1
Es war zwei Tage nach dem Feste Bettys.
Mr. Collins kam in seine Office um elf ein halb Uhr morgens. Er fand aufgehäuft auf seinem Tische die Rechnungen für den Palast, den er gekauft hatte, für die Ummöblierung des Hauses, für die Party, für den Champagner. Bei dem Schmuggel von Champagner, Whisky und anderen Sorten Alkohols wird viel abgefangen, Tausende von Dollars an Bestechungsgeldern müssen den Beamten der Prohibitionsüberwachung gezahlt werden, hohe Summen an Strafen müssen aufgebracht werden. Diejenigen, die an Stelle der Größeren die Gefängnisstrafen absitzen, müssen unterstützt werden, damit sie ruhig bleiben und nicht reden und damit man immer wieder andere findet, die neue Gefängnisstrafen übernehmen. Alles das kommt in einer Flasche Champagner im Preise zum Ausdruck. Und so ist es billig, wenn eine Flasche Champagner nur sechzig Dollar kostet. Fünfhundert Flaschen Champagner waren auf dem Feste, die Weine, Liköre und Whiskys nicht gezählt. Bei einem solchen Gelage wird, wie bei allen solchen Gelagen, kaum ein Drittel getrunken, der Rest wird vergeudet und ausgegossen von den Schwelgenden, in Trunkenheit, in Übermut und im Protzen.
Ein roher Überschlag der Rechnungen, der Palast eingeschlossen, ergab die lächerlich kleine Summe von achthundertvierzigtausend Dollar. Die Rechnungen für die Kostüme und Juwelen der Betty standen noch aus, weil die Lieferanten dieser Dinge höflich sind gegenüber denen, wo das Geld sicher ist.
Die beiden Chordamen Mr. Collins’, die jüngsten Datums waren hinsichtlich ihres Eintritts in das Leben des Magnaten, hatten von dem Fest gehört. Sie waren aufs höchste erbost, daß sie nicht eingeladen worden waren. Sie meldeten sich darum in ihrer wütendsten Stunde und lagen fest auf Mr. Collins, ihren Zorn zu besänftigen. Sie drohten mit Skandal, Briefen an die Zeitungen, Briefen an die Kirche, der Mr. Collins angehörte, Briefen an die Agenten der Prohibition. Sie zählten das nicht einzeln auf in ihrem Telephongeschnatter, aber sie sagten: „Dann mache ich Sauce für dich, sweet Daddy, mein süßes Väterchen.“ Die eine wußte noch immer nicht von der anderen. Mr. Collins wußte, was Sauce bedeutete. Sie würden zwar die Sauce nicht machen; denn Mr. Collins war ein zu guter und fetter Kunde, als daß man es voreilig mit ihm verdorben hätte. Ein endgültiger Schlag wurde nur dann geführt, wenn jede Hoffnung, sich ihn warm zu halten, für dauernd aufgegeben werden mußte. Die Besänftigung ihrer Bosheit mit einigen neuen Kostümen, einem Pelz und einem Brillantenarmband als Zugabe, schätzte Mr. Collins auf rund fünfundzwanzigtausend Dollar.
Wenn alles schön beisammen war, was noch fehlte in dem Berg der Rechnungen, die hier lagen und die noch zu erwarten waren, so kamen rund neunhunderttausend Dollar in ruhiger Erhabenheit zusammen.
Mr. Collins sagte halblaut: „Purty in the neighborhood of one Million nice little beautiful bucks, hübsch nahe einer Million guter und schöner Dollar.“
2
Als er das überdachte, schwankte er ein wenig, als ob er fallen wollte. Denn obgleich er an Summen gewöhnt war, so war eine solche Ausgabe, die unmittelbar aus seiner Tasche ging und die genau betrachtet nur einem Zeitvertreib galt, doch so stark in ihrer Wirkung, daß er den Atem unbewußt für einige Sekunden anhielt und dann in einem schweren Seufzer ausstieß.
Diese gewaltige Summe warf seine gesamte Privatfinanz über den Haufen. Es wurde ihm wirr im Hirn. Er wußte für den Augenblick nicht, wie er diese Summe herbeischaffen konnte, ohne ein solches Loch in seinen Finanzen zu reißen, daß kaum eine Aussicht blieb, es zu stopfen. Es war, als ob plötzlich in ein gutes Schiff mitten im Ozean eine Platte durchstoßen war und das Wasser in einem so dicken Strahl hereinschoß, daß alle Pumpen dagegen machtlos schienen.
Denn neben dieser Summe, die plötzlich aus seinem Budget herausgerissen wurde, liefen gerade in der gleichen Zeit viele andere Ausgaben, die nicht aufgehalten werden konnten. Seine Frau wollte nach Paris gehen und dort einige Monate leben, dann nach Deutschland und Italien. Seine Tochter wollte und sollte nach England gehen und nach Dresden, um zwei Jahre in Europa zu studieren. Flossy mußte auch nach Paris, weil sie einen geschickten Arzt benötigte, der eine unvorsichtige Liebesnacht mit Mr. Collins regulieren sollte. In Amerika war das zu gefährlich. Dann brauchte Flossy, wenn es vorüber war, eine Erholung am Mittelmeer. Alle diese Ausgaben konnten nicht vermieden und nicht aufgeschoben werden. Mit der notwendigen Reiseausstattung für Frau, Tochter und Flossy einbegriffen kam das auf etwa dreihunderttausend Dollar.
3
Die Gedanken, die das Hirn eines Menschen, der sich in großer Erregung befindet, innerhalb von zehn Sekunden durcheilen können – etwa, wenn er soeben von einem vorbeirasenden Automobil am Arme gestreift wurde und ihm bewußt wird, daß er buchstäblich nur um die Dicke eines Zündholzes vom Tode entfernt war –, lassen sich kaum in einem dicken Buche alle aufzählen. Die Fähigkeit des Hirns, im Zustande eines plötzlichen Blutandranges rasch und dennoch logisch zu denken, ist ungeheuerlich.
Von den Tausenden von Gedanken, die Mr. Collins in den ersten Sekunden hatte, als ihm die Summe, die er beschaffen mußte, zum Bewußtsein kam, können hier nur einige aufgezählt werden.
Zuerst dachte er daran, sich zu erschießen, um dieser Aufgabe, jenen Forderungen gerecht zu werden, zu entgehen. Aber das verwarf er sofort wieder. Er war viel zu stark in seinem Wesen, als daß er in einer solchen Art von Flucht eine Lösung hätte suchen können.
Dann dachte er daran, die Kaufverträge rückgängig zu machen oder den Palast Agenten zu einem sofortigen Wiederverkauf anzubieten. Auch das raste davon so schnell wie gekommen. Denn was Mr. Collins einmal entschieden hat, das bleibt entschieden. Er ist viel zu stolz zuzugeben, daß er irgendwelche Dinge übereilt getan haben könnte. Wenn er wirklich den Palast verkaufen will, dann verkauft er ihn, wann er will, und nicht, wann er gedrängt wird, weil er Forderungen nicht decken kann. Seine Aufgabe ist, Geld zu machen, um das zu bezahlen, wofür er sich verpflichtet hat.
Dann bekam er eine heftige Wut auf Betty, weil sie ihn derartig überwältigen konnte, sie eine solche Macht über ihn besaß, so daß er Überlegung, Berechnung und Urteil verlor. Aber die Wut verhauchte noch im Entstehen. „Was kann denn sie dafür?“ sagte er in seinen fließenden Gedanken. „Sie kann doch wahrhaftig nichts dafür; denn wenn ich nicht will, brauche ich doch ihren Wünschen nicht nachzugeben. Wenn ich so schlapp bin, daß ich tue, was sie wünscht, so ist sie durchaus im Recht, mich zu nehmen für das, was ich wert bin.“ Gleichzeitig aber redete er sich aus, daß er schlapp sei und ein Weiberknecht. Er war Manns genug, zu wissen, was er wollte, und zu wissen, wem er gab und warum er gab. So schlug die aufkommende Wut in einen Respekt gegen sie um. Er fühlte eine tiefe Hochachtung ihr gegenüber, daß sie so smart sei, ihn so geschickt zu behandeln, daß er tun mußte, was sie wünschte. Er wurde sehr stolz auf sich und fühlte sich allen andern Männern überlegen, daß es ihm geglückt sei, eine so smarte und dabei so elegante und stolze Frau zu gewinnen und zu halten. Aus diesem Stolz heraus wuchs noch in derselben Sekunde ein starkes Selbstbewußtsein. Ein erneutes Kraftgefühl durchströmte sein Blut in dem Gedanken, diese Frau zu haben und für sie Aufregungen durchkosten zu müssen. Seine Gedanken begannen sich jetzt zu ordnen. Er begann, sich zu konzentrieren. Er verfiel in eine rasende Sehnsucht, Betty jetzt im Arm zu halten und zu küssen, um gewiß zu sein, daß er sie besitze. Sie allein war wert, daß er überhaupt lebte. Er begann sie in einer ganz neuen Art zu lieben. Nicht nur mehr als Frau, sondern als den einzigen Lebenszweck. Als einen Genius, der mehr wert war als ein Genius, weil er auch Fleisch war und irdische Genüsse geben konnte. Der Gedanke an sie, die ungemein starke Liebe, die er für sie fühlte, die inniger wurde, weil er ihr abbat, daß er wütend auf sie werden konnte, gab ihm eine unerhörte Schwungkraft. Alles Pessimistische, was er eben gedacht hatte, alles Ängstliche verflog. Er bedauerte plötzlich, daß er nur eine Million dreihunderttausend Dollar zu decken hatte. Er wünschte, daß es zehn Millionen Dollar wären, die er heranzuschaffen hätte. Er fühlte die Welt zu klein und eng werden, um seine Kräfte spielen lassen zu können, um sich so zu entfalten, wie es seinem Kraftgefühl wohl getan hätte. Eine und eine halbe Million Dollar zu machen, das war gar nichts. Es war gar nicht der Rede wert. Das war nur gerade die Arbeit für einen Stümper. Wenn er ansetzte, einmal wirklich und ernsthaft ansetzte, dann wirbelten Milliarden. Dann sollten Milliarden ihren mysteriösen Wertfaktor verlieren und nichts anderes mehr sein als hilflose Objekte, mit denen er spielte.
„Eine und eine halbe Million?“ rief er laut aus. „Eine und eine halbe Million? Nichts weiter? Ein Dreck. Fünf Millionen müssen herangeschafft werden. Betty, du sollst deine Jacht haben. Du sollst die eleganteste Jacht haben, die der amerikanische Kontinent zu bauen vermag. Und wenn du die Jacht des Königs von England außerdem noch haben willst, ich mache ihn bankerott und kaufe alle seine Jachten, Pferde und Schlösser auf der Auktion. Eine und eine halbe Million Dollar. Was für lange überflüssige Reden für ein Trinkgeld!“
Er war so laut geworden, daß seine Privatsekretärin an die Tür klopfte, die Tür vorsichtig öffnete und leise fragte: „Haben Sie mich gerufen, Mr. Collins?“
„Ja. Nein. Augenblick. Kommen Sie in einer Minute wieder, Ida, habe dringende Briefe.“
„Yes, Sir.“ Ida machte die Tür geräuschlos zu.
Mr. Collins nahm das Telephon: „Lucky, wie geht es dir. Abendessen heute. Siberts? Oder. Gut denn, Siberts. Hör, wie ist der Chauffeur? Gut. Halt ihn fest an der Leine. Die Burschen wollen immer kommandieren. Puffe ihn gleich am ersten Tag an seinen richtigen Platz. Wie kommst du durch mit dem großen Haus? Besser, du nimmst noch einen Mann, der zugreifen kann. Vielleicht auch noch ein Mädchen mehr. Also um neun. Wir nehmen deinen Wagen. Das grüne? Nei–, ach nein. Sehe dich lieber im blaßblauen. Nein, nicht doch. Scheitele das Haar. Gefällt mir mehr. Aber, warum denn? Besser, du nimmst nicht die neuen Schuhe. Wollen doch tanzen. Neue Schuhe machen immer rasch müde. Später? Weißt du doch. Bei dir natürlich. Ich schicke meine Sachen und einen Officeanzug heute nachmittag zu dir. Habe eine Überraschung. Hat was mit Perlen zu tun. Nein, sage ich nicht. Also neun. Kuß. Bye, bye. Bin mitten drin in der dicksten Arbeit. Bye, bye.“
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Und es war genau in dieser Minute, daß die Sekretärin wieder an die Tür klopfte und – weil sie eine Vertraute war – sofort in ihrer leisen Art eintrat, ohne das „Come in“ abzuwarten. Es war ihr schon einmal geschehen, daß sie so herein kam, während sich Mr. Collins gerade mit einem – nun sagen wir einem Chormädchen – in einer Weise unterhielt, wie man sich gewöhnlich in seiner Office nicht mit einer Dame zu unterhalten pflegt. Aber Ida hatte Takt. Es wurde nicht einmal bemerkt, daß sie hier gewesen war. Aber Mr. Collins hatte es gefühlt. Und als jene Dame gegangen war, rief Mr. Collins die Sekretärin herein und sagte: „Ida, Sie sind eine der tüchtigsten Sekretärinnen, die ich je hatte. Sie verstehen Ihre Arbeit und Sie haben Takt. Beide Dinge schätze ich. Hier ist die Anweisung zur Kasse, von Montag ab bekommen Sie achtzig die Woche. Ich habe später noch Briefe.“
Ida hatte bis zu jenem Tage nur fünfundfünfzig Dollar die Woche gehabt. Nicht der Lohnerhöhung wegen, sondern wegen der Art, in der Mr. Collins die Angelegenheit erledigte, wegen des Tones in seiner Stimme, wegen der Tatsache, daß er mit keiner Miene, keinem Augenzwinkern etwas andeutete oder Schweigen gebot, verehrte Ida seit jenem Tage Mr. Collins wie einen Halbgott. Er hätte tun dürfen mit ihr oder in ihrer Gegenwart, was immer er wollte, sie hätte jede seiner Handlungen als ein Sakrament betrachtet.
Das war eine der Ursachen der Erfolge des Mr. Collins. Er sah einen Menschen, und er wußte, wie er ihn zu gewinnen hatte. Die einen brüllte er nieder, die andern redete er nieder und wieder andere streichelte er nieder. Und wenn nichts half, schlug er sie zu Boden. Aber stets blieb ihm eine lächelnde Höflichkeit eigen, eine Höflichkeit, die nichts verbergen sollte, sondern die echt war und darum ihrer Wirkung stets gewiß.
Ida sagte: „Die Herren sind da mit dem Report aus Mexiko. Es ist die Sache mit der Rosa Blanca.“
5
Und es war in diesem Augenblick, als Mr. Collins noch unter dem Eindruck der einen und einen halben Million Dollar stand, die gedeckt werden mußten.
Es war in diesem Augenblick, als, in dem Gedanken an Betty, seine Kraft gigantische Größe annahm, fünf Millionen heranzuschaffen, um die eleganteste Jacht für Betty zu kaufen und den König von England zur Bankerotterklärung zu zwingen.
In diesem selben Augenblick war es, daß die Herren des Grundstückdepartments der Condor Co. sich zur Beratung anmelden ließen, um den Report des Licenciados Perez aus Mexiko vorzulegen und mit Mr. Collins durchzusprechen und zu beschließen, was getan werden sollte: ob man von der Rosa Blanca absehen oder ob man einen neuen Versuch unternehmen sollte, die Rosa Blanca zu gewinnen.
Und weil der Report gerade in jenem Augenblick vorgetragen und zur Beratung unterbreitet wurde, darum war es, daß Mr. Collins rief, rief mit dem ganzen Kraftbewußtsein, in das er sich während der letzten vergangenen drei Minuten hineingerast hatte: „Das Land, das ich haben will und nicht kriegen kann, gibt es im ganzen großen Universum nicht. Wäre es selbst auf dem Jupiter, ich hole es herunter. Die Weiße Rose will ich haben. Und kein Gott und kein Präsident von Mexiko und keine Anti-Imperialistische Liga kann mich daran hindern, die Weiße Rose zu brechen. Ich will sie brechen, und ich werde sie brechen. – Danke für heute, Gentlemen. Ich werde nachdenken. Werde Ihnen mitteilen lassen, wann ich die Beschlüsse und Pläne genügend vorbereitet habe, um sie mit Ihnen besprechen zu können. So long. Goodbye.“
6
Nachdem jene Beratung mit den Herren des Grundstückdepartments vorüber war, wurde erneut in allen Registern in Mexiko herumgesucht, ob sich nicht doch noch eine Lücke fände, wo man die Besitztitel des Hacinto Yanyez angreifen könnte. Es gab keine Lücken. Die Titel waren alt und gut; und sie waren stets rechtskräftig erneuert worden, wann die Gesetze es verlangten.
Der Gouverneur in Jalapa wurde erneut bearbeitet, den Verkauf der Rosa Blanca durch ein besonderes Decreto zu verfügen mit der Begründung, daß Staatsgründe über Privatrechten zu stehen hätten und daß aus Staatsgründen der Verkauf der Rosa Blanca angeordnet worden sei. Es wurde dem Gouverneur durch einen Diputado, den die Condor Co. für ihre Interessen gewonnen hatte, auch gleich geschickt zu suggerieren versucht, was die Staatsgründe seien.
Dieser Diputado, der wegen zwei Frauen, die er in Mexiko City außer seiner eigenen Frau unterhielt, immer in Geldnöten war, versuchte dem Gouverneur klarzumachen, daß der Staat die Einnahmen aus den Ausfuhrzöllen für das Öl unbedingt gebrauche, daß jene Ausfuhrzölle eine Lebensbedingung des Staates und der ganzen Nation seien. Aus diesem Grunde müßte die Produktion und die Ausfuhr von Öl mit allen Kräften unterstützt werden. Gemeinwohl ginge über Privatrecht. Die Rosa Blanca enthalte vielleicht das reichste Ölfeld in Mexiko, und ein Gouverneur dürfe gar nicht die Einnahmen aus diesem Öl der Nation vorenthalten aus einer falschen Einstellung heraus und aus Rücksicht auf ein paar Indianerfamilien, die irgendwo anders angesiedelt werden könnten.
Der Diputado hatte sein Verschen schön auswendig gelernt, besser als seine inhaltlosen Reden, die er in der Camera de Diputados, dem mexikanischen Parlament, zu halten pflegte.
Der Gouverneur in Jalapa jedoch ließ sich durch den schmalzigen Diputado nicht in seiner Meinung beirren.
Er erklärte dem Licenciado Perez, der die Condor Oil Co. als ihr Syndikus in Mexiko vertrat und der den Diputado vorgeschickt hatte, um das Feld übersichtlich zu machen: „Ich werde den Fall noch einmal genau untersuchen. Es liegt nicht in meiner Absicht, die Condor Company in irgendeiner Weise zu schädigen oder ihre ernste Arbeit zu erschweren. Im Gegenteil, ich betrachte es als meine Aufgabe, solange ich hier Gouverneur bin, jede Produktion, sei es Öl oder sei es Zucker oder Holz oder Baumwolle oder Früchte oder Landwirtschaft, zu fördern. Und ob es sich um eine fremde Company handelt oder um eine mexikanische, das bleibt hier ohne Einfluß auf mich. Die konstitutionellen Rechte eines jeden in Mexiko, sei er Bürger oder Fremder, achte ich. Ich verspreche Ihnen, Licenciado, daß ich mein Bestes tun werde, der Condor Company zu helfen bei dem Ankauf der Rosa Blanca, wenn ich mich überzeugen kann, daß der Besitz der Rosa Blanca für die Condor Company unbedingt notwendig ist, um die Produktion von Öl zu fördern. Ich werde mit Don Hacinto dann auch sprechen, und ich glaube versichern zu können, daß ich ihn bewegen kann, dem Verkauf seiner Hazienda zuzustimmen. Aber ich vergesse doch nicht einen Augenblick lang, daß auch Don Hacinto Rechte und Meinungen in dieser Sache hat, die ebenso gut begründet sind, vielleicht noch besser als die der Condor Company. Aber ohne das Für und Dagegen genau untersucht zu haben, kann ich nicht urteilen und will ich auch nicht urteilen. Ich verstehe, daß nicht nur Don Hacinto allein in Frage kommt, sondern daß hier auch das Schicksal von sechzig oder siebzig mexikanischen Familien in Erwägung gezogen werden muß.“
„Die können alle Arbeit bei der Condor Company bekommen, oder die können auf Kosten der amerikanischen Company irgendwo anders im Staate angesiedelt werden“, warf Licenciado Perez ein.
„Gewiß kann das getan werden“, sagte der Gouverneur. „Gewiß, como no, warum nicht? Aber so einfach erscheint mir das denn doch nicht. Es steht hier nicht nur das nackte Materielle in Frage. Es tritt auch noch etwas rein Seelisches hinzu. Sehen Sie denn das nicht, Licenciado?“
„Ich weiß nicht, Senjor Gouverneur“, antwortete Senjor Perez, „was Sie meinen. Worauf Sie zielen.“
Der Gouverneur lächelte ironisch. Er ließ seine blendend weißen Zähne sehen, die in dem braunen Gesicht, das bewies, daß er reichlich viel indianisches Blut aufgenommen hatte, wie hochpoliertes Elfenbein glänzten. Er sagte: „Don Hacinto und die indianischen Familien geben doch nicht nur Land auf, das ersetzt werden kann durch Land in anderer Gegend der Republik, sie geben doch auch Land auf, das ihre Heimat ist, das die Heimat ihrer Vorfahren ist, das in seinem Boden die Gebeine ihrer verehrten Väter birgt. Sie geben Land auf, das gedüngt wurde mit dem Blute, mit dem Schweiß, mit den Hoffnungen, mit der Trauer, mit der Freude ihrer Väter und Mütter und ihrer selbst. Sie geben Land auf, das um dieser Dinge wegen ihnen heilig ist, heilig wie mir meine Mutter, mein Vater, meine Frau und meine Kinder sind.“
Nach einer längeren Pause, in der weder von ihm noch von Senjor Perez etwas gesagt worden war, trat der Gouverneur wieder an seinen Schreibtisch und sagte sehr sachlich: „Nun wohl, Licenciado, wie ich gesagt habe: Ich erweise Ihnen gern eine Gefälligkeit, aus alter Schulfreundschaft heraus, und ich bin auch gern bereit, der amerikanischen Company gefällig zu sein, wenn es sich mit dem, was ich für richtig halte, vereinbaren läßt. Aber ich will Ihnen nun doch sagen – und das soll gelten –, daß, wenn die Company nicht sehr gute Gründe hat, daß ich dann in dieser Sache nichts zu verfügen gedenke, daß ich es dann Don Hacinto allein überlasse, was er tun will. Er hat das Recht, zu verkaufen oder nicht zu verkaufen. Kann ich überzeugt werden, der Verkauf der Rosa Blanca ist notwendig im Staatsinteresse, dann werden wir weiter sehen. Kann ich mich von dieser Notwendigkeit jedoch nicht überzeugen, dann schließe ich den Fall, soweit ich oder der Staat Veracruz in Frage kommen. Was macht die Familie, Perez? Ist Maria schon durch mit dem Examen in der Medizin?“
„Ah, noch nicht. Sie hat noch zwei Jahre zu machen. Meine Senjora ist in Guadalajara bei meiner Schwägerin.“
„Meine Grüße, Perez. Adios. Adios.“
Die Herren schüttelten sich sehr freundschaftlich die Hände, und Licenciado Perez verließ das Regierungsgebäude in dem Bewußtsein, daß er gewonnen habe.
Er telegraphierte an das Hauptquartier der Company in San Francisco: Gouverneur in Sachen Rosa Blanca gewonnen, noch etwas gedulden.
7
Nachdem Licenciado Perez gegangen war, machte der Gouverneur einige Notizen auf seinen Erinnerungsblock, dann drückte er auf einen der zahlreichen Knöpfe des Klingelsystems und empfing die übrigen Besucher, die sich zu persönlichen Conferencen angemeldet hatten. Es kamen Direktoren von amerikanischen, mexikanischen, englischen, holländischen Companien, es kamen Arbeiter in Overalls, es kamen Sekretäre und Vertreter von Arbeitersyndikaten, es kamen Indianer aus fernen Winkeln des Staates, es kamen Lehrer, Ingenieure, Architekten, Beamte der Elektrizitätsgesellschaften.
So vergaß der Gouverneur bald wieder die Rosa Blanca.
Am Samstag reiste er zu einer politischen Conference in Mexiko City, einer Conference, die vom Präsidenten der Republik einberufen worden war. In dieser Conference wurde auch gesprochen, daß man nun bald daran zu denken habe, die Paragraphen der Konstitution, die durch die Revolution des Volkes geschaffen wurde, endlich in Kraft zu setzen, insbesondere jene Paragraphen, die sich mit der Tyrannei der katholischen Kirche befassen, und jene, die den Naturreichtum des Landes, insbesondere das Öl, als Volkseigentum erklären.
Da erinnerte sich der Gouverneur wieder an die Rosa Blanca. Er machte eine erneute Notiz in seinem Taschenbuch und unterstrich sie mehrere Male.
Als er am Montag zurückkehrte, ließ er sich sofort alle Akten bringen, die sich auf die Condor Oil Company bezogen. Er rief einen Ingenieur des Arbeitsamtes zur Mithilfe herbei. Mit ihm studierte er alle Pläne der Ländereien, die die Company besaß, zählte ihre Brunnen aus, studierte die statistischen Aufstellungen ihrer Produktion, ihrer produzierenden und ihrer toten Brunnen, studierte alle Parzellen, wo die Company augenblicklich auf Öl bohrte, und alle Parzellen, wo die Company nicht bohrte, berechnete alle Reserven an ölhaltigem Land, das die Company hielt, und alle Reserven an zweifelhaftem Land, das die Company unter ihrer Kontrolle hatte. Er notierte sich alles gut auf, und was er nicht genügend verstand, das ließ er sich von dem Ingenieur, dessen besonderes Arbeitsgebiet bei der Regierung die Überwachung der Ölfelder war, ausführlich erklären.
Am nächsten Freitag nahm er sich drei Tage Urlaub für Inspektionen und reiste mit seinem Burschen zur Hazienda La Rosa Blanca, um Don Hacinto kennenzulernen, seine Meinung zu hören und die Hazienda zu sehen.
Er blieb zwei Nächte und einen halben Tag auf der Hazienda, aß mit Hacinto am gleichen Tisch dasselbe schlichte Essen, das Hacinto aß, schlief in dem Bett, das man ihm anbieten konnte und dessen Matratze nur Bretter waren, über die zwei der üblichen Petates, Schilfmatten, gebreitet waren. Mehr konnte ihm die Rosa Blanca nicht bieten, denn mehr hatte sie nicht, mehr brauchte sie nicht, mehr hatte sie seit mehreren hundert Jahren nicht gehabt, mehr wollte sie nicht haben; denn sie war vollkommen glücklich in dem, was sie hatte.
Der Gouverneur besuchte mit Hacinto und Margarito alle Familien, die auf der Hazienda wohnten, ging in alle Hütten, sprach mit allen Leuten, hätschelte die Kinder, nahm das eine und das andere auf den Arm, gab ihnen Zuckerwaren und kleine Geldmünzen. Wenn er eine Hütte verließ, um zur nächsten zu gehen, folgte ihm die ganze Familie nach. So ging es von einem Hause zum andern, bis er, bei der letzten Hütte angelangt, alle Familien der Hazienda, mit allen Kindern, Hunden, Eselsfüllen und Schweinen hinter sich hatte.
Niemand auf der ganzen Hazienda, auch Hacinto nicht, auch Margarito nicht, ermüdete ihn damit, nach jedem zweiten Worte Senjor Gouverneur zu sagen, niemand sagte ihm ein schmeichelhaftes Wort, niemand haschte nach einer Gunst, niemand strengte sich an, ihn lächeln zu machen.
Aber in jeder Hütte, wo er eintrat, kam ihm der Hausherr entgegen, wenn er nicht schon vor der Tür gestanden hatte, neigte den Kopf und sagte schlicht: „A sus ordenes, Senjor, ich stehe zu Ihren Diensten; das Haus, in dem Sie sich befinden, ist Ihr Haus.“
Die Frau des Hauses, immer ein nacktes Kind auf dem Arm, pflückte sofort Blumen und gab sie einem der größeren Kinder, die nackt und halbnackt herumliefen, damit es die Blumen dem Gouverneur überreiche. Dann ging der Gouverneur, gefolgt von allen in einem Haufen, über die Felder der Rosa Blanca, betrachtete sich den Mais, das Zuckerrohr, die Orangen- und Zitronenpflanzung, die Trapiche, in der das Zuckerrohr ausgepreßt wurde, das Baumwollfeld, die Papayapflanzung, die Bananenpflanzung, die Weide, wo die Kühe waren, die Mules, die Pferde, die Esel. Auch den Papagei, der ein häßliches Schwein zum Freunde hatte und sich mit den andern Schweinen herumzankte, mußte er sehen. Alles, was zu sehen war, sah er sich an. Sah sich alles so an, als ob er in den Ferien wäre und nirgendwo in der Welt ein Amt zurückgelassen habe, das viel Sorgen bereitet, viel Arbeit mit sich trägt, viel Neid hervorruft und wenig Freude bringt.
Der Gouverneur war in einer Großstadt geboren und aufgewachsen. Er hatte immer nur in der Großstadt gelebt. Hatte in Mexiko City studiert. War zuweilen von Freunden eingeladen worden auf die Haziendas der reichen Mexikaner, die gleich Lords auf ihrem Besitztum leben, meist jedoch mehr Großstädter als Landbewohner sind und mehr Wochen im Jahr in Mexiko, in Puebla, in Queretaro oder in San Luis Potosi zubringen als auf ihrer Hazienda, deren Leitung sie ihrem Mayordomo überlassen.
Zum ersten Male in seinem Leben war er nun auf einer Hazienda, deren Besitzer Indianer war, und wo alle Menschen, die dort lebten, Indianer waren.
Es geschah ganz unerwartet, daß in ihm sich plötzlich der Indianer regte, der in seinem Blute war. Denn obgleich er gebildet war wie ein gebildeter Amerikaner, obgleich er gekleidet war wie jeder amerikanische Großstädter, obgleich er lebte, wie jeder zivilisierte Mensch in einer Großstadt lebt, so war seine Hautfarbe, die Farbe und die Schwermut seiner Augen, die Farbe und Strähnigkeit seines Haares doch so durchaus gleich Hacinto, daß sie waren, als hätte beide dieselbe Mutter geboren. Das weiße Blut, das er von einem spanischen Vorfahren in seinen Adern hatte, war nicht stark genug gewesen, auch nur einen Schimmer in ihm zu zeigen. Die Ur-Rasse des Kontinents war so mächtig, daß sie alles fremde europäische Blut, das in ihm war, aufgesogen hatte, wie sie alles fremde Blut nach und nach aufsaugt, das hier geboren wird. Denn das fremde Blut unterliegt ja nicht nur dem Einfluß des indianischen Blutes durch Mischungen bei der Zeugung, sondern es unterliegt auch denselben Einflüssen des Klimas, des Wassers und der Nahrung, die in Jahrtausenden die Eigenheit und Einzigkeit der indianischen Rasse schufen.
Und weil der Indianer in ihm sich regte, sich geltend machte unter dieser Umgebung, darum begann er, mit den Indianern jetzt und hier zu fühlen und zu empfinden. Dinge, die er vorher nicht verstanden hatte, begann er jetzt in seinem Gefühl und in seiner Seele zu verstehen.
Als er zu Licenciado Perez von der Heimat und den Heimatsrechten der Leute auf der Rosa Blanca geredet hatte, da sprach er rein theoretisch von Heimat. Etwa so wie von Heimat in Gesetzesparagraphen geredet wird, durch die Nationalität und Staatsangehörigkeit von Individuen festgelegt werden soll. Heimat war dann ein allgemeiner Begriff, der sich durch Dokumente ausdrücken ließ, durch Auszüge aus dem Geburtsregister bestätigt und begrenzt wurde. Eine rein zufällige Sache, die durch den Wohnungswechsel der Eltern und auch durch absichtliche und unabsichtliche Fehler in den Registern beeinflußt werden konnte.
Hier nun aber sah der Gouverneur den Begriff Heimat von einer Seite aus, die ihm bisher fremd geblieben war. Diese Heimat konnte durch Gesetz, durch Register weder bestimmt noch beeinflußt werden. Diese Heimat war eine Angelegenheit der Seele. Diese Heimat war etwas, das den Menschen schuf. Den Großstädter sowie auch viele Bauern und Farmer kann man in eine andere Großstadt oder auf eine andere Farm versetzen, und sie sind sofort wieder daheim. Aber hier waren die Menschen so eins mit der Erde, daß sie aufhörten Mensch zu sein, wenn sie aus dieser Heimat entwurzelt wurden.
So kam der Gouverneur, aus seinem indianischen Blute heraus, zu der Überzeugung, daß kein Öl auf der Erde, kein Automobil, kein Dieselmotor wertvoll genug sei, dagegen Heimat auszutauschen. Öl und Automobile und Flugmaschinen sind schöne Dinge, die dem Menschen viel Nutzen und viel Erleichterung in seiner Arbeit bringen; aber was bedeuten dem Menschen, insbesondere diesen Menschen hier, Öl und Motoren, wenn sie ihn in seinem Wesen und in seiner Seele viel ärmer machen als er ist mit der Heimat als Lebensbasis, mit der Heimat, die ihm Inbegriff alles dessen ist, was Freude, Glück, Zufriedenheit, Ruhe, Lebenssicherheit, Liebe, Poesie, Kunst, Religion, Gottheit, Paradies sind.
Wir alle, wir Armen, wir freuen uns an der Maschine, am Flugzeug, am Radioapparat, am Fernkino nur darum, weil wir unsere Heimat verloren haben. Der Verlust unserer Heimat ließ uns stumpf und zerrissen zurück. Um uns zu betäuben, um unseres Verlustes, unseres Schmerzes uns nicht bewußt zu werden, darum brauchen wir Gasolin, das uns Schnelligkeit vorzaubert, damit wir rascher fliehen können vor uns selbst und vor unseren Herzensnöten.
Das alles kam hier jetzt dem Gouverneur zum Bewußtsein. Weil er indianisches Blut hatte und in seinem Blute der Heimat noch näher stand als der Weiße, der seine Heimat seit Jahrtausenden verloren hat und seitdem rastlos in der Welt umherflitzt, immer getrieben und gehetzt, niemals Zeit habend, niemals Zeit gewinnend, ob er Eisenbahnen baut und Expreßzüge, oder ob er Flugzeuge baut oder drahtlose Telephone. Er wird immer rastloser, immer gehetzter, hat immer weniger Zeit, je mehr er auch erfindet, um Zeit zu gewinnen. Gejagt von einem Kontinent zum andern, von Asien nach Europa, von Europa nach Amerika, von Amerika wieder nach Asien. Dann Kriegszüge und Weltkriege, um eine neue Heimat zu finden. Und alle seine Wissenschafter suchen und suchen vergebens, zu finden, wo die Heimat des Weißen ist.
Und der Gouverneur sprach mit Hacinto und mit Margarito und mit den übrigen Männern. Sprach mit ihnen, als hätte er sie gekannt seit zehntausend Jahren. Er verstand alles, was sie sagten, und begriff alles. Begann sich mit ihnen allen zu duzen. Trank mit ihnen Tequila und Habanero aus derselben Flasche, die von Mund zu Munde ging.
Er, der Indianer, hatte heimgefunden, hörte zum ersten Male seine Seele zu ihm sprechen, hatte zum ersten Male in seinem Leben das Bewußtsein, daß er zu Hause sei, war zum ersten Male in seinem Leben wahrhaft glücklich, zufrieden und eines unbekümmert freudigen Mutes, der keine Furcht vor Sorgen kennt.
Er zog die eleganten braunen Schuhe von den Füßen und ließ sich von Hacinto ein paar alte Sandalen geben. Zog den Rock aus, knöpfte den Kragen ab, steckte den Kopf durch den Schlitz der Tilma und warf sie sich über. Drehte sich Zigaretten aus Maisblättern. Aß Tortillas und Frijoles. Schälte das Fleisch von den gebackenen Hühnchen mit den Fingern ab und tunkte es mit den Fingern in die rotbraune Mole. Nahm nach Indianerart das Salz prisenweise mit den Fingern auf und schob es so in den Mund. Biß große Stücke von der grünen Chile ab und trank den Kaffee schwarz und gesüßt mit dem braunen rohen Zucker, der auf der Hazienda selbst gemacht wurde.
Der Gouverneur mußte alle Pferde reiten, um zu sagen, welches das beste sei.
War der Gouverneur in der Stadt mit seinen Freunden zusammen und wurde nicht über Politik geredet, dann wußten meist nach einer Weile weder er noch seine Freunde, was man reden sollte. Und weil man keinen Unsinn reden und keinen Klatsch breittreten und ausstänkern wollte, fanden sich der Gouverneur und seine Freunde immer recht hilflos. Dann mußte man sich mit Dominoklötzchen helfen oder mit Schach oder mit Billard oder mit Karten; weil man nicht wußte, was man mit sich und mit seinen Freunden beginnen sollte und man doch auch nicht ganz und gar verdusseln wollte.
Hier, auf der Rosa Blanca, kam dem Gouverneur auch nicht für eine Minute der Wunsch nach Domino oder Karten.
Er saß mit Hacinto und Margarito in Schaukelstühlen in dem Portico. Alle Männer der Hazienda waren da. Einige saßen auf der Holztreppe, die vom Hofe in den Portico führte, andere hockten auf dem Erdboden vor der Treppe, wieder andere hockten im Portico, auf dem Fußboden aus dicken Bohlen, andere saßen auf dem Geländer des Porticos, und wieder andere lehnten sich gegen die Säulen. Sie mischten sich nicht in das Gespräch, das die drei Männer, die in den Schaukelstühlen sich wiegten, führten. Sie hörten nur zu, um zu hören und zu erfahren. Zuweilen flüsterte der eine der zuhörenden Männer zu einem andern. Zuweilen rief Hacinto oder Margarito einen der Männer herbei, um ihn etwas zu fragen, was auf das Gespräch sich bezog, eine Auskunft über die Mules, über das Vieh, über eine Familie und was es so gab im Leben auf der Hazienda.
Die Dinge, die der Gouverneur mit Hacinto und Margarito besprach, waren so ureinfach, wie Dinge überhaupt nur sein können. Sie sprachen über Mais, über Zucker, über Salz, über den Preis für Kühe und Schweine, über Holz und Wald, über gutes und schlechtes Weideland, über den Ertrag anderer Haziendas, über die Zahl der Kinder, die einzelne Familien hatten, über Krankheiten des einen Mannes oder einer Frau, über Kurmittel für Kühe, Pferde und Mules, über die Beschaffenheit der Wege in der Nähe, über die weite Entfernung der Schule für die Kinder, die nur unregelmäßig die Schule besuchten, über die Tatsache, daß Hacinto noch im selben Jahr eine Schule bauen wolle auf der Hazienda und daß er den Lehrer bezahlen werde, über Wetter, über die Menge des Regens, über Trockenheit, über die Tiger, die im Busch herumfauchten und zuweilen ein Kalb oder eine Ziege fortschleppten, über Moskitos, über Henequen, den zu bauen man angefangen habe und von dessen Fasern man jetzt auf der Hazienda alle Leinen und Lassos selbst anfertige und man sogar schon überschüssige Ware verkaufte, und was es so an den Vorgängen und Geschehnissen auf einer großen Hazienda gab.
Mit keinem Worte redeten die Leute von Politik. Ob Don Manuel oder Don Justo Präsident der Republik war, darum kümmerte sich hier kein Mensch; ob die Amerikaner in die Republik einmarschieren wollten oder ob sie in den Häfen von Nicaragua mit Panzerschiffen protzten und dort Kanonen abfeuerten, das war für die Menschen hier ohne jedes Interesse. Ihre Heimat war nicht die mexikanische Republik, ihre Heimat war die Weiße Rose; und Dinge, die sich nicht auf die Rosa Blanca in irgendeiner Weise bezogen, existierten nicht für die Leute.
Dennoch, trotzdem es erschien, als hätten die Männer keine weiten Interessen über ihre enge Heimat hinaus, so waren doch ihre Reden zuweilen so voll von Weisheit und Philosophie, daß der Gouverneur mehr als einmal aufhorchte und im Vergleichen so viele Meinungen, die er anderswo gehört oder gelesen hatte, recht nichtig und unbedeutend fand, nicht wert, über sie nachzudenken.
Hier mußte er immerwährend denken. Eine völlig neue Welt eröffnete sich vor ihm. Eine Welt, von deren Existenz er nichts gewußt hatte, obgleich er glaubte, alles studiert zu haben, was es auf Erden und in Büchern gab. Alles war hier einfach und natürlich. Alles ließ sich sofort verstehen, weil alles in natürlichen Dingen und Vorgängen wurzelte. Nichts erschien kompliziert. Nichts war umkleidet und verkleidet von Paragraphen, Formeln und Entscheidungen in Parlamenten und in Obergerichtshöfen. Hier waren keine Gesetze, keine Katechismen, keine Statuten, keine Parteiprogramme. Und trotzdem lebten die Menschen hier, und trotzdem ging alles seinen Lauf. Nirgends war ein Zusammenstoßen, nirgends ein Verwirren, nirgends eine Unklarheit. Die Frauen bekamen alle viele Kinder. Für alle war Nahrung vorhanden, und alle wuchsen heran, wenn sie die ersten Jahre überstanden hatten. Hier gab es keine Probleme. Hier gab es keine sozialen Fragen. Hier gab es weder Reiche noch Arme, weder Ausbeuter noch Sklaven. Und wenn es wirklich Streit gab, so wurzelte er in so einfachen Ursachen, daß er mit einem Worte Hacintos geschlichtet und so entschieden wurde, daß alle seine Entscheidung als die einzige und als die richtige anerkannten. Es gab hier keine Ungerechtigkeit, weil die Gerechtigkeit natürlich und selbstverständlich war. Denn niemand dachte über Gerechtigkeit nach, weil Begriffe von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit hier völlig fehlten und sich nicht entwickeln konnten.
8
Am Abend, als die Nacht schwarz war, wurde auf einem altarähnlichen Block von Steinen, der in der Mitte des Hofes war, eine großer Haufen Holz angezündet, der den weiten Platz des Hofes der Hazienda erleuchtete. So wurde es getan seit vielen hundert Jahren.
Dann kamen alle Familien zum Tanz.
Einige Männer der Hazienda spielten auf Geigen, Gitarren und Flöten die Tanzmusik. Es wurde zu den Tänzen meist gesungen von denen, die musizierten, und von denen, die nicht tanzten.
Um Mitternacht oder so begannen alle Männer und Frauen zu singen, ohne dabei zu tanzen.
Und dann sangen sie ihre Nationalhymne, das Lied ihrer Heimat, den Gesang des heimatlichen Ranchos, das Lied von der Weißen Rose, die nahe der Barranca so traulich und friedlich blüht seit ewigen Zeiten her:
Wenn ich auch einst verwelken muß,
Weiße Rose, du sollst blühen,
Und mein letzter Lebenshauch
Ist für dich mein Abschiedskuß.
Die Leute standen eine Weile still, vom flackernden Feuer des Altars beleuchtet.
Dann begannen sie aus drängendem Gefühl, den letzten Sang noch einmal zu wiederholen, begleitet von der schlichten Musik der Geigen, Gitarren und Flöten:
Cuándo llame la muerte a mi
Pensaré en ti mi Rosa Blanca
Y mi ultimo suspiro
Lleve dulces besos para ti.
Hacinto und Margarito hatten das Lied mitgesungen. Den letzten Sang, als er wiederholt wurde, sang auch der Gouverneur mit. Und als er sang, dachte er, daß diese Hymne ebenso schön sei wie die Nationalhymne des mexikanischen Volkes. Und er dachte, daß ihr eigenes Lied den Leuten hier mehr sagte als die strahlend schöne Hymne der Republik, die zwar süß ist und feurig zugleich, aber doch nicht den Frieden dieses schlichten Gesanges hier atmet, denn sie beginnt mit einem schmetternden Kriegsschrei, der alle Söhne und Töchter der Republik aufruft, ihr schönes Land gegen den Feind, der es zertreten will, zu verteidigen.
Hätten die Mexikaner als Volk die brüderliche Liebe, die jene Menschen hier auf der Rosa Blanca vereint zu einer einigen Familie, so brauchten sie weder Amerikaner noch Briten zu fürchten; weil sie dann sicherer wären als mit Soldaten und Geschützen. Denn kein fremdes Kriegsheer kann weit in mexikanische Erde kommen, wenn es keine Verbündeten unter den Mexikanern selbst findet. So war es, als Cortes in Mexiko einmarschierte, so war es, als MacMahon in das Land zog, und so war es, als die Amerikaner nach Chapultepec und siebzig Jahre später nach Veracruz kamen. Der Feind des mexikanischen Volkes, sein größter Feind, sitzt im Lande und nicht draußen. Das dachte der Gouverneur, als das Heimatlied endlich verklungen war und die Leute wieder zu tanzen begonnen hatten.
Der Tanz dauerte bis zum ersten Aufleuchten des Morgensternes.
Der Gouverneur tanzte mit den Frauen und Mädchen.
Er vergaß Bälle, Parlamentsreden, Regierungsgeschäfte und Öl-Companien. Alles das hatte aufgehört in der Welt zu existieren.
Es waren nur noch in der Welt: Tanz, Musik, süße Lieder. Es waren nur noch auf Erden, beleuchtet von einem rotgelben flackernden Feuer, weißgekleidete Männer und Frauen in bunten Röcken und weißen Jacken, reichgestickt mit roten, grünen, gelben Blättern und verzierten Ranken. Es gab nur noch lachende, tanzende, schwitzende Frauen mit schweren schwarzen Augen, nacktem braunen Hals und nackten braunen kräftigen Armen. Nur noch Frauen und Mädchen mit glänzenden freudigen Augen und mit leuchtenden Blumen und roten Wollbändern in das tiefschwarze dicke Haar geflochten.
Es war nur noch Singen in der Welt, nur noch Freude, Sorglosigkeit, Zufriedenheit, Sicherheit, ein loderndes Feuer auf einem Steinaltar.
Und Heimat. Und Heimat. Nichts als Heimat.
9
Der Gouverneur war zurückgekommen nach Jalapa.
Er bestellte Licenciado Perez zur Audienz.
Sagte zu ihm: „Ich habe den Fall Condor Oil noch einmal genau vorgenommen. Ingenieur Ramirez vom Industrie- und Arbeitsdepartment ist mir behilflich gewesen. Er kennt alle Akten und Pläne. Wir haben folgendes festgestellt: Die Condor Oil ist die zweitstärkste Company in Mexiko, soweit der Besitz und soweit Leases von Ölland in Frage kommen. Die Company hat bis heute nur ein Vierzigstel ihrer Ländereien unter Produktion und unter Bohrungen. Selbst wenn die Company im gleichen Tempo wie bisher weiter arbeiten sollte, was ich nicht glaube, dann hat die Company noch für fünfzig Jahre genügend Land zur Verfügung und unter ihrer Kontrolle, um so viel Öl zu produzieren, wie sie benötigt. Es liegt also keine Notwendigkeit vor, ihr noch mehr Land – und jetzt zwangsweise – zuzuschieben, um sie arbeitsfähig und produktiv zu erhalten. Sie hat bei weitem noch nicht den zwanzigsten Teil derjenigen ihrer Felder unter Arbeit genommen, die nicht zweifelhafte Felder sind, sondern sichere und tragende Felder. Wir haben festgestellt, daß die Company selbst jene Felder noch nicht angebohrt hat, die anzubohren sie auf Grund der Konzessionen, die ihr gegeben wurden, verpflichtet war. Wir haben das Recht, ihr diese Felder abzunehmen und sie frei zu stellen für andere willige Companien oder für die Nationalproduktion, weil sie die Konzessionsbedingungen nicht erfüllt hat. Wir denken vorläufig nicht daran, sie zur Einhaltung der Konzessionsverpflichtungen zu zwingen, um nicht den Anschein in den Staaten zu erwecken, als ob wir den fremden Companien das Arbeiten erschweren. Die Condor Oil benötigt also die Rosa Blanca nicht. Eine andere Company kommt nicht in Frage, weil die Condor Oil alles Land rund um die Rosa Blanca unter Kontrolle hält mit ihren Leases, soweit es nicht Besitz der Condor Oil ist.
Unter diesen Umständen kann ich nicht, selbst wenn ich Ihnen und der Condor Oil gefällig sein wollte, ein Staatsinteresse vorschieben, um den Verkauf der Rosa Blanca durch Decreto zu verfügen. Das wäre ungerecht und unwahr.
Ferner: Dasselbe Staatsinteresse, das die Condor Oil anzurufen gedenkt, um ihre Produktion zu heben, dasselbe Staatsinteresse zwingt mich, die Rosa Blanca in dem Besitz zu lassen, in dem sie sich heute und seit Hunderten von Jahren befindet. Der Besitzer hat nicht die Absicht, zu verkaufen. Und das Staatsinteresse gebietet uns eher, die Rosa Blanca zu erhalten und mit allen Kräften des Staates zu schützen, als sie für die Produktion von Öl freizugeben. Die Condor Oil Company ist in Mexiko registriert, aber ihre Aktionäre sind bis auf einen, den ich den gesetzlichen mexikanischen Aktionär nennen möchte, keine mexikanischen Bürger. Dahingegen sind alle Leute, die auf der Rosa Blanca leben und von ihr leben, mexikanische Bürger, denen wir aus demselben Staatsinteresse heraus, das die Condor Oil zu ihren Gunsten anruft, die Heimat nicht nehmen können, die Heimat, auf die sie in ihrem Lande ein konstitutionelles Recht haben.
Läge freilich der Fall vor, daß das Öl, das nach Angaben der Geologen die Rosa Blanca in reichem Maße trägt, unbedingt notwendig gebraucht wird und genügend Öl aus den Ländereien, die unter Kontrolle der Oil-Companien stehen, nicht herangeschafft werden kann, dann muß die Rosa Blanca geopfert werden. Ein solcher Fall liegt nicht vor. Nach menschlichem Ermessen wird ein solcher Fall in den nächsten fünfzig Jahren nicht eintreten. Und tritt er nach fünfzig Jahren wirklich ein, das zu entscheiden, was dann zu geschehen hat, ist nicht meine Aufgabe und ist nicht die Aufgabe der Federal-Regierung. Dann wird Zeit genug sein, den Fall zu entscheiden, und ich überlasse die Entscheidung den Männern, die dann leben und regieren werden.
Und damit, lieber Licenciado, ist der Fall La Rosa Blanca für mich und, solange ich im Amte bin, auch für die mexikanische Regierung abgeschlossen. Wenn die Company dennoch den Kauf der Rosa Blanca von Don Hacinto auf privatem Wege erzielt, so ist das eine Sache, die über meine Rechte und Befugnisse hinausgeht. Die Regierung jedenfalls kann hier nichts verfügen und wird hier nichts verfügen.“
„Ja, dann“, sagte Licenciado Perez, „dann muß die Condor Oil wohl eben die Idee aufgeben. Ich habe das meinige getan.“
Der Gouverneur stand auf, ging um den Tisch herum und kam ganz dicht auf Licenciado Perez zu. Er tippte ihn freundschaftlich auf die Brust und sagte: „Das war es, Perez, was ich Ihnen amtlich zu sagen hatte. Und das ist es, was als Schlußdokument in die Akten kommt, den Fall Condor Oil Company und La Rosa Blanca betreffend. Persönlich aber möchte ich Ihnen sagen: Lassen Sie die Finger fort von der Weißen Rose. Es wäre schade um sie, wenn sie gebrochen würde und sich in ein stinkendes, lärmendes Ölfeld verwandelte. Ich war dieser Tage dort. Sie ist ein Juwel. Und es wohnen Menschen dort. Indianer. Prachtmenschen, die Lumpen und Banditen werden, wenn sie die Weiße Rose nicht mehr haben. Wir haben doch genug der Fälle in der Republik. Wer sind denn alle die Banditen und Zugräuber, die wir haben? Alles Leute, denen eine Rosa Blanca verlorenging, und die nun nicht länger wissen, was sie mit sich anfangen sollen, die in den Städten verludern und dann auf den billigsten Ausweg verfallen, sich am Leben zu halten, auf Stehlen und auf Morden. Außerdem noch etwas. Es kann der Tag kommen, daß wir, die Mexikaner, Öl gebrauchen und nicht wissen, wo wir es haben können, weil die Gringos alles in Händen halten. Dann kann uns vielleicht die Weiße Rose zur Rettung werden, kann vielleicht unsere letzte Rettung sein, weil die Männer vor uns, besonders der Coyote Porfirio Diaz, das Land verkauft und verschachert haben. Dann mag die Weiße Rose geopfert werden, dann mag eine kleine Heimat geopfert werden, um eine größere Heimat, die Republik, die Heimat des mexikanischen Volkes, zu erhalten. Ja, das – das wäre dann eigentlich alles, lieber Licenciado. Wenn ich sonst für Sie etwas tun kann, Sie wissen, Sie dürfen immer auf mich zählen.“
10
Perez ging zur Western Union Cable Office und schrieb das Telegramm aus für San Francisco: Rosa Blanca verloren.
Als er das Telegramm dem Beamten überreichen wollte, stand da ein amerikanischer Zeitungsmann, der ein längeres Telegramm für die A. P. – Associated Press, Telegraphendienst der Vereinigten amerikanischen Zeitungen – aufgab und in der Preisverhandlung mit dem Beamten englisch sprach.
Licenciado Perez fühlte sich plötzlich als Mexikaner, was er lange Zeit vergessen zu haben schien, weil ihn die Condor Oil sehr gut bezahlte.
Er zerriß das Formular und schrieb ein neues Telegramm.
Es hieß nun: Rosa Blanca aus.
Damit wollte er sagen, daß die Weiße Rose aus dem Rennen endgültig ausgeschieden sei.
Obgleich er für ihre Erhaltung nichts getan hatte, so fühlte er jetzt dennoch eine stille Freude, daß die Weiße Rose für Mexiko gewonnen war.
11
Sechs Tage später erhielt er einen Brief vom Hauptquartier der Condor Oil, in dem ihm empfohlen wurde, dem Gouverneur auf geschickte Art hunderttausend Dollar beizubringen, wenn nötig, seien auch einhundertfünfzigtausend zur Verfügung. Zwei Schecks lagen dem Briefe bei.
Perez antwortete sofort und riet der Condor Co., keine Bestechungsversuche irgendwelcher Art gegenüber dem Gouverneur zu wagen, sie könne dabei nur verlieren, und er könne ihr die übelsten Geschichten machen, denn er sei nicht von dem Schlage, der in den Staaten in den Filmen und in den billigen Romanen gezeigt wird.
Dann schrieb er einen zweiten Brief, in dem er der Company mitteilte, daß er sein Amt als mexikanischer Syndikus der Condor Oil niederlege, weil er mit anderen Geschäften zu überhäuft sei.
Nachdem er den Brief geschrieben und in den Umschlag gesteckt hatte, überlegte er eine Weile.
Dann sagte er zu sich: „Das wäre eine Dummheit. Wenn ich helfen will und Einfluß haben will, muß ich drinbleiben und darf nicht hinausgehen. Nicht mehr drin, bin ich völlig machtlos. Dann kriegt vielleicht so ein Weiberfeger, der seine Zeit und sein Geld in den Kabaretts verludert, das Amt. Und um mit seinen Weibern und seinen Kognakflaschen fertig zu werden, ist er immer hinter den Dollars her und verkauft seine Seele und die Seele aller anderen und tut alles, was die da drüben kommandieren, ob Ehre oder nicht Ehre.“
Er zerriß den Kündigungsbrief und blieb Syndikus. Schrieb jedoch in den anderen Brief noch hinein, daß er dringend rate, die Rosa Blanca aus dem Spiele zu lassen, weil die Stimmung im Lande gegen die fremden Öl-Companien und gegen ihre Manipulationen zur Zeit nicht gerade sehr gut sei.
Als Mr. Collins den Brief las, sagte er zu dem ersten Vizepräsidenten: „Dieser Licenciado Perez ist einer der besten Anwälte, die wir da unten haben können. Er steht glänzend mit der Regierung und mit den drei Gouverneuren, mit denen wir zu tun haben. Er ist ein kluger Bursche. Diplomat. Aber er ist nicht smart. Für bestimmte Sachen ist er nicht zu gebrauchen. Wir werden besser tun, uns nebenbei einen Curbstone Polisher, einen Eckensteher, zu halten, der den Daumennagel auf die Knöchelsehnen zu drücken versteht. Werde darüber nachdenken.“