(15. Oktober 1855.)
Auch Du? so jung, so frisch, die Brust voll Lieder,
Das Herz voll Hoffnung, das Gemüth so traut!
Und nun erstarrt die Augen, die so bieder,
So froh und gläubig in die Welt geschaut!
Leb’ wohl, o Freund – schon rollt die Scholle nieder –
Leb’ wohl! ach, mit der Scholle dumpfem Laut
Hör’ ich den letzten ird’schen Klang verschweben
Von Deinem reichen und geliebten Leben!
Doch wen beklag’ ich? Wenn uns Todesmahnen
Und Klagelieder hier am Grab’ umweh’n;
Wenn Deine Schüler mit beflorten Fahnen,
Mit Thränen Deine Freunde Dich umsteh’n –
Sieht unser Glaube Dich auf Sonnenbahnen,
Ein freud’ger Held, dem Ziel entgegengeh’n.
Und rein die Freude droben zu erfassen,
Hast Du der Erde Leib und Schmerz gelassen.
Dort ist erfüllt Dein Sehnen und Verlangen.
Was Du hier unten träumtest halbbewußt,
Ist Dir im Lichte Gottes aufgegangen.
Und Kindern gleich umspielen Dich mit Lust,
Die hier nur unverständlich in Dir klangen,
Die Ideale Deiner Dichterbrust.
Ein jedes Leiden, jeder Schmerz hienieden,
Wird eine Krone Dir im ewg’en Frieden.
Leb’ wohl! Wir seh’n Dich – wenn im finstern Thale
Auch uns der Engel einst zur Ruhe winkt –
Wir seh’n Dich wieder, wenn im Abendstrahle,
Wie jetzt Dein Sarg, der unsre niedersinkt.
Vielleicht ist’s bald, vielleicht zum nächsten Male!
O wohl uns, wenn dann auch der Lobspruch klingt:
Daß wir wie Du gerungen und geworben,
Daß wir wie Du gelebt, wie Du gestorben.