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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 58: Der Katholik.
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Der Katholik.

Ich bin ein wahrer Katholik,

Ich sag’ es frei mit kühnem Blick,

Ich bin’s nicht blos im Gotteshaus,

Ich bin es auch im Weltgebraus’;

Ich leugn’ es nie und nimmermehr,

Und wär’ der Teufel hinterher:

Bei Gott ist meine Hülfe.

Ich bin ein wahrer Katholik,

Zum Lügen hab’ ich kein Geschick;

Bin ich im Gotteshaus gekniet,

Was kümmert’s mich, ob’s einer sieht;

Schwätz’ ich nicht Jedem nach dem Bart,

Was thut’s? Ist Katholikenart:

Bei Gott ist meine Hülfe.

Ich bin ein wahrer Katholik,

D’rauf thu’ ich mir von Herzen dick;

Der Priester hat’s mich früh gelehrt:

Daß sich im Sturm der Christ bewährt,

D’rum, tret’ ich aus dem Gotteshaus,

Dann ford’r’ ich kühn die Welt heraus:

Bei Gott ist meine Hülfe.

Ich bin ein wahrer Katholik

In Freud’ und Leid, in Schmerz und Glück,

Ich bin’s im Friede und im Streit;

Und wenn der Teufel Feuer speit,

Und wenn die Welt in Trümmer bricht –

Ich wanke nicht und weiche nicht:

Bei Gott ist meine Hülfe.

Ich bin ein wahrer Katholik,

Nicht blos für einen Augenblick;

Es geh’ uns gut, es geh’ uns schlecht,

Ich halte bei katholisch Recht;

Sag’s jedem Heuchler in’s Gesicht,

Ein Sohn der Kirche bist du nicht:

Bei Gott ist meine Hülfe.

Ich bin ein wahrer Katholik,

Ich bin kein eigennütz’ger Strick,

Der, wenn der Wind von Norden weht,

Für Gott und seine Kirche steht,

Doch wenn der Wind von Süden bläst,

Gott und die Kirch’ im Stiche läßt:

Bei Gott ist meine Hülfe.