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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 15: Mein Engel.
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Mein Engel.

Heut’ vor ’nem Jahr, in fremdem Land,

Da hab’ ich krank gelegen,

Da that mich keine liebe Hand

In meinem Fieber pflegen.

Bei Nacht im dunkeln Krankensaal

Hob ich die schwachen Hände

Und bat, daß Gott mir endlich ’mal

Den Todesengel sende.

Der thät wohl auf und ab mit Ruh’

Von Bett zu Bette wandern,

Drückt hier und da die Augen zu

Dem einen wie dem andern.

Das meine ward – ich war so froh –

Von Tag zu Tage trüber,

Doch ging an meinem Bett von Stroh

Der Engel stets vorüber.

Wie gern ich auch die matte Hand

Ihm hingegeben hätte,

Ein and’rer Bote Gottes stand

An meinem Krankenbette.

Er trocknet mit dem weißen Tuch

Den Schweiß von meinen Wangen,

Und hielt mir hin den irdnen Krug,

That ich den Trunk verlangen.

Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer

Im stillen Kampfe neigte;

Es war ja Niemand um mich her,

Der mir den Dienst erzeigte.

Hat mir erzählt gar lieb und gut

Von meinem Heimathlande,

Als ich in einer Fiebergluth

Der Mutter Namen nannte.

Ich hab’ den Engel nicht geseh’n,

Und Niemand konnt’ ihn schauen,

Doch muß ich seit dem Aufersteh’n

Auf seine Vollmacht bauen.