E.
Ebbe, die, das Zurückfließen des Wassers nach einer Flut und der Stand des niedrigsten Zurückgeflossenseins. Man hat das Wort mit ebnen zusammen bringen wollen, so daß Ebbe die ausgleichende, ebnende Meeresbewegung darstellte, durch die nach den Anschwellen der Flut der Meeresspiegel wieder gleich und glatt gemacht würde. Aber das tut die Ebbe gar nicht, sie macht das Meer weder eben noch gleich, bringt es nicht auf den mittleren Wasserstand, sondern unter denselben hinunter, macht also den Wasserstand immer aufs Neue wieder ebensogut wie die Flut ungleich. Auch hat es nichts mit dem in „Abend‟ steckenden Begriff des Abnehmens, des Sinkens zu tun, vielmehr kommt für die Erklärung das gothische ibuks, sich rückwärts bewegend, in Betracht, und das althochdeutsche ippihhon, zurückrollen, und abuh, abgewendet, umgewendet, verkehrt; mittelhochdeutsch ebech, ebich, ebch = umgedreht; noch heute in oberdeutschen Mundarten im Gebrauch, wo gesagt wird: „Du hast deinen Strumpf auf die ebche Seite angezogen‟, „der Baum steht auf der ebchen (der Sonne abgekehrten) Seite des Berges‟; auch eber, aber, appa, Stelle am Ufer wo das Wasser still steht (Ulm), und für das Schmelzen des Schnees gebraucht („es ist so schön appa, sand d' Alma so grün‟, schwäbisch, „der Schnee ist weg (und deswegen) sind die Hochweiden so grün‟). Ebbe ist also das sich rückwärts bewegende, zurückfließende, zurückkehrende Wasser im Sinne des lateinischen recessus. Altfriesisch ebba: „dy Frisa thoer oen neen heerferd fora fara dan mitta ebba ut ende mit da floed op.‟ Angelsächsisch ebba, englisch ebb, hier besonders oft im übertragenen Sinne gebraucht, „I felt them slowly ebbing, name and fame‟, Tennyson; auch als Adjectivum: „The water there is very low and ebb‟, Holland. Mittelniederdeutsch schon ebbe, niederländisch eb, dänisch ebbe, schwedisch ebb, französisch (1702) ebe, il y a ebe. — Eine Ebbe und eine Flut zusammen heißt eine Tide, (nicht englisch, sondern deutsch auszusprechen).
Eiland, das, im Munde des niederdeutschen Matrosen gebräuchliches Wort für Insel. Man hat es mit Einland erklären wollen, allein für sich im Meer liegendes Land, ähnlich wie Einsiedler gebildet. Bedenkt man aber, daß in der Edda ey für sich allein schon Insel bedeutet; norwegisch oy, schwedisch ö, dänisch oe, mittelhochdeutsch owe, awe, ouwe, ouge, auwe, ouw, auw, althochdeutsch awa, auwa, ouwa, owa; mittelniederländisch ooghe, oghe, aeghe, auge; friesisch oge, oog; (neuhochdeutsch Aue, grünes, wasserreiches Land; daher Aurich, Owen in Württemberg, die „goldene Aue‟ und viele Zusammensetzungen mit au), und daß alle diese Formen sich dem gothischen ahva = Wasser, lateinisch aqua, ungezwungen zugesellen lassen, so kann kein Zweifel sein, daß Eiland nichts weiter als Wasserland, Land im Wasser bedeutet. Die Wurzel ist ak, sich bewegen, eilen, rennen (daher auch equus, das Pferd) rinnen; erhalten in vielen deutschen Ortsnamen, die am Wasser liegen: Kreuznach, Teinach, Neckarsteinach, (dann in vielen Flußnamen in denen das k zu einem h verflüchtig und dieses demnächst ganz ausgefallen ist: Ahe und A, auch Ehe, wohern Emden = Ehemünden). Bei der Neigung, aus a ein o zu machen (Wald, wold, Karl, Korl) mußte ach im Niederdeutschen, besonders im Friesischen zu og, oog, ooge werden; Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Schirmonnikoog, Middoge, Nordernye(oog); (die Erklärung: Auge ist schön gedacht aber nicht sprachlich begründet). Wir haben in dem ei von Eiland eine der zahllosen Formen zu sehen, die a = Wasser im Niederdeutschen angenommen hat; wangerländisch öeland, mittelostfriesisch oyelauhn, mittelniederdeutsch eyland, eland, oland; altfriesisch alond; schwedisch öland (die Insel Oeland, vergl. Far oer, Far-Inseln). — Im Jahre 1286 hieß der Name der Insel Neuwerk am Ausfluß der Ebbe: O; 1299 und 1300 kommt dann die Bezeichnung nova O vor; vergl. Greifswalder Oie.
Einbuchtung, s. Bucht.
Einender, s. Kessel.
Einfieren, s. Fieren.
Einholen, s. holen.
Einkeepen, s. Keep.
Eins, seemännische Redensart: „in Eins bringen‟, d. h. zwei feste Punkte am Lande so peilen, daß sie sich decken, daß sie ein Punkt werden. „Du darfst (um in die Moolen einzufahren) das Ruder nicht eher hart Steuerbord legen, als bis du das rote Licht und die große Bake „in Eins‟ gebracht hast, oder auch bloß „in Eins‟ hast.‟
Eisdragge, Eisanker s. Dragge.
Eisenkrank, ist ein (hölzernes) Schiff, dessen Eisenteile, namentlich die Bolzen verrostet sind und der Ausbesserung bedürfen. Krank kann eigentlich nur sein, was lebet und sich zu bewegen vermag (vergl. krängen), aber der Seemann personifiziert gern, namentlich sein Schiff, wie denn überhaupt das Volk gerade durch Personifikation sich sehr treffend auszudrücken vermag; „die Tür schreit nach Öl‟ wenn sie rankst; „die Stange will ihr Recht‟, sagte ein Maurer, der Löcher für eine Eisenstange machen sollte in die Leibung eines Fensters; vergl. deisen.
Embargo, der, eine Beschlagnahme eines Schiffes, sei es im Kriege durch eine feindliche Macht, sei es im Frieden durch obrigkeitliche Anordnung. Durch Embargo wird das Schiff verhindert, den Hafen zu verlassen, also in seiner Bewegung beschränkt. Daher ist die Form des Wortes und die nächste Herkunft zwar spanisch, die Abstammung aber deutsch, denn das mittelhochdeutsche barre (s. Barre) hieß schon nicht mehr bloß Balken, sondern Zaun, Gehege, Schranke. — Früher nannte man „ein Schiff mit Embargo belegen‟ auch das, was jetzt zu den Obliegenheiten der Schiffsbesichtigungskommission (s. d.) gehört. In England ist das Wort so gang und gäbe, daß man es bildlich anwenden kann, „to lay an embargo on free speech.‟
Ende, das. Seemännisch das Ende (oder auch der Anfang) eines Taues; dann aber auch alles was zwischen Anfang und Ende ist, das ganze Tau. Ende ist der Punkt oder die Stelle in Raum und in der Zeit wo etwas aufhört. „Da indessen zwischen Anfang und Ende stets eine gewisse Strecke und Länge (dem Raum und der Zeit nach) liegt und ein Ende nicht sein kann, ohne daß vom Anfang bis zum Schluß von Etwas eine gewisse Raum- und Zeitlänge verfließt, so gebraucht man das Wort Ende auch in der Bedeutung von einer mehr oder weniger langen Erstreckung und Ausdehnung in den Raum oder in die Zeit hinaus.‟ (Doornkaat). So spricht man von einem kürzeren oder längeren Ende Wurst, oder sagt: ich will dich noch ein Ende begleiten. Zu bemerken ist, daß, wenn man bei einem Tau von einem Ende spricht, man zwar zunächst an einen Teil eines Taues denkt, daß der Teil aber nicht etwa abgeschnitten zu sein braucht; im Gegenteil, nur weil er noch ein Teil vom Ganzen ist, kann das ganze Tau nach ihm Ende genannt werden, pars pro toto. — Sprichwörtlich sagt der Seemann: „da ist das Ende von weg‟, d. h. „es hört „sich‟ alles auf‟, „es ist gar nichts mehr zu machen,‟ „es steht sehr schlimm.‟
enkelt heißt einzeln und wird in der Verbindung enkelte Part gebraucht für ein Tau, das nicht eine Talje bildet, nicht (in gleichsam zwei besonderen Teilen) über eine Scheibe läuft, überhaupt ohne technisches Hilfsmittel, also auch ohne Kraftersparnis, wie ein gewöhnlicher Strick, gebraucht wird. — Bei Kilianus eenckel, simplex. In Westfalen heißt en enkelten daler ein Taler in einem Stück; in Ostfriesland oft im Gegensatz zu doppelt gebraucht, auch für einfache, nicht gefüllte Blumen. Verwandt mit dem gothischen ainakls, einzeln, einsam, wobei Uhlenbeck auf das altschwedische aenkja Witwe und aenkil, Witwer, hinweist.
entern, ein feindliches Schiff in der Seeschlacht mit Enterdreggen (s. Dragge) an sich ziehen um dasselbe zu ersteigen und zu erobern; dabei wurde eine säbelartige Waffe geschwungen, die in der Marine noch als „Entermesser‟ bekannt ist. Vom spanischen entrar, lateinisch intrare, hineingehen, welches bereits auch die Bedeutung eindringen, hineindringen, angreifen hatte, die unserm entern eigen ist. Das englische to enter wird in den allerverschiedensten Bedeutungen auch seemännisch gebraucht, to enter into a harbour, to enter a ship at the custom-house, aber nicht im Sinne von entern, das heißt board = „to go on board a vessel; specifically, to enter a vessel by force in combat.‟ Das Gleiche gilt für das Französische; da kommt entrer oft genug vor, unser entern aber heißt aborder, und das Substantivum abordage, zugleich ein Übersegeln, Rammen. Kilianus kennt das Wort noch nicht, er hat wohl ein endteren, aber das bedeutet bei ihm „schnattern wie eine Ente.‟ Auch Leonhard Frohnsperger 1565 gebraucht das Wort nicht an einer Stelle, wo er es hätte gebrauchen müssen, wenn es ihm bekannt gewesen wäre, und es wäre doch gerade bei ihm am ehesten zu vermuten, da er unter Carl V. gedient hat und mit seiner ganzen Seemannschaft stark dem Spanischen zuneigt; vergl. das Kapitel seines berühmten Buches „Von Kayserlichen Kriegßrechten etc. etc.‟: „Von dem Meer, See, Schiff oder Wasser krigen, fahren und ziehen, sampt dero nottürftigen gebräuch, an Kriegßvolck zu Roß und Fuß, Geschütz und Munition, in lust, schimpff oder ernst, gegen Freunden oder Feinden, zu halten und zu gebrauchen.‟ MDLXV Kluge: „seit Stielers Zeitungslust 1695 verzeichnet; schon bei Chyträus Kap. 36 bezeugt.‟
In der bisher behandelten Bedeutung ist aber das Wort angesichts der neuzeitlichen artilleristischen Seekriegsführung so gut wie veraltet, da wohl kaum je mehr ein Schiff wird geentert werden. Desto mehr Bedeutung hat aber das Wort und wird es behalten in einem anderen Sinne. In Anlehnung an den Begriff hinüberklettern, hinaufklettern, der in Entern liegt, hat man durchgängig in der Seemannssprache das Wort entern für „klettern‟ in Gebrauch genommen, und zwar nicht nur für das Hinaufsteigen, was ja dem eigentlichen Sinne noch entsprechen würde, sondern auch für das demselben entsprechende Wiederhinabsteigen: aufentern, niederentern. Kommandos: „enter auf!‟ „enter nieder!‟ — Im „Durchläuchtigsten Seehelden‟ 1681 wird das Wort entern im eigentlichen Sinne gebraucht: „Als sie (Admiral Heyn und seine Leute) auf die Spanischen ankamen, wollten diese sich zur Wehr stellen, aber nach dem ein paar mal die Musqueten auf sie gelöset wurden, entfiel ihnen der Mut. Als sie an den Boord kamen, funden sie kein Mittel wegen der Höhe der Schiffe hinauf zu kommen und zu entern. Ohngefehr hieng ein Schiff-Seil herauß, woran ein Matrose hinauf stieg, und da er droben war, rund herum nach Seilen und Stricken suchte, solche feste zu machen, und den andern, so darunter waren, zuzuwerffen, welches sie mit guter Gemächlichkeit täten, daß die Spanier zusahen, und gantz keine gegen Wehr darwider täten. Als nun inzwischen die andern Schiffe enterten, riefen die Teutschen Buen guerra, gut Quartier, darauf die Spanier alle hinunter lieffen.‟ Doch vermeidet dasselbe Buch an anderer Stelle das Wort entern, wo man es erwarten sollte. „Hierauf fuhren sie fort, den Caca fuego zu verfolgen, und versprach Drack dem ersten, der dasselbige ersehen wurde, eine guldene Ketten zum Boten-Brod. Nun geschah, daß Johann Drak eins hinauf stiege, und ohngefehr umb drey Uhr nach Mittags, dasselbige ins Gesicht bekam, umb sechs Uhr waren sie schon darbey, da nun Drak ihnen drey Schüsse gegeben und ihre Segel-Stange herunter gestossen, legte er ihnen an Bord, und sein Volck sprang hinein und funden allda einen großen Reichtum‟ ...
Erlaubnisabzeichen, das, war in den Anfangszeiten des Schiffsjungeninstitutes ein Abzeichen der Würde eines Bootsmannsmaaten, der noch kein eigentlicher Bootsmannsmaat war, sondern nur an Bord die Dienste eines solchen versah; wenn er aber an Land ging, so war er gehalten, das Abzeichen (den Anker) den er nur an Bord zu tragen die Erlaubnis hatte, abzulegen und zurückzulassen, offenbar traute man ihm seiner großen Jugend wegen noch nicht die Fähigkeit zu, den Stand eines Unteroffiziers auch am Lande würdig zu vertreten.
Erster Offizier, der nächste nach dem Kommandanten, im Behinderungsfalle und auch sonst in vielen anderen Fällen sein Stellvertreter, ihm für alles was im Schiffe vorgeht verantwortlich, überhaupt ein Mann, auf dem für gewöhnlich die ganze Last des Schiffsdienstes liegt. Er heißt Erster Offizier nicht etwa nur als primus inter pares oder weil er der Dienstälteste in der Messe ist, also nicht in dem Sinn, in dem man sagt „Erster Wachoffizier‟, sondern etwa so wie man sagt: „Erster Staatsanwalt.‟ Also die Bezeichnung eines besonderen Amtes, einer einem Manne amtlich und dienstlich übertragenen Stellung.
Eselshaupt, das. Das Verbindungsstück am Kopfe des Mastes, durch das die Stänge mit dem Maste verbunden ist. Ein ziemlich sonderbares Wort. Breusing sagt: „Ich möchte glauben, daß der ursprüngliche Name Eselshuf gewesen ist, da diesem die Gestalt genau entspricht, während man für die Bezeichnung Eselshaupt gar keinen Anhalt hat.‟ Huf für Haupt zu setzen ist ein Griff, dem die Verlegenheit allzudeutlich anzusehen ist. Haupt ist auf alle Fälle festzuhalten, weil der niederdeutsche Seemann Hofd sagt und dieses Hofd auch noch in anderer Verbindung, z. B. Dodshofd, vorkommt, wo es unzweifelhaft Haupt bedeutet. Haupt muß also stehen bleiben. Aber wenn wir uns den Esel näher betrachten, so hat er mit der Zoologie ebenso wenig zu tun wie das Schwein in Kielschwein. Es handelt sich vielmehr um die Anatomie des menschlichen Leibes, wie Haupt schon vermuten läßt. Dem Haupt zunächst verbunden ist die Schulter, die Achsel. Dieses Wort aber lautet althochdeutsch ahsla, auch ahsel, angelsächsisch eaxl, altsächsisch ahsla, altisländisch öxl, italienisch ascella, provençalisch aissela, mittelniederdeutsch assel und asle. Da liegt doch die Vermutung nahe genug, daß aus diesem Assel Esel geworden ist. Das Eselshaupt stellt die Verbindung von Kopf und Schulter dar. Durch die eine, runde Öffnung ragt die Stange gleichsam als Haupt nach oben, die andere, viereckige Öffnung sitzt als Schulter zu dem dazu gehörigen Haupte nach unten zu auf dem Maste auf. Daß die Stänge als das Haupt angesehen werden kann, wird der nicht bestreiten, der weiß, daß sie sogar einen Zopf hat (s. Topp). Beide, Haupt und Achsel, treffen zum letzten Male im Eselshaupt zusammen; daher wird dieser gewiß Eselshaupt = niederdeutsch Aselshofd sein, zumal wenn Pferd in Vergleich gezogen wird. — Daß das Wort in der Gestalt Aselshofd zur Zeit nicht nachweisbar ist, darf uns nicht beirren. Vielleicht findet es sich noch einmal. Aber wenn auch nicht, so ist damit noch nicht bewiesen, daß es überhaupt nicht vorkam, denn, wenn es nicht ganz zufällig in irgend eine alte Urkunde geriet, wer hätte es aufschreiben sollen? Wer schreiben konnte, das waren die Mönche, und die kannten das Wort nicht oder hatten keine Veranlassung es aufzuschreiben. Und wer das Wort kannte, das waren die braven Seeleute, aber die konnten nicht schreiben. Wenn aber auch die Zusammensetzung Aselhofd nicht belegt werden kann, so kann doch bewiesen werden, daß die mittelniederdeutsche Form für Achsel nicht nur Asel, sondern auch Esel hieß. Auf der Oldenburgischen Bibliothek findet sich ein altes geschriebenes Gebetbuch vom Jahre 1473, darin kommt die Stelle vor: „Bedenk, wo se up sine klenlike eselen dat sware cruce leyden.‟ — Da also Esel = Achsel und Hofd = Haupt ist, so hätte man anstatt Eselshofd getrost hochdeutsch Achselhaupt sagen dürfen. Daß man Eselshaupt vorzog, ist am Ende nicht einmal so verwunderlich, da das e in Esel eigentlich ein a sein müßte, von wegen asinus. Niederdeutsch heißt der Esel auch heute noch Äsel, und zwischen diesem und Asel ist lautlich ein sehr geringer Unterschied. Aber sachliche Bedenken geben bei solchen Wortbildungen nicht den Ausschlag, sonst hätte unser deutsches Flüssigkeitsmaß Oxhoft (Ochsenhaupt) auf dem Wege nach England nicht zu einem Hogshead (Schweinskopf) werden können.
Etmal, das. Ein Etmal ist in der Seemannssprache ein Zeitraum von 24 Stunden, und zwar vom Mittag des einen bis zum Mittag des andern Tages gerechnet. „Wir haben ein Etmal von 300 Seemeilen‟ heißt also: wir haben in 24 Stunden 300 Seemeilen zurückgelegt. Auch insofern ist ein Etmal ein Zeitraum von 24 Stunden, als in dieser Zeit zweimal Ebbe und zweimal Flut stattfindet, es erstreckt sich also über zwei Tiden; jedoch kommt es auch vor, daß Küstenbewohner nur eine Tide, also die Zeit von 12 Stunden so nennen. Aber schon Kilianus kennt das Wort im ersten Sinne und übersetzt es mit dies naturalis: 24 horarum spatium. Ganz unbefangen leitet er es von eten = essen ab, „prandere quia astrologi incipiunt diem a meridie: nempe cum sol ingreditur circulum meridianum, quo tempore vulgo pranditur.‟ Ähnlich Weiland: er nimmt etmal = eetmal, „dit schynt te zien op het gebruik der Ouden van slechts eenmal daags, en wel omtrent den middag, eenen hoofdmaaltyd te doen.‟ Man könnte sich versucht fühlen, das für einen Witz zu halten wenn die Wörterbücherschreiber nicht sonst so ernste Leute wären. — Das -mal ist ohne Weiteres klar; es bedeutet (gothisch mel, althochdeutsch mal) einen Punkt, (Mal, Muttermal, malen) dann Zeitpunkt, dann Zeit überhaupt, besonders aber auch Zeitpunkt des Essens (weshalb unser Mahlzeit eine der vielen Tautologieen der deutschen Sprache darstellt). — Die erste Silbe „et‟ wird von Diefenbach als ein verstärkendes, die Wiederkehr anzeigendes, also ein iteratives (von iter, iterum) Präfix erklärt. Tatian: in itmalens tage Ostrono, am wiederkehrenden Tage der Ostern. In Beówulf kommt die Zusammensetzung edhwyrft vor = Wiederkehr, (Rückkehr des alten Zustandes nach der Rückkehr von Grendels Mutter), ferner ed-wendan sich zurückwenden, und ed-wenden die Wendung, der Wechsel. Im Altfriesischen hat Etmal schon die seemännische Bedeutung: „Dat schilma binna trim Etmelum fifiuchta‟, „das soll man binnen dreimal 24 Stunden befechten.‟ Neufriesisch: et-grode, noch einmal gewachsen (nachdem das Gras bereits gemäht oder abgeweidet war, auch et-grün) vergl. Kilianus et-groen, na-weyde, Nachweide; etwende, die Stelle wo der Pflug beim Pflügen am Ende des Ackers immer wieder umkehren muß, hochdeutsch (oberdeutsch) Gewandung. Die mittelalterliche Bezeichnung eddach, ettink für einen regelmäßig in bestimmten Zeitabschnitten wiederkehrenden Gerichtstag hat weder mit echt = Gesetz, noch mit ed = Eid zu tun, denn Gesetz und Eid kommen bei jedem Gerichtstag in Anwendung und können daher eine besondere Art nicht bezeichnen, sondern ist eben et-dag, ein bestimmter, regelmäßig wiederkehrender Tag, schon weil dafür auch markding gesagt wird, was sicher einen bestimmten Zeitpunkt andeutet. — Was das seemännische Etmal betrifft, so empfiehlt Lucas Janszoon Waghenaer in seinem „Spiegel der Zeewaerdt‟, 1588, sehr, es regelmäßig auf der Karte zu bezeichnen. Er schreibt: „Tis seer goet alle Etmalen eens af te steken, ende te teckenen watmen ghezeylt ende behouden heeft, op datmen inde graden sien mach wat hoochde men heeft, ende hoe alle de hoecken ende landen van u zyn legghende.‟ Derselbe Waghenaer spricht auch wiederholt von einem Etmal des Mondes.
Eule fangen s. durchdrehen.
Evolutionsbogen, der, verschieden von Drehkreis. Letzteres ist die gleichmäßige Bewegung im Kreise, ehe aber das bis zum Legen des Ruders gradeaus steuernde Schiff unter dem Einfluß des gelegten Ruders in die regelmäßige Drehung eintritt, muß es einen Bogen beschreiben, eine Kurve, die der Evolutionsbogen heißt. Man unterscheidet demgemäß auch einen Evolutionsdurchmesser und einen Drehkreisdurchmesser. Lateinisch evolvo, sich entrollen, aufrollen.
Ewer, der. Name eines kleinen Fluß-, Kanal- oder Wattschiffes, besonders bekannt durch die Hamburger Hafenboote dieses Namens. Doornkaat meint, es sei über die Herkunft des Namens mit irgend welcher Sicherheit nichts zu sagen. Wenn man aber bedenkt, daß in zahlreichen mittelniederdeutschen Urkunden eever, ewar und envare neben und durcheinander gebraucht werden und daß envare in dem Zolltarif der Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 erklärt ist als ein „navis, que dicitur envare, que habet remex retro pendens (debet) comiti IV. den,‟ so ist der Gedanke doch sicher nicht zu kühn, daß das Boot ursprünglich von einem Manne gefahren wurde, und zwar mit einem Riemen, der retro pendens war, so daß also das Boot durch Wricken fortbewegt wurde. Einfahrer wäre also die Hochdeutsche Übersetzung. Natürlich ist dabei nicht angenommen, daß das Schiff 1252 noch von einem Manne gefahren wurde, sondern nur, daß es sich — wer weiß wann? — aus solch kleinen Verhältnissen heraus entwickelt habe, ähnlich wie Fregatte sich aus einem Ruderschiff zu einem Dreimaster ausgewachsen hat. — Breusing hatte sich sehr in den Gedanken eingelebt, Ewer sei gleich Eber, wiewohl ihm bekannt war, daß in den beiden Worten zwei ganz verschiedene anlautende e stecken. Und als Müllenhoff das Gewicht seines Ansehens gegen die Gleichstellung in die Wagschale warf, da ließ er freilich den Eber fallen, aber man merkt es dem verdienten Manne doch an, wie schwer es ihm ward. —
Exerziermast, der, ist ein Mast der nicht zu einem Schiffe gehört, sondern am Lande, in der Nähe einer Kaserne angebracht, aber sonst ganz als Schiffsmast getakelt ist, und an dem ungeübte Matrosen, Schiffsjungen etc. etc. ihre Übungen im Entern etc. etc. anstellen. Er hat also ungefähr die Bedeutung eines Turngerätes für angehende Seeleute; auch wohl die eines schönen Spielzeuges für heranwachsende Knaben.
F.
Faden, der, dasselbe wie Klafter, ein Maß von 5-6 Fuß; bedeutet, ebenfalls wie Klafter, ursprünglich Umarmung mit beiden ausgestreckten Armen. Beide Wörter sind als Maß ähnlich gebildet wie Elle von (Ellenbogen) Elbogen. Besonders bedeutet Faden eine Schnur, eine Faser zu einem „Faden‟ gedreht, die so lang ist, daß sie von der Hand des einen ausgestreckten Armes zu der Hand des anderen ausgestreckten Armes reicht. Noch im 17. Jahrhundert fadem, englisch fathom, in deutschen Mundarten Fadem. Althochdeutsch fadam, beide ausgestreckten Arme, angelsächsisch fädm, die umspannenden Arme, Umarmung, daher Macht, Schutz, Busen, Schooß. Edda: fadmr, die ausgebreiteten Arme; gotisch fahan, fangen, umfangen; griechisch petannymi, ausbreiten. Vom lateinischen patere, offen stehen, sagt Kluge, daß es schon „weiter abseits‟ liege; also entfernte Verwandtschaft. — Das französische brasse hat genau die Bedeutung unseres Wortes Faden: die Entfernung der beiden Arme (bras), wenn sie ausgestreckt sind. — Meist wurde Faden als Tiefmaß gebraucht. Waghenaer 1588 bemerkt einleitend zu seinen Seekarten: „Tcyfer ghetal gestelt ontrent alle Havenen, Riuiren, Stroomen, Canalen binnen ende buyten inde zee, oock op de ondiepten ende sanden, beteekent hoe veel vadem dese plaetsen diep zyn ... alles met half vloet.‟ — Doch gebraucht derselbe Waghenaer Faden auch für Bezeichnung einer Entfernung: „Item een myle buyteu de Clippen van Obenrack leyt een rudtse (Fels) onder 't water, ist dat ghy laueren moet tusschen die Fours ende Obenrack, so comt de voors. rudtse niet naerden dan veertich vadem, West zuydtwest ende Zuydtwest vande seuen Eylanden, comt den lande niet naerder dan op veertich vadem.‟
Fahne, die, gehört streng genommen nicht hierher, da der Seemann anstatt Fahne Flagge sagt, doch ist ja neuerdings in der Marine der Dienstgrad Fähnrich zur See (für Seekadett) eingeführt. Fahne heißt eigentlich Tuch, Fahnentuch ist also tautologisch. Gotisch fana, Zeug, Tuch; althochdeutsch, altsächsisch, fano, linteum, vexillum; lateinisch pannus, Tuch, mittellateinisch auch Fahne und Tapete (Panneel); griechisch penos, Gewand; von der indogermanischen Verbalwurzel pan, pen = ziehen, spinnen, hängen. Altfranzösisch fanon, Tuch; aber gonfalon, italienisch gonfalone stammen vom altdeutschen guntfano, „Kampftuch‟ ab. Finnisch faana, die Fahne. Der Fähnrich hieß althochdeutsch faneri, Fahnenträger. Das englische pennant wird jetzt unter dem Einfluß von pendeo, hängen, in der Form pendant gebraucht, wobei man broad pendant = Flagge und long pendant = Wimpel unterscheidet.
Fähre, die, ist von Fährschiff so zu unterscheiden, daß Fähre ein flaches, niedriges Fahrzeug bedeutet mit dem Menschen, Pferde, Wagen, ja neuerdings ganze Eisenbahnzüge an einer bestimmten, dazu eingerichteten Stelle über einen Fluß oder ein sonstiges Gewässer gesetzt werden; es geschieht mit Staken oder Riemen, mit Hilfe eines Taues, einer Kette, mit Dampfbetrieb. — Fährschiff aber ist ein wirkliches Schiff, das auf Flüssen, Seeen, Kanälen und in Küstengewässern regelmäßige Fahrten von einem Ort zum andern macht und für einen festgesetzten Preis Passagiere und Waren mitnimmt; also ähnlich wie Börtschiff, nur vielleicht mit kürzeren Fahrten.
fahren wird auch in der Seemannssprache in der gewöhnlichen neuhochdeutschen Bedeutung gebraucht. Daneben jedoch noch in einem Sinne, der der eigentlichen Bedeutung „sich von einem Orte zum anderen bewegen‟ widerspricht. Man sagt: „Das Tau fährt nach vorne, nach achtern, nach unten.‟ Beim laufenden Gut möchte das noch angebracht sein, wiewohl es bei seinem Laufen eigentlich auch nicht seinen Ort verändert; aber beim stehenden Gut muß man sich schon zwingen, daran zu denken, daß es auch einmal noch nicht stehend war und erst beim Auftakeln des Schiffes in seine Stellung geführt worden ist. — Außerdem gebraucht der Seemann fahren im Sinne von „zur See fahren.‟ „Ich bin mit ihm gefahren,‟ heißt: „ich bin mit ihm zusammen an Bord gewesen, mit ihm zusammen auf einem Schiffe gefahren.‟ „Ich fahre auf Handelsschiffen,‟ sogar: „ich fahre auf Südamerika‟ (mundartlich: „ich mache in Amerika,‟ jedoch nur von einer einzelnen Reise, während der Seemann, der „auf‟ Amerika fährt, damit sagen will, daß er wiederholt und mit einer gewissen Regelmäßigkeit mit seinem Schiffe die Fahrt dahin betreibt.) Ein „befahrener‟ Mann ist einer, der entsprechend lange zur See gefahren hat — der Seemann sagt stets „ich habe gefahren,‟ offenbar weil er sich dabei, wie ein Kutscher am Lande, aktiv vorkommt — um in der Seemannschaft erfahren zu sein.
Fahrrinne, die, eine natürliche Rinne im Watt in der man auch bei Ebbe noch fahren kann; sodann die natürliche Vertiefung in einem Hafen im Verlaufe der Richtung die ein Schiff steuern muß, um nicht auf Grund zu geraten, daher meist Fahrwasserrinne genannt, Wasser wo man fahren kann. Besonders aber ein künstlich hergestellter Weg durchs Wasser, sei es, daß man ihn mit Eisbrechern durchs Eis gebahnt, sei es, daß man ihn ausgebaggert hat. — Früher hatte man ein seemännisches Wort Fahrweg. Im Seebuch, 1400, kommt es oft vor und bedeutet den Weg draußen auf offener See, im Gegensatz zu Reede, den Weg, wo man vom Lande unbehindert fahren kann, jedoch mit der Beschränkung die heutzutage das Fremdwort Route andeutet, Wasserstraße als nächster Weg von einem Orte zum andern. „Item in der reyde van der Nysse maket vul see sudsudwesten mane (Mond), unde uppe der stille suden mane, unde buten in deme varwege maket vul see sudwesten mane.‟ — Denselben Sprachgebrauch hat 1588 noch Waghenaer: „tusschen Heys en Belysle mede 30 vadem. Ende buyten de vaerweg ist diep 35 vadem. Binnen 't vaerwater zynde vintment diep 25 vadem. Twee kenninghen buyten Heys, werpt ghy 45 vadem.‟ Es ist also ein Unterschied zwischen einem äußeren Fahrweg und einem inneren Fahrwasser.
Fahrt, die. 1. = Reise; die Fahrt nach Kapstadt, eine Fahrt ins Mittelmeer.
2., die Fortbewegung, der Lauf, die Geschwindigkeit des Schiffes; „das Schiff ist in Fahrt,‟ „das Schiff hat schon oder hat noch Fahrt‟, „es ist in voller Fahrt‟, „es fährt mit halber Fahrt‟. Auch in übertragenem Sinne von Menschen gebraucht: „der ist in der Fahrt‟, „die ist mächtig in der Fahrt‟, wenn jemand recht im Eifer ist.
3. Man unterscheidet „Große Fahrt‟, „Kleine Fahrt‟, s. Schiffsregister. Je nachdem einer ein Steuermannsexamen macht, erhält er das Patent für die seinem Wissen and Können entsprechende Fahrt, „große Fahrt‟, „Küstenfahrt‟ u. s. w.
Früher unterschied man nur „große und kleine Seefahrt‟, und erstere war besonders die Fahrt nach Ost- oder Westindien. Der Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ Lübeck 1673, spricht in einem Vorwort an den „günstigen Leser‟ von den Fortschritten, die der Mensch in der Observation gemacht habe. „Wil se nu dorch dise Erfahrenheit gedachten vel Provit tho erlangen, so hebben se dise Kunst ümmermehr na gesöcht, bet se entlick vel rike Landen und Eilanden up gefunden; Insünderheit dat Rick America, so den Olden in den vorigen Tiden hell unbekannt gewesen, welckes nu als ein nie Werrelt geachtet wert. — Se hebben sick ock herna in dise Kunst mehr geövet, und insünderheit die Europsche Natie darunder de Nedderlanders nicht van de minneste gewesen, alß by er uth gegeven Böck tho sehende, welcke Böck wi ock by unser Schipfahrt gebrucken, wil ui bet Dato nemand gefunden, de in unser Saxsischen Sprack etwas van der Kunst der Seefahrt beschreven hebben, dar idt doch ein hochnödich Warck schint tho wesen, na dem mahl vel van unsen Seefahrenden nicht wol in der Holländischen Sprack noch in er Böck tho lesen erfahren, so, dat se dat sulvige, wat se lesen, nicht recht verstahn noch begripen könen. — Ock sunt de Nedderlandesche Böck mit der groten Seefahrt mehrendeles vorfüllet, welckes besteit in Affdeling der Sphera der Werrelt, Bewegung der Hemmelen, im gelicken de dre Huckes, Krum Streck, langet und bret Recknung, und vel ander Regulen, de uth der Astronomie und Cosmographie genahmen; Welckes unsen jungen Seefahrenden weinig Nutzen bringet, na den mahl so selden de Ost- und West-Indyen befahren. Se werden averst velmehr dorch de mannigfoldigen Regulen up geholden, wil se de sünder Anwising und gud Underricht nicht lehren noch underscheden können, wat Regelen er tho der groten offt klenen Seefahrt fodderlick und nütlick sin!‟ ...
Fahrzeug, das, ist im Allgemeinen eine Bezeichnung für alles was Schiff heißt, jedoch im Besonderen oft mit der Nebenbedeutung des Geringeren, Minderwertigen, Kleinen. Ein Panzerschiff erster Güte wird man kaum ein Fahrzeug nennen; dagegen spricht man von Werft-, Hafen-, Lootsenfahrzeugen. Das Wort ist neueren Ursprungs, erst seit 1695 bezeugt, und soll eigentlich niederdeutsch sein. Im Mittelniederdeutschen war es aber unbekannt, da kommt nur ein vartouwe vor, das aber Fahrgeschirr = Wagen, bedeutet, wiewohl sonst tuch und tug in mannigfachem Gebrauch stand, namentlich auch im Sinne von Kriegszeug. Und auch im Neuniederdeutschen ist das Wort kaum gebräuchlich. Vielleicht daß es sich aus dem Niederländischen, wo vaartuig öfters gebraucht wird, eingeschlichen hat.
Fake, Facke, die, meist in der Mehrzahl gebraucht: die Faken, sind die Zwischenräume zwischen den einzelnen Spanten oder Inhölzern. Als man die Kriegsschiffe noch von Holz baute, wurden in der Wasserlinie die Faken mit Holz ausgefüllt zum Schutze gegen feindliche Kugeln. Das Wort ist nichts anderes als das niederdeutsche vak = Fach, Behälter, durch Scheidewände eingeschlossener und abgegrenzter Raum, Abteilung, Abschnitt, Behälter. Die Faken sind also die Fächer zwischen den Spanten.
Fall, das. „Ein Fall ist ein Tau, das zum Aufhissen oder Streichen eines Gegenstandes bestimmt ist und entweder in einem Takel oder einfach über eine Scheibe läuft. Die vorzüglichsten an Bord sind die Fallen der verschiedenen Rahsegel, der Gaffel und der Stagsegel. Die Mars- und Bramrahen sind mittelst eines Drehreeps mit dem oberen Blocke ihres Falles verbunden‟. (Brommy, „die Marine‟). Jedes Segel hat ein Fall. Aber merkwürdigerweise dient bei allen Segeln das Fall wohl zum Aufziehen derselben, aber nicht bei allen zum Fallenlassen. Während nämlich die Rahsegel mit ihren Rahen durch das Fall aufgehißt werden und, wenn man das Fall fiert, von selbst fallen, dienen die Stagsegelsfallen entgegen ihrem Namen nur zum Aufhissen; von selbst fallen sie nicht an dem betreffenden Stag herunter, auch wenn das Fall ganz lose ist; sie bedürfen darum noch eines besonderen Niederholers. vergl. Drehreep.
Fallhorn, das, ist das was sonst „Kopf des Stagsegels‟ heißt, nämlich das spitz wie ein Horn zulaufende obere Ende des Stagsegels, an dem das Fall befestigt ist.
Fallreep, das. Nicht leicht ist bei einem Worte der ursprüngliche, einfache und klare Sinn so verdunkelt und vergessen worden, wie bei diesem. Reep ist gleich Tau. Fallreep ist also das Tau, das man einem, der die Stufen der Bordwand hinauf wollte, hinabfallen ließ, sich daran festzuhalten. So bedeutet also das heutige Kommando „Fallreep!‟ eigentlich: „Fall Reep!‟ oder „laß fallen das Reep‟, für den an Bord Kommenden (oder auch von Bord Gehenden). Weil dies von einer bestimmten Stelle aus geschah, nämlich eben von da, wo in der Bordwand die schmalen Trittbretter eingelassen waren, so nannte man die ganze Gegend da in der Nähe nach diesem fallenden Reep „am Fallreep‟, „beim Fallreep‟, oder auch kurzweg „Fallreep‟, und der Nachtposten, der da steht, kann nun aussingen: „Steuerbord-Fallreep, oder Backbord-Fallreep alles wohl!‟ Man denkt gar nicht mehr an das Reep oder Tau, man glaubt, es mit einer einfachen Ortsbezeichnung zu tun zu haben. So erklärt es sich auch, daß in späteren, bequemeren Zeiten, als man statt der Bordwandtrittbretter richtige transportable Treppen einführte, diese Fallreepstreppen genannt wurden, wiewohl diese gerade durch ihr Geländer das Fallreep überflüssig machten, so daß die sogenannten Fallreepsgäste das Tau nur noch symbolisch in die eigene Hand nehmen und nur so tun, als ob sie es dem Kommenden oder Gehenden hinreichten. Es ist dies lediglich eine den Offizieren etc. etc. erwiesene Ehrenbezeugung geworden, auch dann noch erwiesen, wenn das Schiff am Bollwerk oder an der Werftkaje liegt. Wie sehr die ursprüngliche Bedeutung dem Bewußtsein entschwunden ist, lehrt besonders deutlich das Kommando: „Vier Fallreep‟ (für einen Stabsoffizier die Ehrenbezeugung), als ob der Fallreepsgast Fallreep genannt werden könnte, oder die Redewendung: „Er lehnt sich zum Fallreep hinaus‟, wobei keineswegs an das Reep, sondern an den Einschnitt in der Bordwand, der einer Tür ohne oberen Drempel gleicht, gedacht ist. — Indessen gibt es doch Gelegenheiten, wo das Reep noch wieder zu Ehren kommt und fällt; in See oder auf offener, sehr bewegter Rhede, wo das Schiff sich stark bewegt und die Treppe nicht ausgebracht werden kann. Da muß man, wenn es nicht gar über eine Jakobsleiter am Besansbaum geht, die Trittbretter an der Bordwand benützen und zieht das Reep aus leicht begreiflichen Gründen den Einschnitten zum Halten in den Trittbrettern vor. — Die Bedeutungsverschiebung ist nicht neu. Schon Aubin 1702 hat das holländische val-reep mit échelle de poupe übersetzt, was der erwähnten Jakobsleiter entspricht. Die Entwickelung ist also die: Tau, Tau-(Strick-)Leiter, Leiter, Treppe. Auch übersetzte er es sinnreich mit tire-vieilles: „Ce sont deux cordes qui ont des noeuds de distance au distance. Elles pendent le long du vaisseau endehors, savoir une corde de chaque coté de l'échelle‟. — Der Übersetzer der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ hat sich die Sache mit Fallreep leicht gemacht und einfach Falltreppe gesagt. Er beschreibt eine Begegnung des Kaisers Karl V. mit König Franz I. „an den Bord des Käysers, da der König mit einer köstlichen zubereiteten Chaloup von Aquamorto, in Begleitung des Montmorancus, des Hertzogs und Cardinals von Lothringen ankommen war. Der Käyser begegnete dem König an der Fall-Treppen, und empfing ihn mit aller Freundlichkeit, und führte ihn nach dem Hinter-Teil des Schiffes, allda sie viele Stunden mit einander in sehr ergötzlichem Gespräch zubrachten, unter welchem die fürnehmsten Herren Seiner Käyserlichen Majestät Hände zu küssen kamen.‟
Fangleine, die, eine lange, dünne aber feste Leine, die aufgeschossen, von Bord aus an Land (oder umgekehrt) auf ziemlich weite Entfernung, wenn der Werfer seine Sache versteht, geworfen wird. Derjenige dem die Leine zugeworfen ist muß sie fangen, einholen und holt dann die am andern Ende der Fangleine befestigte Trosse mit ein, um sie am nächsten Poller oder Ducdallen festzumachen. Fangleine eines Bootes ist eine etwas stärkere Leine, die als Schlepptau dient. Fangtaue sind dünne Tauenden, mit denen etwas im Wege Hängendes aufgebunden, beiseitegebunden, aufgefangen wird. Fangstander ist ein Stück Kette das das im Davit hängende Boot tragen hilft und also die Taljenläufer desselben entlastet. — Auf Wangerooge sollen sie das Ankertau fangelin nennen.
Fardage, die. Packmaterial, Holz, Spähne, Rohr etc. etc. zwischen die einzelnen Teile (Colli) der Ladung gestopft um sie vor dem Rütteln, Schütteln und Stoßen zu schützen, überhaupt vor Bewegung. Stammt aus dem Französischen wo fardeau (altfranzösisch fardel) ein Bündel bedeutet; die Vorstellung ist also die, daß das Packmaterial in Bündeln zwischen die einzelnen Kisten, Kasten, Fässer u. s. w. gestopft wird; auch kommt im Englischen, außer diesen fardage, ein Substantiv fardel vor, welches ebenfalls Bündel heißt, und wie dieses oft im Sinne von unangenehmer, widerwärtiger „Last‟ gebraucht wird, so daß man wohl auch bei Fardage an ein dem Seemann lästiges, unnützes, wertloses Stück der Ladung, das nur so als notwendiges Übel mitgeschleppt wird, denken darf.
Farunner, das, ist auf Tjalken, Muten und Snicken das Logis der Matrosen, überhaupt der aus wenigen Leuten bestehenden Besatzung. Ehrentraut, Friesisches Archiv II. 62, sagt von einer Tjalk, daß sie rund gezimmert ist, „hat aber keine Kajüte, sondern einen Raum, worin die Mannschaft sich aufhält und schläft: dait farunner, und zwar ein doppeltes, hinten und vorn, auch ein rum (Raum, Laderaum).‟ Das Farunner unterscheidet sich von der Kajüte dadurch, daß es nicht so hoch ist und man nicht aufrecht darin stehen kann, und daß darin gekocht wird. Ursprünglich trug nur der vordere abgeteilte und gedeckte Raum den Namen farunner oder farunder, denn das far ist gleich för und es kommen die Formen förunder und vorunder vor. Letztere ist die älteste die mir bekannt geworden ist; sie steht in einer Bremer Urkunde von 1564: „darvp alsuort Jacob onde Albert de pumpen angegrepen, he, tuge, averst sy in dat vorunder gegann, synn steuell onde kleider angetaghenn‟ ... För, vor ist gleich vorne, forunner also das „Vornunter‟, der Raum wo die Leute vorne ihren Unterschlupf haben. Daß man hernach auch einen hinteren Unterkunftsraum so nannte, wird den nicht wundern, der das goldene Kopfeisen der Friesinnen kennt, oder die neumodischen Waschschwämme, die gar keine Schwämme sind, sondern aus Gummi verfertigt werden; sie heißen aber Schwämme.
Fastgaljas, die, vergl. Galeere, ein schnelles Schiff. Das Wort kommt in dem niederdeutschen „Kasper Ohm en ik‟ von John Brinkmann vor. Wir haben es hier nur mit der ersten Silbe zu tun. Fast ist unser neuhochdeutsches fest. Der Sinn ist im Niederdeutschen weiter als im Hochdeutschen. Denn da heißt es nicht nur unbewegt, dauerhaft, beständig, haltbar, „fest wie Magdeburg‟, nicht nur noch allgemeiner sicher, gewiß, zuverlässig, kräftig, stark, tüchtig, sondern auch schnell. Zur Tüchtigkeit gehört eben in gewissen Fällen Schnelligkeit (vergl. Kielschwein). Darum heißt fast nicht immer fest, sondern manchmal das Gegenteil von fest, nämlich beweglich, sehr beweglich, schnell beweglich, schnell. Ein tüchtiges Schiff ist nur dasjenige, welches die nötige Geschwindigkeit entwickelt, wie der nur ein tüchtiger Bote ist, der seine Botschaft mit einiger „Fixigkeit‟ ausrichtet. Im Englischen ist auch einer, der schnell vom Flecke kommt „a fast traveller.‟
Felucke, die, ein langes, schmales Fahrzeug des mittelländischen Meeres, mit zwei etwas nach vorne geneigten niedrigen Masten, hochragenden lateinischen Segeln und acht bis zwölf Riemen an jeder Seite. Sie ist meist ungedeckt, hat aber am Heck eine Hütte zum Schutze gegen Wind und Wetter. Kennzeichnend ist auch der lange spitze Schnabel, an dem der Hals des Focksegels befestigt wird. Doch gibt es auch andere, größere Felucken mit namhaften Abweichungen von dieser Beschreibung. Die ganze Art von Fahrzeugen muß aber, trotz früher oft gerühmter Geschwindigkeit, vor dem siegreichen Dampf die Segel streichen und wird bald vom Meere verschwunden sein. Stammt aus dem Arabischen felukah, von fulk = Schiff.
Fender, der, eine Art Polster aus umsponnenem Kork, dazu bestimmt, das Schiff, wenn es durch eine Schleuse geht oder an ein Bollwerk, vor dem Schamfilen zu schützen, indem es zwischen Bordwand und Mauer gehängt wird. Erst in neuerer Zeit in die deutsche Seemannssprache, die früher nur Wreifhölzer kannte, aufgenommenes aus England gekommenes Wort. Vom lateinischen defendere verteidigen, behüten, beschützen, bewahren. „Schutz‟ würde also die Übersetzung ins deutsche sein.
Feuerschiff, das, ist ein Schiff, das die Stelle eines Feuerturmes vertritt, an einem Orte verankert, wo sich ein Turm nicht bauen läßt, wo aber doch wegen der Beschaffenheit des Fahrwassers ein besonders deutliches, weithin sichtbares Feuerzeichen nötig ist. Es hat keine eigenen Fortbewegungsmittel. Der Mast oder die Masten dienen nur zum Hissen der Laternen bei Nacht, der Signalbälle bei Tage. Der Ausdruck Feuerschiff erinnert, wie Leuchtfeuer und Feuerturm, noch an die Zeit, in der auf dem Turm wirkliche Holz- oder Kohlenfeuer brannten. Da diese jetzt durch Lichter verschiedener Art verdrängt sind, so ist der engl. Ausdruck light-ship sinngemäßer als unser deutsches Feuerschiff; bei Turm haben wir uns auch den veränderten Umständen angepaßt und sagen Leuchtturm, aber Feuerschiff hat sich siegreich behauptet.
fieren, das Gegenteil von holen, ein Tau ablaufen lassen und so den Gegenstand, der an dasselbe festgebunden ist, nicht näher an sich heranholen, sondern weiter von sich entfernen. Die Versuchung liegt nahe, bei diesem Worte an feiern zu denken, das ja niederdeutsch fieren heißt; von fir = Feier, Feiertage, lateinisch feriae, Tage an denen keine Arbeit getan wird, wo die Arbeit ruht. Dieser Versuchung ist Weiland unterlegen; er schreibt: „vieren = rüsten (ruhen); den teugel vieren is, hem niet strak vasthouden, laten schieten.‟ Allerdings wird ja „geruht‟, nachgelassen mit der Arbeit des Holens beim fieren (wenn überhaupt unmittelbar vorher geholt worden ist), aber das gibt doch nicht bei der Bedeutung von fieren den Ausschlag, denn nachlassen mit holen bedeutet doch noch kein wiederablaufenlassen dessen das man geholt hat, sondern erfordert nur, daß das Geholte festgehalten und belegt wird. Überdies braucht dem Fieren ein Holen gar nicht unmittelbar voraufzugehen, so daß schon darum nicht von Ruhe, Nichtweiterarbeiten, Nichtweiterholen die Rede sein kann. Auch verbietet sich der Gedanke von feiern von selbst, wenn wir bedenken, was das heißt: „he let en fieren‟; das heißt doch wörtlich: „er läßt einen streichen‟, und wir haben da das andere niederdeutsche Wort fieren, welches auch unser seemännisches ist, mit fern verwandt ist und streichen heißt, fahren, gehen, laufen, schießen, gleiten; firen laten: los lassen, gehen lassen, frei geben, Raum und Freiheit geben sich zu bewegen; in die Ferne, ins Weite gehen, nicht bleiben und haften, nicht gehalten werden, — das ist die Folge des Fierens, und das Gefierte, das nun nicht mehr gehalten wird, sackt, senkt sich, sinkt so lange bis es anderweitig Halt und Stütze findet. Bei einer Verhandlung über einen Seeunfall im Jahre 1564 sagte zu Bremen ein Augenzeuge aus „dat N. dat spreeth loss gelatenn, sin schip vmme geswengeth ond dat grote anker ond touwe vthgefiret, ond he, tughe, dat plichtgarde (Pflichtleine) othgestekenn und gespraken: wat wylle gy vele fireinn? wy liggen alle an der grundt.‟
Fest holen s. holen.
Festzeisen s. zeisen.
Fid, fidden, nicht zu verwechseln mit fitten (s. d.) Fid ist eine aus hartem Holze gemachte runde Pinne, mit der man beim Splissen und Knoten die einzelnen Duchten von den Enden der Taue auseinander hält um durchstecken zu können. Das Auseinanderhalten nennt man fidden. Das Wort dürfte vom englischen to fit kommen, welches seinerseits wohl auf das gothische fetjan zurückgeführt wird, schmücken, dann in den zahllosen Bedeutungen von „zurechtmachen‟ gebraucht.
Fingerlinge, die, nennt man starke eiserne Hänge am Achtersteven, in welche das Ruder mit den Haken eingehängt wird; es kann indessen auch umgekehrt gemacht werden, daß das Ruder die Fingerlinge hat und der Steven die Haken. Man stelle sich eine in ihren Angeln sich drehende Tür vor. Zu Fingerling ist Däumling zu vergleichen. Es bedeutet eine Hülle, in die ein Finger paßt, wie der Däumling eine Umhüllung in die der Daumen grade hineingeht; wer sich am Finger verletzt hat und keinen dicken Verband haben will, der zieht den abgeschnittenen Finger eines ledernen Handschuhs, einen Fingerling, über, an dessem hinteren Ende ein Band befestigt ist, das ums Handgelenk gebunden wird. Ehrentraut (Friesisches Archiv, II. 65) schreibt: „Das Steuerruder: dat rôr am Hinterteil hängt in vier eisernen Haken, welche in Büchsen sitzen. Diese Büchsen heißen da fingelin (Sing.: dju fingelin);‟ und zwar bezieht sich das auf die Sprache der Wangerooger Seeleute.
Finknetzkasten, der. Der obere, kastenartige Abschluß der Reeling, in dem die Hängmatten verstaut werden. Diese wurden ursprünglich auf Kriegsschiffen vor der Schlacht auf die Reeling gebracht als Schutz gegen feindliche Kugeln. Hieraus entwickelte sich ein bleibender Verwahrungsort für die Hängematten mit entsprechender Gestaltung der Bordwand, kastenartig mit einem geteerten „Kleid‟ zum Überdecken. Aber wenn diese Einrichtung getroffen war, wurden im Falle einer Schlacht die Hängematten als Brustwehr mit großen Netzen befestigt. Diese führten den Namen Finknetze von dem niederdeutschen Schiffsnamen pink; das Fahrzeug dieses Namens war sehr vielseitig, wurde namentlich aber in Niederdeutschland als Fischerboot benützt, weshalb Kilianus das Wort auch mit navis piscatoria wiedergibt. Das große Netz dieser Pink hieß Pinknetz. (Kil.: pinck-net, rete majus). Der Übergang von Pink zu Fink stellt eine sehr gangbare Lautverschiebung dar. Das p des Umlautes wird zunächst affriziert zu pf und dann gestattet sich bequeme Aussprache in Nord- und Mitteldeutschland gerne die Spirans statt der Affricata: Ferd, Fand, Fund. — Anstatt des Finknetzes für die Hängematten ward dann ein Kasten für sie gebaut, aber der Name blieb erhalten, es wird bloß Kasten hinzugefügt: Finknetzkasten.
fischen, hat in der Seemannssprache außer dem gewöhnlichen Sinn auch noch den von festmachen, befestigen, unterbringen und zwar den bereits aus dem Wasser geholten (gekatteten) Anker. Der nachmalige Admiral Brommy beschreibt in seinem aus Athen datierten (Dezember 1847) Buche „Die Marine‟ den Vorgang des Ankerfischens: „So wie der Ring des Ankers über dem Wasser sich zeigt, haken zwei Bakgasten den Katzblock in denselben ein, das Gangspill wird wiederum gepallt. Schnell wird nun der Läufer der Katztakel angeholt, der Anker mittelst dieser an den Krahnbalken gezogen und durch die Penturleine daselbst befestigt. Der Fischhaken wird über den Schaft des Ankers geworfen und durch die Fischtakel derselbe auf die Seite gebracht, wo er mit der Rüstleine festgemacht wird.‟ Wie alles in der Seefahrt, so hat sich auch in diesem Stücke seit 1847 viel geändert; so hat man inzwischen einen Fischdavit erfunden und andere Neuerungen der Technik angebracht; die Bezeichnungen katten und fischen sind aber geblieben.
Fitten. Ehe ein Schiff ins Dock geht muß es — also unter Wasser — gefittet werden, d. h., es muß genau die gegenwärtige Form seines Kiels festgestellt werden, damit darnach die Stapelklötze so aufgebaut werden können, daß nachher im Dock wenn das Wasser sinkt und das Schiff sich auf die Klötze setzt, der Kiel in allen Teilen genau und richtig unterstützt ist, namentlich auch in etwaigen beschädigten Teilen, sei es, daß der Kiel durch die Länge der Zeit von seiner ursprünglichen Form gewichen ist, sei es, daß durch Festkommen eine Havarie entstanden, eine Beschädigung hervorgerufen ist. Diese festzustellen, den Fehler genau graphisch darzustellen dient eine Vorkehrung, eine Art Rahmen, die Fitte genannt. Und die Tätigkeit heißt fitten. Es liegt nahe an eine der vielen Bedeutungen des englischen to fit zu denken. Aber keine von ihnen paßt. Desto besser paßt ein noch viel näher liegendes niederdeutsches Zeitwort fitjen, das zunächst tadeln bedeutet, dann aber auch mäkeln, kritisieren, geflissentlich Mängel aufsuchen.
Fischerstek, s. Stek.
Fjord s. Föhrde.
Flagge, die. Kilianus erklärt das Wort fenlyn durch flammeum, flammeolum, d. h. Brautschleier, weil in Rom dieser flammend rot war. Eine ähnliche Gedankenverbindung drängt sich auf zwischen Schleier und Flagge, wenn man nicht an die Farbe, sondern an das Wehen und Flattern eines Schleiers denkt. Was flattert das flackert auch. Und von Flackern kommt der Name. Er ist neueren Ursprungs, zuerst nach Kluge 1613 gebucht. Englisch flag, im Angelsächsischen war aber das Wort, weil wahrscheinlich auch die Sache unbekannt, obgleich schon die Flotte Wilhelms des Eroberers mit wehenden Flaggen an der englischen Küste landete. Im Beówulf heißt das, was wir Flagge nennen, segn = Signum, war aber keine Fahne, sondern ein Schild. Der hoch am Maste befestigte Schild galt als das Zeichen der Gegenwart des Befehlshabers; war der König selbst an Bord, so hißte man einen Schild von Golde. Sogar zu Häupten des toten Königs Skild banden sie, als sie ihn im reichgeschmückten Schiffe dem Meere übergaben, ein goldenes „segn‟. Es gibt natürlich an Bord eines Schiffes vielerlei Flaggen: Kriegsflaggen, Nationalflaggen, Post- und Zollflaggen, Lootsenflaggen, Bootsflaggen, Signalflaggen, Winkflaggen, den blauen Peter, Admiralsflaggen etc. Was letztere betrifft, so genügte früher zur Unterscheidung des Ranges, wenn man sah an welchem Maste die Admiralsflagge gehißt war; jetzt, seitdem es überhaupt nur noch Gefechtsmasten auf den in Betracht kommenden Schiffen gibt, müssen die Admiralsflaggen unter sich verschieden sein. — In England unterschied man früher (bis 1864) Admirals of the red, of the white, of the blue flag, und in jeder dieser Farben gab es wieder einen Admiral, einen Vice- und einen Kontreadmiral, (wonach zu berichtigen Lüpkes, Seemannssprüche p. 63, wo angeführt ist, daß im englischen Sprichwort Admiral of the red (flag) einen „Söffel‟ bedeutet, wegen der roten Nase, Admiral of the white einen Feigling und Admiral of the blue einen Schankwirt, wegen der blauen Schürze). — Weil er das Recht hat, eine Flagge zu führen, nennt man den Admiral Flaggoffizier; Flaggleutnant aber heißt der Offizier, der des Flaggoffiziers, der ein Geschwader führt, rechte Hand ist. — Flaggenparade heißt das feierliche Hissen und Niederholen der Kriegsflagge. — Die Flaggen sind von feinem, wollenem Zeug, das zwar mit dem was wir sonst Tuch nennen gar keine Ähnlichkeit hat, aber doch Flaggentuch heißt. — Die Leine, an die die Flagge angesteckt wird, oder vielmehr zwischen die sie eingeknebelt wird, heißt Flagg-(nicht Flaggen-)leine. Das Schiff, auf dem der Geschwaderchef seine Flagge gesetzt hat, ist sein Flaggschiff, auch wird es das Flaggschiff des Geschwaders genannt. — Zu bemerken ist, daß die für ein an die Sprache der deutschen Marine gewöhntes Ohr sehr störend klingenden Formen Flaggenoffizier, Flaggenleutnant, Flaggenschiff etc. etc. in der österreichischen Marine gang und gäbe und auch im dienstlichen Gebrauche sind. — Es war von jeher üblich mit wehenden Flaggen zu kämpfen; „Durchläuchtigste Seehelden‟ II 449: „unterdessen wuchs das Wasser (im Hafen von Ostende, es handelt sich um einen Anschlag der Franzosen auf diesen) ziemlich an, da denn mit einem Nordost-Wind zehn mit Volck geladene Barcken, mit fliegenden Flaggen und Wimpeln, Trommelschlag, bereitem Gewehr, und die von des Königes (es war 1658) und Mazarini Leib-Guarde ihre blaue Bardürete und andere Röcke, und die Befehlhaber ihre Federn und Feldzeichen anhabend, und den Marschall in der Mitten, mit seinem Orden des H. Geistes, hinein kamen: der Wind war so gut, daß als sie über die Bank, die an dem Eingang des Havens liegt, kommen, es ihnen nicht möglich war, (weil sie zugleich von den einlauffenden starcken Strom fort getrieben wurden) die Fahrt aufzuhalten. In dieser Gestalt kamen sie an die Kay.‟ — Von der Aufstellung der spanischen und Venediger Schiffe unter Don Juan d'Austria bei Lepanto berichtet derselbe Verfasser: „Unter anderen Ordnungen war auch diese, woran nach aller Meinung sehr viel gelegen war, umb die bestellte Ordnung in dem Fechten zu halten, in Betrachtung, daß sowohl die Königlichen als Venedischen Galeyen unter einander vermengt waren, daß dieselbigen ein jede ihr besonder unterschieds-Zeichen haben sollten, damit sie sich in dem Schlagen leichtlich wieder unter ihre Flagge begeben konten, und also hatten die von der Bataille ein klein blau Fahne auf dem Gipffel eines jeden Mastbaums; die von dem rechten Fliegel eine grüne Banderol oder Fahne, an dem Ende der Segel-Stangen, die in dem linken Fliegel eine gelbe, und die im Nachzuge eine weisse auf dem hinder Theil der Schiffe.‟ — Wenn man Leonhart Frohnsberger glauben darf, der 1565 so gut wie ers verstand über See und Seemannschaft geschrieben hat, so wurde in seinen Tagen mit Flaggen ein außerordentlicher Luxus getrieben. „Eines grossen hohen Potentaten Schiff der lust oder zier nach zu versehen, mag außwendig ober dem Wasser, gar überall mit deß Herren farben und Reimen gemalt und angestrichen werden, deßgleichen das vorder und Hinderhauß oder Schloß am Schiff, mag allenthalben auff das zierlichst mit Fanen oder Panier, wie mans denn pflegt zu nennen, so auch mit des Herrn Wappen und Farben gemalt, auffgesteckt werden, dareyn auch Reymen und vergülte Knöpff darauff zu setzen, und dann insonderheit, muß das hinder und vorder Schloß am Schiff zu aller vorderst und hinderst, ein zimlichen Platz zu beyden seiten oder ecken, auch von solchem Schloß kommen zu der Belle (belle, zwischen Groß- und Fockmast), weiter vom Schiff zwo viereckechte grosse Fanen, gleichfalls mit solchen farben, Reimen und Wappen, gar oben dem Tymon („Steuerpflicht‟) soll auch ein grosser Fanen sein, welcher die andern an der grösse alle übertrifft, und dann auf jeder Seiten des Hauß oder Schloß gegen dem Mästen, sollen sechs oder acht Fanen sein, und auff den Mastkörben vom großen Mast sollen rund umb, von der Breite und Höhe der gemeldten Mastkörb, auch mit Reymen, farben und Wappen geziert, und auch angehengt sein, zu dem mag oder soll noch ein gespaltener grosser breiter langer Standart oder Panier, der biß ins Wasser raicht, und auf dem Mast von gemeldtem Mastkorb soll auch ein großer Fanen, mit farben, Reymen und Wappen geziert sein, fliegen oder hangen.‟
flaggen heißt: die Flagge hissen oder setzen, wird aber in diesem Sinne für eine einzelne Flagge bei der Marine nur am Lande gebraucht; „die fiskalischen Gebäude haben zu flaggen‟, „die Werft, das Lazaret flaggt‟. An Bord, wo sich das tägliche Hissen der Flagge im Hafen von selbst versteht, sagt man nur dann, daß das Schiff geflaggt habe, wenn es über die Toppen geflaggt oder Flaggengala angelegt hat, wie solches bei hohen vaterländischen Festen, Kaisersgeburtstag etc. etc. zu geschehen pflegt, indem die Signalflaggen in langer bunter Reihe vom Bug bis zum Heck, an einem langen Tau befestigt, „über die Toppen‟, von Mast zu Mast wehen.
Flaggenparade, ist eine militärische Feierlichkeit an Bord der Kriegsschiffe im Hafen, nämlich das feierliche Hissen der Flagge um 9 h. a. m. und das feierliche Niederholen (nicht Streichen) derselben bei Sonnenuntergang. Dabei tritt die Wache ins Gewehr, die Musik spielt den Präsentiermarsch und der Flagge werden die militärischen Ehren erwiesen, während die an Deck befindlichen Offiziere durch Anlegen der Hand an die Mütze sie grüßen. Das ist ein alter Brauch. Von der abendlichen Flaggenparade erzählt schon Frohnsberger 1565, er gebraucht zwar das Wort nicht und erwähnt auch die Flagge nicht, aber es ist doch nichts anderes. „Item wann es auf dem Meer oder Wasser schier zu der Sonne niedergang kompt, so entbieten alle umbhaltende oder fahrende Schiff dem öbersten Potentaten ehr und reverentz, zu dreymal auff einander, durch ein laut und groß Wasser, gleich einem Ave Maria oder Feldgeschrey, oder werden etwan mit Stück Büchsen drey schüß kurtz auff einander, zum zeichen der nachtwach, gethan, dazu etwan mit Baucken, Trommeten, sampt anderen Pfeiffen und Trummen, überlaut zum dritten mal gegen deß öbersten Schiff erzeiget. Hergegen wird dem gantzen Hauffen oder allen Schiffen, so umbher oder mit fahren und halten, hinwider ein gruß mit dancksagen erzeigt, darauff die Losungen auff etliche stund, zu halber oder gantzer nacht, nach dem es dem Herrn gefällig, empfangen.‟
Flaschenpost, die. Wenn Schiffbrüchige ihre letzten Grüße auf einen Zettel schreiben, in eine Flasche stecken und diese fest verschlossen über Bord werfen, in der Hoffnung, es werde ein günstiger Strom sie an irgend eine zivilisierte Küste treiben, so nennt man dies eine Flaschenpost, wiewohl es mit unserem Lehnwort Post (von positis equis) wenig genug zu tun hat. Man wirft aber auch ohne schiffbrüchig zu sein zuweilen Flaschenposten über Bord mit Angabe des Ortes, des Datums und der Adresse des Absenders, um aus dem Orte ihrer Ankunft auf die Richtung der Meeresströmung schließen zu können.
flau, flaue Brise = schwacher Wind; davon die Wendung „der Wind flaut ab‟, wird schwächer; auch: „das Interesse flaut ab‟, „flaue Geschäftszeit‟ etc. etc. Wenn wir das Wort vom althochdeutschen flawen fließen, strömen, schwimmen, waschen, spülen, ableiten dürfen, so ist das Wort nicht nur jetzt seemännisch, sondern ist es auch immer gewesen, und wir hätten uns die Bedeutungsentwicklung so vorzustellen: auf oder im Wasser schwimmend, durch Liegen in Feuchtigkeit erweicht, weich, matt, schwach, kraftlos, gleichgültig (wie ein „Waschlappen‟), verschwommen, blaß.
Flechting, die. Scheinbar sind die beiden einander an Steuerbord und an Backbord entsprechenden Hofdtaue zwei Taue, in Wirklichkeit bestehen die beiden aber aus einem Tau, das in der Mitte ein großes Auge hat, mit dem es über den Top des Mastes gestreift wird, so daß die eine Hälfte nach Steuerbord, die andere Hälfte nach Backbord fährt. Dieses Auge muß fest um den Mast sitzen und glatt anliegen, so als ob es um den Mast geflochten wäre. Da ihrer mehrere über einander zu liegen kommen, so sieht das Ganze in der Tat wie ein Geflecht aus, und der Name hat also seine Berechtigung.
Flibustier, der = Seeräuber, stammt in seiner gegenwärtigen Gestalt aus dem Französischen, aber der Ursprung ist deutsch. Es gibt in England ein Fährschiff das den Namen flyboat führt und aus den Niederlanden übernommen ist, wo es vlieboot heißt, nach den Vlielandern auf Vlieland, welche Insel durch het Vlie von Terschelling getrennt ist. Da es nun geschichtlich nur zu fest steht, daß die Bewohner der ganzen friesischen Küste von den ältesten Zeiten her bis zu den Tagen der Kontinentalsperre nicht immer die Seefahrt als „erlaubten Nahrungszweig‟ betrieben, sondern den Bremer und Hamburger Schiffen ebenso gut nachgestellt haben, wie die binnenländischen Ritter den Wagen der Kaufleute auf der Landstraße, so könnte das Wort schon von Fliebooter kommen, wenn nicht die alte französische Form fribustier neben flibustier stünde. Das kann ja nun eine der überall so beliebten aus sprachphysiologischen Gründen geschehene Verwechslungen von l und r sein. Doch wäre es denkbar, daß dieses r als organisch angesehen werden könnte, und dann müßte man das Wort von Freibeuter ableiten; sonst auch Aventurier, und im Mittelalter Vitalienbrüder (s. d.) genannt, in amerikanischen Gewässern bucaneer, französisch boucanier, von boucan einem caribischen Worte für räuchern, weil die ersten französischen Ansiedler auf Hayti wilde Ochsen und Schweine jagten und ihr Fleisch räucherten, dann aber auch gegen die Spanier freibeuterten. Vlieboote waren seegehende Kriegsschiffe; im Treffen bei Cadix 1596 waren ihrer etliche mit Erfolg tätig auf Seite der Engländer, „Durchläuchtigste Seehelden‟ I. 405: „In allen diesen grausamen Gefechten, waren der Englischen nicht über hundert Mann geblieben, wiewohl viel von ihren Schiffen offtmals durch und durch geschossen worden, ja etliche wol zu Zwey-und zwantzig malen. Der Pinas, des Ritters Robert Southwell, der zu Kühn war, das Schiff Philippus anzugreifen, ward mit demselbigen verbrandt, das Volck aber davon gerettet. Einer von den holländischen Vlie-Booten, der sich durchgehends tapffer und wol gehalten, gerieth auch durch sein eigen Pulver in Brandt, und blieb mit allem Volck, ausgenommen sieben oder acht Mann, die durch angewendeten grossen Fleiß erhalten wurden.‟
Flieger, der, ein für gewöhnlich nicht gefahrenes, auf Kriegsschiffen überhaupt nicht übliches Segel das nur bei gutem beständigem Wetter zwischen dem Stengenstagsegel und dem Bramstengenstagsegel gesetzt wird, überhaupt alle zwischen den eigentlichen Stagsegeln angebrachten Hilfsstagsegel. Ein Schiff mit solchen gewährt einen besonders schönen Anblick und kann auf den Beschauer den Eindruck erwecken als flöge es. — Auf Wangerooge heißt dagegen flieger eine schmale Flagge die am Maste fliegen gelassen wird und die durch ihr Fliegen die Windrichtung angibt. Vergl. Verkliker.
flott, ist das was schwimmt, weshalb auch im Niederdeutschen die Sahne, der Rahm der auf der Milch schwimmt, Flott genannt wird; dergleichen ein auf der Suppe schwimmendes Fettauge. In übertragener Bedeutung „flotter Bursch, flotter Student‟, im 18. Jahrhundert zuerst in der Studentensprache gebraucht. Das Wort ist verwandt mit dem griechischen ploo schwimmen, plotos schwimmend, das auf einer Wurzel plu beruht, die, im Lateinischen pluit es regnet, pluvium Regen bildend, im Althochdeutschen zu flawen geworden ist. Angelsächsisch flowan und fleotan, fließen, altnordisch floa auf dem Wasser treiben, altfriesisch fleta fließen, dazu fleth, flethe, flette = beweglich, vlottend gued = bewegliches, mobiles Gut, Möbel. Wenn ein Anker sich vom Grunde losgerissen hatte und trieb, so nannte man ihn altfriesisch flodfarend und billigte dem vor seinem Anker treibenden Schiffe Suspension der Seevorschrift zu: „Iding thing is ter set umbe thes flodfarende anckeren.‟ — Wenn ein Schiff „aufgefahren‟ ist, so werden alle Versuche angestellt, es wieder flott zu bekommen, es wieder zum Schwimmen zu bringen. In den „Durchlauchtigsten Seehelden‟ 1681 wird flott = gehend gebraucht. Peter Petersen Heyn, der holländische Admiral, machte einen Anschlag wieder die Portugiesen in Bahia, „darüber die Holländer nicht mehr als fünfzig Mann verlohren, nebenst etlichen Verwundeten, worunter der Admiral selber war, welcher eine Kugel durch den linken Arm, und einen Splitter vor das Schienbein bekommen hatte. Sein Schiff benebenst dem Schiffe Geldria geriet auch auf den Sand, da sie von dem feindlichen Geschütz tapfer getroffen wurden. Geldria, wiewohl es mehr als sechzig mahl getroffen ward, ward endlich wieder flott oder gehend, aber das Admiral-Schiff ward also fest sitzend beschossen, kunte aber nicht wieder flott oder gehend werden, daher es in den Brand gestecket und verlassen ward.‟
Flotte, die, ein Verband von Schiffen, Kriegsflotte, Handelsflotte, Fischerflotte, Panzerflotte; auch der ganze Bestand einer Nation an Kriegsschiffen, „die deutsche Flotte‟ etc. etc. Das Wort stammt von der unter flott angegebenen Wurzel und hat sich selbständig im niederdeutschen Sprachgebiet entwickelt. Es gibt allerdings auch ein italienisches, gleichbedeutendes Wort flota, portugiesisch frota, spanisch flota, französisch flotte. Aber unser „Flotte‟ hat mit ihnen nichts zu tun, weit eher umgekehrt. Denn wenn die romanischen Wörter auch von fluctus kommen, da altfranzösisch flote Menge, Schwarm hieß, — man sagte flote de gens, flote de nefs, flote de poile, Haarflocke — , ja wenn es auch sogar den Anschein hat, als sei das Wort nach Hochdeutschland — nach 1565, da der Ulmer Leonhart Frohnsperger es noch nicht kennt und statt dessen Armada sagt, wie denn überhaupt seine Kenntnisse sich auf südliche Seemannswörter beschränken, von der Hansa und deren Sprachgebiet hat er kaum eine Ahnung — nicht aus Niederdeutschland, sondern aus dem Mittelmeer gekommen, was aus der Form in der es zuerst auftrat: Flotta zu schließen ist und um derentwillen es 1617 im „Teutschen Michel‟ als Fremdwort verspottet worden ist, so bemerkt doch Diez gewiß richtig, daß seine ursprüngliche Bedeutung durch den Einfluß des niederländischen vloot eine der modernen sich anbequemende nähere Bestimmung erhalten habe. Jedenfalls hat an den Küsten der Nordsee Flotte schon früh eine Vereinigung von Schiffen bedeutet. Altfriesisch flothe: „ende thet bi der Elwa biland tha flothe.‟ Und wenn auch im Beówulf flota nur ein einzelnes Schiff bedeutet, so genügt das Wort dennoch zum Beweis für ein vom Mittelmeer unabhängiges Dasein. — Dagegen ist Flottille rein romanischen Ursprungs vom spanischen flottilla, kleine (Silber-)Flotte, 18. Jahrhundert. — Der Übersetzer der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ 1681 gebraucht das Fremdwort Flotta und das einheimische Flotte neben einander; wahrscheinlich hat er ersteres aus seinem hochdeutschen Sprachbewußtsein, letzteres aus seinem Original, das holländisch geschrieben ist. Eine holländische Flotte segelte 1628 nach Westindien unter Pit Heyn. „Das Schiff, der schwartze Reuter, das Einhorn und der Fuchs, bekamen Befehl vorauß zu segeln, und darob zu seyn, daß sie deß Morgens allezeit wieder bei der Flotta seyn möchten. Und als sie sich den zehenden Julii auf der Höhe von vierzehn Graden und sechs und zwantzig Minuten, und deß andern Tages auf dreyzehen Graden und vier und fünfzig Minuten Norderbreite befunden, befahl der General (Admiral Heyn nämlich) der Jacht (Aviso!) dem Fuchs, nach dem Untergang deß Mondes vorauß zu segeln, und wenn sie etwa Land gewahr würden, der Flotte solches mit einem Schuß kund zu thun.‟
Flut, die, das Zuströmen, Anschwellen des Wassers, oft gleichbedeutend mit Welle, vielfach im übertragenen Sinne (Flut von Schimpfreden, altfriesisch im Sinne von Einfall, Überfall: „jenst den wilda witzinges (Seeräuber) floed‟). Stammt mit den unter flott und Flotte besprochenen Wörtern von der Wurzel plu, flu = fließen; davon gothisch flodus, Flut, altnordisch flod, angelsächsisch flod, althochdeutsch fluot; auch in vielen slavischen Wörtern die in irgend einer Verbindung mit Wasser, schwimmen fließen, stehen steckt dieselbe Wurzel. Was man aber unter Flut im engeren und besonderen seemännischen Sinne versteht, das ist der Gegensatz zu Ebbe, das Heranfließen des „kommenden‟, „steigenden‟ Wassers; mit Ebbe zusammen eine Tide bildend, doch so, daß Flut in der Verbindung beider das größere Gewicht hat, so daß bei Tide immerhin mehr an die Flut als an die Ebbe gedacht wird.
Fluttor s. Schleuse.
Fock, die, das unterste große viereckige Segel an dem nach ihm benannten Fockmast, entsprechend dem Großsegel am Großmast. War früher dreieckig, was schon daraus hervorgeht, daß es ein viereckiges Segel gibt, das Breitfock heißt; das kann nur Sinn haben, wenn die eigentliche Fock schmal d. h. dreieckig war, wofür auch der Name der Fock in den romanischen Sprachen zeugt, italienisch trincheto, portugiesisch traquete, spanisch trinquete, (das englische trinket ist zwar gleicher Herkunft, bedeutet aber ein anderes Segel, eins das jetzt noch dreieckig ist, ein Topsegel) vom lateinischen triquetrus, dreieckig; französisch trinquet, Fockmast, also Mast der dreieckige Segel trägt. Es heißt aber auch mât de miséne, von miséne = Fock. Daher hat Aubin (1702) bei der Übersetzung der holländischen Wörter breefock und stagfock das Wort fock beibehalten und foques de miséne gesagt. Er rechtfertigt das mit folgenden Worten: „Comme on ne sait point quel nom ont en François ces deux voiles qu'on voit, en Hollande, aux galiotes, et à diverses sortes de petits bâtimens, on prend la liberté de leur donner celuici, qui peut assez leur convénir, si en éfet il n'y en avoit point encore d'autres; et s'il y en a d'autres on sera obligé à ceux qui voudront les aprendre. Cependant on ne voit pas qu'on puisse se dispenser de parler de ces sortes de voiles. Elles servent toutes deux tour-â-tour, selon le vent, et jamais ensemble. C'est le mât où est la grande voile, qui les soutient aussi: elles sont par-devant vis-â-vis de la foque de beaupré. Celle qui s'apelle Bree-fok, est une voile quarée qui sert quand on a vent arriére, ou vent largue; et quand on va à la bouline („beim Winde‟) on l'ôte, et on lui substitue l'autre voile, apellée Stag-fok, qui est à tiers point, et fort pointue par le haut.‟ Unzweifelhaft ist also das Wort niederländisch-niederdeutsch, und an der Nordsee haben wir nach dem Etymon zu suchen. Nun kennt schon Kilian ein focke = minimum velum ad proram, also Stagfock, auch ein breede focke, aber auch ein Zeitwort focken = velefico. Focken hieß also schon damals ganz einfach „segeln‟, wie es heute noch in Holland heißt. Ganz im Allgemeinen aber hat das mittelniederdeutsche focken den Sinn von ziehen, aufziehen. Die Fock ist also ein Ziehding, wobei es wenig ausmacht, ob sie gezogen wird oder zieht. Das Nächstliegende ist wohl, daran zu denken, daß sie aufgezogen wird, so daß also die Stagfock das Ursprüngliche und Namengebende wäre. Da man indessen hinten (im Boot) einen Treiber hat, warum soll man nicht vorne im Schiff einen Zieher haben? Es wäre dann also die (Stag-)Fock als das vorderste Segel als das Schiff hinter sich herziehend gedacht. — So sehr hat das niederdeutsche focken alle Bedeutungen von ziehen, daß das Wort auch für „es zieht,‟ „es ist Zug,‟ „Zugluft‟ gebraucht wird, selbst wenn der Zug sich zum Sturm verstärkt; dänisch fyge, in einem Schneesturm treiben, schwedisch foga, vom Winde gejagt werden, isländisch fok, Schneesturm; mittelhochdeutsch foche, Windfegemühle, fochen, das Getreide durch den Wind derselben von der Spreu sondern; dialektisch focher = Blasebalg; neuhochdeutsch fauchen; beim Teuthonista vocken = wehen. — Niederdeutsch heißt Focke ein Ort, wo es zieht, ein Platz der dem Winde sehr ausgesetzt ist. — Auch „von dannen ziehen‟ heißt das Wort im Mittelniederdeutschen. Im „Reinke de Vos‟ sucht der Fuchs den Wolf zu überreden, ihn frei zu lassen. Der antwortet ihm aber: