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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 12: Nachtwächter-Lied.
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Nachtwächter-Lied.

1831.

Hört, Ihr Herrn und laßt Euch sagen,

Ich bin der Nachtwächter von Freienhagen,

Hab’ Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht,

Hab’ Euch gesungen bei stürmischer Nacht,

Hört mein Lied Ihr Herrn und wacht!

Die Sternlein geh’n hinunter –

Halloh, Ihr Herrn, seid munter!

Die Glocke hat ein Jahr geschlagen!

Viel hat sich im Alten zugetragen.

Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut,

D’rin wohnt eine schöne Himmelsbraut,

Und das Fähnlein lustig vom Giebel schaut –

Wer reißt uns das Fähnlein herunter?

Halloh, Ihr Herrn, seid munter!

Bewahrt das Feuer und auch das Licht!

Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht:

Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus,

D’rin glüht eine Flamme Jahr ein Jahr aus,

Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus,

Behütet den heiligen Zunder!

Halloh, Ihr Herrn, seid munter!

Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht!

Bewahrt treu und fleißig und schüret das Licht,

Das Haus umschleichet die Diebesbrut:

Sie wollen uns stehlen das heilige Gut,

Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut!

Die Sternlein geh’n hinunter –

Halloh, ihr Herrn, seid munter!

Und lobet Gott den Herrn!

Er sendet den Morgenstern!

Der lässet den Sturm auf der Erde weh’n,

Und die Sternlein auf und nieder geh’n!

Vertraut auf den Herrn in seiner Höhe,

Denn unser Gott thut Wunder –

Halloh, ihr Herrn, seid munter!