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Die Weiße Rose

Chapter 121: 4
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About This Book

The narrative explores the dynamics of the Condor Oil Company, a prominent yet not the most powerful American oil corporation operating in Mexico. It examines the company's insatiable appetite for growth and influence, likening its operations to those of a state in terms of organization and strategy. The text delves into the competitive landscape of the oil industry, highlighting the methods and motivations that drive such corporations to seek dominance in the international market. Through this lens, it reflects on the broader implications of capitalism and the relentless pursuit of power.

15

1

icenciado Perez hatte sein Schreiben direkt an Mr. Collins gerichtet, um zu vermeiden, daß der Inhalt an untergeordnete Personen bekannt wurde.

Mr. Collins ließ sofort Mr. Abner rufen.

„Was habe ich Ihnen gesagt, Abner?“ Er fuhr ihn verteufelt scharf an. „Habe ich Ihnen nicht gesagt, daß mir keine Sauerei gemacht wird? Ich habe Ihnen auch gesagt, daß ich für Dummheiten keine Verantwortung übernehme und daß ich Sie glatt und mitleidlos den Behörden ausliefere, wenn Sie Dinge begehen, die ich nicht decken kann. Für Dummheiten kennen wir keine Gnade. Ich lasse Sie fallen bis in die Hände des Henkers, wie Sie es verdient haben, wenn Sie eine Aufgabe nicht klar durchführen können.“

Mr. Abner war bleich geworden.

„Ist etwas herausgekommen?“ sagte er halblaut und furchtsam.

„Ja. Alles.“ Mr. Collins sagte es kalt und erbarmungslos.

„Dann kann ich mir nur noch einen Revolver kaufen“, sagte Mr. Abner hilflos.

„Wenn Sie dazu noch Zeit haben, Abner. Sie werden kaum vierundzwanzig Stunden haben, Mann. Und kaufen Sie einen guten, der nicht fehlt im rechten Augenblick. Der mexikanische Konsul hat die Sache in den Händen.“

Mr. Collins arbeitete, wie nur ein wahrhaft großes Genie zu arbeiten weiß.

Er hatte seine Agenten und seine Detektive auf dem Plane gehabt die ganze Zeit hindurch. Und es waren tüchtige Leute.

2

Auch der mexikanische Konsul hatte gute Detektive. Mexikaner, die in den Staaten geboren waren und die von dem Konsul in der Hauptsache gebraucht wurden, um diejenigen seiner Landsleute zu beobachten, die in den Grenzstaaten der Vereinigten Staaten Revolutionen gegen ihr Heimatland Mexiko anzettelten und Waffen über die Grenze nach Mexiko schmuggelten. Sie nannten sich alle Patrioten. Einzelne waren ehrliche Leute, die ernsthaft glaubten, daß sie ihrem Heimatlande nützten, wenn sie durch Revolutionen und Rebellionen der gegenwärtigen mexikanischen Regierung Unbequemlichkeiten bereiteten.

Diese Leute waren die Porfiristen, die Anhänger des gestürzten Regimes des Diktators Porfirio Diaz. Jene Männer glaubten, ehrliche Leute zu sein. Sie waren der Meinung, daß ihrem Lande nur dadurch gedient werden kann, wenn das alte konservative System des Porfirio Diaz wieder zur Macht gelangt. Sie waren der Meinung, daß Mexiko nur dann gedeihen kann, wenn die Amerikaner, die Engländer, die Deutschen, überhaupt alle Fremden ihr Kapital hereinbrachten, um die Naturschätze Mexikos herauszuholen. Dieses System hatte mehr als dreißig Jahre in Mexiko gewirtschaftet mit dem Erfolg, daß in der Blütezeit jenes Systems, im Jahre 1910, fünfundneunzig Prozent der Mexikaner keine Schuhe an den Füßen und nur Lumpen am Körper trugen, daß das ganze Volk, von einer dünnen Oberschicht abgesehen, versklavt war wie selten ein Volk versklavt gewesen ist, ein System, das so wenig an Bildungsarbeit getan hatte, daß bei Ausbruch der Revolution achtzig Prozent des Volkes weder lesen noch schreiben konnten.

Dann waren da jene ehrlichen mexikanischen Patrioten, die darum Revolutionen anzetteln wollten, weil ihnen einige Personen in den öffentlichen Ämtern der Republik nicht gefielen, sei es, weil sie jene Posten gern selbst gehabt hätten, sei es, weil jene Personen, die in den Ämtern saßen, ihnen nichts zu verdienen gegeben hatten.

Dann waren da jene halbehrlichen mexikanischen Patrioten, die von den amerikanischen und englischen Kapitalisten als Werkzeuge gebraucht wurden, ohne daß sie es wußten.

Und endlich waren da noch jene herrlichen Patrioten, die ganz offen sich von amerikanischen Companien und Magnaten bezahlen ließen, um Rebellionen in Mexiko anzustiften, die den amerikanischen Companien und Bankiers so willkommen sind, um finanzielle Spekulationen erfolgreich durchführen zu können.

Alle diese Patrioten mußte die mexikanische Regierung in den Staaten durch besondere Agenten überwachen lassen, um ihre Bürger und ihr Land vor Schaden zu bewahren, soweit das in den Kräften der mexikanischen Regierung stand.

Ein Fall wie der skandalöse verbrecherische Raub der Weißen Rose konnte sehr wohl zu einer Rebellion in Mexiko oder zu einem bewaffneten Einmarsch amerikanischer Truppen in das mexikanische Land führen, wenn die mexikanische Regierung nicht sehr vorsichtig handelte. Diplomatische Anfragen und Auseinandersetzungen über die Rechtmäßigkeit oder die Unrechtmäßigkeit der Verkaufskontrakte konnten zu peinlichen Verwicklungen führen, wenn man auf der einen Seite die Ruhe verlor, denn die Beziehungen zwischen beiden Mächten waren seit der Revolution gespannt genug, so daß es nur eines Funkens bedurfte, um das Feuer ausbrechen zu lassen.

3

Eines Tages kam ein Mexikaner zum mexikanischen Konsul in San Francisco, um die Geburt eines Sohnes dort registrieren zu lassen, damit der Sohn mexikanischer Bürger bleibe.

Der Konsul betrat den Geschäftsraum gerade in dem Augenblicke, als ein Beamter die Personalien jenes Mannes niederschrieb. Er fragte nach dem Geburtsort des Mannes. Und der Mann antwortete laut: „Tuxpam, Estado Veracruz.“

Darauf blieb der Konsul stehen und redete den Mann an: „Sie sind aus Tuxpam, Senjor?“

„Si, Senjor, a sus ordenes.“

„Kennen Sie dort in der Nähe die Hazienda Rosa Blanca?“

„Kenne ich, Senjor.“

„Kennen Sie Senjor Hacinto Yanyez?“

„Kenne ich, er ist der Besitzer, der Duenjo, der Rosa Blanca.“

„Ja, den meine ich“, sagte der Konsul.

„Don Hacinto ist jetzt hier, in San Francisco, Senjor. Oder er war wenigstens hier vor einiger Zeit.“

„Haben Sie mit ihm gesprochen?“

„Ja, wir waren verschiedene Male beisammen und haben in dem Restaurant des Senjor Palido zweimal zusammen gesessen“, sagte der Mann.

„Hat Don Hacinto zu Ihnen etwas gesagt, daß er die Rosa Blanca verkaufen will?“ fragte der Konsul.

„Er hat mir gesagt, daß er mit einem Amerikaner mit Namen Mr. Abner hierhergekommen sei. Dieser Amerikaner hat ihn eingeladen, mit ihm nach hier zu kommen, um ihm einige Zuchtesel und Zuchtstuten zu schenken als Gegengeschenk für sechs Pferde, die ihm Don Hacinto geschenkt hatte. Mr. Abner hat Don Hacinto überreden wollen, ihm die Rosa Blanca zu verkaufen. Er hat ihm endlich eine halbe Million Dollar für die Hazienda geboten. Ist sie gar nicht wert, die Rosa Blanca, Senjor.“

„Schon gut“, unterbrach ihn der Konsul. „Erzählen Sie weiter, was Sie wissen.“

Der Konsul war von dem Gouverneur in Jalapa über alle Einzelheiten inzwischen unterrichtet worden, so daß er wohl wußte, was und wie zu fragen bei einer Gelegenheit, die sich ihm jetzt so günstig bot.

„Don Hacinto sagte mir“, fuhr der Mann fort, „daß er die Rosa Blanca niemals verkaufen würde, auch nicht, wenn man ihm zwei Millionen Dollar böte. Ich habe ihm gesagt, er müßte wissen, was er täte, und ich würde die Hazienda verkaufen, wenn ich an seiner Stelle wäre. Aber er wollte nichts davon hören und sagte, daß er nie daran dächte, die Rosa Blanca zu verkaufen, er könnte es nicht der vielen Familien wegen, die darauf lebten, und er wollte auch nicht, daß über die Gräber seines Vaters und seiner Mutter die Automobile fahren.“

„Haben Sie den Don Hacinto hier einmal betrunken gesehen?“

„Etwas. Das kam mir dumm vor, weil Don Hacinto wenig trinkt. Er sagte mir, daß Mr. Abner ihm immerfort zu trinken gegeben habe, und daß er nicht ablehnen wollte, zu trinken, um nicht unhöflich zu sein.“

„Hat er etwas zu Ihnen gesagt, daß er auf dem Rancho des Mr. Abner gewesen sei, um sich die Zuchttiere anzusehen?“

„Er sagte mir, daß Mr. Abner immer keine Zeit habe, um zum Rancho zu fahren, und er sagte mir dann auch noch, daß er anfange zu glauben, daß Mr. Abner gar keinen Rancho und gar keine Zuchttiere habe.“

Der Konsul fragte darauf: „Wohnte Don Hacinto bei Ihnen oder in einem Hotel?“

„Er sagte mir, daß er mit Mr. Abner in dessen Hause wohnte. Das muß da irgendwo in der Brenton Street sein.“

„Hat Don Hacinto Ihnen gesagt, daß er viel Geld bekommen habe?“

„Das Gegenteil, Senjor Konsul. Don Hacinto sagte mir am letzten Tage, als ich ihn sah –“

„Halt, wann sahen Sie ihn das letztemal?“

„Mittwoch vor, vor – vier, fünf, sieben, Mittwoch vor elf Wochen.“

„Sie wissen den Tag genau?“

„Ja, Senjor. Denn an dem Tage hatte ich bei der Bank einen Scheck gekauft, den ich nach Mexiko schicken mußte für Sarapes, die ich importieren wollte. Vorher habe ich nie Sarapes hier gehandelt. Aber ich habe gedacht, das könnte vielleicht ein gutes Nebengeschäft sein.“

„Und an dem Tage –“ Der Konsul zögerte.

„Ja, es war genau an dem Tage. Denn ich traf Don Hacinto vor der Bank, und wir sind zusammen hineingegangen, und er hat zugesehen, wie man das macht, wenn man einen Scheck kauft. Viel Geld hatte er nicht, denn er sagte mir, es könne sein, daß er sich von mir Geld borgen müßte für die Rückreise, weil Mr. Abner gar nicht von der Rückreise spreche, die er ihm doch zugesagt hatte.“

„Später haben Sie Don Hacinto nicht mehr gesehen?“

„Nein. Und ich glaubte, er sei nun abgereist. Aber ich war doch sehr verwundert, daß er nicht kam, Adios zu sagen. Wir waren doch gute Freunde auch von früher her. Er kennt meine Frau und kennt alle meine Verwandten, die noch in der Nähe von Tuxpam leben.“

„Das ist gut. Lassen Sie Ihre Adresse hier. Ich brauche Sie vielleicht noch. Ich will Ihnen auch gleich sagen, weshalb. Don Hacinto ist nicht zurückgekehrt nach Mexiko. Er hat die Grenze nirgends rückpassiert. Und wenn es ganz gewiß ist, daß Sie ihn an jenem Mittwoch vor elf Wochen zum letzten Male gesehen haben, dann hat er fünf Tage später den Verkaufskontrakt für die Rosa Blanca unterschrieben.“

„Das glaube ich nicht. Er wollte nicht verkaufen. Ich glaube es auch sonst nicht. Hacinto konnte nicht schreiben, nicht einmal seinen eigenen Namen.“

„Das ist richtig. Hat er Ihnen gesagt, daß er vielleicht seinen Namen auf der Reise mit Mr. Abner oder in dessen Hause schreiben gelernt hat. Vielleicht hat es ihn Mr. Abner gelehrt.“

„Glaube ich nicht, Senjor Konsul. So etwas wäre so wichtig in seinem Leben gewesen, daß er davon gesprochen hätte zu mir.“

„Das denke ich auch“, sagte der Konsul.

„Hacinto ist auch nicht der Mann, der so schnell schreiben lernen könnte, in so kurzer Zeit. Einen Buchstaben vielleicht oder zwei oder drei. Aber nicht den vollen Namen. Hacinto nicht, Senjor.“

„Gut. Ich lasse Sie benachrichtigen, wenn ich Sie noch einmal benötige. Einen Jungen haben Sie? Guter mexikanischer Bürger, eh?“

„Aber kräftig, Senjor.“

„Wie soll er denn heißen, der Muchacho?“

„Emilio, Senjor Konsul, a sus ordenes.“ – „Adios denn.“

Der Konsul ging in seine Office und telephonierte sofort an einen seiner Agenten. Am Nachmittag diktierte er den Report nach Jalapa.

4

Mr. Collins sah Mr. Abner, der sich von seinem Schreck nicht zu erholen schien, an und sagte: „Wissen Sie, daß dieser Mann Yanyez nicht schreiben konnte? Nicht einmal seinen Namen?“

Mr. Abner setzte sich rasch, um nicht zu fallen.

„Verflucht! Daran habe ich nie gedacht“, sagte er schwitzend.

„Das ist es ja, was ich meinte“, sagte Mr. Collins. „Nicht daran gedacht. Wer hat Ihnen denn den Auftrag gegeben, den Namen zu fälschen?“

Mr. Abner bekam einen Ruck von innen. Sein Gesicht, das wegzuschwimmen angefangen hatte, bekam Festigkeit, und er sagte: „Ich habe doch den Mann schreiben gelehrt auf der Reise und in meinem Hause.“

„Sehr klug, Abner. Aber es hilft Ihnen nichts. Sie haben nicht aufgepaßt. Er hat einen Landsmann hier getroffen. Hat viel mit ihm gesprochen. Der Landsmann hat geschwätzt. Beim Konsul. Ist alles schon in den Akten. Licenciado Perez hat es hier schon im Brief. Dieser Mann Yanyez hat hier seinem Landsmann erzählt, daß er nicht schreiben kann.“

Das war nicht richtig, was Mr. Collins hier sagte. Der Landsmann hatte, nach dem Bericht des Senjor Perez, nur gesagt, daß ihm Senjor Yanyez nichts davon erzählt hatte, daß er inzwischen schreiben gelernt hatte.

„Das mit dem Namen allein ist ja nun so wichtig nicht“, sagte Mr. Collins. Er bereitete Größeres vor. Denn daß Senjor Yanyez nicht ausdrücklich erzählt hatte, daß er inzwischen nicht schreiben gelernt habe, war sehr gut. Das bedeutete die Rettung der Unterschrift und damit die Rettung des Vertrages.

„Das mit dem Namen ist so wichtig nicht. Wir werden sofort notariell in Ihrem Beisein und mit Ihrer Eidesversicherung festlegen lassen, daß Sie Senjor Yanyez auf der Reise schreiben gelehrt haben, damit er die Grenze passieren konnte.“

„Ja, das werde ich bestätigen“, sagte Mr. Abner, der glaubte, daß die Schlinge sich zu öffnen beginne.

„Das mit dem Namen allein ist es nicht“, wiederholte Mr. Collins. „Schlimmer ist, daß der Janitor, der Portier des Hauses, das Sie gemietet hatten, Sie mit dem Yanyez hat im Automobil fortfahren sehen. Daß Sie, jedoch nicht Yanyez, von der Fahrt am folgenden Tage zurückgekommen sind, daß Agenten des mexikanischen Konsuls, die, uns selbst unbekannt, in Ihrem Hause und in der Garage gewirtschaftet haben, Blut und ein paar blutverschmierte schwarze indianische Haare in Ihrem Auto gefunden haben. Ist photographiert. Die Haare sind im mexikanischen Konsulat, wie ich von unseren Agenten weiß. So, und nun hören Sie mehr, Abner, Sie blöder Draufschläger, der Sie sind.“

Mr. Abner saß zusammengekauert in seinem Stuhl und schien nicht mehr zuzuhören.

Mr. Collins fuhr in dem, was er sagen wollte, mit einer eiskalten Stimme ruhig fort: „Wir haben die Quittungen, daß Yanyez vierhunderttausend Dollar in acht Schecks von uns empfangen hat. Diese Schecks sind bei der Bank eingelöst worden. Auch das weiß das mexikanische Konsulat. Der Mann Yanyez ist mit Ihnen zuletzt gesehen worden. Er hat in Ihrem Hause gewohnt. Das Geld hat er nicht heimgeschickt. Wer denken Sie wohl, Abner, wer das Geld haben muß? Meinen Sie nicht, daß der das Geld hat, nach Meinung des Staatsanwaltes haben muß, der mit Yanyez in einem Auto fortgefahren ist und allein wiederkam, in dessen Automobil Blut und blutverklebte indianische Haare gefunden wurden, in dessen Hause Yanyez lebte, in einem Hause, das kurz vor der Ankunft des Yanyez rasch gemietet wurde? Meinen Sie nicht, Abner, daß man zuerst an den Mann denken wird, der Yanyez von Mexiko lockte, um ihn hier in seinem Hause zu haben, an den Mann, der am besten wußte, wieviel Geld Yanyez hatte und wo er es aufbewahrte?“

Mr. Abner sagte nichts und rührte sich nicht. Er war grau und zerfallen. Sein Haar wirr und naß.

Mr. Collins drückte auf einen Knopf.

Dann kamen der Notar, der erste Vizepräsident, ein Sekretär und der erste Syndikus der Company.

Der Notar setzte das Affidavit auf, in dem Mr. Abner auf seinen Eid bekundete, daß er Senjor Hacinto Yanyez auf der Reise seinen Namen schreiben gelehrt habe, damit Yanyez die Grenze passieren könnte, und daß er zugegen gewesen sei, als Yanyez den Verkaufskontrakt, die Kopien und die Quittungen für die Schecks unterzeichnet habe.

5

Nachdem sich die Herren wieder entfernt hatten, Mr. Collins und Mr. Abner allein waren, sagte Mr. Collins ruhig: „Sie sind aus unserer Company entlassen. Hier ist das Zeugnis. Es ist darin gesagt, daß Sie freiwillig gehen, um einen Posten in China zu übernehmen.“

„Danke“, sagte Mr. Abner kurz, als er das Zeugnis, das in einem Umschlag war, in Empfang nahm.

„Brauchen Sie noch mehr Geld, Abner? Oder haben Sie genug an dem, das Sie in der Sache bereits gemacht haben?“ fragte Mr. Collins.

Absichtlich oder unabsichtlich legte er einen ironischen Ton in seine Frage.

„Ich könnte noch fünfzigtausend gebrauchen“, sagte Mr. Abner, der durch die Amtshandlung des Notars seine knöcherne Ruhe wiedergefunden zu haben schien.

„Sie sind unverschämt wie – ich weiß nicht, wie ich Sie vergleichen soll“, sagte Mr. Collins.

Und frech erwiderte Mr. Abner: „Sagen Sie ruhig: Gierig wie der Präsident einer Oil-Company.“

„Das konnten Sie sich sparen, Abner“, sagte Mr. Collins. „Das konnten Sie sich wahrhaftig sparen, denn es ist zu billig. Aber es beweist mir nur erneut, daß Ihnen Geist fehlt. Denn hätten Sie auch nur eine Spur von Geist, dann hätten Sie nicht eine Reihe solcher Dummheiten machen können. Man kann wohl eine Dummheit begehen, aber gleich drei Dutzend, gleich ein halbes Hundert von Dummheiten zu machen, dazu gehört ein Übermaß von Idiotie. Aber es ist ja nicht meine Aufgabe, Sie zu erziehen. Einen Rat aber will ich Ihnen denn doch noch geben. Ich weiß nicht, was Sie zu tun gedenken, den Revolver oder rasche Abreise, aber was ich Ihnen rate, ist das: Was Sie auch immer zu tun gedenken, tun Sie es innerhalb vierundzwanzig Stunden; denn wenn Huerta in Mexiko nicht bald losschlägt, dann kommen Sie nicht mehr davon. Dann haben Sie nicht einmal mehr Zeit, den Revolver zu laden.“

6

Mr. Abner hatte Glück. Huerta schlug los, wie die Oil-Companien erwartet hatten. Ob sie es auch befohlen hatten, zu dieser Zeit loszuschlagen, wird man so bald nicht erfahren.

Die mexikanische Regierung hatte keine Zeit mehr, sich um eine so kleine Sache wie eine Weiße Rose zu bekümmern; denn die große Heimat derjenigen, die das Land durch eine lange und schwere Revolution gerettet hatten für das mexikanische Volk, kam in Gefahr, wieder verlorenzugehen an diejenigen, die den Untergang alter verrotteter Zustände beweinten und alles haßten, was nicht den Talmiglanz des Porfirismo aufgeklebt hatte.

Huerta gelang es, mit Hilfe von Generalen, die in der neuen Zeit nicht jene großen mühelosen Einkünfte erzielen konnten, die sie im alten Regime gehabt hatten, Veracruz zu nehmen und zu halten. Der Gouverneur in Jalapa mußte aus seinem Amte gehen. Als Colonel übernahm er ein Bataillon, um mit der Regierung gegen Huerta zu kämpfen. Landsleute gegen Landsleute. Väter gegen Söhne. Brüder gegen Brüder.

Die Huerta-Leute ergriffen auch Yucatan. Erschossen den Arbeitergouverneur des Staates. Und um ganz sicher zu gehen, auch seinen Sohn. Überall, wo Huerta hinkam, begann ein Erschießen und Erhängen der Arbeiterführer und der Syndikalisten.

Öltankschiffe der amerikanischen Companien brachten in den Tiefen ihrer leeren Tanks die Waffen herein, um das Land immer mehr und tiefer aufzuwühlen.

Aber Tampico, das Huerta ebenso leicht hätte nehmen können, blieb unbesetzt; denn von hier wurde der Reichtum des Landes, um den der Bruderkrieg ging, das Öl, verladen. Dieser Hafen mußte offen bleiben, um zu zeigen, wo die Auftraggeber wohnten und wer sie waren.