Hohenlohe und Tewele.
Und also schloss der Schmerzens-Sonntag, der 11. December 1881, reich an erschütternden Scenen, aber noch reicher an Thränen! — Einer Episode sei noch Erwähnung gethan. Der Director des Carltheaters, Herr Tewele, versuchte es, die Theater-Directoren Wiens zu bewegen, die Theater an diesen traurigen Tagen zu schliessen, um, während Wien in Jammer, Schmerz und Thränen aufgelöst ist, nicht Komödie spielen zu lassen. Die Theater-Directoren unserer Vorstadt-Bühnen hatten zugesagt: Tewele möge dem ersten Obersthofmeister Sr. Majestät Kaiser Franz Josef I., Fürst Hohenlohe-Schillingsfürst, sein Anliegen vortragen; was die kaiserlichen Theater thun, werden sie auch thun. Die Audienz fand statt, die Bitte, Seitens Tewele vorgebracht, wurde vom Obersthofmeister — abgeschlagen. So kam es, dass Wien, mit Ausnahme des Carltheaters, an diesen Tagen Komödien spielte, an denen die Leichen der Opfer eines Theaterbrandes agnoscirt und — die ersten Todten in die Grube gesenkt wurden. Ueber Befehl Sr. Majestät des Kaisers blieben die Wiener Theater am Montag den 12. December geschlossen. Nur in dem Tingl-Tangl, genannt Danzer’s Orpheum, jodelte man, als ganz Wien weinte.
Hohenlohe und Tewele.