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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 74: Die Schutzengel.
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Die Schutzengel.

Vor einem Muttergottes-Bilde

Lag im Gebet ein frommer Mann,

Empfehlend ihrer Lieb’ und Milde

Vor Allem seine Kinder an.

Du Quell so vieler Gnadengaben,

Sprach er, sei ihre Helferin,

Und nimm die beiden kleinen Knaben

Als Deine eig’nen Kinder hin.

Daß ihnen nichts zu Leid geschehe,

Erleuchte sie mit Deinem Strahl.

Bewahre sie vor Schmerz und Wehe,

Vor Fall und Krankheit allzumal.

Vor Allem aber ihre Seele

Laß, Heilge, Dir empfohlen sein.

Bewahre sie vor jeder Fehle,

Flöß’ ihnen Deine Liebe ein,

Maria hört die fromme Bitte,

Die ihr ein Engel übergab,

Und ordnet aus der Engel Mitte

Zwei himmlische Gesandten ab.

Geht hin und thut, wie ich euch heiße,

Damit erfüllt die Bitte sei.

Gesellt euch still in eurer Weise

Den Geistern jener Knaben bei.

Nun höret, was darauf geschehen,

Der Kindlein Vater hat’s geschaut,

Ein And’rer hätt’s auch nicht gesehen,

Der nicht auf sein Gebet vertraut, –

All überall, wo die Knaben waren,

Da standen ihnen Engel nah’.

Und immer waren in Gefahren

Zwei unsichtbare Hände da.

Der Kleinste baut sich Kartenhäuser,

Und siehe keines fällt ihm ein;

Der Aelt’ste, schon ein wenig weiser,

Baut ein Kapellchen sich von Stein.

Als hälfen Meister und Gesellen,

So hurtig war das Werk gethan.

Er klebt’ in Mitten der Kapellen

Ein Muttergottes-Bildchen an.

Mit Steinen spielen sie, und stellen

Die bunten Steinchen in die Reih’ –

Die schönsten Kiesel aus den Wellen,

Sie kommen wie von selbst herbei.

Der Ball fliegt an die hohen Wände,

Und in die Bäum’ auf gutes Glück –

Doch werfen unsichtbare Hände

Den Knaben ihren Ball zurück.

Sie spielen Reiter und sie jagen

In’s Feld und über Stock und Stein,

Als würden sie im Flug getragen –

Ein And’rer bräche Hals und Bein.

Der eine fiel auf Fels herunter,

Und gab sich einen Todesstreich,

Ein Engel hielt seine Händchen d’runter,

Das Kind fiel wie auf Moos, so weich.

Ja, wenn die beiden Knaben spielten,

So war’s, als wären ihrer vier,

Zwei Brüder schützten sie und hielten

Den einen dort, den andern hier,

Und als der and’re, dem’s gerathen,

Ein Zündholz strich, allein im Haus,

Da bliesen ihm die Kameraden

Ein jedesmal die Flamme aus.

Sie wurden nicht gelehrt, die Jungen,

Doch sieh, ich weiß nicht, wie’s geschah –

Das erste Wort von ihren Zungen,

Das war der Name Maria.

Vermuthlich haben die Kameraden

Sie auch dies erste Wort gelehrt,

Und so der Mutter Gottes Gnaden

An diesen Kindern neu bewährt.