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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 41: Was ist des Deutschen Vaterland?[9]
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Was ist des Deutschen Vaterland?[9]

Wie hat das Lied so schön geklungen,

Das einst Herr Arndt, der Dichter, sang,

Und das wir Alle mitgesungen

Bei drei und dreißig Jahre lang?

Das Lied vorn deutschen Vaterlande,

Wo an dem Rhein die Rebe blüht,

Und wo, dem deutschen Rhein zur Schande,

Am fernen Belt die Möve zieht.

Und wo wir mit Vergnügen sehen,

Daß alle Länder, groß und klein,

Wie sie im Buch bei Deutschland stehen,

Das Vaterland des Deutschen sein.

Der Deutsche Bund – Gott geb’ ihm Friede –

Hat immer, seit der Völkerschlacht,

Bei diesem geograph’schen Liede

Ein fürchterlich Gesicht gemacht.

Und als der Deutsche Bund entschlafen,

Wie ist das Lied dahergebraust!

Wie ist’s den Fürsten und den Grafen

Gleich Sturmwind um den Kopf gebraust!

Boch-Buschmann, unser Deputirte,

Sang’s oft zu Frankfurt auf der Zeil,

Und wenn er jetzt sich nicht genirte,

Er säng’ das Lied noch alleweil.

Gesungen ward’s in allen Städten,

In allen Gassen ist’s erschallt,

Auch haben zwischendurch Musketen

Als Accompagnement geknallt.

Wohin ich mocht’ durch Deutschland wandern,

Am Rhein und an der Donau Strand,

Hat einer stets gefragt den andern:

Was ist des Deutschen Vaterland?

Da sprach an einem schönen Tage

Zu Wien Herr Raveaux frank und frei:

Daß nunmehr auf die ew’ge Frage

Die Antwort schon gefunden sei.

Doch dieses war nur eine Flause, –

Noch heute ist es unbekannt,

Noch singen sie bei jedem Schmause:

Was ist des Deutschen Vaterland?

Arndt saß hernach im Parlamente

– Inzwischen war ergraut sein Haar –

Sein Votum zeigte, daß am Ende

Sein Lied auch eine Lüge war.

Ja, eine rechte schöne Lüge,

Viel schöner als die Verse sind.

Ich wünsche wohl, daß ich mich trüge,

Wenn mir die Thrän’ vom Auge rinnt.