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Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache cover

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Chapter 16: P.
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About This Book

The dictionary compiles German seafaring vocabulary in alphabetically arranged entries that explain meanings and linguistic origins. Each entry offers etymological analysis tracing terms to Germanic dialects, Low German, Romance languages, and Latin, with historical citations and notes on semantic change. It records variant spellings, regional and archaic forms, technical distinctions, idioms, and practical seamanship senses, often illustrated by examples and cross-references. Entries treat sailing maneuvers, ship components, legal and insurance terminology, navigation and weather vocabulary, and the specialized jargon of ports and trades. The work functions as a reference that blends linguistic scholarship with maritime practice and notes corrected errata and editorial choices.

Meile, die. Wenn der Seemann von Meile spricht, so meint er natürlich Seemeile, einer Gradminute entsprechend. Eigentlich bedeutet es aber 1000, nämlich 1000 Schritte, milia passuum; italienisch der miglio, Plural miglia, milia ausgesprochen; es mag eine dunkle Erinnerung an die Herkunft sein, die den Seemann veranlaßt, niemals Meile, sondern immer „Mill‟ zu sagen.

Meridian, der, oder Mittagskreis, von meridies, der Mittag, heißt am Himmel derjenige gedachte größte Kreis der Sphäre, welcher durch beide Weltpole und den Scheitelpunkt eines bestimmten Ortes geht.

Merk, das, war früher = Landmarke, wird aber jetzt nur selten noch in diesem Sinne, etwa noch in der Verbindung „das ist ein gutes Merk‟ gebraucht. Sonst ist die Bedeutung darauf zusammengeschrumpft, daß es ein Kennzeichen an irgend einer Sache ist, an dem man sich etwas merken will, etwa einen Strich oder einen Streifen bildend. „Etwas mit einem Strich oder Streifen versehen‟, das ist ja die uralte Bedeutung des unserem Mark zu Grunde liegenden Stammes, und Mark heißt zunächst nur Zeichen, dann Kennzeichen, Grenzzeichen, Grenze, davon Markgraf und marquis, spanisch marques, italienisch marchese.  — Merk ist die niederdeutsche Form für Mark. Im Seebuch (1400) heißt es merk und merke.  —  Mark als Münze bedeutet ein bestimmt abgeschätztes und gekennzeichnetes, mit einer Marke versehenes Goldstück.

Messe, die, ist der Raum eines Schiffes, in dem die zu einer solchen Messe Vereinigten sich, besonders zum Zwecke der gemeinschaftlichen Einnahme der Mahlzeiten, zu versammeln pflegen, weshalb auch nicht nur der Raum, sondern auch die Gemeinschaft derer die darinnen heimatberechtigt sind, Messe heißt. Man spricht von einer Offiziermesse, einer Kadettenmesse, einer Deckoffiziermesse. Macht das Offizierkorps eines Schiffes Besuch, so wird eine Karte abgegeben: „Die Offiziermesse S. M. S.‟ ... Ein Mitglied der Messe wird zum Messevorstand erwählt. Nicht als ob dieser dann den Vorsitz bei Tische zu führen hätte, der steht auf Kriegsschiffen stets dem I. Offizier zu, er hat vielmehr die Verwaltung des gemeinschaftlichen Vermögens, die Beschaffung der Vorräte, überhaupt die ganze Verpflegung unter sich. Zum Essen gehört das Trinken. Daher wird ein anderes Mitglied der Messe beauftragt, die nötigen Getränke zu beschaffen und zu verwalten; das ist der Weinvorstand oder Vorstand der Weinmesse.  —  In den Garnisonen des Königreichs Hannover hatten die Offiziere von der Verbindung mit England her ihre Messen. Sonst ist das Wort, wie es scheint, in Deutschland auf die Seemannssprache beschränkt geblieben.  —  An Erklärungen fehlt es nicht. Es gibt deren eher zu viele als zu wenige.

1. Von vornherein als ausgeschlossen zu betrachten ist der Gedanke an den katholischen Cultus und seine Messe; wenigstens in Bezug auf die landläufige Deutung dieses Wortes, nach der es von dem Zuruf des Priesters an diejenigen, welche nicht berechtigt waren an dem Hauptstück des Gottesdienstes teilzunehmen: „ite, missa est concio!‟ kommen soll.

2. Weil bei Kirchmessen zahlreiche Andächtige zusammenkamen, so fanden sich auch Leute ein, die etwas zu verkaufen oder zur Schau zu stellen hatten. So entstand ein Markt, der Messe genannt ward und diesen Namen behielt als die Kirchmesse wegfiel; Frankfurter Messe, Leipziger Messe. Daß auch hiermit, trotz des „Zusammenkommens‟ der Leute, unsere Messe nichts zu tun hat, liegt auf der Hand.

3. Weit eher könnte man an Herkunft von dem lateinischen mensa, der Tisch, denken, weil die Hauptsache bei der Messe in der Tat der gemeinsame „Tisch‟ ist. Wirklich heißt im Gothischen der Tisch auch mes; man könnte auch das spanische meza zu Hilfe nehmen. Diese Deutung wäre denkbar auch für den Fall, daß die ältesten Messen gar keine Tische gehabt hätten, da das gotische mes nicht nur Tisch, sondern auch Schüssel heißt. Aber es fehlen für das Wort die Zwischenglieder vom Gotischen zum Niederdeutschen, und hier ist Messe doch ausschließlich heimisch.  —  Zeugnisse für die Herkunft aus dem Spanischen liegen nicht vor, im Gegenteil, das Wort ist im niederdeutschen Sprachgebiete gezeugt, ehe Spanien in Betracht kam. Überhaupt dürfen wir nicht in die Ferne schweifen, solange eine näherliegende Erklärung im Deutschen sich darbietet. Aus diesem Grunde muß auch

4. Eine Deutung aus dem Französischen beanstandet werden, nach der das Wort Messe von mets, altfranzösisch mes kommen soll. Diese beiden heißen „Gericht, Speise‟, nämlich im Sinne von „Aufgetragenes‟, (aus der Küche in den Speisesaal) „Geschicktes‟, von mitto ich schicke. Die ziemlich alte Schreibung mets für mes erklärt Dietz für eine etymologische, um das Wort an das Zeitwort mettre zu knüpfen.

5. Man könnte auch an das althochdeutsche massenie, messeni denken, welches Hofstaat, Gefolge eines Fürsten bedeutet, so daß die Messe als „Stab‟ des Kommandanten gedacht wäre. Dieses messenie kommt von mansio, die Behausung. Und sprachlich könnte Messe um so eher davon abstammen, als Meßner = Küster davon herkommt, althochdeutsch mesinari, mittelhochdeutsch messenaere, mittellateinisch mesenarius, mansionarius; es könnte sogar mansio als Behausung in Messe stecken.  —  Doch wir wenden uns zum germanischen Sprachgebiet.

6. Hier tritt uns zunächst ein Zeitwort entgegen, das „zusammenkommen‟ bedeutet und deswegen vielleicht in Betracht kommen könnte, weil die Messe ein Zusammenkunftsort ist. Altfriesisch meta, angelsächsisch metan, altenglisch meten, altniedersächsisch motian, englisch meet. Aber gerade der Umstand, daß dieses meet sein t unverschoben bewahrt hat und nicht zu s werden ließ, verbietet uns mess mit meet zusammenzubringen.

7. In unseren fortgeschrittenen Zeiten, in denen namentlich auch die Ernährung an Bord so viel besser geworden ist, wird in der Messe nicht jedem sein Teil zugemessen. Zu Zeiten aber, wo das Essen oft recht knapp war und wo mancher vielleicht bei dem Worte Messe an das altfriesische Zeitwort missa = entbehren zu denken geneigt war, da mag wohl ein Einteilen und Zumessen nötig gewesen sein. Man könnte daher an das althochdeutsche Zeitwort mezzan, messen, denken, angelsächsisch metan. Dann wäre Messe eines Stammes mit „Mutter‟, denn Mutter bedeutet die Abmesserin, die Zuteilerin, „die Spendende‟, neben dem Vater als dem „Beschützenden‟. In der Tat kommt dieses Wort in Betracht. Doch nicht so, daß Messe unmittelbar von messen käme, es kommt vielmehr noch ein Mittelglied in Betracht und es liegt noch ein weiter Weg dazwischen.

8. Das Essen, die Speise heißt gotisch mats, althochdeutsch maz, altniederdeutsch meti, angelsächsisch mete, altenglisch mete. (Weil das Fleisch ein so wichtiges Essen ist, so hat sich im Englischen und Niederdeutschen meat, met für eßbares Fleisch eingebürgert.) Altfriesisch mede, met, mat und meyt = Speise: Essen und Trinken. Hierzu ist zu vergleichen der altdeutsche mesiban, d. h. der Eßbann, das Speiseverbot, ein scharfes Verbot, einem Verbrecher Speise zu reichen.  —  In der Mainzer Beichte, einer Handschrift aus dem X. Jahrhundert in Wien, heißt es: „Ih gihun gode almahdigen unde allen godes engilon‟ ... gesündigt zu haben „in uncîdin sclâphun, uncîdin uuachun, in uncîdigimo mazze, uncîdigimo dranche‟ ... Unser neuhochdeutsches Wort Messer hieß althochdeutsch messisahs, also eigentlich „Eßschwert.‟  —  Dementsprechend erhielt sich im Mittelniederdeutschen sehr lange das Wort mess für Speise. Im Lübecker Zunftrecht steht die Bestimmung: „Men schall nener hande kramgued vthsetten des sondages vnd aposteldages, vthgenahmer koken unde messwerk.‟ Doch hatte sich damals mess, dessen ursprünglicher Vokal a war, schon daneben über moes in mos, ja in mus verschoben. Letztere Form ist besonders bekannt aus der Verbindung musdel, Musteil; so nannte man den Teil an Lebensmitteln der beim Todes Mannes der Witwe zufiel; erstere in der Verbindung moshus = Speisehaus, Speisesaal. Hernach hat sich mus als breiartige Speise weite Verbreitung verschafft, und wenn unser Sammelwort Gemüse auch jetzt auf Pflanzenspeisen eingeschränkt ist, so hat es in diesem Sinnedesto unbestrittener Geltung erlangt. Natürlich ist auch Mast damit verwandt, denn Mast heißt auch nichts weiter als Speise, Futter, Fütterung, Mästung und dieses hat erst in weiterer begrifflicher Entwickelung die Bedeutung „Fettmachung‟ erhalten; wovon mästen, das heute noch in Ostfriesland messen heißt.  —  Vom angelsächsischen Hauptwort mete dagegen hat sich das angelsächsische Zeitwort metsian, mesan, altenglisch metsien = essen, gebildet; wobei in Betracht zu ziehen ist, daß heute noch im Englischen to mess = zusammen essen ist, so daß also der Begriff des gemeinschaftlichen Essens sich bis auf diesen Tag erhalten hat. Das ist aber ursprünglich nicht, oder doch nicht immer geschehen, denn schon im Altsächsischen hieß mesa der Speisekorb, der Futterkorb; desgleichen im Altnordischen meis. Man saß also von Alters her an Bord um Futter- oder vielmehr Speise-Behälter herum, also um „Backen‟ im ursprünglichen Sinne. Die Gemeinschaft derer die dergestalt zusammen aßen hieß „Meßgesinde‟. Das wird uns zum ersten Male durch die Freiheiten der Stadt Brügge für deutsche Kaufleute vom Jahre 1309 bezeugt: „Vord dat die vorseide coopmanne moghen hebben alrehande vitaelge ende alle maniere van dranke, die si bringhen bi der zee, ute ghesteken wyn onder hem ende hare maisniede te verteerne, binnen haren herberghen zonder assise daer of te ghevene, up dat sy 't niet vort verkopen‟. Für maisniede kommt im Flämischen auch meyssenye, messniede, maysinede vor. Das altnordische meis klingt hier deutlich durch. Der germanische Ursprung ist also unzweifelhaft, und auch dieses Wort ist im seemännischen Sinne nicht in England, sondern in den Niederlanden zuerst gebraucht worden.  —  Es hat eine ähnliche Bedeutungsentwicklung wie Bursche, spätmittelhochdeutsch hieß burse Geldbeutel, Börse, Kasse; dann gemeinschaftliches Wohn- und Kosthaus der Studenten, wo sie aus gemeinschaftlicher bursa lebten; dann zuletzt studentische Genossenschaft, deren einzelnes Mitglied ebenfalls Bursche genannt wurde.  — Unter 7. ist gesagt worden, Messe ist mit Mutter verwandt. Das Mittelglied ist maz, Speise; dieses hieß nämlich ursprünglich ebensowenig Essen im Allgemeinen wie Fleisch im Besonderen, kommt auch wohl nicht von einem Stamme der „kochen,‟ sondern  — wie Mutter  —  von einem der teilen, zuteilen, zumessen bedeutet, so daß maz also das (einem Menschen zum Verzehren) Zugemessene ist, woher dann Messe als der Ort wo, und die Versammlung, worin jedem Mitgliede das Seine zugeteilt wird.

Messbrief, der. Nach den Gesetzen des deutschen Reiches müssen alle Kauffahrteischiffe vermessen werden. Dick und Kretschmer I. 60: „Für die Berechnung des Brutto- und Nettogehaltes der Schiffe und Fahrzeuge ist ein Vermessungsprotokoll nach einem in der Vermessungsordnung vorgeschriebenen Schema aufzustellen und der obersten Vermessungsbehörde, dem Schiffsvermessungsamt, einzureichen. Auf Grund des Vermessungsprotokolls wird ein Messbrief ausgestellt.‟

Metacentrum, das, ist ein für die Berechnung der Stabilität eines Schiffes äußerst wichtiger mathematischer Punkt, nämlich der „jedesmalige Durchschnittspunkt der Vertikalen aus dem Deplacementsschwerpunkt in der aufrechten Lage des Schiffes mit der vertikalen aus dem jedesmaligen Deplacementsschwerpunkt bei jeder geneigten Lage.‟ So die technische Erklärung bei Dick und Kretschmer I. 114, 115; die sprachliche Anmerkung zu dieser Stelle ist jedoch zu berichtigen. Es heißt da: „Das Wort Metacentrum, welches sich zuerst in Bourguers Werk „Traité du Navire‟ 1746 angeführt findet, kann nur aus den lateinischen Worten meta (Endpunkt, Ziel) und centrum zusammengesetzt, betrachtet werden; nach anderer Ansicht auch als eine Zusammensetzung der griechischen Worte Méta (Wechsel) und kentron (centrum)‟. Meta ist aber, wie unzählige andere Zusammensetzungen beweisen, z. B. Metamorphose, Metapher, Metaphysik, Metastase, Metempsychose, die griechische Präposition, die inmitten, zwischen, unter, in Verbindung, in Gemeinschaft, im Verein, in Begleitung, gepaart, mit, nebst, neben, unter, nach, zu, auf u. s. w. bedeutet; im Allgemeinen ist sie Bezeichnung einer Gemeinschaft: Metacentrum ist also der Punkt, den die zwei genannten senkrechten Linien mit einander gemeinschaftlich haben, mit der auch in meta liegenden Nebenbedeutung, daß dieses Centrum räumlich über dem Deplacementsschwerpunkt liegt.

Miek, die, ist begrifflich nahe mit Klau verwandt, wird aber nicht nur für den gabelförmigen Ausschnitt der Gaffel, sondern auch für den gegabelten Stock oder Pfahl gebraucht, in dem der niedergelegte Mast, der Besansbaum etc. etc. festliegt; in Ostfriesland auch das gabelförmige Holz an der Pumpe, in dem der Schwengel sich bewegt. Mittelniederländisch, bei Kilian micke = furca, Gabel. Sollte nicht, da die Gabel doch eines der ursprünglichsten mechanischen Werkzeuge darstellt, Miek eine Zusammenziehung von Mechanik sein? Daß eine solche möglich, ja tatsächlich vorhanden ist, beweist die Tatsache, daß im Gebiet des Rheinfränkischen Mick die mechanische Vorrichtung zum Hemmen beider Wagenräder heißt; im Gegensatz zu dem nur ein Rad hemmenden, weit einfacheren Hemmschuh, stellt sie eine Mechanik dar, deren Zusammenziehung in Mick um so eher möglich war, als sie meist mit dem Ton auf der letzten Silbe ausgesprochen wurde und wird.

mistig, vergl. diesig, bedeutet nebliges, trübes, „dreckiges‟ Wetter. „Must gy int Schager-Rack by nacht offt in mistig wedder laverren‟ ... Vom niederdeutschen, niederländischen, englischen mist = Nebel; „mist het den oost in der kist‟ (Brem. Wörterbuch). Im Beówulf mistig, mist-heid = Nebelkippe; Kilian miest = nebula. Davon Mistel als die Pflanze die durch den Mist der Vögel auf Bäumen ausgesät wird. Denn dieses niederdeutsche Mist und unser hochdeutsches Mist sind ein und dasselbe Wort, nur in der Bedeutung ein wenig auseinandergegangen. Sanskrit-Wurzel mih = ergießen, besprengen; beregnen; auch ein Substantiv mih ist vorhanden: feiner Regen, Nebel. Althochdeutsch migan, neuniederdeutsch migen = pissen, harnen; lateinisch mingere.

Missweisung, s. Variation.

Mittagshöhe, die, nämlich der Sonne, ist „die Höhe der Sonne wenn der Mittagspunkt derselben im Mittagskreise seines Beobachters steht, welches die größte Höhe ist, die sie für diesen Beobachter erreichen kann.‟

Mittagsschuss, der, ist ein in einem Kriegshafen von dem jeweiligen Wachtschiff abgefeuerter Kanonenschuß zum Zeichen, daß es genau 12 Uhr ist. Es haben sich mit der Zeit und mit dem Gange ihrer Uhren die übrigen Schiffe und auch die Uhren am Lande, soweit der Einfluß der Marine in dieser Beziehung reicht, nach diesem Schusse zu richten.

Mittagswimpel, der, ist auf unseren Kriegschiffen der Wimpel der gehißt wird wenn es zum „Schaffen‟, zum Mittagessen geht, also ein hochwillkommenes Signal, zumal es nicht nur die Essenszeit, sondern überhaupt die Mittagspause im Dienste, die mittägliche Freizeit von 12 bis 1-1/2 h bezeichnet.

Mittagskreis, der, s. Meridian.

Mitteldruckmaschine, s. Maschine.

mittschiffs ist ein ziemlich unbestimmtes Adverbium mit dem etwas näher bestimmt wird das sich nicht „vorn‟, aber auch nicht „achtern‟ befindet. An eine mathematische Mitte ist schon garnicht zu denken. Aber das ist zu betonen, daß es nicht bloß die ungefähre Mitte zwischen hinten und vorne, also nicht bloß die Mitte der Länge nach, sondern auch die Mitte der Breite nach bedeutet, und zwar die ganze von hinten nach vorne gedachte, von beiden Bordwänden gleich weit abstehende Mittellinie oder Längsachse des Schiffes. Man sagt: „Das Schiff wurde mittschiffs gerammt‟, bei einem Vollschiff also etwa zwischen Großmast und Fockmast; man sagt aber auch: „Das Schiff hat sein Ruder mittschiffs liegen‟ d. h. die Ruderpinne befindet sich in der Mitte zwischen beiden Bordwänden, in der Mittellinie.

Moker, der, s. Kalfatern.

Mole, die, im Munde des niederdeutschen Seemanns wohl auch Mulje, ist jetzt ein Steindamm oder vielmehr eine Kaimauer, die den Eingang eines Hafens zugleich bildet und schützt. Früher ganz allgemein ein Damm oder Deich. In der Chronik des Landes Dithmarschen von Neocorus heißt es: „up de mohle is ein grot inbrock geschehen‟. Holländisch mole, dänisch mullie, schwedisch mölja, englisch mole, französisch mole, italienisch molo, spanisch muelle, portugiesisch molhe  —  alles zurückgehend auf das lateinische moles, Masse, Last, große Steinmasse, Damm. Bei San Lucar de Barrameda befand sich sehr früh eine Mole. 1588 schreibt Waghenaer im „Spiegel der Zeevaerdt‟: „Voorts om te weten die mercken vanden steen oft droochte die int gadt van S. Lucas ligghende syn, als de Molen ende t'witte Clooster staende opt Oostereynde van S. Lucas ouer een comende‟ ...

Monsun, der, ist ein im Indischen Ozean in regelmäßigen Perioden stets aus gleicher Richtung wehender starker, sich oft bis zum Sturm steigender Wind, von Oktober bis März aus Nordost, von April bis September aus Südwest wehend. Das Wort lautet französisch monson, monçon, spanisch monzon, portugiesisch monsao und stammt aus dem Arabischen, wo mansim bedeutet a time, a season, the favourable season for sailing to India; also: günstige Jahreszeit.

Mooring, die, ist eine besondere Befestigung eines Schiffes durch Anker, Ketten, Taue, um es in der Lage zu halten, in der man es haben will, aus der es um irgendwelcher Gründe, wie Raummangel, Rücksicht auf die Windrichtung, willen sich nicht herausbewegen soll; also eine Befestigung des Schiffes zur Vermeidung des Schwojens. Man nennt es auch „ein Schiff vertäuen‟. Vergl. auch Spring. Das Zeitwort mooren, häufiger vermooren, hat seinen langen o-Laut von der dunklen niederdeutschen Aussprache des a, denn es heißt eigentlich marren = binden, festbinden, befestigen. Von ihm ist das andere seemännische Zeitwort marlen ein Iterativum. Schon dem Teuthonista war das Wort bekannt, und zwar in der Form merren; er schreibt: „cabel-lyn reep, seel, to vo dair mede men eyn schyp an dat lant vestiget offte merret‟.

Morgenwache s. Wache.

Mufferdeischuner, der, (vergl. John Brinckman, „Kasper Ohm un ik‟), ein Schuner, oder vielmehr eine Brigg, oder noch besser eine Schunerbrigg, eine Brigantine, „that is square-rigged forward and schooner-rigged aft‟, also ein Schiff, das am vorderen Maste Rahesegel, am achteren Schratsegel (s. d.) hat. Mufferdei soll eine von deutschen Seeleuten zurechtgemachte Form des im Englischen gebräuchlichen Hermaphrodite sein, würde also ein Zwitterding bedeuten, wegen der zweierlei Segel oder zweierlei Masten. Aber zweierlei Segel und Masten hat schließlich jedes Schiff. Die Erklärung mag hier dahingestellt bleiben, da das Wort ohnehin in der neuhochdeutschen Seemannssprache kaum gebraucht wird. Im Korrespondenzblatt für niederdeutsche Sprachforschung vom Jahre 1895 ist Näheres darüber nachzulesen.

Mundpfropfen, der, ein Pfropfen, der in die Mündung einer Kanone gesteckt wird, wenn diese außer Gebrauch ist. Das Wort bedürfte der Aufnahme nicht, wenn man nicht im Munde der Kriegsschiffsleute öfters die Frage, in übertragenen Sinne als Ausdruck der Verlegenheit, hörte: „Wo legen wir den Mundpfropfen hin‟. Dieses geflügelte Wort stammt aus einer Geschützinstruktion an Bord eines S. M. Schiffe. Als einmal ein Feuerwerksmaat seiner Geschützbedienung genau alle Handgriffe und Bewegungen beim Klarmachen eines Geschützes zum Exerzieren auseinandergesetzt hatte, endigte er seine Instruktion etwas allzu wichtig tuend mit den Worten: „Nun entsteht aber noch die große Frage: wo legen wir den Mundpfropfen hin?‟, den zum Exerzieren aus der Mündung herausgenommenen.

mustern heißt jemanden oder etwas daraufhin ansehen, ob er oder es sich in dem Zustande befindet in dem er oder es sich befinden soll, also zusehen, ob er oder es dem Muster gemäß, musterhaft ist. Auf unseren Kriegsschiffen ist Musterung schlechthin die tägliche Musterung der Mannschaft und des Schiffes durch den Kommandanten, welche als „Sonntagsmusterung‟ besonders feierlich und gründlich vorgenommen wird. Es gibt aber auch besondere Musterungen: Reinlichkeits-, Zeug-, Gewehr- etc. Musterung. Im Teuthonista heißt das Wort noch monsteren, und so kann man es auch heute noch seemännisch und überhaupt niederdeutsch hören. In dieser Form läßt es seine Abstammung von monstrare zeigen, deutlicher erkennen. Doch hat das Wort eine wesentliche Bedeutungsverschiebung erlitten, denn eigentlich ist es der Mann der mustert, nämlich sich seinem Kommandanten zeigt, aber jetzt heißt es: „Der Kommandant mustert den Mann.‟ Die Verschiebung hat sich wohl über das Substantivum Musterung bewegt, indem diese die Veranstaltung ist, bei der die Matrosen sich zeigen, bei der sie also besehen werden, und dieses „Besehen‟ ist dann als das Wichtigste in den Vordergrund getreten.  —  „Er läßt sich anmustern‟, sagt man, wenn einer sich zum Eintritt in einen Dienst vorstellt, „zeigt‟; er wird dann in die Musterrolle eingetragen. Dem entsprechend ist dann abmustern, aus dem Dienst treten, gebildet, ohne daß der Begriff monstrare überhaupt noch in Betracht käme, der aber in dem kaufmännischen Muster und in Monstrum noch zu erkennen ist.

Mut, Mutte, die, ein Fahrzeug an der friesischen Küste mit flachem Boden und zwei Farunners anstatt einer Kajüte. Es sieht plump und wenig schmuck aus, so daß die Vermutung nahe genug liegt, der Name komme von mutte = Sau, Mutterschwein. Das ist nicht gerade fein, aber die Weserkähne werden von den Hamburgern Schweinsköpfe genannt, wogegen die Weserschiffer die Hamburger Ewer mit dem Ehrennamen „Kreijenkieper‟ nennen und von ihnen zu sagen pflegen: „Groß von Masten, klein von Lasten.‟

N.

Nachen, der, ist eigentlich kein seemännisches Wort mehr. Wohl ist es früher eins gewesen, denn im Beówulf wird naca sogar für seegehendes Schiff gebraucht, aber zur Zeit ist es nur bei Nichtseeleuten und nur im Binnenlande, namentlich in Hochdeutschland als gleichbedeutend mit Kahn, das auch kaum seemännisch gebraucht wird, üblich.  —  Es besteht die Neigung, Worten die mit a anlauten ein n vorzusetzen, z. B. ärs, närs; Ast, Nast; ost, nost; arren, narren (mit dem Schlitten fahren); ort, nort (Spitze). Das kommt daher, daß das n unbestimmten Artikels zu dem Anfangs-a des Substantivums hinübergezogen wird, wie Nobiskrug aus 'n Abyssuskrug entstanden ist. So könnte man Nachen erklären als Achen mit solch einem n davor. In der Tat findet sich nämlich dieses Achen in oberdeutschen Mundarten vor, niederdeutsch aak, ake, ak; niederländisch aak neben naak. Wenn man nun ak oder ach für die ursprünglichere Form ansehen dürfte, so ließ sich die Sache so erklären: man sprach von einer Achenfahrt und meinte damit eine Wasserfahrt (aha, ahwa, aqua, ach, ahe, a = Wasser) und hernach meinte man, zu Zeiten, da ach als Wasser nicht mehr verständlich war, Achen sei das, womit man auf den Wasser fährt, ein Boot. Dem steht aber die angelsächsische Form naca entgegen, da sich zur Zeit des Beówulf diese Bedeutungsverschiebung noch nicht vollzogen haben konnte. Es muß demnach eine andere Erklärung gesucht werden. Mit einiger Zaghaftigkeit hat man auf das lateinische navis hingewiesen. Ich möchte eine andere Möglichkeit erwähnen. Bekanntlich ist das lateinische nix aus snix entstanden. Dem entsprechend könnte auch in unserem Worte ein anlautendes s geschwunden sein. Dann käme es von einer Wurzel sna, snu und gehörte zum althochdeutschen snahhan = gleiten, schlüpfen, schleichen, kriechen, sich bewegen, fließen durchs Wasser gleiten, schwimmen, vergl. englisch snake, Schlange, auch niederdeutsch snake = Schlange. Dann wäre Nachen „ein durch Wasser dahingleitendes Ding.‟ Aber die Sprache hätte sich dann nicht mit einmaligem Schwund eines Anlautes begnügt, sondern es wäre ein zweimaliger erfolgt; es wäre außer dem s auch noch zuweilen das n abgefallen und Nachen wäre nicht aus Achen, sondern Achen aus Nachen entstanden.

Nachtwache, die, s. Wache.

Nadir, der, ist der dem Zenith entgegengesetzte Pol des Horizontes, der Fußpunkt im Gegensatz zum Scheitelpunkt, der Punkt der auf der anderen Seite der Erdkugel dem Scheitelpunkt entgegengesetzt ist. Arabisch und persisch nadir, nazir, von nazara gleich sein, sich entsprechen, entgegengesetzt sein, ein Gegenstück zu etwas bilden.

Nagelbank, die, ist ein an der Binnenseite des Wants oder sonst an passender Stelle angebrachtes Stück Holz, in dem die Koveinnägel zum Belegen laufenden Gutes befestigt sind.

Naht, die, bedarf nur im Sinne von Decksnaht einer Erklärung, indem es die Fuge zwischen zwei Decksplanken bedeutet. Es hat also mit nähen keine Gemeinschaft, kommt vielmehr vom althochdeutschen hnôjan, nuoen = einsetzen, genau zusammenfügen; davon althochdeutsch hno, nô, nua, nuo, nuoha = Fuge, schmale Ritze, Nut. Dieses Nut wäre die richtige Form des Wortes, wie es unsere Handwerker auch täglich gebrauchen, Naht aber ist auch eine der vielen Verdunkelungen, die von Unkundigen bei der Aufnahme ins Hochdeutsche verschuldet worden sind.

Nahrungszweig, erlaubter, nennt man wohl scherzhaft die Seefahrt. Wenn einer ihrer bei andauernd schlechtem Wetter oder sehr langem Seetörn recht müde ist und sie verwünschen möchte, so fängt er wohl mit einer Verwünschung an, unterbricht sich dann aber und sagt: „na, sie ist ja aber ein erlaubter Nahrungszweig.‟ Der Ausdruck stammt aus der alten Litanei, die auf Schiffen, wo ein Pfarrer ist, an Bord und in den Marinekirchen am Lande am Bußtag gebetet wird und bis vor Kurzem eine Fürbitte enthielt für Bergbau, Handel, Seefahrt „und andere erlaubte Nahrungszweige.‟ Das Gebet ist also zu einer Zeit verfaßt, in der die Seefahrt vielfach als unerlaubter Nahrungszweig, als Seeräuberei, betrieben wurde.

Navigationsoffizier, der, ist an Bord der Kriegsschiffe der Offizier der alles unter sich hat, was zur Navigation im engeren Sinne gehört, dessen Aufgabe vor allen Dingen die Bestimmung des Mittagsbestecks ist, der überhaupt die astronomischen Beobachtungen anzustellen und zu leiten hat, der das Meteorologische besorgt, unter dessen Verantwortung die Chronometer bedient werden, der die Karten- und Instrumentenkammer unter sich hat, also einen verantwortungsvollen Posten bekleidet. Daher wird ein älterer Offizier dazu genommen, der nächste nach dem ersten Offizier; er ist wachfrei und hat auch sonst mit dem Schiffsdienst weniger zu tun, damit er sich ganz seiner besonderen Aufgabe widmen könne. Unter ihm steht mit seinen Maaten und Gasten der Steuermann, den man bei der Marine eine Zeit lang Navigations-Bootsmann nannte; nicht sehr glücklich, so daß man erfreulicherweise bald wieder davon abkam. Das Fremdwort Navigation war schon früh im Gebrauch. Waghenaer gebraucht es schon 1588: „Alsoo onse particuliere Zee-Caerten die wy vande Westersche, Oostersche ende Noordtsche navigatien, eensdeels hebben laten vtgaen ende d'andere (met Godes hulp) mede van meyninghe syn eerstdaechs int licht te doen brenghen‟ ...

Napier'scher Turm, der, s. Turm.

Neer, das, heißt das fallende Wasser, der Ebbstrom, der zurückfließende, rückläufige Strom, das Wasser, das durch irgend ein Hindernis eine der Hauptströmung entgegengesetzte Stromrichtung erhält, wie dies bei der vorspringenden Stelle eines Ufers, bei einer Sandbank etc. etc. geschieht; niederländisch neer, neere = Gegenstrom. Doornkaat dürfte mit seiner Vermutung recht haben, daß neer Zusammenziehung von neder = niedrig sei, indem Ebbestrom das ursprünglich Ausschlaggebende war, und der hat niedrig Wasser im Gefolge.

Nehrung, die, Name der langen, schmalen Halbinsel an der preußischen Ostseeküste. Weil Nehrung eine schmale, also auch enge Landzunge ist, so hat man an das altsächsische narn enge gedacht. Da aber eine solche Landzunge leicht Änderungen in der Strömung, Strudel und dergl. erzeugt, so wäre in Betracht zu ziehen, ob wir hier nicht eine Weiterbildung von Neer (s. d.) vor uns haben.

Nes, die, auch Nesse, Halbinsel, Vorsprung, Landzunge, Name der Halbinsel Nesse bei Emden, der Ortschaft Nesse bei Norden; englisch ness, in Sheerness; altnordisch, norwegisch nes; schwedisch näs, dänisch nes, naes Vorgebirge, Kap; Lindesnäs und andere. Das Wort ist kein anderes als die niederdeutsche Form für unser hochdeutsches Nase.

Niklausse-Kessel s. Kessel.

Niederdruckmaschine s. Maschine.

Niederholer, der, ist ein laufendes Tau, das an solchen Segeln angebracht wird, die, wenn ihr Fall losgemacht ist, nicht von selbst sinken, sondern, eben mit Hilfe des Niederholers, niedergeholt werden müssen. Er wirkt in der entgegengesetzten Richtung des Aufholers. Klüver und Stagsegel haben dergleichen Niederholer.  —  Auch gibt es Niederholer für die Bramrahe und Oberbramrahe, die mit diesem Niederholer an Deck bezw. in den Mars niedergeholt werden.

Nipflut, die = niedrige Flut. Das niederdeutsche Zeitwort nippen heißt mit dem Kopfe nicken, den Kopf sinken lassen. Dem entspricht das Hochdeutsche nippen, den Kopf öfters sinken lassen um in kleinen Schlucken zu trinken. Mittelniederdeutsch nipen sinken, niedergehen, heruntergehen, sich senken. Ein niederdeutsches Substantiv nip heißt Nicken, das Sichneigen des Kopfes. Von dem allgemeinen Begriff niedergehen kommt das angelsächsische nipan = obscurari, weil niedergehende Gestirne dunkel werden, bezw. dunkel machen. Es ist also Nipflut mit „niedrige‟ Flut zu übersetzen.  —  Breusing mochte dieses Wort vergl. „Gezeiten‟, nicht leiden, weil er es für englisch und deutschen Seeleuten unverständlich hielt. Er möchte dafür „taube Gezeit‟ eingeführt sehen. „Man unterscheidet Springzeit und taube Gezeit in ähnlichem Sinne, wie man leere, taube Schoten von denen unterscheidet, die aufspringen, wenn sie voll und reif sind.‟ Es hat sich aber Nipflut so in der wissenschaftlichen Welt eingebürgert, daß an ein Verdrängen nicht zu denken ist. Nach obigem ist es auch gar nicht so ausschließlich englisch wie Breusing dachte; ebensowenig wie tide (s. d.) englisch ist.

nisseln, fein, sanft, langsam regnen, so daß keine großen Tropfen, ja überhaupt kaum Tropfen, sondern kaum etwas mehr denn feiner Nebelregen herniederkommt. Das niederdeutsche Zeitwort nüsseln heißt langsam sein, zaudern, säumen, nicht vorwärts kommen, nichts beschicken, keine ganze Arbeit tun. Offenbar ist letzteres auch die Bedeutung von nisseln = regnen, ohne daß es ganzer, richtiger Regen ist, regnen mit halber Kraft, mit halber Arbeit. Nüsseln könnte gleich nüsteln sein, und dieses ist gleich nesteln, kleine, tiftelige Arbeit tun, Arbeit die viel Zeit braucht, ohne daß sie viel zu Stande bringt.

Nitsel, das, auch Nitzel geschrieben, heißt ein dünnes, kurzes, getakeltes Stücken Garn, mit dem die Seeleute ihre Wäsche an der Wäschejolle zum Trocknen aufhängen oder vielmehr festbinden, besonders aber das Bändsel oder Nestel, mit dem man die Hängematte zusammennestelt, zurrt. Für Nestel hört man wohl auch Nistel und davon ist Nitsel eine einfache Umstellung.

Nock, die, die spitze Ecke eines Segels, die äußerste Spitze einer Rahe. Weiland: „Nok een woord, dat in het gemeen het opperste toppunt van iets, het niderste einde schijnt beteekend te hebben. In het bijsonder is het in gebruik voor het opperste van het dak.‟ Auch im Niederdeutschen wird es für First gebraucht; norwegisch nuk, Bergspitze.  —  Die Grundbedeutung ist biegen, beugen, krümmen, in einem Winkel sich umbiegen, eine scharfe Ecke bilden. So hieß also zuerst die äußerste Ecke des Segels Nock, und von ihr ist der Name auf den nächstbenachbarten äußersten Teil der Rahe übergegangen; wie umgekehrt der Name Klau vom Ende der Gaffel auf den benachbarten Teil des Segels überging.  —  Da durch das Nicken eine Biegung und Krümmung entsteht, so wird Nock zu nicken zu stellen sein und als verwandt mit Nacken und Genick angesehen werden müssen.

Nockgording s. Gording.

Normandkessel s. Kessel.

Normalnull s. Nullpunkt.

Normänner, die, heißen zwei querschiffs stehende an den Betings befestigte eiserne Arme, dazu dienend, den Betingschlag der Ankerkette frei von Deck und die beiden Parten frei von einander zu halten. Früher war ein Normanne ein Stück Holz zur Befestigung des Ankertaus; der Name stammt aus England, wo man die Vorrichtung für so alt gehalten haben muß, daß sie noch von den alten Normannen, die mit Wilhelm dem Eroberer nach England kamen, abstammend angesehen wurde.

Notschuss, der, ein Schuß den ein Schiff in Seenot abfeuert um Hilfe herbeizurufen. Er hat natürlich nur Sinn und Zweck, wenn überhaupt eine Küste nahe ist und wenn sich an ihr Rettungsmittel befinden, die auf den gefeuerten Kanonenschuß hin bereit sind, in Tätigkeit zu treten.

Null! hört man an Bord oft rufen wenn Beobachtungen oder Messungen vorgenommen werden bei denen es darauf ankommt, einen genauen Zeitpunkt zu haben. Es gehören zwei zu solcher Messung, einer der das Meßinstrument und einer der die Uhr im Auge hat. Sobald der bestimmte Zeitpunkt da ist, wird in demselben Augenblick kurz, laut, scharf Null! gerufen; man könnte auch irgend einen anderen Ton von sich geben, aber dieser ist kurz und deutlich und daher einmal als zweckentsprechend eingeführt, zuerst natürlich, weil der genannte Augenblick als Nullpunkt für die Berechnung dienen sollte.

Nullpunkt, der, Dick und Kretschmer I. 232: „Die Pegel der Hafenplätze beziehen sich auf das mittlere örtliche Niedrigwasser. Werden die Nullpunkte jedoch in Verbindung gebracht mit dem Normal-Null, gleich dem Amsterdamer Null oder dem mittleren Wasserstande der Ostsee, gleich 37 m unter dem Normalhöhenpunkte der Sternwarte in Berlin, dann ergibt sich das Folgende: Der Nullpunkt des Pegels liegt unter Normal-Null

in Wilhelmshaven0,578 m
 "  Bremerhaven2,075  " 
 "  Brunsbüttel0,230  " 
 "  Holtenau0,330  " 
 "  Cuxhaven3,639  " 

O.

Ocean, der, griechisch okeanos, bei Homer der die Erde wie das Meer rings einschließende Weltstrom, Urquell alles dessen was ist, aus dessen Fluten sich die Gestirne erheben, so wie sie auch wieder in ihn zurückkehren. Später das Weltmeer, von dem es im Besonderen wieder einen indischen und westlichen Ocean gab. Okeanos war in der griechischen Mythologie personifiziert, Sohn des Uranos und der Gäa, Gemahl der Thetis, Vater einer Menge von Söhnen und Töchtern (der Gewässer), ein Gott, der an Macht nur dem Zeus wich. Der deutsche Seemann kennt nur drei Oceane, den atlantischen, den er gern kurzweg den Atlantik nennt, den großen, für den er gern Südsee sagt, und den indischen. Die Engländer haben außerdem noch einen arctic und einen antarctic ocean.  —  In dem Worte Ocean steckt unser altdeutsches aha, lateinisch aqua = Wasser, mit verdunkeltem a wie bei dem oog in Wangeroog, Spiekeroog, Langeoog etc. etc.

Ochsenauge, das, war vor hundert Jahren für nichts anderes im Gebrauch als für eine Öffnung, die man bei dickem Wetter in den Wolken sieht, ein Stückchen blauen Himmels bei sonst grauer Bedeckung. Roeding meint, durch solch eine Öffnung habe sich der Wind einen Weg gebahnt und man bekomme ihn daher oftmals kurz nachher von der Seite, wo sich diese Öffnung zeigt. „Wenn ein Ochsenauge der Sonne gegenüber steht, so hat es die Farben eines Regenbogens, und alsdann nennt man es auch eine Wettergalle. Steht es aber bei der Sonne, so ist es gewöhnlich ein Vorbote von schlechtem Wetter.‟ Seit uralten Zeiten waren große Augen bei den Frauen für schön geachtet, daher das berühmte boopis im Lateinischen wiedergegeben werden konnte mit „grandibus oculis praedita.‟ Es lag nahe, einen solch freundlichen Himmelsblick ein Auge zu nennen, daß es gerade ein Ochsenauge sein mußte, zeugt davon, daß unter unsern Seeleuten schon im 18. Jahrhundert sich junge Leute befanden, die die Bänke hoher Schulen gedrückt und mit dem vermeintlich freien Seeleben vertauscht hatten.  —  Heute heißt in begrifflicher Anlehnung an diesen Gebrauch von Ochsenauge ein kleines, rundes, wenig aber doch immerhin etwas Licht spendendes Stück Glas, das in einer Kammer die Stelle eines Fensters vertritt, sei es, daß es von oben durch das Deck, sei es, daß es von der Seite durch die Bordwand leuchtet, Ochsenauge; englisch bull's eye, daher auch bei uns meist Bullei genannt.

orientieren, kommt ursprünglich aus der Baukunst und wurde zuerst von Kirchen gebraucht, die nach altchristlichem Gebrauch so gebaut wurden, daß der Chor nach Osten zeigte. Eine solche nach oriens gerichtete Kirche hieß und heißt orientiert. Nach einer orientierten Kirche konnte sich jeder leicht in Bezug auf die Himmelsrichtungen unterrichten, weshalb man bald „sich oder jemanden orientieren‟ gebrauchte für informieren, zurechtweisen, belehren u. s. w. Aus dem Umstande, daß mittelalterliche Kirchen entweder im ganzen oder gar nur in einzelnen Teilen nicht genau orientiert sind, hat ein Baumeister unserer Tage geschlossen, man habe die Orientierung der betreffenden Kirchen zwar nach der Magnetnadel vorgenommen, aber die Mißweisung außer Acht gelassen.

Orkan, der. So heißt jetzt jeder Sturm, der sich über das gewöhnliche Maß des Sturmes hinaus steigert, ja im Binnenlande ist man mit der Bezeichnung orkanartiger Sturm schon bei der Hand, wenn irgendwo einmal ein Glasdach abgedeckt wird; ursprünglich waren aber nur die besonders schweren westindischen Stürme, die Cyclone, damit gemeint, denn aus dem karaibischen Meer haben die Spanier das Wort mitgebracht; spanisch huracan, welches die dem Ursprünglichen am nächsten kommende Form sein dürfte; italienisch uracano, französisch ouragan, niederländisch orkaan. Die Engländer haben das anlautende h stehen lassen und sagen hurricane. Bei uns ist es erst in der neuhochdeutschen Zeit in Aufnahme gekommen.

Orlogschiff, das, s. Kriegsschiff.

Orlopbalken, Orlop, Overlop, s. Deck.

Ort, der. Es gibt fünf verschiedene Bedeutungen von Ort: 1. Schusterahle, 2. Maß, 3. eine Münze, 4. eine Landspitze, 5. ein Platz. Sie kommen aber alle fünf in dem einen Begriff Spitze zusammen, spitzer Punkt, Anfang, Ecke, Winkel, Rand, Platz; einem Begriff, der sich an der See in den Bezeichnungen Darserort, Brüsterort, Friedrichsort erhalten hat und der in dem althochdeutschen Ort und dem mittelniederdeutschen oort noch ausschließlich lag; wie denn auch im Altfriesischen oerd für Schwertspitze gebraucht ward, und in Groningen noch heute oort die Messerspitze heißt, wie im Angelsächsischen ord ganz allgemein Waffenspitze. In Bezug auf die Bedeutungen Maß und Gewicht und Münze sagt Kluge, 276: „Zunächst ist diese Bedeutung von dem viereckigen durch ein Kreuz in vier Orten, d. h. Ecken geteilten Münzen ausgegangen und erst dann auf Maß und Gewicht übertragen worden.‟  —  Die Bezeichnung Örtje, Örtchen für die kleine ostfriesische Münze, im Werte von 1-1/4 alten hannoverschen Pfennigen, ist in dem Spottgedicht verewigt, das Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Offizier der hannoverschen Garnison in Aurich auf Ostfriesland gemacht hat.  —  „Wen gy von ein Land na dat ander segeln willen, und gy alßden juw Gissing willen maken, so möcht gy erst den Huck offt Ort des Landes, dewars, von juw aff gegeben, ehr und bevor gy de Glese kehren,‟ „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, 1673. Daß Ort ein langes o hat, geht schon aus den obigen alten Formen hervor, wird aber bestätigt durch das „Seebuch‟ von Manson, Lübeck 1735: „Vons West Ende von Femern nach dem Inlauff von Kiel ist es Westen zum Süden 5 Meilen, die Förde ist groß und weit, ihr lasset das Casteel, Friedrichs Ohrt im Aufsegeln am Stührbord, man gehet dann das Förde auf nach der Stadt zu.  —  Von Kieler-Föhrde biß Eckern-Förde ist es Nord-Nordwesten 2 Meilen ist gleichfals eine grosse weite Förde, man segelt hier für die Stadt gleiches Nahmens.‟

ösen heißt schöpfen, ausschöpfen, besonders das Wasser aus einem Boot mit einem Schöpfer, Ösfaß genannt, ausschöpfen. Schon Kilian übersetzt oozen mit haurire, und von einer Form dieses Zeitworts stammt es auch, indem es aus haustum weitergebildet ist mit geschwundener Aspiration. Das beweisen die Formen mit au, in der Edda ausa, gießen; auster das Wasser das sich am Boden eines Fahrzeuges sammelt, eigentlich das Auszuschöpfende; aust-skota, das Schöpfgefäß. Es beweisen es auch die Formen die bis auf heute das h des Anlautes behalten haben. Wangeroogisch und überhaupt neuniederdeutsch hozen, neuniederländisch hoosen = schöpfen, hoosvat = gieter, Gießer.  — Friesisch eaze, mittelst des easfet. „Wol beslein, zei Anke de scipper, it scip forlern, ind it easfet bihalden.‟ Bei der Lüneburger Salzgewinnung heißt oseammer, osammer der Schöpfeimer und der Solschöpfer führt den Namen oser. Von Bremen bis Wangerooge heißt der unterste Rand des Daches von dem das Regenwasser auf die Erde tröpfelt oese und oesing, also Dachtraufe. Kurz im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt ösen schöpfen oder gießen; „een öse, dar dat segel mit genettet werdt.‟ Und auch im Oberdeutschen heißt Oese das Schöpfgefäß; nicht zu verwechseln mit Oese = Ohr, Henkel, Griff, denn das kommt gemäß einem bei Willmans I. 85 auseinandergesetzten Lautverschiebungsgesetze vom gothischen auso, das = Ohr ist.  —  Man sagt, wenn einer etwas mutwillig umkommen läßt: „er verast es;‟ das muß eigentlich heißen: „er veröst es‟, gießt es aus, verschüttet es.

P.

P. and O. Abkürzung für Peninsular and Oriental Line, eine Schiffahrtslinie die ihre Verbindungen mit der Peninsula d. h. Spanien und Portugal und mit dem Orient d. h. mit Ostindien etc. etc. unterhält. Im Abkürzen sind die Engländer groß; Gib für Gibraltar und Frisco für Francisco und Hock für „Hochheimer‟ kann man auf jedem englischen Kriegsschiffe hören, und in ganz Indien, China und Japan hört man nie anders als von P. and O. = Dampfern reden, wenn man von dieser englischen Linie und ihren Schiffen spricht.

p. m. s. a. m.

Pageie, die, heißt nach Roeding (1794) bei den Negern an der afrikanischen Küste und auch bei den Indianern eine Art Riemen mit breitem Blatt. Wort und Sache scheinen zu uns auf dem Wege über Frankreich gekommen zu sein, französisch pagaye, Zeitwort pagayer, und der Ruderer mit diesem Werkzeug heißt pagayeur. Die Pageie wird nicht auf den Dollbord aufgelegt, sondern der an der Bordwand des Bootes sitzende pagayeur rudert aus freier Hand, die Pageie auf und nieder haltend. „L'effet de la Pagaye est plus considérable que celui de l'aviron, mais sa manoeuvre exige plus de force et fatigue davantage.‟ (Bonnefoux et Paris, marine à voiles 542.)

paddeln heißt auf eigentümliche Art rudern oder im Wasser sich bewegen. Es scheint, daß in England sich der Name Pageie nicht eingebürgert hat, (s. d.) vielleicht weil man dorten für ein ähnliches Werkzeug den sehr populären Namen paddle hatte, der sich nicht verdrängen ließ, „a sort of short oar with a broad blade used in propelling and steering canoes and boats.‟ Paddel ist aber auch bei uns neben Pageie in Gebrauch, besonders indessen das Zeitwort paddeln, eine Tätigkeit anzeigend durch die das Wasser, sei es durch Rudern, sei es durch eigentümliches Schwimmen, so bewegt wird, wie ein Frosch es beim Schwimmen bewegt. Ein Frosch oder eine „Kröte‟ hieß aber angelsächsisch pada und heißt englisch paddock, niederdeutsch padde.

Packung, die. Packen heißt zuerst ein Packet machen, dann seine Sachen für die Reise in einen Koffer legen, dann sie in einer Truhe, einer Kommode unterbringen, in Ordnung bringen, sichern; daher heißt die Dichtung einer Gas- oder Dampfröhre, weil sie eine Sicherung darstellt, Packung s. Bagger, Baginrahe, Packetboot.

Packetboot, das, ein Schiff das regelmäßige Fahrten ausführt und dabei Passagiere, Güter, Packete und Briefe befördert, also das vorstellt, was man jetzt gewöhnlich einen Postdampfer nennt. Das Wort Packet ist mit dem niederdeutschen bag verwandt, das Sack bedeutet, s. Bagger und Bagienrahe. Aus balg = Tierhaut ward bag = Sack; aus bag ward Pack, denn wer keinen bag hatte, der band sein Zeug einfach mit einem beliebigen Stück alter Leinewand zusammen, und das stellte dann auch einen Pack vor. Dann erweiterte sich der Begriff dahin, daß alles was zusammengeschnürt oder auch nur in ein Papier eingewickelt war schon als Packet angesehen wurde. Die Post die dergleichen besorgt heißt Packetpost, das Schiff das dergleichen befördert Packetboot.

Pall, das, ist eine eiserne Sperre am Spill, dessen Rücklauf zu verhindern. Pall, englisch pallet, heißt das im Winkel gebogene Ende des Armes eines sogen. Ankers in einer Uhr, das in die Zähne des Zahnrades eingreift. Das Bremer Wörterbuch kennt das Wort in verschiedenen Bedeutungen. „Wenn das Sperreisen in eine solche Kerbe greift, so rufen die (das Spill drehenden) Matrosen: Pall! und machen eine Pause. Daher haben wir die sehr gebräuchlichen Redensarten: pall staan: unbeweglich stehen, standhafte Gegenwehr tun; to Pall setten, fest setzen; slim to Pall kamen, übel anlaufen, mit vieler Mühe seinen Zweck erreichen.‟  —  Auch in der Seemannssprache unserer Tage adverbial gebraucht: Das Schiff steht pall, steht fest. Überhaupt ist mit dem Worte der Begriff „fest‟ verbunden. Er hat also nichts mit dem Pall in Pall-Mall (Malje) zu tun, das von palla = Ball und maglio (malleus) Hammer kommt und ein ehedem auch in deutschen und niederländischen Städten (Halle, Altona, Utrecht) beliebtes Ballspiel bedeutete, sondern kommt vom lateinischen pala, der Spaten. Dieses Werkzeug scheinen die Alten aber ausgedehnter gebraucht zu haben als wir, denn es kommt seinerseits von pango = festschlagen; allerdings schlagen auch wir die Kanten des mit dem Spaten Gegrabenen mit dem Spaten fest, aber in pala scheint der Begriff „fest‟ doch noch stärker zur Geltung gekommen zu sein.  —  Ich finde das Substantivum „die Pallen‟ zuerst in der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, 1673: „Es sähe überall sauer aus, und die Noth war da, derohalben entschloß ich, daß wir wolten daß erste Land für das beste erkiesen; auff daß wir in der See nicht vergehen möchten; den zuvor dürffte ich mich nicht mit dem harten Wind an den Wall geben, weil die Pallen von daß Bratspieß weg wahren, den so wir zum Ancker gehen mußten, konnten wir solches nicht wieder auffbekommen, gedacht auch, so der Wind Westlich blieb, wolten wir den andern Tag unser Korß nachs heilige Land (Helgoland) setzen, den wir waren damahls neben dem Eylande Just, so an die Fresische Kost gelegen ungefehr acht Meilen von de Wall.‟

palmen heißt Hand über Hand holen, also nicht wie solches auf Kriegsschiffen gewöhnlich geschieht, den zu hissenden Gegenstand auflaufen, sondern mit wenig Matrosen, indem jeder von ihnen eine Hand vor die andere setzt, in die Höhe ziehen; das Gegenteil davon ist fieren, was auch Hand über Hand geschehen muß damit der zu fierende Gegenstand oder vielmehr das an ihm befestigte Tau nicht schliere.  —  Kommt vom lateinischen palma, das Innere der Hand, von dem auch die stolzen Palmen wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit einer flachen Hand und ihren ausgebreiteten Fingern den Namen haben.  —  Die Hand wurde auch ebensogut wie der Fuß und der Ellbogen als Maß benutzt und man gebraucht dementsprechend palmen auch für messen.

Palstek, der. Stek heißt Stich, vom Durchstechen eines Tauendes durch eine Schlinge; Pal heißt Pfahl; darum aus dem Ganzen einen „Pfahlstich‟ zu machen ist ein unangebrachter Versuch der Verhochdeutschung eines gut niederdeutschen Seemannswortes. Das Eigentümliche des Palsteks ist, daß er nicht zuschliert wenn er um einen Poller oder Dükdalben gelegt wird, auch wenn Kraft darauf kommt, und daß man, sobald die Kraft zu wirken aufhört, den Palstek ohne Weiteres wieder von dem Pfahl, dem Poller, dem Dükdalben abnehmen und über einen anderen streifen kann, wenn etwa ein Schiff verholt werden soll.

Pampero, der, ist ein heftiger, plötzlich und überraschend aufkommender, mit schwerer Bö einsetzender Wind an der Küste von Südamerika, aus Westen wehend, hat er seinen Namen von den Pampas, über die er hinwegstreicht. Schon manches Schiff lag dem Kentern nahe oder ist gekentert, wenn es sich an jenen Küsten von einer so schwer vorherzusehenden „weißen Bö‟ überraschen ließ.

Pantry, die, ausgesprochen Päntry, also über England zu uns gekommen, bedeutet jetzt den zu einer Messe gehörigen Anrichteraum, in dem die Gläser, Teller, Messer, Gabeln etc. etc. aufbewahrt und auch abgewaschen werden. Vorräte werden in diesem Raume nicht verstaut, doch muß früher wenigstens ein gewisser Vorrat von (Hart-) Brot in der Pantry gehalten worden sein, denn von panis, das Brot, hat sie ihren Namen, der also eigentlich Brotkammer bedeutet; das Mittelglied zwischen panis und pantry ist das französische paneterie.

Panzer, der. Die gewaltigen Panzerschiffe die jetzt den Ocean durchfurchen haben ihren Namen vom Unterleib. Panzer ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen. Da heißt pantex der Leib, gewöhnlich in der Mehrzahl und poetisch gebraucht als pantices, die Eingeweide. Daraus ward italienisch pancia, spanisch panza, provençalisch pansa, französisch panse; mittelniederdeutsch panse, pantze, pantse, der Pansen, Wanst, Bauch, Magen, Kuhmagen, Magen der Wiederkäuer. Von Menschen wird es jetzt nur noch in sehr freier Rede gebraucht und in stehenden derben Redensarten: „Ich trete Dir vor, in den Pans!‟ „Sük de Pans full fräten.‟ Doch spricht das Volk auch ganz harmlos: „Mit ledige (leeren) Pansen is god dansen‟, wo der Gebildete sagen würde: „plenus venter non studet libenter.‟  —  Den Teil der Rüstung der den Unterleib deckte nannten die Italiener panciera, spanisch pancere, altfranzösisch panchire, mittelniederdeutsch (Kil.) pans-yser oder panssier. Es war eine schuppenförmige Stahlschürze, die hat sich inzwischen zu halbmeterdicken Stahlplatten ausgewachsen.  —  Die Panzerung eines Schiffes besteht aus einzelnen Panzerplatten die je nach dem Material, dem Erfinder, dem Ort der Verfertigung ihre Namen führen; so spricht man von Stahlpanzerplatten, Compoundpanzerplatten, Nickelstahlplatten, Harweyisierten Platten, Tressiderplatten u. s. w.

Pardun, das. Die Parduns sind stehendes Gut und stützen die Stengen nach der Seite und nach hinten zu und verleihen ihnen festen Halt. Die Endung un, oen geschrieben, kommt im Niederländischen, woher das Wort  —  es lautet daselbst perdoen  — stammen wird, häufig vor; katoen, blazoen, latoen, plantsoen, festoen, galjoen, menizoen, vermiljoen. Die Stammsilbe par dürfte von bar, par = tragen kommen, denn das Pardun ist ein tragendes, haltendes, festhaltendes Etwas. Es müßte, wenn diese Ableitung richtig ist, eigentlich Parun heißen; aber so gut man, wie in Kiel geschieht, der bequemeren Aussprache wegen anstatt Karl Kardel sagen kann, so gut kann sich auch hier das d eingeschlichen haben, zumal bar, par die Neigung hat, sich mit d weiterzubilden, wie Geberde und Hellebarde, Helleparte beweisen.

Part, die. Das Wort kommt von pars, der Teil, und wird schon im Mittelhochdeutschen für Teil, Anteil, Abteilung gebraucht. Demgemäß wird es noch heute häufig gehört: Halbpart, Partei, Partie Waren, eine „gute Partie‟, eine Landpartie; seemännisch als Anteil an einem Bodmereigeschäft, Schiffspart, und dann sehr häufig im Gebrauch für „Teil eines Taues,‟ und dann auch wohl die Parte. So heißt jeder einzelne Teil des Läufers eines Takels der von einer Scheibe bis zur anderen geht, so daß ein Takel doppelt so viele Parten hat als Scheiben.  —  Ein einfaches Tau, das überhaupt durch keine Scheibe geschoren ist, das man also im Binnenlande einfach als Strick bezeichnen würde, nennt der Seemann eine enkelte Part, einzelne Part. Wird aber dasselbe zusammengebogen, so daß dessen beide Enden neben einander liegen, so heißt die so gebildete Bucht eine doppelte Part.

Passat, der, ist der nördlich und südlich vom Äquator regelmäßig aus Nordost bezw. Südost und annähernd stets in der gleichen Stärke wehende, dem Seemann hochwillkommene Wind. Das unter Passer erwähnte spanische paso heißt nicht nur Schritt, Gang, Art zu schreiten, in welcher Bedeutung es schon allein zur Erklärung von Passat genügen würde, sondern auch „Strich der Vögel‟. Wie nun die Vögel auf ihrem Zuge nach oder vom Süden stets den gleichen Strich inne halten, so streicht auch der Passat stets auf demselben Strich, aus bekannten physischen Ursachen. Englisch heißt der Passat tradewind; trade heißt ursprünglich Weg, Lauf, Pfad; Passat wäre also ein Wegwind, der stets denselben Weg weht. Es liegt auf der Hand, daß in diesem allgemeinen Sinne auch die Monsune Passate sind; doch haben die ihren eigenen arabisch-persischen Namen behalten.

Passer, der, ist das was uns jetzt unter dem Namen Zirkel geläufiger ist. Ursprünglich hieß unser Kompaß in den romanischen Sprachen compasso und bedeutete weiter nichts als Zirkel = Meßinstrument; die jetzige Bedeutung als Instrument zum Messen der Himmelsrichtung ist später hinzugekommen. Im Spanischen hat paso neben vielen anderen Bedeutungen auch die von Takt, Versmaß, überhaupt von Maß und von Werkzeug zum Messen. Fuß, Spanne, Hand (palma), Elbogen, Klafter sind Maße vom menschlichen Leibe genommen; ein solches Maß ist auch der Schritt, sogar jetzt im Zeitalter des Meters noch sehr gangbar. Vom Schritt zum Messen und vom Messen zum Meßwerkzeug war jedesmal nur ein Schritt.  —  Insbesondere wurde der Passer zum Absetzen auf der Seekarte gebraucht, die man darum auch Paßkarte nannte.

Pegel, der. Maß zum Messen des Wasserstandes bei Meeren, Seen, Flüssen. Es bedeutet im Mittelalter ganz besonders ein Maß zum Messen von Getränken, wobei die messende Skala an der inneren Wand des Trinkgefäßes angebracht war. Das von einigen Gelehrten Ende des 18. Jahrhunderts herausgegebene „Bremer Wörterbuch‟ bemerkt hierzu: „Vor Zeiten bedeutete Pegel ein gewisses Maß flüssiger Sachen. Nächstdem nannte man hier auch also einen inwendigen Ring einer Kanne, der zum Abmessen des Trunkes bei den Gelagen diente. Unter den Meisterstücken der hiesigen Zinngießer ist noch jetzt eine Kanne mit Pegeln gebräuchlich. Da eine solche Kanne mit verschiedenen dergleichen Ringen versehen gewesen, so hatte ehedem ein jeder der Saufbrüder grade bis auf einen solchen Ring, ohne abzusetzen, trinken müssen. Hatte er diesen verfehlt, so war er genötigt, zur Strafe auf den folgenden zu trinken. Wobei der ziemlich unhöfliche Zuruf gewöhnlich gewesen: Suup up den Pegel, du Flegel! Daher sagt man auch noch: enen goden Pegel supen, einen guten Trunk verstehen können, ein großer Säufer sein.‟ Daher also stammt der Ausdruck picheln für Trinken. Man sieht, die Deutschen befleißigten sich von jeher des Trunkes nach allen Regeln der Kunst. Doch tat der Pegel gute Dienste beim Einschenken, indem man, wie bei den Kindersaugflaschen, durch die Striche an der Wand genau den Inhalt des Gefäßes sehen konnte. So konnte jeder wissen, ob er für sein Geld auch sein rechtes Maß bekam. „Sed to, ys dat recht getappet? Is dar doch ein gantz pegel weggeschnappet‟, beklagte sich im Mittelalter ein Mecklenburger beim Wirt. Ebendaher stammt auch der Vers: „Is it ein mester, moet man en firen, so moet he am ersten sinen pegel utliren.‟ Der alte Kilianus Duffläus erklärt peghel mit capacitas sive mensura vasis; peghelen mit metiri, mensurare und sagt auch schon öfters peylen anstatt peghelen (s. peilen). Nordfriesisch heißt Pegel nicht nur ein Maß an oder in einem Trinkgefäß, es kommt der Ausdruck auch beim Kornmessen vor. Also ist die Bedeutung ganz allgemein die eines Maßes. Die Verwandtschaft mit Beil ist wahrscheinlich. Beil hieß altnordisch biegel, althochdeutsch pigil und heißt in Bayern heute noch Beichel. Man hat sich also die Sache so zu denken, daß ursprünglich die Maße am Rande des (hölzernen) Gefäßes Einschnitte oder Kerben, mit einem Beile gehauen, waren.

peilen, etwas abmessen, untersuchen, beobachten, messen, feststellen, bestimmen. Die Sonne peilen, sie mit einem Peil-oder Azimutal-Kompaß beobachten, in welcher Himmelsgegend sie steht. Den Grund peilen, die Tiefe desselben mit dem Senkblei, welches daher das Peillot genannt wird, untersuchen; das Land peilen oder die Lage desselben mit dem Peilkompaß bestimmen, wie weit vom Schiffe und nach welchem Kompaßstriche es liegt. Die Pumpe peilen oder mit dem Peilholz untersuchen, wie hoch das Wasser in der Pumpe steht. Peilen ist zusammengezogen aus pegelen, indem das g der größeren Bequemlichkeit wegen ausfiel und aus den beiden dann zusammengetroffenen e der Diphthong ei wurde. Pegelen aber kommt von Pegel (s. d.). Was heute Peilkompaß heißt, nannte der Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673 noch durchgängig Pegel-Compaß. „Tho Pegelinge averst der Landen, Torens, Huken und Baken, imgeliken der Sünnen up und underganck, is nichts bequemeres, den ein recht Pegel-Kompaß, wil se averst mennigen tho dür sin (dar doch offt Schip, Man und Gut angelegen is) so werender ock weinig by der See gefunden, de se gebrucken offt bei sik föhren, behelpen sick, in Platz von dessen, mit ein Kompaß mit ein Pin, dar man sik ok thor Noth wohl mit behelpen kan, wen man wet dat de Drat unter de Rose Süden und Norden gelecht is. Dat seckerste holde ick awerst vor best.‟

Penterhaken, der. Früher gab es einen Penterbalken, ein Pentertakel und einen Penterhaken, sie bildeten zusammen gleichsam eine Reservevorrichtung die beim Ankerlichten in Tätigkeit trat. Bei der neuzeitigen großen Umwälzung die das ganze Ankergeschirr erlebt hat, ist als letzte Erinnerung daran nur der Penterhaken geblieben, und auch ihn führt das amtliche Handwörterbuch für technische Ausdrücke in der Kaiserlichen Marine schon nicht mehr unter den zahlreichen anderen Haken auf. Er faßt beim Ankerlichten in den Ring des Ankers. Das niederdeutsche Wort pennen heißt: in einander stecken, in einander fügen, verbinden, schließen, riegeln, vergl. das englische to pin = einstecken, anstecken, heften, anheften, befestigen, festmachen. Das Zeitwort pennen kommt von Pinne, einem Ding zum Ein-, Auf-, Feststecken, Festhalten, Festmachen, Verschließen, Verbinden; mittellateinisch pinna, der Nagel.  —  Vergl. übrigens „Porteurleine‟ am Schluß. Der Penterhaken und die Porteurleine gehören so nahe zusammen, daß die Annahme beinahe unabweislich ist, daß Penter eine volkstümliche Form von Porteur, oder Porteur eine gelehrte Form von Penter ist.

Peter, blauer, eine blaue Flagge als Abfahrtssignal eines Schiffes. Durch Hissen desselben gibt der Kapitän zu erkennen, daß er die Absicht hat, in See zu gehen und daß also, wer an Bord gehört, sich einzufinden habe. Die Bezeichnung stammt aus dem Englischen, wo sie scherzweise aufkam als Umbildung von blue repeater, einer blauen Kontre-Signal-Flagge.

Pferde, heißen die Taue unterhalb der Rahen, auf denen die Matrosen beim Segelsetzen oder -bergen stehen. Sie haben mit dem Lehnwort aus dem Lateinischen Pferd = Roß nichts zu tun. Vielmehr kommt das Wort davon, daß die Matrosen auf diese Taue mit ihren Füßen treten. Treten hieß angelsächsisch paddan, peddan, eigentlich wandeln, laufen, spazieren gehen, also in dem Sinne, in dem wir von einem Pflastertreten sprechen. Niederdeutsch pedden. Es kommt aber auch die Form perren und perden vor. In Hinterpommern nennt man „in Menschenkot treten‟ „in't Fossise perre.‟ Das was einer perd kann er leicht ein Perd nennen und das Neuhochdeutsche hat im Mißverstand ein Pferd daraus gemacht.

Pflicht, die. Doornkaat: „Auf kleinen Schiffen und namentlich solchen, deren Raum offen ist und die kein eigentliches Deck oder Vordeck haben, ein abgezimmerter mit einem Deck oder Verdeck versehener kleiner Raum im Hinter- und Vorderteil von Fluß- und Wattschiffen oder Tjalken, welcher im Hinterteil die Stelle einer Kajüte auf großen Schiffen vertritt und als solche achterpflicht heißt, während die förpflicht oder der bedeckte und abgezimmerte Raum im Vorderteil solcher Schiffe auch forunder genannt wird (s. Farunner).‟ Es ist die Form Pflicht eine der schlimmsten hochdeutschen Verdunkelungen der Seemannssprache. Das Wort heißt nicht Pflicht, sondern Plicht. Niederdeutsch plicht; niederländisch plecht, plicht; auf Wangerooge pliucht; schwedisch und dänisch pligt; norwegisch plitt; offenbar verwandt mit dem englischen plight = Decke, da die Plicht doch bedeckt ist und ein Deck darstellt. Das „Bremer Wörterbuch‟ sagt: Pligt = ein kleiner Raum vorn und hinten auf einem Schiffe. Es war aber ursprünglich wohl die Bedeutung auf den vorderen Raum beschränkt. Das geht einesteils aus der Übersetzung Kilians hervor, der plecht van 't schip mit prora wiedergibt, andernteils auch aus der Bezeichnung Plichtanker. Der heißt so, weil er auf der Plicht seinen Platz hat, um stets bei der Hand zu sein. Den Anker braucht man aber in der Regel vorn; so war die forplicht jedenfalls die eigentliche Plicht. Das wird auch durch den noch gangbaren Ausdruck Bootspflicht bestätigt, denn so heißt der erhöhte, mit einem Gräting gedeckte Teil vorn, am Bug eines Bootes. Noch deutlicher wird dies durch die Zusammensetzung „Lausepflicht‟. Damit ist der Raum vorn am Gallion bezeichnet; da wo der Mann seine Notdurft verrichtet, macht er auch seine Toilette, da kämmt er sich, und daß der derbe Seemann die Plicht, auf der sich die Leute zu kämmen pflegen, Lauseplicht nennt, wer wird sich darüber verwundern?

Pforte, die, eine verschließbare Öffnung in der Bordwand. Es gab oder gibt Ladepforten, Ballastpforten, Ruderpforten, Piekpforten, Jagdpforten (ganz vorne für die Jagdstücke, die beim Jagen eines fliehenden Feindes in Tätigkeit treten), Luftpforten, Lichtpforten, Stückpforten. Die letzteren sind auf den Kriegsschiffen von besonderer Bedeutung, und darum versteht man, wenn schlechthin Pforte gesagt wird, stets eine Geschützpforte darunter. Das lateinische porta heißt bekanntlich Tür, Tor, es liegt ihm aber ein griechisches Zeitwort zu Grunde, das durchgehen, passieren bedeutet. Insofern ist die Bezeichnung Pforte doch nicht unglücklich gewählt, wenn auch durch diese keine Menschen gehen.

Piek, die. Wo immer dieses Wort in der Seemannssprache vorkommt, da hat es irgend etwas mit „Spitze, Äußerstes‟ zu tun. Die Achterpiek, Hinterpiek ist der äußerste, hinterste, unterste, spitz zulaufende Teil des Schiffes; heißt meist kurzweg die Piek, während der entsprechende vorderste Teil, wenn er überhaupt Piek genannt wird, mit Vorderpiek näher bezeichnet werden muß. Aber nicht nur das Äußerste nach hinten oder vorn, sondern auch nach oben heißt Piek; diese Bedeutung ist sogar die ursprünglichere. So heißt z. B. sogar das Tau mit dem die Gaffel des Besans so getoppt wird, daß ihre Nock sich in die Höhe streckt, ebenfalls Piekfall. Die Rahen auf Piek setzen ist ein anderer Ausdruck für kaien, nämlich sie so auf und nieder setzen, daß sie weniger Raum einnehmen. Die Riemen pieken heißt „Riemen hoch‟ nehmen, sie mit der Spitze, dem Blatt, welches zwar nicht spitz aber doch das Äußerste am Riemen ist, in die Höhe halten.  —  Piek ist dasselbe Wort wie pique im französischen Kartenspiel und bedeutet Pike, Lanze, Speer, Spitze, Bergspitze, Zinne, Gipfel; spanisch und portugiesisch pica, italienisch picca, was mit picco, spanisch und portugiesisch pico, französisch pic, angelsächsisch pic englisch peak zusammengehört, alles mehr oder weniger Spitze bedeutend.  —  Das Piekfall hieß früher Dirk, Gaffeldirk, jetzt heißt Dirk nicht mehr das Tau zum Auftoppen der Besansgaffel, sondern das zum Auftoppen des Besansbaums.

Pier, die, ist der englische, auch bei uns oft gebrauchte Ausdruck für das was wir gewöhnlich Moole nennen, also für einen Steindamm, für eine steinerne Mauer, in See hinausgebaut, zum Schutze der Hafeneinfahrt oder zum Anlegen und Festmachen für Schiffe. Das Wort kommt vom französischen pierre = Stein. Doch ist der Begriff des Steinernen ziemlich in den Hintergrund getreten, denn man kann jedes beliebige hölzerne Bollwerk wohl auch eine Pier nennen hören. Waghenaer 1588 hat die Form Piere: „By westen Sanson leydt Gyon ende heeft een Piere oft afstekent hooft daer d'inwoonders haer visschers barken onder legghen.‟ Er hielt es damals also doch für nötig Piere zu übersetzen und zu erklären, weil es für einen Niederländer auch in jener überaus fremdwortfreundlichen und -reichen Zeit ein erklärungsbedürftiges Fremdwort war.

Pijacket, Peajacket, Pijacke. Der kurze Überzieher der Mannschaften, die bei der Kaiserlichen Marine dienen, den sie, auch wenn sie ausgedient haben, mit anderen (Civil-)Knöpfen besetzt gerne noch weiter tragen. Die letztangeführte Form (Pijacke) ist die einfachste und richtigste zugleich; hat auch den Vorzug die deutscheste zu sein. Schon Ende des 14. Jahrhunderts kommt im Spanischen un jaque de seda vor, eine seidene Jacke. Neuspanisch jaco, italienisch giaco, französisch jaque, niederländisch jasje, zoort van seemannsjas. Ums Jahr 1358 soll, nach Ducange, zu Beauvais ein Häuptling gewesen sein mit Namen Jaque, der, wenn er zum Kampfe auszog, einen kurzen Oberrock getragen habe; daher das zweite Wort in der Zusammensetzung. Das erste, Pi, bedeutet ebenfalls Jacke. Die fremde unverstandene Bezeichnung Jacke genügte dem deutschen Küstenbewohner nicht für das bald heimisch gewordene Kleidungsstück, (die Häuptlinge auf den Siegeln des 14. und 15. Jahrhunderts tragen bis auf die Knie gehende Röcke) darum verbanden sie sie mit dem altgewohnten Worte für Rock py, pye, welches heute noch in Ostfriesland pe, peje, pei, pi heißt und einen kurzen Unterrock von rauhem, grobem Tuch bezeichnet; in Bremen pye, pey, pige, pikke, pike, eine Jacke, ein warmes Unterkleid von Flanell; in Holland pij, pije, in Nordfriesland pie, pei, Rock. Aus dem Griechischen durch das Gothische zu uns gekommen, indem baite, Hirtenrock, Bauernkleid aus Ziegenfell, zu paida wurde; angelsächsisch peda, Untergewand; mittelhochdeutsch pfeit, Hemd, hemdähnliches Kleidungsstück; niederdeutsch pede, nach Schwund des d kontrahiert zu pee, pe mit einem leichten Anklang an das auf dem Wege ins Niederdeutsche zurückgedrängte i, woraus dann leicht das einfache pi werden konnte. Pijacke ist demnach ein Jackenrock, oder vielmehr eine Rockjacke. In Groningen heißt es piejekker, aber auch molvanger, monkie (auch bei uns manchmal zu hören) schort, twiefelder, twiefeloar und, mehr deutlich als fein, vreischieter.  —  Zu bemerken ist, daß die Handelsmatrosen das Kleidungsstück nicht etwa von der Kriegsmarine überkommen haben. Umgekehrt; und in Holland ist es sogar so eingebürgert, daß der Dichter Vondel es nennen kann: „Een dracht, die sterven zal, wanneer de schipvaert sterft.‟  —  Ziemlich spät erst ist im Deutschen Jacke mit Pi verbunden worden. In den gerichtlichen Inventarien, die in Wismar während der Jahre 1438 bis 1547 aufgenommen worden sind, kommt für Rock das Wort pyge ohne Verbindung mit Jacke vor. Dafür ist es aber eine andere Verbindung eingegangen und heißt szepyge, also Seerock, Seewamms; vielleicht das was man heute Lootsenjacke oder Seelenwärmer nennt; irgend etwas Warmes, Gefüttertes, denn der Schreiber der jenes Inventar aufnahm hat es mit „rot foderhemmede‟ verdeutlicht, rotes, gefüttertes Hemd.  —  Pijacket ist n., Pijacke f.

Pinass(e), die, auch (fälschlich) Pinnass(e) geschrieben, eins der großen Beiboote, jetzt fast nur noch dampfend, daher meistens Dampfpinasse oder -pinass gesagt wird, mit dem Ton auf Dampf und Weglassung des auslautenden e. Offenbar zuerst ein aus dem Holze der Fichte, pinus gebautes Boot. Der Name ist im romanischen Sprachgebiet entstanden und weiter gebildet: ital. pinaccia, spanisch pinaza, französisch (um 1700 als Seemannswort allgemein im Gebrauch) pinasse. Das e ist stumm, also tut der Seemann recht, es unausgesprochen zu lassen, es würde in seinem Munde recht geziert lauten.  —  Im spanisch-englischen Kriege unter Königin Elisabeth waren Pinassen als wirkliche seegehende, seeschlachtfähige Kriegsschiffe im Gebrauch. Als im Jahre 1596 die Königin es für ratsam hielt, „den Spanischen ihr angethanes Hertzleid selbst in ihrem tiefsten Eingeweide fühlen zu lassen‟, sandte sie eine Flotte aus, die bei Cadix eine ruhmreiche Affäre hatte. Davon berichtet der Verfasser der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ I 405: „Der Pinas des Ritters Robbert Southwel, der zu Kühn war, das Schiff Philippus anzugreiffen, ward mit demselben verbrandt, das Volck aber davon gerettet.‟ Als im Jahre 1625 die Spanier den Holländern Bahia wieder abzunehmen sich rüsteten, waren bei der aussegelnden Flotte einunddreißig Gallionen, eine Caravell, drei Tartanen und vier Pinassen. Wenn diese auch die kleinsten der Kriegsschiffe waren, so waren sie doch immerhin groß genug, Bahia mit belagern zu helfen.

Pinke, die. Pink, Pinke, Pinkschiff sind Namen für gar verschiedenartige Fahrzeuge im Mittelländischen Meere und in der Nordsee. So verschieden sie auch gebaut und getakelt sind, eins hatten sie ursprünglich alle mit einander gemein, daß sie scharf und spitz gebaut waren. Daher ist Verwandtschaft mit dem unter Piek angegebenen Pik anzunehmen, von dem Pink eine nasalierte Form ist. Schon Kilian kannte sie und als peynk kommt sie bereits in der Hamburger Chronik vor: „Reynke wert myt noch eynem van den kapteins van der peynke angetastet, de gewalt auer alle boyers and euers hadde.‟ Und in den Monum. Liv. kommt die Stelle vor „den bogert ... tho senden in de see den freygebuter myt der pinke tho soeken.‟ Es muß also im Mittelalter eine Pinke ein starkes und schnelles Schiff gewesen sein. Man gebraucht sie in Holland zum Heringsfang. Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588: „Leyt mede op dese stroomen de bequame vermaerde Zeestede Enckhuyzen (sie war Waghenaers Heimat), al waer soo veel Harincx voor de Stadt (in de Zuyder Zee) op sekeren tyt des Jaers ghevanghen wert, alsser op een telte met de Buysen, Boots ende Pincken de Maze ingebracht ende verhandelt wert.‟

Pinne, die. Der hölzerne Griff mit dem das Ruder gehalten und bewegt wird, die Ruderpinne. Das niederdeutsche penne, pinne, pin heißt Nagel, Zweck, Zapfen, ein vorn zugespitztes oder abgestumpftes Stück Holz zum Festhalten, Befestigen, Verschließen. Die Zusammenstellung mit penna, Feder, Floßfeder ist allzu gekünstelt. Weit natürlicher läßt sich das Wort, wie Pinaß, von pinus, die Fichte, ableiten, da eine Pinne offenbar ursprünglich von Fichtenholz war.