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Die Weiße Rose

Chapter 13: 11
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About This Book

The narrative explores the dynamics of the Condor Oil Company, a prominent yet not the most powerful American oil corporation operating in Mexico. It examines the company's insatiable appetite for growth and influence, likening its operations to those of a state in terms of organization and strategy. The text delves into the competitive landscape of the oil industry, highlighting the methods and motivations that drive such corporations to seek dominance in the international market. Through this lens, it reflects on the broader implications of capitalism and the relentless pursuit of power.

11

Was konnte Hacinto tun nach dieser Unterredung mit Margarito? Es war so, wie er wußte, daß es sein wird. Sie gehörten hierher, alle. Alle waren Kinder der Rosa Blanca. Sie und La Rosa Blanca waren eine Einheit, die man nicht trennen konnte. Man kann ein Kind von der Mutter trennen. Beide überleben den Schmerz. Aber man konnte diese Menschen hier nicht von der Rosa Blanca trennen. Wurden sie getrennt, so hörten beide auf zu sein, was sie waren. La Rosa Blanca konnte ein Rancho bleiben oder eine Hazienda; aber sie war nicht mehr Die Rosa Blanca. Sie war eine Hazienda wie viele tausend. Nun gar, wenn sie ein Ölfeld wurde. Und gingen die Menschen fort von ihr, die hier wurzelten seit Jahrhunderten, sie waren nicht mehr dieselben Menschen. Sie waren dann nur noch verwirrte und zerstreute heimatlose Landarbeiter oder Peons in den Kamps oder Strolche in den Straßen der Stadt. Sie waren Entwurzelte, die ihren Lebenszweck verloren hatten und ihren Lebensstrang, weil sie nirgends mehr hingehörten. Sie verloren nicht nur den Lebensstrang, der sie mit der Erde verband, sondern sie verloren mehr. Größeres. Sie verloren ihr Herz und ihre Seele, die eins waren mit der Rosa Blanca, wo ihre Geschichte wurzelte; wo ihre Wiegenlieder, ihre Liebeslieder, ihre Märchen, ihre Spukgeschichten, ihre bösen Kobolde, ihre Erdgeister, ihre Feen und Elfen und Baumnymphen geboren waren und lebten.

Margarito hatte Hacinto nur bestätigt, was Hacinto lange vorher wußte und was sein Vater und sein Großvater und alle die Vorväter gewußt hatten, daß ihm die Rosa Blanca nicht gehörte, daß er nicht der Eigentümer sei, daß er nur der Verwalter dessen war, das Eigentum aller war, die hier lebten und die hier seit ewigen, scheinbar urewigen Zeiten lebten. Jeder wollte zurück, weil er mußte. Er konnte irgendwo anders arbeiten, irgendwo anders Geld verdienen, aber leben konnte er nur hier. Darum hatte Hacinto kein Recht, kein alleiniges Recht an der Rosa Blanca. Und hätte er einen Rat der Männer zusammengerufen, wie es beinahe jeden Monat getan wurde, wenn die Arbeit besprochen wurde, diesmal jedoch, um die Frage vorzulegen: „Sollen wir die Rosa Blanca verkaufen und viel Geld bekommen?“, so würden alle gesagt haben: „Das können wir nicht, da sind doch die Kinder.“

12

Hacinto ging hinein in die Stube. Der Licenciado saß noch immer am Tische und hatte die Säulchen vor sich stehen. Er hatte es nicht gewagt, den Tisch zu verlassen, um auf die Veranda zu kommen. Er fürchtete, es könnte ein Goldstück gestohlen werden, und er müßte alles wieder aufs neue nachzählen. Aber ob da ein Goldstück auf dem Tische gelegen hätte oder zehn oder tausend, er hätte eine Stunde oder einen halben Tag den Tisch allein und unbewacht lassen können, und wenn er zurückkam, hätte er nicht nachzuzählen brauchen. Es hätte nichts gefehlt. Er war aber Licenciado. Darum traute er den Menschen nicht. Noch nicht einmal so weit, wie er sie sah.

„Nun wohl, Hacinto“, sagte Senjor Perez, als er den Indianer eintreten sah, „dann wäre also La Rosa Blanca verkauft. Hier, zählen Sie das Geld nach.“

Hacinto setzte sich nicht. Er sagte ruhig: „La Rosa Blanca ist nicht verkauft. Und La Rosa Blanca wird nicht verkauft werden, auch wenn Sie zehnmal mehr auf den Tisch legen. Dieses Geld da hat für mich gar keinen Wert. Man kann überhaupt kein Land für Geld umtauschen.“

„Alles Land wird doch für Geld vertauscht oder verkauft“, wandte Senjor Perez ein, nur um etwas zu sagen.

Hacinto, noch immer stehend, sagte darauf: „Land ist ewig, Geld ist nicht ewig, darum kann man Land nicht gegen Geld vertauschen.“

„Also dann nicht“, rief der Licenciado nach einer Weile erbost aus. Während er das Geld einsackte, fügte er hinzu: „Du bist ein blöder alter Dickkopf. Das ist es, was du bist. Man sollte dich in das Asyl für die Irren schicken, in die Castaneda. Da ist es, wo du hingehörst. Und wir werden die Rosa Blanca doch noch bekommen. Da kannst du nur ganz sicher sein. Und wir werden sie billig bekommen, das kannst du mir glauben. Viel, viel billiger. Du hast deine Gelegenheit verpaßt, Hermanito, Brüderchen. Das will ich dir nur sagen. Wir werden dich schon kriegen.“

„Ihr alle könnt mich gar nicht kriegen“, rief Hacinto, nun gleichfalls ein wenig erbost werdend. „Ihr könnt mich alle mal am Ursch kratzen, das könnt ihr. Und Furcht könnt ihr mir schon lange nicht einjagen. Ihr nicht. Und keiner. Und du kriegst auch nicht einen Mann von der Rosa Blanca für die Kamps zum Arbeiten. Das kann ich dir nur auch sagen. Willst du noch eine Copita haben, ein Gläschen. Eine guter Habanero von San Juan Bautista.“

Er schenkte die Gläschen ein, der Licenciado sagte: „Salud!“ Hacinto hielt sein Gläschen hoch und antwortete: „Salud! Gesundheit!“, und sie gossen ihre Gläschen hinunter.

Der Licenciado band den Leinensack zu, rief seinen Mozo, die Pferde zu bringen, saß auf, verabschiedete sich mit allen den Höflichkeiten, die ein Mexikaner auch dann nicht vergißt, wenn er enttäuscht oder verärgert ist, und ritt davon.

13

Als Hacinto auf der Veranda stand und den Fortreitenden nachblickte, dachte er nur über eines nach: „Wie kann er mich denn in die Castaneda bringen, ich bin doch gar nicht verrückt. Ich bin doch ganz vernünftig, ganz klar im Kopf.“

Dann schlenderte er hinüber zu Margarito, sah ihm eine Weile beim Doktern der Mules zu und sagte endlich: „Nächste Woche könnten wir das Jungvieh in den Korral treiben und die Brandmarken aufdrücken. Und am Sonntag werden wir beide einmal nach der Concordia reiten. Don Federico hat einen vorzüglichen Eselhengst, den er verkaufen will. Schleppt eine Carga von achtzig Kilo ohne Zucken. Werden wir eine feine Mulezucht anlegen.“

„Das habe ich dir nun schon seit fünf Jahren gesagt, Compadre“, meinte Margarito. „Die Mules sind jetzt sehr schön im Preise, und da läßt sich gut etwas machen mit Muleaufzucht.“

„Laß die beiden kranken Mules hier jetzt zwei Wochen auf der Weide ohne Arbeit, damit sie sich wieder gut aufholen“, sagte Hacinto.

Dann ging er ins Haus. Von der Veranda aus rief er den Frauen in der Küche zu, daß er Kaffee haben wolle, er sei durstig.