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Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen cover

Ernst Koch's Gedichte / Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen

Chapter 9: Am 8. December.
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About This Book

The volume assembles poems from the poet's posthumous papers, accompanied by a friend’s editorial introduction and a biographical sketch outlining his upbringing in Hesse, university studies, legal and administrative service, turbulent years in foreign military service and conversion to Catholicism, and later career in Luxembourg as a civil servant and teacher. The poems reflect his lyrical voice shaped by personal hardship, travel, and religious and domestic concerns; the collection also includes shorter prose pieces and notes that illuminate the stages of his creative life and the circumstances of his late work.

Am 8. December.

Sieh, wie buntes Schneegewimmel

Spielet durch den öden Himmel,

Und es heult der Stürme Wuth.

Ob auch mit erstorb’nen Lilienwangen

Die Natur im Schlummer ruht,

Ist mir doch ein Frühling aufgegangen,

Und (ich fühl’ es an dem Wogen

Dieser übersel’gen Brust)

In mein frohes Herz gezogen,

Reich an Blüthen, reich an Luft.

War nicht heute, freudig tönt’s die Laute,

Beben’s meine Saiten nach,

War nicht heute jener frohe Tag,

Wo Dein Blick dies schöne Leben schaute?

Ach, Geliebte, war’s nicht heute?

Wo ich, noch ein Knab’, an Deiner Wiege saß,

Und mein Lieblingsspiel vergaß,

Und der Schwester königlich mich freute,

Selig dir ins Auge blickte,

Ja, und dreimal glücklich war,

Wenn ich auf Dein kleines Lippenpaar

Dir den Kuß der Bruderliebe drückte?

Vierzehn Lenze sind geschwunden,

Doch des Knaben Liebe nicht.

Was ich damals schon empfunden,

Fühl’ ich noch in schönen Stunden,

Wenn Dein sanftes Angesicht

Treue Schwesterliebe spricht.

Hätt’ ich Hölty’s Lautenklang,

Ließe meine Saiten rauschen,

Daß die Engel mir im Himmel lauschen,

Säng’ ich meinen schönsten Hochgesang:

Nimmer würd’ es mir gelingen,

Meine Liebe Dir zu singen.

Wandle froh und glücklich durch Dein Leben,

Trau dem frommen, kindlich reinen Sinn,

Von den Engeln, welche Dich umschweben,

Sei die Sanftmuth Deine Führerin.

Unschuld, an der Liebe Hand,

Leite Dich zum bessern Land.

Ach, noch keinem Menschen war’s verliehen

Immer glücklich, immer froh zu sein!

Und soll über Dir auch eine Wolke ziehen,

Wohl, so sei’s im rosenfarbnen Schein,

Und sie senk’ in Freudenthränen sich

In Dein stilles Leben nieder.

Dann umlächle freundlich wieder

Dein entwölkter Himmel Dich!