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Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache cover

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Chapter 11: K.
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About This Book

The dictionary compiles German seafaring vocabulary in alphabetically arranged entries that explain meanings and linguistic origins. Each entry offers etymological analysis tracing terms to Germanic dialects, Low German, Romance languages, and Latin, with historical citations and notes on semantic change. It records variant spellings, regional and archaic forms, technical distinctions, idioms, and practical seamanship senses, often illustrated by examples and cross-references. Entries treat sailing maneuvers, ship components, legal and insurance terminology, navigation and weather vocabulary, and the specialized jargon of ports and trades. The work functions as a reference that blends linguistic scholarship with maritime practice and notes corrected errata and editorial choices.

Höhe, die.

1. Die (Sonnen-)Höhe nehmen oder messen heisst die Mittagshöhe der Sonne mit dem Oktanten beobachten, messen, peilen. Es geschah früher mit dem Quadranten, vorher mit dem Jakobsstab.

2. Seehöhe. In diesem Sinne bei Luther, Luc. V. 4: „Fahre auf die Höhe und werfet eure Netze aus.‟ Hierüber äussert sich Breusing in der Einleitung zum „Seebuch‟: „Die Gesetze der Perspektive fordern, daß bei Abbildung einer von oben gesehenen ebenen Fläche die entfernteren Punkte höher liegen als die näheren. So scheint auch dem Auge der am Strande Stehenden die See wie ein Hügel aufzusteigen, und ein Schiff, welches sich vom Strande entfernt, hat diesen Hügel hinaufzufahren. Von dieser Anschauung geleitet nennt der Seemann das äusserste dem Auge sichtbare Wasser die „Seehöhe‟, und das in dieser Entfernung oder Höhe befindliche Schiff ist boven, während das dem Strande nahe als unten erscheint. Dem niederdeutschen boven entspricht das oberdeutsche „ob‟, z. B. in Obwalden, d. h. Land oberhalb des Waldes, und in Land ob der Ens, d. h. oberhalb der Ens, und das englische off. In der hochdeutschen Schriftsprache ist uns das Wort (nämlich boven) leider abhanden gekommen, welches vollständig durch: „auf Seehöhe in der Nähe von‟ oder kurz durch „auf der Höhe von‟ wiederzugeben wäre‟. So treffend hiervon manches ist, so ist doch der Unterschied von „Seehöhe‟ und „auf der Höhe von‟ nicht festgehalten. Und das muss er werden, denn wenn einer sagt: „ich bin jetzt auf der Höhe von Kap Skagen‟, so meint er nicht die (vermeintliche) perspektive Höhe, sondern etwas ganz Reelles und Wirkliches, nämlich dass er nun „frei‟ von Kap Skagen ist und seinen Kurs ändern kann, was besonders angenehm ist, wenn man sich mühsam auf solche Höhe aufgekreuzt hat und nun abhalten darf. Das ist eine andere Höhe als wenn Christus zu Petrus sagt: „Fahre auf die Höhe!‟ nämlich

3. „Höhe von‟ das heisst

(a) die Höhe eines Vorgebirges haben, nämlich  —  vgl. das eben unter 2 Gesagte  —  sich soweit luvwärts von dem Vorgebirge befinden, dass man dasselbe umsegeln kann.

(b) die Höhe einer Insel oder einer Stadt haben heisst mit ihr auf demselben Breite- bezw. Längegrade sein. „Wir befanden uns auf der Höhe von Bermuda‟; „wir waren gerade auf der Höhe von Habana.‟

Von hohem dichterischem Schwunge ist das Bild unter dem im Beówulf das Meer headu genannt wird. Head heisst hoch. Ob nun das Meer schlechthin hoch und erhaben genannt sein soll, oder ob dabei an die Höhe wie bei Petri Fischzug gedacht ist, bleibt natürlich dichterischem Verständnis überlassen. Ich möchte mich für das Letztere entscheiden, und zwar wegen der Zusammensetzung headu-lidend, welches Seegänger heisst, also einen Mann bedeutet, der auf die Höhe, auf die hohe See, auf grosser Fahrt fährt, im Gegensatze zu einem Binnenschiffer.

Hohe See, die.

1. Es ist hohe See, es steht hohe See, heisst: die Wellen gehen hoch, das Meer ist sehr bewegt, nicht von kleinen, unruhigen Wellen, die ein frisch aufgekommener Wind erzeugt, sondern von den großen lang dahinrollenden, durch anhaltendes Wehen erzeugten Ozeanwogen. Diese nennt man auch „Hohle See‟ namentlich wenn ihr Erzeuger sich bereits gelegt hat; hohl im Sinne einer Höhle, mit der man bei einiger Einbildungskraft und gutem Willen wohl das zwischen zwei hohen Wellenbergen gelegene Wellenthal vergleichen kann.

2. „Auf hoher See sein‟ wird im Gegensatz zur Küste gesagt, vgl. Höhe 2. Wann die hohe See anfängt, ist nach Seemeilen nicht mathematisch genau zu sagen. Es beruht auf dem Gefühl. Mancher wird erst von Hoher See sprechen, wenn ihm alles Land aus Sicht gekommen ist, was aber der für die Sicherheit verantwortliche Seemann ist, der betrachtet sein Schiff schon als auf Hoher See befindlich, wenn er es so weit vom Lande ab hat, dass das Land ihm nicht mehr gefährlich werden kann, dass er also ungehindert von irgend einer Küste seinen Kurs absetzen kann.

Holm, der, hieß im Mittelniederdeutschen Insel, auch in einem Flusse gelegene Insel, hauptsächlich im Ostseegebiet, doch nicht auf dasselbe beschränkt, denn „a. 1203 quemen de graven tor Hoya ut Fresslande (sic) und begunden eine festen to buwen up einen holm, so in der Wesser beflaten was.‟ Heute gebrauchen wir das Wort nur noch als Ortsbezeichnung: Bornholm, der Dänholm, Stockholm etc. etc. Im Angelsächsischen bedeutet es Meer, See; doch steht diese Bedeutung da ganz allein, so daß sie auf irgend einer Zufälligkeit beruhen mag, und uns nicht hindern kann, das Wort da hinzustellen, wohin es sprachlich gehört, zu collis, culmen.  —  Weil auf solch einem Holm häufig ein Platz zum Schiffbau sich fand, so ist das Wort auch eine der mancherlei Bezeichnungen für Werft.  —  Ein Holm ist bewachsen, vgl. Manson, See-Buch, Lübeck 1735, die Segelanweisung nach Wismar. „Die Wissenschaft oder die Märke hinein zu lauffen seynd diese: drinnen in Wißmar stehen zweene hohe Thürm, der Westere ist dick und oben stumpf, der östere schmal und spitzig, und die Kirche, da der schmalste Turm aufstehet, heist St. Nicolai-Kirche. Wenn man kommt aussen vor Hannibal, und wil ins Mittel-Tieff ein, soll man so lauften, daß man den östlichen schmalen Turm von St. Nicolai Kirchen in etwas nahe zusammen mit der westlichen Ecken von Pöel bekomme, und halte die so stehend, und gehen Süd-Südosten in und lasse Hannibal an Baackbord, und Lips, welches ist ein kleiner Graßholm, am Stührbord, von welchem Holm auf allen Seiten langer Grund ausschiest.‟  —  „Manchmal auch unbewachsen; derselbe über die Einfahrt von Gothland: „bleiben zweene kleine blosse Holmen am Baakbord.‟  —  Manchmal auch ein Berg; vergl. Lucas Janszoon Waghenaer „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, „Van daer naer de Corona zeyltmen aen S. ende S. ten O. ter tijt toe men een stuck weechs binnen den toren is, die op een ronde holm oft berch staet, so sietmen aen stuyerboort een cleyn Eyland daer een Kercxken op staet.‟

Hosenboje, die, ist eine bei den Stationen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger vorrätig gehaltene Boje, die von oben wie eine gewöhnliche Ring-Kork-Boje aussieht, ausserdem aber von unten noch mit einer Vorrichtung versehen ist, die einer Segeltuch-Badehose ähnlich sieht. Der Mann, der von einem gestrandeten Schiffe mit dem Rettungstau gerettet werden soll, hat mit den Beinen in diese Hose zu fahren, die Arme aber auf die Boje zu legen und wird so in der Boje an Land geholt.

Houari = Takelage s. sliding gunter.

Hub, der.

1. In der Hydrographie die Höhe der Flut, das Mass um das die Flut sich hebt.

2. In der Technik: Kolbenhub, Einzelhub, Hub vorwärts, Hub rückwärts, Doppelhub, Hubhöhe, Hublänge, Hubwechsel, Hubzähler etc. alles von heben, im Munde unserer seegehenden Maschinenleute dadurch etwas verundeutlicht, daß sie das b meist wie p aussprechen und Hup mit sehr langem u sagen, wodurch das Wort einen englischen Eindruck macht.

Huk, die, heißt seemännisch eine Landzunge oder Landspitze, eine etwas vorspringende Küste; sonst auch Ecke, Winkel, ferner Angel, Türangel, Fischangel im Niederdeutschen. Die Nordsee bevorzugt Huk, Huk von Logum, Huk von Holland (geschrieben hoek, ausgesprochen Huk), Fährhuk (die Stelle an der der Kriegshafen Wilhelmshaven erbaut wurde); die Ostsee bevorzugt das Spitze bedeutende  —  ort: Friedrichsort, Darßerort, Brüsterort. Schon im „Seebuch‟ (1400) heißt huk und huek die Spitze eines Vorgebirges, Landspitze  — , „men moet den huek schuwen unde lede den by den lode uppe 5 ofte 6 vademe‟; „de wil setten unter de cape Vincentz, de sal den ersten huk laten liggen und segelen bet under den anderen huk.‟  —  Kommt von der Wurzel kuc, biegen, krümmen, ist also genau genommen eine Stelle, wo man um die Ecke biegt, so daß man dann „under‟ ist wo man vorher boven war; siehe „Höhe.‟  —  Auch das äußerste Ende eines Bollwerks kann man Huk nennen; vergl. Manson, Seebuch, 1735: „Wil man auch in Travemünde einsegeln, so stehen Westen bey die andern Häuser in Travemünde 3 oder 4 dwaß Häuser, unter einem Dach, so daß man von das Norderste den weissen Giebel sehen kann, bringet den Hueck vons Osten Bollwerk, und dem Giebel überein, dar ist das Tieffste Wasser.‟  —  Huker ist ein breit und plump gebautes Nordseeschiff, wahrscheinlich ursprünglich ein Schiff zum Fangen von Fischen mit der Huk, der Schellfischangel.

Hulk, die, heißt jetzt ein altes, für seinen Zweck nicht mehr gebrauchtes Schiff, das als Kaserne, Werkstatt, zu Unterrichtszwecken benützt wird. Das Wort ist heruntergekommen, denn im Mittelniederdeutschen war eine Hulk oder Holk etwas ganz anderes, Höheres, nämlich ein großer Kauffahrer, den die Schiffsbesichtigungskommission, wenn es damals schon eine gegeben hätte, hätte im Auge behalten müssen, denn er war so gebaut, daß er leicht als Kriegsschiff eingerichtet werden konnte. „Unde wunnen ene af dre grote holke unde etlicke andere clene schepe.‟ „Aldus quemen dar twe grote holke.‟ „De Lübeschen hadden by der borch ein gros schip, eynen holck.‟ „Eyn schipher van Lubeke seghelde myt eneme groten holke wol geladen.‟ (Lüb. Chron.) „Dar bleff eine nye holcke van Lubeck van 300 lasten.‟ Das Geschlecht wechselt also zwischen männlich und weiblich; jetzt ist es weiblich. Kilian, der mehr nach dem Niederländischen neigt, hat die Form hulcke: koop-vaerders schip = Holcas, navis oneraria, gravis, frumentaria, lata, navigium latum vastumque. Das „Bremer Wörterbuch‟ übersetzt Holk mit Kauffahrer: „1445 fingen die Bremer einen Holck mit Ledder‟ ... „Se nehmen ock einen Holck mit Figen, Rosinen und anderen Guderen.‟ Der Name stammt ans dem Griechischen: helkein, ziehen, holke das Ziehen, holkus der Zug, so daß wir uns die Hulk ursprünglich als gezogenes, getreideltes (Fluß-)Schiff zu denken haben. Als seegehendes Schiff ist es aber bereits durch eine Urkunde König Aethelreds (978-1016) bezeugt: „si adveniat ceol vel hulcus et ibi jaceat 4 denarii ad telonium.‟

Hundewache, die, auf deutschen Kriegsschiffen die Wache von 12 bis 4 Uhr nachts. (Anderweitig wird andere Wachzeit so genannt.) Das Wort hat mit Hund nichts zu tun, sondern ist nur eine volksetymologische Anlehnung daran, etwa mit dem Gedankengang: nachts von 12 bis 4 sollte man keinen Hund in Sturm und Wetter hinausjagen. Es ist wohl eigentlich Hintewache. In ganz Deutschland sagt man für „heute Nacht‟ heint oder hint, auch heinte oder hinte, wie man für „dieses Jahr‟ heuer sagt, diesjährig heurig; Hintewache ist also = „Heutnachtwache‟; wer sie einmal gegangen ist in stürmischer Finsternis, der wird von der Form Hundewache nicht befremdet sein.

Hundspünt, der, das spitz zulaufende Ende eines Taus um das eine Art Gewebe oder Netz gelegt ist. Solche Taue läßt man in der Form eines Hundspüntes auslaufen, die man häufiger durch eine enge Öffnung stecken muß, weil sie ohne diese Vorsichtsmaßregel auf die Dauer in ihre einzelnen Duchten auseinander gehen, sich „aufrebbeln‟ würden; = penis eines Hundes. Früher war auch Hundsfott im seemännischen Gebrauch für einen kleinen Stropp. Doch wird es jetzt selten gehört, außer etwa in der Bedeutung des Schimpfwortes, das freilich auch so lange die Studenten ihren Landesvater steigen lassen nicht aus dem deutschen Sprachgebrauch schwinden wird; „ein Hundsfott der ihn schimpfen soll.‟

Hüsing, das, eine Art dicken, starken Bindfadens, eine schön fest gedrehte Schnur, ein dünnes festes Seil, eine dünne aus drei Garnen geschlagene Leine oder wie man es nennen will, der Seemann nennts eben Hüsing. Das Wort kommt nur bei den an der Nordsee wohnenden Seeleuten vor, hier aber auch bei allen, und sonst nirgends; es muß also an den Nordseeküsten seinen Ursprung haben. Doornkaat vermutet daher wohl mit Recht, daß es ursprünglich eine Leine bedeutet habe mit der die Husen oder Hausen (von denen die Hausenblase kommt) gefangen werden. Eine gewöhnliche Angelschnur genügt zu diesem Zwecke nicht und es muß also etwas stärkeres genommen werden. Diese Vermutung erhält eine wesentliche Stütze durch die Verbindung die das Wort in Groningen eingegangen ist: huzelntau, huzelingtau (z = s), wie denn auch Molena („Groningische Mundart‟) sich die Vermutung Doornkaats angeeignet hat.

Hütte, die, war lange Zeit der vornehmste Raum an Bord, auch auf Kriegschiffen, nämlich der Aufbau, das „oberste Stockwerk‟ des Hinterschiffes, also der Raum unter der Kampanje, wo die Kapitänskajüte und (die) Kammern der Offiziere waren. „Durchl. Seehelden‟: „Der gute Admiral Lieutenant Tromp ward als er von der Hütte gieng geschossen; da er niederfiel ward er wieder aufgehoben, und auf Kissen in der Hütte niedergeleget, und starb mit diesen Worten im Munde: Ich habe gethan, halt guten Muth, o Herr sey mir und diesem armen Volck gnädig.‟ Das hat sich inzwischen durch den veränderten Schiffbau geändert, man hört das Wort kaum mehr außer in Holland, aber auch da bedeutet es nicht mehr was es früher bedeutete, sondern nur „een verblyfplaats der stuurlieden en andere mindere bevelhebbers‟, also nicht grade das „Logis des Volks‟, aber doch auch nicht mehr die Kajüte des Kapitäns, sondern etwa Unteroffiziermesse. Das geht auch aus dem wahren Sinne des seemännischen Sprichworts hervor, das Lüpkes, „Seemannssprüche‟ S. 44 angeführt: „Als het in die Kajuit regent, dan druipt het in de hut.‟ Das heißt aber nicht bloß, daß, wenn die Höheren leiden, die Niederen in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern daß es diese in verstärktem Maße trifft, wie man sagt „Aus dem Regen in die Traufe kommen‟; die Meinung ist die: Wenn der Kapitän den Steuermann in die Kajüte bittet und ihm da etwas vorhält etwa mit den Worten: „ich muß doch bitten‟, so gibt der diese „Bitte‟ mit einem saftigen Donnerwetter weiter an die Leute in der Hütte.

J.

ja! ja! Der Posten an Bord ruft nachts ein dem Schiff sich näherndes Boot an: „Boot ahoi!‟ Für die Antwort aus dem Boot kommt es darauf an, wer darin sitzt. Ist es der Kommandant so wird der Name des Schiffes gerufen, ist es ein Offizier oder im Offiziersrang stehender Beamter, so lautet die Antwort ja! ja! Ist niemand von diesem Range im Boot, so wird nein! nein! gerufen.  —  Es wird dabei an das, was an Bord zum Empfang des Bootes zu geschehen hat, gedacht worden sein, besonders auch um anzugeben, an welcher Seite des Schiffes das Boot anlegen wird, da nur die Offiziere etc. etc. an Steuerbord, alle andern an Backbord anlegen dürfen, bezw. müssen.

Jacht, die, eigentlich nur ein einmastiges aber schnellsegelndes kleines Schiff. Holländisch jagt: „een jagtschip voor den pronk en het gemak. Van jagen, omdat het snel zeilt, of schielyk voortgetrokken wordt; avysjagt, oorlogsjagt, speeljagt, trekjagt, Zeiljagt enz.‟ In Ostfriesland ist jachtje ein Fuhrwerk, Pferd und Wagen zusammen, so wie es sich auf der Landstraße zeigt. Auf Wangerooge jacht, mit einem Mast. Kilian: jaght = Liburnica, (Liburnen hießen die von den Illyriern erfundenen Schnellsegler) celox navis praedatoria piratica, myoparo, piraticus myoparo, navis triremis forma, incredibilis celeritatis. Die Seeräuber haben von jeher gehabt und mußten der Natur der Sache nach haben die schnellsten Schiffe.  —  Unter dem „Schiffzeug auff der Donauw‟ das 1565 Frohnsperger anführt, kommen unter anderm vor: „weiter über die hundert guter ziemlicher ander Schiff, auch groß klein und ander Nachen, Renn und Jagschiff, so gleicher gestalt mit aller notturfft zu der Wehr und Streit gegen den Erbfeind (Türken) verordnet.‟ Eine nordische Expedition die 1594 von Holland aus über „Nova Zembla‟ hinaus unternommen und von Johann Huygen, einem der Teilhaber, beschrieben worden ist, bestand aus drei Schiffen. „Auf dem Schiff von Amsterdam war Schiffer und Steuer Mann, Wilhelm Barentz von der Schelling, Bürger zu Amsterdam, ein erfahrener und wohl versuchter Seemann. Der hatte ein Schellinger Fischer-Jacht bey sich, ihn auf seiner fürgenommenen Reyse, wenn er etwa von den andern solte abkommen, Gesellschaft zu halten‟. Ob er diese Jacht an Deck genommen hatte? Jedenfalls führte das Admiralsschiff eine Jacht an Bord mit, die ausgesetzt werden konnte. „Mittlerweile daß sie also durch das Eiß hinfuhren, sahen sie etliche Morsen oder Meer-Pferde auf den Eißschollen liegen; Einer von deß Admirals Volck schoß einen davon mit einer Kugel, und weil sie vermeynten, daß er dasselbe genug getroffen, setzten sie die Jacht auss, und verfolgten es so nahe, daß sie ihm noch ein Harpun in den Leib wurfen, und also eine gute Weile mit genügsamer Leine nachschleppten; gleichwol konnten sie es dennoch nicht überwältigen, weil es sich so gewaltig wehrte, daß es allen, die in der Jacht waren zu thun genug machte, ja gegen sie anflohe, die Hacken samt den Rudern, damit sie wieder dasselbige sich widersetzten, mit seinen Pfoten ergriff, und die Eisen gantz krum biß, seine Zähne über den Bord hin schlug, die Schuyte umzureißen.‟ Es wird also hier Jacht und Schuyt (Schute) gleichbedeutend gebraucht. Doch waren unter Admiral Piet (Peter) Heyn Jachten ganz ansehnliche Kriegsschiffe. „Die Jacht der Windhund, fünffzig Last groß, mit zehn Stücken Geschütz und dreyssig Boots Gesellen. Die Jacht der Hase, von sechzig Lasten, zehn Stücken und vierzig Bootsgesellen führend.‟ „Die Jacht Armuyden, von neunzig Lasten, mit zehen Stücken und vier und fünfzig Matrosen‟. „Die Jacht der David von sechzig Last, mit vierzehn Stücken, sechs Steinstücken, und zweiundvierzig Bootsgesellen.‟ Die große Jacht der Holländischen Ostindischen Kompagnie vom Jahre 1671 avoit 66 piés de long, 19 piés de large, et 6 piés de creux sous les goutieres.‟ „L'étrave avoit 9 pouces d'épais endedans, 6 pouces en-dehors, 2 piés 3 quarts de large par le bas, 2 piés et un quart par le haut, 12 piés de hauteur, 10 piés de quete; la quille 12 pouces de large et 10 pouces d'épais u. s. w. Siehe Aubin, wo auch alle übrigen Maße ausführlich angegeben sind. Die „Heere Jacht‟ die er abbildet ist ein ganz ansehnliches Schiff mit hohem stark vornüber neigendem Mast. Bemerkenswert ist, daß schon vor zweihundert Jahren das Wort französisch Yacht geschrieben wurde und daß auch damals in Holland neben Jacht, Jagt, die Form Yacht gebräuchlich war. Diese ist also nicht etwa englisch, sondern die Engländer haben den Namen mitsamt der Sache aus Holland bekommen. Daß sie sowohl, wie die Franzosen, Yacht und nicht Jacht wählten, geschah aus Gründen der Aussprache, wie hätten die Engländer, wie vollends die Franzosen Jacht aussprechen sollen?  —  In unserem gegenwärtigen neuhochdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch wird das Wort  —  Jacht geschrieben und leider noch immer oft Jot gesprochen  —  kaum anders als in diesem Sinne gebraucht: „a light and elegantly fitted up vessel, used either for pleasure trips or racing, or as a vessel of state to convey kings, princes etc. etc. from one place to another by sea. There are two distinct species of yacht: the mere racer with enormous spars and sails and deeply-ballasted hull, with fine lines, but sacrificing everything to speed; and the elegant, commodious, well-proportioned travelling-yacht, often with steam propelling machinery, fit for a voyage round the world.‟  —  Daß aber diese Art Schiffe und ihr Name aus den Niederlanden nach England kamen, beweist eine Stelle aus dem berühmten Diary des Evelyn, der unter König Karl II. von England lebte und schrieb: „I sail'd this morning with his majesty in one of his yachts, (or pleasure-boats), vessels not known us till the Dutch E. India Company presented that curious piece to the king‟, dessen Nichte Maria mit Wilhelm III. von Oranien sich verheiratete und mit ihrem Gemahl später (1689) den englischen Thron bestieg. Roeding (1794) beschreibt Bauart und Takelage der Jachten und fügt dann hinzu: „Man gebraucht die Jachten, die sehr schnell segeln, auch Nachrichten, Paquete und Briefe von einem Ort zum andern zu bringen, und solche nennt man Advisjachten und Postjachten. Etliche Städte und große Herren unterhalten auch Jachten zu ihrer Belustigung, die man Herrenjachten oder Spieljachten nennt.‟  —  Es ist bei der Erklärung festzuhalten, daß jagen zunächst nicht „auf die Jagd gehen‟ bedeutete, sondern sich schnell vorwärts bewegen, eilen, rasch laufen, wie es ja auch heute noch gebraucht wird; daher jach, jäh, jählings. Graff vermutet, das althochdeutsche jagon könne eine aspirirte Form von agan sein, was dann mit dem gotischen ogan, timere, und agian, terrere, verwandt wäre, sowie mit dem althochdeutschen egi, timor. Dann wäre Aegir (Oegir), der Meergott, ein Jäger, einer der die Elemente Wasser und Luft im Sturm vor sich herjagt.  —  Früher gab es im Niederdeutschen auch die Form jageschip für schnelles Seeräuberschiff; „seerovers mit klenen jageschepen.‟

Jackstag, das, besteht (Dick u. Kretschmer II 126) aus zwei mit eingesplißten Augen auf den Rahenocken aufgestreiften Drahtenden, welche durch die an der Oberkante der Verstärkungsringe der Rahe angeschweißten Augen nach der Rahemitte fahren und hier, nachdem in jedes derselben eine Kausch eingebunden, an der Achterkante der Rahtakelblöcke durch einen Taljereep miteinander verbunden werden. Das Jackstag dient zum Annähen des oberen Segellieks.  —  Obgleich oder vielmehr gerade weil jack als Abkürzung von Jakob im Englischen in so unzähligen Zusammensetzungen vorkommt, gewährt es für die Erklärung keinen Anhaltspunkt. Es bedarf dessen aber auch nicht, das Wort läßt sich aus dem Deutschen erklären. Es ist davon auszugehen, daß das Jagstack aus zwei Stücken besteht, die sich von zwei Seiten einander nähern da, wo sie sich am nächsten kommen, miteinander verbunden sind, wie zwei in einem Joche gehende Ochsen. Und an ein Joch, niederdeutsch juk (vergl. Juchart), denken wir, dem die Wurzel yug, fesseln, binden, verbinden, zusammenbinden zu Grunde liegt. Eben durch solches Zusammenbinden der beiden  —  an Backbord, an Steuerbord befindlichen  —  Teile entsteht ein Jackstag. Das müßte also eigentlich Jukstag heißen und hat wohl auch ursprünglich so geheißen, namentlich im Niederländischen; von daher haben es die Engländer übernommen und, wie sie denn auf Verbindungen aus jack geradezu versessen sind, so haben sie jackstag daraus gemacht. Wir aber haben es in dieser Form wieder zurückempfangen, sodaß dieses Wort dieselbe Geschichte hat wie das vorhergehende.

Jager, der, das allervorderste Segel des „Vorgeschirrs‟, am verlängerten Bugspriet, dem Jagerbaum. Früher hießen auf Kriegsschiffen die beiden Kanonen, die zuvorderst am Vorsteven standen, Jager, weil sie bei der Jagd auf ein feindliches Schiff besonders gebraucht wurden. Daß gerade das vorderste Segel jetzt Jager heißt, ist sinnreich und bedeutungsvoll dem Namen der beiden Kanonen nachgebildet. Daß dabei wirklich an Jagd im Sinne von „ein Wild jagen‟ gedacht ist und nicht bloß an „schnell fahren‟, beweist ein doppelter Umstand. Einmal der, daß im Niederländischen der Junge, der beim Treideln der Treckschuit das Pferd antreibt, jager heißt, gewöhnlich, weil er noch ein Piccolo ist, „het jagertje‟. Vgl. die Nota beim Teuthonista: „dyt Jagen mach men oick op drijven duytschen.‟ Zum andern aber steckt in dem englischen Wort für Jager, jib, dieselbe Gedankenverbindung. Altfranzösisch heißt aler gibier, aler en gibier, être en gibier jagen, Vögel jagen; daher das neufranzösische gibier, Wildbret. Gibet, Galgen, soll eigentlich „Strick um den Hals‟ bedeuten, sodaß der Gedanke an eine Vogelschlinge nahe liegt.  — Wie ein Jäger in manchen oberdeutschen Dialekten ein „Jächter‟ heißt, so heißt unser Jager auf Wangerooge (die Schreibart mit e am Schlusse ist entgegen der preußischen von Langeoog und Spickeroog die offizielle oldenburgische) jageder.

Jakobsleiter, die, eine Strickleiter hoch oben an der Bramstenge, auf der die Oberbramsegelsgäste zu ihrer Oberbramrahe aufentern. Die Benennung dürfte, wie auch Jakobsstab, von den sehr bibelfesten reformierten Niederländern aufgebracht worden sein. Sie bezieht sich auf die von Jakob im Traum gesehene Himmelsleiter, Genesis 28, 12.

Jakobsstab, der. Das Werkzeug, dessen sich die Astronomie vor Zeiten bediente, um die Sonnenhöhe zu beobachten. Auf dem Titelbild des Dictionaire de Marine von Aubin, Amsterdam 1702 ist eine Amsterdamer Werft abgebildet, auf der man unter allerlei sonstigen seemännischen Gerätschaften einen Jakobsstab liegen sieht; und rechts, auf dem Wappen von Amsterdam sitzt einer, der gerade im Begriff ist, mit einem solchen die Sonne zu messen; demgemäß hält er den dreifach gekreuzten Stab so in die Höhe, daß er sinnreich und bedeutungsvoll den Mittelpunkt des ganzen Bildes bildet. Der Name stammt, wie Jakobsleiter, aus der Bibel, Genesis 32, 11: „ich hatte nicht mehr als diesen Stab, da ich über diesen Jordan ging.‟ Auch auf dem Titelbild der Seekarten Waghenaer's Amsterdam 1588 steht am Heck eines alle Leinwand zeigenden Schiffes ein Mann im Begriff, mit dem Jakobsstab zu beobachten.

Jan Maat ist eine scherzhafte, volkstümliche Bezeichnung für Matrose im niederdeutsch-niederländischen Sprachgebiet. Hier bedeutet Jan eine Abkürzung des ungemein beliebten und häufigen Namens Johannes, die aber kaum als eine solche empfunden wird, sondern als ganz selbständiger Name auftritt. Maat aber heißt Geselle, Genosse. Ein berühmter Sänger unserer Tage singt ein reizendes kleines Lied von einem Mädchen, das von verschiedenen „Fahrenden‟ gefragt wird, ob es mitfahren wolle. Jan Maat fragt auch; da aber der Sänger „Jean‟ Maat ausspricht, als ob es französisch wäre, geht ein gut Teil der Wirkung des Liedes verloren.

Jiggermast, der, ist etwas Neumodisches, nämlich der zweithinterste Mast eines Fünfmastschiffes. Im Englischen heißt das, was wir Treiber nennen, nämlich ein (Mast mit) Segel ganz hinten am Heck, jigger, von to jig = rütteln, schütteln oder vielmehr wackeln. Die Bewegungen des Schiffes (ganz vorn und) ganz hinten werden am meisten empfunden und fallen am sichtbarsten in die Augen. Offenbar heißt darum der so weit hinten stehende Treiber jigger; Jiggermast würde also der gerüttelte, geschüttelte, wackelnde Mast sein.

Jnglefieldanker s. Anker.

Jnhölzer, die. Der gemeinschaftliche Name für alle einzelnen Stücke, aus denen ein Spant besteht, nämlich die Bauchstücke und Piekstücke mit ihren Sitzern und Auflangern.

Joch, das. Wie alles im Schiffbau, so hat auch die Ruderpinne in unserer Zeit gewaltige Veränderungen erfahren, so daß von der ursprünglichen Pinne auf vielen Schiffen gar nichts mehr übrig geblieben ist. Man hat an ihre Stelle einen Kreissektor, einen ganzen Kreis, ein Parallelogramm gesetzt, und die einfachste Verbesserung ist noch die, daß man anstatt der Pinne zwei Jocharme auf die Ruderspindel gesetzt hat, an denen das Ruderreep befestigt ist. Dieses Joch bedeutet grosse Kraftersparnis und Sicherheit. Früher nannte man Ruderjoche zwei Taljen, die die Ruderpinne bei schwerem Wetter halten halfen.

Jolle, die, heißt jetzt ein kleines Schiffsbeiboot das gewöhnlich gerudert wird, aber auch segeln kann und besonders als Kochboot für Köche und Stewards dient, auch gebraucht wird um Beurlaubte in geringerer Zahl an Land zu bringen oder wieder abzuholen, überhaupt ein Arbeitsboot, kurz aber ziemlich breit. Zu dem angegebenen Zwecke dient die Jolle schon seit Jahrhunderten. „Aldus was gemelte H. K. szulffander mith eynere jollen ilendes in de hauene nha zodaneme schepken gefaren‟ (aus Wismar 1520). Ostfriesisch jul, jülle, niederländisch jol, wangerländisch jel, auf der Spree gelle, sonst niederdeutsch auch golle und jölle, (g und j läßt sich oft nicht auseinanderhalten); dänisch jolle, englisch yawl, schwedisch jelle, julle, französisch jelle, jol. Wegen der Formen mit g im Anlaut ist Herkunft vom griechischen gaulos nicht unwahrscheinlich. Und zwar würde sogar die Form heute noch stimmen, da gaulos ein ovales phönizisches Lastschiff war. Ob nun die Friesen und Sachsen, die frühe schon die französischen Küsten mit ihren Schiffen befuhren, das inzwischen durchs Lateinische und Provençalische ins Französische gedrungene Wort mit heimgeführt haben, ob vielleicht in uralten Tagen schon die Phönizier selbst es an den Küsten der Nordsee zurückgelassen haben, das wird sich schwer entscheiden lassen. Jedenfalls hat es schon früh einen Zeitpunkt gegeben, wo die Jolle im Gedankengang deutscher Seeleute eine bedeutende Rolle spielte, da sie den einfachsten Flaschenzug nach ihr Jolltau, Jollentau auch kurzweg Jolle nannten.

Jollentau, Jolltau, Jolle, die, ein Tau über eine Scheibe laufend. Schon mit einem solchen kann sich ein Mann selbst in die Höhe winden. Zunächst wird man nach dem (Schiffs)boot, das den Namen Jolle führt ein Haupttau desselben Jollen-oder Jolltau genannt haben, und erst hieraus ist der Kürze wegen Jolle entstanden, dessen Bedeutung zunächst allgemein Bootstau war, aber nach und nach auf ein besonderes Tau eingeschränkt wurde, wie Hochzeit ursprünglich jede Freudenzeit hieß und hernach auf eine große Freudenzeit des Lebens beschränkt wurde.

Junge, der. Ein Schiffsjunge ist heutzutage etwas anderes als vor hundert Jahren ein Junge auf dem Schiffe war. Von diesem schreibt Roeding, daß solcher ein Knabe von 7-9 Jahren sei, der dem Kapitän und den übrigen Schiffsoffizieren zur Aufwartung diene. „Auf Kauffahrern trifft man gewöhnlich nur einen Kajütsjungen oder Kajütswächter an, für den Kapitän. Auf großen Schiffen aber befindet sich außer dem Kajütswächter noch ein Hofmeister, auch halten sich mehrere Schiffsoffiziere einen eigenen Jungen, so giebt es z. B. Bootsmannsjungen, Kochs-Jungen etc. etc. Bey jeder Back ist ebenfalls ein Junge, welcher der Backsjunge genannt wird.‟  —  Jetzt ist ein Schiffsjunge ein der Schule entwachsener junger Mensch, der zur See fährt, wohl auch einmal zu allerlei Dienstleistungen genötigt wird, aber dessen Hauptbeschäftigung doch die Erlernung der Seemannschaft und dessen Ziel die Heranbildung zum Matrosen, wo möglich zum Steuermann und Kapitän ist.  —  Die Schiffsjungen der Kaiserlichen Marine sind junge, konfirmierte Burschen, die im Schiffsjungen-Institut, 24. April 1850 gegründet, auf Staatskosten so im Seemännischen und Militärischen ausgebildet werden, daß sie einmal brauchbare Unteroffiziere, und, wenn sie sich dazu eignen, Deckoffiziere werden können.

Jungfer, die, ein Block ohne Scheibe, rund, breit, wie eine abgeplattete Kugel, mit drei Löchern in Gestalt eines Dreiecks; dient hauptsächlich dazu die Hofttaue der Wanten anzusetzen. Mit einigem guten Willen kann man in dem Block das rundliche Gesicht einer Jungfrau sich vorstellen. Andere Nationen haben ihrer Einbildungskraft eine andere Richtung gegeben; die Franzosen sagen, was vielleicht noch treffender ist, cap de mouton, Schafskopf, auch, weil der Block schwarz ist, cap de more, Mohrenkopf; die Holländer sagen neben juffer = Jungfer, dood-mans-oog, eines toten Mannes Auge; die romanischen Sprachen sagen bigota, wohl mit bigote = Knebelbart eins, haben also auch an das Gesicht eines Mannes, aber eines lebendigen, gedacht. Die entsprechenden drei Löcher einer Kokosnuß nennen die Engländer sehr bezeichnend monkey.

Jungmann, der, ist ein eigentümlicher Mensch, kein Junge mehr und noch kein Mann, noch kein seebefahrener Vollmatrose, aber auch kein Schiffsjunge mehr = ein Jungmatrose. Seit die Marine die Ausbildung im Schiffsjungeninstitut abgekürzt hat, gibt es auch hier Jungmatrosen, die aber den Namen Leichtmatrosen führen, weil sie noch nicht ganz für voll, eigentlich schwer genug befunden werden.

Jütte, taube s. Davit.

K.

Kabbelung, die, gewöhnlich in der Verbindung Stromkabbelung, das Zusammentreffen zweier Strömungen, der Streifen auf dem die Grenzen der zwei Strömungen an einanderschlagen und ein hörbares Geräusch verursachen. Kabbeln ist ein lautmalendes Wort, das schlagen, anschlagen, plätschern, klatschen bedeutet; „wenn die Wellen von zwei Seiten gegen einander schlagen und klatschen‟; dann auch im übertragenen Sinne, aber nicht in dem von klatschen = schwätzen, nachsagen, sondern in dem von laut zanken, streiten, keifen; „sich kabbeln‟ = sich streiten. Indessen wird kabbeln nicht nur von dem Sichbegegnen zweier Strömungen, sondern auch überhaupt von dem Anschlagen des Wassers an irgend einen harten Gegenstand gebraucht.

Kabel, das, ist ein starkes Tau, früher anstatt der jetzigen Ankerkette als Ankertau gebraucht, eine Trosse, Kabeltrosse; jetzt besonders wichtig unterseeisches, transatlantisches Telegraphenkabel.  —  Lübeckische Chronik: „dat groteste schip konden se nicht weg bryngen, wente syn kabel was gehouwen.‟ Ein Tanz der Matrosen hieß kabeldanz, Renner, Brem. Chron.: „Dar dantzeden de boetslude den kabeldantz etlicke mahl, welches den commissarien seltzam was, doch woll gefell.‟  —  Der Teuthonista schreibt: „cabel = lyn, reep, seel, to vo dair mede men eyn schyp an dat lant vestiget offte merret.‟ Die Form cabel erinnert durch das c an den Ursprung des Wortes, griechisch kaplion; lateinisch capulum, caplum, abgeleitet von capere, fassen, halten. So ist das Wort schon vor bald 13 Jahrhunderten erklärt worden. Isidor von Sevilla, geb. 560, gest. 636 n. Chr., der die Westgothen in Spanien zur katholischen Kirche zu bekehren suchte, und der das große Verdienst hat der germanischen Welt durch seine schriftstellerische Tätigkeit die klassische und patristische Gelehrsamkeit übermittelt zu haben, dessen Werke auch das ganze Wissen jener Zeit enthalten, hat zwar nicht die ihm nachgesagten „Pseudoisidorischen Dekretalen,‟ wohl aber ein großes Werk „Origines s. Etymologiae‟ geschrieben, eine Art Encyklopädie. Da lesen wir: „capulum funis a capiendo.‟

Kabelaring, die, kommt seit Einführung der Ankerkette an Stelle des Ankerkabels kaum mehr vor, war aber früher nötig, da man die dicken Ankertrossen selbst nicht gut um das Spill legen konnte wenn man Anker lichten wollte. Da wurde denn ein dünnes Tau an das Kabel befestigt und mit dem Spill eingewunden, so daß dann das dicke mit hereinkam. Eine Weiterbildung von Kabel. Bei Roeding ist eine sehr deutliche Abbildung und Beschreibung; da die Sache veraltet, tut eine solche hier wohl nicht not.

Kabelgarn, das, s. Garn.

Kabellänge, die, war früher ein vielgebrauchtes Maß zur See und ist auch jetzt noch im Gebrauch, wenn es sich nicht um genaue Angaben, sondern ungefähre Schätzung handelt.  —  Jetzt wird auch zur See nach Metern gerechnet. Es war aber auch zur Zeit der Herrschaft der Kabellänge nicht einheitlich genau bestimmt, was oder wie lang eine solche wäre. Es gab Ankerkabel von 150, es gab auch solche von 120 „Faden‟; doch waren erstere die normaleren. Schon 1588 finden wir das Wort bei Waghenaer: „Item om die Voort te treffen, so sult gy op twe Cabels lengte by de Clippen van de Backovens lancx zeylen.‟

Kabine, die, nur im Sprachgebrauch der Handelsmarine vorkommend, Wohn- und Schlafraum eines Offiziers oder Passagiers; auf Kriegsschiffen ausschließlich Kammer genannt. Das Wort stammt aus dem Keltischen, wo cab Zelt oder Hütte hieß. Das Bremer Wörterbuch hat die Form cave und bezeichnet damit eine von Latten und Brettern umschlossene Ecke, wo man Vieh hinstellt; also nicht den ganzen Stall, sondern einen Teil vom Ganzen, einen Koben, einen Schweinekoben. „Wenn der Bauer sein Kind etwa liebkosend zwischen beiden Knien einschließt, so spricht er: „ik hebbe den Jungen im Kaven‟.‟  —  angelsächsisch cofa, englisch cabin. Eine Kabine konnte um so eher nach einem Kaven genannt werden als eine solche ursprünglich kein so eleganter Raum war, sondern schmucklos aus ein paar Brettern zusammengezimmert. Eine scherzhafte und verächtliche Weiterbildung ist Kabuf und Kabache.  —  Ueber das Wort cab äußert sich Diefenbach, Celtica p. 118: cab ist ein uraltes kymrisches Wort und bedeutet Hütte, Zelt; im Breizonek (Bas-Breton, Mündungsgebiet der Loire): caban, cabannen = cabane. Die Briten haben also auf der Flucht nach Frankreich das Wort mit über den Kanal genommen und das Französische damit bereichert. Gälisch: caban = Hütte, Zelt. Daß das Wort im ganzen keltischen Sprachgebiet bekannt war, beweist die Bedeutung die Isidorus (Isidorus von Sevilla, gestorben 636, „originum s. etymologiarum libri XX‟) dem aus dem Keltischen ins Mittellateinische gedrungenen Worte capanna = Hütte gibt: „Hanc rustici Capannam vocant, quod unum tantum capiat‟ (!) Daher italienisch capanna Strohhütte, spanisch cabanna, französisch cabane. Vergl. Kampanje, Kambüse, Kajüte.

Kadett, der, s. Seekadett.

Kabliau, der, der bekannte große, schwere, schmackhafte Seefisch der besonders auf den Neufundlandbänken zu Millionen gefangen und meist in der Form von Stockfisch gegessen wird, gadus morrhua. Der Name Kabliau ist seit Ende des 13. Jahrhunderts bekannt und seitdem bei allen seefahrenden Germanen (mit Ausnahme der Engländer) im Gebrauch. Er ist ein sehr gefräßiger Fisch, der gierig nach allem schnappt, weshalb auf den erwähnten Neufundlandbänken oft ein Mann 400 bis 500 Stück an einem Tage fängt. Daher liegt der Schluß nahe, der Name komme von kabbeln, von einer Wurzel gabh = schnappen, beißen, klaffen; niederdeutsch heißt der Fisch kabbeljau, kabeljau. Gegen einen Krug Rum kann man von den Fischern auf der genannten Bank (viel Franzosen) eine ganze Schiffsbesatzung satt machen mit Kabliau. Im Munde des Seemanns hat sich aber das Wort darum so eingebürgert, weil jedesmal wenn das Tieflot geworfen wird einer aussingt: „Warschau von untere, Kabliau en Flundere‟, welcher Versanfang dann auch sonst gebraucht wird, wenn einer den andern „warschaut‟ (s. d.).

Kahn, der, ein in der Seemannssprache  —  außer im Scherz anstatt Schiff  —  nicht gebräuchliches Wort für Boot, beinahe ausschließlich auf Binnensee- und Flußboote beschränkt, (wie z. B. am Rhein außer den zahlreichen Landstellen für die Dampfer es auch noch viele „Kahnstationen‟ gibt, auf denen ein Kahn längsseit des stoppenden Dampfschiffs kommt). Das würde aber an sich noch kein Beweis gegen die behauptete Abstammung von dem westindischen Worte canoe sein, da das Wort doch in allen Küstenländern der Nordsee zu Hause ist, wenn nicht das Wort schon vor der Entdeckung Amerikas bekannt gewesen wäre. Nun kommt aber in einer Lübecker Urkunde vom Jahre 1342 die Stelle vor: „nemen enen kanen gheladen mit vser borgher gude.‟  —  Mittelniederländisch kaen, neuniederländisch kaan, auf Wangerooge kunne; altnordisch kani und wohl von hier aus durch die Normannen ins Altfranzösische getragen als cane, neufranzösisch canot, denn wenn es dahin direkt aus dem Lateinischen gekommen wäre, so würde von canna die altfranzösische Form canne lauten. Wir müssen daher für die Erklärung im Germanischen bleiben. Da nun im Isländischen kaena sowohl Fischerboot als auch Schöpfgefäß genannt wird, diese beiden aber in ihrer einfachsten, ursprünglichen Gestalt aus ausgehöhltem Holz bestanden, der Kahn aus einem hohlen Stamm, und das Schöpfgefäß (die Kanne) aus einem hohlen Ast, so ist als gemeinschaftlicher und ursprünglicher Begriff der von „ausgehöhlt, hohl‟ anzunehmen, und die Wurzel khan, von der dann doch auch lateinisch canna und canalis kommen, so daß also, wenn auch auf Umwegen, Kanal und Kanone und Kanne und Kahn verwandtschaftlich zusammenkommen, mit dem Familienmerkmal des Hohlen, des mit Kunst Ausgehöhlten, Ausgegrabenen.

Kaje (Kai), die. Nicht bloß eine Küste oder ein Gestade, auch nicht bloß Ufer und Ladeplatz an sich, sondern eine von Menschenhand durch ein Bollwerk oder eine Mauer befestigte und für seemännische Zwecke bequem gemachte Wasserkante.  —  Spanisch cayo, altfranzösisch caye, französisch quai, Damm an Flüssen, Deich. Niederländisch kaai, englisch kay, niederdeutsch Kaje, welche Form als die beste, bequemste und brauchbarste wieder eingeführt zu werden verdiente, wenn nicht überhaupt „der Staden‟ (s. d.) den Vorzug verdient. Das „Bremer Wörterbuch‟ gebraucht ausschließlich die Form Kaje, sie ist also vor hundert Jahren schriftdeutsch gewesen, und aus dem Munde unserer Seeleute ist sie ohnehin nie durch „Quai‟ verdrängt worden. Kilian hat die ähnliche Form, in der Aussprache aber wie Kaje lautend, Kaeye = litus, ora; es ist also ein altes, gutes, deutsches Wort. Wenn es auch aus dem Keltischen stammt, so ist es doch unserem Seemann schon vor unvordenklichen Zeiten in Fleisch und Blut übergegangen. Dietz nimmt an das kymrische Wort cae, Zaun, Umzäunung, bretonisch kae, auch Deich, sei die Grundbedeutung, und Diefenbach (Celtica 116) bestätigt das. Und zwar kommt das Wort von einem keltischen Namen, der ursprünglich Jagd bedeutet (daher italienisch und rätisch caccia, spanisch, portugiesisch caça, französisch chasse), dann Jagdgehege, hernach überhaupt einen durch einen Zaun eingeschlossenen Raum, einen Haag; bald auch Zaun überhaupt; so im Kymrischen cae = hedge, im Breizonek kae = Haag. Daraus wird dann im Breizonek Wallmauer, also schon ganz unser Fall. Kaje war also anfangs keine Mauer, sondern ein Zaun, der nach und nach von immer stärkeren Pfählen gebildet wurde, bis allmählich unser Bollwerk daraus wurde. Daß eine Mauer nicht notwendig zu einer Kaje gehört wird bewiesen dadurch, daß man ausdrücklich von einer Kai-Mauer spricht, wenn man eine solche bezeichnen will.  —  Der Übersetzer der „Durchlauchtigsten Seehelden‟ 1681 hat im Hochdeutschen durchgängig die Form „die Kay‟, z. B. wo er von der mißlungenen Unternehmung der Franzosen auf Ostende spricht (1628): „In dieser Gestalt kamen sie an die Kay, ausserhalb der Stadt, allda stiegen sie über die Fehr und andere Schiffe, die in den Haven lagen‟ ...

Kaien. Die Rahen nach der Länge des Schiffes, also parallel mit dem Kiel brassen und zugleich auftoppen; ein Manöver das auf Kriegsschiffen hauptsächlich beim Andecknehmen der Rahen ausgeführt wird, bei Handelsschiffen aber, die oft eng zusammen in einem Hafen liegen, vorgenommen wird, damit die Rahen andern Schiffen nicht im Wege sind. Weiland: „Kaaijen een seewoord, ook toppen genannt‟ geschieht „waneer het schip te veel slingert, of door eene engte moet.‟ Die nächste Bedeutung ist also die: Ein Schiff in Bezug auf seine Rahen in den Stand bringen in dem es für sich und andere am bequemsten an der Kaje liegen kann. Von dieser ersten Bedeutung (nicht nach der Zeit, sondern nach der seemännischen Schätzung ersten) kommt dann der Begriff: eine Rahe aus einer Lage in die andere bringen, auch wenn das Schiff nicht an der Kaje liegt oder durch eine Enge hindurch will, also bei dem vorher erwähnten Manöver, oder in dem Sinne wie 1699 das holländische Kaayen mit changer l'artimon übersetzt und mit „de besaan doorkaijen, of van d'eene sy tot d'andere brengen.‟  —  Die weitere Bedeutung von Kajen ist aber  —  und hierbei kommt der eigentliche Sinn von Kaje als Schutzding zur Geltung  —  schließen, dämmen, einschließen, eindämmen, mit einem Damm umgeben, abschließen, ostfriesisch inkajen, bekajen, ofkajen, umkajen.  —  Mittelniederländisch kaeijen, appelere, intrare portum (also erste Bedeutung) altfriesisch aber kaya, schließen (zweite Bedeutung), wovon kay, Schlüssel („mith fif keien te undslutane‟); englisch key.

Kajüte, die, der Raum, in dem der Kapitän haust, auf Passagierschiffen der gemeinschaftliche Raum der Kajütspassagiere. Mit Kambüse, Kabine, Koje und Kampanje verwandt, ähnlich wie Kambüse tautologische Zusammensetzung, nämlich vom keltischen cab = Bretterverschlag, und Hütte, vielleicht unter dem Einfluß des französischen cahute entstanden. Schon bei Kilian: kaiute, kaiuyte, cubile naucleri, cubiculum nauarchi, aber auch locus in navi ubi remi et gubernacula reponuntur. Im Dänischen hat sich das h von Hütte noch erhalten: kahyt.  —  Das Wort Hütte ist auch für sich allein in seemännischem Gebrauch, s. s. v.

Kalfatern, richtiger Kalfaten, heißt an einem Schiffe die Nahten (Fugen zwischen den Planken) mit Werg verstopfen, solche nachher mit kochendem Pech überziehen (und das Pech, welches neben den Nahten auf den Planken sitzen bleibt, mit Schrapern abschrapen). Das Werg wird mit den Kalfateisen, worauf mit dem Kalfathammer geschlagen wird, in die Nahten getrieben. „In Holland, Frankreich, Spanien, Portugal und in etlichen andern Ländern gibt es eigene Arbeiter, welche die Schiffe kalfaten, und solche werden Kalfaterer genannt. An solchen Orten aber, wo eben keine Kriegsschiffe erbaut werden, wie z. B. in Hamburg, verrichten die Schiffszimmerleute diese Arbeit selbst! Man braucht dazu, 1. ein Scharfeisen, die Nahten etwas zu erweitern, damit das Werg besser eindringe, 2. ein Kalfateisen, stumpf, das Werg einzutreiben, 3. ein Rabatteisen, der Länge nach einmal oder zweimal wie eine Rabatte im Garten durch eine Vertiefung geteilt, zum weiteren Eintreiben des Wergs, und 4. das Spikereisen mit einer halbrunden Schneide, das Werg bei den Spikern und hölzerne Nägeln einzuschlagen.‟  —  Mit den Nahthaken wird vorher das alte Werg aus den Nahten herausgerissen.  —  Bei großen Schiffen, deren Planken der Bordwände sehr stark sind, wird statt des Rabatteisens ein Klameieisen gebraucht, mit einem eisernen Stiel, mit dem ein Kalfaterer das Eisen auf das Werg hält, während ein anderer mit dem Moker darauf schlägt; das nennt man klameien; (Weiterbildung des niederdeutschen klam = Pressung, Druck, Drang, Zwang, weil das Werg in die Naht gezwängt, gedrängt, gepreßt wird, mit Klamm, klemmen eins). Moker aber ist ein niederdeutscher Ausdruck für einen zweischlägigen Hammer, wahrscheinlich wegen seiner an beiden Seiten abgestutzten Gestalt, wobei man an mittelhochdeutsch mocke zu denken hat. (Möglich wäre auch immerhin, daß einmal von ganz ungewohnter Seite her ein Wort in die deutsche Sprache eingedrungen wäre, nämlich aus Finnland. Breusing schreibt: „Jakob Grimm erzählt in seinem Berichte über das finnische Heldengedicht Kalewala, daß es ihm früher nicht möglich gewesen wäre, die Herkunft dieses Wortes festzustellen; nun aber zeige es sich, daß es finnischen Stammes sei, denn mou-kara bedeute malleus maximus.‟) Die Frage ist nun, was ist kalefaten für ein Wort? Es ist in der absonderlichsten Weise gedeutet worden. Schon Kilian erwähnt eine Deutung die mit kalos = schön und fat = Faß zusammenhängt. Das Bremer Wörterbuch schreibt: „Vom französischen cale, der untere Teil des Schiffes und fait von faire, machen.‟ Und Weiland hat kein Bedenken getragen, sich dieses anzueignen. Es liegt aber auf der Hand, daß davon keine Rede sein kann.  —  Hätten wir nur das lateinische calefacio oder calefacto, dann wäre die Sache einfach, denn das heißt „warm machen,‟ und der Teer oder das Pech mit dem die Nahten ausgefüllt werden, muß dazu warm gemacht werden, daher Brabank, (s. d.) der Ort wo das Kalfaten geschieht. Nun kommt aber das Arabische dazwischen und zwar nicht etwa bloß das Neuarabische, sondern ein gut altarabisches, altsemitisches Wort, das auch im Syrischen und im Targum-Aramäischen zu finden ist. Die Bedeutung ist eigentlich = „entwinden, schälen‟, dann „beschneiden,‟ dann „aufspunden‟ (den Pech- oder Lehmverschluß von einem Fasse nehmen), dann „schäumen‟ von Most; dann aber auch „ein Schiff kalfatern und teeren‟. Darnach scheint, trotz des Teerens, der Begriff des Warmmachens doch nicht besonders in dem Worte zu liegen, sondern der Hauptnachdruck auf das Arbeiten mit dem Werg gelegt werden zu müssen, da dieses doch eine Rinde darstellt, die durch Entrinden oder Schälen des Hanfs genommen wird, ja es unterscheidet sich Werg geradezu dadurch von Hanf, daß es noch nicht ganz von der Holzfaser des Hanfstängels befreit, daß diese noch nicht genügend entrindet ist. So ist denn auch die Hauptbedeutung von Kalafa: „die Ritzen eines Schiffes mit Werg verstopfen‟ und dann erst bedeutet es, weil der Teer eben auch noch dazu gehört, teeren oder verpichen. Von „wärmen‟ ist also abzusehen, es müßte denn sein, daß durch das Dichten das ganze Schiff wärmer würde, allein daran denkt kein Seemann beim Kalfaten, nicht einmal in unserem rauhen Klima, geschweige denn unter der Sonne des Südens, und demgemäß ist calefacto bei Seite zu stellen, und bis auf Weiteres, nämlich bis jemand den Zusammenhang zwischen kalafa und calefacto darlegt, müssen wir die Ähnlichkeit beider Wörter für ein zufälliges Zusammentreffen erklären und kalfaten für ein Lehnwort aus dem Arabischen ansehen  —  es gibt deren ja eine ganze Anzahl in der Seemannssprache. Zumal auch das mittelgriechische kalafatein entlehnungsverdächtig ist, das türkische kalfat aber einfach „Verstopfung‟ heißt, also mit „warm‟ nichts zu tun hat. Der Weg auf dem das Wort zu uns kam, ist durch diese Formen angedeutet: italienisch calafatare, spanisch calafatear, provençalisch calafatar, französisch calafater, niederländisch kalfateren, kalfaten.  —  Der Kalefaktor, der bei einer Behörde die Amtsstuben heizt, kann sich also nicht für einen Verwandten des Kalfaterers ausgeben.  —  In einem Briefe an Frau von Stein schreibt Goethe: „Ich kalfatere jetzt Fenster und Türen und will sehen, wie lange ich mich gegen die Unbilden der Witterung halte‟; er gebraucht auch die Wendung „ein Kleid kalfatern.‟

Kaliber, das, die innere Weite eines Geschützrohres, auch „Seele‟ genannt, oder überhaupt eines Gewehrrohres. Das Wort wird aus dem Arabischen abgeleitet, kalib = Modell, also Modell zum Gießen des Geschützes, wobei das Modell die innere Seite des Rohres bestimmt. In Frankreich heißt calibre das Modell nach dem ein Schiff gebaut wird, unser Mall. Eine andere Ableitung ist die von qua libra? d. h. „von welchem Pfund oder Gewicht?‟, wobei an die Kugel, an das Geschoß gedacht wäre; unwahrscheinlich.

Kalmen, die, sind für Segelschiffe sehr unbeliebte windstille, heiße, regenreiche Striche am Äquator, oft, weil sie sich in der Richtung desselben gürtelartig weiterziehen, auch Kalmengürtel genannt. Man denkt dabei zuerst an Windstille und verbindet in der Vorstellung viel Regen damit, die Benennung kommt aber von der Hitze. Im Spanischen und Portugiesischen heißt calma, wie auch im Italienischen, nicht bloß Windstille, Ruhe, sondern auch „heiße Tageszeit.‟ Mittellateinisch calma, die Sonnenhitze, vom griechischen kauma, Brand, Hitze, wobei die Entstehung des l aus au wohl in Anlehnung an calor geschehen ist. Die heiße Tageszeit nötigt, Schatten und Ruhe zu suchen, und so mochte das Wort die Bedeutung Stille, Ruhe entwickeln; d. h. für die Binnenländer und überhaupt die Leute am Lande; der Seemann hat das Wort wohl im umgekehrten Gedankengang in Gebrauch genommen; da es ihm zunächst und vor allen Dingen um Wind zum Vorwärtskommen zu tun ist, so hat er die erzwungene Ruhe, die lästige Windstille in den Vordergrund gestellt und denkt dabei wenig oder gar nicht mehr an die Hitze, wiewohl diese natürlich grade auf See, wo sonst der Seewind das Leben erträglich macht, ziemlich unerträglich ist. So sehr ist der Begriff Hitze zurückgetreten, daß man behaupten kann, daß in der Seemannssprache Kalmen gleichbedeutend mit Windstille sind; was schon daraus hervorgeht, daß „bekalmt‟ sein nichts weiter heißt als „ohne Wind sein‟, „in Windstille liegen‟ und auch von Segeln gesagt wird, die doch kein Gefühl für Hitze haben.

Kambüse, die, die Schiffsküche. Eigentlich Kabüse und verwandt mit Kabine als eine Weiterbildung von cab. Jetzt steht die Kambüse an irgend einem beliebigen passenden Orte im Schiffe, aber eigentlich ist sie ein Bretterverschlag an Deck, ein Decksaufbau oder Deckshaus, das früher nicht nur als Küche sondern auch als Schutz- und Zufluchtsort für die Matrosen diente, sogar auch als Raum zum Aufbewahren von Vorräten. Niederländisch kabuis und kombuis, wie Hochdeutsch neben Kambüse auch Kombüse vorkommt. Keltisch cab, davon französisch cabinet. Bei Kilian kabuyse = promptuarium, cella promptuaria, plenaria. Exedra in navi, culina nautica. Die nasalierende Weiterbildung von Kabüse zu Kambüse entspricht der französischen von cab zu chambre, sowie im Englischen dem Verhältnis von cabin zu chamber. S. Kampanje. Die Lautverschiebung Kambuse-Kombüse hängt mit der niederdeutschen dumpfen und dunklen Aussprache des a zusammen, (Korl statt Karl). Das keltische cab bedeutet Bretterverschlag;  —  üse ist die niederdeutsche Form huse für Haus mit aphäriertem Anlaut, bezw. mit Schwund des aspirierten Anlautes wegen der Zusammensetzung mit cab. Das Wort hat also ursprünglich cabhus gelautet. Die Zusammensetzung ist um so eher zu begreifen, als die Bedeutung Haus bei cab schon früh nicht mehr gefühlt wurde und man doch recht deutlich sein wollte. Ich werde in dieser Annahme durch die Tatsache bestärkt, daß im Mittelniederdeutschen das Kernhaus eines Apfels kabuse hieß.

Kambüsenbesteck, das. Am Lande haben Köchinnen ihre militärischen Freunde manchmal vielleicht nur deshalb weil hie und da einmal etwas Eßbares abfällt. Ganz aus demselben Grunde hat der in der Kambüse sein Wesen treibende Koch seine Freunde unter den Unteroffizieren. Als einst auf hoher See die sämtlichen Mitglieder der Offiziermesse an Wurstvergiftung erkrankten, zeigten sich nicht nur bei dem Steward und seinen Maaten, sondern auch beim Koch und einigen Bootsmannsmaaten, die mit ihm befreundet waren, dieselben Vergiftungserscheinungen. So ist denn öfters in den Freizeiten in und bei der Kambüse gemütliche Versammlung in der über dies und jenes, namentlich aber auch über die Fragen, wie groß das Etmal und wie wohl das Mittagsbesteck sein möge, verhandelt wird. Da aber wissenschaftliche Bestimmungsmittel fehlen, so wird das Besteck „gegißt,‟ (s. gissen). Naturgemäß wird oft „vorbei‟ gegißt und das Besteck ist verkehrt. Darum nennt der Seemann jede falsche Vermutung, jede unrichtige Nachricht ein Kambüsenbesteck.

Kampanje, die. Der Aufbau auf dem Achterdeck, ganz hinten am Heck, der ursprünglich Hütte hieß und lange Zeit auch neben Kampanje so genannt wurde; eigentlich nur das erhöhte Deck selbst, was daraus hervorgeht, daß die Kammern unter dem Aufbau Kammern unter der Kampanje genannt werden; indessen ist doch das Ganze eins und heute noch als Hütte anzusehen. So haben wir also auch hier wie bei Kabine, Kajüte und Kambüse auf das unter Kabine behandelte keltische cab zurückzugehen, und zwar auf die romanische Form capanna. Von dieser ist ein niederländisches Diminutivum kapannje gebildet, ein n fiel aus und das m kam rhinistisch hinzu durch Nasalierung des ersten a, wie in Kambüse. Bald verdunkelte sich auch, ebenfalls wie bei Kambüse, Kombüse in niederdeutscher Weise das a zu o, so daß schon Kilianus die Form kompanghe hat, op-boetsel, Acroteria. Die übrigen bekannten mittelniederdeutschen Formen sind kompandie, compannie, companie, compandie, sogar compagnie, stets erklärt mit: „Platz oben auf der Hütte‟, vergl. die unter Badegast angeführte Stelle der Hamburger Chronik.  —  Französisch ist das niederländische kompanje oder kampanje 1702 von Aubin übersetzt mit „le dessus de la Dunette proche du couronnement.‟ „On fait souvent devant la porte de la Dunette un couvert comme un petit appentis (Schutzdach), soutenu par des pilers et aux bouts du demipont des apuis et des balustrades, fort bien ouvragées‟ ... „On met au-dessus des dunettes, auprés du couronement, un banc pour s'asseoir, et au dessous une cage pour des volailles et pour des pigeons‟; also war schon damals die Kampanje der Versammlungsort der (dienstfreien) Offiziere, die da auch schon ihre mitgebrachten Papageyen etc. etc. hängen hatten. Aber man darf Kampanje doch nicht mit Kompanie, Kumpanie = Gesellschaft zusammenbringen; auch nicht mit campagne für champagne von campania, Flur, Gefilde, „angenehmer Aufenthaltsort‟; noch weniger mit campus, Schlachtfeld, wovon das deutsche Kampf kommt. Dergleichen Gedankengänge leiten die Sprache bei dergleichen Benennungen nicht; sie verfährt nüchtern und knüpft an das Nächste, wo möglich etwas Sichtbares und Greifbares, an; und das war hier der keltische Name cab = Hütte.  — 

Kamerad, der, italienisch camerata, spanisch camarada, französisch camarade, Gefährte, Genosse, eigentlich Kammergenosse, ursprünglich, wie Frauenzimmer, ein Kollektivbegriff, eigentlich Stubengenossenschaft, nachher erst auf eine einzelne Person angewandt.

Kammer, die, kommt in der Sprache der Kriegsmarine in vielfacher Bedeutung vor.

1. Der Privat-Wohn- und Schlafraum eines Offiziers etc. etc., der nur mit diesem Namen, niemals etwa Kabine genannt wird.

2. Der Raum zur Aufbewahrung des Zeugs für die Mannschaft und zwar nur für neues, noch ungebrauchtes, unverausgabtes Zeug, das unter der Obhut eines Kammer-Unteroffiziers steht.

3. Der Raum am Gewehr.

4. Die so wichtigen Pulverkammern.

5. Die Schiffskammer, die ihren Namen davon hat, nicht etwa daß sie auf dem Schiff wäre, denn da ist sie nicht, sondern auf der Werft, sondern davon daß sie für ein bestimmtes, zur Zeit nicht in Dienst gestelltes Schiff die Ausrüstungsgegenstände, Geräte, Möbel, Decken, Matten, Laternen, Besen und dergl. birgt; diese steht unter der Aufsicht eines (Werft-) Kammerverwalters, der die Sache verwaltet und in Ordnung halten und putzen läßt.

In allen diesen Bedeutungen steckt zwar nicht der ursprüngliche engere Sinn von Kammer, griechisch kamara, lateinisch camera, althochdeutsch camara, mittelhochdeutsch kamera, nämlich Gewölbe, gewölbter Raum, sondern der spätere, weitere von Raum überhaupt.  —  Neuerdings kommt, bei dem mächtigen Aufschwung der Photographie, außer der camera auch noch wohl eine Dunkelkammer in Aufnahme.  —  In Ostfriesland heißt Kammer zum Unterschied von (heizbarer) Stube nur Schlafstube. Dagegen wird in Groningen Kammer für Haus gebraucht in der Verbindung Armenkammer, und man sagt daher wohl, wenn einer da hinein gesteckt worden ist, er sei „Kammerherr‟ geworden.

Kanal, der, ein Wort das neuerdings mehr als je die Gemüter beschäftigt und die Menschen bewegt, weil der überhandnehmende Eisenbahnverkehr gebieterisch Kanäle fordert.  —  Das Sprachliche ist unter „Kahn‟ zu ersehen. Wie eine naiv-gottesfürchtige Zeit über die physische Möglichkeit und sittliche Berechtigung solcher „Störung der Natur‟ dachte, geht aus einer Stelle im „Durchläuchtigsten Seehelden‟ hervor, wo von der Entdeckung der Magellanstraße die Rede ist; „... hatten die Spanier mit den Portugiesen wegen derselben Moluccas einige Streitigkeit unter einander gehabt, immassen man, seit des Columbi Reisen, allezeit einen Durch-Zug nach den Osten durch einen oder andern Weg zu finden gesuchet, weil aber das Glück diesem Vorhaben nicht fügen wollen, hat man bereits (d. h. nicht 1681 beim Erscheinen des Buches, sondern 1520 vor dem Antritt von Magellans Reise) den Gedanken gehabt, den Isthmum oder die Landenge von Darien, wo sie am schmälesten, zu durchgraben, daß, wenn also Norden mit dem Süden vereinigt würde, die Wahren und Kauffmannschafften desto leichter aus der einen in die andere See zu bringen wären. Weil aber ihrer viel über dieser Sache die Meinung hatten, daß man die den Wellen der See gesetzte Dämme und Gräntzen, welche die Natur selber gesetzet, nicht leichtsinniger Weise wegnehmen sollte, indem nicht sonder Bedenken, daß wenn die zwo Seeen in eines zusammengebracht würden, und die Norder-Wasser sich erheben sollten, das gantze Land möchte unter Wasser gesetzet werden. Daß eben um dieser Ursache willen vormals der König in Egypten Sosestris und zu unser Zeit der Türkische Kayser Soliman bewogen, die Durchgrabung der Cathabatnischen Land-Enge nicht vorzunehmen; andere konnten auch nicht begreiffen, daß alle harte und schwere Steinfelsen, welche die Natur der See gleichsam zu einen Zaum gegeben, solten können durchboret und viel weniger Weg genommen werden, haltend es für eine Thorheit und Leichtfertigkeit, dasjenige abzubrechen, und nach seinen Sinn wieder aufzurichten, was durch die höchste Weisheit so vorsichtig und füglich verordnet worden, und hielten darfür, daß man die Strafe von Gottes mißfälliger Hand darüber mit Recht zu fürchten hätte, also, daß wegen dieser und andern Ursachen und Absehen beschlossen ward, keine Veränderung in der Gestalt der Natur zu machen.‟

Kanthaken, s. kentern.

Kaper, der, ist ein Schiff, das im Kriege darauf ausgeht, dem Feinde Schiffe wegzunehmen oder sonst Schaden zu tun. In früheren Zeiten nahmen die kriegführenden Parteien Privatkapitäne mit ihren Schiffen als Kaper an und gaben ihnen Vollmacht und Auftrag, dem Feinde Abbruch zu tun. Wer einen Kaper-, mittelniederdeutsch bestel-Brief aufweisen konnte, der wurde als kriegführend angesehen, wer nicht, als Seeräuber. Aber nicht immer hielten sich die Kaper an ihren Brief, sondern verursachten auch Schaden zu dem sie nicht ausgesandt waren, also auf eigene Faust, als Seeräuber. „Dusse seerovers hebben sick eigens gewalts understahn den gemeinen kopman wedder alle recht unde billicheit up der gemeinen apenbaren see tho beschedigende baven ohre eigene bestellbreve‟ (1539). Als Königin Margaretha von Norwegen und Dänemark gegen Albrecht von Mecklenburg als König von Schweden Krieg führte und nach der Schlacht bei Falköping 1389 Stockholm belagerte, entstand in dieser Stadt eine furchtbare Hungersnot. Da erließen die Städte Rostock und Wismar eine Aufforderung an alle Seeleute, mit mecklenburgischen Kaperbriefen ausgerüstet die Küsten Dänemarks und Norwegens zu plündern, zugleich aber auch das bedrängte Stockholm mit Viktualien zu versehen. So strömte eine Menge Freibeuter herzu, die sich wegen dieses Auftrages Viktualienbrüder nannten oder kurzweg Vitalienbrüder. Damit aber war ein Strom entfesselt, der sich Jahrzehnte lang nicht wieder bannen ließ, denn diese Brüder mit ihrem Losungsworte: „Gottes Freund und aller Welt Feind!‟ machten zwischen Freund und Feind keinen Unterschied und fielen über jedes Schiff her, das ihnen in den Weg kam. Auch nach dem Friedensschluß, da jeder Schein einer Berechtigung aufgehört hatte, hörten sie mit ihrer Seeräuberei nicht auf, die sie besonders von der ostfriesischen Küste aus gegen die Hamburger und Bremer Schiffe trieben, ja bis nach Rußland und in den Meerbusen von Biskaya ausdehnten. Klaus Störtebeker, Goedecke Michael, Wichmann und Wigbold waren die namhaften Führer. Leider haben sich die ostfriesischen Häuptlinge dazu hergegeben, ihnen Unterschlupf zu gewähren und gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu machen; ja es konnte da heißen: „gleiche Brüder, gleiche Kappen‟, denn der Seeräuberei waren diese Häuptlinge auch ohne die Vitalienbrüder schon eifrig genug ergeben. Überhaupt waren die sittlichen Begriffe in diesem Stücke so verwirrt worden durch die Kaperei und blieben auch das ganze 16. Jahrhundert über noch so verworren, daß alle Anlieger der Nordsee diesem „unerlaubten Nahrungszweig‟ huldigten. Außer den Ostfriesen werden besonders die Engländer und Norweger namhaft gemacht. Der Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken-Veldenz war den Hugenotten mit einem ansehnlichen Heere zu Hilfe gezogen und nach siegreichem Zuge durch ganz Frankreich kurz vor dem Frieden von St. Germain (1570) zu Nessun bei Limoges gestorben. Sein Leichnam sollte in seiner Residenz Meisenheim am Glan beigesetzt werden. Man wagte aber nicht den Landtransport, sondern wählte den Seeweg. In der Hugenottenfestung La Rochelle fand man einen „Schiffsmann‟ aus Lübeck, welcher „sich zur Heimreise anschickte‟, also Rückfracht suchte. Demselben mußte jedoch der Inhalt der an Bord gebrachten Kiste verheimlicht werden, weil nach dem damaligen Aberglauben ein mit einer Leiche segelndes Schiff unrettbar seinem Untergange entgegenging. Zuerst warf ein Sturm das Schiff südwärts an die spanische Küste und nachdem es endlich den Ärmelkanal erreicht, wurde es dort durch heftiges Unwetter hin- und hergeworfen und entging nur mit Not den Überfällen englischer und norwegischer Seeräuber. Endlich wird nach vielen Fährlichkeiten am 11. August 1571 der Hafen von Lübeck erreicht. (Heintz, Schloßkirche zu Meisenheim, S. 32. 33).  —  Das Wort kommt vom lateinischen capio.

Kapitän, der, ist der Führer, bezw. Befehlshaber eines Schiffes, der Oberste, „das Haupt‟, denn vom lateinischen caput kommt das Wort. Von demselben kommt auch Kadett, Korporal, Kapital, Kapitel, Kapitularien, kapitulieren, Kapitell, Kap, Kappes, Kappzaum, Kapuze, da capo, Chef, Kataster etc. Kapitän hieß mittellateinisch capitaneus, altfranzösisch chevetaine und chataine, daher das englische chieftain.  —  Noch zu den Zeiten des achtzigjährigen Krieges war an Bord der Kriegsschiffe der Hauptmann nicht derjenige Mann an Bord, der das Schiff, sondern derjenige, der die eingeschifften Soldaten unter sich hatte. Dieser letztere war der eigentliche Kapitän und hieß auch so, während jener Schiffer, Steuermann, Bootsmann hieß und nur die seemännischen Manöver und überhaupt das Nautische zu besorgen hatte. Wandte man ja auch auf ihn einmal das Wort Kapitän an, so sagt man, um Verwechslungen vorzubeugen, Seekapitän. In der Marine gibt es gegenwärtig folgende Kapitäne: 1. Kapitän zur See = Oberst. 2. Fregattenkapitän = Oberstleutnant. 3. Korvettenkapitän = Major. Diese werden alle drei angeredet: „Herr Kapitän!‟ Aus Höflichkeit, ohne daß er einen Anspruch darauf hätte, wird wohl auch hie und da einmal so genannt: 4. Der Kapitänleutnant = Hauptmann.  —  Im Mittelalter war Kapitän gleichbedeutend mit Häuptling. „1355 is Edo Wimkenn van den Richteren der Rüstring, Oistring und Wangers, nomtlik van Hillert van Laurens, Tanno Iben tho Sandell, Mester Olrick tho Kniphusen, Junge Hedde tho Welens etc erwelet und angenhamen mit synen Nakomelinge tho ein Capitain und Hovet de lande und luide vorthostaen und tho regeren, wente de Richter weren des amptes moede und averdratich.‟ Das erste und älteste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes Kapitänleutnant finde ich in einem Briefe, der im Jahre 1623 aus seinem Schlosse Lützburg an den nachmaligen Feldmarschall Dodo von Knyphausen geschrieben worden ist: „Der obrist Syton hatt vor 3 tagen jegen den abendt, alß man die pforten zuschließen wollen, einen anschlagh uff dieß Hauß gemachet, indem er etzliche mußquettier bewerter Handt geschickett, alß nun aber solches mißgelungen und der captain leutenambt vom Heren Ryngrawen, so im Kruege gewesen, auß dem schatthause angerufen worden‟ ... Auf einem Grabdenkmal in der Schloßkirche zu Meisenheim (Heintz S. 106) lesen wir von einem Kapitän-Lieutenant Schmidtmann, der 31 Jahre alt im Jahre 1688 gestorben ist: „Gedachtnuß Herren Carl Ludwig Schmitmans Herren Johan Daniel Schmidtmanns, Hiesigen Pfarrers Und Inspectoris In Gott Ruhenden Lieben Sohnes Gewesenen Kapidain Lieutenants Unter Dem Löblichen Schweizer Regiment Von Salis‟ ... 1747 erschien zu Regensburg ein Buch „Auxilia historica oder Historischer Behulff‟, in dem werden „die Offizier und Personen in einem einzigen Schiff‟ folgendermaßen aufgeführt: 1. Capitain ist in einem Schiff der Höchste, so das ganze Kommando darüber, und sehr streng, führet. Er hat einen Lieutenant. 2. Commandeur hat in einem Schiff nur das Commando über die Soldaten. 3. Schiffprediger ist ein Feld-Pater. 4. Schiffer ist über die Segel, und die ganze Equipage. Wird auf dem Mittelländischen Meer Patron genennet. 5. Steuermann, Pilote, ist, der das Schiff mit dem Steuer-Ruder nach dem Compaß lencket, wohin es soll. Er muß in Geometria, Astronomia, Geographia, der Karten u. s. w. wohl erfahren sein. Es seynd zwei auf einem Schiff, und beobachten mit dem Schiffer die Einrichtung der Segel, bestellen die Wachten auf den Masten und beratschlagen sich immer wegen der Seekarten, davon sie dem Capitain Rapport geben. 6. Bosseman, der die Ancker beobachtet. 7. Weiteres ist darauf ein Schreiber oder Secretari: Zwey Barbier: Ein Schiffszimmermann oder Baumeister: ein Haupt-Constabler, und andere zwölff. Esquiman oder Schiemann, hat Aufsicht über die Pompe, ist sonst Quartier-Meister. Ein Buddelier mit seinen Gehülffen: Ein Mund-Koch: Ein Schiff-Koch mit Bedienten: Lotsmann oder Wegweiser: Segelmacher: Tischler: Schmied: Feuerwerker: Profos u. s. w. und Boots-Leuth, Matrosen, Matelots, sind die gemeine Bediente und Schiff-Volck, so alles, was in der See-Fahrt selbst von nöthen, verrichten, mit tawen, anckern, seeglen, wachen. Seynd in drey Wachten oder Compagnien, jede zu 100 Mann abgetheilt, darüber der Schiffer und die zwey Steuermänner commandiren. Insgemein ein verwegenes Volck: Und hat es theils vonnöthen, massen sie in höchsten Stürmen auf den Bäumen und Stricken wie die Mucken herum fahren müssen.‟

kappen heißt im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet schneiden, durchschneiden, durchhauen. Den Mast kappen bedeutet nicht sowohl diesen selbst durchhauen, sondern vielmehr die ihn haltenden Hofttaue der Wanten, damit er abbreche und über Bord gehe. Die Ankertaue wurden gekappt, wenn man keine Zeit zum Ankerlichten hatte. Niederländisch kappen, die Haare schneiden, Kapper: der Friseur, französisch couper. Von diesem kommt unser Fremdwort coupon und das Zeitwort coupieren; auch Coupé.  —  Ein Kapaun ist ein Kaphan, ein „geschnittener‟ Hahn; stammt zwar vom lateinischen capo, griechisch kapon, aber diese haben mit kappen dieselbe Wurzel, sodaß Kaphan ausnahmsweise einmal eine auch sprachlich zutreffende Volksetymologie ist.

Kardeel, ein, ist einer der einzelnen Teile aus denen ein Tau zusammengeschlagen wird, also ähnlicher Bedeutung wie Ducht, nur daß das Kardeel stärker und in sich schon geschlagen, aus einzelnen Teilen zusammengedreht ist. Niederdeutsch kordeel und karteel, auch kordel, wird nicht nur für den einzelnen Strang eines Taues, sondern auch für dieses selbst gebraucht: „idt is ock ein iderer schipper schüldich, gode starke kordell unde windtakel in dem schepe tho holdende, dar man des Kopmans goder mede in unde vth setten kann.‟ (Dän. Seerecht). (Nicht zu verwechseln mit einem anderen kartel, karteel, welches Quart bedeutet, ein Quartteil als Maß oder Gewichtsbezeichnung.) Französisch heißen cordage „toutes les cordes qui sont emploiées dans les agrés d'un vaisseau‟. Dieser corde stammt aus dem italischen corda, vom lateinischen chorda, entlehnt aus dem griechischen chorde, Darm, Darmsaite, was an sehr alte Kulturzeit erinnert und an das altnordische garnir, Eingeweide, Gedärme, mit Garn zu einer Wurzel gehörig, so daß also Garn und Kardeel entfernte Vettern sind. In oberdeutschen Mundarten heißt das, was in der hochdeutschen Schriftsprache Bindfaden genannt wird, Kordel mit kurzem e.  —  Ostfriesisch korde, zusammengezogen kore und kor; man liebt daselbst das Einsilbige. Niederländisch koord, koorde.  —  Zu bemerken ist, daß es auch Tauwerk gibt, das aus vier Kardeelen zusammengeschlagen ist, und daß also doch die Ableitung Quartdeel nicht ganz undenkbar ist. Dann wäre kardeel als Teil eines Taues, als Quartteil, ein ganz anderes Wort wie kardeel als Tau selbst. Doch spricht hiergegen die Seltenheit vierschäftigen Tauwerks und vor allen Dingen die Tatsache, daß die Teile dreischäftigen Tauwerks hauptsächlich und vor allen Dingen Kardeele heißen.

Kartusche, die, ein zylinderförmiger Beutel mit dem zum Laden einer Kanone nötigen Pulver. Ehedem war der Beutel, wie heute noch bei den Jagdgewehrpatronen, eine Papierrolle. Daher ward vom lateinischen charta für Papier im Italienischen cartoccio gebildet, altfranzösisch cartoche, französisch cartouche, niederländisch kardoese.  —  Auch in der Bedeutung Umrahmung kommt das Wort vor, in der Architektur ein Ornament bezeichnend.

Karake, die, niederländisch kraak, dänisch, schwedisch karake, englisch carack, französisch caraque, italienisch, spanisch, portugiesisch caraca; altfranzösisch carraque, vom spätlateinischen carraca, carrica, Lastschiff, lateinisch carrus, die Karre; wahrscheinlich keltischen Ursprungs. Nach Roeding die größte Art der ehemals gebräuchlichen Schiffe. Sie hatten zuweilen 7 bis 8 Stockwerk, worunter auch noch eines auf der Back war. Sie konnten 2000 französische Tonnen tragen und führten 2000 Mann Besatzung. Schon im Jahre 1350 schlugen die Spanier gegen die Engländer auf Karaken. Nun längst veraltet.