WeRead Powered by ReaderPub
Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 40: Ludwig Philipp.[8]
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Ludwig Philipp.[8]

Frieden, um den Preis der Erde Frieden!

Manche Nacht – Europa ist’s bekannt –

Wenn der Schlaf die Millionen Müden

In die Fesseln seiner Macht gebannt,

Und die Sterne Frankreichs niederschieden,

Hing die Wage noch in meiner Hand, –

Da wirft Gott mit einem Wetterstrahle

Meines Sohnes Leichnam in die Schale.

Frankreich! siehe jenen Tempel zittern,

Dem ich deine Zukunft anvertrau’t!

Sieh, wie klagend unter den Gewittern

Von der Zinne hoch der Genius schaut!

Muß mein eigner todter Sohn erschüttern,

Was auf deiner Söhne Grab gebaut?

Und ein unerklärliches Vergelten

Opfern meinen Sohn für deine Helden?

Auf dem Pflaster, das in Juliwettern

Du erzürnt zum Thron geschleudert hast,

In den Tagen, die wir gern vergöttern,

Und wo deine eig’nen Söhn’ erblaßt,

Muß ein Schlag das liebe Haupt zerschmettern,

Das, wie du, die Despotie gehaßt?

Frankreich, Frankreich, deine Tempel beben,

Und es bebt, ich fühl’s, mein eig’nes Leben.

Diesmal hat’s getroffen! Unter sieben

Traf nicht Einer das ersehnte Ziel:

Meine Brust ist unversehrt geblieben

Bei dem mörderischen Würfelspiel.

Gott hab’ ich’s mit Danke zugeschrieben,

Bis das Haupt von meinem Kinde fiel:

Da just war der Fleck, da stirbt mein Hoffen!

Sieben Kugeln! Diesmal hat’s getroffen!

Fahre wohl denn, du geliebte Leiche,

Bis wir ewig bei einander sind.

Auf die Wange, wo vom Todesstreiche

Noch das Blut entsetzlich niederrinnt, –

Einen Kuß noch auf die Stirn, die bleiche, –

Dann leb’ wohl, mein liebes, liebes Kind!

O! daß mir des Weinens Tröstung wäre!

Gott! ein Königreich für eine Zähre!

Ja, ich fühl’s an meiner Pulse Schlägen,

Du nimmst meine letzte Kraft dahin.

Willenlos auf meinen dunkeln Wegen

Folg’ ich, wie ein Kind, der Führerin.

Ferdinand, ich zittre dir entgegen,

Ahnung sagt es meinem tiefsten Sinn.

Lebe wohl, und daß dich Gott verkläre!

O! ein Königreich für eine Zähre!

Frieden, den ich Frankreich oft erhalten,

Meiner eignen Brust versagt ihn Gott.

Wie dies Haupt, wird Frankreich sich zerspalten,

Und der Julithron der Welt zum Spott.

Neue Kugeln warten auf den Alten,

Rächend steigt der Bourbon vom Schaffot.

Frieden, um den Preis der Erde Frieden!

Und der Alte scheidet gern hienieden!