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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 47: III.
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Ferienweihe.

I.

Ich sitz’ im Garten, die gold’nen Schleier

Des Morgens rauschen um mich her,

Und Alles prangt in stolzer Feier,

Als ob’s ein heil’ger Sonntag wär’.

Nichts hör’ ich hier vom Weltgetriebe,

Und hinter’n Bäumen liegt die Stadt,

Mit ihrem Haß und ihrer Liebe,

Und Allem, was sie Schönes hat;

Mit ihrem Verdruß und ihren Freuden,

Mit ihren Straßen grad’ und krumm,

Mit ihren großen und kleinen Gebäuden –

Und vor Allem mit dem Gymnasium.

Und hinter’n Bäumen liegt die Stube,

Die stille Zeugin meiner Geduld,

Der Wissenschaft Gold- und Silbergrube,

Mit dem tintenbefleckten Schreibepult,

Und mit den Prüfungs-Exercitien,

Und zumal mit den Büchern rings herum,

Den tiefgelehrten und den witz’gen

Und dem ganzen heiligen Classikerthum.

Dagegen blühen mir hier die Rosen,

Und auf jeder strahlt ein Diamant;

Hier reifen die Pflaumen und Aprikosen

Und die Trauben an der Raketenwand.

Und ein Heer von Astern und Georginen

Und die Sonnenblumen stolzen Wink’s,

Sie grüßen mich mit gnäd’gen Mienen,

Und die Schwalben pfeifen rechts und links.

Und Lorbern mehr, als wir Dichter haben,

Sie schießen aus braunen Kisten empor,

Und ein freies Bienchen verließ die Waben,

Und singt melodisch mir um das Ohr;

Und erzählt mir alte Geschichten, die wußt’ ich

Schon, als ich noch ein Knabe war –

Ich glaube, sie machen sich über mich lustig,

Die Blumen, die Schwalben und der Lorber gar!

Ach, freilich ist ja der ganze Garten

Eine große lebendige Poesie,

Und ach, es bleiben die Dichtungsarten

Bei der Biene summender Melodie!

Curies! ich habe keine Schule heute:

D’rum glaubt’ ich, daß es Sonntag wär’,

Und horch! es bringen fernes Geläute

Die Morgenwinde zu mir her.

So läutet denn, ihr fernen Glocken

Mir feierlich meine Ferien ein, –

Dann will ich mit der Biene frohlocken

Und fröhlich und frei mit den Schwalben sein.

II.

Schwalben und Bienen.

Die Biene lebt in engem Kreise,

Der Garten nur ist ihre Welt –

Die Schwalben, sie sausen moderner Weise

Wie der Blitz durch die Luft über Stadt und Feld.

Die Schwalbe badet in Wolkenlüften

Und verzehrt die Mücken im Sonnenstrahl –

Die Biene badet in Rosendüften

Und schwelgt in ihrem ätherischen Mahl.

Verleb’ ich die Ferien in Schwalbenweise?

Versumm’ ich sie einsam in Bienenmanier?

Adieu, ihr Schwalben! und glückliche Reise!

Meine Welt ist der Garten, ich bleibe hier.

III.

Der Schwalben Spott.

Wohl denn! rief auf diese Begrüßung

Spottend die Schwalbe:

Herr Professor, Ihre Entschließung

Ist nur ’ne halbe.

Während Sie so mit der Biene summen,

Welken die Blüthen,

Und wenn Sie wieder in der Schule brummen,

Sind wir im Süden.

Während Sie zur Verzweiflung bringt das

Schneegewimmel,

Lacht mir – und wie anders klingt das! –

Blau der Himmel.

Und ihr Bienchen, von dem Sie prahlen,

Seh’ ich erstarren,

Während der Sonne warme Strahlen

Meiner harren.

Haben Sie Grüße nach Oestreich und Schwaben?

Und nach Algirien?

Bis die Gärten wieder Blüthen haben,

Sind wir die Ihrigen.