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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 63: 1848.
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

1848.

Ein wilder Sturm ist in die Welt gefahren,

Durchwühlt die Völker, wie ein brausend Meer.

Prophetenstimmen aus verklung’nen Jahren

Zieh’n wie Posaunentöne vor ihm her.

Entfesselt sind der Geister wilde Schaaren

Und die Empörung schwingt den blut’gen Speer.

Es ist ein Toben und ein wildes Kämpfen,

Als wälzte sich die Zeit in schweren Krämpfen.

Wer ist der Steuermann in solchen Wettern,

Wer ist der Geist, der über’n Wassern schwebt?

Ein Herrscher, der das Schiff aus morschen Brettern

Maschinenmäßig durch die Wellen hebt?

Ein Feldmarschall, der unter Bombenschmettern

Sich in die Weichen der Empörung gräbt?

Kann Menschenweisheit jenem Sturm gebieten,

Gibt uns ein Machtwort den verlor’nen Frieden?

Wohl mag ein Stern uns aus den Wogen retten,

Doch keiner, der auf Uniformen blinkt,

Wohl eine Hand vermag uns warm zu betten,

Doch keine, die ein irdisch Scepter schwingt.

Und für das Schiff gibt’s neue, sich’re Ketten,

Doch keine, die uns um die Freiheit bringt.

Wo Geister kämpfen mit der wilden Brandung,

Führt nur ein Geist die Ringenden zur Landung.

Der Stern, die Stella maris, die wir kennen,

Wir seh’n ihn hehr und schön vom Himmel schauen,

’s ist kein Pilot, der ihn nicht weiß zu nennen,

Den süßen Namen Uns’rer Lieben Frauen.

Wo gibt’s Fanale, die so glänzend brennen,

Wenn uns die Nacht umfängt und Tod und Grauen?

Das ist der Stern, vor dem in Sturmesreigen

Die Wogen ihre stolzen Häupter neigen.

Die Hand, das ist die Hand der Braut des Herren,

Die lehrend sich herab zum Schiffer neigt,

Die, wenn sich Fels auf Fels entgegensperren,

Ihm winkt und ihm die Fahrt zum Hafen zeigt,

Und, daß die Wogen ihn nicht abwärts zerren,

Den Segen ihres hohen Bräut’gams reicht.

Wo diese Hand regiert, von Gottes wegen,

Da geht das Schiff dem sichern Port entgegen.

Die Kette, die es hält für alle Zeiten,

Reicht von der Erde in die Ewigkeit,

Die Kette zweier Welten, die in beiden

Uns zur Gemeinschaft aller Heil’gen reiht –

Im Siegen, wie im Sterben und im Leiden,

In Nacht und Trübsal, Gnad’ und Herrlichkeit –

Das ist die Kette von Demant und Eisen,

Die keine Stürme dieser Welt zerreißen.

O süßer Meerstern, der vom Himmel d’roben

So mild und freundlich auf uns niederschaut,

O zarte Hand, der, wenn die Wellen toben,

Der Schiffer demuthsvoll den Kahn vertraut,

O diamantnes Band, von Gott gewoben, –

Ja, wenn es uns in Nacht und Stürmen graut –

Und wenn wir nichts mehr hoffen, nichts mehr lieben,

Wir glauben noch, denn ihr seid uns geblieben.