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Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Chapter 5: D.
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About This Book

The dictionary compiles German seafaring vocabulary in alphabetically arranged entries that explain meanings and linguistic origins. Each entry offers etymological analysis tracing terms to Germanic dialects, Low German, Romance languages, and Latin, with historical citations and notes on semantic change. It records variant spellings, regional and archaic forms, technical distinctions, idioms, and practical seamanship senses, often illustrated by examples and cross-references. Entries treat sailing maneuvers, ship components, legal and insurance terminology, navigation and weather vocabulary, and the specialized jargon of ports and trades. The work functions as a reference that blends linguistic scholarship with maritime practice and notes corrected errata and editorial choices.

Buserun, der, eine Bramtuchjacke, vom Hals bis zu den Hüften reichend, beliebtes Kleidungsstück der Seeleute, in Österreich „Bordleibel‟ genannt. Ein zusammengesetztes Wort. Rune, Run heißt in Ostfrießland eine Jacke, die als Überwurf zum Schutze bei der Arbeit getragen wird. Buse kommt jedenfalls von busen, welches ebenfalls in Ostfriesland im Sinne von ungestüm sein, sich stark bewegen, sich ausdehnen, schwellen blähen gebraucht wird; sei es nun, daß dabei direkt an busen gedacht ist, sodaß ein sich bauschendes, vom Winde aufgeblähtes Kleidungsstück gemeint ist, sei es daß es ein den Busen bedeckendes Gewand darstellen soll, in welchem Falle die Verwandtschaft doch dieselbe bleibt, da Busen ebenfalls etwas Schwellendes bedeutet; etwas Sichausdehnendes, Gerundetes. Ich möchte mich für Ersteres entscheiden, so daß das Weite, Faltige den Ausschlag gegeben hätte, zumal es im Mittelniederdeutschen ein Wort buys gab, das schon allein für sich weites, faltiges Obergewand hieß. In diesem Falle wäre die Zusammensetzung tautologisch, aber das teilt sie mit Pijacke und manchem anderen seemännischen Worte. Gegen den Gedanken an „Busen‟ könnte auch der Umstand sprechen, daß dieses jetzt meist „bossem‟ gesprochen wird und auch im Mittelniederdeutschen schon überwiegend bosem hieß, wofür leicht viele Zeugnisse beizubringen wären, da Busen im juristischen Sinne die direkt ab- oder aufsteigende Verwandschaft hieß und in vielen Rechtsurkunden vorkommt. (Partus sequitur ventrem, das Kind folgt dem Busen).  —  Zudem wird das Wort oft Buscherun ausgesprochen und das bringt es dem Begriff „bauschen‟ noch näher. Es ist nicht nur in Friesland, sondern bis in das ostpreußische Seegebiet hinauf in Gebrauch und heißt dänisch busserunne (nach einer schriftlichen Mitteilung eines Königl. Navigationslehrers, der früher Ostseekapitän war).  —  Häufig in der Dimitutivform „Busseruntje‟, „Busserunchen.‟

Butluv, das. „So heißt eine Art starke Spier, welche vorne an beiden Seiten des Gallions in der Richtung aus dem Schiff liegt, welche die Fockrah hat, wenn man dicht beim Winde segelt.‟ (Roeding.) Durch das Butluv fährt der Fockhals. Buten heißt draußen; Butjadingen das Land „buta Jada‟ (jenseits der Jade, von Rüstringen aus gesehen); ein butenkierl ist ein Fremder (schon im Teuthonista butenmynsch) und als solcher für jeden Ostfriesen verdächtig.  —  Luv heißt in seiner ursprünglichsten Bedeutung einfach ein Stück Holz, ein Pflock, eine Stange, ein Balken, und in diesem Sinne ist es hier gebraucht (s. Luv.)

C.

(Vergl. K.)

capsizen wird als Fremdwort manchmal für Kentern gebraucht; englisch capsize, to upset or overturn. Die Engländer wissen aber selbst nicht, woher dieses ihr Wort kommt. Es drängt sich der Gedanke an das Purzelbaumschlagen auf, das man in Niederdeutschland „Kopheisterschießen‟, doch wohl auch „Kopsheisterschießen‟ heißt. Da dieses dieselbe Bewegung darstellt, die ein kenterndes Boot macht, so wäre es nicht unmöglich, daß capsize davon herstammt, also seinen Ursprung aus dem niederdeutschen Kinderspiel herzuleiten hätte.

Cargo, die Ladung eines (Handels-) Schiffes. Vom lateinischen carrus, der Wagen, kommt zunächst carricare, (auf den Wagen) laden, davon dann das spanische Zeitwort cargar, laden, woraus das Substantivum cargo gebildet ist. Supercargo, der von der Rhederei bestellte mit an Bord eingeschiffte kaufmännische Verwalter der Ladung, dessen Geschäft es ist, den Verkauf der Waren zu besorgen und überhaupt die das Schiff betreffenden kaufmännischen Verhandlungen zu führen. Von carrus kommt auch Carneval (carrus navalis, der Schiffswagen; bei den alten Deutschen wurde im Frühling zur Feier der Wiedereröffnung der Schiffahrt ein festlicher Umzug gehalten, bei dem unter allerlei Verkleidung und Scherz ein Wagen in Gestalt eines Schiffes umhergefahren wurde). Von carrus kommt auch Charge (s. d.)

Certepartie, s. Certificat.

Certificat, das, ein Zeugnis, ein Schein, eine Bescheinigung über wichtige das Schiff und seinen Führer betreffende Eigenschaften und Fähigkeiten. Zu den Schiffspapieren gehören folgende Certificate: Der Classificirungsschein, der Meßbrief, der Registerbrief, der Beilbrief, der Befähigungsschein (Qualifications-Attest; die Certepartie, der Schiffsfrachtbrief, Schiffsfrachtvertrag, das Connaissement, der Verladungsschein). Der Unterschied zwischen Certepartie (eigentlich Cartepartie, bei Roeding Chartepartie) und Connossement (Conaissement) besteht darin, daß sich letzteres nur auf einen Frachtbrief über einen Teil der Ladung bezieht, ersteres aber gebraucht wird, wenn ein Kaufmann ein ganzes Schiff befrachtet, trotzdem eigentlich  —  partie gerade auf einen Teil schließen ließe.  —  Die Herkunft aus dem lateinischen liegt auf der Hand.

Charge, die, eigentlich Ladung, wie man denn auch vom Chargieren eines Gewehres oder einer Kanone spricht, bedeutet den Dienstgrad, den jemand in der Rangstufe der Unter- oder Oberoffiziere einnimmt oder bekleidet. Wie Cargo vom lateinischen carrus, der Wagen, carricare laden; also einer, der mit etwas beladen ist, auf den eine Würde, ein Amt, ein Dienst gelegt ist. Es ist dabei zunächst an die Bürde gedacht, hernach aber auch mehr und mehr an die Würde, so daß es in manchen Redewendungen nur von letzterer gebraucht wird. Neuerdings wird vorschriftsmäßig in der Marine anstatt Charge Dienstgrad gesagt.

Chasse marée heißt ein französisches Küstenfahrzeug mit Fockmast, Großmast und Treibermast, Lugger- und Topsegeln; wegen der Segel könnte man es mit Lugger oder Logger übersetzen, am einfachsten aber wäre es durch „Jacht‟ wiedergegeben. „Bateau des côtes de la Bretagne, solidement construit, le plus souvent ponté, et parfailement approprié à la navigation de ces parages. Le Chasse-Marée navigue bien, il est très-convenable pour la pêche et pour le petit cabotage; il porte deux mâts inclinés sur l'arriére gréés avec beaucoup de simplicité, et souvent un troisième  —  das ist der Treibermast  —  dit de Tapecul‟.

Cirrocumulus, s. Cirrus.

Cirrostratus, s. Cirrus.

Cirrus. Federige Wolkenbildung = Federwolke, von cirrus = Haarbüschel, natürliche Haarlocke, Federbüschel am Kopfe der Vögel. Cirrostratus, die federige Schichtwolke, von sterno, stravi, stratum sternere, hinbreiten (davon auch unsere Straße, via strata). Cirrocumulus, die federige Haufenwolke, von cumulus, der Haufe.

Citadellschiff, das, bezeichnet ein Panzerschiff, dessen Panzer nicht die ganze Länge des Schiffes bedeckt, sondern nur den Raum einschließt, der die wichtigsten Anlagen, die besonderen Schutzes bedürfen, enthält. Man könnte sagen, die Citadelle wäre ein Panzer im Panzer, wenn Panzer für Panzerschiff allgemein verständliche Abkürzung wäre. Die Bezeichnung Citadelle ist, davon abgesehen, daß sie ein Fremdwort darstellt, zutreffend gewählt, sie stammt vom französischen citadelle, das seinerseits vom italienischen citta, Stadt, kommt und eine kleine Festung bei einer größeren Stadt bedeutet, in die die belagerten Bewohner der Stadt, wenn diese nicht mehr zu halten ist, sich als äußersten Zufluchtsort zurückziehen können. So verhält sich also die Citadelle an Bord zu dem ganzen Panzerschiff wie die citta zur citadelle.

Compartement, das. (Wasserdichte) Abteilung des Schiffes, aus dem englischen, vom lateinischen compartior, ich teile ab. Die Kriegsschiffe alle werden jetzt so gebaut, daß sie in einzelne Abteilungen zerfallen, die gegen einander wasserdicht abgeschlossen werden können, so daß eine oder mehrere mit Wasser (durch einen Zusammenstoß, durch Auflaufen auf einen Felsen, oder auch  —  bei Feuer  —  durch den Willen des Kommandanten) gefüllt werden können, ohne daß das ganze Schiff sinkt. Das Fremdwort ist im Aussterben begriffen, seitdem unsere Schiffsbaukunst sich von England unabhängig gemacht hat. (s. Schott.)

Compound  —  heißt zusammengesetzt, vom lateinischen componere, und kommt im Englischen in unzählbaren Verwendungen vor; seemännisch haben wir im Deutschen deren zwei herübergenommen. 1. Compound-Maschine, eine Maschine, bei der der Dampf nach einander in zwei Zylindern expandiert, bei der aber die Zylinder nebeneinander liegen, so daß deren Kolben an zwei rechtwinklig zu einander versetzten Kurbeln arbeiten, (also nicht immer gleichzeitig auf dem toten Punkte stehen). 2. Compound = Panzerplatte (steel faced armour plate), „stahlbekleidete Walzeisenpanzerplatte‟; Stahlplatten und Eisenplatten zusammengeschweißt, eine Vereinigung der Härte und Undurchdringlichkeit des Stahles mit der Zähigkeit des Eisens, so daß die Vorzüge beider Materialien, nicht aber ihre Nachteile, zur Geltung kommen.

Concentration, die, deckt sich begrifflich mit dem, was man „Breitseite‟ zu nennen gewohnt war, und bedeutet die Richtung sämtlicher Geschütze auf der einen Seite eines Schiffes auf einen Punkt, der getroffen werden soll. Es gibt bestimmte Zeichen auf Deck, nach denen die Kanonen gerichtet werden, um in Concentration zu stehen, sie heißen Concentrationsmarken. Sämtliche Kanonen einer Schiffsseite haben in dieser Ladestellung ein Zentrum für ihre Richtung mit einander gemein; daher der (dem lateinischen entlehnte) Name.

Contrebrass, die, heißt die Braß der Großrahe die in entgegengesetzter Richtung der eigentlichen Braß fährt und dieser zu wesentlicher Unterstützung dient. Mit ihr wird vorzugsweise das Bewegen der Großrahe ausgeführt, während die Achterbraß dieselbe stützt. Die Achterbraß fährt nach achtern, nach dem Kreuzmast; die Contrebraß nach vorne, nach dem Fockmast. Gewöhnlich Grosscontrebrass genannt.

Convoy, der, aus dem Französischen vom lateinischen con und via, einer der mit einem anderen denselben Weg geht oder fährt; seemännisch das Kriegsschiff oder die Kriegsschiffe, die Handelsschiffe in Kriegszeiten über See begleiten, damit sie nicht gekapert werden. Convoyieren heißt also mit einem Handelsschiff als Geleit- und Beschirmungsschiff fahren. Der solchem Schiffe bezw. seiner Ladung zur Versendung nach dem Bestimmungsorte mitgegebene Abfertigungs- oder Begleitschein heißt Convoybrief.

Cordes'sches Gewehr, das, ist ein Gewehr zum Schießen einer Leine, wodurch eine Verbindung zwischen Rettungsboot und Schiff hergestellt werden kann, wenn das Boot nicht an das Schiff gelangen kann. Die Wurfweite beträgt 70 m. Aus dem Gewehr können auch Leuchtkugeln geschossen werden, um bei Nacht dem in Not befindlichen Schiff das Nahen des Rettungsbootes anzuzeigen. Die Very'sche Pistole dient auch zum Signalgeben durch Leuchtkugeln; sie ist Hinterlader, ihre Handhabung daher sehr einfach, weil die Zündmasse gleich mit in der fertigen Patrone liegt. (Dick und Kretschmer, II. 315.) Cordes und Very sind die Namen der Erfinder.

Crew, die, heißt eine Gemeinschaft von Seeleuten, die Gesamtheit derer, die sich an Bord eines Schiffen from Schiffes befinden, die zusammen die Bemannung eines Bootes ausmachen, Schiffscrew, Bootscrew. Besonders aber wird es in der Marine gebraucht für die Gesamtheit derer, die mit einander in einem und demselben Jahre als (See-) Kadetten eingetreten sind. „Wir sind von der 75er Crew,‟ „er ist von meines Mannes Crew,‟ „sie sind Crew-Kameraden,‟ „wir feiern unser Crewfest.‟  —  So unzweifelhaft englisch Form, Aussprache und nächste Herkunft sind, so ist doch das Wort gemeingermanisch und bedeutet nichts weiter als Wachstum, das was (in einem Jahre) gewachsen ist („Crescenz‟ sagen sie am Rhein), was in einem Jahre als Zuwachs zur Marine gekommen ist oder was durch langes enges Beisammensein an Bord und Zusammentragen von Freud, Leid und Arbeit zusammengewachsen ist. Verwandt mit dem niederdeutschen greien, groien, grojen (s. Groden), althochdeutsch gruoan, gruan, gruen, gröen, cröen, mittelhochdeutsch grüen, grüjen, mittelniederdeutsch groien, altfriesisch groia, growa, angelsächsich growan, altnordisch groa, norwegisch groe, schwedisch gro: alles grünen, wachsen bedeutend.  —  Vom lateinischen cresco kommt das französische croître wachsen, recroître wieder (nach-) wachsen und davon recru (unser Rekrut), also der Wiedernachgewachsene, der „Nachwuchs‟. Davon dann recruter ausheben, sich rekrutieren, seinen Nachwuchs beziehen.  —  Insofern crew (früher crue geschrieben, altisländisch kru) und recru eigentlich dieselbe Bedeutung haben, treffen die getrennte Wege gegangenen Vettern der großen Wortsippe wieder sehr nahe zusammen.  —  Zu bemerken ist hierbei, daß es ein mittelniederdeutsches Wort krup, krop gibt, das Vieh bedeutet, besonders Rindvieh, aber auch Pferde. Schiller und Lübben vermochten es nicht zu deuten und bemerkten richtig nur so viel, daß es nicht von krupen = kriechen komme, da es sich ja nicht um kriechende Tiere handle. Es erscheint mir sehr wahrscheinlich, daß dieses krup gleich crew ist, d. h. das Vieh das einem Besitzer (ursprünglich vielleicht auch bloß in einem Jahre) gewachsen ist, wobei noch einmal zu vergleichen altfriesisch growa, angelsächsisch growan, wachsen. In dieser Annahme werde ich durch den daneben hergehenden, gleichbedeutenden Begriff queck bestärkt. Eine mittelalterliche Rechtsbestimmung sagt: „So die beiden oldern jeven einem Kinde mit  —  it is gelt ofte ein hovet krops ... und so dat queme, dat dat Kind sturve, deme dat gelt unde queck bit den beiden olden blyven.‟ Hier wird also ein Stück („Haupt‟) Vieh, weil es lebendig ist mit dem Worte bezeichnet das „Leben‟ bedeutet. So gewiß man aber Vieh Leben nennen kann, kann man es auch „Gewachsenes‟, Wachstum, (also auch hier „Crescenz‟) nennen; man muß nur dabei im Auge haben wie wichtig einem Viehzüchter sein Vieh und das Wachsen (und Gedeihen) dieses seines Hauptbesitzstandes ist. So war es für die Betroffenen geradezu eine Lebensfrage, wenn einmal die krup von einer Sturmflut überrascht wurde: wie es in einer dithmarsischen Chronik heißt: „umme dusse tidt was ein mechtich storme ... insonderheit averraschet dat water an etlichen orden dat krup.‟ Denn, so sagt ein anderer aus jener Zeit, „alle volkere van erst an hebben ehren vonehmsten rikedom im krupe gehatt.‟ Es fragt sich also noch sehr, ob die Angeln und Sachsen nicht schon das Wort krup mit über den Kanal genommen und drüben zu crew umgestaltet haben, so daß wir es also auch hier, trotz der so sehr englischen Gestalt, doch mit einem deutschen Worte zu tun hätten.

Culmination, die, ist der Durchgang eines Gestirns durch den Mittagskreis. Die Beobachtung jener Höhe, die es bei diesem Durchgang hat, stellt seine Mittagshöhe fest und ist von ganz besonderer Wichtigkeit für Feststellung des Ortes, da sich ein Schiff befindet. Deshalb wird das Wort culminieren im Munde der Seeleute auch in übertragener Bedeutung gebraucht. „Na, endlich culminiert?‟ wird einer gefragt, der sehr lange geschlafen hat; culmen = Gipfel, Höhepunkt.

Cumulus s. Cirrus.

Cyclon, der. Das griechische Wort für Kreis, Kyklos, hat seit Cyklops, dem Schmiedeknecht Vulkans mit dem einen runden Auge auf der Stirn, die weiteste Verwendung in allen gebildeten Sprachen gefunden: auch zur Beziehung jener gewaltigen Drehstürme in denen, namentlich ehe das Drehungsgesetz der Stürme bekannt war (ein deutscher Gelehrter, Dove, hat es zuerst aufgestellt), manches Schiff mit Mann und Maus untergegangen ist. Cyclone haben einen Durchmesser von 200 bis 500 Seemeilen, der sich um einen windstillen Mittelpunkt („ein kalmes Centrum‟) dreht und mit einer Geschwindigkeit bis zu 30 Seemeilen in der Stunde fortschreiten kann. Sie drehen sich auf der nördlichen Halbkugel nach entgegengesetzter Richtung wie auf der südlichen, nämlich auf dieser mit, auf jener entgegen dem Zeiger einer Uhr. Es geht ihnen eine eigentümliche Windstille und tiefer Barometerfall voraus. Seitdem man das Drehungsgesetz kennt, kann man ausweichen, unter Umständen aber sogar die Drehung benutzen zu einer desto schnelleren Fahrt.

D.

Davit, das. Vorrichtung zum Aufhissen und Aufhängen der Schiffsbeiboote. Meyers Konversationslexikon behauptet mit einer Sicherheit die einer besseren Sache würdig wäre, das Wort sei englisch. Gewiß wird es jenseits des Kanals in derselben Bedeutung gebraucht, aber seine Wiege hat an deutscher Seeküste gestanden. Denn weder in der englischen Form davit, noch in der schwedischen david, noch in der dänischen davit, noch in der holländischen jutt gibt das Wort irgend einen Sinn, den gibt es nur im Deutschen, und zwar in seine Bestandteile zerlegt und in seiner ursprünglichen niederdeutschen Form: Dove Jitte, d. h. taube Jütte. Jütte ist ein gangbarer weiblicher Vorname, Koseform von Judith. Der Name diente einst allgemein zur allgemeinen Bezeichnung des weiblichen Geschlechts. Man sagt noch heute vielfach mal Jitte für albernes Frauenzimmer. Aus dem Mittelalter ist uns der Spruch erhalten: „Lange Kleder un körten syn, dat is syne arth der leven yuten,‟ Im „Reinke de Vos‟ heißt es, da Braun der Bär beim Bauer Rustefyl in die Klemme geraten war: „De Kärkher unde de koester bede. De kwemen dar ok mid erem geräde. De papen-meiershe (Pfarrköchin), de het fru Jütte, de was de, de de baste grütte konde bereiden un koken‟ ... Um Bremen herum und mehr nach Oldenburg und Ostfriesland hin sagte man Jitte. Eine „dove Jitte‟ ist nach dem „Bremer Wörterbuch‟ „ein Weibsbild das nicht gut hört.‟ „Jumfer Jitte mit dem holten Titte, Schimpfname für ein junges Frauenzimmer, deren Busen nicht sonderlich begabt ist.‟ Es kommt auch die Bezeichnung „dumme Jitte‟ eben so häufig vor wie dumme Trine, dumme Liese, schlampige Suse, faule Grete, dove Greetje. Ueberhaupt spielt die Volkssprache gern mit dergleichen Frauennamen. Man denke nur an „schnelle Kathrine.‟ So sagt man „Jumfer Kattel‟ für „menses‟ „Gretchen in der Küche‟ heißt ein ungeborenes Mädchen, wie „Jan im Keller‟ ein ungeborener Knabe. „Gretchen vom Deich‟ wird das Kreuzbramsegel genannt. „Frau Johanna‟, dame Janne, nannten die französischen Matrosen eine dickbauchige korbumflochtene Flasche, was mißverstanden als Demijohn ins englische überging und von da nach Norddeutschland kam, wo es für Korbflaschen, in denen Portwein, Madeira und dergleichen Getränke versandt werden, gebraucht wird und sich eine deutsche Aussprache mit ungewöhnlich langem i gefallen lassen muß. „Liese‟ heißt ein Trinkkrug nicht unbedeutenden Inhalts; „Liese‟ nannten die Soldaten in früheren Zeiten das Strohbündel, auf dem sie liegen mußten, wenn sie Stockprügel bekamen. Wie gern das Volk dergleichen Namen wählt, lehren die volkstümlichen Namen für Nigella damascena: Braut in Haaren, Jungfer im Grünen, Gretel im Grünen, Teufel im Busch, Gretel in der Hütte, Gretchen im Busch, Gretel in der Hecke, Gretel unter den Stauden. Und wie gern der Seemann mit dem ewig Weiblichen zu thun hat, beweist der Name „Jungfer‟ für einen Block von eigenartiger Gestalt. So ist es denn nicht zu verwundern, daß wir in seinem Munde die „dove Jitte‟ finden. Was aber bezeichnet er damit? Daß der Davit früher keine so verbesserte Vorrichtung zum Schwingen war wie heute, liegt auf der Hand. Vor hundert Jahren begnügte man sich noch mit einer recht einfachen Sache. Einfach sogar wörtlich genommen, denn damals bestand der Davit nicht aus zwei, sondern nur aus einem Balken, der zuerst gar nicht zum Bootaussetzen oder Einsetzen, sondern nur zum Ankerlichten bestimmt war. Roeding, der zu Hamburg 1794 das vortreffliche „Allgemeine Wörterbuch der Marine‟ herausgegeben hat schreibt über „taube Jütte‟: „Eine kurze und etwas gekrümmte Sparre von starkem Holz, an deren einem Ende sich eine Scheibe befindet. Sie wird gebraucht, wenn man den Anker im Boot lichtet. Man setzt nämlich die Jütte hinten ins Boot, so daß das Ende, woran die Scheibe befindlich, etwas über den Spiegel des Boots ragt. Über die Scheibe legt man alsdann das Bojereep und windet mit dem Bratspill darauf.‟ „Ähnliche, aber gerade Jütten gebraucht man auch in den Marssen, die Luvpardunen auszusetzen oder zu spannen‟ ... Man kann sich nun leicht vorstellen, daß die eine in Betracht kommende Sparre so in die Spur eingesetzt wurde, daß ein Mann sie mit beiden Armen umfaßte, etwa wie einer seine Jütte umarmt; es war aber nur eine hölzerne, herz- und gefühllose, „taube‟, dove Jütte (wie man auch von einer tauben Nuß spricht). Einmal nun im Scherz dove Jütte oder dove Jitt genannt, leuchtete dieser scherzende Vergleich bald allgemein ein, fand Beifall, Nachahmung, Aufnahme und erwarb sich schließlich in der zusammengezogenen bequeme Form davit (etwa über Dovjit, Dowit) Bürgerrecht in der Seemannssprache. Das Wort müßte demnach eigentlich die Davit heißen, wie der Seemann auch wohl sagt, die Marine schreibt aber der Davit; das Davit kann man auch hören, so daß für jeden Geschmack gesorgt ist. Die moderne Aussprache ist allerdings anglisierend Dävit.

Deck, Mehrzahl: die Decks, seemännisch niemals Verdeck, ist, wie Decke, Dach, decken verwandt mit dem lateinischen tegere, bedecken, tectum, Dach; griechisch tegos, Dach.  —  Die Schiffe der Handelsmarine werden nach den Bauvorschriften des Germanischen Lloyds gemäß der Anordnung ihrer Decks benannt. Es gibt: 1. Volldeckschiffe mit drei oder vier Decks, 2. Spardeckschiffe, von etwas leichterer Bauart, 3. Hurrikan (Orkan-) Deckschiffe, 4. Sturmdeckschiffe, 5. Schiffe mit teilweisem Sturmdeck, 6. Schutzdeckschiffe, 7. Schiffe mit Schattendeck oder Schirmdeck (wie auf vielen Flußdampfern), 8. Glattdeckschiffe (ohne Aufbauten), 9. Brunnendeckschiffe (haben vorne und hinten je einen Aufbau, die Vertiefung dazwischen heißt der Brunnen), 10. Walrückendeckschiffe, bei denen die Seiten des Schiffes bogenförmig in das Hauptdeck übergehen, 11. Turmdeck- und Kofferdeckschiffe, bei denen der Laderaum gleichsam einen großen Koffer bildet, zum Selbsttrimmen der Ladung eingerichtet; darauf dann ein kleines Deck, das Turmdeck heißt, 12. Tankschiffe, (s. Tank). Bei einem der neuen großen Passagierdampfer unterscheidet man von oben nach unten gerechnet: 1. Bootsdeck, 2. oberes Promenadendeck, 3. Promenadendeck, 4. Brückendeck, 5. Hauptdeck, 6. Zwischendeck, 7. Unterdeck, 8. Orlopdeck. Dieses letztere war ursprünglich das einzige Deck, das zum Gehen für Menschen bestimmt war. Dieses Gehen an Deck hieß mittelniederdeutsch over (deck) lopen, daraus ist overlop geworden, (bei Kilianus overlop = boord van't schip) und das ist zu Orlop zusammengezogen; hat also mit Urlaub nichts zu tun, die wörtliche Übersetzung würde vielmehr etwa Lauf(-planke) sein. Insofern ein Deck aus (Decks-) Planken, aus Brettern, Dielen besteht hieß ein solches althochdeutsch dilla, mittelhochdeutsch dille, altnordisch thilja = Ruderbank; französisch tillac, spanisch tilla, portugiesisch tilha, Deck.  —  Früher sagte man zuweilen auch Raum anstatt Deck, s. Raum.

Deckoffizier, der, eine ziemlich unglückliche allgemeine, zusammenfassende Bezeichnung für Maschinisten, Feuermeister, Feuerwerker, Bootsleute, Steuerleute, Zimmermeister, Materialienverwalter. Welcher Gedankengang der Bildung dieses jungen Wortes zu Grunde lag ist nicht recht erfindlich, es müßte denn sein, daß ursprünglich jedem der Deckoffiziere eines der verschiedenen Decks zur besonderen Beaufsichtigung zugedacht war. Aber auch das hat sich schon lange geändert; hat doch z. B. über das Zwischendeck ein Leutnant die Aufsicht und heißt dann Zwischendecksoffizier.

Declination, s. Variation.

Deich, der. Der das Land vor der See schützende Erdwall, im Hochdeutschen, in das das Wort erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem Niederdeutschen gedrungen ist, gewöhnlich Damm genannt. Ein für den ganzen Bestand vieler Länderstrecken unentbehrliches aber sehr kostspieliges Werk der Menschenhand, daher in doppeltem Sinne treffend in Ostfriesland „de golden hoop‟, der goldene Reif genannt. Das Wort ist mit Teig und mit Teich verwandt, sie stammen alle drei aus der Wurzel digh, bestreichen, verkitten, dichten, tasten, tastend formen (aus einer weichen, schlammigen Masse). Der Deich wird aus weicher, ausgegrabener Erde geformt. Weil diese Arbeit hauptsächlich mit dem Spaten geschieht, so hieß im altfriesischen dyka graben, und in dem ihm so nahe verwandten Angelsächsischen dic zugleich Deich und Graben. Altfranzösisch dik, französisch digue. Die Deichgeschworenen hießen altfriesisch dikaldermon. Die Leute die einen Deich bauen heißen diker und sind bei ihrer schweren Arbeit für ihren guten Appetit bekannt, wie sonst wohl die Scheunendrescher. Es konnte in früheren Tagen die Last des Deichens einem Besitzer so schwer werden, daß er lieber sein ganzes Besitztum aufgab und in die Fremde zog. Das tat er, indem er seinen Spaten in den Deich steckte. Wer ihn herauszog, ergriff Besitz von dem verlassenen Lande und trat in alle Rechte und Pflichten ein. (Spatenrecht). Naturgemäß spielt der Deich in den von ihm beschützten Ländern im Denken und im Sprachgebrauch der Leute eine große Rolle. Das beweisen zahlreiche Sprichwörter und geflügelte Worte, z. B. sagt drastisch aber wirkungsvoll einer der sich nicht hänseln lassen will in Westfriesland: „Ik bin niet von Kraien an diek scheten.‟

Deining, Dünung, die. Das sich Heben und Senken des Meeres in hohen glatten Wogen bei windstillem Wetter oder wenigstens nicht zu den Wellen im Verhältniß stehender Brise. Roeding: „Eine heftige Bewegung der See, die nach schweren Winden noch etliche Tage fortdauert, und selbst, wenn der Wind sich schon verändert hat, noch dieselbe Richtung behält. Ein Schiff, welches z. B. mit Ostwind durch den Kanal ins atlantische Meer segelt, kann daselbst bey eben diesem Winde noch ein Deining aus Süden haben, wenn es nämlich nicht lange vorher schwer aus dieser Himmelsgegend geweht hat.‟ Eben deswegen, weil Windrichtung und Seegang nicht immer einander entsprechen, heißt die betreffende Rubrik im Loggbuch „Windrichtung und Seegang‟.  —  Es kann aber auch umgekehrt sein, daß die Dünung den Vorläufer eines Sturms bedeutet; in diesem Sinne heißt das Wort italienisch mar nuovo, im anderen mar vecchio oder morto, „tote See‟, wiewohl sie ein Schiff lebendig genug schlingern macht. Ist mit Düne von gleicher Abstammung (daher s. d.) im Sinne von sich ausdehnen, in die Höhe gehen, hochgehen, „schnellen‟; englisch swell, „a successeon of long unbroken waves setting in one direction, as after a storm.‟

Deisen, achteraus gehen. Deisig oder diesig nennt der Seemann trübes, nasses, unfreundliches, „dreckiges‟, nebliges Wetter. Es ist anzunehmen, daß das nordische mist für Nebel, diesiges, deisiges Wetter, wegen des Schmutzigen, Schmierigen, Mistigen des Nebels gewählt ist. Wenn aber für deisig mistig gesagt werden kann, so lag bei deisig auch der Gedanke an Mist machen, seine Notdurft verrichten nahe. Bei diesem Geschäft gehen viele Geschöpfe rückwärts, „über den Achtersteven‟; man denke an einen Hund, oder auch an noch edlere Wesen. Auf diese Weise mag deisen zu der Bedeutung achteraus gehen, „über den Achtersteven‟ gehen gelangt sein. Bestärkt werde ich in dieser Vermutung dadurch, daß man von einem rückwärtsgehenden Schiffe auch sagt: „es deist aufs Gat‟, und Gat heißt nicht nur Loch im Sinne der Ehre, sondern auch der Unehre.  —  Im Althochdeutschen hieß der Mist, der Stalldreck deisk, daisk.

Deissel, Deiksel, Deksel, der, ein vielgebrauchtes Werkzeug der Zimmerleute, einer Axt ähnlich; doch steht beim Deissel die Schneide nicht parallel zum Stiel sondern perpendiculär. Das Wort kommt von einer Wurzel die hauen, hacken, spalten bedeutet und ist mit Deichsel zusammenzustellen, niederdeutsch dissel, althochdeutsch dihsila, mittelhochdeutsch dichsil, weil eine Deichsel ursprünglich nur eine abgehauene Stange war. Deichseln oder deikseln heißt etwas mit dem Deissel oder Deiksel zurechthauen und wird an Bord oft auch auf andere als hölzerne Dinge übertragen, etwa im Sinne von machen, fertig bringen. „Das wollen wir schon deikseln‟, „das werden wir schon kriegen;‟ „das hast du fein gedeikselt!‟

Dempgordinge, die, sind die Taue mit denen der Besan gegeit wird, die Besansgeitaue, und zwar wird mit ihnen der obere schiefe dreieckige Teil des Besans nach der Besansgaffel zu geholt, während der untere Teil, der grade, viereckige mittelst der Besansbrook nach dem Schnaumast zu gegeit wird. Das niederdeutsche Zeitwort dempen heißt (s. Doornkaat) ersticken, löschen, niederdrücken, vermindern, stopfen, drückt also das, was in der Tat mit dem Segel geschieht beim Segelbergen, mit aller Deutlichkeit aus. Davon das Substantivum demper, dämpfer, „dar mut ins 'n demper up setd worden‟, und das Adjectivum dempig, asthmatisch. Niederländisch dempen, mittelniederdeutsch dampen; in einer Urkunde von 1450 kommt das Wort vor im Sinne von „de kulen dempen und towerpen.‟ Althochdeutsch demphan, mittelhochdeutsch dempfen, dämpfen.

Deplacement, das, ist das Gesamtgewicht eines Schiffes. Man unterscheidet totes Gewicht und nützliche Zuladung. Zum Gewicht gehört (Dick und Kretschmer I. 29.)

  • 1. Das Gewicht des Schiffskörpers mit allen seinen Einrichtungen.
  • 2. Das Gewicht der Bemastung mit Segeln, Takelage und Rundhölzern, der Kambüsen, Wasserkasten.
  • 3. Das Gewicht der Mannschaft mit Leibesbedürfnissen, des Proviants, des Speise-, Wasch- und Trinkwassers.
  • 4. Das Gewicht der Ausrüstung, des Inventars und Materials.
  • 5. Das Gewicht der Maschinen, der Kessel mit darin befindlichem Wasser, der Kondensatoren, Rohrleitungen, des Treibapparats (Schraube, Schaufelrad und dergl.) mit Zubehör, der Reserveteile, des Materials und Inventars für die Maschine.
  • 6. Das Gewicht des Heizmaterials zur Dampferzeugung in den Kesseln und für sonstige Betriebe.
  • 7. Gewicht des etwa benötigten Ballastes.

Die nützliche Zuladung oder Nutzladung umfasst:

  • 1. Gewicht der Frachtgüter.
  • 2. Gewicht der Passagiere mit Leibesbedürfnissen (Effekten), deren Proviant und Trinkwasser.  —  Hierzu tritt bei Kriegsschiffen:
  • 3. Gewicht der Geschütze mit Munition, der Torpedoarmierung mit Munition, des Panzers mit Holzhinterlage, des Panzer- und Schutzdecks, des Korkdamms, der Besatzung, der sonstigen Artillerie-, Torpedo- und Sprengdienstausrüstung, der elektrischen Einrichtungen, Apparate und Hilfsmaschinen.

Detail, das. Inventar und Material an Bord stehen unter besonderer Aufsicht von Deckoffizieren, so das jeder sein ihn angehendes besonderes Teil zu verwalten hat. Diese Einzelnheit heißt Detail, Bootsmannsdetail, Steuermannsdetail etc. etc. Französisch détailler, eigentlich zerschneiden, von tailler, mittellateinisch taliare, zerstocken. Detail als ein zugeteiltes Stück würde seinen völlig ausreichenden und bezeichnenden Ausdruck finden in dem Worte Teil.

Deutel, der. „Kleine viereckige spitze Keile von eichen Holz, welche in die Köpfe der hölzernen Schiffsnägel getrieben werden, damit sie durchaus fest schließen, und das Wasser auf keine Weise bey den Seiten der Nägel durchdringen kann‟. (Röding). Das Wort heißt in Holland auch dreutel und dreutel ist offenbar auch bei uns die ursprüngliche Form gewesen. Wegen der Aussprache des Holländischen dreutel = drötel dürfen wir das Wort von dröteln ableiten, der niederdeutschen Form und Aussprache für das Hochdeutsche trödeln, dessen eigentliche Bedeutung drängen, pressen, drücken ist. Trödeln in unserem gewöhnlichen Sinne des Wortes heißt also sich langsam Herumdrücken, sich um eine Arbeit drücken, oder auch wie man kurz zu sagen pflegt: „sich drücken‟. Die Bedeutung des Drückens, Drängens hat unserm Dreutel oder Deutel den Namen gegeben, weil der Holzkeil mit Gewalt in den Holznagel hineingedrängt wird. Um dies desto leichter zu können schlägt man vorher mit einem Eisen welches aber dieselbe Gestalt des Deutels hat und Deuteleisen heißt, ein Loch in den Kopf des Nagels.

Deviation, s. Variation.

Diagonalboot, das. Der Name bezieht sich auf die Bauart der Bordwand des Bootes, oder der Außenhaut. Beim Diagonalboot besteht diese aus zwei Plankenlagen die entweder so angeordnet sind, daß die einzelnen Gänge in einem Winkel von 45° zum Kiel geneigt sind und sich gegenseitig ungefähr rechtwinklig kreuzen oder daß nur die innere Lage die diagonale Richtung hat und die äußere in der Längsrichtung des Bootes verläuft. Beide Lagen werden durch kupferne Gatnägel mit einander verbunden.

Dichten. Die wichtige seemännische Arbeit die einzelnen Nähte zwischen den hölzernen Schiffsplanken wasserdicht zu machen. Dieses Dichten hat also mit der Dichtkunst eines Goethe oder Schiller nichts zu thun, die aus dem lateinischen dictare herkommt, sondern ist mit Deich und deichen verwandt. Das mittelniederdeutsche diken heißt noch deichen und dichten zugleich (deichen, dämmen, dicht machen, stopfen und graben.) Die gemeinsame Bedeutung ist: aus einem weichen, leicht zu bearbeitenden Stoff einen Schutz gegen eindringendes Wasser herstellen. Das Nähere über dichten s. u. kalfatern.

Diesig, auch deisig, nennt der Seemann ein nasses, kaltes, unfreundliches, trübes, nebliches Wetter; ein Wetter das auch „mistig‟ genannt wird. Diesig und mistig sind sehr nahe Bedeutungsverwandte, weil beide von Wörtern abstammen die „Excremente‟ bedeuten. Denn mistig kommt von Mist; zwar zunächst in der bei den germanischen Sprachen so weit verbreiteten Bedeutung von Nebel, aber die geht doch weiterhin wegen des Schmutzigen, Schmierigen des Nebelwetters auf Mist = Kot zurück. Und diesig, deisig, geht zurück auf das althochdeutsche deisc, daisc, dheisc, theisc = Mist, Dünger, Unrat. Beide Eigenschaftswörter, diesig und mistig, bezeichnen also „dreckiges Wetter.‟

Dingey, Dingi, das. Das kleinste der Schiffsbeiboote, gebraucht wenn ein einzelner Offizier, ohne viele Umstände zu machen und ohne eine größere Bootsbesatzung dem Schiffsdienst zu entziehen, von oder an Bord gehn will. Diese Bootsart ist erst in den letzten dreißig Jahren aufgekommen. Name und Sache stammen aus Ostindien: „dinghi, dingey a boat varying in size in different localities: the dinghies of Bombay are 12 to 20 feet... the dinghies of Calcutta are small passage-boats for the poorer classes, rarely used with a sail; they are not painted, but merely rubbed with nut-oil, which imparts to them a sombre colour. This name is now also applied to a ship's small-boat.‟

Dippen, die Flagge, sie zum Gruße niederholen. Das Wort müßte eigentlich diepen geschrieben werden. In Ostfriesland heißt es düpen und bedeutet tiefen, tiefer machen, niedriger hängen, herunterziehen. Die neuerdings (Herbst 1900) zwischen der Mehrzahl der deutschen Reedereien getroffene Vereinbarung über den Austausch des Flaggengrusses auf See für die Schiffe der deutschen Handelsmarine enthält folgende Bestimmungen: 1. Sobald ein in Sicht kommendes Schiff als solches erkannt wird, mit dem Flaggengruß zu wechseln ist, ist sofort die Heckflagge zu setzen, ohne Rücksicht darauf, ob das andere Schiff dieselbe bereits führt, oder welchem Schiff die Pflicht des ersten Grußes obliegt. Die Flagge ist zu setzen, so lange die Positionslaternen nicht angezündet sind. 2. Die Pflicht des ersten Grußes hat: a. wenn ein Schiff vom andern überholt wird, das überholende Schiff, b. wenn eines der Schiffe still liegt, das in Fahrt befindliche Schiff, c. auf den von Europa ausgehenden Linien das auf der Ausreise befindliche Schiff, d. in allen übrigen Fällen dasjenige Schiff, das am nördlichsten steht. Beim Ein-und Auslaufen auf Häfen, sowie auf Revieren (d. h. Flüssen s. Revier), hat immer das nach See steuernde Schiff zuerst zu grüßen. Das hiernach zum Gruß verpflichtete Schiff hat seine Flagge zu dippen, sobald das andere Schiff in der Peilung zwei Strich vorderlicher als dwars steht, jedenfalls aber nicht später; die Flagge bleibt dann solange gedippt, bis von dem anderen Schiff der Gegengruß erfolgt ist, und ist alsdann wieder vorzuheißen. Haben die Schiffe einander passiert, so hat das zum ersten Gruß verpflichtet gewesene Schiff die Flagge zuerst wieder niederzuholen, sofern die Flagge nicht aus besonderen Gründen gesetzt bleiben muß.

Dirk, die, hieß früher auch das Piekfall der Besansgaffel, jetzt heißt so nur noch die Besansdirk oder Besansbaumdirk, kurzweg auch Baumdirk, neuerdings auch Besanstoppnant oder Baumtoppnant genannt, das Tau mit dem der Besansbaum aufgetoppt, oder wie man wegen der Dirk sagt, aufgedirkt wird. Dirk als Abkürzung von Dietrich ist ein im Gebiet der deutschen Seemannssprache sehr verbreiteter Vorname. Auch der falsche Schlüssel Dietrich heißt hier Dirk, und ein Schloß mit einen solchen öffnen nennt man dirken. Irgend einen Zusammenhang zwischen diesem Dirk und der seemännischen Dirk habe ich vergeblich gesucht. Daß Spitzbuben hinter Dietrich, dem beliebten Vornamen, ihr Diebeswerkzeug in der Gaunersprache zu verbergen suchen, beweist Kluge dadurch, daß der falsche Schlüssel auch Peterchen und Klaus genannt wurde. Man findet das begreiflich, weil sie das Ding nicht beim rechten Namen nennen durften. Aber warum sollte dies auch bei der Baumtoppnant der Fall sein?  —  Wir müssen uns daher anderweitig umsehen. Die Dirk, sei es als Piekfall, sei es als Baumdirk, dient zum Auftoppen, man zieht also etwas damit in die Höhe. Es mag daher der Begriff „ziehen‟ in Betracht kommen, der in dem niederdeutsch-niederländischen Zeitwort trecken steckt; es hieß dieses im Gotischen trikan. Davon konnte leicht ein Substantivum trik gebildet werden. Da aber das vorgermanische Thema zu trikan darg ist, so mag trik auch drick gesprochen worden sein; drik aber konnte leicht, schon in Erinnerung an darg, aber auch sonst durch Metathelis leicht zu dirk werden, so daß die Dirk also ein Ziehding wäre. Das sind freilich alle Taue, aber warum soll nicht wenigstens eins davon von Ziehen den Namen haben?  —  Unter den vielen Bedeutungen die das englische trick hat ist auch eine im Sinne von „Zug.‟

Dispacheur, der, der Mann, der Sachverständige, der schätzt, berechnet und verteilt, wieviel ein jeder, der an einem Schiffe Anteil hat, zahlen muß, zur Ausgleichung des Schadens, wenn das betreffende Schiff Havarie gelitten hat. Es muß ein vereidigter, vertrauenswürdiger, zu dem Amte staatlich bestellter Mann sein.  —  Das Wort kommt von Dispache und dieses vom spanischen despachar, abfertigen; englisch despatch; französisch dépécher; deutsches Fremdwort depeschieren, Depesche. Das Zeitwort soll vom spätlateinischen dispedico  —  dis als Negation und pedica, Fessel  —  kommen, würde also einen bedeuten, der mit ungefesseltem, eiligem Fuß abgefertigt ist, eine Botschaft zu bestellen, zu expedieren.

Division, die. Dieses Wort wird in der Marine in dreierlei Bedeutung gebraucht:

1. Die gesamte Mannschaft eines Schiffes wird, wie in seemännischer Hinsicht in Wachen, so in militärischer Hinsicht in Divisionen eingeteilt, also in Verbände, die man ungefähr den Kompagnien bei der Landarmee vergleichen könnte.

2. spricht man von Matrosendivisionen, Werftdivisionen, neuerdings auch von einer Schiffsjungen-Division. Das sind militärische Verbände am Lande, von einem Stabsoffizier kommandiert, etwa den Regimentern vergleichbar.

3. heißt Division ein Verband von Kriegsschiffen, ein Teil eines Geschwaders oder einer Flotte. Es besteht zur Zeit über die Anzahl dieser Schiffe noch kaum eine bestimmte Vorschrift, doch wird in Zukunft die Vierzahl eine große Rolle spielen. In früheren Zeiten waren ziemlich genau bestimmte Zahlen festgelegt. Nach Brommy bestand eine Flotte gewöhnlich aus wenigstens siebenundzwanzig Linienschiffen, außer Fregatten und anderen Fahrzeugen, und wurde in drei Geschwader, jedes zu drei Divisionen, geteilt. Aubin, 1702, sagt über Division: „C'est une certaine quantité de vaisseaux d'une armée navale, qui sont sous le commandement d' un Ofizier Général. La signification de ce terme n'est pas encore bien déterminée, car on s'en sert quelquefois pour marquer la troisième partie d' une armée navale, qu'on apelle autrement Escadre, et quelquefois c' en est la neuvième partie, ce qui arive lors-que l'armée est distribuée en trois escadres; car alors chaque escadre est distribuée en trois divisions, comme il se pratiqua pendant les campagnes navales de 1672 et 1673 dans la jonction des armée de France et d' Angleterre. Celle d' Angleterre formoit deux escadres, la rouge et la bleue, chacune partagée en trois divisions, et l'armée de France, qui formoit l'escadre blanche, étoit aussi distribuée en trois divisions. ‚Le Duc d' York commandoit l'escadre rouge, qui formoit le corps de bataile. Le Comte de Montaigu, ou de Sandwich, commandoit l'escadre bleüe qui faisoit l'aile gauche, et le Comte d'Estrée commandoit l'escadre blanche, qui faisoit l'aile droite. II y avoit aussi trois escadres dans l'armée de Hollande, et chaque escadre etoit pareillement distribuée en trois divisions. Sa marche étoit sur une ligne droite: le Lieutenant-amiral Général de Ruiter etoit an milieu avec la principule escadre‛‟ ... Was also in Zukunft die Vierzahl bedeuten wird, bedeutete in jenen Tagen die Dreizahl.

Dobber, der, ein auf dem Wasser schwimmendes Stück Holz oder Kork, das die Stelle einer Boje versieht und die Lage eines unter Wasser befindlichen Gegenstandes, einer Angel, eines Netzes, eines Ankers anzeigt. Ostfriesisch dubber, vom Zeitwort dubbern, schlagen, pochen, stoßen, hin- und herschlagen, schwingen, schwanken; von der Bewegung die ein auf Wasser schwimmender, von den Wellen auf und nieder bewegter Gegenstand macht; „auf dem Wasser tanzen‟ nennt man sie wohl.  —  Kilianus kennt das Wort nur als zum Angelgerät gehörig: „calamus, qui suspendit hamum, ne fundum petat; cortex subereus lineae piscatoriae.‟ Halbertsma hat für Friesland die Form doaper, „in genere fluitans quid, quod suspendit hamum reteve; speciatim parallelopipedon ligneum parvum in aqua natans et sustinens funem, qui desinit in hamum.‟ Im Husumer Seerecht heißt es: „Kombt ein schip in einen haven driven, dat schal ein dubber up einen ancker hebben.‟  —  Im Mittelniederdeutschen heißt der Dobber auch Kogert: „unde licht enich anker sunder douwer ofte kogert, onde schade off queme, den schall he half beteren‟.

Dock, das, ist ein ausgegrabener und mit Quadersteinen ausgemauerter Raum, in dem ein Schiff ausgebessert wird. Wenn das zu dockende Schiff in diesen Raum hineingefahren ist, wird das Dock hinter ihm mit einem Ponton abgesperrt und das Wasser wird mit einer Dampfpumpe ausgepumpt. Je mehr das Schiff dadurch trocken fällt, desto mehr wird es von beiden Seiten mit Balken abgestützt bis es schließlich ganz trocken dasteht. Doch heißt nicht deswegen solch ein Dock Trockendock, sondern weil es im Gegensatz zu einem Schwimmdock (s. d.) auf dem Trockenen angelegt ist. Docken heißt ein Schiff ausbessern; „das Schiff wird gedockt‟, man kann aber auch sagen „das Schiff dockt‟, wie man sagt das Schiff „löscht‟.  —  Kilian hat eine niederdeutsche Form docke für Renne, Wasserrinne. Dem entsprechend leitet Grimm Dock vom italienischen doccia, französisch douche, spanisch ducha = Wasserröhre, Wasserrinne, ab. Und diese gehen entweder auf das lateinische (aquae) ductus oder auf das griechische doche, dochos, docheion = Gefäß, Behälter zurück.  —  Im Englischen heißt dockyard Werft, dock allein meist in der Mehrzahl docks wird auch gebraucht für einen Liegeplatz von Schiffen. Da wo mir das Wort im seemännischen Sinne zuerst begegnet ist, bei Aubin 1702, wird es neben Dock in unserem Sinne auch als Ankerplatz oder Liegeplatz gebraucht. Es übersetzt nämlich Aubin das niederländische dok mit chambre, bassin, darsine und paradis. Er bemerkt dazu: „C'est la partie d'un port de mer la plus avancée dans la ville. Elle sert à retenir les galéres et autres bâtiments de mer, et est fermée d'une chaine. Elle est apellée Darsine sur la Méditerranée; mais sur l'Océan on apelle Paradis, Bassin, Chambre, les lieux retirez du port, oú les vaisseaux sont en plus grande seureté.‟ Vorher hat er aber auch dieselben Namen bassin, chambre und Darsine angewandt auf „un petit port particulier pratiqué dans un plus grand, oú l'on radoube les vaisseaux. Il ya de deux sortes de bassins; les uns qu'on peut toujours tenir secs, parce qu'on les ferme avec des portes; les autres qui sont ouverts, et dont le fond étant toujours mou et bourbeux, se remplit d'eau quand le flot monte, et se vuide quand la mer descend.‟ Im Jahre 1794 scheint es in Deutschland noch keine Docks gegeben zu haben, wenigstens weiß Röding von keinen zu berichten, da er doch schreibt: „Die neuerbauten Docken zu Karlscrona und Kronstadt, wovon die erste in einen Fels gehauen ist, sind unstreitig die musterhaftesten, auch sind die französischen in den Häfen zu Toulon, Brest und Rochefort und nicht minder die englischen merkwürdig. In Spanien, Portugal und Dänemark sind die Docken ebenfalls auf ähnliche Weise eingerichtet.‟  —  Im Jahre 1850 mußte das erste, neueingerichtete Schiffsjungenschulschiff „Mercur‟ in Karlskrona docken.  —  Mehrzahl: die Docks.

Dodshoft, das, eine besondere Art von Block oder Scheibe mit einem runden oder auch länglichen Loch in der Mitte; ihrer je zwei werden zum Festsetzen stehenden Gutes verwandt. Der Name mag von dem Loch kommen, das Dodmannsauge heißt. Die Einbildungskraft des Seemanns hat offenbar diese leere Höhlung im Block mit der leeren Augenhöhle eines Totenschädels verglichen und Dodsmannsauge genannt. Den Block der das Dodmannsauge aufweist Dodshoft (Dodmannshoft) zu nennen lag dann nahe. Zusammensetzungen, in denen Tod oder tot bildlich gebraucht sind, kommen nicht selten vor. Im „Seebuch‟ (1400) kommt dodeman, Dodemanshovet als Übersetzung für das Vorgebirge Deadmans Point vor. Sogar ein Gebäck aus Mehl, Zucker und Mandeln nennen sie in Groningen doodmansvinger.

Dollart, der. Name des im 13. und 14. Jahrhundert nach und nach durch Deichbrüche, ähnlich wie die Jade, entstandenen Meerbusens. Es ist behauptet worden der Name komme von der „tollen Art‟ dieses seemännischen Gewässers. Aber diese Behauptung hat nicht mehr Wert als die andere, daß Wangerooge „das Auge‟ von Wangerland heiße (da oog doch gleich dem hochdeutschen ach, Wasser ist). Der Dollart hat keine tollere Art wie die anderen Busen der Nordsee; verschiedene Fluten haben an seiner Entstehung gearbeitet (zuerst 1277); aus kleinen Anfängen ist er entstanden; zuerst mag nur ein Loch vorhanden gewesen sein, ein Kolk oder dergl. Nun gibt es im Ostfriesischen ein vielgebrauchtes Wort dollerd, dollert, dullert für talähnliche Mulde, Vertiefung, Senkung, großes weites Loch im Boden, Untiefe, Sumpf. Das hat zweifelsohne den Namen gegeben. Er ist in vielen deutschen Dialekten als delle erhalten; englisch dell.

Dollbord, s. Dolle.

Dolle, die, hölzerner (jetzt meist eiserner) Nagel in dem Dollbord des Ruderbootes befestigt, dazu bestimmt dem Riemen (Remen) beim Rudern als Stütz- und Drehpunkt zu dienen. Heißt eigentlich nichts weiter als ein Stück Holz, Baumstamm, Balken, Stange, Holzpflock, Bolzen. Von einem Stammverbum dolon, das mit dem Perfektum von fero, tuli, und mit tollo, tolero, tragen, halten (also auch mit unserem „Geduld‟) verwandt ist. Althochdeutsch dolon, tholon, dolen, tholen; mittelhochdeutsch dolen; gothisch thulan; friesisch heißt Dolle dol, angelsächsisch thol, englisch thole, auch thole-pin („Angli per abundantiam thole-pin, ut fit cum propria vis vocis in oblivionem cadit, notio enim clavi (pin) jam in thole haeret.‟) Nach Vilmar ist Dolle, Dollnagel im Fuldaischen technischer Ausdruck der Zimmerleute für den starken hölzernen Nagel, welcher halb in den Durchzug und halb in den Balken befestigt wird, damit sich die Balken nicht verschieben.  —  Kilianus hat schon die Form dolle: „lignum teres, cui struppis alligantur remi et obex remi.‟  —  Dollbord ist die oberste Planke der Bootsaußenhaut, an der die Dollen befestigt sind. Der Name Dollbord ist auch da geblieben wo, wie beinahe durchgängig bei der Marine, die Dollen verschwunden sind und Rundseln Platz gemacht haben. Nur das Dingey und die Gig haben keine Rundseln, allerdings auch keine Dollen, sondern Gabeln, in denen der Riemen sich bewegt; sie haben aber den Namen Dollen behalten.

Domper, der, das Tau (aus Draht) das der blinden Rahe Halt nach unten zu gewährt. Ganz vorne am Bug und niedrig über dem Wasser angebracht muß der Domper bei Seegang notwendigerweise mit dem Wasser in Berührung kommen und bei jeder höheren Woge untertauchen. Davon hat er den Namen. Früher, als man die Kanonen noch auf sehr einfache Art befestigte, kam es vor, daß sie durch das Schlingern des Schiffes vornüber fielen, das nannte man „die Kanonen dompen‟. In Ostfriesland ist ein Zeitwort dumpen (niederländisch dompen) im Gebrauch: stoßen, drücken, niederdrücken, unterdrücken, ducken, tauchen, eintauchen, sinken machen, versenken; davon ist domper gebildet. Da unser tauchen dasselbe Wort ist wie taufen, und gothisch daupjan hieß, altsächsisch dopan, niederdeutsch dopen, so ist klar, daß das ostfriesische dumpen und das niederländische dompen rhinistische Formen (durch Nasalierung entstanden) von dopen sind, Domper also nichts anderes ist und bedeutet als Taucher. Das Zeitwort dompen wird auch sonst an Bord gebraucht im Sinne von „etwas nach unten zu bewegen.‟

Downtonspumpe s. Pumpe.

Draggen auch wohl dreggen, heißt etwas auf dem Grunde des Meeres Liegendes auffischen, aus dem Wasser ziehen. Ziehen ist die eigentliche Bedeutung des Wortes. Es ist mit tragen verwandt, niederdeutsch dragen, altfriesisch draga, drega, angelsächsisch dragan, altnordisch draga, schwedisch draga, dänisch drage, englisch drag, gothisch dragan, althochdeutsch tragen, trakan  —  alles heißt ziehen, schleppen, hinziehen, ausziehen. Das Werkzeug zum draggen heißt Dragge, Dregge, Dreg. Es ist ein ankerartiges Ding mit vier Armen, manchmal auch nur mit dreien, die auf dem Grunde des Meeres hin und her bewegt den gesuchten Gegenstand fassen, greifen, festhalten sollen, damit er in die Höhe gezogen werden kann. Weil man die Arme mit den Klauen eines wilden Tieres, etwa eines Drachen, vergleichen kann, so haben harmlose Erklärer an dieses fabelhafte Tier gedacht um das Wort zu erklären. Nicht besser ist die Erklärung des Bremer Wörterbuches: „dragge, eine Art Anker mit 3 oder 4 Haken. Vielleicht von traag = tardus, weil er das Schiff an der Fahrt hindert‟  —  also „träge‟ macht (!) Noch schöner ist das Wort Dragge von dem Herausgeber des Kilianus'schen Wörterbuches, Gerhard Hasselt aus Arnheim, 1777 gedeutet worden: „dregge a drieghen, quia eo pisces decipiuntur.‟ Nicht besser ist eine vierte Deutung, nach der dregge = dre-egge wäre: „tribus cuspidibus vel manibus anchora.‟  —  Französisch drague, Hohlschaufel um Sand, Erde, Schlick aus dem Wasser zu ziehen; englisch drag, Zugnetz. Immer spielt der Begriff des Ziehens in die Bedeutung hinein.  —  Dann ist aber freilich, weil die Dragge oder der Dreg Ankergestalt hatte, die Zusammensetzung Dreganker aufgekommen, auch Draganker; man hat auch wohl Anker wieder fallen lassen ohne daß das Wort die Bedeutung änderte; so kommt es, daß im Wangerländischen drag Bootsanker heißt.

Dragoman, der, ist ein bei auswärtigen Gesandtschaften, bei Konsulaten in See- und Hafen- und anderen Städten angestellter Dolmetscher. Das Wort ist ursprünglich chaldäisch und bedeutet Erklärung (targumim); davon arabisch targana, auslegen, übersetzen, dolmetschen; arabisch targoman, mittellateinisch dragumanus, drogamundus, italienisch dragomanno, spanisch dragoman, französisch drogman. Tragemunt war im mittelhochdeutschen ein weitgereister, sprachkundiger Pilger, nicht zu verwechseln mit dem schnellsegelnden Schiffe tragamunt, s. Schmack.

Drehfeuer s. Blinkfeuer.

Drehreep, das. Roeding mißbilligt es, daß Drehreep oft mit Fall für ein und dasselbe gehalten werde. Das ist aber kein Wunder, denn sie haben beide denselben Zweck, ja es ist ursprünglich das ganze Fall der Rahsegel weiter nichts als ein Drehreep gewesen, nämlich ein Reep das bei (beweglichen) schweren Rahen an Deck genommen, ums Spill gelegt und gedreht wurde, wodurch die Rahe in die Höhe ging. Um dieses weitläufige Manöver nicht immer nötig zu haben, hat man an das Drehreep eine starke Talje (ein Takel) angebracht, mit der die Rahe bequem gehißt werden kann. Sie heißt Fall. Indessen muß beim Aufbringen oder an Decknehmen der Rahe auch heute noch die Talje ausgeschaltet und das Drehreep selbst an Deck genommen und, wenn auch nicht immer ums Spill gedreht, so doch mit kräftiger Besetzung geholt oder gefiert werden.

Dreidecker s. Deck. Dreimaster s. Mast.

Dreischäftig heißt das Tauwerk, das aus drei Schäften, Strängen, Strähnen geschlagen ist, die man jetzt Kardeele nennt. Für die Abstammung dürfte am ehesten an das lateinische scapus, Schaft, Stiel, Stengel zu denken sein, und an seine Wurzel skap, die fassen, halten, befestigen bedeutet, so daß dreischäftiges Tauwerk solches wäre, das von drei Teilen zusammengehalten würde.

Drempel, der. Die Bretter die in den Stückpforten liegen und die vier Seiten derselben bilden. Sie bedecken die leeren Räume die zwischen den Inhölzern bleiben, damit zwischen dieselben kein Wasser dringen kann. Man unterscheidet einen Unterdrempel, zwei Seitendrempel, einen Oberdrempel, aber eigentlich gebührt der Name nur dem ersteren, und auch diesem nur uneigentlich, denn Drempel bedeutet Schwelle, Thürschwelle und kommt von trampen, trampeln, den unteren Teil des Thürrahmens, über den man ins Haus, in die Stube eintritt.

Drift s. Trift.

Dübel, der, heißt in der österreichischen Marine (nach Dabovich) der Zylinderzapfen, hat aber mit dem Teufel nichts zu thun, sondern ist eine Umbildung des englischen dowel, welches jeden beliebigen Zapfen bezeichnet, französisch douille, lateinisch ductile von duco, ich führe; also eigentlich Führung(s-Zapfen).

Dublieren, um ein Vorgebirge herumsegeln. Der Begriff des doppelten ergiebt sich leicht, wenn man bedenkt, daß man das umschiffte Kap einmal von der einen und das andere Mal von der anderen Seite, also doppelt, zu sehen bekommt. „Sailing along the coast he doubled the promontory of Carthage.‟

Duc d' Alben, Dukdalben, Dükdalben. Pfähle im Wasser, fest eingerammt und  —  gewöhnlich zu dreien  —  mit einander verbunden, zum Festmachen, Verholen u. s. w. von Schiffen dienend. Die falsche Meinung, der Name komme von dem des Herzogs von Alba, hat sich so festgesetzt, daß sie nur sehr schwer zu beseitigen sein wird. Allerdings heißt dieser im Holländischen Duc d'Alba, im Munde des Volkes Duc d'Alf. Der Gedanke an ihn lag also nicht allzufern, wenn man das Wort Dukdalben las. Ja es lag allzu nah, als daß man nicht Verdacht schöpfen sollte, denn das Nächste ist in sprachlichen Dingen nicht immer das Beste. So hat denn auch außer Onno Klopp in seiner ostfriesischen Geschichte meines Wissens niemand direkt und bestimmt gesagt, daß das Wort von Herzog Alba komme, es ist immer nur vermutet worden. Klopp bringt aber auch keinen Beweis für seine Behauptung.  — Nun ist freilich das Wort vor der Zeit des 30jährigen Krieges unbezeugt. In den vielen Hansa-Rezessen, -Skraaen und sonstigen -Urkunden, die ich durchgesehen habe, habe ich nichts davon gefunden. Das 1400 geschriebene „Seebuch‟ kennt nichts dergleichen; Der Teuthonista, 1475 zu Cleve erschienen, ebenfalls nicht. Cornelius Kilianus Duffläus, 1548, kennt das Wort auch nicht, wiewohl er in Antwerpen lebte. Insofern könnte es also von Duc d'Alf kommen. Aber daß das Wort nicht bezeugt ist, beweist noch nicht, daß es nicht vorhanden war. Matthias Kramer, der im Jahre 1719 im Alter von 79 Jahren zu Nürnberg „Das königliche Nider-Hoch-Teutsch u. Hoch-Nider-Teutsch Dictionarium‟ veröffentlichte, könnte es haben wenn es von Alba herkäme, hat es aber nicht. Auch das um 1700 erschienene, in Amsterdam gedruckte „Dictionaire de Marine‟ von Aubin hat es nicht. Der Holländer Bilderdyk, ein scharfer Kopf, der vor 100 Jahren schrieb, hat es zuerst und nennt es auch gleich ganz richtig, oder wenigstens annähernd treffend „eene moedwillige verbastering von dokdulf.‟ Mit dem dokdulf hat er zwar nicht Recht, desto mehr aber damit, daß er die Form Duc d'Alf eine „mutwillige Verschlechterung‟ nennt. Wenn wir genau zuhören, wie der niederdeutsche Seemann sagt, so hören wir gar nicht Dükdalben oder Dükdalfen, sondern Dükdallen, und zwar mit dem dunklen niederdeutschen a das wie o klingt. Dallen, dollen sind aber Balken, Pfähle. In Stralsund heißen die Pfähle am Bollwerk Dallen. In Friesland heißt unser Wort dykdollen; Halbertsma: „stirpes modicae arborum ad corroboranda lignea aggerum propugnacula;‟ also genau wie in Stralsund. Ist -dallen so klar gestellt, so fragt sich was das Dük- bedeutet. Es ist früher an Deich = Diek gedacht worden. Aber es liegt ein anderer Gedanke viel näher, das ist der an das niederdeutsche Zeitwort duken. Wir übersetzen es gewöhnlich mit tauchen, es bedeutet aber vor allen Dingen ducken, beugen, neigen, wie in der Wendung „de bomen duken sik för de wind.‟ Und diese Bedeutung paßt vortrefflich. Die Pfähle der Dükdallen stehen nicht gerad aufrecht, sie sind schief eingerammt, stehen im Winkel zu einander geneigt; die Dallen sind also gedukt  —  und das Gedukte ist gerade das in die Augen Fallende, das Charakteristische an ihnen: daher Dukdallen, das zu Dükdallen geworden ist wie Duker, der Taucher, zu Düker. So rechtfertigt sich auch der Plural. Es heißt stets Dükdallen, nie, auch wenn nur von einem einzelnen die Rede ist, Dükdall; das würde unverständlich sein, wenn an den Alba zu denken wäre, versteht sich aber von selbst, sobald wir an mehrere Dallen denken, die zu einem Dükdallen gehören.

Ducht, die, Ruderbank. Manchmal auch Duft, da f und ch sehr oft in einander übergehen. Das holländische doft hat Aubin (1702) mit banc de Galëre, de Galéasse übersetzt: „c'est un siége pour asseoir ceux, qui tirent à la rame, soit forçat, bonavoglie, ou matelot.‟ Doft oder Docht ist ein gemeingermanisches, sehr frühes Wort, althochdeutsch dofta, angelsächsisch thofte, und kommt von einer Wurzel, die bücken, niederbücken, sich ducken bedeutet, so daß Ducht die Bank ist, auf der diejenigen sitzen, die sich beim Rudern vorn über neigen, nach vorne bücken, das ist eine zu bezeichnende Bewegung beim Rudern, als daß sie nicht hätte zur Bezeichnung verwandt werden sollen. Vielleicht auch ist dabei gedacht an das Niederhocken der Ruderer auf der Ducht.  — 

Ducht (nannte oder) nennt man auch einen aus einer Anzahl Fäden zusammengedrehten Strang; drei Duchten bilden ein Kardeel, mehrere Kardeele werden zusammengeschlagen zu einem Tau. (s. dreischäftig) Dieses Wort hat mit dem obigen nichts zu tun, sondern ist unser hochdeutsches Docht; mittelhochdeutsch und althochdeutsch taht, altnordisch thattr, Faden, Docht.

Durchdrehen, unabsichtlich, durch einen Fehler des Mannes am Ruder beim Segeln am Winde so hart an den Wind gehen, daß der Wind das Segel von der verkehrten (vorderen) Seite füllt, „back‟ legt, und so das Schiff dazu kommt, über den Achtersteven, rückwärts zu segeln; eine, besonders bei schwerer See nicht ungefährliche Sache. Man nennt das auch wohl „eine Eule fangen‟, wohl Anklang an das Sprichwort: „do hät en Uhl säten‟, „da ists unglücklich zugegangen‟. Französisch faire chapelle. „Durchgedreht‟ sagt der Seemann auch von einem, der einen Sparrn zu viel hat, oder den er im Ärger für „verrückt‟ erklärt, ohne daß der Betreffende wirklich geisteskrank zu sein braucht.

Durchholen, ein Tau durch einen Block holen, ohne daß zugleich eine Last, die an dem Tau befestigt wäre, geholt würde, also das lose Tau holen, „die Lose durchholen‟ wie der seemännische Ausdruck lautet. Da dieses kein anstrengendes Geschäft, sondern eher ein Vergnügen ist, so heißt „die Lose durchholen‟ auch im Munde des Seemanns „sich amüsieren‟. „Da wollen wir einmal die Lose durchholen‟, sagt wohl einer zum andern nach langer Seefahrt angesichts des winkenden Hafens.

Dürrkessel, s. Kessel.

Düne, die, Sandhügel, Sandrücken, sandige Erhöhung am Meer. Es ist an Verwandtschaft mit dem griechischen thin, Haufe, Sandhaufe am Meeresufer, gedacht worden und an eine Sanscritform, die eilen, laufen bedeutet, so daß die Düne wegen ihrer Veränderlichkeit und Beweglichkeit so hieße (Weigand); aber dem widerspricht doch sehr der Gebrauch des Wortes in allen keltischen Sprachen, wo es als Endung keltischer Städtenamen geradezu einen festen, befestigten Ort bedeutet; gaedhelisch dun, kymrisch din, Breizonek, kornisch dun: Anhöhe, Burg, Hügel; englisch town, Stadt und down, Düne; französisch dune. Vielleicht verwandt mit der Wurzel des althochdeutschen Zeitworts thenian, dehnen, ausdehnen, in die Höhe gehen.

Dünung, s. Deining.

Dwaidel, der, ein Wischer, aus alten Lumpen gefertigt, die an einem Stiele befestigt sind, womit der Matrose auf Handelsschiffen, namentlich kleineren, sein Fahrzeug reinigt. Auch Dweil. Ist das sonst im Niederdeutschen gebräuchliche Dwele, Handdwele, altdeutsch dwahila, niederländisch dwaele, englisch towell, franz. touaille, wangerländisch dweil. Hochdeutsch Quehle und Zwehle mit großer Verwandtschaft in allen germanischen und romanischen Sprachen. Grundbedeutung: Etwas zum Netzen, Naßmachen, Waschen.  —  Davon Zeitwort dweilen, waschen, Deck waschen.  — (Davon durch Aphäresis des d und indem der Lippenlaut w zu einem Zungenlaut f wurde: Faidel, Feidel, Feudel, Scheuertuch).

Dwars bedeutet quer und ist nur eine andere, niederdeutsche Form eben dieses Adverbiums. Althochdeutsch twer, dwer, angelsächsisch thveores, altnordisch thvers, altfriesisch thwers, twers, mittelniederländisch dwars. Im „Seebuch‟, 1400, dweers, im Teuthonista dwerss; Kil. dwaers, dweers. In oberdeutschen Mundarten zwerch. Das Wort wird an Bord oft gebraucht, namentlich bei Geschwadermanövern, wo neben der Kiellinie die Dwarslinie eine wichtige Formation der Schiffe ist.  —  In Ostfriesland wird dwars und dwas auch außerhalb der Seemannssprache überall da gebraucht, wo man im Hochdeutschen quer gebraucht, sogar dwaskop wird für Querkopf gesagt; von dwas, dwass im Sinne von verdreht kommt dann unser vulgäres dwatsch.  —  „Dwars ab‟ von einem Turm, einer Bake heißt, sich dem Turm oder der Bake gerade gegenüber befinden. „Item twisschen Engelandesende unde Lizart middes in de Montzbaye licht en hochachtich berch, dat is ene gude kenninge, also en man kumpt dwers ut der See‟ heißt es im „Seebuch‟ (1400); Engelandesende ist das, was wir jetzt kurz Landsend nennen; noch bei Waghenaer, 1588, heißt dieses Vorgebirge Engellandesende.