Ludwig Philipp.[8]
Frieden, um den Preis der Erde Frieden!
Manche Nacht – Europa ist’s bekannt –
Wenn der Schlaf die Millionen Müden
In die Fesseln seiner Macht gebannt,
Und die Sterne Frankreichs niederschieden,
Hing die Wage noch in meiner Hand, –
Da wirft Gott mit einem Wetterstrahle
Meines Sohnes Leichnam in die Schale.
Frankreich! siehe jenen Tempel zittern,
Dem ich deine Zukunft anvertrau’t!
Sieh, wie klagend unter den Gewittern
Von der Zinne hoch der Genius schaut!
Muß mein eigner todter Sohn erschüttern,
Was auf deiner Söhne Grab gebaut?
Und ein unerklärliches Vergelten
Opfern meinen Sohn für deine Helden?
Auf dem Pflaster, das in Juliwettern
Du erzürnt zum Thron geschleudert hast,
In den Tagen, die wir gern vergöttern,
Und wo deine eig’nen Söhn’ erblaßt,
Muß ein Schlag das liebe Haupt zerschmettern,
Das, wie du, die Despotie gehaßt?
Frankreich, Frankreich, deine Tempel beben,
Und es bebt, ich fühl’s, mein eig’nes Leben.
Diesmal hat’s getroffen! Unter sieben
Traf nicht Einer das ersehnte Ziel:
Meine Brust ist unversehrt geblieben
Bei dem mörderischen Würfelspiel.
Gott hab’ ich’s mit Danke zugeschrieben,
Bis das Haupt von meinem Kinde fiel:
Da just war der Fleck, da stirbt mein Hoffen!
Sieben Kugeln! Diesmal hat’s getroffen!
Fahre wohl denn, du geliebte Leiche,
Bis wir ewig bei einander sind.
Auf die Wange, wo vom Todesstreiche
Noch das Blut entsetzlich niederrinnt, –
Einen Kuß noch auf die Stirn, die bleiche, –
Dann leb’ wohl, mein liebes, liebes Kind!
O! daß mir des Weinens Tröstung wäre!
Gott! ein Königreich für eine Zähre!
Ja, ich fühl’s an meiner Pulse Schlägen,
Du nimmst meine letzte Kraft dahin.
Willenlos auf meinen dunkeln Wegen
Folg’ ich, wie ein Kind, der Führerin.
Ferdinand, ich zittre dir entgegen,
Ahnung sagt es meinem tiefsten Sinn.
Lebe wohl, und daß dich Gott verkläre!
O! ein Königreich für eine Zähre!
Frieden, den ich Frankreich oft erhalten,
Meiner eignen Brust versagt ihn Gott.
Wie dies Haupt, wird Frankreich sich zerspalten,
Und der Julithron der Welt zum Spott.
Neue Kugeln warten auf den Alten,
Rächend steigt der Bourbon vom Schaffot.
Frieden, um den Preis der Erde Frieden!
Und der Alte scheidet gern hienieden!