WeRead Powered by ReaderPub
Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 43: Bei Sebastopol.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Bei Sebastopol.

1855.

Die Geschütze krachen, die Schlacht erbraust,

Das Gewehrfeuer rollt, die Rakete saust,

Der Tod zermalmet die Braven.

En avant! Seht, Brüder, die Mine springt,

En avant! Vom Malakoffthurme winkt

Die Tricolorfahne der Zuaven.

Die Nacht bricht an, der Tod ist nicht müd’,

Die Redouten springen, und roth erglüht

Der Nebel über dem Hafen.

Und unten die Stadt ist ein Feuermeer,

Und droben steh’n auf den Bergen umher

Die Linien, Garden und Zuaven.

Da bringen sie eben von Brück’ zu Brück’

Die Verwundeten in das Lager zurück,

Die zerstümmelten blutenden Braven,

Und vor jeder Bahre, die kommt daher,

Präsentiren im Flammenschein das Gewehr

Die Linien, Garden und Zuaven.

Da tragen sie einen Sergeant-Major,

Der in der Courtine den Arm verlor,

Und den halben Schädel im Graben,

Und am Malakoffthurme commandirte er Halt,

Und richtet sich aufrecht, die blut’ge Gestalt,

Der Sergeant-Major von den Zuaven.

Von der brennenden Stadt der rothe Schein

Und das Licht, das die springenden Forts ausspei’n,

Beleuchten sein Antlitz erhaben.

Er entblößt sein Haupt, daß die Wunde klafft,

Und nimmt zusammen die letzte Kraft,

Der Sergeant-Major von den Zuaven.

„Nun fahr’ ich mit Freud’ in die and’re Welt,

„Der Feind entflieht, Sebastopol fällt,

„Im Flammenmeere begraben!

„Lebt wohl, Cameraden! Vive l’Empereur!

Er stirbt, und es präsentiren das Gewehr

Die Linien, Garden und Zuaven.