WeRead Powered by ReaderPub
Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 20: Schweizers Sehnsucht.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Schweizers Sehnsucht.

O wer kühlt dies bange Sehnen,

Das mich glühend heiß erfüllt,

Und in stille warme Thränen

Meine matten Augen hüllt?

Nicht mehr kann ich sie verhehlen

Diese Schmerzen, die mich quälen,

Die sich ewig mir erneu’n.

Wenn die junge Morgenröthe

Freundlich von dem Himmel lacht,

Hab’ ich einsam, still und öde,

Eine bange Nacht durchwacht,

Und der erste Purpurschimmer

Hat den süßen Frieden nimmer

In des Schweizers Brust gesandt.

Ach, ein Land nenn’ ich mit Zähren,

Wo der Morgen schöner brennt,

Auf der Alpen Hochaltären,

Am entflammten Firmament;

Wo die Andacht Blicke feuchtet,

Wenn die große Fackel leuchtet,

In der Morgenröthe Gluth.

Jene Höh’n, wo seit Aeonen

In der Ewigkeiten Schooß’,

Jungfrau und Sanct Gotthard thronen,

Der am Morgen, herrlich groß,

Es der Erde froh verkündet,

Daß die Opfer angezündet

Frommen Dankes für den Herrn.

Wo der Aar in reinern Lüften

Kühner seine Schwingen hebt,

Ueber bodenlosen Klüften

Ungewohnt der Wandrer bebt,

Wo von friedlich stillen Matten,

Bei des Abends kühlem Schatten,

Heerden mit Geläute zieh’n.