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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 32: Der Liebe Sehnen.
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Der Liebe Sehnen.

(Einer andern Melodie untergelegt.)

Wer deutet mir dies bange Sehnen,

Das mir so warm im Herzen glüht,

Das nur nach Dir mich ewig zieht,

Und oft das Auge füllt mit Thränen?

Verschwunden ist mein froher Sinn,

Mein gold’ner Frieden ist dahin.

Heraus mein Herz, aus Deinem Kerker

Voll Schmerz und doch voll süßer Lust!

Was pochst Du an die enge Brust

So bang und ängstlich immer stärker?

Könnt’ ich zerbrechen, was mich hält,

Und eilen in die freie Welt!

Dir möcht’ ich stets in’s Auge seh’n

Und in Dein Antlitz, engelrein;

Wie selig, selig muß es sein,

In Deinem Anschau’n einst vergeh’n,

Und flieh’n im fessellosen Lauf

Vom Himmel zu dem Himmel auf.

Dort zu den Sternen ew’ger Liebe

O könnt’ ich schwingen mich empor,

Und suchen in der Welten Chor

Das Ziel von meinem Sehnsuchtstriebe!

Ach, selbst die Unermeßlichkeit

Ist für mein Sehnen nicht zu weit.

Ich seh’ den Frühling niederschweben.

Heran mit Deiner Blüthenlust,

Heran an meine enge Brust,

Du Lenz mit Deinem jungen Leben!

Die Knospe schwillt, das Jünglingsherz

Ergreift der Sehnsucht Wonneschmerz.

Ihr Nachtigall’n im Blüthenhaine,

Ihr Fluren im verjüngten Grün,

Ihr Blumen, die so freundlich blüh’n,

O sagt es mir, warum ich weine?

Warum, seitdem ich sie erblickt,

Kein Frieden meine Brust beglückt?