Der Hof der k. k. Polizei-Direction.
Ein Trost wird den armen Hinterbliebenen der Opfer der Ringtheater-Katastrophe allerdings zu Theil, dass die Mehrzahl dieser Personen nicht lebend verbrannt ist, dass sie bereits todt waren, erstickt und erdrückt, als sie von den Flammen erfasst wurden. Ist aber der Feuertod in seiner ganzen Furchtbarkeit nicht tausendmal dem langsamen Hinsterben in dem Kampfe um das Leben, in welchem es keine Sieger gab, vorzuziehen? Aus den Stellungen der Leichen ersah man leider nur zu deutlich, wie gräulich dieser Kampf gewüthet haben mag, welche Qualen die unglücklichen Opfer des Brandes erlitten, welche peinvollen Scenen es abgegeben haben mag. Man fand Männer in fester, fast unlösbarer Umarmung mit den Zähnen in einander verbissen, die Nägel tief in das Fleisch des Anderen gebohrt. Zahlreichen Menschen fehlen die Extremitäten. Abgerissene Füsse, vom Rumpfe getrennte Hände liegen in dem Schutte; viele nicht verbrannte Körper sind zu einer unförmlichen Masse geworden, viele Leichen fand man vollkommen plattgedrückt. Diese Thatsachen machten das Auflesen von Leichen schwer, und vollends unmöglich wurde dieses bei den vollkommen verbrannten. Der ganze Schutt ist mit Asche von menschlichen Körpern gemengt, und wollte man rigoros zu Werke gehen, müsste aller Schutt dem Central-Friedhofe überstellt, eingesegnet und dort beerdigt werden.
Feuerwehrleute, welche auf den dem Ringtheater gegenüber liegenden Häusern Posto gefasst, um die Wasserstrahlen in den feurigen Krater zu senden, erzählen, dass sie ganz deutlich an der Brüstung oberhalb der zweiten Galerie einen menschlichen Leichnam hängen sahen, der ganz langsam fortbrannte, dessen Fett in die Tiefe träufelte und zischend in die glühende Kohlenmasse fiel.
Der Hof der k. k. Polizeidirection.