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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 5: Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825.
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Meinen Eltern,
am Neujahrsmorgen 1825.

Wie einst Memnon’s Säule sanft ertönte

Bei Aurorens erstem Strahlenkusse:

So tönt mir auch dieses Jahres erster

Morgenstrahl Gefühle in die Brust,

Wie sie nur des Kindes Herz kann fühlen,

Wenn es sich an das der Eltern dränget.

Auf die Feder scheint die Morgensonne

Mir und ladet mich zum frohen Gruße.

Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten,

Die Minute, wo in Euren Armen

Inniger mein Herz dem Eurigen

Und der Zukunft ungewissen Tagen

Freudig wünschend dann entgegenschläget!

Nicht entweihen will ich durch die Feder,

Was die dankerfüllte Brust durchglühet,

Sagen nicht, wie Eure Elternliebe

Mich von meinem ersten bis zu diesem

Morgen mit des Dankes Hochgefühlen

Ewig an die treuen Herzen bindet;

Sagen nicht, was ich aufzählen weder,

Noch Euch je vergelten kann, – ach wenn ich

Mir dies denke, alle die Wohlthaten,

Mir zurück in meine Seele rufe:

Dann zerfließt (doch nur in meiner Seele),

Einer Thräne gleich, mein frommer Dank

In dem Meer der elterlichen Liebe,

Und das Ziel von allem meinem Streben

Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen.

Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied

Auf den kleinen Knaben nieder – und der

Kinderjahre gold’nen Traum; – er wußte

Noch nicht, wem er seine Freuden dankte:

Jetzt tönt ihm die Harmonie der Welten,

Der Natur, der heit’re Frühlingshimmel

Andere, erhabene Gefühle

In die Jünglingsbrust; – es weiß der Jüngling

Nun für wen des Dankes Zähre fließt!

Der die Welten schuf und die Natur

Und den heitern Frühlingshimmel, der das

Leben seinen Menschen gibt und nimmt,

Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen

Ueber unserer Erde aufgeh’n ließ:

Er nur kennt der Herzen heil’ge Tiefen,

Hört mit Huld ihr Wünschen, Hoffen, – Beten!