigen vergleichen lassen mit andern Unterschriften, die Don Hacinto irgendwo und irgendwann gegeben hat und von denen man ganz zweifelsfrei weiß, daß es sich um legitime Unterschriften seiner Person handelt.“

„Ein solcher Beweis ist aber nicht zu erbringen“, wandte der Gouverneur ein, „wenn frühere Unterschriften des Don Hacinto nicht existieren.“

„In einem derartigen Falle dann freilich nicht“, sagte Licenciado Perez.

Der Gouverneur dachte eine Weile nach. Dann: „Wahrscheinlich war der Mann, der an Stelle des Don Hacinto unterzeichnete, ein Mexikaner, der sich vielleicht gar als ein Mann mit dem Namen Yanyez ausweisen konnte. Der Name Yanyez ist ja nicht gerade häufig, aber doch genügend oft vorhanden, um jemand mit diesem Namen vorzuschieben. Sehr möglich, daß der vorgeschobene Mann gar nichts wußte, unterschrieb da etwas, von dessen Inhalt er wenig verstand. Man gab ihm einige Dollar in die Hand, und der arme Teufel tat, was man von ihm verlangte, froh darüber, daß er so leicht zwanzig oder fünfzig Dollar verdienen konnte. Möglich, daß jener Mann nach der Unterzeichnung verschwand. Was gilt dort drüben ein armer mexikanischer Arbeiter. Sie werden zu Dutzenden erschlagen, und niemand erfährt es. Wenn hier in Mexiko ein Amerikaner von Banditen erschlagen wird, dann erfährt es sofort die ganze Welt, und die ganze Welt entrüstet sich über die Unsicherheit in Mexiko.“

Plötzlich, gleich einem Donnerschlag, schlug die Stimme des Gouverneurs auf den Licenciado ein: „Wissen Sie auch, Perez, daß Don Hacinto noch nicht zurückgekehrt ist aus den Staaten?“

Senjor Perez fuhr erschreckt auf: „Was sagen Sie da? Nicht zurück?“

„Nein, er ist nicht zurück“, wiederholte der Gouverneur. „Niemand daheim hat irgendeine Nachricht von ihm erhalten. Niemand weiß, wo er ist, niemand weiß, wo das Geld ist, das er empfangen hat.“

„Das ist doch nicht möglich, Gobernador“, sagte der Licenciado, immer erregter werdend. „Das kann doch gar nicht sein!“

„Es ist aber so“, nickte der Gouverneur. „Und nun will ich Ihnen sagen, was ich denke. Don Hacinto hat den Kontrakt nicht unterschrieben; denn erstens wollte er die Rosa Blanca nicht verkaufen, und zweitens konnte er nicht schreiben. Don Hacinto hat die Hazienda nicht verkauft. Die Unterschrift hat irgendein mexikanischer Arbeiter für ein paar Dollar gezeichnet. Das war schlau, denn wir schreiben ja die Buchstaben ein wenig anders als die Amerikaner. Hätte ein Amerikaner unterschrieben, so würde man sofort gesehen haben, daß der Unterzeichner nicht Mexikaner war. Man hat einen Arbeiter oder einen Schuljungen hergenommen, um die Unterschrift so ungelenk erscheinen zu lassen, wie gewöhnlich die Unterschrift eines wenig schreibgewandten Landmannes aussieht. Nach meiner festen Überzeugung ist Don Hacinto dort oben ermordet worden, als er nicht zu bewegen war, die Hazienda zu verkaufen.“

„Aber das ist ja unerhört, was Sie da sagen, Senjor!“ rief der Licenciado.

„Keineswegs unerhört“, sagte der Gouverneur ernst. „Sie haben mir ja soeben bestätigt, wie solche Verträge unterzeichnet werden, daß also die Unterzeichner nicht alle am gleichen Ort und zu gleicher Zeit bei der Unterzeichnung zugegen zu sein brauchen, weil sich eine Person auf die Rechtschaffenheit der andern verläßt. Ich gebe zu, daß dies eine rechtsgültige Handlung ist, weil – Sie gaben mir ja die Gründe an – es sonst oft nicht möglich sein würde, einen Vertrag abzuschließen, denn man kann die Personen nicht alle immer beisammen haben. Ich unterzeichne auch die meisten Verträge und Briefe, die mir von meinen Leuten hier vorgelegt werden, im Vertrauen auf die Zuverlässigkeit meiner Sekretäre. In dem Falle des Don Hacinto freilich gab das eine Möglichkeit, einen Vertrag zu erschleichen. Ich bin überzeugt, daß Don Hacinto das Geld nicht bekommen hat, und wenn er es bekam, so wurde es ihm wieder abgenommen, sobald er ermordet war.“

„Ich kann das nicht glauben“, sagte Senjor Perez. „Ich kenne den Präsidenten der Company, den Mr. Collins, persönlich. Er macht auf mich nicht den Eindruck, daß er zu einer so grauenhaften Tat seine Zustimmung geben würde.“

„Sie als Anwalt, lieber Perez, sollten doch recht vorsichtig sein, die Menschen lediglich nach ihrem Eindruck, den sie auf andere Menschen machen, zu beurteilen. Es handelt sich ja nicht um einen gemeinen Mord im üblichen Sinne. Einen gemeinen Mord begeht ein solcher Mann natürlich nicht. Aber hier ist der Mord nach der Auffassung des Mannes nötig im Interesse seiner Company. Er, jener Präsident, betrachtet einen solchen Mord mehr als einen politischen Mord. Und bei politischen Morden nimmt das Gewissen gewöhnlich eine andere Stellung ein als bei einem Morde, der rein persönlichen Interessen dient. Vielleicht lag der Mord nicht in den Plänen des Präsidenten. In seinen Plänen lag nur der Besitz der Hazienda. Er gab dann einem Subjekte den Auftrag, den Verkauf der Hazienda durchzusetzen um jeden Preis. Jenes Subjekt, nicht die Intelligenz und Ruhe des Präsidenten besitzend, wählte dann den kürzesten und rohesten Weg, um den Auftrag, der ihm gegeben war, zu erfüllen. Jenes Subjekt mag der Mann gewesen sein, der auf der Hazienda war und der Don Hacinto nach den Staaten gelockt hat. Aber das ist nur eine Vermutung.“

„Sollte nicht vielleicht alles nur Vermutung sein, was Sie mir hier gesagt haben, Gobernador?“ fragte Senjor Perez.

„Gestern war alles nur Vermutung. Heute, nach der Unterredung mit Ihnen, die mir Aufklärung gab über die Art und Weise, wie solche Verträge unterzeichnet und bestätigt werden, bin ich gewiß, daß meine Vermutung richtig ist oder wenigstens, daß sie der Wahrheit sehr nahe kommt. Wir haben jetzt nur noch eine Möglichkeit, die Wahrheit herauszufinden. Bei allen Verbrechen wird immer ein Fehler gemacht. Es wird auch hier ein Fehler gemacht worden sein. Und ich vermute – ich betone diesmal, ich vermute nur –, daß der Vertrag unterzeichnet wurde, nachdem Don Hacinto bereits ermordet war oder nachdem man ihn geschickt – wie das dort oft gemacht wird – in irgendeiner Weise verunglücken ließ, auf der Jagd oder auf der Bahn oder im Auto oder beim Baden oder beim Segeln. Wir müssen versuchen, seinen Leichnam zu finden und festzustellen, wann er starb. Können wir dann vergleichen, daß der Vertrag unterzeichnet wurde, nachdem Don Hacinto tot war, dann haben wir den Betrug erwiesen.“

„So etwas dürfte schwerfallen“, meinte der Licenciado.

„Das weiß ich, Senjor Perez. Es ist nur eine Idee von mir. Aber ich werde dieser Idee folgen. Ich möchte Sie bitten, mir hierbei zu helfen. Sie sind ja nicht nur der Vertreter jener Company, Sie sind ja auch Mexikaner, nicht wahr, Senjor Perez?“

„Mit ganzem Herzen, Senjor Gobernador, das brauche ich nicht zu versichern“, sagte der Licenciado offen. „Und in einem solchen Falle, angesichts einer so schäbigen Tat, wo es sich um nackten Raub unseres Landes handelt, bin ich Mexikaner erst recht und allen zum Trotz. Trotz seiner Eigensinnigkeit und seiner Schwerfälligkeit habe ich Don Hacinto achten und schätzen gelernt während meiner mehreren Besuche auf seiner Hazienda. Und ich darf Ihnen offen eingestehen, daß, als er, trotz der aufgehäuften Goldstücke auf seinem Tische, endgültig von jedem Verkauf abstand, ich einen tiefen Respekt vor dem Manne bekam. Und obgleich mir eine hohe Provision verlorenging, war ich im Herzen doch froh, daß er dieses schöne Stück Heimat nicht an die Amerikaner verkaufte, daß ein so schönes Stück Erde, das solche Menschen erzeugte, wie er war und wie alle übrigen dort sind, die ich kennenlernte, nicht in ein stinkendes und lärmendes Ölkamp verwandelt wurde. Und das ist meine ehrliche Meinung, Gobernador.“

„Nun gut“, sagte der Gouverneur, „kommen wir zum Handeln. Schreiben Sie der Company, daß Sie die Bestätigung der Registrierung noch nicht erhalten hätten, was ja der Wahrheit entspricht. Sie dürfen ruhig hinzufügen, daß nach privaten Mitteilungen, die Sie erhalten hätten, die Registrierung erfolgt sei. Dann schreiben Sie ferner, daß hier bei der Regierung inzwischen Bedenken aufgetaucht seien. Sagen Sie offen, es habe sich herausgestellt, daß Don Hacinto nicht schreiben konnte. Und sagen Sie endlich, daß die Regierung ein Interesse habe, zu erfahren, wo sich Don Hacinto befinde, um ihn über einige Einzelheiten in dem Vertrage zu vernehmen.“

„Halt!“ unterbrach der Licenciado. „Das werde ich nicht schreiben. Denn gesetzt den Fall, Don Hacinto ist noch am Leben, dann wird man nun versuchen, ihn noch nachträglich zu beseitigen, um einen so unbequemen Zeugen loszuwerden.“

„Das ist wahr. Daran hatte ich nicht gedacht“, sagte der Gouverneur. „Sagen Sie einfach, Don Hacinto sei hier noch nicht wieder zurückgekehrt, und seine Familie habe ein Interesse daran, zu wissen, wo er sei, ob man dort nichts über ihn erfahren könnte.“