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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 14: Gruß an die Heimath.
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Gruß an die Heimath.

1838.

O was bewegt mir denn den warmen Busen,

Und warum schlägt mir denn das Herz so laut?

Es sind nicht Weihegrüße meiner Musen,

Nicht das Umfangen meiner lieben Braut.

Was soll, o Wanderer, dieses Zagen deuten?

Was trübt denn nun noch Deiner Freude Glanz?

Hab’ Muth, horch’ jener Abendglocke Läuten,

Es sind ja Töne Deines Heimathlands.

Wie oft hab’ ich in ewig weiter Ferne

Nach meinem Norden sehnsuchtsvoll geschaut,

Bei Nachts des Wagen siebenfachem Sterne

Die Grüße meines Herzens anvertraut.

Jenseit des Meeres dunkelblauen Wogen,

Dort, wo das Allah durch die Wüste klingt,

Fragt’ ich die Wolken, die nach Süden zogen:

Ist keine, die mir Gruß der Heimath bringt?

Und in der Pyrenäen Schreckensgründen,

Auf des Pelargus schauerlicher Höh’,

Im Schlachtgetös von tausend Feuerschlünden,

Vergaß die Seele nicht das tiefe Weh.

Der Heerden Glocken auf den Felsenklippen,

Der Wasserfälle Sturz, der Vögel Chor,

Gefall’ner Kameraden bleiche Lippen,

Erzählten mir von meiner Liebe vor.

Doch jetzt, wo mich der Heimath Thäler grüßen,

Erneut sich alles Leid und alle Qual;

Kein Balsamkraut, den Schmerz mir zu versüßen,

Und keine Blume find’ ich in dem Thal,

Gestorb’ne Liebe und zerriss’ne Banden,

Zerschlag’ne Freuden und zertret’ner Keim –

Kaum hat mich Einer hie und da verstanden:

Ein Fremdling schied ich, Fremdling kehr’ ich heim.

Nur eins mißlang den finsteren Gewalten:

Von allem, was das Leben mir zerbrach,

Hab’ ich doch meine Harfe noch behalten,

Und manches Lied, das mir am Herzen lag.

Im fremden Lande singt sich’s nicht von Herzen,

Und alles Leid und Lied geht Hand in Hand;

Drum kommt, ihr meine Lieder, helft’s verschmerzen;

Sei mir gegrüßt, mein theures Vaterland!

So send’ ich Dir denn dieses ohne Zaudern,

Verstehst doch Du mich bis zum Herzensgrund.

Laß so mich oft mit Deinem Herzen plaudern,

Und währe nicht geschwätz’gem Dichtermund!

Mir ist als würd’ ich von des Lebens Schaudern,

Von all dem Weh mit einemmal gesund,

Als könnte mit dem wunderbaren Klingen

Mein Herz sich alte Freud’ und Lieb’ ersingen.

So ist’s, schien einmal Dir mit Morgenröthen

Das Ideal tief in die Brust hinein,

So bleibt’s Dir treu, das Leben kann’s nicht tödten;

Und bist Du elend, gramvoll und allein,

Dann ruft es Dir mit fernen Himmelsblicken,

Du siehst’s verklärt in rosenfarb’nem Schein,

Auf sonn’gen Höh’n weht seine heil’ge Fahne,

Und Himmelswahrheit liegt in Sängers Wahne.