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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 64: Komm!
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Komm!

O komm, still’ unser heißestes Verlangen,

O zeige Dich dem sehnsuchtsvollen Blick;

O wüßtest Du nur unsers Herzens Bangen,

Längst wärst Du bei den Trauernden zurück.

Mit Dir ist Fried’ und Freud’ hinausgezogen;

Seitdem Du fehlst, fehlt unser liebstes Glück.

So harrt die Braut nicht ihres Auserwählten,

Wie wir bisher die Tag’ und Stunden zählten.

O komm, o komm, ein Jammer ist’s im Lande;

Seitdem Du gingst, war’s eine schwere Zeit,

Ein Hurrah über’s and’re schreit die Bande,

Der Teufel machte sich noch nie so breit;

Doch wer sich zu der Mutter Gottes wandte,

Hat Dir schon manch Gebet geweiht.

O komm, du kannst’s ja, von Sanct Peter’s Stufen,

Hat Dir es Pius freundlich zugerufen.

O komm, Dir harren tausend Herzen:

Die Kirche mit der Glocken Jubelton,

Die Hochaltäre mit dem Schmuck der Kerzen,

Die Gläub’gen mit Gesang und Prozession;

Empfang’ die Lieb’ als Balsam Deiner Schmerzen,

Und für die uns’rigen sei Du der Lohn,

Damit uns so, mit Gott verbunden,

Das Leid vergeht, vernarben uns’re Wunden.

Gott sei geklagt, die Jungen und die Alten,

Sie fragen sich, was Deine Schritte hemmt?

Der Vater weiß, mit welchen Trotzgewalten

Der böse Geist sich Dir entgegenstemmt;

Doch wenn die Kinder ihre Händchen falten

Und Abends fragen, wann ihr Bischof kömmt,

Dann sagt die Mutter leise wieder: Morgen.

Das Kind entschläft, die Mutter wacht in Sorgen.

O komm, steh, alle Tage wird es trüber,

Die alte Zeit scheintodt stieg aus dem Grab,

Nicht ist, seitdem Du gingst, der Sturm vorüber,

Kein Retter uns erschien, der Frieden gab.

So komm denn Du, den Hermelin wirf über,

Gebiet dem Sturm mit Deinem gold’nen Stab,

Laß auf die Wogen, die wir bang durchlenken,

Sich Dein gewohnter Segen niedersenken.