1
Die Condor Oil Company war unter den großen amerikanischen Oil-Companien, die ihre Unternehmungen auf Mexiko ausgedehnt hatten, durchaus nicht die mächtigste und auch nicht die stärkste.
Aber sie hatte den stärksten Appetit.
Für die Entwicklung eines Individuums wie für die Entwicklung eines ganzen Volkes ist der Appetit bestimmend. Erst recht und ganz besonders ist ein guter Appetit bestimmend für die Entwicklung einer großkapitalistischen Company. Der Appetit entscheidet das Tempo der Machtentfaltung, und der Appetit entscheidet darum auch die Wahl der Mittel, die angewandt werden, um das Ziel zu erreichen: eine einflußreiche und gebietende Macht im internationalen Wirtschaftsleben zu sein. In ihrem Aufbau, in ihrem Wesen, in ihren Zielen und in ihren Arbeitsmethoden, wie auch in ihren Problemen, unterscheidet sich eine moderne großkapitalistische Company wenig von einem Staate. Der einzige sichtbare Unterschied ist wohl nur der, daß eine großkapitalistische Company gewöhnlich besser organisiert ist und vernünftiger und geschickter geleitet wird als ein Staat.
Die Condor Oil Company war die jüngste der Companien, die hier miteinander und gegeneinander im Felde standen, wo um die Vorherrschaft auf dem Markt gekämpft wurde. Da sie die jüngste war, so war sie die gefräßigste. In der Auswahl und in der Anwendung der Mittel, einen einflußreichen Platz im Wettbewerb mit den alten und mächtigen Companien zu gewinnen, kannte sie weder Hemmungen noch Rücksichten. Wenn sie überhaupt einen Grundsatz hatte in bezug auf die Art des Kampfes, so war es der: Der Krieg, der am brutalsten geführt wird, dauert am kürzesten und ist darum der humanste.
Hierin fand sie gleichzeitig eine moralische Entschuldigung ihrer Handlungen, so daß sie, vor sich selbst gerechtfertigt, sagen konnte, sie führe den humansten Kampf, und daß sofort Friede sein werde, sobald sie den Kampf gewonnen habe.
Die Macht einer Öl-Company hängt nicht allein von der Zahl der Öl produzierenden Brunnen ab, die eine Company besitzt. Die Macht hängt vielmehr davon ab, wieviel Land sie besitzt oder unter Kontrolle hält. Und hier sind es drei Arten von Land, die in Frage kommen.
Land, das bestimmt Öl trägt; Land, das nach dem Gutachten der Geologen Öl tragen muß; und Land, das nach dem Instinkt der Ölleute Öl haben sollte. Die dritte Gattung des Landes ist es, die Spekulationen ermöglicht und die Millionen an Dollars verdienen läßt, ohne daß auch nur ein einziges Faß Öl produziert zu werden braucht.
So ging der Kampf der Companien darum, Land und immer mehr Land zu gewinnen. Es wurde mit größerem Eifer und mit größerer Geschicklichkeit daran gearbeitet, alles Land, das Öl haben könnte, zu erobern, dann daran, das Land, das eine Company bereits hatte, mit allen technischen und wissenschaftlichen Mitteln bis auf den letzten Hektar auszubeuten.
Da die Condor Oil Company nicht durch ihr Kapital und nicht durch die Zahl und den Reichtum ihrer produzierenden Brunnen in die vorderste Reihe der gigantischen Öl-Companien treten konnte, so mußte sie den zweiten Weg einschlagen: mehr ölverdächtiges Land zu gewinnen, als irgendeine andere große Company besaß. Im Besitz eines gewaltigen Umfanges an Land, das Öl hatte oder Öl haben konnte und das darum notwendig war, den Ölbedarf des Marktes zu befriedigen, konnte sie Preise bestimmen und sie konnte eine Kontrolle ausüben auf Öl-Companien, die infolge ihrer gewaltigen Kapitalkraft unüberwindlich und unkontrollierbar schienen.
So wird sich wohl leicht erklären lassen, daß es keine Untat gab und kein Verbrechen, das die Agenten, die im Auftrage der Company arbeiteten, das Land heranzuschaffen, nicht verübt hätten, um, wenn es der Company notwendig erschien, das gewünschte Land zu erhalten.
Die Condor Oil Company hatte achtzehn reiche Brunnen laufen. Wo sie Land auch nur roch, das Ölland hätte sein können, oder Land, das vielleicht irgendeine andere Company zu erwerben gedachte, da war sie sofort auf dem Plan.
In den erbarmungslosen Landabtreibungsgeschäften wirkte natürlich nie einer der Direktoren mit; nie einer ihrer obersten Beamten, und nur ganz selten ließ sie einen Amerikaner in diesem Zweige arbeiten. Die Direktoren kamen erst in Sicht, wenn das Land, das die Company haben wollte, bereits in jenen Händen war, die es für die Company bereit zu halten hatten. Die Company war immer nur der zweite Käufer. Die schäbigen Geschäfte wurden von mexikanischen oder spanischen, zuweilen von deutschen Unteragenten abgewickelt.
Die Condor Co. hatte ihr Hauptquartier in San Francisco in Kalifornien. Das mexikanische Hauptquartier war in Tampico, Mexiko. Sie hatte Zweigquartiere in Panuco, in Tuxpam und in Ebano; und sie bereitete sich vor, noch zwei weitere Büros zu errichten, eines am Isthmus, das andere in Campeche.
Sie hatte vortreffliche amerikanische, englische und schwedische Geologen für sich arbeiten, die gut bezahlt wurden. Sie beschäftigte einen großen Stab von Topographen, die das Gelände aufzunehmen und zu vermessen hatten. Die Topographen waren schon weniger gut bezahlt als die Geologen, denn ihre Arbeit wurde weniger hoch bewertet. Darum liefen die Topographen oft genug armselig und zerrissen herum wie Vagabunden. Die Geologen standen den Direktoren schon ein wenig näher, wirtschaftlich und gesellschaftlich; denn sie konnten gute Tips über reiches Ölland in die Ohren flüstern. Die Topographen dahingegen standen dem Proletariat näher, und da sie das freiwillig nicht eingestehen wollten, weil sie doch studiert hatten, mußten sie mehr und härter arbeiten als die Arbeiter, denen es Suppe oder Brühe war, ob man sie als Proletarier betrachtete oder nicht. Die Topographen wurden viel rascher rausgefeuert als kräftige Rigbauer; Topographen gab es reichlich, während die Rigbauer frech waren wie Straßendreck, denn sie schämten sich nicht, auch gelegentlich Tomaten einzukonservieren, wenn sie keine Rigs aufzubauen hatten, oder rausgefeuert worden waren, weil sie den Foreman verprügelt hatten.
2
In der Region der Condor Co., beinahe völlig umgrenzt von reich ölhaltenden Ländereien, die alle im Besitz oder in Lease, Vorpacht, der Company waren, lag die Hazienda La Rosa Blanca.
Die Hazienda La Rosa Blanca hatte eine Größe von etwa achthundert Hektar. Sie gehörte dem Indianer Hacinto Yanyez.
Ihre Produkte waren: Mais, Bohnen, Chile, Pferde, Rindvieh, Schweine, ferner Zuckerrohr, und damit auch Zucker, und endlich Orangen, Zitronen, Papayas, Tomaten, Ananas.
Sie lag in der Ölzone im nördlichen Teil des Staates Veracruz.
Die Hazienda machte ihren Besitzer nicht reich, wohl nicht einmal wohlhabend. Denn alles wurde in alter hergebrachter Weise kultiviert und bewirtschaftet. Es ging auf der Hazienda gemächlich und gemütlich zu. Niemand regte sich auf. Es wurde nicht gehetzt, nicht getrieben, und wenn wirklich einmal geschimpft wurde, so geschah das nur der Abwechslung wegen und weil das Leben ja zu eintönig verlaufen würde, wenn nicht gelegentlich einmal die Ventile abblasen können.
Die helfenden Hände auf der Hazienda waren Indianer wie der Besitzer. Sie bekamen keine hohen Löhne. Gewiß nicht. Aber jede Familie hatte ihre Hütte mit einem geräumigen Hof. Die Familie konnte Vieh halten nach Belieben, und auf dem Lande, das ihr entsprechend ihrer Kopfzahl zugewiesen war, anbauen, was ihr für ihren Unterhalt nötig erschien.
Alle jene Familien, die hier wohnten, lebten seit Generationen auf der Hazienda. Sie waren beinahe alle mit dem Besitzer versippt und verschwägert. Einige der Familien verdankten ihre Entstehung der großen Zeugungsfähigkeit eines der Vorfahren des Hacinto. Hacinto war der Pate beinahe aller Kinder, die auf der Hazienda geboren wurden, und Senjora Yanyez war die Patin.
Der Pate, el padrino, und die Patin, la madrina, haben in Mexiko eine bei weitem wichtigere Stellung innerhalb der Familiengemeinschaft, denn in irgendeinem anderen Lande auf Erden. Das rührt von uralten Zeiten her, aus weit zurückliegender Zeit der Indianer. Infolge der ungemein häufigen Ineinanderverheiratung der Spanier mit indianischen Frauen haben sich in den Sitten des mexikanischen Volkes zahlreiche Gewohnheiten und Gebräuche der Indianer erhalten überall da, wo es sich um Küche, Haus und Familienbeziehungen handelt, also in jenen Dingen, wo der Mann gewöhnlich passiv und neutral ist, weil sie das Urgebiet der Frau betreffen.
Der Pate galt im alten indianischen Mexiko – und gilt auch im heutigen Mexiko – ebensoviel für das Kind wie der eigene Vater. In zahlreichen Fällen, wenn der Vater stirbt oder sich, aus vielerlei Gründen, unfähig erweist, Erzieher des Kindes zu sein, tritt der Pate in die vollen Rechte und Pflichten des Vaters ein. Der Pate hat sich um das Wohlergehen des Kindes, zu dem er Pate ist, zu kümmern. Wenn ihn auch das öffentliche Gesetz nicht zwingt, seine Pflicht gegenüber dem Kinde, das der Hilfe bedarf, zu erfüllen, so kann er sich dieser Pflicht doch nicht entziehen; denn er würde dadurch seine Achtung und sein Ansehen in der Gesellschaft, die sich ja aus Familien zusammensetzt, verlieren, genau so gut, als ob er irgendeine sonstige schäbige Handlung begeht, die vielleicht vom Gesetz, nicht aber von dem Gesellschaftskreise, dem er angehört, verziehen wird.
Der Vater des Kindes nennt den Paten des Kindes Compadre, das heißt Mit-Vater, und die Patin nennt er Comadre, das ist Mit-Mutter. Beide, Pate und Vater, reden sich mit Compadre an, und Patin und Mutter nennen sich gegenseitig Comadre. Und wenn der Vater des Kindes die Patin ruft, so sagt er auch nicht Senjora, sondern er ruft sie Comadre.
Aus diesen Gründen betrachten sich der Vater des Kindes und der Pate des Kindes wie Brüder, und das Verhältnis zwischen beiden ist oft herzlicher als das zwischen Blutsverwandten, weil die Wahl eine freiwillige ist und die Wahl von der Sympathie abhängt, die jene zwei Leute füreinander empfinden.
Wenn sich der indianische Farmarbeiter den Patron, den Herrn der Hazienda, zum Paten für sein Kind aussucht, dann kommt der Herr. Er ist nie zu stolz dazu; denn er betrachtet es als eine große Ehre, daß er zum Paten erwählt wurde. Das liegt im indianischen Blute. Und von dem Augenblicke an, wo der Herr Pate des Kindes jenes Farmarbeiters geworden ist, sagt der Farmarbeiter nun nicht mehr „Patron!“ zum Herrn, sondern Compadre. Und der Herr sagt nicht mehr „He, Juan!“ zu dem Arbeiter, sondern er sagt gleichfalls Compadre zu ihm, obgleich sich die rein wirtschaftliche Stellung der beiden zueinander nicht verändert. Sie sind von nun an Brüder und behandeln sich wie Brüder.
Dieses Verhältnis besteht auf allen Haziendas in Mexiko, wo der Besitzer und die Hazienda-Leute indianischen Blutes sind. Ein solches Verhältnis bringt Zustände hervor, die anderswo auf Erden wohl nicht gefunden werden können.
Dem Patron gehört die Hazienda. Sie gehörte seiner Familie schon, ehe Kolumbus geboren wurde. Denn der Vorfahr, der Gründer der Familie, war ein indianischer Fürst, der Häuptling eines Stammes der Huasteken, der in jenem Bereich seinen Sitz hatte. Aber der Patron betrachtet sich nur als Nutznießer der Hazienda. Er fühlt sich verantwortlich für das Wohlergehen aller, die auf der Hazienda leben; denn er ist ja der Compadre aller, und alle sind seine Compadres. Er kleidet sich nicht reicher als die, die auf der Hazienda arbeiten. Er trägt die Tilma wie sie, und wie sie trägt er Sandalen. Er ißt Tortillas und Frijoles wie alle übrigen. Aber dennoch ist das Verhältnis ein ganz anderes als das patriarchalische Verhältnis auf den alten europäischen Bauernhöfen, wo alle Knechte und Mägde am selben Tisch mit dem Bauern und der Bäuerin sitzen.
Hier sind alle selbständig, alle haben ihre eigenen Familien, ihren eigenen Haushalt. Der Patron ist der Richter in allen ihren Angelegenheiten, ihr Ratgeber, ihr Briefschreiber – wenn er schreiben kann –, ihr Arzt, ihr Rechtsanwalt, ihr Verteidiger gegen Behörden, die Unmögliches verlangen, ihr Versorger in schlechten Ernten und der Versorger ihrer Witwen und Waisen. Jedoch er ist niemals „der“ Herr. Er bereichert sich nie an seinen Leuten. Er hat mehr Vieh als die übrigen, hat mehr Mais, mehr Bohnen und hat ein wenig mehr Geld. Ein wenig mehr. Nicht viel. Denn es leben viel zu viele Familien auf der Hazienda. Die Familien vermehren sich. Sie vermehren sich reichlich. Und alle jungen Paare, die eine neue Familie gründen, wollen in ihrer Heimat bleiben, also auf der Hazienda. Und für alle muß Land und Rat geschafft werden. Und wird geschafft. Der Patron muß ja ein wenig mehr haben als die übrigen, denn er hat zwanzigmal mehr Verpflichtungen als alle übrigen.
Wo der Patron ein Mexikaner nichtindianischen Blutes oder wo er gar Spanier oder, schlimmer vielleicht, gar Deutscher ist, liegen die Dinge völlig anders. Da gibt es Herren und Knechte; denn da muß Geld verdient, da muß die Hazienda ertragreich gemacht werden, damit sie mit tausend Prozent Gewinn verkauft werden kann an einen, der abermals tausend Prozent an ihr gewinnen will. Da gibt es auch keine Compadres und keine Comadres.
Hacinto Yanyez jedoch, der Patron der Hazienda La Rosa Blanca, war Indianer. Und weil er Indianer war und alten indianischen Gesetzen folgte, ohne ihren Wortlaut zu kennen, da er sie im Blut hatte, darum mußte ein Zusammenstoß einer amerikanischen Öl-Company mit ihm zu einer Tragödie führen. Denn die Waffen, die er zu führen verstand und die zu führen er gewohnt war, versagten gegenüber einer amerikanischen großkapitalistischen Company, die Milliarden verdienen mußte, um ihren Aktionären den Besitz einer Luxusjacht und Einkäufe in den Boulevards in Paris zu gewährleisten.
3
Die übrigen Haziendas, Farmen und Ranchos der Gegend hatte die Condor Oil Co. in der üblichen Weise gewonnen. Wie man so Land gewinnen kann. Diese Ländereien waren aufgeteilt worden in Lotes, in Lote Nr. 1, in Lote Nr. 2 und so an und fort bis Lote Nr. 78. Lote ist ungefähr dasselbe wie Parzelle oder Terreno.
Aber im Familienschmuck der Condor Co. fehlte eine Perle. Die schönste Perle unter allen, die Hazienda La Rosa Blanca, Die Weiße Rose.
Rund herum war das saftigste Ölland. Die reichsten Brunnen, die das schwarze Gold in dicken Strahlen hervorsprudelten, in Strahlen so mächtig, daß sie beim ersten Einblasen fünfhundert Meter hoch in die Wolken schossen mit dem ohrenbetäubenden Gebrüll eines gigantischen Wasserfalls oder mit dem Geschnaube von fünfzig vereinigten Expreßzug-Lokomotiven, die gleichzeitig ihre Ventile öffneten. Diese reichsten Brunnen lagen an den Grenzen der Hazienda.
Die Condor Co. mußte in den Besitz der Rosa Blanca gelangen, auch wenn sie darum einen Krieg der Staaten mit Mexiko hätte heraufbeschwören müssen. Ihre Direktoren und Aktionäre zogen ja auf keinen Fall mit in den Krieg. Sie waren aus dem Alter heraus, und wären sie nicht aus dem Alter heraus gewesen, so hätten die Ärzte sie herzkrank, zuckerkrank oder lungenschwach geschrieben.
Es wurde dem Senjor Hacinto Yanyez eine Lease, eine Vorpacht, angeboten mit fünf Dollar das Hektar jährlich für zwanzig Jahre und acht Prozent Beteiligung am Gewinn.
Hacinto aber sagte zu den Agenten: „Das kann ich nicht. Ich kann die Hazienda nicht verpachten. Ich habe kein Recht dazu. Mein Vater hat sie auch nicht verpachtet. Auch nicht mein Abuelo, mein Großvater. Auch nicht dessen Vater. Ich muß sie behalten für die, die nach mir kommen werden. Die wollen auch essen. Und die müssen sie behalten für jene, die wieder nach ihnen kommen werden. So war das immer. Ich habe ja die Orangenbäume und die Nußbäume auch von meinem Vater bekommen. Hätte er keine gepflanzt, dann würde ich keine Orangen und keine Zitronen und keine Nüsse haben. Darum muß ich wieder junge Bäume pflanzen, damit auch die, die nach mir leben wollen, Orangen und Zitronen und Nüsse haben. Das ist nun eben so mit der Hazienda. Das können Sie doch verstehen, Senjor Pallares?“
Senjor Pallares, der Agent, der Aufkäufer für die Condor Co., konnte das natürlich nicht verstehen, weil er nie Land besessen und weil sein Vater nie Land gehabt hatte. Er war nur Licenciado, ein Rechtsanwalt, wie sein Vater auch gewesen war.
Er kam zur Company und sagte dort, daß Hacinto verrückt sei.
Darauf sagte der Direktor, wenn Hacinto verrückt sei, dann könnte man ihn ja ins Irrenhaus schicken.
Hacinto wäre nicht der erste gewesen, der ins Irrenhaus geschickt wurde und dort verkam und starb, weil eine Oil-Company seinen Besitz auf keine andere Weise bekommen konnte. Dutzende waren ins Irrenhaus geschickt worden. Denn irre ist jeder, der es ablehnt, einen Kaufpreis für ein Stück Land anzunehmen, der tausendmal höher ist als der Kaufpreis für das Land war, ehe Öl in der Nähe gefunden wurde.
Es kam ein anderer Agent. Wieder ein Mexikaner. Und wieder ein Licenciado. Senjor Perez.
Er kam mit dem großen Geldsack, brachte das blinkende Gold gleich mit. Nicht alles. Aber doch einen großen Teil. Er hoffte, daß der Anblick des schönen gemünzten Goldes Hacinto nachgiebig machen würde.
Licenciado Perez bot keine Lease an. Er wollte die Hazienda kaufen. Das gab mehr Geld und war darum eine größere Versuchung.
„Aber ich kann doch die Hazienda nicht verkaufen, Senjor Licenciado“, sagte Hacinto in seiner ruhigen stoischen Weise. Zeit war für ihn kein bestimmter Begriff, darum ließ er sich auch beim Sprechen nicht zur Eile drängen. „Ich kann die Hazienda wirklich nicht verkaufen. Sie gehört doch gar nicht mir.“
„Wie?“ fragte Senjor Perez. „Gehört nicht Ihnen. Das ist ja neu. Steht doch in den Registern als Ihr Eigentum.“
Hacinto lachte: „Sie gehört mir natürlich, die Rosa Blanca. Wie sie einstmals meinem Vater gehört hat. Aber sie gehört auch meinem Vater nicht mehr. Ich meine, die Hazienda gehört mir nicht so, daß ich damit machen kann, was ich will. Sie gehört doch auch denen, die nach mir leben wollen. Für die bin ich verantwortlich. Ich bin nur der Verwalter für die, die später leben wollen und leben werden. Wie mein Vater nur der Verwalter war und dessen Vater und dessen Vater und so immer weiter zurück und so immer weiter voran.“
„Das ist ja Unsinn, Senjor Yanyez. Lassen Sie nur die andern für sich sorgen. Sie können ja Ihren Kindern das Geld geben oder hinterlassen. Die können Doktor werden in Mexiko oder Licenciado oder sie können sich einen schönen Laden kaufen, wo sie tüchtig verdienen können, und sie können sich Automobile kaufen.“
„Aber sie haben doch kein Land“, sagte Hacinto eigensinnig. „Sie müssen doch essen. Wie wollen sie denn essen, wenn sie keinen Mais bauen.“
„Seien Sie doch nicht so stumpfsinnig“, sagte Senjor Perez. „Ihre Nachkommen können sich doch den Mais für die Tortillas kaufen, sie haben doch dann Geld genug.“
„Aber der Mais muß doch angebaut werden. Es muß doch jemand Mais pflanzen. Dazu braucht man doch Land. Ein Automobil ist ja vielleicht ganz schön, aber es ist doch kein Mais. Und Fleisch ist auch nicht da. Und auch keine Bohnen und kein Chile.“
Senjor Perez gab es auf, in dieser Weise mit dem blöden Indianer weiter zu verhandeln. Er griff von einer neuen Seite an.
„Sie werden doch einmal alt, nicht wahr?“
„Nein“, antwortete Hacinto. „Ich werde nicht alt. Wenn ich alt werde, dann bin ich tot. Dann sterbe ich. Alt werde ich nicht. Mein Vater ist auch nicht alt geworden. Er war gleich tot, als er glaubte, nicht mehr arbeiten zu können. Er war nicht alt. Er hat bis zum letzten Tage gearbeitet. Und ich kann das Land nicht verkaufen, weil die, die nachkommen, auch Land haben müssen.“
Er begann nun, alles das wieder aufzuzählen, was er schon dem Licenciado Pallares gesagt hatte, über die Orangenbäume und Nußbäume und über die späteren Geschlechter, die ihm vorwerfen werden, daß er übel für sie gesorgt hätte und daß sie verhungern müßten, weil er das Land weggegeben habe.
Aber als er sich erinnerte, daß er das alles schon früher einmal zu jemand erzählt hatte, und als er sah, daß seine Worte auch nicht den geringsten Eindruck auf Senjor Perez machten, als er erkannte, daß Senjor Perez, obgleich er ein gelehrter Licenciado war, gar nichts verstand von Land und von Pflichten und von allen den Sachen, die Hacinto so wichtig erschienen, da fiel ihm etwas Neues ein. Bisher hatte er, wenn er von denen sprach, die nach ihm kommen würden und essen wollten, nur an seine eigenen Kinder und Nachfahren gedacht und nur an Nachkommen im allgemeinen.
Jetzt aber, als ob ihm jemand auf dem reinen Wege der Gedankenübertragung daran erinnert hätte, kam ihm zum Bewußtsein, daß er ja noch viel größere Pflichten habe. Höhere Pflichten als die für seine eigenen Nachkommen. Was sollte denn aus seinen Compadres, aus seinen Comadres werden? Was aus den sechzig Familien, die auf seiner Hazienda lebten? Sie wurden alle enterbt, entlandet, entwurzelt, wenn er die Hazienda verkaufte. Sie alle waren ja seine Kinder, seine Schützlinge, seine Mündel, seine Pflegebefohlenen. Wie konnte er sie verlassen und ihnen das Land nehmen? Sie waren sein Blut und seine Seele gleich seinen leiblichen Kindern. Und alle werden doch eines Tages begraben und gefolgt werden von denen, die auch ihnen nachkommen werden und Land benötigen, um in der Welt sein zu können. „Nein, ich kann die Hazienda nicht verkaufen, Licenciado.“ Er sagte es jetzt noch bestimmter als vorher. „Die Hazienda gehört nicht mir, sie gehört ja auch meinen Compadres. Was sollen die denn tun?“
Senjor Perez zündete sich eine Zigarette an, spielte eine Weile mit dem Wachsfädchen, als ob er nach der besten Antwort suche, um Hacinto mit einem Satze dauernd zu schlagen.
Als er das Fädchen ganz zermürbelt hatte, sagte er: „Die Leute? Die können alle in den Kamps arbeiten. Verdienen viel mehr als hier auf der Hazienda. Was haben sie denn hier? Fünfzig Centavos den Tag. Vielleicht achtzig. In den Kamps verdienen sie fünf Pesos, acht Pesos und arbeiten nur acht Stunden. Haben es viel leichter. Können sich Stiefel kaufen und ihren Frauen seidene Kleider und Lackschuhe und parfümierte Seife. Wenn sie sparen und nicht alles vertrinken, können sie sich bald einen Laden kaufen.“
Hacinto verstand das nicht. Er wußte gar nicht, wovon geredet wurde. In seinem Kopfe war immer nur ein Gedanke, ein einziger Gedanke. Aber dieser eine Gedanke war so stark, daß er für ihn die ganze Welt und alle ihre Probleme umfaßte und erklärte. Alle Fragen wurden in diesem einen großen Gedanken für ihn endgültig gelöst. Er konnte diesen Gedanken nicht mit den schönen Worten eines Dichters ausdrücken, auch nicht mit den verschnörkelten Sätzen eines Gelehrten und auch nicht mit dem Zahlengewirr eines Volkswirtschaftlers. Er konnte ihn immer wieder nur in einem kurzen schlichten Satze hersagen: „Aber sie haben doch dann kein Land mehr, und sie können doch keinen Mais anbauen.“
Das Wort Mais war für ihn, den Indianer, derselbe Ideenbegriff wie für den Europäer das Wort „Unser täglich Brot gib uns heute“. Heute, heute, lieber Gott; denn wir können nicht bis morgen warten, wir haben heute Hunger, und wenn wir das Brot nicht heute haben, so sind wir morgen tot.
Für den Licenciado war aber das ewige Wiederholen desselben Satzes, den Hacinto wußte, langweilig. Hacinto wußte in der Tat keinen andern Satz, weil in dem Satze ja alle seine Weisheit verborgen lag, wie die Weisheit aller Menschen von jeher wurzelte in dem Worte „Land ist Brot, und Brot ist Leben“. Was brauchte es mehr!
Aber der Licenciado Perez wußte, daß man Mais überall kaufen könne. Man brauche ja nur das Geld. Und das Geld kann man verdienen. Leicht verdienen. Für das Geld, das ihm die Company versprochen hatte, falls er den Kauf der Rosa Blanca durchsetzte, konnte er sich eine ganze Schiffsladung Mais kaufen. Mais, Mais und noch einmal Mais. An etwas anderes dachten alle diese stupiden Indianer nicht.
Dennoch: in aller seiner Klugheit und in aller seiner Rechtsgelehrsamkeit dachte der Licenciado Perez nicht daran, daß der Mais aber doch gebaut werden müsse, wenn man ihn haben oder kaufen wolle. Irgendwo mußte der Mais doch gebaut werden. Aber der Licenciado lebte ja in einer andern Welt, wo man Mais und Land trennen konnte, ohne daß man daraus Probleme sich entwickeln sah. In seiner Welt war die Beziehung Mais und Land, Mensch und Land völlig getrennt. In seiner Welt dachte man schon nicht mehr Mais, sondern man dachte nur Produkt. In seiner Welt sagte man: „Was gehen uns die an, die nachkommen? Nach uns der Weltuntergang mit drahtloser Filmvorführung im Schlafzimmer. Land, Land, Land. Was ist Land? Wir brauchen das Land für Öl, damit wir unsere Automobile füttern können. Mais? Land für Mais? Zur Hölle mit diesem verblödeten Indianer! Wenn wir Mais gebrauchen, weil wir alles Land verölt haben, dann machen wir ihn mit der Maschine und kaufen ihn in Konservenbüchsen.“
4
„Hacinto“, sagte nun Senjor Perez, vertraulich. Und er sprach eindringlich wie ein Mann, der auf seinen Bruder, der von Hause fortgelaufen ist, einreden mag, um ihn zur Heimkehr zu überreden, weil sich die Mutter die Augen ausweint. „Hacinto, nun seien Sie doch einmal vernünftig. Ich will Sie ja nicht betrügen.“
„Das glaube ich auch nicht, daß Sie das wollen“, antwortete Hacinto.
„Ich will das Land ehrlich kaufen von Ihnen, für einen guten Preis.“
„Aber Senjor Licenciado, ich kann doch das Land nicht – –“
„Halt, halt“, unterbrach ihn Senjor Perez mit einem Tone, wie man zu einem Kranken redet, den man nicht aufregen darf. „Doch, Hacinto, Sie können verkaufen.“
„Nein, ich kann nicht“, sagte der Indianer eigensinniger als vorher. „Ich habe kein Recht dazu. Das Land gehört nicht mir.“
„Kommen Sie nun nicht abermals mit diesem Unsinn. Ich habe die Register durchgesehen und gefunden, das Land gehört Ihnen. Die Titel sind in der besten Ordnung. Habe nie so gute und reine Rechtstitel gesehen. Das Land gehört Ihnen, und Sie können damit machen, was Sie wollen. Verkaufen oder verschenken oder verpachten.“
„Aber meine Compadres und die, die nachkom–“
Senjor Perez, geübt in den Kniffen des geschickten Anwalts, ließ dem Indianer keine Zeit, sich wieder in den alten hartnäckigen Gedanken festzusetzen. Er wußte nun schon, was wieder folgen würde, und er griff darum gleich an: „Alle die Männer der Familien, die Sie hier auf der Hazienda haben, bekommen Arbeit in den Kamps der Condor Co. Das verspreche ich Ihnen. Ich bringe das mit als Kaufbedingung in den Kontrakt. Die Leute sollen keiner weniger als drei Pesos verdienen, und wenn sie anstellig sind und sich eingearbeitet haben, vier und fünf Pesos.“
„Ja, das glaube ich,“ meinte Hacinto, „soviel verdienen die Peons in den Kamps. Der Muchacho, der Junge vom José hier, arbeitet in einem Kamp und bekommt vier Pesos. Der Junge vom Pedro arbeitet auch in einem Kamp, er will Geld verdienen, weil er heiraten will und der Schwiegervater eine Kuh als Gabe für das Mädchen verlangt. Aber der Marcos, der auch in den Kamps gearbeitet hat, ist wieder hier. Er sagt, er will nie wieder in das Kamp gehen, und wenn man ihm zehn Pesos gibt. Er will lieber hierbleiben auf dem Land. Er sagt, er war immer traurig im Kamp, und hier lacht er immer.“
„Er ist eben ein Dummkopf, der Bursche. Man muß sich gewöhnen können, wenn man Geld verdienen will“, sagte der Licenciado. Und er hatte recht. Wie alle seines Berufs.
Er lenkte nun zur Abwechslung das Gespräch auf eine andere Bahn: „Wenn Sie hier das viele Geld haben, Hacinto, dann können Sie sich ein Automobil kaufen.“
„Ich brauche kein Automobil“, sagte Hacinto gleichgültig.
„Aber, Mann, Hombre, dann können Sie doch in einer halben Stunde in Tuxpam sein.“
„Ich will ja aber gar nicht in einer halben Stunde in Tuxpam sein. Ich will ja mit den Leuten am Wege sprechen und sehen, wie ihr Mais steht und was die Kleinen machen, die ich alle kenne, und ich will sehen, ob die blauen Buschblumen schon heraus sind und ob die großen Schildkröten an der Laguna Eier in den Sand gelegt haben und ob der schwere Mahagonybaum, der vor vier Jahren abbrach und sich quer über den Weg legte, noch immer nicht verfaulen will. Ich habe schon zweimal Feuer untergelegt, damit er durchbrennen soll. Aber er brennt nicht durch, und wir müssen nun immer herumreiten.“
„Estupido, stupid, stupid“, sagte Senjor Perez halblaut, und dann laut: „– aber sehen Sie, in einem Automobil –“
„Wenn ich nach Tuxpam will, um Schweine zu verkaufen oder um einen neuen Hut für Nazario mitzubringen, dann nehme ich den gelben Macho und reite früh um halb vier fort und bin um neun in Tuxpam. Das ist mir dann gerade Zeit genug. Und ich habe alles auf dem Wege gesehen, und ich habe mit Rafael gesprochen, der sich ein neues Palmdach auf den Jacal, auf sein Haus, gelegt hat, weil das andere zu alt war und durchregnete. Dann bin ich immer noch zeitig genug in Tuxpam. Ich brauche kein Automobil. Wirklich nicht, Licenciado.“
Senjor Perez sah sich wieder einmal hoffnungslos, und es kostete ihm ersichtlich große Mühe, eine neue Idee zu finden, um Hacinto den Besitz vielen Geldes verlockend zu machen.
Ehe er aber etwas Neues sich ausdenken konnte, das Hacinto der Welt der Geldmacher vielleicht hätte näherbringen können, hatte der Indianer endlich eine Antwort gefunden auf das Angebot, alle Compadres als Arbeiter in den Ölkamps unterzubringen. Er konnte im Kopf nicht so schnell arbeiten wie ein Licenciado, der darin geübt war. Bei ihm dauerte es länger. Aber obgleich es länger dauerte, so traf er dennoch den Punkt. Und er traf ihn genauer, als Senjor Perez erwartet hatte.
Er sagte: „Das ist ja recht gut, wenn hier die Männer Arbeit in den Kamps bekommen. Es kann ja sein, daß sie dort arbeiten können und Geld verdienen. Aber wenn der Brunnen gebohrt ist, dann ist doch keine Arbeit mehr für die Leute. Dann bekommen sie auch kein Geld mehr.“
„Die Company bohrt nicht nur hier Brunnen, sie hat sehr viel Land. Da werden dann die Leute von hier hingeschickt.“
Hacinto war aber jetzt durchaus auf dem richtigen Wege. Denn er sagte nun: „Dort aber, wo die Leute hingeschickt werden, sind dann doch die Leute von jenem Land, die Arbeit haben wollen. Was tun dann die?“
Senjor Perez fühlte, daß er überrumpelt war. Er fand hier nicht heraus. Ohne viel darüber nachzudenken, platzte er heraus: „Jene Leute müssen dann eben weiter gehen und sehen, wo sie Arbeit finden.“
„Aber man hat ihnen doch das Land weggekauft, wie können sie denn nun leben, wenn die Männer von hier ankommen. Sie haben doch kein Land mehr. Die müssen doch alle sterben, wenn die Männer von hier kommen. Es wird auch nicht ewig gebohrt. Einmal ist es doch alle, das Öl. Dann haben alle Männer vergessen, wie man Mais baut.“
Einfach wie alle Probleme waren, wenn Land genug da war und die Leute verstanden, es zu bebauen, so verwickelt wurden plötzlich die einfachsten Fragen, sobald die Leute aus ihrer Erde herausgerissen wurden. Das sah jetzt selbst Senjor Perez ein. Der Indianer hatte ihn völlig aus seiner sicheren Stellung innerhalb der menschlichen Gesellschaft geworfen. Er hatte ihn selbst aus allen den Weisheiten hinausgeschleudert, die sich Senjor Perez in Schule und Leben erworben hatte. Hätte er einem andern Licenciado, einem andern gebildeten Mann, ja hätte er nur einem Kaufmann aus einer größeren Stadt sich gegenüber gesehen, dann hätte er mit diesen Problemen irgendwie fertig werden können. Mit einem andern Manne, der in der Stadt und in städtischen Erwerbsmöglichkeiten lebte, hätte er diese Fragen besprechen können. Sie wären sicher zu einer Lösung gelangt, die beide befriedigt hätte, weil sie beide die gleiche Sprache redeten. Sie hätten sprechen können von Gesetzen, die dann nötig wurden, von Parlamentsbeschlüssen, von Dekreten des Präsidenten, von besseren Transportmöglichkeiten, von Massenproduktion notwendiger landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Massenproduktion infolge weitgehender Anwendung hochkräftiger Maschinen und wissenschaftlicher Lehren. Freilich blieb die Frage immer offen: Wo nehmen wir das Land her? Denn daß man Mais aus den Abfallprodukten des Öls oder aus der Schlacke der Steinkohle machen könnte, das schien ja selbst einem Licenciado ein wenig zu weit gegriffen.
Wie dem auch immer war, gegenüber der verblüffenden Einfachheit, in der Hacinto die Probleme der menschlichen Gesellschaft und des menschlichen Daseins sah, kam sich Senjor Perez sehr hilflos vor. Er konnte den Indianer nicht erreichen. Es war so, als ob der Indianer auf einem andern Planeten stünde, zu dem man von dem Planeten, auf dem der Licenciado stand, niemals und mit keinem Mittel hinüberreisen kann.
Der Indianer fühlte nicht, daß er den Licenciado geschlagen hatte, weil er nicht begriff, daß jemand anders denken könne als er, der Indianer, der in der Erde und mit der Erde lebte. Als ein Erzeugnis der Erde. Gleich einem Baume.
Darum konnte er auch mit der letzten Waffe, die der Licenciado für die stärkste Waffe hielt und bis zuletzt aufbewahrt hatte, nicht besiegt werden.
5
Senjor Perez nahm den weißen Leinensack zur Hand. Er wog ihn eine Weile beträchtlich, und dann schüttete er mit einer raschen Bewegung den ganzen Inhalt aus. Es waren alles goldene Zehn-Pesos-Stücke. Hidalgos. Weil sie das Bild des mexikanischen Befreiungskämpfers Hidalgo aufgeprägt trugen.
Senjor Perez begann das Geld abzuzählen, als ob der Kauf bereits vor sich gegangen sei.
Er häufte das Geld in kleinen Säulchen auf, je fünfzig Hidalgos übereinandergelegt. Es sah sehr hübsch aus.
Er hatte endlich vierhundert solcher Säulchen aufgestellt in Reihe und Glied wie Soldaten.
Wohlgefällig, beinahe andächtig, überblickte er das Regiment und sagte: „Die Company zahlt Ihnen für das Hektar fünfhundert Pesos Oro Nacional. Achthundert Hektar sind vierhunderttausend Pesos in Gold. Das hier sind nur zweihunderttausend. Sie bekommen also noch einmal den gleichen Haufen. Morgen schon, wenn Sie wollen.“
Der Eindruck, den Senjor Perez zu erwecken gehofft hatte, blieb aber völlig aus. Der Indianer hatte durchaus kein Verständnis für diese Menge des Goldes. Hätte man ihm einen Berg Mais hingelegt oder fünfhundert Schweine, das hätte er verstanden. Freilich hätte er auch dafür die Rosa Blanca nicht verkauft. Der Mais war eines Tages aufgegessen, und die Schweine waren eines Tages aufgegessen. Was dann darauf? Hunger für die, die nachkommen. Verläßlich war nur die Erde. Sie erzeugte ewig und ewig, in nimmermüder Freigebigkeit, ewig und ewig sich wiederholend in Jungfräulichkeit, in bebender Liebe, in heißem Empfangen, in jubelndem Gebären, in zufriedenem Dahinwelken und dann wieder das stille und heilige Neuaufkeimen rührender Jungfräulichkeit, bebender Liebe und so an und so fort ewig und ewig wie die Sonne, wie der Mond, wie Tag und Nacht.
Aber das Geld, der Mais, die Schweine, so viel es auch war, das alles war nur einmal und niemals wieder.
Hacinto wußte auch recht gut den Wert eines Hidalgos. Das waren hundert oder hundertfünfzig oder auch nur achtzig Kilo Mais, je nach dem Marktpreis. Es war ein ausgewachsenes Schwein mittelmäßiger Güte. Ein Hidalgo, zehn Pesos, war viel Geld. Sehr viel Geld. Aber dieses Regiment Goldstücke, die hier auf dem Tisch aufmarschiert waren, machten keinen Eindruck auf Hacinto. Deren Wert faßte er nicht. Das war eine Gaukelei. Einen solchen Wert gab es nicht.
„Das sieht sehr schön aus, Senjor Licenciado“, sagte er endlich, um der Spielerei des Licenciado eine höfliche Anerkennung zu widmen.
„Gehört alles dir, Hacinto.“ Senjor Perez duzte ihn plötzlich, um recht brüderlich zu erscheinen. „Das gehört alles dir und noch einmal soviel, denn das ist nur die Hälfte. Für die Rosa Blanca.“
Der Licenciado hätte Hacinto auch ganz gut das Geld anbieten können für das Recht, ihm das Herz aus der lebenden Brust zu schneiden.
So geschah es, daß jenes Regiment Gold für Hacinto kein Leben annahm. Es erweckte keine Träume in ihm. Regte keine Hoffnungen an. Diese Säulchen hatten keine Macht über ihn und konnten keine Macht über ihn gewinnen, weil vor seinen Augen etwas Größeres stand, etwas Höheres, etwas Heiliges.
Was er besaß, das hatte er von seinen Vätern übernommen, nicht um es als Eigentum zu besitzen, sondern um es zu erhalten und es dereinst weiterzugeben an die Nachfolgenden. Was er besaß, war ihm nur geborgt worden, war nur sein, um es für die kommenden Geschlechter zu verwalten. Seine hohe Pflicht war, das geborgte Gut ungeschmälert weiterzugeben, wenn seine Stunde kam. Was hätte er sagen können, wenn er dereinst in den Jagdgründen der Ewigkeit seine Väter antraf und sie ihn fragen würden: „Was tatest du mit unserem Gut? Was tatest du mit dem Gut unserer Enkel und Urenkel?“ Er hätte sich vor Scham verkriechen müssen in die fernsten und dunkelsten Winkel der Gebüsche, wo nie die Sonne hin scheint und nie der Mond sein sanftes Silber dahingleiten läßt. Und was gar, wenn alle die Väter seiner Compadres kamen und ihn fragten: „Was tatest du mit unsern Söhnen und Töchtern?“ Und das würde so fort gehen bis in die urewigen fernsten Zeiten hinein. Alle dreißig oder vierzig oder fünfzig Jahre würden neue Männer heraufkommen in die grünen Jagdgefilde und würden ihn fragen: „Wo ist das Gut, das dir deine Väter anvertrauten für uns?“ Sie würden ihn herauszerren aus seinem dunklen Winkel und dann wieder zurückschleudern, wenn er nicht antworten könnte. So würde das fort gehen ewig und ewig. Und niemals Ruhe. Niemals Ruhe.
Und so, während das Gold vor ihm kein Leben bekam, so bekam die Rosa Blanca in diesem Augenblick, als um sie gekämpft wurde, alles Leben. Sie nahm Gestalt an. Sie sprach zu ihm. Sie lachte ihn an. Sie wurde Person. Er hörte sie singen.
Er konnte es nicht mehr ertragen. Er stand auf und trat in die offene Tür.
6
Dort stand er und überblickte den Hof. Der Hof sah, wie meist immer, auch heute nicht aufgeräumt aus. Jenes hatte er schon hundertmal ändern wollen und dieses. Immer, wenn er es sah, wollte er es ändern, und immer gleich darauf war es vergessen und blieb.
Da in der Ecke, dicht bei dem Zaun, lag ein altes zerbrochenes Karrenrad von einem Maultierkarren, an dessen Existenz sich niemand mehr auf der Hazienda erinnern konnte.
Jenes Karrenrad verfaulte langsam, denn es war aus gutem eisenharten Holz. Jeden Samstag sollte es fortgeräumt werden, und am Sonntagmorgen, wenn er in den Portico trat, lag das Karrenrad noch immer in seiner Ecke.
Er erinnerte sich, daß es schon dagelegen hatte, als er fünf Jahre alt war. Da hatte sein Vater gesagt: „Das alte Karrenrad kann auch verbrannt werden, der Manuel mag es heute abend zerhacken und das Holz zu den Frauen in die Küche bringen.“
Der Auftrag wurde vergessen, und das Rad wurde nicht zerhackt.
Dann hatte der Vater wieder einmal, als er es sah, gesagt: „Das Rad könnte man vielleicht zu etwas gebrauchen, ich werde mit Manuel reden, was er denkt, was man damit machen könnte.“
Hacinto war dann, als er acht Jahre oder so alt war, in den Speichen herumgeklettert mit der Absicht, seinen Körper geschmeidig zu machen gleich einer Schlange.
Eine Zeitlang diente es, einen jungen Coyote, den er mit anderen Jungen gefangen hatte, daran festzubinden. Der Coyote sollte gezähmt werden, um ihn als Hund zu gebrauchen. Aber eines Nachts hatte sich der Coyote von dem Strick losgebissen und war entwischt.
Dann sollte das Rad wieder einmal verbrannt werden. Dann sollte es wieder einmal mit Hilfe Manuels zu etwas anderem gebraucht werden. Dann, als Jüngling, hatte Hacinto des Abends auf dem Rad gesessen und – es war in seiner Liebeszeit – von seinem Mädchen, die jetzt seine Frau war, geträumt. Hatte darauf sitzend süße Rancholieder vor sich hin gesummt. Und hatte manche Nacht darauf gehockt und still vor sich hin geweint, als er glaubte, daß sie ihn nicht mochte.
Hatte dann, ein wenig später, mit ihr des Nachts zusammen darauf gehockt und an zehn oder mehr Stellen Kerben eingeschnitten für die Umarmungen, die sie ihm gab oder was es sonst sein mochte. Er wußte gut, was es war, wofür er die Kerben einschnitt.
Dann starb der Vater.
Aber das alte zerbrochene Karrenrad lag noch immer da. Und noch immer an derselben Stelle.
Dann starb auch der alte Mayordomo, der Manuel, der so oft den Auftrag erhalten hatte, das Rad zu zerhacken oder es zu etwas anderem zu gebrauchen.
Jedoch das Rad ließ sich durch den Tod der beiden Männer nicht stören. Es lag da und lag da.
Und nun seit Jahren, jeden Samstag, wenn der Hof aufgeräumt wurde, gab Hacinto den Befehl, daß das Rad endlich einmal beseitigt würde. Und jeden Sonntagmorgen, wenn er in den Portico trat und nach dem Wetter sah, lag das Karrenrad noch immer da. Bis zum nächsten Sabado. Aber am Sonntag würde sicher etwas auf dem großen Hofe gefehlt haben, hätte das Karrenrad nicht noch immer dagelegen.
Und so lag es auch jetzt da. Friedlich, gemütlich, unverfroren, ausdauernd und selbstbewußt und wartete auf das endliche Verfaulen.
Sein ältester Junge, Domingo, saß jetzt oft, allein und weltverloren, auf dem Rade und schnitt gelegentlich Kerben ein, wie er, der Vater, wohl bemerkt hatte. Er wußte auch, wer das Mädchen war.
Was er jedoch am besten wußte, war, daß jenes Karrenrad immer noch daliegen würde, wenn er eines Tages abgerufen werden wird. Denn das Rad war kein lebloses Stück alten verwitternden Mahagoniholzes. Das Rad war ein Symbol. Ein Symbol der Rasse. Das Karrenrad war zeitlos geworden.
Hacinto blickte zur Seite, und dort hockte Emilio, der Junge der Cocinera, der Köchin. Er hockte da auf dem Erdboden, hatte vor sich einen Schilfkorb stehen und körnte die Maiskörner aus den Kolben mit Hilfe eines schon entkörnten Kolbens. So, genau so, wurde der Mais hier schon entkörnt vor fünftausend Jahren, mehr, vor zwanzigtausend Jahren. Eine Entkörnungs-Maschine, die in fünf Minuten mehr auskörnte als der Junge in zwei Stunden, kostete sechzig Pesos oder gar nur fünfundvierzig. Sie sollte schon gekauft werden, als der Vater noch lebte. Hacinto hatte sie schon hundertmal kaufen wollen. Aber vielleicht geht es noch eine Weile ohne. Es ist ja fünftausend Jahre so gegangen. Warum denn nun mit einem Male so plötzlich? Der Emilio hat ja sonst sowieso auch weiter nichts zu tun und geht doch immer nur Kaninchen jagen. Kann er auch gut Mais auskörnen. Bekommt er kräftige Hände und Finger davon. Kann ihm nur nützlich sein im Leben.
Drüben, in der Nähe des Zaunes, der den weiten Hof umfriedigt, steht Margarito, der Mayordomo der Hazienda, und doktert zwei Mules, die sich infolge ihrer Trägerarbeit den Rücken durchgescheuert haben. Er wäscht die Wunden mit schwarzer Seife und heißem Wasser sorgfältig aus und singt dabei.
Er singt das uralte Rancholied von dem schönen Indianermädchen, das einen Indianerburschen liebte, ach so sehr, so sehr liebte. Aber dann kam der Mexikaner mit großem roten Hut und schweren silbernen Sporen herangesprengt, ach so sehr stolz, so sehr stolz, herangesprengt auf einem weißen Roß, ach so sehr, so sehr weißem Roß herangesprengt. Und der stolze herrische Mexikaner auf weißem Roß und mit großen silbernen Sporen machte viel honigsüße Worte, ach so sehr süße, so sehr süße Palabras. Und er verführte das Indianermägdelein, das ach so sehr, so sehr in Furcht war vor dem stolzen Mexikaner in dem großen roten, ach so sehr großen roten, so sehr großen roten Hut. Und endlich bekam das Indianermägdelein ein kleines Kindlein, ach ein so ganz kleines, so sehr kleines Kindlein; und das Mägdelein, die Mamacita tan morena, starb mit ihrem kleinen Kindlein heimlich im tiefen, ach so sehr tiefen, so sehr tiefen Busch, und eine blaue Blume, ach so sehr blaue, so sehr blaue Blume fiel auf ihr Grab, das die Ameisen, ach so sehr geschäftig, so sehr geschäftig, über das tote Mägdelein gebaut hatten.
Während nun Margarito die hundertzwanzig Strophen, oder wie viele es sein mögen, singt – Hacinto hört in seiner Seele das ganze lange Lied in einer Viertelstunde; denn auch er kennt es und hat es gesungen in seiner Liebeszeit – und während Margarito singt und mit Andacht und Inbrunst die Reime schmelzend wiederholt und wiederholt, unterbricht er sich zuweilen und schreit auf die Mules ein: „Caramba, zum Donnerwetter, du Cabron, du himmelgottverfluchter und verfuckter Hurensohn, steh endlich still oder ich trete dich wahrhaftig, bei der heiligen allerreinsten Himmelsjungfrau, por Santa Purissima, doch noch in den verfluchten Ursch, du stinkiger Sohn einer alten Hure.“
Aber dieses gelegentliche Zurückfallen in die brutale nackte Wirklichkeit des harten arbeitsreichen Lebens tut dem gefühlvollen Gesang des Margarito keinen Abbruch. Er singt nach dieser irdischen Entgleisung ohne erschütternde Dissonanz sofort wieder in rührend schmelzender Weise von dem schönen Indianermädchen, das von einem stolzen Mexikaner in rotem Hut und auf feurigem weißen Roß verführt und entführt wurde. Dissonanzen sind Margarito fremd. Alles reimt sich, und alles ist in Harmonie.
Hacinto ist Compadre des Margarito, er ist Pate zu allen seinen Kindern; und der Vater des Margarito ist Pate zu zwei Kindern, zu den beiden ältesten des Hacinto, zu Domingo, dem Jungen, und zu Juana, dem ältesten Mädchen. Die Vaterschaft des Margarito ist nicht ganz klar. So wird wenigstens getan. Aber auf der ganzen Hazienda weiß man, und jedem, der es wissen will, wird es erzählt, daß der Vater des Hacinto auch Vater des Margarito ist. Margarito selbst hält diese Tatsache für wahrscheinlich. Jedenfalls streitet er sie nie ab. Und seine Mutter, die noch lebt und auf der Hazienda die Hühner versorgt und im Hause mithilft, sagt weder ja noch nein. Sie ist weder stolz darauf, noch beschämt. Wenn ihr Gott die große Gnade erwies, sie mit Kindern zu segnen, so ist es an sich gleichgültig, wer der Vater ist. Der Vater wird von Gott geschickt als Mittel zum Zweck. Alimentationsfragen entstehen nicht, denn es wächst Mais und es wachsen Bohnen auf der Hazienda in Fülle; und jeder, der da lebt, hat ein Anrecht an dem Mais und an den Bohnen und an den Hühnern und an den Schweinen. Ob da zwanzig Kinder mehr essen oder fünfzig, Kinder, die sich auf die Familien verteilen und wo der Vater es als Ehre und Gnade des Himmels betrachtet, wenn er Vater sein darf, auch wenn er es gar nicht ist, das alles sind keine wichtigen Dinge. Der Patron der Hazienda sieht gar nicht hin. Die Kinder, alle Kinder, sind vom Himmel gesandt, und darum haben sie ein Recht zu leben. Wäre da kein Vater, dann ist immer der Patron der Hazienda noch da, der die Kinder ernährt, ernähren muß, nach indianischem Gesetz, und auch freudig ernährt, ob Gesetz oder nicht Gesetz. Gesetze, die nicht im Blut sind, haben ja doch keinen Wert.
Und Hacinto sieht hinüber zu den verstreuten Hütten und schiefen Adobehäusern, wo sie alle wohnen, die Nachkommen sind jener, die mit seinen Vätern hier lebten. Ein kleines Volk, aber ein echtes Volk mit echtem König. Wo der König nicht Herrscher ist, wo der König nicht in Luxus lebt von dem, was sein Volk für ihn errackert, wo der König nichts ist als Verwalter, als Ratgeber, wo seine ganzen Rechte als König darin bestehen, für das Wohlergehen derer verantwortlich zu sein, die ihm von seinen Vätern anvertraut wurden. Anvertraut nicht als Untertanen, sondern als Gleichberechtigte, die sich in Jahrtausenden von Erfahrungen darauf geeinigt haben, daß eine Familie das Land des Volkes verwaltet, um zu vermeiden, daß nach dem Tode des Oberhauptes der Familie die Männer des Stammes in einen blutigen Kampf eintreten, um das Recht zu erkämpfen, wer Verwalter und Führer für die nächste Generation sein soll. Für solche Kämpfe haben die Leute keine Zeit, und sie haben keine Zeit, den Haß zu besänftigen, der nach solchen Kämpfen im Volke zurückbleibt. Die Stiere machen es so in den Viehherden. Aber die Indianer betrachten sich ja nicht dem Vieh gleich. Solche kleinen Völker werden immer nur dann in ihrer Ordnung und in ihrem uns primitiv erscheinenden Aufbau und Zusammenhalt gestört, wenn eine Sippe oder ein Stamm von Städtern, von Städteerbauern auf den Plan tritt. Städte müssen Menschen in Massen aufsaugen, um bestehen und sich entwickeln zu können. Und da diese Massen viel weniger Land bewohnen, als unbedingt nötig ist, sie zu ernähren, brechen sie in die Völker ein, die mit der Erde unmittelbar verwachsen sind, und bauen eine Ordnung auf, in der der Städter zum Tyrannen und der Bauer zum Heloten wird.
Aus den Hütten qualmte der Rauch der Herde durch die immer offene Tür und durch die Ritzen der Wände. Vor einigen Hütten knieten die Frauen vor dem Metate und rieben den Mais. Die Schweine, die Hühner, die Truthühner, die Esel, die Vögel und Tiere des Busches und des Dschungels, die gezähmt waren und sich an das Haus gewöhnt hatten, kleine Rehe, Waschbären, Hunde und Katzen liefen auf den Höfen herum, drängten sich dicht an die Indianerin, die vor dem Metate hockte. Wenn sie sich ein wenig aufrichtete, um sich den Schweiß aus der Stirn zu wischen, so warf sie vielleicht einen Brocken des Maisteiges zwischen die hungrigen Gäste des Hofes, die einen wilden Kampf darum begannen. Dann lachte die Frau und ging wieder mit frischen Kräften an ihre Arbeit. An die Arbeit, die eine Handmühle in drei Minuten schafft und an der die Indianerin eine Stunde sitzt und alle Kräfte daran wenden muß, die sie in sich hat. Aber die Handmühle kostete fünfzehn Pesos, und was hätte man mit der übrigen Zeit anfangen sollen, wenn man die Maza in drei Minuten fertig hat. Es war aber ein größeres Vergnügen, alle die Tiere um sich zu haben und alle die Kinder dazwischen. In den drei Minuten an der Handmühle konnten die Tiere sich nicht versammeln, konnten die Kinder nicht mit den Tieren herumjagen und herumkreischen, konnte man nicht so viel sehen und nicht so viel erleben. Wenn man sah, wie der Waschbär auf die Katze losging oder der Hund vom Truthahn verdroschen wurde, das war Leben. Die Handmühle war kein Leben, kein Lachen; und man konnte dem Manne, wenn er vom Felde hereinkam, nichts erzählen, daß auch er lachen mußte.
In einem alten aufgehängten Faßreifen bei einer anderen Hütte saß ein Papagei. Er war nicht angebunden und verübte die tollsten Streiche gegen die Kinder, gegen die Katze, gegen den Hund, gegen die Schweine. Wenn er während des Essens dann auf seinem Brett saß und seine zwei Tortillas bekam, so aß er nur wenig von den Tortillas. Er ließ die meisten Stückchen herunterfallen für ein bestimmtes Schwein, das er bevorzugte. Es war ein kleines, wild-graues, häßliches Schwein. Aber Loro, der Papagei, liebte es. Er ließ die Stückchen nur fallen, wenn jenes Schwein unter dem Brett stand. War ein anderes dort oder liefen Hühner herum, um etwas aufzuschnappen, so ließ der Papagei nichts herunterfallen. Das Schwein, das so geliebt wurde von dem Papagei, sah auf zu ihm wie zu einem Gotte, der Welten verschenkt. Die Familie, die in dieser Hütte wohnte, hatte das tausendmal gesehen; aber jeden Tag zu Mittag kamen die Kinder heraus oder auch der Vater oder die Mutter, um es immer wieder zu sehen. Sie konnten es nicht oft genug sehen. Wenn ein anderes Schwein den Brocken erwischte, den der Papagei für seinen Günstling hatte fallen lassen, dann schrie der Papagei wie besessen: „Cochino! Cochino! Schwein! Schwein!“ Es war das einzige, was er neben „Como estas?“ – Wie geht’s? – sprechen konnte. Hacinto, während er auf der Veranda stand, hörte das Kreischen „Cochino, Cochino“. Er kannte es, kannte den Papagei, kannte die Familie, kannte alles, alles. Das kreischende Geschrei des schimpfenden Papageis kam zu ihm nicht als ein einzelner Laut, es kam zu ihm nur als ein Ton, als eine Note, in den hunderttausend Tönen des ewig gleichen, vertrauten und heimatlichen Singens der Rosa Blanca. Alle Geräusche, alles Lärmen, das Quaken der Kühe, das Grunzen der Schweine, das Gackern der Hühner, das Krähen des Hahnes, das glucksende Belfern des Truthahnes, das Juchzen der Kinder, das winselnde Wimmern der Säuglinge, das gelegentliche Bellen der Hunde, das Klatschen von Tortillas in den Hütten, das Summen der Fliegen, das Geschwätze und Geschnatter der Frauen in der Küche seines Hauses, das Fluchen und Sichverschwören des Margarito, der die Mules dokterte, das Quieken des Hintertores, das in diesem Augenblick geöffnet wurde, das Blöken eines Jungen, dem seine Mutter eins hinter die Ohren zu wischen schien, weil er einen Krug zerbrochen hatte, das Rufen eines Indianers draußen in den Feldern, das Geigen der Zikaden und Grillen, das leise Läuten der sonnendurchfluteten blauen Luft über ihm, alles das vermischte sich zu einem einzigen geschlossenen Gesang für ihn. Der urewige Gesang einer mexikanischen Hazienda. Hier der besondere Gesang der Weißen Rose.
Weit hinter den Hütten sah er Indianerfrauen den Hügel heraufkommen mit den Krügen auf dem Kopfe, in denen sie das Wasser vom Flusse zu ihren Heimen trugen. Die Frauen gingen barfuß. Das schwarze Haar lang offen hängend. Sie hatten es am Flusse gewaschen. Sie trugen lange rot und grün gestreifte Röcke um die schlanken Lenden gewickelt und weiße Blusen mit kurzen Ärmeln und roten Stickereien auf der Brust. So ging auch seine Frau gekleidet. Genau so. Nur wenn er sie mit nach Tuxpam nahm zur Plaza, zum Markt, dann trug sie ein Kattunkleid und Schuhe. Aber einen Hut hatte sie nie. Nie gehabt in ihrem Leben. Immer nur den Schal des Landes, den Rebozo.
Von den Feldern kamen die Männer gemächlich schlendernd heim zum Essen. Sie trugen den Machete in der Hand und Hacken über die Schulter. Einige rauchten. Einige pfiffen. Die Jungen, die mit ihren Vätern draußen gewesen waren, haschten sich gegenseitig und grölten. An der kleinen Kapelle war die Tür mit frischem Grün geschmückt für die Fiesta am nächsten Sonntag.
7
Alles das sah Hacinto jetzt so, als sähe er es zum ersten Male in seinem Leben. Nie vorher hatte er das Singen der Weißen Rose so reich gehört wie jetzt. Und nie vorher hatte er so stark gefühlt, daß er der Kern des Ganzen hier ist, daß, wenn er sich hier von seiner Verantwortlichkeit löse, daß dann alles zusammenbreche. Die Familien würden sich zerstreuen, uralte Bande würden zerrissen werden, der Sohn würde seinen Vater nicht mehr erkennen, der Neffe nicht mehr seinen Onkel. Die Rosa Blanca würde nicht mehr die uralte Heimat eines Volkes sein, sie wird in der Erinnerung der Kinder der Rancho sein, wo der Vater einmal gearbeitet hat. Nichts wird die Kinder mehr in ihrer Seele mit der Rosa Blanca verknüpfen. Die Rosa Blanca wird gleich sein der Fabrik, in der der Vater arbeitet in der Stadt. Etwas Notwendiges, aber etwas, zu dem man keine persönliche Beziehung hat. Man wird wechseln von Ort zu Ort, um Arbeit zu finden, um leben zu können. Nichts wird mehr sicher sein. Heute ein guter Lohn, morgen ohne Arbeit. La Rosa Blanca hatte immer Arbeit, immer Nahrung, solange die Sonne aufgeht und untergeht. Aber daß es etwas in der Welt gibt, das einem Menschen die Sicherheit des Lebens und der Nahrung verbürgt, das werden die Kinder vergessen haben. Nahrung allein wird die Fabrik sein, das Ölkamp, die Kupfermine, die Textilfabrik, wo alle Nummern sind und alle Nummern haben, die am Abend beim Verlassen der Fabrik an einer Tafel aufgehängt werden.
Alles das wußte Hacinto nicht. Er wußte nur, daß, wenn seine Compadres, wenn alle hier, die so gut wie seine Kinder waren, nicht mehr eine Rosa Blanca hatten, die ihre Urheimat war, daß dann etwas Höllisches mit ihnen geschehen würde. Es würde mit ihnen etwas geschehen, das gleich war, was einem Fisch geschieht, den man auf den Sand wirft, was einem Baum geschieht, den man ausgräbt und auf einem Steinhaufen in der Sonne liegen läßt.
8
Hacinto hatte weniger als fünf Minuten hier auf der Veranda gestanden, um zu überlegen, ob es einen Ausweg gebe. Ihm waren diese fünf Minuten erschienen wie ein ganzes Leben. Er hatte in diesen fünf Minuten nicht nur mit der Jetztzeit gelebt, sondern auch mit der Vorzeit und mit der Nachzeit. Er hatte gesprochen mit Vorvätern, die er nicht kannte, von denen er aber wußte, daß sie seine Vorväter waren. Er hatte gesprochen mit seinen Nachfahren, von denen er gleichfalls wußte, daß sie seines Blutes, seines Stammes sind, obgleich er sie nicht kannte. Es war schon schwieriger gewesen, die Nachfahren zu finden. Er hatte sie im Geiste weit herum suchen müssen, weit in der großen Republik und bis hinauf in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Denn sie waren nicht mehr in der Rosa Blanca.
La Rosa Blanca war Lote Nr. 95 bis Lote Nr. 144 der Condor Oil Co. S. A. La Rosa Blanca war ein Terreno, übersät von hohen nüchternen Ölbohrtürmen.
Wo einst die Orangen- und Zitronenbäumchen standen, wo einst sich die Kronen der Papayabäume in der flirrenden Luft wiegten, um ihre reifenden Früchte in der Sonne zu baden, wo einst die grünen Maisfelder waren und wo sich die Stauden im Reifen der goldenen Kolben ihre ewigen Märchen zuwisperten, da stöhnten und ratterten jetzt fauchende Lastautos mit stählernen Raupenbändern mitleidlos über die gequälte Erde, die sich hier aufbäumte in Schmerz, und die sich dort in Zorn knirschend zwischen die stählernen Bänder drängte, um deren brutale Macht zu zerbrechen.
Ein Gewirr von eisernen Rohren überzog die Felder. Und darüber war ein Genetz von Lichtkabeln und Telephondrähten.
Wohin man blickte, war ein Zischen von Dampfwolken, ein Aufblasen von schweren dicken Nebelballen.
Der Boden war schlammig und sumpfig von Öl, das entsetzlich stank und pestete.
Und überall war Schreien und Kommandieren und Schimpfen und Lärmen. Dampfpfeifen heulten. Drahtseile kreischten schrill über keuchende Räder und über quietschende Rollen.
Rohreschleppende Reihen von Indianern marschierten über die Felder wie Sklaven in Ketten, gehetzt von fluchenden Aufsehern.
Und die sonnendurchflutete Luft, die einst so voll war eines jauchzenden Gesanges, war nun angefüllt mit dem Gestöhn und dem Gekeuche, dem Rattern und Knattern, dem Stampfen und Poltern der Maschinen und Pumpen.
Von den Nachfahren des Hacinto war keiner mehr hier, außer einem. Und dieser eine marschierte stolpernd in der Reihe der rohreschleppenden Sklaven, die zwei Pesos fünfzig den Tag bekamen; und wenn sie nicht willig waren oder wenn sie sich den Fuß zerquetscht hatten von einem Rohre, das darauf gefallen war, entlassen wurden.
Diesen einen seiner Nachfahren hatte Hacinto hier im Geiste angetroffen. Er hielt ihn an und sprach zu ihm: „Wie gefällt es dir denn hier, hijito, mein Sohn?“ Hatte der Nachfahr geantwortet: „Gut, Padre. Gracias. Ich bekomme zwei Pesos fünfzig. In Pachuca, in den Silberminen, bekam ich nur einen Peso siebzig. Ich habe acht Kinder. Es ist hart, sie durchzubringen. Der Mais kostet jetzt zweiundzwanzig Centavos das Kilo, und die Hälfte ist hohl vom Wurm. Aber ich darf hier nicht länger stehenbleiben und mit dir sprechen, Padrecito mio, mein liebes Väterchen; denn wenn mich der Foreman hier stehen sieht und schwätzen, dann feuert er mich. Es ist nicht so leicht, andere Arbeit zu finden. Und ich habe acht Kinder.“ Er bückte sich über die Hand des Hacinto und küßte sie. Dann sprang er wieder rasch in die Reihe der marschierenden rohreschleppenden Sklaven.
9
Hacinto hätte wohl nicht zu überlegen brauchen. Er war ja der legitime Besitzer der Rosa Blanca. Aber er hielt es dennoch für gut, eine Weile mit sich zu beraten. Er wußte von anderen Rancheros: Wenn eine amerikanische Petroleum-Company einmal Land haben will, dann ist es schwer, sein Land zu verteidigen. Soviel kann man seinen Anwälten nicht zahlen, was eine Company ihren Anwälten bezahlt. Man hat sich vielleicht sogar gegen seine eigene Regierung zu verteidigen, und das ist ebenso schwer wie gegen eine amerikanische Öl-Company. Die Regierung erzielt hohe Einkünfte aus den Ausfuhrzöllen für das Öl, darum sieht sie darauf, daß recht viel Öl produziert und ausgeführt wird. Die Regierung braucht das Geld, um Schulen und Straßen zu bauen und um den Parlaments-Diputados hohe Tagesdiäten zu zahlen. Die Regierung muß sich die Diputados zu Freunden halten. Diputado zu sein ist ein Geschäft wie Schnapsbrenner oder Seidenhändler oder Zeitungsherausgeber. Der Diputado kann es nicht für einen Centavito tun, wenn er das Wohl des Volkes beraten soll. Wie auch der Pastor in der Kirche nicht umsonst Seelen retten und umsonst die Lehre des wahren Heils verkünden kann. Auf den Gotteslohn, von dem man sagt, daß er so süß sei, warten immer nur die, die nie klug werden. Diputados aber und Pfaffen gehören zu den klugen Leuten. Denn hat nicht schon der Herr gesagt: „Seid klug wie die Schlangen und nehmt, wo ihr es kriegen könnt; denn mühselig sind die Beladenen, und so ihr seid die Obrigkeit, dann müssen euch die andern untertan sein, damit auch das Scherflein der Witwe nicht verachtet werde.“
10
Hacinto wachte auf aus seiner weltentrückten Versonnenheit.
„Oye, Compadre“, rief er hinüber zu Margarito, der die Mules mit schwarzer Seife, heißem Wasser und Rancholiedern behandelte. „Oye, ven aca, komm hier einmal her.“
„Que paso, Compadre?“ fragte Margarito, während er über den Hof schlenderte. „Was ist los?“
Als Margarito vor ihm stand, sagte Hacinto zu ihm: „Da ist ein Caballero drin, in der Sala. Er sucht Arbeiter für die Ölkamps. Willst du nicht annehmen?“
„Ich annehmen, wie meinst du denn das, Compadre?“ fragte Margarito verwundert. „Wer macht denn dann hier den Mayordomo?“
„Damit werden wir schon fertig werden“, sagte der Patron.
Margarito dachte einen Augenblick nach, und dann fragte er: „Wieviel zahlt er denn, der Senjor?“
„Zahlt vier Pesos den Tag.“
„Den Tag?“ fragte Margarito ungläubig.
„Ja, den Tag.“
„Schönes Geld. De veras, schönes Geld.“
„Claro.“
„Wie lange hat er denn Arbeit?“ fragte Margarito.
„So lange du willst. Drei Monate, sechs Monate oder für immer“, gab Hacinto zur Antwort.
„Das ist zu lange. So lange will ich nicht fortbleiben. Drei Monate will ich wohl annehmen. Dann komme ich wieder zurück.“ Sagte Margarito.
„Nein, zurückkommen kannst du dann nicht“, meinte Hacinto.
„Was, Compadre? Nicht mehr zurückkommen. Wie denn? Nicht mehr zurückkommen. Warum?“ Das verstand Margarito nicht, daß er nicht mehr zurückkommen sollte zur Rosa Blanca, nicht mehr zurück in sein Heimatland.
„Der Caballero nimmt die Arbeiter nur an, wenn sie weiter bei der Company arbeiten. Immer. Wenn hier in der Nähe die Arbeit fertig ist, dann werden die Peons weiter geschickt zu andern Kamps“, erklärte Hacinto der Wahrheit gemäß.
„Nicht mehr zurück zur Rosa Blanca? Nie mehr zurück?“ philosophierte Margarito vor sich hin. „Nein, da gehe ich nicht. Vier Pesos den Tag, Caramba! Das ist saftiges Geld. Aber nicht mehr zurück und für immer in den Kamps, wo es so stinkt und wo sich die Leute immer schlagen und streiten. Nein, Compadre, sag ihm, ich will doch lieber nicht gehen. Vier Pesos, muy buen dinero. Aber nein, ich kann nicht gehen. Kannst ihm auch sagen, dem Caballero, er wird hier keine Leute bekommen können, wenn sie nicht wieder zurückgehen dürfen und wenn es für immer ist. In der Stadt kann er ja genug kriegen. Von hier geht keiner.“
„Es sind doch drei Jungen von hier gegangen“, erinnerte Hacinto.
„Ja freilich“, sagte Margarito. „Aber einer, der Marcos, ist doch wieder hier. Er sagt, er geht nie wieder fort in die Kamps. Er sagt, das sei nichts. Immer nur Arbeit und gar kein Spaß. Immer ist der Foreman hinterher und treibt und schimpft, soviel sie auch arbeiten. Der Junge vom Pedro ist doch nur da, um das Heiratsgeld für seine Muchacha schneller beisammen zu haben. Und der Junge vom José darf nicht mehr zurückkommen. Der José läßt ihn nicht mehr ins Haus, er hat sich da mit einem der Salonmädchen eingelassen, die er heiraten will. Das ist die Sache mit ihm. Vier Pesos. Holla. Bueno. Aber ich gehe doch lieber nicht, Compadre. Es ist so sehr viel Gestank da und immer Geschrei und Geschimpfe. Und was sollen die Mulas machen und die Pferde, wenn ich nicht hier bin? Die hören ja nur auf mich. Ich kann auch dann nicht mehr sehen, wenn das Kalb an der Kuh saugt und wie die Stiere sich auskämpfen, wer der Stärkste ist, und die kleinen Schweine und die Küken. Und die Kinder sind auch allein. Wenn ich sie mitnehme zum Kampdorf, da haben sie keinen Platz und wissen nicht, was sie tun sollen den ganzen Tag. Überhaupt, Compadre, wenn ich nicht zurück kann hier zur Rosa Blanca und überhaupt kannst du doch dem Caballero sagen, daß ich nicht will und daß auch sonst kein anderer von hier will. Die wollen auch alle wieder zurück. Wir gehören doch hier her. Und ich muß nun wieder zu den Mules rüber, die sehen böse aus und müssen gut gedoktert werden. Javier hätte besser achtgeben sollen. Er versteht auch gar nichts, wie er die Tiere aufzupacken hat.“
Margarito schlenderte zurück über den Hof, das Lied vom Indianerliebchen pfeifend. Als er näher zu den beiden Mules kam und sah, daß eines der Tiere unruhig war und das andere zu beißen suchte, unterbrach er wieder einmal sein Lied und schrie: „Macho, du himmelgottverfluchter Coyote von einem Mule, ich komme dir gleich hin und trete dich in den –.“ Aber als er nun wirklich hinkam, trat er nicht und stieß er nicht das Tier, sondern zog es nur von dem andern Mule fort, so daß die Beißerei von selbst aufhörte.